Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden, unprovozierten Anfällen. Diese entstehen durch plötzliche, übermäßige elektrische Entladungen in Nervenzellverbänden des Gehirns. Epilepsie ist dabei keine einheitliche Erkrankung, sondern eher ein Sammelbegriff für verschiedene Syndrome mit erhöhter Anfallsneigung.
Nach der Definition der Internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE) liegt eine Epilepsie in der Regel dann vor, wenn mindestens zwei unprovozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden aufgetreten sind, wenn ein einzelner unprovozierter Anfall mit deutlich erhöhtem Rückfallrisiko vorliegt oder wenn die Diagnose eines Epilepsie-Syndroms gestellt wurde.
In Deutschland leben schätzungsweise rund 500.000 Menschen mit Epilepsie. Die Erkrankung kann grundsätzlich in jedem Alter beginnen, tritt aber besonders häufig im Kindesalter und ab etwa 60 Jahren auf. Bei älteren Menschen ist ein Schlaganfall eine häufige Ursache.¹˒²
Epilepsie ist weder ansteckend noch ein Zeichen persönlicher Schwäche
Mit moderner Therapie wird ein großer Teil der Betroffenen anfallsfrei — viele führen ein weitgehend normales Leben.¹
2. Anfallsarten verstehen
Die ILAE-Klassifikation unterscheidet Anfälle vor allem nach ihrem Ursprungsort im Gehirn.⁴
Fokale Anfälle (beginnen in einem Hirnbereich)
Fokal 1Ohne Bewusstseinsstörung (mit Aura)
Die betroffene Person ist in der Regel bei Bewusstsein, erlebt aber unkontrollierte Symptome — z. B. Zuckungen einer Hand oder eines Arms, Kribbeln, Lichtblitze, aufsteigende Magengefühle, Déjà-vu, plötzliche Angst oder ungewöhnliche Gerüche. Diese „Aura" ist häufig bereits das erste Zeichen eines beginnenden Anfalls.
Fokal 2Mit Bewusstseinsstörung (Automatismen)
Das Bewusstsein ist eingeschränkt oder aufgehoben. Typisch sind Automatismen — z. B. Schmatzen, Kauen, Nesteln oder zielloses Umherlaufen. Im Anschluss kommt es meist zu einer Phase der Verwirrtheit (postiktale Phase).
Fokal 3Fokal zu bilateral tonisch-klonisch
Ein Anfall, der zunächst fokal beginnt und sich dann auf beide Hirnhemisphären ausbreitet. Aus Sicht der Umstehenden sieht er häufig wie ein „klassischer" großer Anfall aus.
Generalisierte Anfälle (beide Hirnhälften von Beginn an)
Grand malTonisch-klonischer Anfall
Bewusstseinsverlust, zunächst eine Versteifung der Muskulatur (tonisch), dann rhythmische Zuckungen (klonisch). Oft folgt eine ausgeprägte Erschöpfung. Zungenbiss und Urinabgang sind möglich.
AbsenceKurze Bewusstseinspause
Kurze Bewusstseinspausen ohne Sturz und in der Regel ohne ausgeprägte Zuckungen. Die betroffene Person „friert ein", hat einen starren Blick und reagiert meist nicht. Treten häufig bei Kindern auf und werden manchmal als Tagträumen fehlgedeutet.
MyoklonischBlitzartige Muskelzuckungen
Kurze, blitzartige Muskelzuckungen, häufig morgens kurz nach dem Aufwachen (z. B. bei der juvenilen myoklonischen Epilepsie).
AtonischSturzanfälle — plötzlicher Kraftverlust
Plötzlicher Verlust der Muskelspannung mit Sturzgefahr — häufig mit Verletzungsrisiko verbunden.
3. Ursachen
Die aktuelle S2k-Leitlinie unterscheidet grob mehrere ätiologische Kategorien:¹
Strukturell: z. B. nach Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall (bei Älteren häufig), Hirntumoren, kortikalen Fehlbildungen oder Hippocampussklerose
Genetisch: Vererbte Gendefekte oder Neumutationen — z. B. juvenile myoklonische Epilepsie, Absence-Epilepsie, Dravet-Syndrom
Infektiös: z. B. im Rahmen einer Meningitis oder Enzephalitis
Metabolisch: z. B. Elektrolytstörungen, Unterzuckerungen oder Stoffwechselentgleisungen
Autoimmun: z. B. Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis — diese Ursachengruppe wird heute häufiger erkannt und kann zum Teil gut behandelt werden
Unbekannt: Bei einem nicht unerheblichen Anteil lässt sich trotz umfangreicher Diagnostik keine Ursache sicher identifizieren
Ein einzelner Anfall ist noch keine Epilepsie
Sogenannte Gelegenheitsanfälle können durch Schlafmangel, Alkoholentzug, Fieber (bei Kindern als Fieberkrampf), bestimmte Medikamente oder Drogen ausgelöst werden. Die Abgrenzung erfolgt ärztlich.
4. Symptome: Vor, während und nach dem Anfall
Vor dem Anfall: Aura und Prodromi
Manche Betroffene berichten Stunden oder Tage vor einem Anfall über unspezifische Veränderungen wie Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen (sogenannte Prodromi). Unmittelbar vor fokalen Anfällen kann eine „Aura" auftreten — das ist häufig schon der Beginn des Anfalls selbst: aufsteigendes Magengefühl, Déjà-vu, ungewöhnliche Gerüche, plötzliche Angst oder Lichtblitze.
Seitlicher Zungenbiss (eher typisch für einen epileptischen Anfall; ein Biss an der Zungenspitze spricht häufiger für eine Synkope)
Unkontrollierter Urinabgang möglich
Vorübergehende bläuliche Verfärbung durch eine kurzzeitige Atempause
Nach dem Anfall (postiktal)
Verwirrtheit und Desorientierung — häufig über Minuten bis Stunden
Tiefe Erschöpfung, Schläfrigkeit
Kopfschmerzen, Muskelkater (nach einem tonisch-klonischen Anfall)
Gedächtnislücke für die Zeit des Anfalls
Seltener: vorübergehende neurologische Ausfälle (z. B. Todd'sche Parese)
5. Diagnose
Anamnese (häufig wichtigstes Element): Möglichst genaue Beschreibung durch Betroffene UND Augenzeugen. Ein Smartphone-Video eines Anfalls ist für die Neurologie häufig sehr hilfreich — Angehörige sollten, wenn möglich, Anfälle filmen.
EEG (Elektroenzephalographie): Misst Hirnströme über Elektroden an der Kopfhaut und kann epilepsietypische Muster zeigen. Neben dem Routine-EEG gibt es Langzeit-EEG, Schlafentzugs-EEG oder Video-EEG-Monitoring in spezialisierten Zentren. Wichtig: Ein unauffälliges EEG schließt eine Epilepsie nicht zwingend aus.¹
MRT des Kopfes: In der Regel hochauflösend nach einem Epilepsie-Protokoll. Kann strukturelle Ursachen wie Tumoren, Narben, Fehlbildungen oder eine Hippocampussklerose sichtbar machen.
Labor: Blutzucker, Elektrolyte, Leber- und Nierenwerte, Entzündungswerte. In bestimmten Situationen ergänzend Liquorpunktion (bei Verdacht auf Enzephalitis) oder toxikologische Untersuchungen.
Häufige Differentialdiagnosen
Synkopen (Kreislaufkollaps), psychogene nicht-epileptische Anfälle, Migräne mit Aura, TIA, Panikattacken oder Parasomnien. Die Differenzierung zwischen Synkope und epileptischem Anfall ist nach der S2k-Leitlinie häufig die wichtigste Differentialdiagnose.¹
Hinweis zur Terminologie: Die aktuelle S2k-Leitlinie verwendet den Begriff „Anfallssuppressiva" (ASM) statt „Antiepileptika", weil die Medikamente in der Regel die Anfälle unterdrücken, die Epilepsie aber nicht heilen.¹
Monotherapie bei fokaler Epilepsie — häufig erste Wahl
Lamotrigin
Leitlinie: Mittel der ersten Wahl bei neu aufgetretener fokaler Epilepsie (S2k-Leitlinie)¹ Eigenschaften: In der Regel gut verträglich und stimmungsstabilisierend Wichtig: Dosis muss einschleichend erhöht werden — bei zu schneller Steigerung besteht ein erhöhtes Risiko für Hautreaktionen bis hin zum Stevens-Johnson-Syndrom
Levetiracetam
Breit einsetzbar, schnell aufdosierbar, wenige relevante Wechselwirkungen. Mögliche Nebenwirkungen: Müdigkeit, Reizbarkeit oder Stimmungsveränderungen — besonders bei Kindern. Wirkt auch bei generalisierten Epilepsien.
Lacosamid
In der Regel gut verträglich, wenige Wechselwirkungen — wird zunehmend auch in der Erstlinie eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen: Schwindel und Doppelbilder. Bei Vorerkrankungen am Herzen sind ärztliche Kontrollen sinnvoll.
Oxcarbazepin
Weiterentwicklung von Carbamazepin mit in der Regel weniger Wechselwirkungen. Mögliche Nebenwirkung: Natriumabsenkung (Hyponatriämie) — Laborwerte werden meist regelmäßig kontrolliert.
Carbamazepin
Klassisches Anfallssuppressivum, heute etwas seltener erste Wahl. Hat im Vergleich zu neueren Wirkstoffen mehr Wechselwirkungen. Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten.
Bei generalisierten Epilepsien
Valproat
Gilt bei bestimmten generalisierten Epilepsien als besonders wirksam.¹ ⚠ Wichtig — strenges Schwangerschaftsverhütungsprogramm: Aufgrund eines hohen Risikos für Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen bei Schwangerschaftsexposition unterliegt Valproat EU-weit sehr strengen regulatorischen Vorgaben. Bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter wird der Einsatz stark eingeschränkt und erfolgt nur unter den Bedingungen eines offiziellen Schwangerschaftsverhütungsprogramms. Weitere mögliche Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Tremor, Haarausfall, Veränderungen der Leberwerte.
Add-on-Therapie bei schwer behandelbarer Epilepsie
Cenobamat — NEU für schwer behandelbare fokale Epilepsie
Neueres Anfallssuppressivum für Erwachsene mit schwer behandelbarer fokaler Epilepsie. In Studien konnte bei einem relevanten Anteil der Behandelten Anfallsfreiheit erreicht werden — deutlich mehr als unter Placebo.⁵ Wichtig: Dosis muss besonders langsam aufdosiert werden (u. a. wegen eines seltenen, aber schweren Reaktionsmusters DRESS). Wird in der Regel in spezialisierten Zentren eingesetzt.
Weitere Anfallssuppressiva
Brivaracetam, Perampanel, Zonisamid, Topiramat, Eslicarbazepinacetat, Clobazam und weitere.
Anfallssuppressiva niemals eigenmächtig absetzen
Das Anfallsrisiko kann dadurch deutlich steigen, bis hin zu einem lebensbedrohlichen Status epilepticus. Auch ein Präparatwechsel (z. B. auf ein anderes Generikum) sollte meistens nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Die S2k-Leitlinie empfiehlt Erinnerungs-Apps und Medikamentenboxen zur Verbesserung der Therapietreue. Mehr: Medikamente absetzen, Generika vs. Original.
7. Weitere Therapien: OP, VNS, Diät
Epilepsiechirurgie: Option bei fokaler Epilepsie mit identifizierbarem Anfallsherd, wenn zwei oder mehr Medikamente nicht ausreichend wirken. Prächirurgische Diagnostik in spezialisierten Epilepsiezentren. Die S2k-Leitlinie empfiehlt, Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbarer fokaler Epilepsie frühzeitig an ein Epilepsiezentrum zu überweisen.¹
Vagusnervstimulation (VNS): Implantiertes Stimulationsgerät am linken Vagusnerv, das in regelmäßigen Abständen elektrische Impulse abgibt. Kann bei einem Teil der Patienten die Anfallshäufigkeit reduzieren.
Tiefe Hirnstimulation: Neuere Option bei schwer behandelbarer Epilepsie, wenn eine Operation nicht infrage kommt.
Ketogene Diät: Sehr fettreiche, stark kohlenhydratarme Ernährungsform. Besonders bei Kindern mit schwer behandelbaren Epilepsien wirksam. Immer ärztlich begleitet. Bei Erwachsenen häufig modifizierte Atkins-Diät.
8. Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Die wichtigste Botschaft: Ruhe bewahren
Die meisten Anfälle enden in der Regel nach wenigen Minuten von selbst. Auf die Uhr schauen und die Dauer messen — das ist die wichtigste Entscheidungsgrundlage für den Notruf.
Was du tun kannst
Auf die Uhr schauen und die Anfallsdauer messen
Gefährliche Gegenstände aus der unmittelbaren Umgebung entfernen
Den Kopf schützen, z. B. mit etwas Weichem unterlegen
Nach dem Anfall: stabile Seitenlage, um eine Aspiration zu vermeiden
Ruhig bleiben, die Person beruhigend ansprechen und nicht allein lassen
Wenn möglich: den Anfall mit dem Smartphone filmen — für die Neurologie sehr hilfreich
Was du NICHT tun solltest
Nichts zwischen die Zähne stecken — kein Beißkeil, keine Finger, kein Löffel
Die Person nicht festhalten oder fixieren — das kann Verletzungen verursachen
Nichts zu trinken oder zu essen geben, solange die Person nicht wieder voll bei Bewusstsein ist
Notruf 112 wählen, wenn:
Der Anfall länger als etwa 5 Minuten dauert (Hinweis auf Status epilepticus — Notfall) · Die Person nach dem Anfall nicht zu Bewusstsein kommt · Verletzungen während des Anfalls aufgetreten sind · Es sich um einen erstmaligen Anfall handelt · Anfälle in Serie auftreten · Der Anfall im Wasser passiert ist · Eine bekannte Herzerkrankung oder weitere Risikosituation vorliegt.¹˒⁶
Notfallmedikamente
Viele Menschen mit Epilepsie haben ein ärztlich verordnetes Notfallmedikament (z. B. ein Benzodiazepin als Nasen- oder Wangenspray). Angehörige sollten dazu geschult sein — Einsatz und Dosierung legt immer die behandelnde Neurologie individuell fest.
9. SUDEP — das Risiko kennen
SUDEP steht für „Sudden Unexpected Death in Epilepsy" — einen plötzlichen, unerwarteten Tod bei Epilepsie ohne andere erklärbare Todesursache. SUDEP zählt zu den häufigen epilepsiebedingten Todesursachen. Das Einzelrisiko pro Anfall ist in der Regel sehr gering, aber das Thema sollte offen angesprochen werden.⁶
Mögliche Risikofaktoren
Unkontrollierte tonisch-klonische Anfälle (gilt als wichtigster Faktor), nächtliche Anfälle, allein schlafen, junges Erwachsenenalter und schwer behandelbare Epilepsie.
Was laut Fachgesellschaften schützen kann
Eine möglichst gute Anfallskontrolle durch konsequente Medikamenteneinnahme, Vermeidung bekannter Trigger (z. B. Schlafmangel), das Nicht-Alleine-Schlafen in Risikosituationen sowie Anfallsalarm- oder Sensorsysteme (z. B. Matratzensensoren, Smartwatches). Nach einem Anfall wird in der Regel eine stabile Seitenlage empfohlen.⁶
Die S2k-Leitlinie empfiehlt, alle Patientinnen, Patienten und Angehörigen frühzeitig — idealerweise bereits bei Diagnosestellung — über SUDEP aufzuklären.¹
10. Alltag mit Epilepsie
Führerschein: Das Führen eines Kraftfahrzeugs ist nach einem definierten anfallsfreien Intervall in der Regel wieder möglich. Für Berufskraftfahrerinnen und -fahrer gelten deutlich strengere Regelungen. Die Details legt immer ein verkehrsmedizinisches Gutachten im Einzelfall fest.
Beruf: Die meisten Berufe sind mit Epilepsie in der Regel möglich. Einschränkungen bei Tätigkeiten mit Absturzgefahr, Alleinarbeit an gefährlichen Maschinen oder Personenbeförderung. Die S2k-Leitlinie empfiehlt eine individuelle Beratung — pauschale Berufsverbote sollten vermieden werden.¹
Sport: Sport ist grundsätzlich erlaubt und wird in der Regel empfohlen. Bei Wassersport (insbesondere Schwimmen), Klettern oder Tauchen gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Die Leitlinie rät ausdrücklich dazu, übervorsichtige Einschränkungen zu vermeiden.¹
Schlaf: Schlafmangel gilt als einer der häufigsten Anfallstrigger. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist meistens empfehlenswert — auch am Wochenende. Nachtschichten nach Möglichkeit vermeiden.
Alkohol: Alkohol kann die Anfallsschwelle senken und mit Anfallssuppressiva in Wechselwirkung treten. Gelegentlich geringe Mengen sind bei stabiler Einstellung in vielen Fällen möglich — die Entscheidung sollte immer mit der Neurologie besprochen werden. Ein Alkoholentzug ist ein bekannter Anfallstrigger. Mehr: Medikamente und Alkohol.
Anfallstagebuch: Eine strukturierte Dokumentation jedes Anfalls (Datum, Uhrzeit, Art, Dauer, mögliche Trigger, Medikamenteneinnahme) ist für den Neurologie-Termin in der Regel sehr hilfreich.
Epilepsieausweis: Sollte idealerweise immer mitgeführt werden — mit Diagnose, aktuellen Medikamenten, Notfallkontakt und ggf. Notfallmedikament. Vorlagen stellt z. B. die Deutsche Epilepsievereinigung zur Verfügung.
So hilft brite dir bei Epilepsie
Eine pünktliche Einnahme der Anfallssuppressiva ist für die Anfallskontrolle entscheidend. brite unterstützt dich dabei — und bei allem Drumherum.
Einnahme-Erinnerung — pünktliche Einnahme der Anfallssuppressiva ist für die Anfallskontrolle in der Regel entscheidend. brite erinnert zuverlässig an jede Dosis. Erinnerung einrichten
Wechselwirkungs-Check — Anfallssuppressiva haben häufig relevante Wechselwirkungen. Kostenlos und sofort prüfen. Jetzt prüfen
Gesundheitsverlauf — Anfälle, mögliche Trigger und Nebenwirkungen strukturiert dokumentieren — hilfreich für den Neurologie-Termin. Verlauf tracken
Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Neurologie, Hausarzt und Notaufnahme. Zum Medikationsplan
Im klassischen Sinn ist Epilepsie in der Regel nicht heilbar — Medikamente können die Anfälle unterdrücken, die Erkrankung aber nicht heilen. Mit einer geeigneten Therapie wird allerdings ein großer Teil der Betroffenen anfallsfrei. Nach einer längeren Phase ohne Anfälle kann in Einzelfällen ein kontrollierter Absetzversuch erwogen werden — immer unter ärztlicher Begleitung. In geeigneten Fällen kann bei fokaler Epilepsie eine Operation zu dauerhafter Anfallsfreiheit führen.¹
Das Führen eines Kraftfahrzeugs ist nach einem definierten anfallsfreien Intervall und einem verkehrsmedizinischen Gutachten häufig wieder möglich. Für Berufskraftfahrerinnen und -fahrer gelten strengere Regeln. Die genauen Voraussetzungen legt immer das ärztliche Gutachten im Einzelfall fest.
Ruhe bewahren, den Kopf schützen, keine Gegenstände in den Mund schieben und die Person nicht festhalten. Auf die Dauer des Anfalls achten. Nach dem Anfall: stabile Seitenlage, beruhigend ansprechen. Notruf 112 wählen bei einem Anfall über etwa 5 Minuten, fehlendem Bewusstwerden danach, Verletzungen, einer Anfallsserie oder einem erstmaligen Anfall.¹
Als Status epilepticus wird in der Regel ein Anfall bezeichnet, der länger als etwa fünf Minuten anhält, oder eine Folge von Anfällen ohne zwischenzeitliche Erholung. Das ist ein medizinischer Notfall — sofort Notruf 112 wählen.⁶
SUDEP steht für „Sudden Unexpected Death in Epilepsy" — einen plötzlichen, unerwarteten Tod bei Epilepsie ohne andere erklärbare Ursache. Als wichtigster Risikofaktor gelten unkontrollierte tonisch-klonische Anfälle. Eine möglichst gute Anfallskontrolle durch konsequente Medikamenteneinnahme gilt als wichtigster Schutzfaktor. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt eine frühzeitige Aufklärung.¹˒⁶
Ja — Sport ist bei Epilepsie in der Regel möglich und wird häufig sogar empfohlen. Bei bestimmten Aktivitäten (z. B. Schwimmen, Klettern, Tauchen) gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Die Leitlinie betont, dass übervorsichtige Einschränkungen meistens vermieden werden sollten.¹
Cenobamat ist ein neueres Anfallssuppressivum für Erwachsene mit schwer behandelbarer fokaler Epilepsie. In Studien konnte bei einem relevanten Anteil der Behandelten Anfallsfreiheit erreicht werden — deutlich mehr als unter Placebo. Es muss besonders langsam aufdosiert werden und wird in der Regel in spezialisierten Zentren eingesetzt.⁵
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Die Wahl und Dosierung von Anfallssuppressiva, die Indikation für eine operative Therapie oder Neuromodulation sowie die Planung individueller Therapieziele werden immer individuell von der behandelnden Neurologie festgelegt. Bei einem erstmaligen Anfall, einem Anfall länger als ca. 5 Minuten, einem Anfall mit Verletzung oder einer Anfallsserie sofort 112 rufen. Anfallssuppressiva dürfen in der Regel nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Letzte Aktualisierung: April 2026.