Akne:
Ursachen, moderne Therapie und richtige Hautpflege

Auf einen Blick

HäufigkeitHäufigste Hauterkrankung weltweit — vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in jedem Alter möglich
Was passiertTalgdrüsen produzieren zu viel Talg, Poren verstopfen, Bakterien (Cutibacterium acnes) lösen Entzündungen aus
FormenKomedonen (Mitesser), Papeln, Pusteln, Knoten, Zysten — von leicht bis schwer
Therapie leichtTopische Cremes/Gele: Retinoide, Benzoylperoxid, Azelainsäure
Therapie schwerOrale Antibiotika, hormonelle Therapie, Isotretinoin
ICD-10L70 (Akne)

1. Was ist Akne?

Akne (Acne vulgaris) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Talgdrüsen und Haarfollikel. Sie entsteht, wenn die Talgdrüsen zu viel Talg (Sebum) produzieren, die Poren durch überschüssige Hornzellen verstopfen und sich Bakterien (vor allem Cutibacterium acnes) vermehren. Die Folge sind Mitesser, Pickel, entzündete Papeln, Pusteln und in schweren Fällen Knoten und Zysten.¹

Akne ist die häufigste Hauterkrankung weltweit. Sie betrifft vor allem Jugendliche in der Pubertät, kann aber auch im Erwachsenenalter auftreten oder erstmals beginnen (Acne tarda, Spätakne) — besonders bei Frauen.¹˒²

Akne ist mehr als ein kosmetisches Problem Akne kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, zu Narbenbildung führen und ist häufig mit psychischer Belastung verbunden — Scham, sozialer Rückzug, in manchen Fällen auch Depression. Eine frühzeitige und konsequente Therapie ist wichtig, um Narben zu vermeiden.

2. Formen und Schweregrade

Komedonen-Akne (Acne comedonica)
Überwiegend offene und geschlossene Mitesser (Komedonen). Leichte Form. Kaum Entzündung.
Papulopustulöse Akne
Entzündete Papeln (rote Knötchen) und Pusteln (eitrige Pickel) zusätzlich zu Komedonen. Mittelschwere Form.
Konglobat-Akne (Acne conglobata)
Schwere Form mit tiefen Knoten, Zysten, Fistelgängen und Narbenbildung. Erfordert in der Regel eine systemische Therapie.
Acne tarda (Spätakne)
Akne bei Erwachsenen, besonders bei Frauen. Häufig im Unterkiefer- und Kinnbereich. Kann hormonell bedingt sein.

3. Ursachen

  • Hormone (Androgene): Der wichtigste Auslöser. Androgene — männliche Geschlechtshormone, die bei beiden Geschlechtern vorkommen — stimulieren die Talgproduktion. Deshalb tritt Akne häufig in der Pubertät auf.
  • Talgüberproduktion: Die Talgdrüsen produzieren zu viel Sebum.
  • Follikuläre Hyperkeratose: Überschüssige Hornzellen verstopfen die Porenöffnung — es entstehen Komedonen (Mitesser).
  • Cutibacterium acnes: Bakterien, die sich im verstopften Follikel vermehren und Entzündungen auslösen.
  • Genetik: Familiäre Veranlagung spielt eine wichtige Rolle.
  • Ernährung: Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Akne wird zunehmend diskutiert. Lebensmittel mit hohem glykämischem Index (Zucker, Weißmehlprodukte) und in einigen Studien auch Milchprodukte können die Akne möglicherweise verschlechtern. Ein allgemeines Diätverbot gibt es aber nicht.
Was Akne NICHT verursacht Akne entsteht nicht durch mangelnde Hygiene. Übertriebenes Waschen und Schrubben kann die Haut sogar reizen und die Akne verschlimmern. Die Annahme „mehr waschen = weniger Pickel" ist ein hartnäckiger Mythos.

4. Therapie: topisch (leichte Akne)

Bei leichter bis mittelschwerer Akne steht die topische Therapie (Cremes, Gele) im Vordergrund.¹

Erstlinie Topische Wirkstoffe
Retinoide (z. B. Adapalen) — Erstlinientherapie
Lösen Komedonen auf, hemmen die Entzündung und beugen neuen Läsionen vor.
Häufige Reaktion zu Beginn: Trockenheit, Rötung — langsam einschleichen
Häufige Kombination: mit Benzoylperoxid für stärkere Wirkung¹
Benzoylperoxid (BPO)
Wirkt antibakteriell und komedolytisch. Kann mit Retinoiden oder topischen Antibiotika kombiniert werden. Wichtig: Kann Textilien (Handtücher, Kissen, Kleidung) bleichen.
Topische Antibiotika (Clindamycin, Erythromycin)
Wirken gegen Cutibacterium acnes. Sollten in der Regel NICHT als Monotherapie eingesetzt werden — nur in Kombination mit Benzoylperoxid oder Retinoiden, um Resistenzen zu vermeiden.¹
Azelainsäure
Wirkt entzündungshemmend und gegen Komedonen. Kann auch bei Pigmentveränderungen nach Akne (postinflammatorische Hyperpigmentierung) hilfreich sein.
Geduld lohnt sich Topische Akne-Therapien zeigen Wirkung in der Regel erst nach mehreren Wochen. Eine vorübergehende Verschlechterung zu Beginn („Purging") ist unter Retinoiden möglich und kein Grund, die Therapie abzubrechen.

5. Therapie: systemisch (mittelschwer bis schwer)

Bei mittelschwerer bis schwerer Akne — oder wenn die topische Therapie nicht ausreicht — kommen systemische Therapien zum Einsatz.¹

Orale Antibiotika (Doxycyclin, Minocyclin)
Werden in der Regel für eine begrenzte Zeit (meistens drei bis sechs Monate) eingesetzt — immer in Kombination mit topischer Therapie. Eine Dauerbehandlung wird nicht empfohlen, um Resistenzentwicklungen zu vermeiden.
Wichtig: Doxycyclin nicht zusammen mit Milch, Kalzium oder Eisen einnehmen — die Wirkung kann sonst deutlich verringert werden.
Hormonelle Therapie
Bei Frauen mit hormonell bedingter Akne können bestimmte kombinierte orale Kontrazeptiva (Pille) oder Antiandrogene eingesetzt werden. Sie wirken gezielt auf die hormonelle Komponente der Akne.
Isotretinoin
Eigener Abschnitt — siehe unten.

6. Isotretinoin

Isotretinoin (ein systemisches Retinoid) ist das wirksamste Medikament gegen Akne. Es wird bei schwerer oder therapieresistenter Akne eingesetzt und kann in vielen Fällen eine langfristige oder dauerhafte Remission erreichen.¹

  • Hemmt Talgproduktion, Komedonenbildung, Bakterienwachstum und Entzündung — wirkt auf alle vier Akne-Ursachen gleichzeitig
  • Therapiedauer in der Regel mehrere Monate
  • Häufige Nebenwirkungen: trockene Haut und Lippen (fast immer), trockene Augen, Nasenbluten, Muskelschmerzen, erhöhte Leberwerte und Blutfette — regelmäßige Blutkontrollen sind notwendig
  • Intensive Lippenpflege und Sonnenschutz sind während der Therapie besonders wichtig
  • Verschreibung nur durch erfahrene Dermatologie
Streng kontraindiziert in der Schwangerschaft Isotretinoin ist bei bestehender oder geplanter Schwangerschaft strengstens kontraindiziert — wegen schwerer teratogener Wirkung (Fehlbildungen). Bei Frauen im gebärfähigen Alter gelten strenge Auflagen: zuverlässige Verhütung vor, während und mindestens einen Monat nach Therapieende, regelmäßige Schwangerschaftstests. Diese Auflagen werden ausführlich von der verschreibenden Dermatologie besprochen.

7. Hautpflege und Alltag

  • Reinigung: Milde, pH-neutrale Reinigung morgens und abends. Nicht schrubben. Keine aggressiven Peelings. Wasser allein reicht meistens nicht — aber zu viel Reinigung ist kontraproduktiv.
  • Feuchtigkeitspflege: Nicht-komedogene (porenfreundliche), ölfreie Feuchtigkeitscreme — besonders wichtig während der Therapie mit Retinoiden oder Isotretinoin, da diese die Haut austrocknen.
  • Sonnenschutz: Unter topischen Retinoiden und Isotretinoin ist die Haut lichtempfindlicher — täglicher Sonnenschutz wird empfohlen. Mehr: Medikamente und Sonne.
  • Nicht ausdrücken: Pickel und Komedonen nicht selbst ausdrücken — das erhöht das Risiko für Entzündungen und Narben. Eine professionelle Ausreinigung in der dermatologischen Praxis ist möglich.
  • Make-up: Nicht-komedogene Produkte verwenden. Make-up abends gründlich entfernen.
  • Geduld: Akne-Therapien brauchen Zeit. Eine Verbesserung zeigt sich in der Regel erst nach Wochen. Eine anfängliche Verschlechterung („Purging") unter Retinoiden ist möglich und kein Grund, abzubrechen.
Wann zum Hautarzt? Wenn rezeptfreie Produkte nicht helfen, bei entzündlichen Papeln und Pusteln, bei Knotenbildung, bei Narbenbildung oder wenn die Akne die Lebensqualität beeinträchtigt. Ein früher Therapiebeginn ist der beste Schutz vor bleibenden Narben.

So hilft brite dir bei Akne

Adapalen abends, Doxycyclin morgens (nicht mit Milch!), die Pille zur gleichen Zeit jeden Tag, dazu Sonnenschutz und Feuchtigkeitscreme — Akne-Therapie ist Routinearbeit. brite hilft dir, dranzubleiben.

  • Einnahme-Erinnerung — Isotretinoin zur Mahlzeit, Doxycyclin nicht zur Milchmahlzeit, die Pille zur gleichen Zeit jeden Tag: brite erinnert dich punktgenau. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — Isotretinoin mit Vitamin-A-Präparaten? Doxycyclin mit Milchprodukten oder Eisen? Wechselwirkungen kostenlos prüfen, bevor sie zum Problem werden. Jetzt prüfen
  • Gesundheitsverlauf — Hautbild, Schubintensität, Nebenwirkungen wie trockene Lippen oder Hauttrockenheit, Laborwerte (Leberwerte, Blutfette) übersichtlich dokumentieren. Verlauf tracken
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente und Topika übersichtlich für Dermatologie, Hausarzt und Apotheke. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu Akne

Nein. Akne kann auch im Erwachsenenalter auftreten oder bestehen bleiben. Spätakne (Acne tarda) betrifft besonders Frauen und zeigt sich häufig im Unterkiefer- und Kinnbereich. Sie kann hormonell bedingt sein.¹
Der Zusammenhang wird zunehmend diskutiert. Lebensmittel mit hohem glykämischem Index (Zucker, Weißmehlprodukte) und in einigen Studien auch Milchprodukte können die Akne möglicherweise verschlechtern. Ein allgemeines Diätverbot gibt es aber nicht. Individuelles Austesten kann sinnvoll sein.
Das wirksamste Medikament gegen Akne. Es wird bei schwerer oder therapieresistenter Akne eingesetzt und wirkt auf alle vier Akne-Ursachen gleichzeitig. Die Therapie erfordert regelmäßige Blutkontrollen und strenge Verhütungsauflagen bei Frauen im gebärfähigen Alter, da Isotretinoin in der Schwangerschaft schwere Fehlbildungen verursachen kann.¹
Nein. Akne entsteht nicht durch mangelnde Hygiene. Übertriebenes Waschen und Schrubben reizt die Haut und kann die Akne sogar verschlimmern. Eine milde Reinigung morgens und abends reicht in der Regel aus.
Topische Antibiotika (z. B. Clindamycin) fördern bei alleiniger Anwendung die Entwicklung resistenter Bakterien. Deshalb werden sie laut aktueller Leitlinie in der Regel immer mit Benzoylperoxid oder Retinoiden kombiniert.¹
In der Regel mehrere Wochen. Unter Retinoiden kann es anfangs zu einer vorübergehenden Verschlechterung kommen („Purging"). Geduld und Konsequenz sind entscheidend. Isotretinoin wirkt in der Regel innerhalb der ersten Monate deutlich.
Ja — besonders bei schwerer Akne, bei spätem Therapiebeginn und beim Ausdrücken von Pickeln. Eine frühzeitige und konsequente Therapie ist der beste Schutz gegen Narben. Bestehende Narben können in der Regel dermatologisch behandelt werden (Peeling, Laser, Mikroneedling).
Wenn rezeptfreie Produkte nicht helfen, bei entzündlichen Papeln und Pusteln, bei Knotenbildung, bei Narbenbildung oder wenn die Akne die Lebensqualität beeinträchtigt. Ein früher Therapiebeginn verhindert Narben.

10. Verwandte Themen

Quellen

  1. S2k-Leitlinie Akne (DDG, AWMF Reg-Nr. 013-017, 2024). awmf.org
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Akne. gesundheitsinformation.de
  3. EDF/EADV Guidelines on Acne (European Dermatology Forum, 2024). guidelines.edf.one
  4. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). derma.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Akne-Medikamente — insbesondere Isotretinoin — erfordern eine sorgfältige ärztliche Betreuung mit regelmäßigen Kontrollen. Isotretinoin darf bei bestehender oder geplanter Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es schwere Fehlbildungen verursachen kann. Die Therapiewahl wird immer individuell von der behandelnden Dermatologie festgelegt. Letzte Aktualisierung: April 2026.