Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats — also des Zahnfleischs, des Knochens und des Bindegewebes, die den Zahn im Kiefer verankern. Unbehandelt führt Parodontitis zu fortschreitendem Knochenabbau und kann Zähne lockern bis hin zum Zahnverlust.¹
Parodontitis ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit und die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen. Sie entwickelt sich meistens schleichend und schmerzfrei — deshalb wird sie häufig erst spät erkannt.¹,²
Wichtig: Parodontitis ist nicht dasselbe wie Gingivitis
Gingivitis (Zahnfleischentzündung) betrifft nur das Zahnfleisch und ist vollständig reversibel. Bei Parodontitis ist der Knochen mitbetroffen — verlorener Knochen wächst in der Regel nicht nach. Deshalb ist eine frühe Erkennung und Behandlung entscheidend.
2. Symptome
Parodontitis verursacht lange keine Schmerzen — das macht sie so tückisch. Auf folgende Zeichen sollte geachtet werden:
Zahnfleischbluten — beim Zähneputzen, bei der Zahnseide oder spontan; das häufigste Frühzeichen
Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
Zahnfleischrückgang — die Zähne wirken länger
Mundgeruch (Halitosis) — durch die Bakterien in den Zahnfleischtaschen
Zahnfleischtaschen — der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch vertieft sich
Lockere Zähne — ein Spätzeichen; bedeutet bereits fortgeschrittenen Knochenabbau
Zahnfleischbluten ist nicht normal
Auch wenn es nicht wehtut — regelmäßiges Zahnfleischbluten sollte in der zahnärztlichen Praxis abgeklärt werden.
3. Ursachen und Risikofaktoren
Bakterieller Biofilm (Plaque): Die Hauptursache. Bakterien bilden einen Film auf den Zahnoberflächen und unter dem Zahnfleisch. Wird die Plaque nicht regelmäßig entfernt, entsteht eine Entzündung.¹
Zahnstein: Verhärtete Plaque. Kann nicht mehr durch Zähneputzen entfernt werden — muss professionell entfernt werden.
Rauchen: Der stärkste beeinflussbare Risikofaktor. Raucher haben ein deutlich höheres Risiko für Parodontitis, die Erkrankung verläuft schwerer und die Therapie spricht schlechter an. Zahnfleischbluten kann durch das Rauchen maskiert werden.¹
Diabetes:Diabetes und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig: Diabetes erhöht das Parodontitis-Risiko, und Parodontitis kann die Blutzuckereinstellung verschlechtern.¹
Genetik: Familiäre Veranlagung spielt eine Rolle — manche Menschen sind trotz guter Mundhygiene anfälliger.
Stress: Kann das Immunsystem schwächen und die Mundhygiene verschlechtern.
Parodontaler Screening-Index (PSI): Eine schnelle Untersuchung mit einer speziellen Sonde, die bei jedem zahnärztlichen Kontrolltermin durchgeführt werden kann. Misst die Tiefe der Zahnfleischtaschen und Blutungsneigung.
Parodontalstatus: Bei Verdacht auf Parodontitis: detaillierte Messung der Taschentiefen an sechs Stellen pro Zahn, Beurteilung des Knochenabbaus, Blutung, Zahnlockerung.
Röntgen: Zeigt den Knochenabbau. Einzelzahnaufnahmen oder Panorama-Röntgen.
Neue Klassifikation (2018): Die Parodontitis wird nach Stadium (I–IV, Schweregrad) und Grad (A–C, Progressionsrate) eingeteilt. Diese Einteilung bestimmt das Therapiekonzept.¹
Die Parodontitis-Therapie folgt einem stufenweisen Konzept gemäß der aktuellen S3-Leitlinie (DG PARO/DGZMK, 2021).¹
Stufe 1Ursachenbeseitigung & Mundhygiene
Professionelle Zahnreinigung (PZR) — Entfernung von Plaque und Zahnstein
Individuelle Mundhygiene-Instruktion und -Motivation — der wichtigste Baustein; ohne gute häusliche Mundhygiene ist jede Therapie langfristig erfolglos
Das Kernverfahren der Parodontitis-Therapie: Die Wurzeloberflächen werden unter dem Zahnfleisch mit speziellen Instrumenten (Hand- oder Ultraschallinstrumente) gereinigt, um Bakterien und Zahnstein aus den Zahnfleischtaschen zu entfernen. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung und ist in der Regel gut verträglich.¹
Stufe 3Chirurgische Therapie
Bei tiefen Resttaschen, die auf Stufe 2 nicht ausreichend ansprechen, können chirurgische Verfahren erwogen werden:
Lappenoperationen — Zugang zum Knochen
Regenerative Verfahren — Knochenaufbau mit Biomaterialien
Resektive Verfahren
Antibiotika nur in bestimmten Situationen
Systemische Antibiotika werden in der Regel nur ergänzend eingesetzt (z. B. bei aggressivem Verlauf oder bei jungen Betroffenen mit generalisierter Parodontitis). Sie sind kein Ersatz für die mechanische Reinigung.¹
6. Nachsorge (UPT)
Die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) ist der entscheidende Langzeit-Baustein. Ohne regelmäßige Nachsorge verschlechtert sich die Parodontitis in der Regel wieder.¹
Regelmäßige Kontrolltermine in der zahnärztlichen Praxis — meistens alle drei bis sechs Monate, abhängig vom Schweregrad
Professionelle Zahnreinigung und Nachreinigung der Zahnfleischtaschen
Überprüfung und Remotivation der häuslichen Mundhygiene
Seit Juli 2021 Kassenleistung
Die UPT ist seit Juli 2021 Kassenleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Voraussetzung ist eine vorherige Antragstellung bei der Krankenkasse durch die zahnärztliche Praxis.
7. Parodontitis und Allgemeingesundheit
Parodontitis ist nicht nur ein Problem des Mundes. Die chronische Entzündung kann sich auf den gesamten Körper auswirken.¹
Diabetes — gegenseitige Verschlechterung; Parodontitis-Behandlung kann die Blutzuckereinstellung verbessern
Herz-Kreislauf-Erkrankungen — Parodontitis ist mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall assoziiert
Rheuma — Zusammenhang mit rheumatoider Arthritis wird zunehmend diskutiert
Atemwegserkrankungen — Bakterien aus dem Mund können Lungeninfektionen begünstigen
8. Alltag und Vorbeugung
Zähneputzen: mindestens zwei Mal täglich gründlich — elektrische Zahnbürsten können die Reinigung verbessern. Nicht zu fest drücken.
Zahnzwischenräume: täglich reinigen — mit Interdentalbürsten (erste Wahl) oder Zahnseide. Dort entsteht die meiste Plaque.
Regelmäßige Kontrolle: mindestens ein Mal pro Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle — PSI-Screening nicht vergessen.
Professionelle Zahnreinigung: regelmäßig (in der Regel ein bis zwei Mal pro Jahr, bei Parodontitis häufiger).
Rauchstopp: die wirksamste Einzelmaßnahme zur Verbesserung der Mundgesundheit bei Rauchern.
Diabetes einstellen: gute Blutzuckerkontrolle verbessert die Mundgesundheit und umgekehrt.
So hilft brite dir bei Parodontitis
Die UPT alle drei bis sechs Monate, ergänzende Antibiotika nur kurzzeitig, Mundspülung mit Chlorhexidin nach der subgingivalen Instrumentierung — Parodontitis-Therapie ist ein Marathon, kein Sprint. brite hilft, die Routine über Jahre zu halten.
Einnahme-Erinnerung — eine ergänzende Antibiotika-Kur nach der Stufe 2, eine zeitlich begrenzte Chlorhexidin-Spülung, Tabletten bei systemischer Begleitung: brite erinnert pünktlich, damit nichts vergessen oder zu früh abgebrochen wird. Erinnerung einrichten
Wechselwirkungs-Check — Antibiotika (z. B. Amoxicillin + Metronidazol bei aggressiver Parodontitis) plus die Pille (kann Verhütungswirkung beeinträchtigen)? Plus Blutverdünner? Plus Schilddrüsenhormone? brite zeigt die kritischen Kombinationen. Jetzt prüfen
Gesundheitsverlauf — UPT-Termine, Zahnfleischbluten, HbA1c bei begleitendem Diabetes und die Mundhygiene-Routine über die Zeit dokumentieren. Beim nächsten zahnärztlichen Termin den realen Verlauf zeigen können — was funktioniert, was nicht. Verlauf tracken
Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Zahnmedizin und Hausarzt. Manche Wirkstoffe (z. B. Bisphosphonate, Antikoagulanzien, Immunsuppressiva) sind vor dental-chirurgischen Eingriffen besonders wichtig zu kennen. Zum Medikationsplan
Nein. Regelmäßiges Zahnfleischbluten ist in der Regel ein Zeichen für eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder Parodontitis und sollte zahnärztlich abgeklärt werden. Gesundes Zahnfleisch blutet beim Putzen nicht.
Parodontitis kann in der Regel gestoppt, aber nicht vollständig geheilt werden — verlorener Knochen wächst meistens nicht nach (Ausnahme: regenerative Verfahren in bestimmten Situationen). Deshalb ist Früherkennung so wichtig. Mit konsequenter Therapie und Nachsorge kann die Erkrankung langfristig kontrolliert werden.¹
Ja — die systematische Parodontitis-Therapie (Stufe 1 und 2) und seit Juli 2021 auch die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) sind Kassenleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Voraussetzung ist eine vorherige Antragstellung bei der Krankenkasse durch die zahnärztliche Praxis.
Gingivitis ist eine Zahnfleischentzündung ohne Knochenabbau — vollständig reversibel. Parodontitis betrifft auch den Knochen — der Knochenabbau ist in der Regel nicht rückgängig zu machen. Gingivitis kann in Parodontitis übergehen, wenn sie nicht behandelt wird.
Bei Parodontitis in der Regel alle drei bis sechs Monate (UPT). Die Intervalle werden individuell festgelegt — je nach Schweregrad und Ansprechen auf die Therapie. Die Nachsorge ist der entscheidende Langzeit-Baustein.¹
Für die meisten Menschen ja — Interdentalbürsten reinigen die Zahnzwischenräume in der Regel effektiver als Zahnseide. Die Größe muss individuell angepasst werden. Zahnseide kann bei sehr engen Zwischenräumen sinnvoll sein.
Ja — Parodontitis und Diabetes beeinflussen sich gegenseitig. Diabetes erhöht das Parodontitis-Risiko, und Parodontitis kann die Blutzuckereinstellung verschlechtern. Die Behandlung der Parodontitis kann den HbA1c verbessern.¹
Mundspülungen (z. B. mit Chlorhexidin) können ergänzend eingesetzt werden, ersetzen aber nicht die mechanische Reinigung (Zähneputzen, Interdentalbürsten). Chlorhexidin sollte in der Regel nicht dauerhaft angewendet werden (Verfärbungen, Geschmacksveränderungen).
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Parodontitis erfordert in der Regel eine professionelle Behandlung und regelmäßige Nachsorge in der zahnärztlichen Praxis. Letzte Aktualisierung: April 2026.