Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone (fT3 und fT4). Diese steuern den gesamten Stoffwechsel: Energieverbrauch, Herzschlag, Körpertemperatur, Verdauung, Psyche, Haut und Haare. Bei einem Mangel läuft in der Regel alles auf Sparflamme.³
Die Hypothyreose gehört zu den häufigsten Schilddrüsenerkrankungen — Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, und die Häufigkeit nimmt mit dem Alter tendenziell zu.³
Die gute Nachricht
Die Behandlung ist in der Regel eine der einfachsten in der Medizin — eine Tablette täglich (L-Thyroxin) ersetzt das fehlende Hormon. Bei gut eingestellten Werten können Betroffene meistens ein völlig normales Leben führen.
Das Immunsystem greift das Schilddrüsengewebe langsam über Monate bis Jahre an und zerstört es. Typische Antikörper: TPO-AK und Tg-AK. Anfangs kann in Einzelfällen sogar eine vorübergehende Überfunktion auftreten (Hashitoxikose).³
Es besteht eine familiäre Häufung. Hashimoto tritt nicht selten gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf: Typ-1-Diabetes, Zöliakie, Vitiligo.
Weitere Ursachen
Nach OP oder Radiojodtherapie: Wenn Schilddrüsengewebe entfernt oder zerstört wurde — z. B. nach Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion oder eines Karzinoms. L-Thyroxin in der Regel lebenslang notwendig.
Medikamente: Amiodaron, Lithium, Interferon, bestimmte Immuntherapien (Checkpoint-Inhibitoren) und Tyrosinkinase-Inhibitoren können eine Unterfunktion auslösen. Schilddrüsenwerte regelmäßig kontrollieren lassen.
Jodmangel: In Deutschland dank jodiertem Speisesalz heute selten — weltweit aber nach wie vor eine der häufigsten Ursachen.
Angeborene Hypothyreose: Selten. In Deutschland im Neugeborenen-Screening erfasst und sofort behandelt.
Zentrale Hypothyreose: Sehr selten. Das Problem liegt in der Hypophyse (zu wenig TSH) — TSH ist dann paradoxerweise niedrig oder normal trotz erniedrigtem fT4.
3. Symptome
Die Beschwerden entwickeln sich meistens schleichend über Monate bis Jahre und werden leicht als Alter, Stress oder Burnout fehlgedeutet. Viele Betroffene leben lange mit einer unerkannten Unterfunktion.³
Müdigkeit und Antriebslosigkeit — häufig das auffälligste Symptom; eine bleierne Erschöpfung, die durch Schlaf meistens nicht besser wird
Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit
Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung — durch verlangsamten Stoffwechsel und Wassereinlagerungen
Kälteempfindlichkeit
Trockene Haut, brüchige Haare und Nägel, diffuser Haarausfall
Verstopfung
Depressive Verstimmung, Antriebslosigkeit — kann als Depression fehldiagnostiziert werden; bei Depressionen immer auch die Schilddrüse kontrollieren
Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Gelenkschmerzen
Zyklusstörungen bei Frauen — stärkere, längere oder unregelmäßige Blutungen
Wassereinlagerungen — z. B. geschwollenes Gesicht, geschwollene Augenlider
TSH ist erhöht, fT3 und fT4 liegen aber noch im Normbereich. Beschwerden sind häufig gering oder fehlen ganz. Relativ verbreitet, besonders bei älteren Frauen. Ob und wann eine Behandlung sinnvoll ist, wird individuell entschieden — unter Berücksichtigung der Höhe des TSH, eventueller Symptome und des Antikörperstatus.³˒⁴
TSH ist erhöht und fT4 erniedrigt. In der Regel sind Symptome vorhanden, und L-Thyroxin ist meistens klar indiziert.
Ein einzelner erhöhter TSH reicht nicht für die Diagnose
Eine Kontrolle nach einigen Wochen wird meistens empfohlen — der TSH-Wert kann z. B. durch akute Erkrankungen, Stress oder bestimmte Medikamente vorübergehend erhöht sein.
5. Diagnose
TSH: Wichtigster Screening-Wert — bei Hypothyreose in der Regel erhöht.
fT3 und fT4: Bei manifester Hypothyreose ist fT4 erniedrigt; bei der latenten Form noch im Normbereich.
TPO-Antikörper: Bei einem Großteil der Hashimoto-Patientinnen und -Patienten positiv. Können bereits Jahre vor einer manifesten Unterfunktion nachweisbar sein.³
Tg-Antikörper: Seltener positiv, aber ebenfalls hinweisend.
Ultraschall: Zeigt bei Hashimoto häufig echoarmes, inhomogenes Gewebe, manchmal eine verkleinerte Schilddrüse. Knoten werden ebenfalls beurteilt.
Ergänzend: Cholesterin (LDL bei Hypothyreose häufig erhöht), Blutbild, Vitamin D, Vitamin B12, Eisen/Ferritin — begleitende Mängel bei Hashimoto häufig. Ein Zöliakie-Screening kann sinnvoll sein.
Die Behandlung besteht in der Regel darin, das fehlende Schilddrüsenhormon als Tablette zu ersetzen — mit L-Thyroxin (Levothyroxin). Bei einer dauerhaften Unterfunktion ist die Einnahme meistens lebenslang notwendig. Die korrekte Einnahme ist entscheidend.³
So richtig einnehmen
Morgens nüchtern, einige Zeit vor dem Frühstück
Mit einem Glas Wasser
Immer zur gleichen Tageszeit
Alternative: Abendeinnahme (einige Stunden nach dem Abendessen) — nach ärztlicher Rücksprache
Vergessene Dosis: in der Regel nachholen, sobald man daran denkt
Abstand halten zu
Kaffee — frühestens einige Zeit nach der Einnahme
Milch und Milchprodukte
Kalzium, Eisen, Magnesium — einige Stunden Abstand
PPI (z. B. Omeprazol, Pantoprazol) — einige Stunden Abstand
Die Startdosis und die Zieldosis werden individuell festgelegt — unter anderem abhängig von Alter, Körpergewicht und Begleiterkrankungen. Bei älteren Patientinnen und Patienten oder bei Herzerkrankungen wird in der Regel besonders langsam eindosiert. TSH-Kontrolluntersuchungen erfolgen meistens einige Wochen nach jeder Dosisänderung; bei stabiler Einstellung in größeren Abständen.³˒⁴
L-Thyroxin — flüssige Form (Tropfen)
Bei Schluckproblemen oder bestimmten Begleitmedikamenten kann die flüssige Form von Vorteil sein. Mehr: Generika vs. Original.
T3-Kombinationstherapie
Einige Patientinnen und Patienten fühlen sich trotz normaler TSH-Werte unter L-Thyroxin nicht vollständig wohl. Eine Kombination aus T4 (L-Thyroxin) und T3 (Liothyronin) kann in Einzelfällen erwogen werden — die aktuelle Leitlinienposition spricht keine generelle Empfehlung aus. Diese Entscheidung wird in der Regel von erfahrenen Endokrinologinnen oder Endokrinologen getroffen. Schilddrüsenextrakte (z. B. vom Schwein) werden fachlich in der Regel nicht empfohlen.
7. Hashimoto und psychische Belastung
Hashimoto ist für viele Betroffene mehr als nur ein Laborwert. Auch bei gut eingestellten Werten berichten manche über eine erhebliche psychische Belastung:³
Depressive Verstimmung und Antriebslosigkeit — kann als eigenständige Depression fehldiagnostiziert werden; bei Depressionen immer auch die Schilddrüse kontrollieren lassen
Anhaltende Erschöpfung (Fatigue), manchmal auch bei normalem TSH
Angst und Stimmungsschwankungen
Frustration, wenn Beschwerden bei normalen Laborwerten nicht ernst genommen werden
Selen bei Hashimoto
Selen kann in Absprache mit der Endokrinologie erwogen werden — es gibt Hinweise, dass es TPO-Antikörper senken und das subjektive Wohlbefinden verbessern kann (Evidenz moderat). Eine Überdosierung sollte vermieden werden. Natürliche Quellen: Paranüsse in Maßen, Fisch, Eier.
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Es kann sinnvoll sein, zusätzlich fT3, Eisen/Ferritin, Vitamin D und Vitamin B12 zu kontrollieren — begleitende Mängel sind bei Hashimoto häufig und können die Beschwerden verstärken.
8. Alltag mit Schilddrüsenunterfunktion
L-Thyroxin-Timing: In der Regel immer zur gleichen Tageszeit und unter möglichst gleichen Bedingungen einnehmen. Eine feste Routine hilft dabei — z. B. per Wecker oder brite-Erinnerung.
Kontrollen: TSH wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Nach einer Dosisänderung wird meistens einige Wochen abgewartet, bevor erneut gemessen wird.
Ernährung: Eine spezielle Hashimoto-Diät ist in der Regel nicht notwendig. Eine ausgewogene, selenreiche Ernährung ist meistens sinnvoll. Übermäßiger Sojakonsum kann die L-Thyroxin-Aufnahme beeinträchtigen. Seetang und Kelp sollten bei Hashimoto in der Regel gemieden werden. Glutenfreie Ernährung wird nur bei nachgewiesener Zöliakie empfohlen.³
Sport: Wird empfohlen und kann Stimmung, Energie und Gewicht verbessern. Bei gut eingestellter Schilddrüse gibt es meistens keine Einschränkungen.
Reisen: L-Thyroxin mitnehmen; Kühlung ist in der Regel nicht nötig (stabil bei Raumtemperatur). Bei Zeitverschiebung meistens zur gewohnten lokalen Uhrzeit einnehmen. Mehr: Medikamente auf Reisen.
Myxödemkoma — seltener Notfall bei schwerer unbehandelter Hypothyreose
Zeichen: Bewusstlosigkeit, Unterkühlung. Bei Verdacht sofort 112 wählen. Kommt fast ausschließlich bei bisher unerkannter Hypothyreose vor.³
So hilft brite dir bei Schilddrüsenunterfunktion
L-Thyroxin morgens nüchtern, rechtzeitig vor dem Frühstück — brite erinnert pünktlich und hilft dir, TSH-Werte und Wohlbefinden im Blick zu behalten.
Einnahme-Erinnerung — L-Thyroxin morgens nüchtern, rechtzeitig vor dem Frühstück: brite erinnert pünktlich. Erinnerung einrichten
Bei Hashimoto oder nach einer Schilddrüsen-OP in der Regel ja. Bei vorübergehenden Formen (z. B. nach einer Schilddrüsenentzündung) kann die Einnahme manchmal zeitlich begrenzt sein. L-Thyroxin sollte nicht eigenmächtig abgesetzt werden.³
L-Thyroxin wird am besten auf nüchternem Magen aufgenommen. Nahrung, Kaffee und bestimmte Medikamente (z. B. Kalzium, Eisen, PPI) können die Aufnahme erheblich verringern. Eine Alternative ist die Abendeinnahme (einige Stunden nach dem Abendessen) — nach Rücksprache mit der Praxis.
In der korrekten Dosis verursacht L-Thyroxin in der Regel keine Gewichtszunahme — es ersetzt nur das fehlende Hormon. Die Gewichtszunahme ist meistens ein Symptom der Unterfunktion selbst (verlangsamter Stoffwechsel, Wassereinlagerungen). Unter gut eingestelltem L-Thyroxin normalisiert sich das Gewicht häufig.
Nach aktuellem Wissensstand nicht. Aber die Symptome sind durch L-Thyroxin in der Regel vollständig behandelbar. Selen kann in Absprache mit der Endokrinologie ergänzend erwogen werden. Bei gut eingestellten Werten können Betroffene meistens ein völlig normales Leben führen.³
Mögliche Gründe: Der TSH liegt zwar im Normbereich, aber möglicherweise nicht im für die betroffene Person optimalen Bereich. fT3 könnte niedrig sein. Begleitende Mängel (Eisen/Ferritin, Vitamin D, Vitamin B12) sind bei Hashimoto häufig und können Beschwerden verstärken. Eine Vorstellung bei einer Endokrinologie kann in diesen Fällen sinnvoll sein.
TSH ist erhöht, fT4 liegt aber noch im Normbereich. Beschwerden können gering sein oder fehlen. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, wird individuell entschieden — unter Berücksichtigung von Symptomen, Antikörperstatus und der Höhe des TSH.³˒⁴
Selen kann möglicherweise die TPO-Antikörper senken und das subjektive Wohlbefinden verbessern (Evidenz moderat). Die Dosierung sollte mit der Endokrinologie abgesprochen werden; eine Überdosierung ist zu vermeiden. Natürliche Quellen: Paranüsse (in Maßen), Fisch und Eier.
Nur bei nachgewiesener Zöliakie — Hashimoto und Zöliakie treten gehäuft gemeinsam auf (ein Screening kann sinnvoll sein). Ohne Zöliakie gibt es nach aktuellem Wissensstand keine ausreichende Evidenz, dass eine glutenfreie Ernährung Hashimoto verbessert.
Ein seltener, lebensbedrohlicher Notfall bei schwerer, langfristig unbehandelter Hypothyreose. Zeichen sind u. a. Bewusstlosigkeit und Unterkühlung. Bei Verdacht sofort den Notruf 112 wählen. Kommt fast ausschließlich bei bisher unerkannter Hypothyreose vor.³
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. L-Thyroxin sollte nicht eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden. Bei Verdacht auf ein Myxödemkoma (Bewusstlosigkeit, Unterkühlung) sofort den Notruf 112 wählen. Die Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt festgelegt. Letzte Aktualisierung: April 2026.