Gallensteine:
stumm oder symptomatisch und wann eine OP wirklich nötig ist

Auf einen Blick

Was ist das? Verhärtete Ablagerungen in der Gallenblase, meist aus Cholesterin.
Wie häufig? Sehr häufig, etwa jede zehnte erwachsene Person hat Gallensteine.
Die wichtigste Frage Stumm oder symptomatisch? Die meisten Steine machen nie Beschwerden.
Leitsymptom Die Gallenkolik: starke Schmerzen im rechten Oberbauch, oft nach fettem Essen.
Behandlung Stumme Steine meist nur beobachten; symptomatische Steine: Gallenblase entfernen.
ICD-10 K80 (Cholelithiasis)

Was sind Gallensteine?

Gallensteine sind verhärtete Ablagerungen, die sich in der Gallenblase bilden. Die Gallenblase ist ein kleines Organ unter der Leber, das die Gallenflüssigkeit speichert und eindickt. Diese Galle hilft bei der Verdauung von Fett. Aus Bestandteilen der Galle, vor allem Cholesterin, können sich mit der Zeit Steine bilden, von winzig bis mehrere Zentimeter groß.

Gallensteine sind sehr häufig: Etwa jede zehnte erwachsene Person hat welche, Frauen öfter als Männer. Das Wichtigste vorweg: Die allermeisten Gallensteine machen nie Beschwerden, und dann müssen sie in der Regel auch nicht behandelt werden.

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Stumm oder symptomatisch? Der entscheidende Unterschied

Bei Gallensteinen ist eine Unterscheidung entscheidend, weil sie über die Behandlung bestimmt:

  • Stumme (asymptomatische) Steine: Etwa 80 Prozent aller Gallensteine verursachen nie Beschwerden. Sie werden oft zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Solche stummen Steine müssen normalerweise nicht behandelt und nicht operiert werden. Pro Jahr wird nur ein kleiner Teil von ihnen überhaupt symptomatisch.
  • Symptomatische Steine: Verursacht ein Stein Beschwerden, vor allem eine Gallenkolik, sieht es anders aus. Dann kehren die Beschwerden häufig wieder, und das Risiko für Komplikationen steigt. Hier ist eine Behandlung sinnvoll, mehr dazu weiter unten.
Ein Stein bedeutet nicht automatisch Operation Wenn bei dir zufällig ein stummer Gallenstein gefunden wurde und du keine Beschwerden hast, ist meist Abwarten richtig. Erst wenn Steine Beschwerden machen, wird in der Regel behandelt. Ausnahmen gibt es nur in besonderen Situationen, dazu mehr im Abschnitt zur Behandlung.

Symptome: von der Gallenkolik bis zum Völlegefühl

Wenn Gallensteine Beschwerden machen, ist das typische Anzeichen die Gallenkolik:

  • starke, oft anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch oder in der Magengegend, die in den Rücken, die rechte Schulter oder die rechte Flanke ausstrahlen können. Mehr dazu: Flankenschmerzen.
  • die Schmerzen treten häufig nach fettem oder üppigem Essen auf, oft abends oder nachts, und können von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden dauern.
  • oft begleitet von Übelkeit oder Erbrechen.

Daneben werden manchmal unspezifische Beschwerden genannt wie Völlegefühl, Blähungen oder Druck im Oberbauch nach dem Essen. Mehr dazu: Völlegefühl. Wichtig: Solche Beschwerden sind sehr häufig und haben meist andere Ursachen. Sie sind kein sicheres Zeichen für Gallensteine.

Wann Gallensteine gefährlich werden

Symptomatische Gallensteine können Komplikationen verursachen, und genau deshalb werden sie behandelt. Die wichtigsten sind:

  • eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis): Ein Stein blockiert den Ausgang der Gallenblase, und sie entzündet sich. Typisch sind anhaltende starke Schmerzen über mehrere Stunden und Fieber.
  • ein Stein im Gallengang (Choledocholithiasis): Wandert ein Stein in den Hauptgallengang, kann er den Abfluss der Galle blockieren. Das kann eine Gelbsucht auslösen, also eine Gelbfärbung von Haut und Augen, dunklen Urin und hellen Stuhl. Mehr dazu: Gelbsucht.
  • eine Entzündung der Gallenwege (Cholangitis): Staut sich hinter dem Stein eine Infektion, kommen Fieber und Schüttelfrost dazu. Das kann gefährlich werden.
  • eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): Blockiert ein Stein die gemeinsame Mündung von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang, kann sich die Bauchspeicheldrüse entzünden. Das ist ein ernster Notfall.

Wann diese Warnzeichen sofort abgeklärt werden müssen, steht weiter unten im Abschnitt „Wann zum Arzt“.

Diagnose: Wie wird das festgestellt?

Der wichtigste Test bei Verdacht auf Gallensteine ist die Ultraschalluntersuchung des Bauches. Sie zeigt Steine in der Gallenblase zuverlässig und ist schmerzfrei.

Dazu kommen meist:

  • Blutuntersuchungen, vor allem Leber- und Gallenwerte (zum Beispiel Bilirubin, GGT und AP) sowie der Bauchspeicheldrüsenwert Lipase.
  • bei Verdacht auf einen Stein im Gallengang weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine spezielle Kernspintomografie (MRCP) oder eine endoskopische Untersuchung (ERCP), mit der sich Gallengangsteine auch gleich entfernen lassen.

Behandlung: klare OP-Indikation statt Diät-Mythen

Wie behandelt wird, hängt vor allem davon ab, ob die Steine Beschwerden machen.

  • Stumme Steine: in der Regel keine Behandlung, sondern Beobachten. Eine Operation ist hier nur in besonderen Situationen sinnvoll, wenn ein erhöhtes Risiko für Gallenblasenkrebs besteht, zum Beispiel bei einer sogenannten Porzellangallenblase, bei sehr großen Steinen (über etwa 3 Zentimeter) oder bei bestimmten Gallenblasenpolypen.
  • Symptomatische Steine: Hier ist die Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) die Standardbehandlung. Sie wird heute fast immer minimal-invasiv über kleine Schnitte durchgeführt (laparoskopisch, „Schlüssellochchirurgie“). Der Grund: Nach der ersten Kolik kommen die Beschwerden häufig wieder, und das Komplikationsrisiko steigt. Ohne Gallenblase kann man normal leben, die Galle fließt dann direkt von der Leber in den Darm. Bei einem Teil der Operierten bleiben anfangs leichtere Verdauungsbeschwerden.
  • Komplikationen wie eine Gallenblasenentzündung oder ein Stein im Gallengang werden gezielt und oft rasch behandelt, etwa mit einer zeitnahen Operation oder einer endoskopischen Steinentfernung (ERCP).
Was ist mit „fettarm essen“? Anders als oft zu hören, lassen sich bestehende Gallensteine durch eine Diät nicht auflösen, und es gibt keine spezielle „Gallenstein-Diät“, die das Problem beseitigt. Wer symptomatische Steine hat, dem hilft dauerhaft die Entfernung der Gallenblase. Sehr große, fettreiche Mahlzeiten können bei manchen eine Kolik auslösen, sie zu meiden kann Beschwerden verringern, ist aber keine Heilung. Medikamente zum Auflösen der Steine kommen nur in seltenen Ausnahmefällen infrage.
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Lass dich ärztlich beraten, wenn du erstmals eine Gallenkolik hast (starke Schmerzen im rechten Oberbauch), wenn solche Beschwerden wiederkehren oder wenn ein stummer Stein gefunden wurde und du unsicher bist, wie es weitergeht.

Diese Warnzeichen sofort abklären Bei starken Bauchschmerzen, die länger als etwa fünf Stunden anhalten, bei Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Bauchschmerzen oder bei einer Gelbfärbung von Haut und Augen (Gelbsucht) solltest du umgehend in die Notaufnahme fahren oder den Notruf 112 wählen. Dahinter können eine Gallenblasenentzündung, eine Infektion der Gallenwege oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung stecken, die rasch behandelt werden müssen.

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Häufige Fragen

Nein. Stumme Gallensteine, die keine Beschwerden machen, müssen in der Regel nicht behandelt werden. Erst wenn Steine Beschwerden verursachen, ist meist eine Operation sinnvoll.

Starke, oft anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch, die in Rücken oder rechte Schulter ausstrahlen können, häufig nach fettem Essen und oft mit Übelkeit. Sie entstehen, wenn ein Stein den Abfluss der Galle blockiert.

Nein. Bestehende Steine lassen sich durch eine Diät nicht auflösen, und es gibt keine spezielle Diät, die das Problem beseitigt. Sehr fettreiche Mahlzeiten zu meiden kann Koliken verringern, ist aber keine Heilung.

Bei symptomatischen Steinen (zum Beispiel nach einer Gallenkolik) und bei Komplikationen. Bei stummen Steinen nur in besonderen Situationen mit erhöhtem Krebsrisiko, etwa einer Porzellangallenblase oder sehr großen Steinen.

Meist minimal-invasiv über kleine Schnitte (laparoskopisch). Ohne Gallenblase kann man normal leben, die Galle fließt dann direkt von der Leber in den Darm.

Bei starken, lang anhaltenden Bauchschmerzen, bei Fieber mit Bauchschmerzen oder bei einer Gelbfärbung von Haut und Augen. Dann sofort ärztliche Hilfe suchen, denn es können ernste Komplikationen dahinterstecken.

Aus Bestandteilen der Galle, vor allem Cholesterin. Begünstigend wirken unter anderem weibliches Geschlecht, Übergewicht, Alter, eine familiäre Veranlagung und eine sehr schnelle Gewichtsabnahme.

Meist nicht. Völlegefühl, Blähungen oder Druck im Oberbauch sind sehr häufig und haben oft andere Ursachen. Sie sind kein sicheres Zeichen für Gallensteine.

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Quellen

  1. DGVS und DGAV: Aktualisierte S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik und Behandlung von Gallensteinen“ (AWMF 021-008). register.awmf.org/de/leitlinien/detail/021-008
  2. IQWiG / gesundheitsinformation.de: Gallensteine. gesundheitsinformation.de
  3. DGVS (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie): Patienteninformationen. dgvs.de
  4. Gastro-Liga e. V.: Patienteninformationen zu Gallensteinen. gastro-liga.de
  5. Internisten im Netz (BDI): Informationen zu Gallensteinen. internisten-im-netz.de
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei starken Bauchschmerzen, Fieber oder einer Gelbfärbung von Haut und Augen solltest du umgehend ärztliche Hilfe suchen. Welche Behandlung für dich geeignet ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab. Stand: Juni 2026.