Citalopram ist das am häufigsten verordnete Antidepressivum in Deutschland – rund eine Million Menschen nehmen es täglich. Es gehört zur Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und wird vor allem bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine psychiatrische Beratung. Citalopram nie eigenmächtig absetzen oder die Dosis ändern. Bei Suizidgedanken: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7).
Citalopram gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und ist eines der meistverordneten Antidepressiva in Deutschland. Es wird bei Depression, Panikstörungen und Angststörungen eingesetzt. Eine wichtige Besonderheit: Citalopram verlängert dosisabhängig das QT-Intervall im EKG – was regelmäßige Herzkontrollen notwendig macht und die Maximaldosis auf 40 mg begrenzt.
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Wirkstoff | Citalopram (als Citalopramhydrobromid) |
| ATC-Code | N06AB04 |
| Wirkstoffklasse | Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) |
| Darreichungsformen | Tabletten 10 mg, 20 mg, 40 mg; Tropfen |
| Halbwertszeit | ca. 36 Stunden |
| Wirkeintritt | Antriebssteigerung nach 1–2 Wochen; Stimmungsaufhellung nach 2–4 Wochen |
| Bioverfügbarkeit | ca. 80 % |
| Einnahme | 1× täglich, unabhängig von Mahlzeiten |
| Maximaldosis | 40 mg/Tag (20 mg bei >65 Jahren, Leberinsuffizienz, CYP2C19-Poor-Metabolizer) |
| Rezeptpflicht | Ja |
| Besonderheit | QT-Zeit-Verlängerung dosisabhängig! EKG empfohlen. |
Um zu verstehen, wie Citalopram wirkt, hilft ein Blick auf das Gehirn: Nervenzellen kommunizieren über Botenstoffe, die im sogenannten synaptischen Spalt ausgeschüttet werden. Nach der Signalübertragung werden diese Botenstoffe normalerweise wieder von der ausschüttenden Nervenzelle aufgenommen – ein Prozess, der als Wiederaufnahme bezeichnet wird. Serotonin ist einer dieser Botenstoffe, der bei Depression und Angststörungen oft zu niedrig konzentriert ist.
Citalopram blockiert selektiv den Serotonin-Transporter (SERT) – das Protein, das für die Wiederaufnahme von Serotonin verantwortlich ist. Mit blockiertem Transporter bleibt Serotonin länger im synaptischen Spalt und kann die nachgeschalteten Rezeptoren länger stimulieren. Das Ergebnis: Eine erhöhte Serotonin-Aktivität im Gehirn.
Das ist die Frage, die fast alle Patienten zu Beginn der Therapie beschäftigt. Die Antwort ist pharmakologisch interessant: Die Serotonin-Erhöhung im synaptischen Spalt geschieht tatsächlich sofort – schon nach der ersten Tablette ist der SERT blockiert. Aber die eigentliche antidepressive Wirkung entsteht erst durch eine Anpassung (Desensibilisierung) der Rezeptoren. Das Gehirn reagiert auf das dauerhaft erhöhte Serotonin zunächst mit einer Gegenregulation – es reduziert die Empfindlichkeit seiner eigenen Rezeptoren. Erst wenn diese Anpassung abgeschlossen ist, entfaltet sich die volle therapeutische Wirkung. Das dauert 2–4 Wochen.
In dieser Eingewöhnungsphase können sich Nebenwirkungen sogar verstärken, während die antidepressive Wirkung noch ausbleibt. Das ist medizinisch normal und kein Zeichen, dass das Medikament nicht wirkt. Wichtig: Wer in dieser Phase Suizidgedanken entwickelt, muss sofort den Arzt kontaktieren oder die Telefonseelsorge anrufen (0800 111 0 111, kostenlos, 24/7).
Citalopram besteht chemisch aus zwei spiegelbildlichen Molekülen: dem S-Enantiomer und dem R-Enantiomer. In der Pharmakologie nennt man das ein Racemat. Die antidepressive Wirkung stammt fast ausschließlich vom S-Enantiomer. Das R-Enantiomer trägt kaum zur Wirkung bei, ist aber für einen Teil der QT-Verlängerung mitverantwortlich. Deshalb wurde das reine S-Enantiomer als eigenständiger Wirkstoff entwickelt: Escitalopram – gleiche antidepressive Wirkung, halbe Dosis, etwas geringeres QT-Risiko.
Citalopram wird bei verschiedenen psychischen Erkrankungen eingesetzt, wobei Depression und Panikstörung die Hauptindikationen sind. Grundprinzip bei allen Indikationen: niedrig einschleichen, langsam steigern. Besonders bei Panikstörungen ist eine niedrige Startdosis von 10 mg in der ersten Woche wichtig – zu schnelle Dosissteigerungen können die Angst initial verstärken.
| Indikation | Startdosis | Zieldosis | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Depression | 20 mg | 20–40 mg | 40 mg (20 mg bei Älteren) |
| Panikstörung | 10 mg (1. Woche) | 20–40 mg | 40 mg |
| Angststörung (GAD) | 10–20 mg | 20–40 mg | 40 mg (off-label) |
| Zwangsstörung | 20 mg | 20–40 mg | 40 mg (off-label) |
| Ältere Patienten (>65) | 10 mg | 10–20 mg | 20 mg! |
| Leberinsuffizienz | 10 mg | 10–20 mg | 20 mg! |
Die Nebenwirkungen von Citalopram folgen einem typischen Zeitverlauf, den Patienten kennen sollten – denn wer weiß, was kommt, kann besser damit umgehen und bricht die Therapie nicht vorschnell ab.
In den ersten 1–2 Wochen stehen Anpassungsreaktionen im Vordergrund. Übelkeit ist die häufigste Beschwerde – sie betrifft über 10 % der Patienten und verschwindet bei den meisten nach 1–2 Wochen von selbst. Kopfschmerzen, Schlafstörungen und innere Unruhe sind ebenfalls häufig. Eine wichtige Warnung: In den ersten Wochen kann sich der Antrieb steigern, bevor die Stimmungsaufhellung einsetzt. Bei Patienten mit suizidalen Gedanken kann das vorübergehend das Risiko erhöhen – enger Kontakt zum Arzt in dieser Phase ist essenziell.
Ab der zweiten Woche beginnt in der Regel die Stimmungsaufhellung. Die Übelkeit lässt nach. Jetzt zeigt sich, ob die Dosis ausreicht oder angepasst werden muss – ein Arzttermin in dieser Phase ist sinnvoll. Wer nach 4–6 Wochen keine Besserung spürt, sollte mit dem Arzt über eine Dosisanpassung oder einen Wirkstoffwechsel sprechen.
Die am häufigsten unterschätzten Langzeitnebenwirkungen sind sexuelle Funktionsstörungen und emotionale Abflachung. Sexuelle Nebenwirkungen – Libidoverlust, Orgasmusstörungen, Erektionsstörungen – betreffen laut Studien 40–70 % der Patienten. Sie werden häufig nicht spontan angesprochen, weil das Thema unangenehm ist. Dabei gibt es Optionen: Dosisreduktion, Wechsel auf Bupropion oder Mirtazapin, oder eine sogenannte „Medikamentenpause" am Wochenende (Drug Holiday) – all das sollte offen mit dem Arzt besprochen werden.
Die emotionale Abflachung – das Gefühl, nichts mehr wirklich zu fühlen, weder Freude noch Trauer – ist eine weitere häufige Langzeitbeschwerde. Sie wird von manchen Patienten als schlimmer empfunden als die ursprüngliche Depression. Auch hier gilt: Ansprechen, nicht schweigen. Manchmal reicht eine Dosisreduktion, manchmal ist ein Wirkstoffwechsel die bessere Lösung.
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Übelkeit | Sehr häufig (>10 %) | Meist in Woche 1–2, bessert sich dann |
| Mundtrockenheit | Häufig | Viel Wasser trinken, zuckerfreie Bonbons |
| Schwitzen | Häufig | Vor allem nachts – oft dauerhaft |
| Schlafstörungen / Müdigkeit | Häufig | Einnahmezeit anpassen (morgens vs. abends) |
| Sexuelle Funktionsstörungen | Sehr häufig (40–70 %) | Libidoverlust, Orgasmusstörung, Erektionsstörung. Arzt ansprechen! |
| Gewichtszunahme | Häufig | Durchschnittlich 2–5 kg in 6–12 Monaten |
| Emotionale Abflachung | Häufig | Gefühl, nichts mehr richtig zu fühlen. Arzt ansprechen! |
| QT-Verlängerung | Dosisabhängig | EKG kontrollieren, besonders bei >20 mg |
| Erhöhtes Blutungsrisiko | Klasseneffekt | Serotonin in Thrombozyten um 80 % reduziert |
| Brain Zaps (beim Absetzen) | Häufig | Elektrische Stromschlag-Gefühle – typisches Absetzsymptom |
Das Absetzen von Citalopram ist für viele Patienten die schwierigste Phase der gesamten Therapie. Bis zu 56 % der Patienten entwickeln beim Absetzen Symptome – von leicht bis schwer. Das liegt nicht daran, dass Citalopram „abhängig macht", sondern an der Physiologie: Das Gehirn hat sich über Monate an den erhöhten Serotonin-Spiegel angepasst und reagiert auf den plötzlichen Entzug mit einer Gegenreaktion.
Brain Zaps sind das bekannteste und unheimlichste Absetzsymptom: ein kurzes elektrisches Stromschlag-Gefühl im Kopf, oft ausgelöst durch Augenbewegungen. Sie entstehen, weil sich Serotonin-Rezeptoren beim Absetzen neu kalibrieren und dabei kurzzeitig überaktiv reagieren. Brain Zaps sind unangenehm, aber nicht gefährlich – und sie verschwinden, wenn man langsam genug ausschleicht.
Der wichtigste Grundsatz: Je langsamer man ausschleicht, desto geringer sind die Symptome. Patienten die abrupt absetzen, riskieren schwere Absetzsyndrome. Patienten die über Wochen und Monate schleichend reduzieren, können häufig symptomfrei absetzen.
Das ist pharmakologisch erklärbar: Die Serotonin-Transporter-Blockade verhält sich nicht linear zur Dosis. Bei 20 mg sind bereits über 80 % der Transporter blockiert. Bei 10 mg sind es noch etwa 70 %. Wenn man von 10 mg auf 5 mg reduziert, fällt die Blockade aber deutlich stärker ab – und das Gehirn spürt die Veränderung intensiver als bei der Reduktion von 40 auf 30 mg. Das erklärt, warum die letzten Milligramm die härtesten sind. Tropfen erlauben hier besonders feine Dosierungsschritte und sind in dieser Phase sehr wertvoll.
| Absetzsymptom | Beschreibung | Dauer |
|---|---|---|
| Brain Zaps | Elektrische Stromschlag-Gefühle im Kopf, oft bei Augenbewegung | Tage bis Wochen |
| Schwindel | Manchmal so stark, dass Aufstehen schwer fällt | Tage bis Wochen |
| Reizbarkeit / Stimmungsschwankungen | Oft verwechselt mit Rückfall der Depression! | Tage bis Monate |
| Grippeähnliche Symptome | Gliederschmerzen, Schwitzen, Frösteln | Tage |
| Übelkeit / Durchfall | Magen-Darm-Symptome | Tage |
| Schlafstörungen / Albträume | Sehr lebhafte, intensive Träume | Wochen |
| Parästhesien | Kribbeln, Taubheit in Händen und Füßen | Tage bis Wochen |
| Phase | Dosis | Dauer | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Phase 1 | 40 mg → 30 mg | 2 Wochen | Tropfen für genaue Dosierung nutzen |
| Phase 2 | 30 mg → 20 mg | 2 Wochen | – |
| Phase 3 | 20 mg → 15 mg | 2 Wochen | Hier treten häufig erstmals Symptome auf |
| Phase 4 | 15 mg → 10 mg | 2 Wochen | – |
| Phase 5 | 10 mg → 5 mg | 2–4 Wochen | Kritischste Phase! Sehr langsam reduzieren |
| Phase 6 | 5 mg → absetzen | 1–2 Wochen | Alternativ: 5 mg jeden 2. Tag |
| Phase | Dosis | Dauer |
|---|---|---|
| Phase 1 | 20 mg → 15 mg | 2 Wochen |
| Phase 2 | 15 mg → 10 mg | 2 Wochen |
| Phase 3 | 10 mg → 5 mg | 2–4 Wochen |
| Phase 4 | 5 mg → absetzen | 1–2 Wochen |
Diese Kombination ist erschreckend häufig: Patienten nehmen Citalopram täglich – und greifen bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen zur Ibuprofen-Tablette aus der Hausapotheke. Ohne zu wissen, dass sie damit ein massives Blutungsrisiko eingehen. Der brite-Wechselwirkungs-Check erkennt diese Kombination automatisch.
| Schmerzmittel | Risiko mit Citalopram | Empfehlung |
|---|---|---|
| Ibuprofen / Diclofenac | 12-fach erhöhtes GI-Blutungsrisiko | Vermeiden! Wenn unumgänglich: nur kurzzeitig + Pantoprazol |
| ASS 100 (Blutverdünnung) | 5-fach erhöhtes Blutungsrisiko | Nur bei zwingender Indikation + Pantoprazol |
| Paracetamol | Kein erhöhtes Blutungsrisiko | Erste Wahl bei Schmerzen unter SSRI |
| Metamizol (Novalgin) | Kein erhöhtes Blutungsrisiko | Alternative – aber eigene Risiken (Agranulozytose) |
Die Regel ist einfach zu merken: Wer Citalopram oder ein anderes SSRI nimmt, sollte Paracetamol als Standard-Schmerzmittel nutzen und Ibuprofen nur in absoluten Ausnahmefällen und immer mit einem Magenschutz einsetzen. Halte diese Information auch für deine behandelnden Ärzte fest – nicht jeder Arzt der ein Schmerzmittel verordnet weiß, dass du gleichzeitig ein SSRI nimmst. Führe deshalb eine vollständige Medikamentenliste.
Die QT-Zeit ist ein Maß für die elektrische Erholungsphase des Herzens im EKG. Wenn diese Phase verlängert ist, kann es zu einer gefährlichen Herzrhythmusstörung namens Torsade de Pointes kommen – die ohne Vorwarnung auftreten und tödlich enden kann. Citalopram verlängert das QT-Intervall dosisabhängig und hat unter allen SSRI das stärkste QT-Risiko. Das ist der Hauptgrund für die Dosisbegrenzung auf 40 mg – und warum ein EKG vor und während der Therapie wichtig ist.
Ältere Patienten über 65 Jahre haben ein höheres Grundrisiko für QT-Verlängerungen und dürfen deshalb maximal 20 mg Citalopram täglich erhalten. Patienten mit bekanntem Long-QT-Syndrom dürfen Citalopram gar nicht nehmen. Besonders tückisch: Elektrolytstörungen – vor allem niedriger Kalium- oder Magnesiumspiegel – erhöhen das QT-Risiko ebenfalls. Diuretika senken den Kaliumspiegel, Pantoprazol senkt langfristig den Magnesiumspiegel. Wer also Citalopram zusammen mit einem Diuretikum oder einem PPI einnimmt, hat ein doppelt erhöhtes Risiko und sollte regelmäßig Elektrolyte kontrollieren lassen.
Citalopram hat einige klinisch sehr relevante Wechselwirkungen, von denen zwei absolut kontraindiziert sind: die Kombination mit MAO-Hemmern und mit Johanniskraut. Beide können ein Serotonin-Syndrom auslösen – eine potenziell lebensbedrohliche Überaktivierung des Serotoninsystems mit Symptomen wie Verwirrtheit, Muskelzittern, Herzrasen und Fieber. Prüfe alle deine Kombinationen im Wechselwirkungs-Check.
| Stoff / Medikament | Wechselwirkung | Empfehlung |
|---|---|---|
| MAO-Hemmer (Tranylcypromin, Moclobemid) | Serotonin-Syndrom (lebensbedrohlich!) | KONTRAINDIZIERT! 14 Tage Abstand nach irreversiblem MAO-Hemmer |
| Ibuprofen / Diclofenac / ASS | 12-fach erhöhtes GI-Blutungsrisiko | Meiden! Paracetamol bevorzugen |
| Tramadol, Triptane | Serotonin-Syndrom-Risiko | Nur unter ärztlicher Überwachung |
| Johanniskraut | Serotonin-Syndrom + Wirkungsverstärkung | KONTRAINDIZIERT! Niemals selbst kombinieren |
| QT-verlängernde Mittel (Amiodaron, Haloperidol, Pimozid) | Additive QT-Verlängerung → Torsade de Pointes | Kontraindiziert oder nur unter EKG-Überwachung |
| Lithium | Verstärkte Serotonin-Wirkung + Spiegelveränderung | Lithiumspiegel kontrollieren |
| Omeprazol / Esomeprazol | CYP2C19-Hemmung → Citalopram-Spiegel steigt | Citalopram max. 20 mg. Pantoprazol ist sicherere Wahl |
| Alkohol | Verstärkt ZNS-dämpfende Wirkung | Einschränken – verschlechtert depressive Symptome |
| Marcumar / Antikoagulanzien | Verstärktes Blutungsrisiko | INR kontrollieren |
Ein häufig übersehenes Risiko: Die Kombination Citalopram + Omeprazol. Omeprazol hemmt das Leberenzym CYP2C19, das Citalopram abbaut. Dadurch steigt der Citalopram-Spiegel im Blut an – mit entsprechend erhöhtem QT-Risiko. Wer einen Magenschutz benötigt, sollte Pantoprazol statt Omeprazol wählen, da Pantoprazol CYP2C19 kaum hemmt.
Alle drei sind SSRI – aber mit unterschiedlichen Profilen, die für bestimmte Patientengruppen relevant sind. Die Entscheidung zwischen ihnen trifft der Arzt, aber ein Grundverständnis der Unterschiede hilft Patienten, das Gespräch informierter zu führen.
| Eigenschaft | Citalopram | Escitalopram | Sertralin |
|---|---|---|---|
| Wirkstoffklasse | SSRI (Racemat) | SSRI (reines S-Enantiomer) | SSRI |
| Standarddosis | 20 mg | 10 mg | 50–100 mg |
| QT-Verlängerung | Ja – stärkster SSRI! | Ja – geringer als Citalopram | Minimal |
| Maximaldosis Ältere | 20 mg | 10 mg | 200 mg |
| Absetzsymptome | Mäßig (HWZ 36h) | Mäßig (HWZ 30h) | Gering–mäßig (HWZ 26h) |
| Stillzeit | Möglich | Möglich | Bevorzugt (geringste Übertragung) |
| Preis (30 Tage) | 2–4 € | 3–5 € | 3–5 € |
Escitalopram wird zunehmend bevorzugt, weil es das reine wirksame Enantiomer von Citalopram ist – gleiche Wirkung bei halber Dosis und etwas geringerem QT-Risiko. Bei Patienten mit kardialen Risikofaktoren ist Escitalopram deshalb die bessere Wahl. Für stabil eingestellte Citalopram-Patienten ist ein Wechsel jedoch meist nicht notwendig.
Die Datenlage zu Citalopram in der Schwangerschaft ist differenziert. Das Medikament passiert die Plazenta. Beim Menschen gibt es keinen eindeutigen Nachweis von Fehlbildungen, aber Neugeborene können Anpassungsstörungen zeigen: Zittern, Trinkschwierigkeiten, Reizbarkeit – Symptome, die sich in der Regel innerhalb von Tagen bessern. Wichtig: Abruptes Absetzen in der Schwangerschaft ist ebenfalls riskant, weil ein Rückfall der Depression für Mutter und Kind schädlich sein kann. Jede Entscheidung sollte individuell mit Psychiater und Gynäkologe getroffen werden – Embryotox bietet aktuelle Informationen.
Citalopram geht in die Muttermilch über. Sertralin gilt als SSRI mit der geringsten Übertragung in die Muttermilch und wird häufig in der Stillzeit bevorzugt. Die Entscheidung muss immer individuell mit dem Arzt getroffen werden.
Die brite-App zeigt bei Citalopram-Nutzern ein klares Muster: Informationslücken bei Wechselwirkungen und beim Absetzen sind die häufigsten Probleme – und beide sind gefährlich.
| Beobachtung | Häufigkeit | Typischer Kommentar |
|---|---|---|
| Ibuprofen-Kombination nicht als Risiko erkannt | Sehr häufig | „Die App hat mich gewarnt, dass ich kein Ibuprofen nehmen soll. Das wusste ich nicht." |
| Eigenmächtiges Absetzen ohne Ausschleichen | Sehr häufig | „Ich habe einfach aufgehört – dann kamen die Brain Zaps." |
| Sexuelle Nebenwirkungen unbesprochen | Häufig | „Ich habe mich nie getraut, meinen Arzt danach zu fragen." |
| Gewichtszunahme frustrierend | Häufig | „8 kg in einem Jahr – und keiner hat mir gesagt, dass das am Citalopram liegen kann." |
| QT-Zeit nie kontrolliert | Gelegentlich | „Ich nehme seit 3 Jahren 40 mg und hatte noch nie ein EKG." |
| Johanniskraut zusätzlich eingenommen | Gelegentlich | „Ich dachte, pflanzlich kann nicht schaden." |
Besonders das Johanniskraut-Thema ist ein wiederkehrendes Muster: Viele Patienten nehmen pflanzliche Mittel als vermeintlich harmlos ein, ohne zu wissen, dass Johanniskraut ein potenter Induktor von Leberenzymen ist und mit SSRI ein Serotonin-Syndrom auslösen kann. „Pflanzlich bedeutet nicht sicher" – das gilt besonders in Kombination mit Antidepressiva.
Citalopram Gewichtszunahme stoppen – was hilft wirklich? Die Gewichtszunahme unter Citalopram ist real – durchschnittlich 2–5 kg in 6–12 Monaten, in Einzelfällen deutlich mehr. Die Ursachen sind vielfältig: verändertes Essverhalten, erhöhter Appetit auf Kohlenhydrate, leichte Verlangsamung des Stoffwechsels. Was tatsächlich hilft: regelmäßige Bewegung (auch moderates Ausdauertraining), bewusstes Essverhalten und das Führen eines Ernährungstagebuchs. Wer trotzdem stark zunimmt, sollte mit dem Arzt über einen Wechsel auf Bupropion oder Vortioxetin sprechen – beide gelten als gewichtsneutraler.
Citalopram absetzen Brain Zaps – wie lange dauern sie? Brain Zaps dauern bei den meisten Patienten einige Tage bis wenige Wochen. Sie verschwinden, wenn man langsam genug ausschleicht. Wer sie trotz korrektem Ausschleichschema hat, sollte die Reduktionsschritte noch kleiner wählen – Tropfen statt Tabletten ermöglichen Dosierungen von 2–3 mg, was bei schweren Absetzsymptomen hilfreich ist. Brain Zaps sind kein medizinischer Notfall, aber wenn sie sehr intensiv oder langanhaltend sind, sollte der Arzt informiert werden.
Citalopram morgens oder abends? Es gibt keine eindeutige Empfehlung – die Einnahmezeit sollte sich nach dem individuellen Nebenwirkungsprofil richten. Wer unter Müdigkeit oder Schläfrigkeit leidet, nimmt Citalopram abends. Wer unter Schlafstörungen oder Unruhe leidet, nimmt es morgens. Wichtig ist die Regelmäßigkeit – jeden Tag zur gleichen Zeit, um einen stabilen Blutspiegel zu halten.
Citalopram wie lange nehmen? Die Leitlinienempfehlung lautet: Nach einer ersten depressiven Episode mindestens 6–9 Monate nach vollständiger Besserung (Erhaltungstherapie). Bei wiederkehrenden Episoden (drei oder mehr) wird eine Langzeittherapie von zwei Jahren oder länger empfohlen. Das Absetzen sollte immer in Absprache mit dem Arzt und nach einer stabilen Remissionsphase erfolgen – niemals eigenmächtig und niemals abrupt.
Citalopram und Alkohol – wie viel ist tolerierbar? Ein absolutes Verbot gibt es nicht, aber Alkohol verschlechtert depressive Symptome und verstärkt die dämpfende Wirkung von Citalopram auf das Zentralnervensystem. Regelmäßiger Alkoholkonsum ist mit einer Antidepressiva-Therapie grundsätzlich unvereinbar. Ein gelegentliches Glas bei einem sozialen Anlass ist für die meisten Patienten tolerierbar – aber kein Allabendliches Entspannungsglas.