Schilddrüsenüberfunktion:
Symptome, Ursachen & Behandlung

Auf einen Blick

Häufigkeit Betrifft einen relevanten Anteil der Bevölkerung; Frauen deutlich häufiger als Männer
Häufigste Ursachen Morbus Basedow (Autoimmunerkrankung) und autonome Schilddrüsenknoten
Hauptrisiken Vorhofflimmern, Osteoporose, thyreotoxische Krise (Notfall)
Heilbar Ja — Thyreostatika (bei Basedow häufig Remission), Radiojodtherapie, Operation
Medikamente (Auswahl) Thiamazol/Carbimazol, Betablocker, danach ggf. L-Thyroxin
ICD-10 E05

1. Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse zu viele Hormone (fT3 und fT4). Diese Hormone steuern den gesamten Stoffwechsel: Herzschlag, Körpertemperatur, Energieverbrauch, Nervensystem und Verdauung. Ein Überschuss kann dazu führen, dass der Körper dauerhaft auf Hochtouren läuft.

Manifest vs. latent (subklinisch) Bei der manifesten Hyperthyreose ist TSH erniedrigt und fT3/fT4 sind erhöht — Symptome in der Regel vorhanden. Bei der latenten Hyperthyreose ist nur das TSH erniedrigt, fT3/fT4 noch im Normbereich — häufig symptomarm. Auch eine latente Hyperthyreose kann langfristig das Risiko für Vorhofflimmern und Osteoporose erhöhen und sollte ärztlich kontrolliert werden.

2. Ursachen: Morbus Basedow und autonome Knoten

Ursache 1 Morbus Basedow — häufigste Ursache bei Jüngeren

Eine Autoimmunerkrankung, bei der TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) die Schilddrüse zur unkontrollierten Hormonproduktion anregen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen.

Klassisch ist die sogenannte Merseburger Trias: vergrößerte Schilddrüse (Struma), schneller Puls (Tachykardie) und hervortretende Augen (Exophthalmus).

Rauchen verschlechtert Morbus Basedow erheblich Insbesondere die Augenbeteiligung (endokrine Orbitopathie) nimmt durch Rauchen in der Regel deutlich zu. Ein Rauchstopp gehört zu den wichtigsten Maßnahmen.
Ursache 2 Autonome Schilddrüsenknoten — häufiger bei Älteren

Knoten, die eigenständig Hormone produzieren — unabhängig von der TSH-Steuerung. Entweder ein einzelner Knoten (toxisches Adenom) oder mehrere (multifokale Autonomie). Häufiger bei älteren Patientinnen und Patienten, oft als Folge eines längerfristigen Jodmangels. Der Beginn ist meistens schleichend.

Weitere Ursachen

  • Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung) — meist vorübergehend und selbstlimitierend
  • Zu hohe L-Thyroxin-Dosis bei bestehender Behandlung einer Unterfunktion
  • Jodexzess durch jodhaltige Kontrastmittel (z. B. vor einer CT) oder Medikamente
  • Amiodaron (Herzrhythmusmittel) — eine Amiodaron-induzierte Überfunktion ist komplex und wird in der Regel gemeinsam von Kardiologie und Endokrinologie behandelt

3. Symptome

Die Beschwerden können von Person zu Person sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Typisch sind:

  • Innere Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Ungewollter Gewichtsverlust trotz normalem oder gesteigertem Appetit
  • Herzrasen, Herzklopfen (Palpitationen) — in manchen Fällen bis hin zum Vorhofflimmern
  • Feinschlägiges Zittern der Hände (Tremor)
  • Übermäßiges Schwitzen, Wärmeintoleranz
  • Durchfall oder vermehrter Stuhlgang
  • Muskelschwäche (besonders in den Oberschenkeln)
  • Haarausfall, brüchige Nägel
  • Müdigkeit und Erschöpfung — paradoxerweise trotz erhöhtem Stoffwechsel
  • Zyklusstörungen bei Frauen
  • Bei Morbus Basedow zusätzlich: hervortretende Augen (Exophthalmus), Druckgefühl hinter den Augen, Doppelbilder
Atypische Symptome bei älteren Patientinnen und Patienten Statt Unruhe und Gewichtsverlust stehen manchmal Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz oder depressive Verstimmung im Vordergrund. Eine Schilddrüsenüberfunktion wird dann leicht übersehen — bei jeder neu aufgetretenen Vorhofflimmer-Episode sollte die Schilddrüsenfunktion überprüft werden.

4. Komplikationen

  • Vorhofflimmern: Häufigste kardiovaskuläre Komplikation. Kann mit erhöhtem Schlaganfallrisiko verbunden sein. Bei jeder neu aufgetretenen Episode sollte die Schilddrüsenfunktion überprüft werden.
  • Osteoporose: Schilddrüsenhormone können den Knochenabbau beschleunigen. Eine langfristig unbehandelte Hyperthyreose erhöht das Frakturrisiko — besonders bei Frauen nach der Menopause.
  • Endokrine Orbitopathie (bei Morbus Basedow): Autoimmune Entzündung des Gewebes hinter den Augen. Mögliche Beschwerden: hervortretende Augen, Druckgefühl, Doppelbilder, Lichtempfindlichkeit. Tritt bei einem Teil der Basedow-Patientinnen und -Patienten auf. Rauchstopp ist in der Regel einer der wichtigsten Schritte; bei schwerer Ausprägung kommen u. a. Kortison oder operative Maßnahmen in Betracht.
  • Herzinsuffizienz: Eine langfristige Tachykardie kann das Herz belasten und im Verlauf zu einer Schwächung der Herzfunktion führen.

5. Diagnose

  • TSH (Screening-Wert): Bei Hyperthyreose erniedrigt — der wichtigste erste Hinweis.
  • fT3 und fT4: Bei manifester Überfunktion erhöht.
  • TRAK-Antikörper: Bei Morbus Basedow in der Regel positiv und gelten als diagnostisch beweisend. Können bereits vor den ersten Symptomen nachweisbar sein.
  • TPO-Antikörper: Können ebenfalls positiv sein, sind aber weniger spezifisch.
  • Schilddrüsen-Ultraschall: Beurteilt Größe, Knoten und Durchblutung. Bei Morbus Basedow häufig stark erhöhte Durchblutung sichtbar. Schnell, schmerzfrei, strahlungsfrei.
  • Szintigraphie: Zeigt, ob Knoten eigenständig Hormone produzieren (heiße Knoten = autonom) oder nicht (kalte Knoten = ggf. weitere Abklärung). Bei Verdacht auf Autonomie in der Regel unverzichtbar.

Mehr: Arzttermin vorbereiten.

6. Behandlung: Thyreostatika, Radiojod, OP

Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der Ursache, dem Schweregrad und individuellen Faktoren ab. Die Entscheidung trifft in der Regel die behandelnde Endokrinologie.

Thyreostatika — medikamentöse Ersttherapie

Thiamazol / Carbimazol — Ersttherapie bei Morbus Basedow
Hemmen die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Bei Morbus Basedow ist häufig ein Therapieversuch über mehrere Monate bis etwa ein Jahr sinnvoll. Bei einem relevanten Anteil der Basedow-Patientinnen und -Patienten tritt unter der Therapie eine Remission ein.
Bei Rückfall oder Autonomie: Radiojodtherapie oder Operation in Betracht ziehen.
Agranulozytose-Warnung — sofort handeln bei Fieber oder Halsschmerzen! Thyreostatika können in seltenen Fällen zu einem lebensbedrohlichen Abfall der weißen Blutkörperchen führen. Bei Fieber, Halsschmerzen oder Mundschleimhautgeschwüren unter Thiamazol oder Carbimazol:
→ Sofort ein Blutbild kontrollieren lassen
→ Das Medikament sofort absetzen
→ Ärztlichen Rat einholen — nicht erst den nächsten Termin abwarten
Betablocker (z. B. Propranolol) — symptomatisch zu Beginn
Können ergänzend eingesetzt werden, um Symptome wie Herzrasen, Tremor und Unruhe rasch zu lindern. Sie beeinflussen die Hormonproduktion selbst in der Regel nicht.

Radiojodtherapie

Radiojodtherapie — häufig dauerhafte Lösung
Radioaktives Jod reichert sich gezielt in der Schilddrüse an und zerstört das überaktive Gewebe. Häufig eingesetzt, wenn Thyreostatika nicht ausreichend wirken oder ein Rückfall auftritt.
Stationärer Aufenthalt: In Deutschland in der Regel einige Tage vorgeschrieben.
Danach: Meistens lebenslange L-Thyroxin-Substitution notwendig.¹

Operation (Thyreoidektomie)

Thyreoidektomie — bei mechanischen Beschwerden oder Knotenverdacht
Teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse. Erwogen bei großer Struma mit Schluck- oder Atemstörungen, bei Knotenverdacht auf bösartige Veränderungen oder wenn andere Therapien nicht infrage kommen.
Danach: In der Regel lebenslange L-Thyroxin-Einnahme.
Mögliche Risiken: Verletzung des Stimmbandnervs oder Schädigung der Nebenschilddrüsen — in erfahrenen Zentren meistens selten.

Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten.


7. Thyreotoxische Krise — Notfall!

Die thyreotoxische Krise ist die schwerste und lebensbedrohlichste Komplikation einer Schilddrüsenüberfunktion.

Bei diesen Zeichen sofort 112 rufen — Intensivstation! Hohes Fieber · Starkes Schwitzen · Extreme Tachykardie, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz · Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma · Erbrechen, Durchfall, Dehydration · Starke Unruhe, Verwirrtheit

Mögliche Auslöser

  • Jodhaltige Kontrastmittel bei unerkannter oder unzureichend behandelter Hyperthyreose
  • Schwere Infektionen
  • Operationen
  • Absetzen der Thyreostatika
  • Trauma
Prävention: Immer über die Schilddrüsenüberfunktion informieren Vor CT-Untersuchungen mit Kontrastmittel, vor Operationen und bei Verschreibung von Amiodaron unbedingt die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt informieren.

8. Alltag mit Schilddrüsenüberfunktion

  • Kontrastmittel: Vor jeder CT oder Angiographie mit jodhaltigem Kontrastmittel unbedingt die Radiologie informieren. In bestimmten Situationen kann ein vorheriger Schutz mit Thyreostatika sinnvoll sein.
  • Laborkontrollen: Unter laufender Therapie werden TSH, fT3, fT4 in regelmäßigen Abständen kontrolliert — anfangs häufiger, bei stabiler Einstellung seltener. Unter Thyreostatika kann zusätzlich ein Blutbild empfohlen werden (Agranulozytose-Kontrolle).
  • Ernährung: Bei aktiver Überfunktion jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel und Seetang/Kelp in der Regel meiden. Jodiertes Speisesalz in normalen Mengen ist bei milder Überfunktion meistens kein Problem. Nach Radiojod- oder OP-Behandlung ist Jod in der Ernährung in der Regel kein Thema mehr.
  • Rauchen: Verschlechtert den Verlauf bei Morbus Basedow und insbesondere die endokrine Orbitopathie deutlich. Ein Rauchstopp gehört zu den wichtigsten Maßnahmen.
  • Stress: Kann einen Morbus Basedow möglicherweise triggern und den Verlauf verschlechtern. Stressmanagement wird häufig als Teil der Therapie empfohlen.
  • Medikamente: Amiodaron, Lithium und bestimmte Immuntherapien können die Schilddrüsenfunktion beeinflussen. Schilddrüsenwerte bei diesen Medikamenten regelmäßig kontrollieren lassen. Mehr: Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.

So hilft brite dir bei Schilddrüsenüberfunktion

Thyreostatika, Betablocker, Labortermine, L-Thyroxin nach der Behandlung — brite hält den Überblick und erinnert pünktlich.

  • Einnahme-Erinnerung — Thyreostatika, Betablocker, L-Thyroxin nach Radiojod/OP: brite erinnert pünktlich. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — Thyreostatika in Kombination mit anderen Medikamenten kostenlos prüfen. Jetzt prüfen
  • Gesundheitsverlauf — TSH, fT3, fT4, Gewicht, Puls und Symptome dokumentieren. Verlauf tracken
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Endokrinologie, Hausarzt und Radiologie. Zum Medikationsplan
Jetzt kostenlos starten
brite App

FAQ: Häufige Fragen zur Schilddrüsenüberfunktion

Bei Morbus Basedow tritt unter einer Thyreostatika-Therapie bei einem relevanten Anteil der Betroffenen eine Remission ein. Bei Rückfällen oder autonomen Knoten sind Radiojodtherapie oder Operation in der Regel dauerhafte Lösungen — danach wird meistens L-Thyroxin als Hormonersatz eingenommen, aber die Überfunktion ist dann behoben.
Thyreostatika können in seltenen Fällen einen lebensbedrohlichen Abfall der weißen Blutkörperchen verursachen. Bei Fieber, Halsschmerzen oder Mundschleimhautgeschwüren unter Thiamazol oder Carbimazol sofort ein Blutbild kontrollieren lassen, das Medikament absetzen und ärztlichen Rat einholen — nicht erst den nächsten Termin abwarten.
Die schwerste Komplikation einer Schilddrüsenüberfunktion. Zeichen sind hohes Fieber, extremes Herzrasen, Bewusstseinsstörung bis zum Koma. Mögliche Auslöser sind u. a. jodhaltige Kontrastmittel bei unerkannter Hyperthyreose oder das Absetzen von Thyreostatika. Sofort 112 wählen — Behandlung auf der Intensivstation!
Jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel und Seetang/Kelp sollten in der Regel gemieden werden. Jodiertes Speisesalz in normalen Mengen ist bei einer milden Überfunktion meistens kein Problem. Nach einer Radiojod- oder OP-Behandlung ist Jod in der Ernährung in der Regel kein Thema mehr.
Jodhaltiges Kontrastmittel (z. B. bei einer CT oder Angiographie) kann bei unbekannter oder unzureichend behandelter Hyperthyreose eine thyreotoxische Krise auslösen. Die Radiologie immer über die Schilddrüsenüberfunktion informieren — in bestimmten Situationen kann ein vorheriger Schutz mit Thyreostatika sinnvoll sein.
In der Regel ja — L-Thyroxin als Hormonersatz. Die Einnahme ist meistens gut verträglich und wird individuell dosiert und regelmäßig per Bluttest kontrolliert. Mehr: L-Thyroxin richtig einnehmen.
Rauchen verstärkt die Autoimmunreaktion und gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung und Verschlechterung der endokrinen Orbitopathie (Augenbeteiligung). Ein Rauchstopp kann den Verlauf in der Regel deutlich verbessern.
Eine autoimmune Entzündung des Gewebes hinter den Augen bei Morbus Basedow. Mögliche Beschwerden: hervortretende Augen, Druckgefühl, Doppelbilder, Lichtempfindlichkeit. Tritt bei einem Teil der Basedow-Patientinnen und -Patienten auf. Ein Rauchstopp ist einer der wichtigsten Schritte; bei schwerer Ausprägung kommen u. a. Kortison oder operative Maßnahmen in Betracht.
Ja — Vorhofflimmern ist die häufigste kardiovaskuläre Komplikation einer Hyperthyreose und kann bei älteren Patientinnen und Patienten das erste und einzige Symptom sein. Bei jeder neu aufgetretenen Vorhofflimmer-Episode sollte in der Regel die Schilddrüsenfunktion kontrolliert werden.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. S1-Leitlinie Radioiodtherapie bei benignen Schilddrüsenerkrankungen (DGN, AWMF 031-003, 2023). awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). endokrinologie.net
  3. Forum Schilddrüse: Patienteninformationen. forum-schilddruese.de
  4. Kahaly et al.: Management of Graves' Disease (ETA/EUGOGO, Eur Thyroid J 2018). pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  5. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schilddrüsenüberfunktion. gesundheitsinformation.de
  6. Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN): Leitlinien. nuklearmedizin.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Medikamentenwahl und Dosierungen werden immer individuell von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt festgelegt. Bei Fieber, extremem Herzrasen und Bewusstseinsstörung bei bekannter Überfunktion sofort den Notruf 112 wählen (Verdacht auf thyreotoxische Krise). Bei Fieber oder Halsschmerzen unter Thyreostatika sofort ein Blutbild kontrollieren lassen (Agranulozytose). Kontrastmittel-Untersuchungen immer vorab mit der behandelnden Praxis abstimmen. Letzte Aktualisierung: April 2026.