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Sarah K., 34
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Die Aortenklappe ist das Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta). Bei jedem Herzschlag öffnet sie sich und lässt das Blut in den Körper. Bei einer Aortenklappenstenose ist diese Öffnung verengt, meist weil sich die Klappensegel über Jahre verdickt haben und verkalkt sind. Das Herz muss dann gegen einen immer größeren Widerstand pumpen.¹,²
Anfangs gleicht der Herzmuskel das aus, indem er dicker wird. Das geht oft jahrelang gut und ohne Beschwerden. Irgendwann reicht die Anpassung nicht mehr: Es kommt zu Atemnot, Brustenge oder Schwindel, später zur Herzschwäche. Die Aortenklappenstenose ist die häufigste Herzklappenerkrankung, die in Europa per Katheter oder Operation behandelt wird; mit steigendem Alter wird sie deutlich häufiger.²
Gemessen wird die Verengung im Herzultraschall (Echokardiografie). Entscheidend sind die Geschwindigkeit, mit der das Blut durch die Klappe schießt, der Druckunterschied vor und hinter der Klappe und die verbliebene Öffnungsfläche.²
| Schweregrad | Typische Messwerte | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Leichtgradig | Leicht erhöhte Flussgeschwindigkeit, Öffnungsfläche noch über 1,5 cm² | Kontrollen in größeren Abständen, Risikofaktoren behandeln |
| Mittelgradig | Öffnungsfläche etwa 1,0 bis 1,5 cm² | Engere Echo-Kontrollen, auf Beschwerden achten |
| Hochgradig | Spitzengeschwindigkeit ab 4 m/s, mittlerer Druckunterschied ab 40 mmHg, Öffnungsfläche unter 1,0 cm² | Klappenersatz bei Beschwerden; ohne Beschwerden zunehmend früh erwogen |
Daneben gibt es Sonderformen: Bei der Low-Flow-Low-Gradient-Stenose pumpt das Herz so wenig Blut, dass die Messwerte trotz enger Klappe harmlos aussehen. Dann helfen ein Belastungs-Echo mit Medikament oder eine CT-Messung des Klappenkalks. Unterschieden wird außerdem nach der Klappenform: normal mit drei Segeln (trikuspid) oder angeboren mit zwei Segeln (bikuspid) — das beeinflusst die Wahl der Behandlung.²
Die klassischen drei Warnzeichen treten typischerweise bei Belastung auf, also beim Treppensteigen, Bergaufgehen oder Tragen:¹,³
Eine Besonderheit ist das Heyde-Syndrom: Bei manchen Menschen mit hochgradiger Stenose bluten kleine Gefäßfehlbildungen im Darm, weil der starke Blutstrom an der engen Klappe einen Gerinnungsfaktor zerstört. Folge sind Blutarmut und schwarzer Stuhl — unter Blutverdünnern besonders relevant. Nach dem Klappenersatz bessert sich das häufig.²
Häufig fällt eine Aortenklappenstenose zuerst beim Abhören auf: als raues Geräusch während der Herzaktion, das bis in die Halsschlagadern ausstrahlt. Danach folgt eine gestufte Abklärung:²
Die Entscheidung über das Verfahren trifft ein Herzteam aus Kardiologie und Herzchirurgie. In Deutschland schreibt die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses vor, dass Katheterklappen nur in Kliniken eingesetzt werden, die beide Fachabteilungen vorhalten.⁴ Bring zum Gespräch einen aktuellen Medikationsplan mit, insbesondere zu Blutverdünnern; Tipps bietet der Ratgeber Arzttermin vorbereiten.
Eine verengte Klappe lässt sich nicht mit Tabletten weiten. Die einzige wirksame Behandlung ist der Klappenersatz. Die entscheidende Frage ist deshalb der richtige Zeitpunkt. Die europäische Leitlinie von 2025 nennt folgende Situationen:²
Wer sehr alt ist oder schwere Begleiterkrankungen hat, profitiert nicht immer von einem Eingriff. Auch das gehört ehrlich ins Gespräch: Ziel ist nicht der Klappenersatz um jeden Preis, sondern ein Gewinn an Lebensqualität. Die Entscheidung liegt beim Herzteam gemeinsam mit dir und deinen Angehörigen.²
Für den Klappenersatz gibt es zwei Wege. Welcher passt, hängt vor allem von Alter, Klappenform, Gefäßen und Begleiterkrankungen ab.²,⁴
| TAVI (Katheterklappe) | Chirurgischer Klappenersatz | |
|---|---|---|
| Prinzip | Eine zusammengefaltete Bioklappe wird meist über die Leistenarterie zum Herzen geschoben und in die alte Klappe gedrückt | Die verkalkte Klappe wird am offenen Herzen mit Herz-Lungen-Maschine entfernt und ersetzt |
| Leitlinie 2025 | Bevorzugt ab 70 Jahren bei dreisegeliger Klappe und geeignetem Zugang über die Leiste | Bevorzugt unter 70 Jahren, bei zweisegeliger Klappe oder wenn weitere Herzoperationen nötig sind |
| Belastung | Oft nur örtliche Betäubung mit leichter Sedierung, Klinikaufenthalt meist wenige Tage | Vollnarkose, längerer Klinikaufenthalt und Reha |
| Typische Risiken | Bedarf an einem Herzschrittmacher, Gefäßverletzungen an der Leiste, Schlaganfall, Undichtigkeit neben der Klappe | Blutungen, Vorhofflimmern, Wundheilungsstörungen, längere Erholung |
| Haltbarkeit | Langzeitdaten über mehr als etwa zehn Jahre noch begrenzt | Bioklappen halten viele Jahre, mechanische Klappen in der Regel lebenslang |
Bei der Operation stellt sich zusätzlich die Wahl zwischen mechanischer Klappe und Bioklappe. Mechanische Klappen verschleißen kaum, erfordern aber lebenslang einen Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon. Bioklappen kommen meist ohne dauerhafte Blutverdünnung aus, nutzen sich aber über die Jahre ab; eine verschlissene Bioklappe lässt sich dann oft per Katheter durch eine neue ersetzen („Valve-in-Valve"). Jüngeren wird daher eher eine mechanische, Älteren eher eine Bioklappe empfohlen — mit individuellem Spielraum dazwischen.²
Ehrlich eingeordnet: Die TAVI hat die Behandlung älterer Menschen stark verändert, weil sie schonender ist. Bei jüngeren Patienten fehlen aber noch belastbare Daten, wie lange die Katheterklappen halten. Eine Ballondehnung der Klappe allein wirkt nur kurz und wird deshalb höchstens als Überbrückung eingesetzt.
Kein Medikament bremst das Fortschreiten einer Aortenklappenstenose. Medikamente behandeln Begleiterkrankungen und lindern Beschwerden, bis der Klappenersatz erfolgt. Dabei gilt: Ein Herz, das gegen eine enge Klappe pumpt, reagiert empfindlich auf zu niedrigen Blutdruck und zu wenig Flüssigkeit.²,⁵
Auch Durchfall, Erbrechen, Fieber oder Hitze können über Flüssigkeitsverlust den Blutdruck senken. Wer Entwässerungsmittel nimmt, sollte an solchen Tagen mit der Praxis besprechen, ob die Dosis angepasst wird; siehe Medikamente und Hitze. Welche Mittel du in welcher Dosis nimmst, legt immer die behandelnde Praxis fest.
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Welche Gerinnungshemmung du danach brauchst, hängt vom Klappentyp und von weiteren Erkrankungen ab. Vereinfacht gilt laut Leitlinie:²,⁵
Endokarditis-Schutz: Mit jeder künstlichen Herzklappe — auch nach TAVI — besteht ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Vor Zahnbehandlungen, bei denen das Zahnfleisch verletzt wird, empfiehlt die Leitlinie deshalb eine vorbeugende Antibiotikagabe, meist eine Einzeldosis Amoxicillin kurz vor dem Eingriff; bei Penicillinallergie gibt es Alternativen. Mindestens so wichtig sind gute Mundhygiene und zahnärztliche Kontrollen ein- bis zweimal im Jahr. Ein Endokarditis-Ausweis, etwa von der Deutschen Herzstiftung, informiert Zahnarztpraxen schnell.⁶ Vor anderen Eingriffen gilt: Blutverdünner nur nach Absprache pausieren, siehe Medikamente vor einer Operation.
Viele Menschen mit Aortenklappenstenose nehmen zusätzlich Medikamente gegen Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes oder Vorhofflimmern. Nach dem Klappenersatz kommen Gerinnungshemmer hinzu. Ein aktueller Medikationsplan, den Hausarztpraxis, Kardiologie und Zahnarztpraxis kennen, verhindert gefährliche Doppelungen und Lücken.
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