Chronische Nierenerkrankung (CKD):
Stadien, Symptome & moderne Therapie

Auf einen Blick

HäufigkeitBetrifft nach Schätzungen etwa jeden zehnten Erwachsenen in Deutschland — viele wissen nichts davon
DefinitionNierenschädigung oder eingeschränkte Nierenfunktion (eGFR < 60) über mindestens drei Monate
Häufigste UrsachenDiabetes und Bluthochdruck — zusammen für einen Großteil der Fälle verantwortlich
SchlüsselwerteeGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und UACR (Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin)
TherapieBlutdruckkontrolle, ACE-Hemmer/Sartane, SGLT2-Hemmer, ggf. Finerenon — Lebensstil, Vermeidung nephrotoxischer Medikamente
ICD-10N18 (Chronische Nierenkrankheit)

1. Was ist CKD?

Chronische Nierenerkrankung (CKD, Chronic Kidney Disease) bedeutet, dass die Nieren über einen längeren Zeitraum (mindestens drei Monate) in ihrer Funktion eingeschränkt sind oder ein struktureller Nierenschaden vorliegt. Die Nieren filtern normalerweise Abfallstoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut, regulieren den Blutdruck, den Mineralstoffhaushalt und die Blutbildung.¹

CKD betrifft nach Schätzungen etwa jeden zehnten Erwachsenen in Deutschland — die meisten wissen lange nichts davon, weil die Erkrankung in frühen Stadien in der Regel keine Beschwerden verursacht. Mit fortschreitender Nierenschädigung steigen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Gesamtsterblichkeit deutlich an.¹˒²

Die gute Nachricht: Therapie hat sich grundlegend verbessert In den letzten Jahren sind neue Medikamente verfügbar geworden — allen voran SGLT2-Hemmer und Finerenon — die den Verlauf der CKD nachweislich verlangsamen können. Voraussetzung: Die Erkrankung wird frühzeitig erkannt und konsequent behandelt.

2. Stadien

CKD wird nach der KDIGO-Klassifikation anhand von zwei Parametern eingeteilt: der eGFR (geschätzte Nierenfunktion) und der Albuminurie (Eiweiß im Urin).¹

GFR-Stadien

G1 eGFR ≥ 90
Normale oder erhöhte Nierenfunktion, aber Hinweise auf Nierenschädigung (z. B. Albuminurie)
G2 eGFR 60–89
Leicht eingeschränkt mit Hinweisen auf Nierenschädigung
G3a eGFR 45–59
Leicht bis mäßig eingeschränkt
G3b eGFR 30–44
Mäßig bis stark eingeschränkt
G4 eGFR 15–29
Stark eingeschränkt
G5 eGFR < 15
Nierenversagen — in der Regel Dialyse oder Transplantation notwendig

Albuminurie-Kategorien

  • A1: normal bis leicht erhöht
  • A2: mäßig erhöht — wichtiger Frühindikator für Nierenschädigung und kardiovaskuläres Risiko
  • A3: stark erhöht

Je höher das Stadium und je stärker die Albuminurie, desto höher das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung und für Herz-Kreislauf-Komplikationen.¹


3. Symptome

Frühe Stadien: kaum Beschwerden CKD verursacht in frühen Stadien in der Regel keine Beschwerden — deshalb wird sie häufig erst spät entdeckt. Symptome treten meistens erst in fortgeschrittenen Stadien auf.
  • Müdigkeit und Leistungsminderung
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) — besonders an Beinen, Füßen und im Gesicht
  • Kurzatmigkeit
  • Übelkeit, Appetitlosigkeit
  • Juckreiz
  • Konzentrationsstörungen
  • Veränderte Urinmenge (mehr oder weniger als normal), schäumender Urin
  • Bluthochdruck — häufig sowohl Ursache als auch Folge der CKD
  • Anämie (Blutarmut) — die Nieren produzieren weniger Erythropoetin

4. Ursachen und Risikofaktoren

  • Diabetes: Die häufigste Ursache für CKD. Diabetes Typ 2 und Diabetes Typ 1 können die kleinen Blutgefäße der Nieren schädigen (diabetische Nephropathie).
  • Bluthochdruck: Die zweithäufigste Ursache. Langfristig erhöhter Blutdruck schädigt die Nierengefäße. Gleichzeitig kann CKD den Blutdruck weiter erhöhen — ein Teufelskreis.
  • Glomerulonephritis: Entzündliche Nierenerkrankungen verschiedener Ursachen.
  • Zystennieren (ADPKD): Erbliche Erkrankung mit Zystenbildung in den Nieren. Häufigste erbliche Nierenerkrankung.
  • Harnwegserkrankungen: Wiederkehrende Harnwegsinfektionen, Harnabflussstörungen, Nierensteine.
  • Medikamente: Langfristige Einnahme von NSAR (Ibuprofen, Diclofenac), bestimmte Antibiotika, Kontrastmittel. Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten.
  • Weitere Risikofaktoren: Alter, Adipositas, Rauchen, familiäre Belastung, Herzinsuffizienz.

5. Diagnose

Die Diagnose einer CKD ist in der Regel unkompliziert — wenn man daran denkt.¹

  • eGFR (geschätzte GFR): wird aus dem Kreatinin im Blut berechnet. Der wichtigste Wert zur Beurteilung der Nierenfunktion. In bestimmten Situationen kann zusätzlich Cystatin C bestimmt werden für eine genauere Schätzung.
  • UACR (Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin): Ein einfacher Urintest, der eine erhöhte Eiweißausscheidung nachweist. Die KDIGO-Leitlinie 2024 betont die Bedeutung der UACR insbesondere beim Screening und bei der Risikoeinschätzung.¹
  • Urin-Sediment und -Stix: Hinweise auf Blut, Eiweiß oder Entzündung im Urin.
  • Blutdruck: regelmäßig messen.
  • Ultraschall der Nieren: Größe, Form, Stauungszeichen, Zysten, Steine.
  • Blutwerte: Kalium, Phosphat, Calcium, Harnstoff, Blutbild (Anämie?), HbA1c (Diabetes?).
Screening bei Risikopersonen — KDIGO 2024 Die KDIGO-Leitlinie 2024 empfiehlt bei Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder anderen Risikofaktoren ein regelmäßiges CKD-Screening mit eGFR und UACR. Frühe Stadien der CKD sind häufig noch gut behandelbar — je später die Diagnose, desto schlechter die Prognose.

Mehr: Arzttermin vorbereiten, Blutwerte verstehen.

6. Therapie: Nierenschutz

Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten der CKD zu verlangsamen, Komplikationen zu verhindern und das Herz-Kreislauf-Risiko zu senken. Die KDIGO-Leitlinie 2024 definiert eine mehrsäulige nephroprotektive Strategie.¹

Säule 1 Blutdruckkontrolle & RAS-Inhibitoren

Systolischer Zielwert in der Regel unter 120 mmHg nach KDIGO 2024. RAS-Inhibitoren (ACE-Hemmer oder Sartane) sind in der Regel die Mittel der Wahl bei CKD mit Albuminurie — sie senken nicht nur den Blutdruck, sondern wirken auch direkt nephroprotektiv.¹

Säule 2 SGLT2-Hemmer — die neue Säule
Dapagliflozin, Empagliflozin u. a.
Können das Fortschreiten der Nierenschädigung und das kardiovaskuläre Risiko senken — unabhängig davon, ob ein Diabetes vorliegt. Werden von der KDIGO 2024 mit starker Empfehlung empfohlen.¹
Säule 3 Weitere moderne Optionen
Finerenon (nichtsteroidaler MRA)
Ein neuer Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist, der bei CKD mit Diabetes das Fortschreiten der Nierenschädigung und kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren kann. Wird in der KDIGO 2024 empfohlen.¹
GLP-1-Rezeptoragonisten (z. B. Semaglutid)
Können bei CKD-Betroffenen mit Diabetes und/oder Adipositas kardiovaskuläre und renale Ereignisse reduzieren. Werden in der KDIGO 2024 als neue Therapieoption aufgeführt.
Begleitend Diabetes, Lebensstil & Medikamenten-Review
  • Diabetes-Kontrolle: bei diabetischer Nephropathie ist eine gute Blutzuckereinstellung (HbA1c-Zielwert individuell) entscheidend.
  • Lebensstil: Rauchstopp, Gewichtskontrolle, regelmäßige Bewegung, Salzreduktion.
  • Medikamenten-Review: Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion, Sick-Day-Rules beachten (bei akuter Erkrankung bestimmte Medikamente pausieren). Mehr: Medikamente absetzen.
Vorsicht: NSAR bei CKD vermeiden NSAR (Ibuprofen, Diclofenac und Co.) können die Nierenfunktion verschlechtern und sollten bei CKD in der Regel gemieden werden — insbesondere in höheren Stadien. Auch Kontrastmittel und bestimmte Antibiotika können die Nieren belasten. Bei Schmerzen mit der behandelnden Praxis abstimmen, welche Alternativen in Frage kommen.

7. Ernährung

  • Salz reduzieren: kann Blutdruck und Ödeme verbessern.
  • Protein: die KDIGO 2024 empfiehlt für die meisten CKD-Betroffenen eine moderate Proteinzufuhr — keine strikte Restriktion, aber auch kein Übermaß.
  • Kalium: in fortgeschrittenen Stadien kann eine kaliumangepasste Ernährung notwendig sein — pflanzliches Kalium ist weniger bioverfügbar als Kalium aus hochverarbeiteten Lebensmitteln.
  • Phosphat: Lebensmittel mit zugesetztem Phosphat (Fertiggerichte, Cola, Schmelzkäse) meiden.
  • Ernährungsberatung: eine professionelle Ernährungsberatung ist in der Regel empfehlenswert — vor allem in fortgeschrittenen Stadien.

8. Dialyse und Transplantation

Wenn die Nierenfunktion so weit abfällt, dass der Körper Abfallstoffe und Wasser nicht mehr ausreichend ausscheiden kann, wird eine Nierenersatztherapie notwendig — in der Regel ab Stadium G5.¹

Hämodialyse
Das Blut wird außerhalb des Körpers über eine Maschine gereinigt. In der Regel drei Mal pro Woche für mehrere Stunden im Dialysezentrum. Heimhämodialyse ist für manche Betroffene eine Option.
Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)
Das Bauchfell dient als Filter. Kann in der Regel zu Hause durchgeführt werden — bietet mehr Flexibilität im Alltag.
Nierentransplantation
Die beste Langzeittherapie für die meisten Betroffenen mit Nierenversagen. Kann als Lebendspende oder von hirntoten Organspendern erfolgen. Die Wartezeit auf ein Spenderorgan kann in Deutschland mehrere Jahre betragen.
Frühzeitig informieren — schon ab G4 Die Aufklärung über Nierenersatzverfahren sollte laut Leitlinie frühzeitig erfolgen — in der Regel schon ab Stadium G4 — damit rechtzeitig Vorbereitungen getroffen werden können (Dialysezugang, Transplantationsabklärung).¹

9. Alltag mit CKD

  • Medikamente: regelmäßige und pünktliche Einnahme. Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion beachten. Keine NSAR ohne Rücksprache. Mehr: Medikamente richtig einnehmen.
  • Kontrollen: regelmäßige Blut- und Urinkontrollen (eGFR, UACR, Kalium, Blutbild). Die Intervalle richten sich nach dem Stadium.
  • Blutdruck: regelmäßig messen — idealerweise zu Hause. Zielwerte mit der Praxis besprechen.
  • Impfungen: Grippeimpfung und Pneumokokken-Impfung werden in der Regel empfohlen. Bei fortgeschrittener CKD gelten besondere Impfempfehlungen.

So hilft brite dir bei CKD

Ramipril morgens, Dapagliflozin dazu, Finerenon abends, Furosemid bei Bedarf, dazu der Phosphatbinder zum Essen — und alle drei Monate eGFR und Kalium kontrollieren. CKD-Therapie ist Multitasking. brite bringt Struktur rein.

  • Einnahme-Erinnerung — ACE-Hemmer, SGLT2-Hemmer, Finerenon, Blutdrucksenker pünktlich einnehmen — und Phosphatbinder zur Mahlzeit. brite erinnert zuverlässig, auch an die zeitkritischen Medikamente. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — NSAR bei CKD? Kalium-sparende Diuretika plus ACE-Hemmer? Kontrastmittel-Vorbereitung? brite warnt vor riskanten Kombinationen, die für die Niere besonders relevant sind. Jetzt prüfen
  • Gesundheitsverlauf — eGFR, UACR, Blutdruck, Kalium und Gewicht über die Zeit dokumentieren. So sieht man früh, wenn sich der Verlauf verschlechtert — und kann gegensteuern. Verlauf tracken
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Nephrologie, Kardiologie, Diabetologie und Hausarzt — besonders wichtig, weil bei CKD viele Fachärzte involviert sind. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zur chronischen Nierenerkrankung

Die eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) ist der wichtigste Laborwert zur Beurteilung der Nierenfunktion. Sie wird aus dem Kreatinin im Blut berechnet und gibt an, wie gut die Nieren das Blut filtern. Ein Wert unter 60 über mindestens drei Monate deutet auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin.¹
In frühen Stadien kann das Fortschreiten in der Regel verlangsamt oder gestoppt werden — durch Blutdruckkontrolle, SGLT2-Hemmer und Behandlung der Grunderkrankung. Bereits verlorene Nierenfunktion kann aber meistens nicht wiederhergestellt werden. Deshalb ist eine frühe Erkennung so wichtig.
Medikamente (z. B. Dapagliflozin, Empagliflozin), die ursprünglich für Diabetes entwickelt wurden, aber auch unabhängig von Diabetes die Nieren und das Herz schützen können. Sie gehören laut KDIGO 2024 zu den wichtigsten neuen Säulen der CKD-Therapie.¹
Nicht zwingend. Bei vielen Betroffenen kann das Fortschreiten der CKD mit moderner Therapie so weit verlangsamt werden, dass eine Dialyse nicht oder erst deutlich später notwendig wird. Wenn die Nierenfunktion allerdings sehr stark abfällt (Stadium G5), wird in der Regel eine Nierenersatztherapie notwendig.
Bei CKD sollten NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) in der Regel gemieden werden, da sie die Nierenfunktion verschlechtern können. Alternativen (z. B. Paracetamol) sollten mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Durch einfache Labor-Tests: eGFR (Bluttest) und UACR (Urintest). Die KDIGO-Leitlinie empfiehlt ein regelmäßiges Screening bei Risikopersonen (Diabetes, Bluthochdruck, familiäre Belastung, Alter). Frühe CKD-Stadien sind in der Regel symptomfrei — nur Tests können sie entdecken.¹
Ein neuer nichtsteroidaler Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist, der bei CKD mit Diabetes das Fortschreiten der Nierenschädigung und kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren kann. Wird in der KDIGO 2024 als neue Therapieoption empfohlen.¹
In frühen Stadien in der Regel ja — mit Schwerpunkt auf Salzreduktion und ausgewogener Ernährung. In fortgeschrittenen Stadien kann eine kalium-, phosphat- und ggf. proteinangepasste Ernährung notwendig sein. Eine professionelle Ernährungsberatung ist empfehlenswert.

12. Verwandte Themen

Quellen

  1. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of CKD. kdigo.org
  2. DEGAM S3-Leitlinie CKD in der Hausarztpraxis (AWMF Reg-Nr. 053-048, Update 2024). degam.de
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Chronische Nierenerkrankung. gesundheitsinformation.de
  4. Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). dgfn.eu
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollten Medikamente in der Regel nur in Absprache mit der behandelnden Praxis eingenommen, dosiert oder abgesetzt werden. NSAR sollten bei CKD in der Regel gemieden werden. Die Therapieplanung wird immer individuell von der Nephrologie oder der Hausarztpraxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: April 2026.