Eisenmangel & Eisenmangelanämie:
Symptome, Ursachen & Therapie
Auf einen Blick
HäufigkeitDie häufigste Mangelerkrankung weltweit; Frauen im gebärfähigen Alter, Kinder und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen
DefinitionEisenmangel = verminderte Eisenspeicher; Eisenmangelanämie = Eisenmangel mit Absinken des Hämoglobins unter den Normwert
LeitsymptomeMüdigkeit, Erschöpfung, Blässe, Konzentrationsprobleme, Haarausfall, brüchige Nägel
SchlüsselwertFerritin — der wichtigste Laborwert zur Beurteilung der Eisenspeicher
TherapieUrsache klären + Eisensubstitution (oral oder intravenös)
ICD-10D50 (Eisenmangelanämie)
1. Was ist Eisenmangel?
Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Der Körper braucht es vor allem für die Bildung von Hämoglobin — dem roten Blutfarbstoff, der Sauerstoff transportiert. Außerdem spielt Eisen eine Schlüsselrolle im Energiestoffwechsel, im Immunsystem und bei der Bildung verschiedener Enzyme.¹
Eisenmangel ist die häufigste Mangelerkrankung weltweit. In Europa ist nach Schätzungen ein relevanter Anteil der Bevölkerung betroffen — besonders Frauen im gebärfähigen Alter, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen.¹˒²
Eisenmangel ≠ Eisenmangelanämie
Ein Eisenmangel kann bereits Symptome verursachen, bevor eine Anämie (Blutarmut) vorliegt. Wer sich anhaltend müde und erschöpft fühlt, sollte deshalb auch dann den Ferritin-Wert prüfen lassen, wenn das Hämoglobin noch im Normbereich liegt.
2. Stadien: vom Speichereisenmangel zur Anämie
Eisenmangel entwickelt sich in der Regel schleichend in drei Stadien. Die Symptome können bereits im ersten Stadium auftreten — lange bevor das Hämoglobin sinkt.¹
Stadium I Speichereisenmangel
Eisenspeicher (Ferritin) vermindert, Blutbildung noch ausreichend versorgt. Oft keine oder nur leichte Symptome. Labor: Ferritin ↓, Hb noch normal.
Stadium II Eisendefizitäre Erythropoese
Eisenversorgung der Blutbildung reicht nicht mehr aus. Rote Blutkörperchen werden kleiner und blasser (mikrozytär, hypochrom). Hb kann noch normal sein, Symptome nehmen häufig zu.
Stadium III Eisenmangelanämie
Hämoglobin unter Normwert. Typische Anämie-Symptome: ausgeprägte Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit bei Belastung, Herzrasen.
3. Symptome
Eisenmangel-Symptome können schon vor einer Anämie auftreten und werden häufig als Stress, Alter oder Überlastung fehlgedeutet.¹˒²
- Müdigkeit und Erschöpfung — häufig das führende Symptom, bleibt auch nach ausreichend Schlaf bestehen
- Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, verminderte Leistungsfähigkeit
- Blässe — besonders an Schleimhäuten (Augenlider, Mundschleimhaut), Handflächen und Nagelfalz
- Haarausfall — diffuser Haarausfall ist eines der häufigsten Eisenmangel-Symptome, besonders bei Frauen
- Brüchige Nägel, Rillenbildung, Löffelnägel (Koilonychie) in schweren Fällen
- Mundwinkelrhagaden (eingerissene Mundwinkel)
- Kurzatmigkeit bei Belastung, Herzrasen
- Restless Legs — unruhige Beine, besonders abends und nachts
- Kälteempfindlichkeit
- Infektanfälligkeit — Eisen ist wichtig für das Immunsystem
- Pica — ungewöhnliches Verlangen nach nicht-essbaren Substanzen (z. B. Erde, Eis, Stärke); selten, aber typisch für schweren Eisenmangel
4. Ursachen
Eisenmangel entsteht, wenn der Körper mehr Eisen verliert oder verbraucht, als über die Nahrung aufgenommen wird. Die Ursache muss in der Regel geklärt werden — Eisenmangel ist oft ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung.¹
Erhöhter Eisenverlust
- Menstruationsblutungen — häufigste Ursache bei Frauen im gebärfähigen Alter; besonders bei starken oder langen Blutungen
- Blutungen im Magen-Darm-Trakt — z. B. bei Gastritis, Magengeschwüren, Darmpolypen, hämorrhoidalen Blutungen, Darmkrebs, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Regelmäßige Blutspende, Blutentnahmen bei chronisch Kranken
Verminderte Eisenaufnahme
- Zöliakie — häufige Ursache für Eisenmangel, die leicht übersehen wird
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Magenoperationen, bariatrische Chirurgie
- PPI-Dauertherapie (Pantoprazol, Omeprazol) — kann die Eisenaufnahme beeinträchtigen
- Eisenarme Ernährung — besonders bei veganer oder sehr einseitiger Ernährung
Erhöhter Eisenbedarf
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Wachstumsphasen bei Kindern und Jugendlichen
- Leistungssport
Bei Männern und Frauen nach der Menopause: Blutungsquelle ausschließen
Bei Männern und bei Frauen nach der Menopause sollte bei Eisenmangel in der Regel immer eine Blutungsquelle im Magen-Darm-Trakt ausgeschlossen werden — auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Ein Eisenmangel kann das erste Zeichen eines Darmkrebses sein.
5. Diagnose
Die Diagnose eines Eisenmangels ist in der Regel unkompliziert.¹
- Ferritin: Der wichtigste Laborwert zur Beurteilung der Eisenspeicher. Ein erniedrigtes Ferritin beweist einen Eisenmangel. Achtung: Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein — bei gleichzeitiger Entzündung, Infektion oder Lebererkrankung kann es falsch-normal oder erhöht sein, obwohl ein Eisenmangel vorliegt.
- Blutbild: Hämoglobin, MCV (mittleres Zellvolumen), MCH (mittlerer Hämoglobingehalt). Bei Eisenmangelanämie in der Regel: Hb ↓, MCV ↓ (mikrozytär), MCH ↓ (hypochrom).
- Transferrinsättigung: Kann bei der Beurteilung helfen, insbesondere wenn Ferritin durch Entzündung verfälscht ist. Bei Eisenmangel in der Regel erniedrigt.
- CRP: Zum Ausschluss einer gleichzeitigen Entzündung, die Ferritin falsch-normal halten kann.
- Ursachensuche: Gynäkologische Anamnese (Menstruation?), gastroenterologische Abklärung (Gastroskopie, Koloskopie bei Verdacht auf GI-Blutung), Zöliakie-Serologie, Medikamentenanamnese (PPI? NSAR?).
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