Hand-Fuß-Mund-Krankheit:
Bläschen bei Kita-Kindern, Verlauf & was wirklich hilft

Auf einen Blick

HäufigkeitSehr häufig bei Kindern unter zehn Jahren, gehäuft im Spätsommer und Herbst; die meisten Infektionen verlaufen ohne Beschwerden
DefinitionAnsteckende Virusinfektion mit schmerzhaften Bläschen im Mund und Ausschlag an Handflächen und Fußsohlen
ErregerEnteroviren, vor allem Coxsackie-Viren A6 und A16 — nicht verwandt mit der Maul- und Klauenseuche der Tiere
Therapie der WahlKeine spezifische Therapie: viel trinken, weiche und kühle Kost, bei Bedarf Fieber- und Schmerzmittel nach Körpergewicht
Kita & SchuleKein gesetzliches Besuchsverbot; Rückkehr in der Regel, wenn das Kind fieberfrei ist und die Bläschen eingetrocknet sind
Grundlage & ICD-10RKI-Ratgeber Hand-Fuß-Mund-Krankheit · B08.4

Kind krank, Mund wund? Fiebersaft und Trinkmenge im Blick

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1. Was ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit?

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) ist eine ansteckende Virusinfektion, die vor allem Kinder unter zehn Jahren trifft. Typisch sind schmerzhafte Bläschen und kleine Geschwüre im Mund sowie ein Ausschlag an Handflächen und Fußsohlen — daher der Name. Auslöser sind Enteroviren, eine große Virusgruppe, die sich vor allem über Hände, Speichel und Stuhl verbreitet.¹

Die gute Nachricht: Bei sonst gesunden Kindern verläuft die Krankheit in aller Regel mild und heilt innerhalb von etwa einer Woche von selbst aus. Sehr viele Infektionen bleiben sogar ganz unbemerkt — nach Angaben des Robert Koch-Instituts mehr als 80 Prozent.¹ Das ist auch der Grund, warum sich die Krankheit in Kitas so leicht ausbreitet: Viele geben das Virus weiter, ohne selbst krank zu sein.

Wegen der Bläschen wird die HFMK oft mit anderen Kinderkrankheiten verwechselt. Anders als bei Windpocken sitzt der Ausschlag vor allem an Händen, Füßen und im Mund, und er juckt meist kaum. Die schmerzhaften Stellen im Mund ähneln Aphthen oder einer Mundfäule durch Herpesviren — mehr zur Abgrenzung in Abschnitt 5.

Nichts mit der Maul- und Klauenseuche zu tun. Der ähnliche Name führt oft zu Sorgen. Die Maul- und Klauenseuche ist eine Tierseuche mit einem ganz anderen Virus; sie wird nicht durch die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ausgelöst, und Haustiere spielen bei der HFMK keine Rolle. Der Mensch ist das einzige Reservoir der Erreger.¹

2. Typischer und atypischer Verlauf

Wie die Krankheit aussieht, hängt vor allem vom Virustyp und vom Alter ab.¹,²

VerlaufTypisches BildWorauf achten?
Klassische HFMKFieber, wunder Mund, Flecken und Bläschen an Handflächen und Fußsohlen, oft auch am PoTrinkmenge — der wunde Mund ist das Hauptproblem
Atypische HFMK (oft Coxsackie A6)Ausgedehnter Ausschlag auch an Gesäß, Genitalbereich, Knien, Ellenbogen oder im Gesicht, häufiger juckend, mehr AllgemeinbeschwerdenWird leicht mit Windpocken verwechselt; Wochen später können sich Nägel ablösen
HerpanginaHohes Fieber, Bläschen und Geschwüre nur hinten im Rachen, kein Ausschlag an Händen und FüßenGleiche Virusgruppe, gleiche Hygieneregeln
Ohne BeschwerdenKeine oder kaum Symptome — der häufigste „Verlauf“Trotzdem ansteckend
ErwachseneMeist unbemerkt oder mild; bei atypischen Formen teils ausgeprägter AusschlagEltern stecken sich häufig beim eigenen Kind an
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3. Symptome und Komplikationen

Die Krankheit beginnt meist unspezifisch, der typische Ausschlag folgt erst nach ein bis zwei Tagen:¹,³

  • Start mit Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen — das Kind wirkt quengelig und mag nicht essen.
  • Wunder Mund — rote Flecken, aus denen Bläschen und kleine, schmerzhafte Geschwüre an Zunge, Zahnfleisch und Wangenschleimhaut werden. Viele Kinder speicheln stark und verweigern Essen und Trinken.
  • Ausschlag an Händen und Füßen — flache rote Flecken oder kleine, längliche Bläschen mit rotem Hof, vor allem an Handflächen, Fußsohlen und zwischen den Fingern; oft auch am Po. Der klassische Ausschlag juckt kaum.
  • Verlauf — die meisten Kinder sind nach fünf bis sieben Tagen wieder gesund; die Bläschen trocknen ohne Narben ab.¹

Mögliche Komplikationen

  • Austrocknung — die häufigste ernste Folge, weil Kleinkinder wegen der Schmerzen im Mund nicht genug trinken.²
  • Ablösung von Finger- oder Fußnägeln — einige Wochen nach der Infektion, vor allem nach atypischen Verläufen. Das sieht beunruhigend aus, ist aber harmlos; die Nägel wachsen nach.¹
  • Nervensystem — sehr selten Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen oder Lähmungen. Schwere Verläufe wurden vor allem bei Ausbrüchen mit Enterovirus A71 in Asien beschrieben, in Deutschland sind sie eine Rarität.¹
Sofort ärztliche Hilfe — bei Bewusstseinsstörung oder Atemnot über 112. Dringend ist es, wenn dein Kind kaum noch trinkt, deutlich seltener nasse Windeln hat oder kaum Urin lässt, sehr schläfrig oder schlapp wirkt, eingesunkene Augen oder einen trockenen Mund ohne Tränen hat. Ein steifer Nacken, starke Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Zittern, plötzliche Muskelzuckungen, Krampfanfälle, Lähmungen oder Atemnot gehören sofort in die Notaufnahme. Bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen mit Fieber immer noch am selben Tag in die Kinderarztpraxis. Mehr zum Fieber bei Kindern unter Fieber.

4. Erreger, Ansteckung und Inkubationszeit

  • Erreger: Enteroviren der Gruppe A, am häufigsten Coxsackie-Virus A6 und A16, daneben A10 und Enterovirus A71. Weil es viele verschiedene Typen gibt, kann man die Krankheit mehrmals bekommen.¹
  • Übertragung: vor allem über die Hände — durch Kontakt mit Speichel, Nasensekret, Bläscheninhalt oder Stuhl sowie über verunreinigte Spielsachen, Türklinken und Wickelunterlagen. In den ersten Tagen ist auch eine Ansteckung über Tröpfchen möglich.¹
  • Inkubationszeit: meist drei bis zehn Tage zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden.¹
  • Ansteckende Phase: am stärksten in der ersten Krankheitswoche, solange die Bläschen nicht eingetrocknet sind. Mit dem Stuhl kann das Virus aber noch mehrere Wochen ausgeschieden werden — deshalb bleibt Händehygiene nach dem Wickeln und nach dem Toilettengang auch nach der Genesung wichtig.¹
  • Geschwächte Abwehr durch Medikamente: Wer stark immunsuppressive Mittel bekommt, etwa eine Chemotherapie, kann Virusinfektionen allgemein schwerer oder langwieriger durchmachen. Bei Enteroviren ist das selten, aber ein Grund, die Praxis über einen Kontakt zu informieren.
Du nimmst selbst Medikamente, die das Immunsystem dämpfen? Wenn dein Kind die Hand-Fuß-Mund-Krankheit hat und du zum Beispiel Methotrexat, Biologika oder eine Chemotherapie bekommst, achte besonders auf Händehygiene und sprich bei eigenen Beschwerden früh mit deiner Praxis. Setze deine Dauermedikation aber nicht aus Sorge vor Ansteckung ab — ob eine Pause sinnvoll ist, entscheidet die Praxis.

5. Diagnose und Abgrenzung

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist meist eine Blickdiagnose: Die Kombination aus wundem Mund und Ausschlag an Handflächen und Fußsohlen ist so typisch, dass Laboruntersuchungen in der Regel nicht nötig sind.¹

  • Vorher anrufen: Kündige den Verdacht in der Kinderarztpraxis an, damit dein Kind nicht lange im vollen Wartezimmer sitzt.
  • Blick in Mund und auf die Haut: Lage und Art der Bläschen, Zustand der Schleimhäute, Zeichen einer bakteriellen Infektion.
  • Flüssigkeitshaushalt: Wie viel hat das Kind getrunken, wie viele nasse Windeln gab es? Daran entscheidet sich, ob die Betreuung zu Hause ausreicht.
  • Virusnachweis nur in Ausnahmen: Bei schweren oder unklaren Verläufen, bei Neugeborenen oder bei Ausbrüchen kann das Virus per PCR, am besten aus dem Stuhl oder dem Bläscheninhalt, nachgewiesen werden. Antikörpertests im Blut gelten als nicht sinnvoll.¹
  • Abgrenzung: Ähnlich aussehen können Windpocken (Bläschen am ganzen Körper, stark juckend), eine Mundfäule durch Herpesviren (stark geschwollenes, blutendes Zahnfleisch), Scharlach (feiner Ausschlag, Himbeerzunge), Masern oder ein Ausschlag durch Medikamente.
  • Medikamentenliste: Welche Mittel hat das Kind schon bekommen — und wie viel? Neue Ausschläge nach einem Antibiotikum sind ein eigenes Thema für die Praxis.

Einen allgemeinen Überblick über Ausschläge und ihre Ursachen gibt der Beitrag Hautausschlag.

6. Behandlung: Trinken, Essen, Schmerzen lindern

Gegen die Enteroviren selbst gibt es kein Medikament und in Deutschland keine Impfung. Die Behandlung zielt darauf, Schmerzen und Fieber zu lindern und vor allem eine Austrocknung zu verhindern. Das Immunsystem erledigt den Rest, meist innerhalb einer Woche. Welche Mittel im Einzelfall passen, entscheidet die behandelnde Praxis.¹,²

Basis Trinken und Essen trotz wundem Mund
Oft kleine Mengen anbieten
Lieber alle paar Minuten ein paar Schlucke als selten ein ganzes Glas. Kühle, stille Getränke wie Wasser, ungesüßter Tee oder verdünnte, nicht saure Säfte werden am besten vertragen; ein Strohhalm oder ein Becher mit Schnabel kann helfen.
Kühl, weich, mild
Joghurt, Pudding, Brei, lauwarme Suppen, zerdrückte Banane oder auch mal ein Eis. Saures (Orangensaft, Tomaten), Scharfes, Salziges und Knuspriges brennt in den offenen Stellen und wird meist verweigert.
Essen darf ein paar Tage zu kurz kommen
Dass ein Kind einige Tage wenig isst, ist nicht schlimm. Entscheidend ist die Flüssigkeit. Bei Säuglingen wird weiter gestillt oder Flasche gegeben, gegebenenfalls in kürzeren Abständen.
Bei Bedarf Fieber und Schmerzen lindern
Paracetamol oder Ibuprofen
Senken Fieber und lindern die Schmerzen im Mund — oft der Schlüssel dafür, dass ein Kind wieder trinkt. Ein gut geplanter Zeitpunkt, etwa eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit, kann helfen. Dosiert wird bei Kindern nach Körpergewicht, nicht nach Alter.⁴
Mundgele und Spülungen
Gele mit örtlich betäubenden oder gerbenden Wirkstoffen werden häufig eingesetzt, belastbare Studien zu ihrem Nutzen bei der HFMK gibt es aber kaum. Viele Präparate sind für Säuglinge und Kleinkinder nicht zugelassen; frag vor der Anwendung in Apotheke oder Praxis nach. Ältere Kinder können mit mildem Tee spülen.
Haut
Der klassische Ausschlag braucht keine Behandlung. Juckt ein atypischer Ausschlag stark, kann die Praxis kühlende Lotionen oder ein Antihistaminikum empfehlen; Kratzen und Aufstechen der Bläschen solltest du vermeiden.
Ärztlich Wenn es zu Hause nicht reicht
Flüssigkeit über die Vene oder Magensonde
Trinkt ein Kind trotz Schmerzmittel nicht mehr genug, kann eine kurze Behandlung im Krankenhaus nötig sein — meist nur für ein bis zwei Tage, bis der Mund abheilt.²
Antibiotika helfen nicht
Gegen Viren sind Antibiotika wirkungslos. Sie kommen nur infrage, wenn sich zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickelt — warum unnötige Antibiotika schaden, erklärt der Ratgeber Antibiotika-Resistenzen.

7. Fieber- und Schmerzmittel: worauf du achten musst

Paracetamol: richtig dosieren, nicht doppelt geben

Paracetamol ist bei Kindern gut verträglich, solange die Dosis stimmt. Gefährlich wird es, wenn sich Gaben summieren: wenn beide Eltern unabhängig voneinander Saft geben, wenn Zäpfchen und Saft kombiniert werden oder wenn ein Kombipräparat zusätzlich Paracetamol enthält. Die Tageshöchstmenge und der Mindestabstand zwischen zwei Gaben stehen in der Packungsbeilage und richten sich nach dem Körpergewicht.⁴ Wer bei einem trinkunlustigen Kind auf Zäpfchen ausweicht, findet Tipps im Ratgeber Zäpfchen und Pflaster anwenden.

Ibuprofen: gut wirksam, aber nicht bei Austrocknung

Ibuprofen lindert entzündliche Schmerzen im Mund oft etwas besser als Paracetamol. Die Fachinformation weist aber darauf hin, dass bei ausgetrockneten Kindern ein Risiko für eine Schädigung der Nieren besteht.⁴ Trinkt dein Kind kaum noch, erbricht es oder hat es Durchfall, sprich deshalb vor der nächsten Gabe mit der Praxis. Ibuprofen wird zudem besser vertragen, wenn das Kind etwas im Magen hat.

Kein ASS bei Kindern und Jugendlichen

Acetylsalicylsäure (ASS) soll Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Virusinfekten nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, weil es in seltenen Fällen ein lebensgefährliches Reye-Syndrom mit Leber- und Gehirnschädigung auslösen kann.⁴ ASS steckt auch in manchen Kombinationsmitteln gegen Erkältung — ein Blick auf den Wirkstoff lohnt sich. Einen Überblick über die gängigen Schmerzmittel gibt der Schmerzmittel-Vergleich.

Zu viel Paracetamol erwischt? Nicht abwarten. Eine Überdosis verursacht anfangs oft kaum Beschwerden, kann aber Stunden später die Leber schwer schädigen. Ruf bei Verdacht sofort den Giftnotruf oder die Kinderarztpraxis an, bei Bewusstseinsstörung die 112 — auch wenn es dem Kind gerade gut geht. Was zu tun ist, steht im Ratgeber Was tun bei Überdosierung. Und umgekehrt: Bekommt dein Kind dauerhaft Medikamente, etwa gegen Epilepsie oder Asthma, setze sie nicht ab, nur weil das Schlucken weh tut — frag lieber nach einer anderen Darreichungsform, siehe Medikamente absetzen.

Wer hat wann was gegeben? Schluss mit doppelten Dosen

brite hält jede Fiebergabe mit Uhrzeit fest und erinnert an den Abstand — so wissen alle, die sich ums Kind kümmern, Bescheid.

Erinnerung einrichten

8. Erwachsene, Schwangere und Neugeborene

Erwachsene

Die meisten Erwachsenen hatten bereits Kontakt mit verschiedenen Enteroviren und erkranken nicht oder nur leicht. Eltern kleiner Kinder stecken sich trotzdem regelmäßig an, besonders bei den atypischen Varianten. Dann können Fieber, ein schmerzhafter Mund und Bläschen an Händen und Füßen einige Tage deutlich beeinträchtigen. Die Behandlung ist dieselbe wie bei Kindern: trinken, schonen, bei Bedarf Schmerzmittel.¹,³

Schwangerschaft

Eine Infektion in der Schwangerschaft verläuft in der Regel mild oder unbemerkt. Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko gibt es nach bisherigem Wissen nicht. Wichtig ist der Zeitraum kurz vor der Geburt: Hat die Mutter dann Beschwerden, kann sie das Virus auf das Neugeborene übertragen.¹ Informiere deshalb deine gynäkologische Praxis oder die Geburtsklinik, wenn du um den Geburtstermin herum erkrankst oder engen Kontakt zu einem erkrankten Kind hast. Welche Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft geeignet sind, erklärt der Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Neugeborene

Bei Neugeborenen verläuft eine Enterovirus-Infektion meist ebenfalls mild. In sehr seltenen Fällen kommt es aber zu einer schweren, den ganzen Körper betreffenden Infektion mit Beteiligung von Leber oder Herz; das Risiko ist in den ersten zwei Lebenswochen am höchsten.¹ Fieber, Trinkschwäche oder auffällige Schläfrigkeit bei einem so jungen Baby gehören deshalb immer sofort ärztlich abgeklärt.


9. Nach der Krankheit: Nägel, Haut, erneute Ansteckung

Manche Familien erleben einige Wochen nach der Krankheit eine Überraschung: Finger- oder Fußnägel lösen sich vom Nagelbett oder fallen ganz ab. Das passiert vor allem nach atypischen Verläufen, ist schmerzlos und harmlos. Der neue Nagel wächst von hinten nach — an den Fingern dauert das einige Monate, an den Zehen länger.¹,³ Bis dahin hilft es, die Nägel kurz zu halten und lose Teile nicht abzureißen. Verändern sich Nägel ohne vorausgegangenen Infekt, steckt etwas anderes dahinter — siehe brüchige Nägel.

Auch die Haut an Händen und Füßen kann sich nach einigen Tagen schälen. Rückfettende Pflege genügt meist.

Und: Wer die Hand-Fuß-Mund-Krankheit einmal hatte, ist nur gegen diesen einen Virustyp geschützt. Eine erneute Erkrankung durch einen anderen Typ ist möglich und gar nicht so selten, besonders in Kita-Jahren.¹


10. Alltag: Kita, Hygiene und Geschwister

  • Kita und Schule: Für die Hand-Fuß-Mund-Krankheit gibt es kein gesetzliches Besuchsverbot. Das Robert Koch-Institut hält einen generellen Ausschluss nicht für nötig; Kinder können wiederkommen, wenn sie fieberfrei sind, sich gut fühlen und die Bläschen eingetrocknet sind — ein ärztliches Attest ist dafür in der Regel nicht erforderlich. Manche Einrichtungen und Gesundheitsämter haben eigene Regeln; frag im Zweifel nach.¹
  • Einrichtung informieren: Damit andere Eltern auf Symptome achten und Schwangere im Team Bescheid wissen. Eine bundesweite Meldepflicht besteht nicht, einzelne Bundesländer haben ergänzende Regelungen.¹
  • Hände waschen: Gründlich mit Seife, besonders nach dem Wickeln, nach dem Toilettengang und vor dem Essen. Enteroviren sind sehr widerstandsfähig; viele herkömmliche Händedesinfektionsmittel wirken gegen sie nur unzureichend. Wer desinfiziert, braucht ein ausdrücklich als „viruzid“ ausgewiesenes Mittel.¹
  • Nichts teilen: Eigene Becher, Löffel, Handtücher und Zahnbürsten; Spielzeug, das in den Mund wandert, regelmäßig heiß abwaschen.
  • Geschwister: Sie stecken sich oft an, bevor die Krankheit beim ersten Kind erkannt ist. Getrennt halten lässt sich das im Familienalltag kaum — gute Händehygiene senkt das Risiko aber.
  • Fiebermittel nach Gewicht: Notiere das aktuelle Körpergewicht deines Kindes dort, wo du auch die Medikamente aufbewahrst. Weitere Tipps im Ratgeber Kinder und Medikamente.
  • Hausapotheke prüfen: Fiebersaft oder Zäpfchen in passender Stärke, Fieberthermometer, Dosierspritze — was noch fehlt, zeigt die Hausapotheken-Checkliste.

Zwei kranke Kinder, ein Fiebersaft?

Gaben, Temperatur und Trinkmenge für jedes Kind getrennt festhalten — damit du nachts nicht rechnen musst.

Verlauf anlegen

FAQ: Häufige Fragen zur Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Am ansteckendsten ist die erste Krankheitswoche, solange die Bläschen noch nicht eingetrocknet sind. Mit dem Stuhl kann das Virus aber noch mehrere Wochen ausgeschieden werden. Deshalb bleibt gründliches Händewaschen nach dem Wickeln und nach dem Toilettengang auch nach der Genesung wichtig.
Ein gesetzliches Besuchsverbot gibt es nicht. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts kann ein Kind wiederkommen, wenn es fieberfrei ist, sich gut fühlt und die Bläschen eingetrocknet sind; ein Attest ist in der Regel nicht nötig. Einzelne Einrichtungen oder Gesundheitsämter können strengere Regeln haben.
Paracetamol oder Ibuprofen, dosiert nach Körpergewicht, lindern Schmerzen und Fieber und erleichtern das Trinken. Kühle, weiche und nicht saure Speisen und Getränke werden am besten vertragen. Betäubende Mundgele sind für Säuglinge und Kleinkinder oft nicht zugelassen, deshalb vorher in der Apotheke oder Praxis nachfragen. ASS ist für Kinder bei Virusinfekten tabu.
Ja, auch wenn die meisten Erwachsenen keine oder nur leichte Beschwerden haben. Eltern stecken sich häufig beim eigenen Kind an und können dann einige Tage Fieber, einen wunden Mund und Bläschen an Händen und Füßen haben. Die Behandlung ist dieselbe wie bei Kindern.
Ja. Die Krankheit wird von verschiedenen Enterovirus-Typen ausgelöst, und eine durchgemachte Infektion schützt nur vor dem jeweiligen Typ. Gerade in den Kita-Jahren erkranken manche Kinder deshalb mehr als einmal.
Einige Wochen nach einer Hand-Fuß-Mund-Krankheit, vor allem nach atypischen Verläufen, kann das Nagelwachstum kurz gestört sein, sodass sich Nägel ablösen. Das ist harmlos und schmerzlos, die Nägel wachsen innerhalb einiger Monate nach. Lose Nagelteile am besten kurz schneiden statt abreißen.
Meist verläuft die Infektion in der Schwangerschaft mild oder unbemerkt, Hinweise auf Fehlbildungen gibt es nach bisherigem Wissen nicht. Erkrankt die Mutter kurz vor der Geburt, kann das Virus auf das Neugeborene übergehen, was sehr selten zu schweren Verläufen führt. Informiere deshalb deine Praxis oder Geburtsklinik, wenn du um den Geburtstermin herum Beschwerden oder Kontakt zu einem erkrankten Kind hast.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Hand-Fuß-Mund-Krankheit, Stand März 2025. Abgerufen 2026. rki.de
  2. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Hand-Fuß-Mund-Krankheit, kinderaerzte-im-netz.de. Abgerufen 2026. kinderaerzte-im-netz.de
  3. MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Hand-Fuß-Mund-Krankheit und Enterovirus-Infektionen. Abgerufen 2026. msdmanuals.com
  4. Fachinformationen Paracetamol-, Ibuprofen- und Acetylsalicylsäure-haltiger Arzneimittel für Kinder (Dosierung nach Körpergewicht, Dehydratation, Reye-Syndrom). fachinfo.de

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Wenn dein Kind kaum noch trinkt, auffällig schläfrig ist, einen steifen Nacken, Krampfanfälle oder Atemnot hat, suche sofort ärztliche Hilfe oder wähle 112; Säuglinge in den ersten Lebenswochen mit Fieber gehören immer am selben Tag in die Praxis. Gib Kindern und Jugendlichen bei Virusinfekten keine Acetylsalicylsäure ohne ärztliche Anweisung. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: Oktober 2026.