Wundrose (Erysipel):
rote Haut, Fieber, Penicillin — und wie du Rückfällen vorbeugst

Auf einen Blick

HäufigkeitHäufige bakterielle Hautinfektion, meist am Unterschenkel; Rückfälle sind häufig
DefinitionAkute Infektion der Lederhaut und ihrer Lymphbahnen, fast immer durch Streptokokken
TypischScharf begrenzte, hellrote, überwärmte Rötung — dazu Fieber oder Schüttelfrost, oft schon vor der Rötung
Therapie der WahlPenicillin, je nach Schwere als Tablette oder Infusion; bei Allergie meist Clindamycin. Eintrittspforte immer mitbehandeln
LeitlinieS2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie, Kapitel Haut- und Weichgewebeinfektionen (PEG, AWMF 082-006)
ICD-10A46 (Erysipel [Wundrose])

Penicillin dreimal täglich — mindestens eine Woche lang

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1. Was ist eine Wundrose?

Die Wundrose (Erysipel) ist eine akute bakterielle Infektion der Lederhaut (Dermis), die sich entlang der feinen Lymphspalten und Lymphgefäße ausbreitet. Auslöser sind fast immer beta-hämolysierende Streptokokken, meist der Gruppe A (Streptococcus pyogenes), seltener der Gruppen B, C oder G.¹ Es sind also dieselben Bakterien, die auch Scharlach auslösen können — nur dass sie hier über eine kleine Hautverletzung eindringen.

Typisch ist eine plötzlich auftretende, scharf begrenzte, hellrote Rötung, die sich warm anfühlt, oft mit zungenförmigen Ausläufern. Anders als bei vielen anderen Hautproblemen reagiert der ganze Körper mit: Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl gehören von Anfang an dazu.¹ Am häufigsten ist der Unterschenkel betroffen, gefolgt vom Gesicht.

Wundrose, Phlegmone, Zellulitis — was ist was? Die Begriffe werden uneinheitlich verwendet. Die deutsche Leitlinie grenzt das Erysipel (Streptokokken, scharf begrenzt, früh Fieber, nicht eitrig) von der begrenzten Phlegmone ab: Sie geht meist von einer Wunde aus, wird häufiger durch Staphylokokken verursacht, ist teils eitrig, dunkler und unschärfer begrenzt und zunächst ohne Fieber. Im Englischen fasst „cellulitis" oft beides zusammen.¹ Für die Wahl des Antibiotikums macht der Unterschied einen Unterschied.

2. Formen: von klassisch bis nekrotisierend

FormTypisches BildEinordnung
Klassisches ErysipelHellrote, glänzende, überwärmte, scharf begrenzte Rötung mit FieberHäufigste Form; bei sonst Gesunden oft mit Tabletten behandelbar¹
Bullöses ErysipelZusätzlich Blasen auf der geröteten HautKompliziert — meist Behandlung per Infusion¹
Hämorrhagisches ErysipelEinblutungen in die Haut, dunkelrote bis violette FleckenKompliziert — meist Behandlung per Infusion¹
Nekrotisierendes ErysipelAbsterbendes Gewebe, dunkle oder schwarze ArealeSchwer, Klinik und oft Chirurgie nötig¹
GesichtserysipelRötung und Schwellung an Wange, Nase oder um das AugeGilt als kompliziert; Behandlung meist per Infusion¹
Rezidivierendes ErysipelWiederholte Wundrosen an derselben StelleSchädigt die Lymphbahnen zunehmend; Vorbeugung wird wichtig (Abschnitt 8)
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3. Symptome und Komplikationen

  • Fieber und Schüttelfrost: oft das erste Zeichen, manchmal Stunden vor der Hautrötung. Mehr zu Fieber und Schüttelfrost.¹
  • Rötung: hellrot, glänzend, scharf begrenzt, häufig mit zungenförmigen Ausläufern; sie beginnt meist einige Zentimeter von der Eintrittspforte entfernt.¹
  • Wärme, Schwellung, Spannungsgefühl: die Haut ist überwärmt und berührungsempfindlich, das Bein oft deutlich geschwollen.
  • Lymphknoten und Lymphbahnen: geschwollene Lymphknoten in der Leiste oder am Hals, manchmal ein roter Streifen, der Richtung Körpermitte zieht.¹
  • Blasen oder Einblutungen: bei komplizierten Formen.

Mögliche Komplikationen

Die Bakterien können ins Blut gelangen und eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen.¹,² Selten entwickelt sich eine nekrotisierende Fasziitis, eine lebensbedrohliche Infektion, die tiefe Gewebeschichten und Muskelhüllen zerstört.² Häufiger ist eine Spätfolge: Jede Wundrose schädigt die Lymphgefäße ein Stück weit. Nach wiederholten Episoden kann eine bleibende Schwellung entstehen, ein Lymphödem — und das begünstigt wiederum die nächste Wundrose.¹

Sofort in die Notaufnahme oder 112. Schmerzen, die viel stärker sind, als die sichtbare Rötung erwarten lässt, eine Rötung, die sich innerhalb von Stunden rasch ausbreitet, violette oder schwarze Hautstellen, Blasen mit blutigem Inhalt, Verwirrtheit, schneller Puls, Atemnot oder ein Kreislaufzusammenbruch können auf eine nekrotisierende Fasziitis oder Sepsis hinweisen.¹ Auch eine Wundrose im Gesicht, besonders am Auge, gehört noch am selben Tag ärztlich behandelt.

4. Eintrittspforten und Risikofaktoren

Streptokokken brauchen eine kleine Lücke in der Haut. Ob daraus eine Wundrose wird, hängt stark vom Zustand von Haut und Lymphabfluss ab:¹

  • Fußpilz zwischen den Zehen: die klassische Eintrittspforte am Bein. Die feinen Risse in der aufgeweichten Haut bemerkt man oft gar nicht; mehr zu Fußpilz.¹
  • Kleine Wunden: Kratzer, Insektenstiche, eingerissene Nagelränder, rissige Fersen, aufgekratzte Ekzeme oder offene Beine.¹
  • Lymphödem: gestauter, eiweißreicher Lymphabfluss — etwa nach Lymphknotenentfernung bei Brustkrebs — ist einer der stärksten Risikofaktoren, vor allem für Rückfälle.¹
  • Venenschwäche und Durchblutungsstörungen: chronische Stauung bei Krampfadern oder eine arterielle Durchblutungsstörung wie die pAVK erschweren die Heilung.¹
  • Weitere Faktoren: eine frühere Wundrose, starkes Übergewicht, Diabetes und ein geschwächtes Immunsystem.
Medikamente, die eine Rolle spielen können. Wer Cortison wie Prednisolon, Methotrexat oder Biologika wie Adalimumab nimmt, ist anfälliger für Infektionen, und Fieber kann schwächer ausfallen. Unter SGLT2-Hemmern wie Empagliflozin oder Dapagliflozin ist sehr selten eine nekrotisierende Infektion im Genitalbereich (Fournier-Gangrän) beschrieben; Schmerzen, Rötung oder Schwellung dort mit Fieber erfordern sofort ärztliche Hilfe.³ Und: Geschwollene Knöchel unter Blutdrucksenkern wie Amlodipin sind keine Wundrose — sie sind meist beidseitig, nicht heiß und ohne Fieber. Setze nichts eigenmächtig ab.

5. Diagnose und Abgrenzung

Die Wundrose ist eine klinische Diagnose: Das Bild aus scharf begrenzter Rötung und Fieber ist meist eindeutig. Die Erreger lassen sich in der Haut oder an der Eintrittspforte oft gar nicht nachweisen.¹

  • Blick auf Haut und Füße: Ausdehnung, Begrenzung, Blasen oder Einblutungen; gezielte Suche nach der Eintrittspforte, vor allem zwischen den Zehen.
  • Rand markieren: Die Grenze der Rötung wird oft mit einem Stift auf der Haut eingezeichnet, damit sich der Verlauf in den nächsten Tagen beurteilen lässt.
  • Blutwerte: erhöhte Entzündungswerte wie CRP und Blutsenkung sowie vermehrte weiße Blutkörperchen stützen die Diagnose.¹
  • Blutkulturen: bei Fieber, besonders wenn die Behandlung im Krankenhaus erfolgt.¹
  • Ultraschall: bei Verdacht auf eine Beinvenenthrombose oder einen Abszess.

Abzugrenzen sind vor allem:

  • eine Beinvenenthrombose — geschwollenes, schmerzhaftes Bein, meist ohne scharf begrenzte Rötung und ohne hohes Fieber;
  • eine Stauungsdermatitis bei Venenschwäche oder eine Entzündungsreaktion auf einem Lymphödem — sie sehen einer Wundrose ähnlich, brauchen aber kein Antibiotikum;¹
  • ein Gichtanfall, ein Kontaktekzem, die Wanderröte bei Borreliose und im Gesicht eine Gürtelrose.

Für den Termin hilfreich: seit wann Fieber besteht, wann die Rötung begann, ob es frühere Wundrosen gab, welche Medikamente du nimmst und ob du auf Penicillin allergisch reagiert hast. Tipps im Ratgeber Arzttermin vorbereiten.

6. Therapie: Penicillin, Hochlagern, Eintrittspforte

Eine Wundrose heilt nicht zuverlässig von allein; sie wird mit einem Antibiotikum behandelt. Weil Streptokokken in Deutschland nach wie vor empfindlich auf Penicillin reagieren, ist Penicillin das Mittel der Wahl.¹ Ob Tabletten reichen oder eine Infusion im Krankenhaus nötig ist, hängt von der Form und deinem Zustand ab. Die Entscheidung trifft die behandelnde Praxis.

Erstlinie Unkomplizierte Wundrose
Penicillin V (Phenoxymethylpenicillin) als Tablette
Bei sonst gesunden Erwachsenen sieht die Leitlinie Penicillin V in hoher Dosis dreimal täglich über 7 bis 14 Tage vor.¹ Die genaue Dosis und Dauer legt die Praxis fest.
Kompliziert Infusion, meist im Krankenhaus
Penicillin G als Infusion
Bei Blasen, Einblutungen oder absterbendem Gewebe, bei Wundrose im Gesicht sowie bei hohem Fieber oder schweren Begleiterkrankungen. Nach einigen Tagen kann oft auf Tabletten umgestellt werden.¹
Cefuroxim oder Flucloxacillin
Kommen infrage, wenn statt einer Wundrose eine Phlegmone durch Staphylokokken nicht auszuschließen ist oder die Behandlung nach ein bis drei Tagen nicht anspricht; bei Infektionen im Gesicht wird auch direkt Cefuroxim eingesetzt.¹
Bei Allergie Alternativen zu Penicillin
Clindamycin
Laut Leitlinie erste Wahl bei echter Penicillinallergie, meist über 7 bis 10 Tage.¹ Häufige Nebenwirkung ist Durchfall (Abschnitt 7).
Makrolide wie Clarithromycin
Zweite Wahl. Clarithromycin hat viele Wechselwirkungen. Das Reserve-Antibiotikum Moxifloxacin bewertet die Leitlinie wegen seines ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses besonders bei älteren Menschen zurückhaltend.¹

Was außerdem zur Behandlung gehört

  • Eintrittspforte mitbehandeln: Laut Leitlinie gehört die Behandlung der Eintrittspforte immer dazu, allen voran Fußpilz zwischen den Zehen.¹ Ohne sie steigt das Rückfallrisiko.
  • Hochlagern und schonen: In der akuten Phase hilft es, das betroffene Bein hochzulegen; das lindert Schwellung und Schmerzen. Kühle, feuchte Umschläge empfinden viele als angenehm.
  • Schmerz- und Fiebermittel: Ibuprofen oder Paracetamol lindern Beschwerden; welches Mittel passt, hängt von Magen, Nieren und deinen übrigen Medikamenten ab.
  • Thromboseprophylaxe: Wer bettlägerig ist oder im Krankenhaus liegt, bekommt je nach Risiko Heparinspritzen wie Enoxaparin.⁴
  • Schwellung behandeln: Nach Abklingen der akuten Entzündung wird bei bleibender Schwellung oft eine Kompressionstherapie begonnen — nicht auf eigene Faust während der akuten Infektion.

Wie lange? Die Leitlinie empfiehlt mindestens 7 bis 10 Tage und zusätzlich ein bis zwei Tage über das Abklingen der Beschwerden hinaus, damit keine Bakterien überleben. Bei Schwellungen oder Durchblutungsstörungen der Beine sind es mindestens 10 Tage.¹ Fieber und Allgemeinbefinden bessern sich meist innerhalb weniger Tage, die Rötung braucht länger. Wird es nach zwei bis drei Tagen nicht besser oder sogar schlechter, melde dich erneut in der Praxis.


7. Antibiotika richtig einnehmen

  • Gleichmäßig verteilen: Penicillin V wird meist dreimal täglich genommen, möglichst in gleichen Abständen. Wie es zu den Mahlzeiten steht, sagt die Packungsbeilage.
  • Bis zum Ende nehmen: Auch wenn das Fieber nach zwei Tagen weg ist — die verordnete Dauer zählt, nicht das Befinden. Mehr im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.
  • Dosis vergessen? Nicht die doppelte Menge nehmen, sondern nach Packungsbeilage weitermachen — siehe Medikamente vergessen.
  • Clindamycin: Kapseln mit einem großen Glas Wasser einnehmen. Schwerer, wässriger oder blutiger Durchfall — auch Wochen nach der Behandlung — kann auf eine Darmentzündung durch Clostridioides difficile hinweisen und gehört sofort ärztlich abgeklärt.⁵
  • Pille: Durchfall oder Erbrechen unter dem Antibiotikum können den Verhütungsschutz beeinträchtigen — siehe Medikamente und Verhütung.

Wechselwirkungen, die du kennen solltest

Penicilline können die Ausscheidung von Methotrexat verzögern und dessen Nebenwirkungen verstärken. Clarithromycin hemmt den Abbau vieler Wirkstoffe; mit Simvastatin darf es wegen des Risikos schwerer Muskelschäden nicht kombiniert werden, und auch bei Blutverdünnern und bestimmten Herzmedikamenten ist Vorsicht geboten.⁵ Nimmst du Dauermedikamente, gehört die vollständige Liste zur Verordnung.

Allergische Reaktion? Nicht abwarten. Schwellungen von Lippen, Zunge oder Rachen, Atemnot, Kreislaufprobleme oder großflächige Quaddeln kurz nach der Einnahme sind ein Notfall — sofort 112. Ein milder Ausschlag ohne diese Zeichen gehört noch am selben Tag in die Praxis. Setze das Antibiotikum nicht eigenmächtig ab, denn eine halb behandelte Wundrose flammt leicht wieder auf — Hintergründe im Ratgeber Medikamente absetzen. Ob eine frühere „Penicillinallergie" wirklich besteht, lässt sich oft testen — siehe Penicillinallergie.

Zehn Tage Antibiotikum — und keine Dosis vergessen

brite erinnert an jede Einnahme und prüft Wechselwirkungen mit deinen Dauermedikamenten.

Antibiotikum eintragen

8. Rückfälle vorbeugen: Langzeit-Penicillin und mehr

Wer einmal eine Wundrose hatte, bekommt häufig eine zweite — oft an derselben Stelle. Jede Episode schädigt die Lymphbahnen weiter, die Schwellung nimmt zu, und das begünstigt den nächsten Rückfall. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist das eigentliche Ziel nach der Akutbehandlung.¹

Immer Risikofaktoren angehen
Fußpilz konsequent behandeln
Pilzmittel wie Clotrimazol oder Terbinafin lange genug anwenden — meist auch noch einige Zeit, nachdem die Haut wieder gesund aussieht, wie in der Packungsbeilage angegeben.
Schwellung und Haut
Ein Lymphödem dauerhaft behandeln, etwa mit Lymphdrainage und Kompression, die Haut pflegen und Risse vermeiden. Die Leitlinie nennt die Behandlung der Schwellung ausdrücklich als Teil der Vorbeugung.¹
Bei Rückfällen Antibiotische Langzeitprophylaxe
Penicillin V als Tablette in niedriger Dosis
Zweimal täglich über zwölf Monate. Früher wurde eine Prophylaxe erst nach mehreren Rückfällen pro Jahr empfohlen; neuere Studien sprechen dafür, dass sie schon nach dem ersten Rückfall sinnvoll sein kann.¹ In einer großen britischen Studie traten unter Penicillin innerhalb eines Jahres deutlich weniger Rückfälle auf (22 gegenüber 37 Prozent) — nach dem Absetzen glich sich das Risiko aber wieder an.⁶
Depot-Penicillin als Spritze
Benzathin-Penicillin wird alle zwei bis drei Wochen in den Muskel gespritzt, vor allem wenn die tägliche Einnahme schwerfällt. Bleibt es etwa ein halbes Jahr ohne Rückfall, kann der Abstand verlängert werden.¹
Bei Penicillinallergie
Die Leitlinie nennt Clarithromycin in niedriger Dosis, räumt aber ein, dass es dafür keine belastbare Evidenz gibt.¹

Eine Langzeitprophylaxe ist eine Abwägung: Sie senkt das Rückfallrisiko, solange sie läuft, belastet aber auch die Darmflora und fördert Antibiotika-Resistenzen. Ob sie für dich sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Praxis mit dir — abhängig davon, wie oft und wie schwer die Wundrosen waren und wie gut sich die Risikofaktoren beheben lassen.


9. Sonderfälle: Gesicht, Schwangerschaft, Diabetes

Wundrose im Gesicht

Im Gesicht beginnt die Wundrose oft an Nase oder Wange, manchmal ausgehend von kleinen Einrissen am Naseneingang. Sie gilt als komplizierte Form und wird meist per Infusion behandelt. Weil im Gesicht auch Staphylokokken oder Haemophilus-Bakterien ein ähnliches Bild machen können, setzt die Leitlinie hier häufig Cefuroxim ein.¹ Schwellung um das Auge, Sehstörungen oder starke Kopfschmerzen sind Alarmzeichen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Penicilline gehören zu den Antibiotika, die in Schwangerschaft und Stillzeit seit Langem eingesetzt werden. Eine Wundrose sollte deshalb auch dann konsequent behandelt werden. Welches Mittel und welche Dosis passt, entscheidet die Praxis — Hintergründe im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Diabetes und Durchblutungsstörungen

Bei Diabetes oder einer pAVK heilen Wunden schlechter, und eine Infektion am Fuß kann schneller in die Tiefe gehen. Die Leitlinie sieht bei Durchblutungsstörungen eine längere Behandlungsdauer vor.¹ Wichtig sind tägliche Fußkontrolle und frühe ärztliche Abklärung jeder geröteten, warmen Stelle; mehr unter Wundheilungsstörung.


10. Alltag nach der Wundrose

  • Füße täglich ansehen — besonders zwischen den Zehen. Juckende, weißlich aufgeweichte oder rissige Haut früh behandeln.
  • Haut geschmeidig halten — trockene Unterschenkel und Fersen regelmäßig eincremen; Tipps im Ratgeber Salben und Cremes richtig auftragen.
  • Kompressionsstrümpfe tragen — wenn sie verordnet sind, auch nach dem Abheilen. Sie halten die Schwellung klein, die den nächsten Rückfall begünstigen würde. Mehr zu Wassereinlagerungen.
  • Verletzungen versorgen — kleine Wunden reinigen und abdecken, bei Gartenarbeit Handschuhe tragen, vor allem an einem Arm mit Lymphödem.
  • Hygiene ja, Panik nein — im Alltag gilt eine Wundrose als wenig ansteckend. Hände waschen und eigene Handtücher reichen in der Familie. Wer mit Lebensmitteln arbeitet, darf mit infizierten Wunden dort nicht tätig sein.²
  • Frühzeichen kennen — wer schon einmal eine Wundrose hatte, erkennt Schüttelfrost und beginnende Rötung oft früh. Dann noch am selben Tag in die Praxis, statt abzuwarten.

Zwölf Monate Penicillin zur Vorbeugung — jeden Tag zweimal

Bei einer Langzeitprophylaxe hält brite die Einnahmen und Spritzentermine fest, damit keine Lücke entsteht.

Prophylaxe planen

FAQ: Häufige Fragen zur Wundrose

Typisch ist eine plötzlich auftretende, hellrote, warme und scharf begrenzte Rötung, meist am Unterschenkel oder im Gesicht. Dazu kommen Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl, oft schon bevor die Rötung sichtbar wird. Häufig findet sich eine kleine Eintrittspforte wie Fußpilz zwischen den Zehen.
Im Alltag gilt sie als wenig ansteckend, weil die Bakterien in tieferen Hautschichten sitzen. Normale Hygiene wie Händewaschen und eigene Handtücher reicht in der Regel aus. Wer mit Lebensmitteln arbeitet, darf mit infizierten Wunden dort nicht tätig sein.
Mittel der Wahl ist Penicillin, bei unkomplizierten Formen als Tablette, bei Blasen, Einblutungen, Wundrose im Gesicht oder schwerem Verlauf als Infusion. Bei echter Penicillinallergie wird laut Leitlinie meist Clindamycin eingesetzt. Welches Mittel passt, entscheidet die behandelnde Praxis.
Unter Antibiotika bessern sich Fieber und Allgemeinbefinden meist innerhalb weniger Tage, die Rötung und Schwellung brauchen länger. Behandelt wird laut Leitlinie mindestens 7 bis 10 Tage und noch ein bis zwei Tage über das Abklingen der Beschwerden hinaus. Eine Schwellung kann noch Wochen bestehen bleiben.
Darauf solltest du nicht setzen. Unbehandelt kann sich die Infektion ausbreiten, ins Blut gelangen oder tiefe Gewebeschichten angreifen, und jede schlecht behandelte Episode erhöht das Risiko für Rückfälle und ein bleibendes Lymphödem. Eine Wundrose gehört deshalb ärztlich behandelt.
Jede Episode schädigt die Lymphgefäße, sodass eine Schwellung zurückbleiben kann, die den nächsten Rückfall begünstigt. Hinzu kommen Eintrittspforten wie unbehandelter Fußpilz und Risikofaktoren wie Venenschwäche oder Übergewicht. Bei wiederholten Wundrosen kann eine Vorbeugung mit Penicillin über zwölf Monate sinnvoll sein.
Bei Blasen, Einblutungen oder dunklen Hautstellen, bei einer Wundrose im Gesicht, bei hohem Fieber, schweren Begleiterkrankungen oder wenn Tabletten nicht anschlagen, wird meist im Krankenhaus per Infusion behandelt. Sehr starke Schmerzen, rasche Ausbreitung, Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme sind ein Notfall: sofort 112.

Quellen

  1. Sunderkötter C, Becker K, Eckmann C, Graninger W, Kujath P, Schöfer H: Haut- und Weichgewebeinfektionen. Kapitel der S2k-Leitlinie „Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018", Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (AWMF-Register-Nr. 082-006, 2. aktualisierte Fassung 2019). GMS Infectious Diseases 2020; 8: Doc11. ncbi.nlm.nih.gov
  2. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Streptococcus-pyogenes-Infektionen, Stand 02/2024. Abgerufen 2026. rki.de
  3. Rote-Hand-Brief zu SGLT2-Inhibitoren: Risiko einer Fournier-Gangrän (nekrotisierende Fasziitis des Perineums), in Abstimmung mit EMA und BfArM, 21.01.2019. akdae.de
  4. S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE), AWMF in Federführung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (AWMF-Register-Nr. 003-001, 2. Auflage 2015). awmf.org
  5. Fachinformationen Phenoxymethylpenicillin, Clindamycin und Clarithromycin (Abschnitte Warnhinweise, Wechselwirkungen, Art der Anwendung). fachinfo.de
  6. Thomas KS et al.: Penicillin to prevent recurrent leg cellulitis (PATCH I). New England Journal of Medicine 2013; 368: 1695–1703. ncbi.nlm.nih.gov

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Eine rasch fortschreitende, sehr schmerzhafte oder dunkel verfärbte Rötung, Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme sind ein Notfall — wähle dann sofort 112; eine Wundrose im Gesicht gehört noch am selben Tag ärztlich behandelt. Setze ein Antibiotikum nicht eigenmächtig ab. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: November 2026.