Chronische Nierenerkrankung (CKD, Chronic Kidney Disease) bedeutet, dass die Nieren über einen längeren Zeitraum (mindestens drei Monate) in ihrer Funktion eingeschränkt sind oder ein struktureller Nierenschaden vorliegt. Die Nieren filtern normalerweise Abfallstoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut, regulieren den Blutdruck, den Mineralstoffhaushalt und die Blutbildung.¹
CKD betrifft nach Schätzungen etwa jeden zehnten Erwachsenen in Deutschland — die meisten wissen lange nichts davon, weil die Erkrankung in frühen Stadien in der Regel keine Beschwerden verursacht. Mit fortschreitender Nierenschädigung steigen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Gesamtsterblichkeit deutlich an.¹˒²
Die gute Nachricht: Therapie hat sich grundlegend verbessert
In den letzten Jahren sind neue Medikamente verfügbar geworden — allen voran SGLT2-Hemmer und Finerenon — die den Verlauf der CKD nachweislich verlangsamen können. Voraussetzung: Die Erkrankung wird frühzeitig erkannt und konsequent behandelt.
2. Stadien
CKD wird nach der KDIGO-Klassifikation anhand von zwei Parametern eingeteilt: der eGFR (geschätzte Nierenfunktion) und der Albuminurie (Eiweiß im Urin).¹
GFR-Stadien
G1 eGFR ≥ 90
Normale oder erhöhte Nierenfunktion, aber Hinweise auf Nierenschädigung (z. B. Albuminurie)
G2 eGFR 60–89
Leicht eingeschränkt mit Hinweisen auf Nierenschädigung
G3a eGFR 45–59
Leicht bis mäßig eingeschränkt
G3b eGFR 30–44
Mäßig bis stark eingeschränkt
G4 eGFR 15–29
Stark eingeschränkt
G5 eGFR < 15
Nierenversagen — in der Regel Dialyse oder Transplantation notwendig
Albuminurie-Kategorien
A1: normal bis leicht erhöht
A2: mäßig erhöht — wichtiger Frühindikator für Nierenschädigung und kardiovaskuläres Risiko
A3: stark erhöht
Je höher das Stadium und je stärker die Albuminurie, desto höher das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung und für Herz-Kreislauf-Komplikationen.¹
3. Symptome
Frühe Stadien: kaum Beschwerden
CKD verursacht in frühen Stadien in der Regel keine Beschwerden — deshalb wird sie häufig erst spät entdeckt. Symptome treten meistens erst in fortgeschrittenen Stadien auf.
Veränderte Urinmenge (mehr oder weniger als normal), schäumender Urin
Bluthochdruck — häufig sowohl Ursache als auch Folge der CKD
Anämie (Blutarmut) — die Nieren produzieren weniger Erythropoetin
4. Ursachen und Risikofaktoren
Diabetes: Die häufigste Ursache für CKD. Diabetes Typ 2 und Diabetes Typ 1 können die kleinen Blutgefäße der Nieren schädigen (diabetische Nephropathie).
Bluthochdruck: Die zweithäufigste Ursache. Langfristig erhöhter Blutdruck schädigt die Nierengefäße. Gleichzeitig kann CKD den Blutdruck weiter erhöhen — ein Teufelskreis.
Die Diagnose einer CKD ist in der Regel unkompliziert — wenn man daran denkt.¹
eGFR (geschätzte GFR): wird aus dem Kreatinin im Blut berechnet. Der wichtigste Wert zur Beurteilung der Nierenfunktion. In bestimmten Situationen kann zusätzlich Cystatin C bestimmt werden für eine genauere Schätzung.
UACR (Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin): Ein einfacher Urintest, der eine erhöhte Eiweißausscheidung nachweist. Die KDIGO-Leitlinie 2024 betont die Bedeutung der UACR insbesondere beim Screening und bei der Risikoeinschätzung.¹
Urin-Sediment und -Stix: Hinweise auf Blut, Eiweiß oder Entzündung im Urin.
Blutdruck: regelmäßig messen.
Ultraschall der Nieren: Größe, Form, Stauungszeichen, Zysten, Steine.
Screening bei Risikopersonen — KDIGO 2024
Die KDIGO-Leitlinie 2024 empfiehlt bei Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder anderen Risikofaktoren ein regelmäßiges CKD-Screening mit eGFR und UACR. Frühe Stadien der CKD sind häufig noch gut behandelbar — je später die Diagnose, desto schlechter die Prognose.
Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten der CKD zu verlangsamen, Komplikationen zu verhindern und das Herz-Kreislauf-Risiko zu senken. Die KDIGO-Leitlinie 2024 definiert eine mehrsäulige nephroprotektive Strategie.¹
Säule 1Blutdruckkontrolle & RAS-Inhibitoren
Systolischer Zielwert in der Regel unter 120 mmHg nach KDIGO 2024. RAS-Inhibitoren (ACE-Hemmer oder Sartane) sind in der Regel die Mittel der Wahl bei CKD mit Albuminurie — sie senken nicht nur den Blutdruck, sondern wirken auch direkt nephroprotektiv.¹
Säule 2SGLT2-Hemmer — die neue Säule
Dapagliflozin, Empagliflozin u. a.
Können das Fortschreiten der Nierenschädigung und das kardiovaskuläre Risiko senken — unabhängig davon, ob ein Diabetes vorliegt. Werden von der KDIGO 2024 mit starker Empfehlung empfohlen.¹
Säule 3Weitere moderne Optionen
Finerenon (nichtsteroidaler MRA)
Ein neuer Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist, der bei CKD mit Diabetes das Fortschreiten der Nierenschädigung und kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren kann. Wird in der KDIGO 2024 empfohlen.¹
GLP-1-Rezeptoragonisten (z. B. Semaglutid)
Können bei CKD-Betroffenen mit Diabetes und/oder Adipositas kardiovaskuläre und renale Ereignisse reduzieren. Werden in der KDIGO 2024 als neue Therapieoption aufgeführt.
Vorsicht: NSAR bei CKD vermeiden
NSAR (Ibuprofen, Diclofenac und Co.) können die Nierenfunktion verschlechtern und sollten bei CKD in der Regel gemieden werden — insbesondere in höheren Stadien. Auch Kontrastmittel und bestimmte Antibiotika können die Nieren belasten. Bei Schmerzen mit der behandelnden Praxis abstimmen, welche Alternativen in Frage kommen.
7. Ernährung
Salz reduzieren: kann Blutdruck und Ödeme verbessern.
Protein: die KDIGO 2024 empfiehlt für die meisten CKD-Betroffenen eine moderate Proteinzufuhr — keine strikte Restriktion, aber auch kein Übermaß.
Kalium: in fortgeschrittenen Stadien kann eine kaliumangepasste Ernährung notwendig sein — pflanzliches Kalium ist weniger bioverfügbar als Kalium aus hochverarbeiteten Lebensmitteln.
Phosphat: Lebensmittel mit zugesetztem Phosphat (Fertiggerichte, Cola, Schmelzkäse) meiden.
Ernährungsberatung: eine professionelle Ernährungsberatung ist in der Regel empfehlenswert — vor allem in fortgeschrittenen Stadien.
8. Dialyse und Transplantation
Wenn die Nierenfunktion so weit abfällt, dass der Körper Abfallstoffe und Wasser nicht mehr ausreichend ausscheiden kann, wird eine Nierenersatztherapie notwendig — in der Regel ab Stadium G5.¹
Hämodialyse
Das Blut wird außerhalb des Körpers über eine Maschine gereinigt. In der Regel drei Mal pro Woche für mehrere Stunden im Dialysezentrum. Heimhämodialyse ist für manche Betroffene eine Option.
Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)
Das Bauchfell dient als Filter. Kann in der Regel zu Hause durchgeführt werden — bietet mehr Flexibilität im Alltag.
Nierentransplantation
Die beste Langzeittherapie für die meisten Betroffenen mit Nierenversagen. Kann als Lebendspende oder von hirntoten Organspendern erfolgen. Die Wartezeit auf ein Spenderorgan kann in Deutschland mehrere Jahre betragen.
Frühzeitig informieren — schon ab G4
Die Aufklärung über Nierenersatzverfahren sollte laut Leitlinie frühzeitig erfolgen — in der Regel schon ab Stadium G4 — damit rechtzeitig Vorbereitungen getroffen werden können (Dialysezugang, Transplantationsabklärung).¹
9. Alltag mit CKD
Medikamente: regelmäßige und pünktliche Einnahme. Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion beachten. Keine NSAR ohne Rücksprache. Mehr: Medikamente richtig einnehmen.
Kontrollen: regelmäßige Blut- und Urinkontrollen (eGFR, UACR, Kalium, Blutbild). Die Intervalle richten sich nach dem Stadium.
Blutdruck: regelmäßig messen — idealerweise zu Hause. Zielwerte mit der Praxis besprechen.
Impfungen: Grippeimpfung und Pneumokokken-Impfung werden in der Regel empfohlen. Bei fortgeschrittener CKD gelten besondere Impfempfehlungen.
So hilft brite dir bei CKD
Ramipril morgens, Dapagliflozin dazu, Finerenon abends, Furosemid bei Bedarf, dazu der Phosphatbinder zum Essen — und alle drei Monate eGFR und Kalium kontrollieren. CKD-Therapie ist Multitasking. brite bringt Struktur rein.
Einnahme-Erinnerung — ACE-Hemmer, SGLT2-Hemmer, Finerenon, Blutdrucksenker pünktlich einnehmen — und Phosphatbinder zur Mahlzeit. brite erinnert zuverlässig, auch an die zeitkritischen Medikamente. Erinnerung einrichten
Wechselwirkungs-Check — NSAR bei CKD? Kalium-sparende Diuretika plus ACE-Hemmer? Kontrastmittel-Vorbereitung? brite warnt vor riskanten Kombinationen, die für die Niere besonders relevant sind. Jetzt prüfen
Gesundheitsverlauf — eGFR, UACR, Blutdruck, Kalium und Gewicht über die Zeit dokumentieren. So sieht man früh, wenn sich der Verlauf verschlechtert — und kann gegensteuern. Verlauf tracken
Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Nephrologie, Kardiologie, Diabetologie und Hausarzt — besonders wichtig, weil bei CKD viele Fachärzte involviert sind. Zum Medikationsplan
FAQ: Häufige Fragen zur chronischen Nierenerkrankung
Die eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) ist der wichtigste Laborwert zur Beurteilung der Nierenfunktion. Sie wird aus dem Kreatinin im Blut berechnet und gibt an, wie gut die Nieren das Blut filtern. Ein Wert unter 60 über mindestens drei Monate deutet auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin.¹
In frühen Stadien kann das Fortschreiten in der Regel verlangsamt oder gestoppt werden — durch Blutdruckkontrolle, SGLT2-Hemmer und Behandlung der Grunderkrankung. Bereits verlorene Nierenfunktion kann aber meistens nicht wiederhergestellt werden. Deshalb ist eine frühe Erkennung so wichtig.
Medikamente (z. B. Dapagliflozin, Empagliflozin), die ursprünglich für Diabetes entwickelt wurden, aber auch unabhängig von Diabetes die Nieren und das Herz schützen können. Sie gehören laut KDIGO 2024 zu den wichtigsten neuen Säulen der CKD-Therapie.¹
Nicht zwingend. Bei vielen Betroffenen kann das Fortschreiten der CKD mit moderner Therapie so weit verlangsamt werden, dass eine Dialyse nicht oder erst deutlich später notwendig wird. Wenn die Nierenfunktion allerdings sehr stark abfällt (Stadium G5), wird in der Regel eine Nierenersatztherapie notwendig.
Bei CKD sollten NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) in der Regel gemieden werden, da sie die Nierenfunktion verschlechtern können. Alternativen (z. B. Paracetamol) sollten mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Durch einfache Labor-Tests: eGFR (Bluttest) und UACR (Urintest). Die KDIGO-Leitlinie empfiehlt ein regelmäßiges Screening bei Risikopersonen (Diabetes, Bluthochdruck, familiäre Belastung, Alter). Frühe CKD-Stadien sind in der Regel symptomfrei — nur Tests können sie entdecken.¹
Ein neuer nichtsteroidaler Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist, der bei CKD mit Diabetes das Fortschreiten der Nierenschädigung und kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren kann. Wird in der KDIGO 2024 als neue Therapieoption empfohlen.¹
In frühen Stadien in der Regel ja — mit Schwerpunkt auf Salzreduktion und ausgewogener Ernährung. In fortgeschrittenen Stadien kann eine kalium-, phosphat- und ggf. proteinangepasste Ernährung notwendig sein. Eine professionelle Ernährungsberatung ist empfehlenswert.
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). dgfn.eu
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollten Medikamente in der Regel nur in Absprache mit der behandelnden Praxis eingenommen, dosiert oder abgesetzt werden. NSAR sollten bei CKD in der Regel gemieden werden. Die Therapieplanung wird immer individuell von der Nephrologie oder der Hausarztpraxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: April 2026.