Essstörungen:
Magersucht & Bulimie erkennen und Hilfe finden

Auf einen Blick

HäufigkeitBeginn meist in Jugend und jungem Erwachsenenalter; Mädchen und Frauen häufiger, Jungen und Männer werden oft übersehen
HauptformenMagersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa), Binge-Eating-Störung
Therapie der WahlStörungsspezifische Psychotherapie; bei Magersucht zusätzlich die Normalisierung von Essverhalten und Gewicht
MedikamenteNur unterstützend; zugelassen ist allein Fluoxetin bei Bulimie als Ergänzung zur Psychotherapie
Erste HilfeBIÖG-Beratungstelefon zu Essstörungen: 0221 892031 · im Notfall 112
Leitlinie & ICD-10S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (AWMF 051-026) · F50.0, F50.2

Therapie, Laborwerte, Medikamente — alles an einem Ort

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Medikationsplan anlegen

1. Was sind Essstörungen?

Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen, bei denen Essen, Gewicht und Figur das Denken, das Selbstwertgefühl und den Alltag beherrschen. Sie sind keine Diät, die „aus dem Ruder gelaufen“ ist, und keine Frage von Willensschwäche oder Eitelkeit.¹

Gelegentlich über die Stränge zu schlagen oder eine Zeit lang bewusster zu essen, ist normal. Krankhaft wird es, wenn Gedanken an Essen und Körper kaum noch Raum für anderes lassen, wenn Hungern, Essanfälle, Erbrechen oder exzessiver Sport sich wiederholen und wenn Körper und Leben darunter leiden. Die Magersucht gehört zu den psychischen Erkrankungen mit der höchsten Sterblichkeit — umso wichtiger ist frühe Hilfe. Die gute Nachricht: Viele Betroffene werden mit Behandlung wieder gesund, auch wenn der Weg oft Zeit braucht.¹,²


2. Formen: Magersucht, Bulimie, Binge-Eating

FormKern der ErkrankungGewichtBesonders gefährlich
Magersucht (Anorexia nervosa, F50.0)Selbst herbeigeführtes Untergewicht durch Hungern, oft kombiniert mit Sport, Erbrechen oder Abführmitteln; große Angst vor Gewichtszunahme, verzerrtes KörperbildDeutlich zu niedrigMangelernährung, Herz, Knochen, Hormone; hohe Sterblichkeit
Bulimie (Bulimia nervosa, F50.2)Wiederholte Essanfälle mit Kontrollverlust, danach Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, Abführmittel, Fasten oder exzessiver SportMeist im Normalbereich — deshalb oft jahrelang unentdecktKaliummangel mit Herzrhythmusstörungen, Zahn- und Speiseröhrenschäden
Binge-Eating-StörungWiederholte Essanfälle mit Kontrollverlust und großem Leidensdruck, aber ohne regelmäßige GegenmaßnahmenHäufig ÜbergewichtFolgen der Gewichtszunahme, Scham, Depression
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Daneben gibt es atypische Formen, die nicht alle Kriterien erfüllen, aber genauso behandlungsbedürftig sind, und die vermeidend-restriktive Essstörung (ARFID), bei der nicht Figur oder Gewicht im Vordergrund stehen, sondern etwa Ekel vor bestimmten Konsistenzen oder Angst vor Verschlucken.¹ Die Formen können im Verlauf ineinander übergehen. Die Binge-Eating-Störung ist von der Adipositas abzugrenzen: Nicht jedes Übergewicht beruht auf Essanfällen — und die Essanfälle brauchen eine eigene Behandlung.²


3. Warnzeichen und körperliche Folgen

Worauf du achten kannst

  • Starre Regeln ums Essen — Mahlzeiten auslassen, Kalorien zählen, ganze Lebensmittelgruppen streichen, nur noch allein essen.
  • Heimlichkeit — nach dem Essen sofort ins Bad, versteckte Vorräte, verschwundene Lebensmittel, Ausreden bei gemeinsamen Mahlzeiten.
  • Ständige Beschäftigung mit dem Körper — häufiges Wiegen oder Spiegelkontrollen, weite Kleidung, abwertende Bemerkungen über die eigene Figur.
  • Sport als Pflicht — Training trotz Verletzung oder Krankheit, Unruhe, wenn eine Einheit ausfällt.
  • Rückzug und Stimmung — Gereiztheit, Niedergeschlagenheit, Rückzug von Freunden, Perfektionismus in Schule oder Beruf.

Einzelne Punkte beweisen nichts. Kommen mehrere zusammen, lohnt sich ein offenes Gespräch — und professionelle Beratung.³

Was der Körper signalisiert

Bei Magersucht schaltet der Körper auf Sparflamme: ständiges Frieren, Müdigkeit, niedriger Blutdruck und langsamer Puls, Ausbleiben der Regelblutung, Haarausfall, feiner Flaum auf der Haut, Verstopfung, Konzentrationsprobleme. Langfristig droht Knochenschwund bis zur Osteoporose — auch bei jungen Menschen. Bei Bulimie führen Erbrechen und Abführmittel zu Kalium- und Flüssigkeitsverlust, der das Herz aus dem Takt bringen kann, dazu Zahnschmelzschäden durch Magensäure, geschwollene Speicheldrüsen und Reizungen der Speiseröhre.⁴

Sofort Hilfe holen. Bei Ohnmacht, Herzstolpern oder Herzrasen, Brustschmerz, starker Schwäche, Verwirrtheit, einem Krampfanfall oder Bluterbrechen wähle den Notruf 112. Wenn du Gedanken hast, dir das Leben zu nehmen, wähle ebenfalls 112 oder wende dich an die nächste psychiatrische Klinik. Rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222; Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111.

4. Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt nicht die eine Ursache. Nach aktuellem Wissensstand wirken mehrere Faktoren zusammen:¹

  • Biologische Faktoren — Essstörungen treten in manchen Familien gehäuft auf; eine erbliche Veranlagung gilt als gesichert.
  • Persönlichkeit und Psyche — Perfektionismus, geringes Selbstwertgefühl, hohe Leistungsansprüche, Schwierigkeiten mit Gefühlen. Häufig bestehen zusätzlich eine Depression, Angststörungen oder Zwänge.
  • Diäten als Einstieg — viele Essstörungen beginnen mit einer scheinbar harmlosen Diät.
  • Soziales Umfeld — Schlankheitsideale, Kommentare über Gewicht und Aussehen, Social Media, Sportarten mit Gewichtsklassen oder ästhetischem Fokus.
  • Belastende Erlebnisse — Trennungen, Mobbing, Übergriffe oder Umbrüche können eine Essstörung auslösen oder verstärken.
Medikamente und Diabetes: zwei unterschätzte Punkte. Medikamente verursachen keine Essstörung. Wirkstoffe, die das Gewicht verändern — etwa manche Antidepressiva, Antipsychotika oder Cortison —, können aber Ängste verstärken und dazu führen, dass Betroffene sie heimlich weglassen; siehe Medikamente und Gewichtszunahme. Sprich solche Sorgen offen an, statt eigenmächtig abzusetzen. Menschen mit Typ-1-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Essstörungen; wird Insulin bewusst weggelassen, drohen lebensgefährliche Stoffwechselentgleisungen.

5. Diagnose: der erste Schritt

Erste Anlaufstelle kann die Hausarzt- oder Kinderarztpraxis sein, eine Beratungsstelle für Essstörungen oder die psychotherapeutische Sprechstunde, für die du keine Überweisung brauchst. Die Diagnose stützt sich auf das Gespräch und eine körperliche Untersuchung.¹,³

  • Gespräch: Essverhalten, Gedanken um Gewicht und Figur, Gegenmaßnahmen, Stimmung — ehrlich und ohne Bewertung. Es geht um deine Situation, nicht um eine Zahl auf der Waage.
  • Körperliche Untersuchung: Gewicht und Größe, Puls, Blutdruck, Temperatur, Zähne, Haut.
  • Blutwerte: Elektrolyte wie Kalium, Natrium und Phosphat, Blutbild, Nieren- und Leberwerte, Blutzucker, Schilddrüse.
  • EKG: Mangelernährung und Kaliummangel können den Herzrhythmus stören.
  • Knochendichte: bei länger bestehender Magersucht.
  • Andere Ursachen ausschließen: Ungewollter Gewichtsverlust kann auch von einer Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder Darmerkrankungen kommen.
  • Medikamentenliste: Auch Abführmittel, Entwässerungsmittel, Appetitzügler und Nahrungsergänzungen gehören auf den Tisch — ohne Scham, sie sind medizinisch wichtig.

6. Therapie: was wirklich hilft

Der Kern jeder Behandlung ist eine störungsspezifische Psychotherapie. Sie wird idealerweise von ärztlicher Begleitung und Ernährungsberatung flankiert. Je früher sie beginnt, desto besser sind die Aussichten. Ehrlich gesagt: Besonders die Magersucht verläuft oft über Jahre, Rückfälle sind häufig, und es braucht Geduld — aber viele werden wieder gesund.¹,²

Magersucht Psychotherapie plus Gewichtsnormalisierung
Kinder und Jugendliche
Die Familie wird eng einbezogen; familienbasierte Ansätze sind hier besonders gut untersucht.
Erwachsene
Störungsorientierte Psychotherapie, etwa kognitive Verhaltenstherapie oder fokale psychodynamische Therapie. Ein zentrales Ziel ist die schrittweise Gewichtszunahme nach vereinbarten Zielen.
Stationär oder tagesklinisch
Bei starkem oder raschem Gewichtsverlust, körperlicher Gefährdung, Suizidgedanken oder wenn ambulante Behandlung nicht ausreicht.
Bulimie Kognitive Verhaltenstherapie als Mittel der Wahl
Psychotherapie
Regelmäßiges Essen aufbauen, den Kreislauf aus Hungern, Essanfall und Gegenmaßnahme durchbrechen, Auslöser verstehen. Angeleitete Selbsthilfe kann ein erster Schritt sein.
Ergänzend Fluoxetin
Kann Essanfälle und Erbrechen verringern — nur zusätzlich zur Psychotherapie, nicht statt ihrer (Abschnitt 7).
Binge-Eating Essanfälle behandeln, nicht nur das Gewicht
Kognitive Verhaltenstherapie
Am besten untersucht. Strenges Diäthalten kann Essanfälle begünstigen; eine Gewichtsreduktion wird, wenn nötig, meist erst danach angegangen.
Ernährungsaufbau nur unter ärztlicher Kontrolle. Nach längerer starker Mangelernährung kann eine zu schnelle Nahrungszufuhr ein Refeeding-Syndrom auslösen: gefährliche Verschiebungen von Phosphat, Kalium und Magnesium bis hin zu Herzversagen. Bei deutlichem Untergewicht wird der Aufbau deshalb mit Blutkontrollen begleitet — oft stationär.

Welches Setting und welche Methode passen, entscheiden Behandlungsteam und behandelnde Praxis gemeinsam mit dir — bei Minderjährigen auch mit den Eltern.


7. Medikamente: was sie leisten — und was nicht

Medikamente spielen bei Essstörungen eine Nebenrolle. Die Leitlinie sieht sie nicht als alleinige oder primäre Behandlung.¹

Unterstützend Einsatz im Einzelfall
Fluoxetin bei Bulimie
Das einzige in Deutschland für Bulimie zugelassene Medikament, ausdrücklich als Ergänzung zur Psychotherapie. Laut Fachinformation wird es dafür höher dosiert als bei Depression.⁵ Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schlafstörungen und innere Unruhe; die Wirkung auf die Essanfälle zeigt sich erst nach Wochen.
Antipsychotika wie Olanzapin bei Magersucht
In Einzelfällen und off-label (außerhalb der Zulassung) in niedriger Dosis, etwa bei stark kreisenden Gedanken um Essen und Gewicht. Der Nutzen ist begrenzt belegt, Nebenwirkungen auf Herz und Stoffwechsel müssen überwacht werden.
Antidepressiva bei Begleiterkrankungen
Sinnvoll bei ausgeprägter Depression, Angst- oder Zwangsstörung. Gegen den Kern der Magersucht wirken sie nach aktuellem Wissensstand nicht, gerade im Untergewicht.
  • Binge-Eating-Störung: In Deutschland ist kein Medikament speziell dafür zugelassen. Abnehmspritzen behandeln die Essstörung nicht; ob sie bei gleichzeitigem Übergewicht sinnvoll sind, muss fachärztlich abgewogen werden.
  • Knochenschutz: Die Pille schützt die Knochen bei Magersucht nach aktuellem Wissensstand nicht zuverlässig. Sie erzeugt eine Blutung, die den Hormonmangel verschleiern kann — entscheidend ist die Normalisierung von Ernährung und Gewicht.
  • Vitamine und Mineralstoffe: Ergänzungen können Mängel ausgleichen, ersetzen aber keine Mahlzeiten — Art und Menge legt die Praxis anhand der Blutwerte fest.

Welches Medikament, in welcher Dosis und wie lange, entscheidet immer die behandelnde Praxis. Antidepressiva werden nicht abrupt beendet, sondern ausgeschlichen — siehe SSRI absetzen und Medikamente absetzen.

Medikamente regelmäßig nehmen, auch wenn der Tag chaotisch ist

brite erinnert an jede Einnahme und hält Laborkontrollen und Termine im Blick.

Erinnerung einrichten

8. Medikamente als Risiko

Bei Essstörungen werden Arzneimittel nicht selten zweckentfremdet — und auch richtig verordnete Medikamente wirken anders als sonst. Das ist ein Punkt, der in der Behandlung offen angesprochen werden sollte.¹,⁴

SituationWas passiertWas hilft
Abführmittel zum AbnehmenSie wirken erst im Dickdarm, wenn die Nahrung längst aufgenommen ist — der Gewichtsverlust ist fast nur Wasser, der Verlust an Kalium und Flüssigkeit aber realÄrztlich begleitet reduzieren; Darmträgheit danach ist vorübergehend behandelbar, siehe Verstopfung
Entwässerungsmittel, Schilddrüsenhormone, AppetitzüglerElektrolytentgleisung, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, NierenschädenOffen ansprechen; nie ohne ärztliche Indikation einnehmen
Nach dem Absetzen von Abführ- oder EntwässerungsmittelnDer Körper hält vorübergehend Wasser zurück; das wirkt wie Gewichtszunahme und macht AngstWissen hilft: Die Wassereinlagerungen gehen in der Regel von selbst zurück
Erbrechen kurz nach der EinnahmeTabletten wie die Pille oder Dauermedikamente werden womöglich nicht aufgenommenMit der Praxis klären; zur Verhütung siehe Medikamente und Verhütung
Kaliummangel plus herzwirksame MittelManche Antidepressiva, Antipsychotika oder Antibiotika verlängern die Erregungsleitung im Herzen (QT-Zeit) — bei Kaliummangel besonders riskantVor Beginn EKG und Elektrolyte; Wechselwirkungs-Check
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Magensäure durch Erbrechen und Mundtrockenheit als Nebenwirkung mancher Medikamente setzen den Zähnen doppelt zu. Zahnärztliche Kontrollen gehören deshalb dazu — Hinweise im Ratgeber Medikamente und Zahngesundheit.


9. Angehörige: ansprechen ohne Druck

Wer sich um einen Menschen sorgt, fühlt sich oft hilflos. Druck, Kontrolle und Diskussionen über Kalorien verschärfen die Lage meist. Was eher hilft:³

  • Sorge statt Vorwurf: Sprich in Ich-Botschaften über das, was du beobachtest — „Ich mache mir Sorgen, weil du kaum noch mit uns isst“ — und nicht über Gewicht oder Aussehen.
  • Ruhigen Moment wählen: nicht während oder direkt nach einer Mahlzeit, nicht vor anderen.
  • Abwehr aushalten: Leugnen und Wut sind häufig. Bleib im Kontakt, das Gespräch ist oft erst der Anfang.
  • Hilfe konkret anbieten: gemeinsam eine Beratungsstelle anrufen oder zum ersten Termin begleiten.
  • Bei Minderjährigen handeln: Eltern tragen Verantwortung und sollten früh die Kinder- und Jugendarztpraxis einbeziehen; Rat gibt auch das Elterntelefon unter 0800 111 0 550.
  • Auf dich achten: Auch Angehörige dürfen sich beraten lassen — das BIÖG-Beratungstelefon zu Essstörungen (0221 892031) ist ausdrücklich auch für sie da.

10. Alltag und Rückfallschutz

  • Struktur geben — regelmäßige Mahlzeiten nach dem gemeinsam erarbeiteten Plan schützen vor Hunger und Essanfällen.
  • Frühwarnzeichen kennen — Mahlzeiten ausfallen lassen, mehr Sport, häufigeres Wiegen. Ein schriftlicher Notfallplan sagt, wen du dann anrufst.
  • Auslöser reduzieren — Accounts entfolgen, die Körperideale feiern; Diät- und Kalorien-Apps löschen.
  • Nachsorge ernst nehmen — Kontrolltermine, Blutwerte, Knochendichte und Zahnarzt auch dann, wenn es dir besser geht.
  • Medikamente offen führen — ein vollständiger Medikationsplan, ohne heimliche Abführ- oder Entwässerungsmittel, schützt vor gefährlichen Kombinationen.
  • Nicht allein bleiben — Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen begleiten auch nach der Therapie.

Eine Essstörung ist keine Charakterfrage und kein Zeichen von Schwäche. Hilfe zu suchen, ist der mutigste und wirksamste Schritt — für Betroffene genauso wie für die Menschen um sie herum.

Nachsorge im Blick: Termine, Laborwerte, Medikamente

Kontrolltermine und Einnahmen strukturiert festhalten — damit die Stabilität nicht am Organisatorischen scheitert.

Nachsorge organisieren

FAQ: Häufige Fragen zu Essstörungen

Ein Hinweis ist, wenn Gedanken an Essen, Gewicht und Figur deinen Alltag bestimmen und dein Selbstwert davon abhängt. Wiederholtes Hungern, Essanfälle mit Kontrollverlust, Erbrechen, Abführmittel oder zwanghafter Sport sind Warnzeichen. Eine sichere Einschätzung gibt ein Gespräch in der Hausarztpraxis, einer Beratungsstelle oder der psychotherapeutischen Sprechstunde.
Das BIÖG-Beratungstelefon zu Essstörungen ist unter 0221 892031 erreichbar, auch für Angehörige. Weitere Anlaufstellen sind die Hausarzt- oder Kinderarztpraxis, regionale Beratungsstellen und die psychotherapeutische Sprechstunde. Bei körperlichen Warnzeichen wie Ohnmacht oder Herzrasen sowie bei Suizidgedanken gilt der Notruf 112.
Ja, viele Betroffene werden wieder gesund, auch wenn der Weg oft Jahre dauert und Rückfälle vorkommen. Die Aussichten sind besser, je früher die Behandlung beginnt. Wichtig sind eine störungsspezifische Psychotherapie, die Normalisierung von Essverhalten und Gewicht und eine gute Nachsorge.
Nein, kein Medikament behandelt die Magersucht selbst. In Einzelfällen kann ein niedrig dosiertes Antipsychotikum wie Olanzapin außerhalb der Zulassung erwogen werden, der Nutzen ist aber begrenzt belegt. Antidepressiva helfen bei begleitender Depression oder Angst, nicht gegen die Essstörung im Untergewicht.
Fluoxetin kann Essanfälle und Erbrechen verringern und ist in Deutschland als einziges Medikament für Bulimie zugelassen, allerdings nur als Ergänzung zur Psychotherapie. Die Wirkung setzt erst nach Wochen ein. Dosis und Dauer legt die behandelnde Praxis fest.
Wähle einen ruhigen Moment ohne Zuhörer und nicht während einer Mahlzeit. Sprich über deine Sorge und konkrete Beobachtungen, nicht über Gewicht oder Aussehen, und rechne mit Abwehr. Biete konkrete Hilfe an, etwa gemeinsam eine Beratungsstelle anzurufen.
Ja. Abführmittel wirken erst im Dickdarm, wenn die Nahrung bereits aufgenommen ist, der Gewichtsverlust ist fast nur Wasser. Gleichzeitig verliert der Körper Kalium und Flüssigkeit, was Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden auslösen kann. Wer sie regelmäßig nimmt, sollte sie ärztlich begleitet reduzieren.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (DGPM, DGKJP, DGPPN u. a., AWMF Reg-Nr. 051-026, Fassung 2018; Aktualisierung in Arbeit). awmf.org
  2. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Magersucht und Bulimie. Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Informationsportal Essstörungen und Beratungstelefon. Abgerufen 2026. essstoerungen.bioeg.de
  4. MSD Manual, Patientenausgabe: Essstörungen. Abgerufen 2026. msdmanuals.com
  5. Fachinformation Fluoxetin (aktueller Stand, abrufbar über das Informationssystem der Zulassungsbehörden). pharmnet-bund.de

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei Ohnmacht, Herzrasen, Brustschmerz, Verwirrtheit oder Gedanken an Suizid wähle sofort die 112; die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar, das BIÖG-Beratungstelefon zu Essstörungen unter 0221 892031. Nach starker Mangelernährung darf der Ernährungsaufbau nur ärztlich begleitet erfolgen. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: September 2026.