Medikamente in der Schwangerschaft: Was du nehmen darfst und was nicht

Schwanger und krank — was jetzt? Der Beipackzettel macht Angst: Bei fast jedem Medikament steht „kontraindiziert". Die Wahrheit ist differenzierter: Viele Medikamente sind in der Schwangerschaft gut untersucht und sicher. Bei anderen kommt es auf das Trimester an. Und nur wenige sind tatsächlich strikt verboten.

Wichtigste Regel: Niemals eigenmächtig handeln Setze Medikamente in der Schwangerschaft niemals ohne Rücksprache ab und nimm keine neuen ein, ohne deinen Arzt oder deine Hebamme zu fragen. Jede Entscheidung individuell besprechen.

Die häufigsten Fehler — und warum sie gefährlich sind

⚠ Diese Fehler machen Schwangere am häufigsten

Fehler 1
Medikamente eigenmächtig absetzen. Wer Antidepressiva oder Schilddrüsenmedikamente einfach weglässt, riskiert einen Rückfall, der Mutter und Kind stärker gefährdet als das Medikament selbst.
Fehler 2
Keine Behandlung aus Angst. Unbehandelte Infektionen, unkontrollierter Bluthochdruck oder schwere Depressionen sind für das Kind gefährlicher als die Therapie mit einem geeigneten Wirkstoff.
Fehler 3
Dem Beipackzettel blind vertrauen. „Kontraindiziert in der Schwangerschaft" bedeutet oft nur: nicht ausreichend an Schwangeren getestet — nicht automatisch schädlich. Der Hersteller sichert sich rechtlich ab.
Goldene Regel
Arzt + Embryotox. Jede Entscheidung mit dem Arzt besprechen und parallel auf embryotox.de prüfen — die unabhängige Datenbank der Charité Berlin mit Informationen zu über 400 Wirkstoffen.

Schnellübersicht: Was ist wann erlaubt?

Medikament1. Trimester2. Trimester3. Trimester
Paracetamol✓ Sicher✓ Sicher✓ Sicher
Ibuprofen⚠ Mit Vorsicht⚠ Bis SSW 28⛔ Verboten
Amoxicillin✓ 1. Wahl✓ 1. Wahl✓ 1. Wahl
Doxycyclin⛔ Verboten⛔ Verboten⛔ Verboten
Ciprofloxacin⛔ Nicht empfohlen⛔ Nicht empfohlen⛔ Nicht empfohlen
Pantoprazol✓ Sicher✓ Sicher✓ Sicher
L-Thyroxin✓ Pflicht✓ Pflicht✓ Pflicht
Ramipril / Candesartan⚠ Abwägen⛔ VERBOTEN⛔ VERBOTEN
Citalopram / Sertralin⚠ Mit Arzt⚠ Mit Arzt⚠ Mit Arzt
Loratadin / Cetirizin✓ Sicher✓ Sicher✓ Sicher

Schmerzmittel

Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Paracetamol: Schmerzmittel der 1. Wahl in der gesamten Schwangerschaft. In normaler Dosierung (bis 3 g/Tag) nach aktuellem Wissensstand sicher. Nicht als Dauertherapie verwenden.

Ibuprofen: Im 1. und 2. Trimester bei Bedarf möglich. Ab SSW 28 verboten — kann den fetalen Kreislauf schädigen (vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus). Gleiches gilt für Diclofenac.

ASS niedrigdosiert (100 mg): Wird in der Schwangerschaft sogar gezielt eingesetzt — zur Vorbeugung von Präeklampsie. Nur unter ärztlicher Verordnung.

Erkältung & Infekte

Antibiotika & Erkältungsmittel

Amoxicillin und Penicilline: Antibiotika der 1. Wahl in der Schwangerschaft. Gut untersucht, keine Hinweise auf Schädigung des Kindes.

Doxycyclin und Tetracycline: Verboten — lagern sich in den Zahnanlagen des Kindes ab und verursachen bleibende Verfärbungen.

Ciprofloxacin und Fluorchinolone: Nicht empfohlen — Risiko für Knorpelschäden beim Kind.

Salzwasser-Nasenspray: Unbedenklich — erste Wahl bei verstopfter Nase. Abschwellende Nasensprays (Xylometazolin) nur kurzzeitig und nach Rücksprache.

Sodbrennen & Übelkeit

Sodbrennen, Übelkeit & Erbrechen

Pantoprazol und Omeprazol: Nach aktuellem Wissensstand in der Schwangerschaft sicher. Werden häufig verschrieben, da Sodbrennen eine der häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden ist.

Antazida (Rennie, Maaloxan): Unbedenklich zur kurzfristigen Linderung. Aluminium-haltige Antazida nicht dauerhaft in hohen Dosen verwenden.

Vitamin B6 (Pyridoxin): Erste Maßnahme bei Schwangerschaftsübelkeit, rezeptfrei erhältlich.

Doxylamin + Vitamin B6 (Cariban®): Einzige zugelassene Kombination gegen Schwangerschaftsübelkeit in Deutschland.

Bluthochdruck

Blutdrucksenker in der Schwangerschaft

Methyldopa: Blutdrucksenker der 1. Wahl in der Schwangerschaft. Gut untersucht und bewährt.

Metoprolol: Alternative bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft. Verträglicher als viele andere Betablocker.

Ramipril (ACE-Hemmer) und Candesartan (Sartan): Im 2. und 3. Trimester strikt verboten — können schwere Nieren- und Leberschäden beim Kind verursachen. Wer vor der Schwangerschaft ACE-Hemmer nimmt, muss vor einer geplanten Schwangerschaft umgestellt werden.

Schilddrüse & psychische Erkrankungen

Schilddrüse & Antidepressiva

L-Thyroxin: Muss in der Schwangerschaft weiter genommen werden — eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion ist für das Kind gefährlicher als das Medikament. Die Dosis muss meist erhöht werden (um 25–50 %). Nüchtern einnehmen, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück.

Citalopram, Escitalopram, Sertralin (SSRIs): Können unter ärztlicher Begleitung weiter genommen werden. Sertralin gilt als am besten untersucht. Nicht eigenmächtig absetzen — ein Rückfall in eine schwere Depression ist für Mutter und Kind gefährlicher als die Therapie.

Paroxetin: Etwas höheres Risiko für Herzfehlbildungen — wenn möglich, vor der Schwangerschaft auf Sertralin oder Citalopram umstellen.

Benzodiazepine: In der Schwangerschaft möglichst meiden — Risiko für Muskelschwäche beim Neugeborenen (Floppy-Infant-Syndrom). Wenn nötig, nur kurzfristig und unter ärztlicher Aufsicht.


Embryotox — deine wichtigste Ressource

embryotox.de ist die unabhängige Datenbank der Charité Berlin — das bundesweit beratende Zentrum für Embryonaltoxikologie. Dort findest du zu über 400 Wirkstoffen evidenzbasierte Einschätzungen, die oft differenzierter sind als der Beipackzettel.

Wann du Embryotox nutzen solltest:

  • Du erfährst, dass du schwanger bist und nimmst bereits Medikamente → Embryotox checken und Arzt anrufen.
  • Du wirst in der Schwangerschaft krank und brauchst ein Medikament → Arzt fragen und parallel Embryotox prüfen.
  • Du planst eine Schwangerschaft und nimmst Dauermedikation → jetzt schon mit dem Arzt über eine mögliche Umstellung sprechen.

Häufige Fragen

Im 1. und 2. Trimester (bis SSW 28): ja, bei Bedarf und in normaler Dosierung. Ab SSW 28: nein — Ibuprofen kann den fetalen Kreislauf schädigen. Im 3. Trimester ist Paracetamol die sichere Alternative.
Nein, nicht eigenmächtig. SSRIs wie Sertralin oder Citalopram können unter ärztlicher Begleitung weiter genommen werden. Ein abruptes Absetzen birgt ein hohes Rückfallrisiko. Besprich die Therapie mit deinem Psychiater und Gynäkologen.
Ja — bestimmte. Penicilline (Amoxicillin) sind die 1. Wahl und gelten als sicher. Doxycyclin und Ciprofloxacin sind verboten. Der Arzt wählt ein für die Schwangerschaft geeignetes Antibiotikum. Mehr: Antibiotika richtig einnehmen.
Erste Maßnahme: Kleine Mahlzeiten, nicht hinlegen nach dem Essen, Oberkörper erhöht schlafen. Wenn das nicht reicht: Antazida (Rennie, Maaloxan) sind unbedenklich. Pantoprazol kann verschrieben werden und gilt als sicher.
Keine Panik. Bei den meisten gängigen Wirkstoffen (Paracetamol, Ibuprofen, Amoxicillin) ist das Risiko extrem gering. Prüfe den Wirkstoff auf Embryotox und besprich es mit deinem Arzt. In den allermeisten Fällen besteht kein Grund zur Sorge.
Nicht pauschal. „Pflanzlich" heißt nicht automatisch harmlos — einige Wirkstoffe (Sennesblätter, Kava-Kava) sind in der Schwangerschaft verboten. Folsäure und Jod solltest du hingegen unbedingt supplementieren. Alles andere mit dem Arzt besprechen.

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Medizinischer Haftungsausschluss: Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Jede Medikamenten-Entscheidung in der Schwangerschaft sollte individuell mit dem Arzt oder der Hebamme besprochen werden. Im Zweifel: embryotox.de prüfen und Arzt kontaktieren. Stand: März 2026.