HIV:
Mit Therapie ein normales Leben — Einnahmetreue, PrEP & n=n

Auf einen Blick

HäufigkeitLaut RKI-Schätzung lebten Ende 2024 rund 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland, etwa 8.200 davon ohne Diagnose
DefinitionChronische Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus; unbehandelt Schwächung des Immunsystems bis zu Aids
Therapie der WahlAntiretrovirale Kombinationstherapie (ART) ab Diagnose, meist eine Tablette täglich oder Spritzen alle zwei Monate
n=nIst das Virus unter Therapie dauerhaft nicht nachweisbar, wird HIV sexuell nicht übertragen
LeitlinieDeutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie (DAIG, AWMF 055-001, 2025)
ICD-10B20–B24 (HIV-Krankheit) · Z21 (asymptomatische HIV-Infektion)

HIV-Therapie: jede Dosis, jede Wechselwirkung im Blick

Tägliche Einnahme, Spritzentermine und Begleitmedikamente an einem Ort — kostenlos in der brite App.

Therapieplan anlegen

1. Was ist HIV?

HIV steht für Humanes Immundefizienz-Virus. Es befällt vor allem die sogenannten CD4-Helferzellen, eine wichtige Gruppe von Abwehrzellen, und vermehrt sich in ihnen. Unbehandelt sinkt ihre Zahl über Jahre, bis das Immunsystem Krankheitserreger nicht mehr ausreichend abwehren kann. Dieses Spätstadium heißt Aids (erworbenes Immunschwächesyndrom).¹

Die wichtigste Botschaft vorweg: Mit einer rechtzeitig begonnenen Therapie haben Menschen mit HIV heute eine nahezu normale Lebenserwartung. Heilen lässt sich die Infektion bislang nicht, weil das Virus sein Erbgut dauerhaft in ruhenden Immunzellen ablegt. Die Medikamente unterdrücken seine Vermehrung aber so zuverlässig, dass es im Blut nicht mehr nachweisbar ist.¹,²

Laut Schätzung des Robert Koch-Instituts lebten Ende 2024 rund 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland; im Jahr 2024 kamen etwa 2.300 Neuinfektionen hinzu. Fast alle Menschen mit bekannter Diagnose werden behandelt, und bei der großen Mehrheit wirkt die Therapie. Das Problem sind die rund 8.200 Infektionen, von denen die Betroffenen nichts wissen — und späte Diagnosen: Etwa ein Drittel der 2024 neu festgestellten Infektionen wurde erst bei fortgeschrittenem Immundefekt erkannt.³

HIV, Hepatitis, Herpes — drei verschiedene Viren. HIV wird teilweise auf denselben Wegen übertragen wie die Hepatitis B und C, verläuft aber ganz anders und wird mit anderen Medikamenten behandelt. Auch Herpes ist eine eigene Infektion. Weil sich die Übertragungswege überschneiden, wird bei einer HIV-Diagnose in der Regel auch auf Hepatitis und andere sexuell übertragbare Infektionen getestet.

2. Verlauf: von der Infektion bis Aids

Ohne Behandlung verläuft eine HIV-Infektion typischerweise in drei Phasen.¹

PhaseZeitraumWas passiert
Akute InfektionEinige Tage bis wenige Wochen nach der AnsteckungDas Virus vermehrt sich stark; die Ansteckungsgefahr ist in dieser Phase besonders hoch. Häufig grippeähnliche Beschwerden, manchmal gar keine
Symptomarme PhaseOft viele JahreKaum oder keine Beschwerden, aber die Zahl der Helferzellen sinkt schleichend
AidsUnbehandelt im Mittel nach etwa zehn Jahren, sehr unterschiedlichSchwere „opportunistische" Infektionen und bestimmte Krebsarten, die bei intaktem Immunsystem kaum vorkommen
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Ärzte ordnen den Verlauf zusätzlich nach Beschwerden und der Zahl der Helferzellen ein. Sinkt sie unter etwa 200 pro Mikroliter Blut, steigt das Risiko für Aids-definierende Erkrankungen deutlich. Mit Therapie erholt sich das Immunsystem in der Regel — umso besser, je früher behandelt wird.²


3. Symptome und Warnzeichen

Akute HIV-Infektion

Ein Teil der Infizierten bemerkt einige Tage bis Wochen nach der Ansteckung Beschwerden, die leicht mit einer Grippe oder dem Pfeifferschen Drüsenfieber verwechselt werden:¹

  • Fieber, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen
  • Geschwollene Lymphknoten und Halsschmerzen
  • Hautausschlag am Oberkörper, oft fleckig und nicht juckend
  • Schmerzhafte Stellen im Mund, Durchfall oder Kopfschmerzen

Die Beschwerden verschwinden nach ein bis zwei Wochen von selbst — die Infektion bleibt. Wer solche Symptome nach einem Risikokontakt hat, sollte gezielt einen HIV-Test ansprechen.

Hinweise auf eine fortgeschrittene Infektion

Bestimmte Krankheiten gelten als Indikatorerkrankungen, bei denen ein HIV-Test angeboten werden sollte: eine Gürtelrose in jüngerem Alter, wiederkehrende Lungenentzündungen, Pilzbefall im Mund, eine Hepatitis B oder C, eine Syphilis oder anhaltende Blutbildveränderungen. Auch ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß und lange Durchfallphasen können Zeichen sein.²

Wann du sofort ärztliche Hilfe brauchst. Bei bekannter, unbehandelter oder fortgeschrittener HIV-Infektion sind zunehmende Atemnot mit trockenem Husten und Fieber, starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Krampfanfälle oder plötzliche Lähmungen ein Notfall — dahinter können schwere Infektionen stecken. Dann sofort in die Notaufnahme oder den Notruf 112 wählen.

4. Übertragung und Risiken

HIV wird über Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, die Flüssigkeit auf der Darmschleimhaut und Muttermilch übertragen — vorausgesetzt, die Viruslast ist hoch genug und das Virus gelangt an Schleimhäute oder ins Blut.¹

  • Ungeschützter Anal- oder Vaginalverkehr mit einer Person, die HIV hat und nicht wirksam behandelt ist — der häufigste Weg.
  • Gemeinsam benutzte Spritzen und Zubehör beim Drogenkonsum.
  • Von der Mutter auf das Kind in Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit — mit Therapie heute sehr selten.
  • Erhöhtes Risiko bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen mit Schleimhautschäden, etwa Syphilis oder Herpes.

Kein Risiko sind Alltagskontakte: Händeschütteln, Umarmen, Küssen, gemeinsames Geschirr, Toiletten, Schwimmbäder, Husten oder Insektenstiche übertragen HIV nicht.

Medikamente, Drogen und Risiko. HIV wird nicht durch Medikamente verursacht — aber Substanzen beeinflussen das Risiko. Unter Alkohol, Cannabis oder Partydrogen (Chemsex) wird seltener geschützt, und geteiltes Zubehör überträgt Viren. Umgekehrt schützen Medikamente sehr wirksam: die Therapie selbst (n=n), die PrEP und die PEP nach einem Risikokontakt (Abschnitt 8). Mehr zu Substanzen und Arzneimitteln im Ratgeber Medikamente und Cannabis.

5. HIV-Test und Diagnose

Gewissheit bringt nur ein Test. Wichtig ist, ihn zum richtigen Zeitpunkt zu machen — das Immunsystem braucht nach der Ansteckung einige Wochen, bis der Test anschlägt:¹

  • Labortest (Kombitest): weist Antikörper und einen Virusbaustein nach. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion sechs Wochen nach dem Risiko sicher aus.
  • Schnelltest und Selbsttest: liefern in Minuten ein Ergebnis; aussagekräftig ab zwölf Wochen nach dem Risiko. Selbsttests gibt es in Apotheken, Drogerien und online — auf das CE-Kennzeichen achten.
  • Bestätigungstest: Ein positives Suchergebnis wird immer im Labor bestätigt, bevor die Diagnose feststeht.
  • Anonym und kostenlos: Viele Gesundheitsämter und Checkpoints der Aidshilfen bieten Tests und Beratung an.
  • Nach der Diagnose: Viruslast, Zahl der Helferzellen, ein Resistenztest des Virus, Nieren- und Leberwerte sowie Tests auf Hepatitis und andere Infektionen bilden die Grundlage für die Therapiewahl.²

Labore melden HIV-Nachweise nichtnamentlich an das RKI — dein Name wird dabei nicht weitergegeben. Was die einzelnen Laborwerte bedeuten, erklärt der Ratgeber Blutwerte verstehen.

6. Die HIV-Therapie heute

Die Leitlinie empfiehlt, die antiretrovirale Therapie (ART) bei jedem Menschen mit HIV zu beginnen — möglichst bald nach der Diagnose, unabhängig von der Zahl der Helferzellen. Ziel ist eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Das schützt das Immunsystem, senkt das Risiko für Folgeerkrankungen und verhindert die Übertragung.²

Behandelt wird immer mit einer Kombination von Wirkstoffen aus verschiedenen Klassen, damit das Virus keine Resistenzen entwickelt. Viele Kombinationen gibt es heute als eine Tablette einmal täglich.

Erstlinie Integrasehemmer-basierte Kombinationen
Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid
Drei Wirkstoffe in einer Tablette, einmal täglich, unabhängig vom Essen. Hohe Resistenzbarriere und vergleichsweise wenige Wechselwirkungen.
Dolutegravir plus zwei weitere Wirkstoffe
Zum Beispiel mit Emtricitabin/Tenofovir oder als Kombitablette mit Abacavir/Lamivudin; vor Abacavir wird ein Gentest (HLA-B*5701) auf eine Überempfindlichkeit gemacht.
Dolutegravir/Lamivudin
Zweifachkombination in einer Tablette; geeignet, wenn keine Hepatitis B vorliegt und keine Resistenzen bestehen.
Alternativen Spritze statt Tablette oder geboosterte Therapie
Cabotegravir plus Rilpivirin als Depotspritze
Zwei Spritzen in den Gesäßmuskel, je nach Schema monatlich oder alle zwei Monate in der Praxis. Für Erwachsene, deren Virus unter Tabletten bereits stabil unterdrückt ist und keine Resistenzen gegen diese Wirkstoffe zeigt. Die Termine müssen zuverlässig eingehalten werden.
Darunavir mit Booster (Cobicistat oder Ritonavir)
Protease-Hemmer mit sehr hoher Resistenzbarriere, etwa bei Resistenzen oder Unsicherheit bei der Einnahme. Der Booster hemmt den Abbau vieler anderer Medikamente — daher besonders viele Wechselwirkungen.

Die Medikamente sind heute meist gut verträglich. Zu Beginn kommen Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Durchfall vor, die oft nach Wochen nachlassen. Unter manchen Kombinationen, vor allem mit Integrasehemmern und Tenofoviralafenamid, ist eine Gewichtszunahme beschrieben. Welche Kombination passt, entscheidet die HIV-Schwerpunktpraxis anhand von Resistenztest, Begleiterkrankungen, Begleitmedikamenten und deinem Alltag.²,⁴


7. Einnahmetreue und Wechselwirkungen

Warum jede Dosis zählt

Eine HIV-Therapie wirkt nur, wenn die Wirkstoffspiegel im Blut dauerhaft hoch genug sind. Werden immer wieder Dosen ausgelassen, kann sich das Virus vermehren und Resistenzen entwickeln — dann wirken nicht nur die aktuellen Medikamente schlechter, sondern oft auch verwandte Wirkstoffe.² Wie lange du eine vergessene Tablette nachholen darfst, ist je nach Präparat unterschiedlich geregelt und steht in der Packungsbeilage; frag im Zweifel in der Praxis oder Apotheke nach. Allgemeine Tipps im Ratgeber Medikamente vergessen.

HIV-Medikamente nie eigenmächtig absetzen oder pausieren. Schon nach kurzer Pause steigt die Viruslast wieder an, das Virus kann übertragen werden und Resistenzen entwickeln. Bei einer begleitenden Hepatitis B kann ein Absetzen von Tenofovir, Emtricitabin oder Lamivudin zudem einen schweren Leberentzündungsschub auslösen. Nebenwirkungen, Lieferengpässe oder ein Therapiewunsch gehören in die Praxis — dort wird bei Bedarf umgestellt. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.

Die wichtigsten Wechselwirkungen

HIV-Medikamente werden über dieselben Leberenzyme abgebaut wie viele andere Arzneimittel. Die folgenden Gruppen sind laut Fachinformationen besonders wichtig:⁴

MittelProblemWas in der Regel geschieht
Magnesium, Calcium, Eisen, Zink, AntazidaBinden Integrasehemmer im Darm und senken ihre AufnahmeZeitabstand oder gemeinsame Einnahme mit einer Mahlzeit — Regeln je nach Präparat
Säureblocker wie OmeprazolSenken die Aufnahme von Rilpivirin-Tabletten starkMit Rilpivirin-Tabletten nicht kombinieren
Johanniskraut, Rifampicin, CarbamazepinBeschleunigen den Abbau vieler HIV-Wirkstoffe — Therapieversagen drohtMeist nicht kombinierbar
MetforminDolutegravir und Bictegravir erhöhen den Metformin-SpiegelKontrolle, bei Bedarf Dosisanpassung durch die Praxis
Mit Booster: Simvastatin, bestimmte Schlafmittel, RivaroxabanSpiegel steigen stark an — Muskelschäden, Übersedierung oder Blutungen möglichTeils verboten, sonst Alternative oder Dosisanpassung
Mit Booster: Cortison-Sprays wie FluticasonCortison wird kaum abgebaut; Cushing-Syndrom und Nebennierenschwäche möglichAuf andere Präparate ausweichen
Mit Booster: Potenzmittel wie Sildenafil und PartydrogenDeutlich höhere Spiegel, Blutdruckabfall und Vergiftungen möglichNur nach Rücksprache, reduzierte Dosis
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Frei verkäufliche Mittel, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate werden dabei am häufigsten übersehen. Zeig jeder Praxis und Apotheke deine vollständige Medikamentenliste, bevor etwas Neues dazukommt — Hintergründe im Ratgeber Wechselwirkungen verstehen.

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8. n=n, PrEP und PEP

n=n: nicht nachweisbar heißt nicht übertragbar

Große Studien mit Paaren, bei denen nur ein Partner HIV hatte, haben gezeigt: Ist die Viruslast unter Therapie seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze und wird die Therapie weiter zuverlässig eingenommen, wird HIV beim Sex nicht übertragen — auch ohne Kondom.¹,² Diese Botschaft, international „U=U" genannt, ist einer der größten Fortschritte gegen das Stigma. Vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützt n=n allerdings nicht.

PrEP: Schutz vor der Ansteckung

Die Prä-Expositions-Prophylaxe ist eine Vorbeugung für HIV-negative Menschen mit erhöhtem Risiko. Standard ist eine Tablette mit Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin, täglich oder — für Männer, die Sex mit Männern haben — nach Leitlinie auch anlassbezogen nach festem Schema. Richtig eingenommen schützt sie sehr zuverlässig.⁵

  • Kostenübernahme: Gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren mit substanziellem HIV-Risiko erhalten die PrEP samt Beratung und Kontrolluntersuchungen auf Kassenkosten.
  • Kontrollen: Vor dem Start und dann regelmäßig, in der Regel alle drei Monate, Tests auf HIV, andere sexuell übertragbare Infektionen und die Nierenfunktion.
  • Langwirksame Spritzen: In der EU sind auch Depotspritzen zur PrEP zugelassen — Cabotegravir alle zwei Monate und seit 2025 Lenacapavir zweimal im Jahr.⁶ Ob und zu welchen Bedingungen sie in Deutschland angeboten und erstattet werden, klärt die PrEP-Praxis.

PEP: Notfallbehandlung nach einem Risiko

Nach einem Risikokontakt, etwa einem gerissenen Kondom mit einem Partner unbekannten oder nicht behandelten HIV-Status, kann eine Post-Expositions-Prophylaxe die Infektion verhindern. Sie muss so schnell wie möglich beginnen — am besten innerhalb weniger Stunden, spätestens nach 48 bis 72 Stunden — und wird vier Wochen lang eingenommen.⁷ Anlaufstellen sind HIV-Schwerpunktpraxen, Kliniken mit Infektionsambulanz und nachts oder am Wochenende die Notaufnahme.


9. Schwangerschaft, Impfungen und Älterwerden

Kinderwunsch und Schwangerschaft

Menschen mit HIV können Kinder bekommen, ohne Partner oder Kind zu infizieren. Mit einer wirksamen Therapie und nicht nachweisbarer Viruslast ist das Übertragungsrisiko auf das Kind sehr gering; eine normale Geburt ist dann in der Regel möglich, und das Neugeborene erhält kurzzeitig vorbeugend Medikamente. Einen HIV-Test bekommen Schwangere in der Vorsorge angeboten. Ob Stillen infrage kommt, wird heute bei dauerhaft unterdrückter Viruslast individuell mit der Praxis besprochen.⁸ Welche Wirkstoffe in der Schwangerschaft geeignet sind, entscheidet die Schwerpunktpraxis — siehe auch Medikamente in der Schwangerschaft.

Impfungen

Die STIKO empfiehlt Menschen mit HIV unter anderem Impfungen gegen Pneumokokken, Grippe und Hepatitis B, bei Bedarf gegen Hepatitis A und HPV sowie gegen Gürtelrose bereits ab 50 Jahren. Lebendimpfstoffe wie gegen Masern oder Windpocken kommen nur bei ausreichend vielen Helferzellen infrage.⁹ Einen Überblick gibt der Ratgeber Impfungen für Erwachsene.

Älterwerden mit HIV

Weil die Therapie so gut wirkt, werden Menschen mit HIV heute alt — und bekommen die typischen Erkrankungen des Alters, teils etwas früher: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschwäche, Osteoporose, Diabetes. Vorsorge, Blutdruck- und Cholesterinkontrollen gewinnen deshalb an Gewicht, ebenso der Blick auf Wechselwirkungen bei vielen Medikamenten.²


10. Alltag mit HIV

  • Feste Einnahmezeit — an eine tägliche Routine koppeln, etwa Zähneputzen, und einen kleinen Vorrat für unterwegs dabeihaben.
  • Kontrolltermine einhalten — Viruslast und Laborwerte werden in der Regel alle drei bis sechs Monate kontrolliert, bei Depotspritzen nach festem Terminplan.
  • Reisen planen — Medikamente ins Handgepäck, Einnahmezeit bei Zeitverschiebung schrittweise anpassen; Tipps im Ratgeber Medikamente auf Reisen.
  • Arbeit und Sport — HIV ist kein Hindernis für die allermeisten Berufe und Sportarten. Den Arbeitgeber musst du in der Regel nicht informieren.
  • Seelische Gesundheit — Diagnoseschock, Stigma und Sorgen um Beziehungen belasten. Beratung bei Aidshilfen und Psychotherapie helfen; bei anhaltender Niedergeschlagenheit siehe Depression.

Alle Medikamente gehören in einen aktuellen Plan — auch Mittel aus der Selbstmedikation. Hilfe beim Aufbau gibt der Ratgeber Medikationsplan erstellen.

Viruslast, Helferzellen, Termine — wann war was?

Halte Laborwerte und Kontrolltermine im Verlauf fest und bring sie übersichtlich zum nächsten Termin mit.

Verlauf anlegen

FAQ: Häufige Fragen zu HIV

Nein, bislang nicht. Das Virus legt sein Erbgut dauerhaft in ruhenden Immunzellen ab. Mit einer antiretroviralen Therapie lässt sich die Vermehrung aber so zuverlässig unterdrücken, dass das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar ist. Menschen mit HIV haben bei rechtzeitiger Behandlung heute eine nahezu normale Lebenserwartung.
n=n steht für „nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar". Ist die Viruslast unter Therapie seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze und wird die Therapie zuverlässig weiter eingenommen, wird HIV beim Sex nicht übertragen. Vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützt das nicht.
Ein Labortest (Kombitest) schließt eine Infektion sechs Wochen nach dem Risikokontakt sicher aus. Schnell- und Selbsttests sind erst zwölf Wochen nach dem Risiko aussagekräftig. Ein positives Ergebnis wird immer durch einen Bestätigungstest im Labor überprüft.
Eine einzelne vergessene Dosis lässt sich je nach Präparat innerhalb einer bestimmten Frist nachholen; die Regel steht in der Packungsbeilage. Werden aber immer wieder Dosen ausgelassen, kann sich das Virus vermehren und Resistenzen entwickeln. Dann wirken die Medikamente schlechter, und die Therapie muss umgestellt werden.
Die PrEP ist für HIV-negative Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko gedacht. Gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren mit substanziellem Risiko erhalten die Tabletten, die Beratung und die regelmäßigen Kontrolltests auf Kassenkosten. Verordnet wird sie von dafür qualifizierten Praxen.
Ja. Die Kombination aus Cabotegravir und Rilpivirin wird je nach Schema monatlich oder alle zwei Monate in der Praxis gespritzt. Sie kommt für Erwachsene infrage, deren Virus unter Tabletten bereits stabil unterdrückt ist und keine Resistenzen gegen diese Wirkstoffe zeigt. Die Spritzentermine müssen zuverlässig eingehalten werden.
Wichtige Beispiele sind Johanniskraut, bestimmte Antiepileptika und Tuberkulosemittel, Magnesium-, Calcium- und Eisenpräparate ohne Zeitabstand, Säureblocker zusammen mit Rilpivirin sowie bei geboosterten Therapien bestimmte Cholesterinsenker, Cortison-Sprays und Potenzmittel. Welche Kombination problematisch ist, hängt vom Präparat ab. Deshalb gehört jedes neue Mittel vorher mit Praxis oder Apotheke abgestimmt.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS. Abgerufen 2026. rki.de
  2. Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion, Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) und Österreichische AIDS-Gesellschaft (AWMF Reg-Nr. 055-001, Version 2025). daignet.de
  3. Robert Koch-Institut: HIV/Aids in Deutschland — Eckdaten der Schätzung, Epidemiologisches Bulletin 47/2025. rki.de
  4. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Produktinformationen zu Biktarvy, Tivicay, Dovato, Triumeq, Edurant, Vocabria/Rekambys und Rezolsta. Abgerufen 2026. ema.europa.eu
  5. Deutsch-Österreichische Leitlinien zur HIV-Präexpositionsprophylaxe, Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) (AWMF Reg-Nr. 055-008, Version 2024). awmf.org
  6. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Produktinformationen zu Apretude (Cabotegravir) und Yeytuo (Lenacapavir) zur HIV-Präexpositionsprophylaxe. Abgerufen 2026. ema.europa.eu
  7. Deutsch-Österreichische Leitlinie zur medikamentösen Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach HIV-Exposition, Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) (AWMF Reg-Nr. 055-004, 2022). awmf.org
  8. Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen, Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) (AWMF Reg-Nr. 055-002, 2020). awmf.org
  9. Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der STIKO beim Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin, aktuelle Fassung. Abgerufen 2026. rki.de/stiko

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Nach einem HIV-Risikokontakt zählt jede Stunde — wende dich für eine PEP sofort an eine Schwerpunktpraxis oder Notaufnahme. Setze HIV-Medikamente niemals eigenmächtig ab und nimm keine neuen Mittel ohne Abstimmung ein. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: Oktober 2026.