Aortenklappenstenose:
Symptome, TAVI oder Operation & wann gehandelt werden muss

Auf einen Blick

HäufigkeitHäufigste Herzklappenerkrankung, die in Europa behandelt werden muss; nimmt mit dem Alter stark zu
DefinitionVerengung der Klappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader, meist durch Verkalkung
WarnzeichenAtemnot, Brustenge, Schwindel oder Ohnmacht bei Belastung
Therapie der WahlKlappenersatz per Katheter (TAVI) oder Operation; Medikamente können die Verengung nicht aufhalten
DanachGerinnungshemmer je nach Klappentyp, Schutz vor Herzklappenentzündung bei Zahnbehandlungen
Leitlinie & ICD-10ESC/EACTS-Leitlinie Herzklappenerkrankungen 2025 · I35.0

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1. Was ist eine Aortenklappenstenose?

Die Aortenklappe ist das Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta). Bei jedem Herzschlag öffnet sie sich und lässt das Blut in den Körper. Bei einer Aortenklappenstenose ist diese Öffnung verengt, meist weil sich die Klappensegel über Jahre verdickt haben und verkalkt sind. Das Herz muss dann gegen einen immer größeren Widerstand pumpen.¹,²

Anfangs gleicht der Herzmuskel das aus, indem er dicker wird. Das geht oft jahrelang gut und ohne Beschwerden. Irgendwann reicht die Anpassung nicht mehr: Es kommt zu Atemnot, Brustenge oder Schwindel, später zur Herzschwäche. Die Aortenklappenstenose ist die häufigste Herzklappenerkrankung, die in Europa per Katheter oder Operation behandelt wird; mit steigendem Alter wird sie deutlich häufiger.²

Ein Wendepunkt, den du kennen solltest. Solange keine Beschwerden bestehen, ist das Risiko bei regelmäßigen Kontrollen meist überschaubar. Sobald eine hochgradige Stenose Beschwerden macht, verschlechtert sich die Prognose ohne Klappenersatz deutlich. Deshalb ist es so wichtig, neue Beschwerden nicht dem Alter zuzuschreiben, sondern sie zeitnah zu melden.²,³

2. Schweregrade und Formen

Gemessen wird die Verengung im Herzultraschall (Echokardiografie). Entscheidend sind die Geschwindigkeit, mit der das Blut durch die Klappe schießt, der Druckunterschied vor und hinter der Klappe und die verbliebene Öffnungsfläche.²

SchweregradTypische MesswerteWas das bedeutet
LeichtgradigLeicht erhöhte Flussgeschwindigkeit, Öffnungsfläche noch über 1,5 cm²Kontrollen in größeren Abständen, Risikofaktoren behandeln
MittelgradigÖffnungsfläche etwa 1,0 bis 1,5 cm²Engere Echo-Kontrollen, auf Beschwerden achten
HochgradigSpitzengeschwindigkeit ab 4 m/s, mittlerer Druckunterschied ab 40 mmHg, Öffnungsfläche unter 1,0 cm²Klappenersatz bei Beschwerden; ohne Beschwerden zunehmend früh erwogen
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Daneben gibt es Sonderformen: Bei der Low-Flow-Low-Gradient-Stenose pumpt das Herz so wenig Blut, dass die Messwerte trotz enger Klappe harmlos aussehen. Dann helfen ein Belastungs-Echo mit Medikament oder eine CT-Messung des Klappenkalks. Unterschieden wird außerdem nach der Klappenform: normal mit drei Segeln (trikuspid) oder angeboren mit zwei Segeln (bikuspid) — das beeinflusst die Wahl der Behandlung.²


3. Symptome: Atemnot, Brustenge, Schwindel

Die klassischen drei Warnzeichen treten typischerweise bei Belastung auf, also beim Treppensteigen, Bergaufgehen oder Tragen:¹,³

  • Atemnot und abnehmende Belastbarkeit — oft schleichend, sodass Betroffene unbewusst weniger machen.
  • Brustenge (Angina pectoris) — Druck oder Enge hinter dem Brustbein, weil der verdickte Herzmuskel mehr Sauerstoff braucht. Ähnliche Brustschmerzen kommen auch bei einer koronaren Herzkrankheit vor, die häufig gleichzeitig besteht.
  • Schwindel oder Ohnmacht bei Anstrengung — das Herz kann die Auswurfmenge nicht steigern, der Blutdruck fällt ab.
  • Spätzeichen — Atemnot im Liegen, nächtlicher Husten, Wassereinlagerungen in den Beinen als Zeichen einer Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern.
Wann du 112 wählen solltest. Eine Ohnmacht, anhaltende Brustschmerzen oder schwere Atemnot in Ruhe sind bei bekannter Aortenklappenstenose ein Notfall. Ruf den Rettungsdienst, statt selbst in die Klinik zu fahren.

Eine Besonderheit ist das Heyde-Syndrom: Bei manchen Menschen mit hochgradiger Stenose bluten kleine Gefäßfehlbildungen im Darm, weil der starke Blutstrom an der engen Klappe einen Gerinnungsfaktor zerstört. Folge sind Blutarmut und schwarzer Stuhl — unter Blutverdünnern besonders relevant. Nach dem Klappenersatz bessert sich das häufig.²


4. Ursachen und Risikofaktoren

  • Altersbedingte Verkalkung — die häufigste Ursache. Der Prozess ähnelt der Arterienverkalkung und beginnt mit kleinen Entzündungen und Kalkablagerungen an den Klappensegeln.
  • Angeborene zweisegelige Klappe — sie verschleißt schneller; Betroffene brauchen oft schon zwischen 50 und 70 Jahren einen Klappenersatz. Nicht selten ist auch die Hauptschlagader erweitert.
  • Rheumatisches Fieber — nach unbehandelten Streptokokken-Infekten in der Kindheit; in Deutschland heute selten.
  • Begünstigende Faktoren — Bluthochdruck, erhöhtes LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a), Rauchen, Diabetes und eine chronische Nierenerkrankung.
Statine: ehrlich eingeordnet. Obwohl die Klappenverkalkung der Arterienverkalkung ähnelt, haben Cholesterinsenker wie Atorvastatin in mehreren Studien das Fortschreiten der Stenose nicht gebremst. Wer sie wegen einer koronaren Herzkrankheit oder hoher Blutfette nimmt, sollte sie trotzdem weiter nehmen — sie schützen dann Herzkranzgefäße und Gehirn, nur eben nicht die Klappe.²

5. Diagnose: Herzgeräusch, Echo und Herzteam

Häufig fällt eine Aortenklappenstenose zuerst beim Abhören auf: als raues Geräusch während der Herzaktion, das bis in die Halsschlagadern ausstrahlt. Danach folgt eine gestufte Abklärung:²

  • Herzultraschall (Echokardiografie): die zentrale Untersuchung. Sie zeigt Schweregrad, Pumpfunktion und Herzwanddicke; gelegentlich ergänzt durch einen Ultraschall über die Speiseröhre.
  • EKG und Blutwerte: etwa das Herzhormon NT-proBNP als Hinweis auf eine Belastung des Herzens, dazu Nierenwerte und Blutbild.
  • Belastungstest: nur bei Menschen ohne Beschwerden — er kann versteckte Symptome aufdecken. Bei bereits bestehenden Beschwerden und hochgradiger Stenose ist er gefährlich und wird nicht gemacht.
  • Computertomografie: misst den Klappenkalk bei unklaren Befunden und plant vor einer TAVI Klappengröße und Zugangsweg über die Leistengefäße.
  • Herzkatheter oder CT der Herzkranzgefäße: vor dem Eingriff, um verengte Herzkranzgefäße zu erkennen, die gleich mitbehandelt werden können.

Die Entscheidung über das Verfahren trifft ein Herzteam aus Kardiologie und Herzchirurgie. In Deutschland schreibt die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses vor, dass Katheterklappen nur in Kliniken eingesetzt werden, die beide Fachabteilungen vorhalten.⁴ Bring zum Gespräch einen aktuellen Medikationsplan mit, insbesondere zu Blutverdünnern; Tipps bietet der Ratgeber Arzttermin vorbereiten.

6. Therapie: wann gehandelt werden muss

Eine verengte Klappe lässt sich nicht mit Tabletten weiten. Die einzige wirksame Behandlung ist der Klappenersatz. Die entscheidende Frage ist deshalb der richtige Zeitpunkt. Die europäische Leitlinie von 2025 nennt folgende Situationen:²

Klare Indikation Hochgradige Stenose mit Beschwerden
Klappenersatz empfohlen
Atemnot, Brustenge oder Ohnmacht bei hochgradiger Stenose sind ein klarer Grund für den Eingriff — unabhängig vom Alter, sofern er Lebensqualität und Lebenserwartung voraussichtlich verbessert.
Ohne Beschwerden, aber mit nachlassender Pumpkraft
Sinkt die Pumpfunktion der linken Herzkammer unter 50 Prozent oder löst ein Belastungstest Beschwerden aus, wird ebenfalls ein Klappenersatz empfohlen. Auch ein Blutdruckabfall unter Belastung spricht dafür.
Neu 2025 Hochgradig, aber beschwerdefrei
Früher Eingriff kann sinnvoll sein
Nach neueren Studien empfiehlt die Leitlinie bei hochgradiger Stenose mit hohen Druckwerten auch ohne Beschwerden, einen frühen Klappenersatz zu erwägen, wenn das Eingriffsrisiko gering ist. Das ist eine Abwägung, die das Herzteam mit dir trifft.
Beobachten Leicht- bis mittelgradige Stenose
Regelmäßige Echo-Kontrollen
Abstände je nach Schweregrad und Kalklast, bei mittelgradiger Stenose meist jährlich bis alle zwei Jahre. Bei neuen Beschwerden nicht bis zum nächsten Termin warten.

Wer sehr alt ist oder schwere Begleiterkrankungen hat, profitiert nicht immer von einem Eingriff. Auch das gehört ehrlich ins Gespräch: Ziel ist nicht der Klappenersatz um jeden Preis, sondern ein Gewinn an Lebensqualität. Die Entscheidung liegt beim Herzteam gemeinsam mit dir und deinen Angehörigen.²


7. TAVI oder Operation?

Für den Klappenersatz gibt es zwei Wege. Welcher passt, hängt vor allem von Alter, Klappenform, Gefäßen und Begleiterkrankungen ab.²,⁴

TAVI (Katheterklappe)Chirurgischer Klappenersatz
PrinzipEine zusammengefaltete Bioklappe wird meist über die Leistenarterie zum Herzen geschoben und in die alte Klappe gedrücktDie verkalkte Klappe wird am offenen Herzen mit Herz-Lungen-Maschine entfernt und ersetzt
Leitlinie 2025Bevorzugt ab 70 Jahren bei dreisegeliger Klappe und geeignetem Zugang über die LeisteBevorzugt unter 70 Jahren, bei zweisegeliger Klappe oder wenn weitere Herzoperationen nötig sind
BelastungOft nur örtliche Betäubung mit leichter Sedierung, Klinikaufenthalt meist wenige TageVollnarkose, längerer Klinikaufenthalt und Reha
Typische RisikenBedarf an einem Herzschrittmacher, Gefäßverletzungen an der Leiste, Schlaganfall, Undichtigkeit neben der KlappeBlutungen, Vorhofflimmern, Wundheilungsstörungen, längere Erholung
HaltbarkeitLangzeitdaten über mehr als etwa zehn Jahre noch begrenztBioklappen halten viele Jahre, mechanische Klappen in der Regel lebenslang
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Bei der Operation stellt sich zusätzlich die Wahl zwischen mechanischer Klappe und Bioklappe. Mechanische Klappen verschleißen kaum, erfordern aber lebenslang einen Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon. Bioklappen kommen meist ohne dauerhafte Blutverdünnung aus, nutzen sich aber über die Jahre ab; eine verschlissene Bioklappe lässt sich dann oft per Katheter durch eine neue ersetzen („Valve-in-Valve"). Jüngeren wird daher eher eine mechanische, Älteren eher eine Bioklappe empfohlen — mit individuellem Spielraum dazwischen.²

Ehrlich eingeordnet: Die TAVI hat die Behandlung älterer Menschen stark verändert, weil sie schonender ist. Bei jüngeren Patienten fehlen aber noch belastbare Daten, wie lange die Katheterklappen halten. Eine Ballondehnung der Klappe allein wirkt nur kurz und wird deshalb höchstens als Überbrückung eingesetzt.


8. Medikamente: was sie können und was nicht

Kein Medikament bremst das Fortschreiten einer Aortenklappenstenose. Medikamente behandeln Begleiterkrankungen und lindern Beschwerden, bis der Klappenersatz erfolgt. Dabei gilt: Ein Herz, das gegen eine enge Klappe pumpt, reagiert empfindlich auf zu niedrigen Blutdruck und zu wenig Flüssigkeit.²,⁵

Begleitend Was sinnvoll ist
Blutdrucksenker
Bluthochdruck sollte auch bei Aortenklappenstenose behandelt werden, aber behutsam: niedrig beginnen, langsam steigern, auf Schwindel achten.
Entwässerungsmittel
Mittel wie Furosemid lindern Wassereinlagerungen und Atemnot bei Herzschwäche. Zu viel Entwässerung kann aber zu Blutdruckabfall und Ohnmacht führen.
Gerinnungshemmer bei Vorhofflimmern
Bei Vorhofflimmern sind Gerinnungshemmer wie Apixaban zum Schutz vor Schlaganfall meist angezeigt, solange keine mechanische Klappe eingesetzt ist.
Vorsicht mit gefäßerweiternden Mitteln. Starke Gefäßerweiterer können bei hochgradiger Stenose einen gefährlichen Blutdruckabfall auslösen. Laut Fachinformation sollen Potenzmittel wie Sildenafil oder Tadalafil bei Aortenklappenstenose nur mit Vorsicht eingesetzt werden; Nitrat-Sprays gegen Brustenge nur nach ärztlicher Rücksprache. Hast du wegen Ohnmachtsneigung oder Schwindel den Eindruck, dass ein Medikament nicht vertragen wird, setz es nicht eigenmächtig ab, sondern melde dich — mehr unter Medikamente absetzen.⁵

Auch Durchfall, Erbrechen, Fieber oder Hitze können über Flüssigkeitsverlust den Blutdruck senken. Wer Entwässerungsmittel nimmt, sollte an solchen Tagen mit der Praxis besprechen, ob die Dosis angepasst wird; siehe Medikamente und Hitze. Welche Mittel du in welcher Dosis nimmst, legt immer die behandelnde Praxis fest.

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9. Nach dem Klappenersatz: Blutverdünner und Endokarditis-Schutz

Welche Gerinnungshemmung du danach brauchst, hängt vom Klappentyp und von weiteren Erkrankungen ab. Vereinfacht gilt laut Leitlinie:²,⁵

  • Nach TAVI ohne weiteren Grund für Blutverdünnung: lebenslang ein Thrombozytenhemmer, meist ASS in niedriger Dosis oder alternativ Clopidogrel. Eine doppelte Plättchenhemmung wird nur noch in Sonderfällen, etwa nach frischem Stent, eingesetzt.
  • Nach TAVI mit Vorhofflimmern: in der Regel nur der Gerinnungshemmer, ohne zusätzliches ASS, weil die Kombination die Blutungsgefahr erhöht.
  • Nach chirurgischer Bioklappe: in den ersten Monaten ASS oder ein Gerinnungshemmer, danach je nach Begleiterkrankungen.
  • Mechanische Klappe: lebenslang ein Vitamin-K-Antagonist mit regelmäßigen INR-Kontrollen; der Zielbereich hängt von Klappentyp und Risikofaktoren ab. Neue Gerinnungshemmer (DOAK) sind hier nicht geeignet und teils ausdrücklich kontraindiziert.
Phenprocoumon und Wechselwirkungen. Viele Medikamente verstärken oder schwächen die Wirkung, etwa Antibiotika, Schmerzmittel wie Ibuprofen, das Rhythmusmittel Amiodaron oder Johanniskraut. Nach jeder neuen Verordnung lohnt eine zusätzliche INR-Kontrolle. Vitamin-K-reiche Lebensmittel musst du nicht meiden, aber gleichmäßig essen. Mehr im Ratgeber Blutverdünner im Alltag.⁵

Endokarditis-Schutz: Mit jeder künstlichen Herzklappe — auch nach TAVI — besteht ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Vor Zahnbehandlungen, bei denen das Zahnfleisch verletzt wird, empfiehlt die Leitlinie deshalb eine vorbeugende Antibiotikagabe, meist eine Einzeldosis Amoxicillin kurz vor dem Eingriff; bei Penicillinallergie gibt es Alternativen. Mindestens so wichtig sind gute Mundhygiene und zahnärztliche Kontrollen ein- bis zweimal im Jahr. Ein Endokarditis-Ausweis, etwa von der Deutschen Herzstiftung, informiert Zahnarztpraxen schnell.⁶ Vor anderen Eingriffen gilt: Blutverdünner nur nach Absprache pausieren, siehe Medikamente vor einer Operation.


10. Alltag mit Aortenklappenstenose

  • Beschwerden ernst nehmen — wenn du merkst, dass du Treppen meidest oder öfter stehen bleibst, ist das eine wichtige Information für die nächste Kontrolle, kein normales Altern.
  • Bewegung ja, Kraftakte nein — leichte bis moderate Bewegung ist bei leicht- und mittelgradiger Stenose erwünscht. Bei hochgradiger Stenose solltest du schweres Heben, Pressen und Leistungssport meiden und Grenzen mit der Praxis besprechen; siehe Medikamente und Sport.
  • Blutdruck im Blick — sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte sind ungünstig. Regelmäßig messen und Werte mit Uhrzeit notieren hilft der Praxis bei der Einstellung.
  • Zähne pflegen — gute Mundhygiene senkt das Endokarditis-Risiko, besonders nach dem Klappenersatz.
  • Nach dem Eingriff aktiv werden — nach einer Operation ist eine kardiologische Reha üblich, nach TAVI kommen viele schnell wieder auf die Beine. Regelmäßige Echo-Kontrollen der neuen Klappe bleiben Teil der Nachsorge.

Viele Menschen mit Aortenklappenstenose nehmen zusätzlich Medikamente gegen Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes oder Vorhofflimmern. Nach dem Klappenersatz kommen Gerinnungshemmer hinzu. Ein aktueller Medikationsplan, den Hausarztpraxis, Kardiologie und Zahnarztpraxis kennen, verhindert gefährliche Doppelungen und Lücken.

INR, Blutdruck und Beschwerden im Verlauf

Halte Messwerte und Belastbarkeit fest — so siehst du und deine Praxis früh, wenn sich etwas verändert.

Verlauf tracken

FAQ: Häufige Fragen zur Aortenklappenstenose

Solange keine Beschwerden bestehen, ist das Risiko bei regelmäßigen Kontrollen meist überschaubar. Treten bei hochgradiger Stenose Atemnot, Brustenge oder Ohnmacht auf, verschlechtert sich die Prognose ohne Klappenersatz deutlich. Dann sollte der Eingriff zeitnah erfolgen.
Ein Klappenersatz wird empfohlen, wenn eine hochgradige Stenose Beschwerden macht oder die Pumpkraft des Herzens nachlässt. Nach der europäischen Leitlinie von 2025 kann ein früher Eingriff auch ohne Beschwerden sinnvoll sein, wenn die Stenose hochgradig ist und das Eingriffsrisiko gering. Die Entscheidung trifft das Herzteam mit dir.
Das hängt vor allem vom Alter, der Klappenform und den Gefäßen ab. Die Leitlinie von 2025 bevorzugt die TAVI ab 70 Jahren bei dreisegeliger Klappe und geeignetem Zugang über die Leiste, die Operation eher bei Jüngeren und bei zweisegeliger Klappe. Bei jüngeren Menschen ist die Langzeithaltbarkeit der Katheterklappen noch nicht ausreichend untersucht.
Nein, kein Medikament kann die Verengung rückgängig machen oder ihr Fortschreiten aufhalten, auch Cholesterinsenker nicht. Medikamente behandeln Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzschwäche und lindern Beschwerden. Die einzige wirksame Behandlung ist der Klappenersatz.
Ja, in der Regel lebenslang einen Thrombozytenhemmer wie ASS. Bei Vorhofflimmern wird meist nur ein Gerinnungshemmer ohne zusätzliches ASS gegeben. Welche Kombination für dich richtig ist, legt die behandelnde Praxis fest.
Mit einer künstlichen Herzklappe, auch nach TAVI, empfiehlt die Leitlinie vor Zahnbehandlungen, bei denen das Zahnfleisch verletzt wird, eine vorbeugende Einmalgabe eines Antibiotikums. Informiere deine Zahnarztpraxis über die Klappe, am besten mit einem Endokarditis-Ausweis.
Bei leicht- bis mittelgradiger Stenose ist moderate Bewegung erwünscht. Bei hochgradiger Stenose solltest du schwere körperliche Anstrengung, Pressen und Leistungssport meiden. Wenn bei Belastung Atemnot, Brustenge oder Schwindel auftreten, brich ab und lass dich zeitnah untersuchen.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung: Aortenklappenstenose — Ursachen, Symptome, Behandlung. Abgerufen 2026. herzstiftung.de
  2. Praz F et al.: 2025 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease. European Society of Cardiology und European Association for Cardio-Thoracic Surgery, European Heart Journal 2025. escardio.org
  3. MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Aortenklappenstenose. Abgerufen 2026. msdmanuals.com
  4. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie über Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei minimalinvasiven Herzklappeninterventionen (MHI-RL). Abgerufen 2026. g-ba.de
  5. Fachinformationen der Wirkstoffe Phenprocoumon, Dabigatran, Sildenafil, Tadalafil und Glyceroltrinitrat (Abschnitte Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen). Abgerufen 2026. fachinfo.de
  6. Delgado V et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of endocarditis. European Society of Cardiology, European Heart Journal 2023. escardio.org

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Ohnmacht, anhaltende Brustschmerzen oder schwere Atemnot sind bei Aortenklappenstenose ein Notfall — wähle 112. Setz Gerinnungshemmer nach einem Klappenersatz nie eigenmächtig ab. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: November 2026.