Endometriose:
Symptome, moderne Diagnostik & Therapie
Auf einen Blick
HäufigkeitEine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen; betrifft Frauen im reproduktiven Alter; die Diagnose wird häufig erst nach Jahren gestellt
Was passiertGebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe wächst außerhalb der Gebärmutter und verursacht chronische Entzündungen, Schmerzen und Verwachsungen
Heilbar?Nach aktuellem Wissensstand nicht ursächlich heilbar — aber in der Regel gut behandelbar mit dem Ziel einer möglichst langen Beschwerdefreiheit
TherapieSchmerztherapie, hormonelle Therapie und/oder operative Therapie — individuell nach Symptomen, Lebenssituation und Kinderwunsch
LeitlinieS2k-Leitlinie DGGG (AWMF 015-045, Version 5.0, April 2025)
ICD-10N80 (Endometriose)
1. Was ist Endometriose?
Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter — zum Beispiel an den Eierstöcken, am Bauchfell, an den Eileitern, am Darm, an der Blase oder in seltenen Fällen auch an anderen Stellen im Körper. Dieses Gewebe reagiert auf die Hormonschwankungen des Menstruationszyklus und kann chronische Entzündungen, Schmerzen, Verwachsungen und Organschäden verursachen.¹
Endometriose gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Trotzdem dauert es nach Schätzungen im Durchschnitt mehrere Jahre von den ersten Symptomen bis zur Diagnose — weil die Beschwerden häufig als normale Regelschmerzen abgetan oder fehlgedeutet werden.¹
Therapie statt Heilung — aber gute Aussichten
Die Erkrankung ist nach aktuellem Wissensstand nicht ursächlich heilbar. Ziel der Behandlung ist eine möglichst lange Beschwerdefreiheit, die Vermeidung von Organschäden und die Anpassung der Therapie an die individuelle Lebenssituation.¹
2. Symptome
Die Symptome der Endometriose sind extrem variabel — sie hängen davon ab, wo die Endometrioseherde sitzen und wie ausgeprägt sie sind. Das Ausmaß der Beschwerden korreliert nicht immer mit dem Ausmaß der Erkrankung.¹
Häufige Symptome
- Starke Regelschmerzen (Dysmenorrhö) — das Leitsymptom; oft stärker als normale Menstruationskrämpfe und zunehmend im Verlauf
- Chronische Unterbauchschmerzen — auch außerhalb der Menstruation
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) — besonders bei tiefem Eindringen
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen — besonders während der Menstruation; kann auf Darm- oder Blasenendometriose hinweisen
- Starke und/oder verlängerte Monatsblutungen
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue) — häufig unterschätzt
- Ungewollte Kinderlosigkeit — Endometriose ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit
Weitere mögliche Beschwerden
- Blähungen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung — besonders zyklusabhängig; kann als Reizdarmsyndrom fehldiagnostiziert werden
- Rückenschmerzen — besonders während der Menstruation
- Blut im Stuhl oder Urin — während der Menstruation
- Psychische Belastung — Angst, Depression, Frustration durch chronische Schmerzen und Diagnoseverzögerung
Starke Regelschmerzen sind nicht „normal"
Nicht jede Frau mit starken Regelschmerzen hat Endometriose — aber starke Regelschmerzen, die den Alltag beeinträchtigen, sollten in der Regel ärztlich abgeklärt werden. Wenn Schmerzmittel nicht mehr ausreichend helfen, ist das ein Signal.
3. Ursachen
Die genaue Ursache der Endometriose ist nach aktuellem Wissensstand nicht vollständig geklärt. Mehrere Theorien werden diskutiert.¹
- Retrograde Menstruation: Menstruationsblut fließt durch die Eileiter in den Bauchraum zurück — die am weitesten verbreitete Theorie. Erklärt aber nicht alle Formen der Endometriose.
- Metaplasie: Körpereigene Zellen wandeln sich in endometriumähnliches Gewebe um.
- Immunsystem: Eine fehlgesteuerte Immunantwort könnte verhindern, dass versprengtes Endometriumgewebe abgebaut wird.
- Genetik: Familiäre Häufung ist bekannt. Verwandte ersten Grades haben ein erhöhtes Risiko.
- Adenomyose: Eine Sonderform, bei der Endometriumgewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter einwächst. Führt häufig zu starken Blutungen und Schmerzen.
4. Diagnose
Die Diagnose der Endometriose erfordert in der Regel eine Kombination aus Anamnese, gynäkologischer Untersuchung und Bildgebung.¹
- Anamnese: Die gezielte Befragung nach Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Darmbeschwerden und Kinderwunsch ist entscheidend. Ein strukturierter Schmerzfragebogen kann hilfreich sein.
- Gynäkologische Untersuchung: Tastbefund kann Hinweise geben, ist aber nicht immer auffällig.
- Transvaginale Sonographie: Laut der aktuellen Leitlinie das primäre Diagnostiktool. Kann Endometriosezysten an den Eierstöcken (Endometriome), Adenomyose und tiefe Endometrioseherde darstellen.¹
- MRT: Kann bei Verdacht auf tiefe Endometriose (z. B. Darm, Blase, Harnleiter) ergänzend eingesetzt werden.
- Laparoskopie: Wurde früher als Goldstandard für die Diagnose betrachtet. Laut aktueller Leitlinie ist eine diagnostische Laparoskopie nicht zwingend notwendig, wenn die Bildgebung eindeutig ist und eine medikamentöse Therapie geplant wird. Vor einer operativen Therapie bleibt sie in der Regel Standard.¹
Mehr: Arzttermin vorbereiten.
Endometriosezentrum nutzen
Die Leitlinie empfiehlt, dass insbesondere komplexe Fälle (tiefe Endometriose, Kinderwunsch, wiederholte Operationen) in einem zertifizierten Endometriosezentrum behandelt werden. Eine Liste solcher Zentren findet sich u. a. über die Endometriose-Vereinigung Deutschland.