Lungenkrebs (Lungenkarzinom):
Früherkennung, Therapie & Nachsorge

Auf einen Blick

HäufigkeitRund 58.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland; bei Männern die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache
HauptursacheTabakrauch — die weitaus meisten Fälle gehen aufs Rauchen zurück; daneben Radon, Asbest und andere Schadstoffe
FrüherkennungSeit April 2026 Kassenleistung: jährliches Niedrigdosis-CT für starke Rauchende und Ex-Rauchende von 50 bis 75 Jahren
FormenNicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (große Mehrheit) und kleinzelliges Lungenkarzinom
TherapieNach Stadium und Tumorbiologie: Operation, Bestrahlung, Chemo-, Immun- und zielgerichtete Therapie — oft kombiniert
Leitlinie & ICD-10S3-Leitlinie Lungenkarzinom (Leitlinienprogramm Onkologie, AWMF 020-007OL) · C34

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1. Was ist Lungenkrebs?

Lungenkrebs, fachlich Lungen- oder Bronchialkarzinom, ist ein bösartiger Tumor, der von Zellen der Bronchien oder des Lungengewebes ausgeht. Er wächst in das umliegende Gewebe ein und kann über Lymph- und Blutbahnen Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden, etwa in Gehirn, Knochen, Leber oder Nebennieren.¹

In Deutschland erkrankten 2023 rund 58.000 Menschen neu an Lungenkrebs. Er ist bei Männern mit Abstand die häufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache. Während die Erkrankungsraten bei Männern seit Jahren sinken, steigen sie bei Frauen — ein Spiegel der Rauchgewohnheiten früherer Jahrzehnte.²

Das Tückische: Lungenkrebs verursacht im Frühstadium meist keine Beschwerden. Viele Tumoren werden deshalb erst entdeckt, wenn sie bereits gestreut haben. In frühen Stadien ist eine Heilung, meist durch Operation, gut möglich; in fortgeschrittenen Stadien ist sie selten — dank neuer Therapien leben viele Betroffene aber heute deutlich länger und besser als noch vor einigen Jahren. Genau hier setzt die neue Früherkennung an.

Lungenkrebs oder Lungenmetastasen? Auch andere Krebsarten können in die Lunge streuen; solche Metastasen werden nach dem Ursprungstumor behandelt. Und die meisten kleinen Rundherde, die zufällig im CT auffallen, sind gutartig.

2. Formen, Stadien und Tumorbiologie

Unter dem Mikroskop unterscheidet man zwei große Gruppen, die sich im Verhalten und in der Behandlung deutlich unterscheiden:¹,³

  • Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC): die große Mehrheit. Häufigster Untertyp ist das Adenokarzinom — auch bei Menschen, die nie geraucht haben. Daneben gibt es das Plattenepithelkarzinom und seltenere Formen.
  • Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC): seltener, fast immer bei Rauchenden. Es wächst schnell, streut früh und spricht zunächst gut auf Chemotherapie an, kehrt aber häufig zurück.

Das Stadium (I bis IV) beschreibt nach dem TNM-System, wie groß der Tumor ist, ob Lymphknoten befallen sind und ob Fernmetastasen bestehen. Stadium I und II gelten als frühe, Stadium III als lokal fortgeschrittene und Stadium IV als metastasierte Erkrankung.

Die Tumorbiologie entscheidet mit

Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs untersucht das Labor das Tumorgewebe heute auf genetische Veränderungen (Treibermutationen), etwa in den Genen EGFR, ALK, ROS1, KRAS, BRAF, MET oder RET, und auf das Eiweiß PD-L1. Findet sich eine solche Veränderung, gibt es oft eine gezielt wirkende Tablette. Treibermutationen sind bei Menschen, die nie geraucht haben, besonders häufig. Diese Testung ist Standard und gehört vor jede Therapieentscheidung im fortgeschrittenen Stadium, zunehmend auch in frühen Stadien.¹


3. Symptome: oft spät und unspezifisch

Die Beschwerden sind nicht typisch für Krebs und haben meist harmlose Ursachen. Ernst nehmen solltest du sie, wenn sie länger als drei bis vier Wochen anhalten — besonders wenn du rauchst oder geraucht hast.³

  • Neuer oder veränderter Husten — bei Rauchenden vor allem ein Raucherhusten, der sich anders anfühlt als sonst.
  • Blut im Auswurf — auch kleine Mengen gehören ärztlich abgeklärt.
  • Atemnot und Brustschmerzen — zunehmend, ohne erkennbaren Grund.
  • Anhaltende Heiserkeit — wenn der Tumor den Stimmbandnerv reizt.
  • Ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Erschöpfung — sogenannte B-Symptome.
  • Wiederkehrende Lungenentzündungen — an derselben Stelle, oder eine, die nicht richtig ausheilt.
  • Beschwerden durch Metastasen — Knochenschmerzen, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Schwellung von Gesicht und Hals.

Vor allem der kleinzellige Lungenkrebs kann hormonähnliche Stoffe bilden und so Beschwerden fern der Lunge auslösen, etwa einen niedrigen Natriumwert im Blut (paraneoplastische Syndrome).

Mit COPD besonders wachsam sein. Menschen mit COPD husten ohnehin und sind oft kurzatmig — neue Warnzeichen gehen darin leicht unter. Wenn sich dein gewohnter Husten verändert, Blut im Auswurf auftaucht oder du ohne Infekt abnimmst, sprich das beim nächsten Termin gezielt an. Bei viel Blut beim Husten oder plötzlicher schwerer Atemnot: sofort 112.

4. Ursachen und Risikofaktoren

  • Rauchen: Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor. Das Risiko steigt mit Dauer und Menge — auch Zigarren, Zigarillos und Pfeife sind nicht harmlos. Wie riskant E-Zigaretten langfristig sind, lässt sich noch nicht abschließend sagen.³
  • Passivrauchen: Erhöht das Risiko auch bei Menschen, die selbst nie geraucht haben.
  • Radon: Ein natürliches radioaktives Gas aus dem Boden, das sich in Kellern und Erdgeschossen anreichern kann; nach dem Rauchen eine der wichtigsten Ursachen.
  • Berufliche Schadstoffe: Asbest, Quarzstaub, Dieselmotoremissionen, Chrom-, Nickel- oder Arsenverbindungen. Lungenkrebs nach solchen Belastungen kann als Berufskrankheit anerkannt werden — das lohnt sich zu prüfen.
  • Luftverschmutzung: Feinstaub erhöht das Risiko messbar, aber deutlich weniger als Rauchen.
  • Vorerkrankungen und Veranlagung: COPD, Lungenfibrose, eine frühere Bestrahlung des Brustkorbs und Lungenkrebs bei nahen Verwandten.
Rauchstopp lohnt sich immer — auch nach der Diagnose. Wer aufhört, verträgt Operation und Bestrahlung oft besser und senkt das Risiko für einen zweiten Tumor. Nikotinersatz, Medikamente und Entwöhnungsprogramme erhöhen die Erfolgschancen deutlich im Vergleich zum Aufhören ohne Hilfe. Wichtig für brite-Nutzerinnen und -Nutzer: Tabakrauch beschleunigt den Abbau einiger Medikamente, etwa bestimmter Psychopharmaka oder des Asthmamittels Theophyllin. Nach dem Rauchstopp können deren Spiegel deutlich steigen — sag deiner Praxis Bescheid, bevor du aufhörst.

5. Diagnose: vom Befund zum Therapieplan

Besteht der Verdacht auf Lungenkrebs, folgt eine Kette von Untersuchungen. Sie klärt, ob es wirklich Krebs ist, welcher Typ, wie weit er sich ausgebreitet hat und ob du eine Operation verkraften würdest.¹

  • CT des Brustkorbs: Zeigt Lage, Größe und Lymphknoten deutlich genauer als ein Röntgenbild.
  • Gewebeprobe: Meist per Lungenspiegelung (Bronchoskopie), oft mit Ultraschall durch die Bronchialwand, oder per CT-gesteuerter Punktion. Ohne Gewebe keine sichere Diagnose und keine Tumorbiologie.
  • Ausbreitung (Staging): PET-CT für Lymphknoten und Metastasen, MRT des Kopfes für Hirnmetastasen.
  • Molekulare Testung und PD-L1: Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs Grundlage für zielgerichtete und Immuntherapie.
  • Lungenfunktion und Herz-Check: Entscheiden mit, ob und wie viel Lunge entfernt werden kann.
  • Tumorkonferenz: Fachleute aus Lungenheilkunde, Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie legen gemeinsam die Empfehlung fest.

Blutwerte wie Tumormarker eignen sich nicht, um Lungenkrebs festzustellen oder auszuschließen. Sinnvoll ist, die Behandlung in einem erfahrenen Zentrum zu planen, etwa einem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Lungenkrebszentrum. Für das Aufklärungsgespräch lohnt eine Vorbereitung — siehe Arzttermin vorbereiten.

6. Früherkennung mit dem Niedrigdosis-CT

Seit dem 1. April 2026 ist die Lungenkrebs-Früherkennung mit einer Niedrigdosis-Computertomografie eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Grundlage ist die Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung, die das Verfahren seit Juli 2024 unter strengen Qualitätsauflagen erlaubt, und ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses.⁴,⁵

Wer hat Anspruch?

  • Alter: 50 bis 75 Jahre.
  • Rauchdauer: mindestens 25 Jahre geraucht.
  • Menge: mindestens 15 Packungsjahre.
  • Ehemals Rauchende: Der Rauchstopp liegt weniger als zehn Jahre zurück.
So rechnest du Packungsjahre. Ein Packungsjahr entspricht einer Schachtel mit 20 Zigaretten täglich über ein Jahr. 20 Zigaretten am Tag über 15 Jahre ergeben 15 Packungsjahre — ebenso 10 Zigaretten am Tag über 30 Jahre.

So läuft es ab

  1. Eine teilnehmende hausärztliche oder internistische Praxis prüft, ob du die Voraussetzungen erfüllst, klärt dich über Nutzen und Risiken auf und überweist dich. Wer noch raucht, bekommt Informationen zur Tabakentwöhnung.
  2. Eine dafür zugelassene radiologische Praxis macht das Niedrigdosis-CT.
  3. Ist der Befund auffällig, beurteilt eine zweite Radiologin oder ein zweiter Radiologe aus einem Lungenkrebszentrum die Bilder mit.
  4. Ist alles unauffällig, folgt die nächste Untersuchung nach zwölf Monaten; kontrollbedürftige Befunde werden früher kontrolliert, verdächtige weiter abgeklärt.

Nutzen und Risiken — ehrlich abgewogen

Studien zeigen, dass das jährliche Niedrigdosis-CT bei starken Rauchenden die Sterblichkeit an Lungenkrebs senken kann, weil mehr Tumoren in einem heilbaren Stadium entdeckt werden.⁴ Dem stehen Nachteile gegenüber:

  • Falsch-positive Befunde: Häufig zeigen sich kleine Rundherde, die sich später als harmlos erweisen — mit Sorgen, Kontroll-CTs und manchmal unnötigen Eingriffen.
  • Überdiagnosen: Einige entdeckte Tumoren wären nie gefährlich geworden, werden aber trotzdem behandelt.
  • Strahlung: Die Dosis ist niedrig, aber nicht null — und sie wiederholt sich jährlich.
  • Zufallsbefunde: Auffälligkeiten an anderen Organen können weitere Abklärungen nach sich ziehen.
Was die Früherkennung nicht ist. Sie ist kein Angebot für Nichtrauchende, für Menschen unter 50 oder mit geringerer Rauchbelastung — für sie überwiegen die Nachteile. Ein normales Röntgenbild, Tumormarker oder Atemtests sind zur Früherkennung nicht geeignet. Und kein CT ersetzt den Rauchstopp: Er senkt das Risiko weit stärker als jede Untersuchung. Wer Beschwerden hat, wartet nicht auf den Screening-Termin, sondern lässt sie direkt abklären.

7. Therapie nach Stadium

Die Behandlung richtet sich nach Typ, Stadium, Tumorbiologie, Lungenfunktion und deinem Allgemeinzustand. Sie wird in der Tumorkonferenz geplant; die Entscheidung triffst du gemeinsam mit deinem Behandlungsteam. Heilversprechen gibt es bei Lungenkrebs nicht — aber in jedem Stadium wirksame Möglichkeiten.¹

Stadium I–II Früh erkannt: Ziel Heilung
Operation
Meist Entfernung des betroffenen Lungenlappens samt Lymphknoten, häufig minimalinvasiv. Die Therapie mit den besten Heilungschancen.
Stereotaktische Bestrahlung
Hochpräzise, wenige Sitzungen — für alle, die nicht operiert werden können oder wollen.
Ergänzende Therapie vor oder nach der OP
Je nach Befund Chemotherapie, Chemo-Immuntherapie oder bei bestimmten Treibermutationen eine zielgerichtete Tablette, um das Rückfallrisiko zu senken.
Stadium III Lokal fortgeschritten: Kombination
Radiochemotherapie plus Anschlusstherapie
Bestrahlung und Chemotherapie gemeinsam, danach je nach Tumorbiologie eine Immuntherapie oder zielgerichtete Tablette.
Operation mit Vor- und Nachbehandlung
In ausgewählten Fällen, wenn der Tumor vollständig entfernbar erscheint.
Stadium IV Metastasiert: Kontrolle und Lebensqualität
Zielgerichtete Therapie
Bei nachgewiesener Treibermutation meist eine täglich eingenommene Tablette, oft über lange Zeit.
Immuntherapie mit oder ohne Chemotherapie
Ohne Treibermutation Standard; die Wahl hängt unter anderem vom PD-L1-Wert ab. Ein Teil der Betroffenen profitiert über Jahre.
Lokale Behandlung und Palliativmedizin
Bestrahlung einzelner Metastasen, etwa im Gehirn oder Knochen. Die Leitlinie empfiehlt eine frühe palliativmedizinische Mitbetreuung — sie lindert Beschwerden und ist kein Zeichen, dass „nichts mehr geht".

Beim kleinzelligen Lungenkrebs ist eine Operation selten möglich. Ist er auf den Brustkorb begrenzt, wird meist eine Radiochemotherapie eingesetzt, oft mit anschließender Immuntherapie; im ausgedehnten Stadium Chemotherapie kombiniert mit Immuntherapie. Wegen des Risikos von Hirnmetastasen gehören Kopf-MRT-Kontrollen oder eine vorbeugende Schädelbestrahlung dazu.


8. Medikamente in der Krebstherapie

Eine Lungenkrebs-Therapie bedeutet selten nur ein Medikament: Zur Krebsbehandlung kommen Mittel gegen Übelkeit, Schmerzen, Thrombosen oder Nebenwirkungen — neben der bisherigen Dauermedikation. Das macht Wechselwirkungen und Einnahmefehler zu einem echten Risiko.⁶

Chemotherapie

Meist als Infusion in Zyklen. Typisch sind Übelkeit, gegen die heute wirksame Vorbeugung zur Verfügung steht, etwa mit Ondansetron; Müdigkeit, Blutbildveränderungen mit Infektgefahr und je nach Wirkstoff Haarausfall oder Nervenschäden an Händen und Füßen. Die vorbeugenden Mittel gegen Übelkeit wirken am besten, wenn du sie genau nach Plan nimmst — nicht erst, wenn dir schlecht ist.

Immuntherapie mit Checkpoint-Hemmern

Diese Antikörper lösen die Bremse des Immunsystems gegenüber dem Tumor. Die Kehrseite: Das Immunsystem kann auch gesunde Organe angreifen. Möglich sind Entzündungen von Lunge, Darm, Leber und Haut sowie Störungen der Hormondrüsen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion oder selten ein neuer Diabetes. Solche Nebenwirkungen können Wochen bis Monate nach Beginn auftreten, manchmal sogar nach Therapieende. Früh erkannt lassen sie sich meist gut behandeln, oft mit Cortison.⁶

Zielgerichtete Tabletten

Tyrosinkinase-Hemmer und verwandte Wirkstoffe nimmst du zu Hause, oft täglich über Monate oder Jahre. Damit liegt ein großer Teil der Verantwortung bei dir — und bei der Frage, was du sonst noch einnimmst:

  • Magensäureblocker: Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol verringern bei manchen dieser Tabletten die Aufnahme ins Blut.
  • Pflanzliches und Grapefruit: Johanniskraut kann die Wirkung deutlich abschwächen, Grapefruit sie verstärken, siehe Pflanzliche Arzneimittel.
  • Rauchen: Beschleunigt bei einzelnen Wirkstoffen den Abbau.
  • Einnahmeregeln: Manche Tabletten werden nüchtern, andere zum Essen eingenommen — die Vorgabe gilt für genau dein Präparat.
  • Typische Nebenwirkungen: Hautausschlag, Durchfall, Nagelbettentzündungen; je nach Wirkstoff auch Leberwert- oder Herzrhythmusveränderungen.

Krebs erhöht zudem das Risiko für eine Thrombose oder Lungenembolie; Gerinnungshemmer wiederum haben eigene Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten. Einen Überblick über typische Kombinationsprobleme gibt der Ratgeber Wechselwirkungen.

Diese Zeichen sind unter Krebstherapie ein Notfall. Fieber ab 38 °C während einer Chemotherapie kann auf eine gefährliche Infektion bei zu wenigen Abwehrzellen hinweisen — melde dich sofort über die Notfallnummer deines Zentrums oder in der Notaufnahme. Ebenso dringend unter Immuntherapie: neue Atemnot oder Husten, mehr als einige Durchfälle am Tag, Blut im Stuhl, Gelbfärbung der Haut. Setze zielgerichtete Tabletten nicht eigenmächtig ab oder aus, und beginne kein neues Mittel, auch nichts Pflanzliches, ohne Rücksprache — siehe Medikamente absetzen.

Tablette nüchtern, Antiemetikum nach Plan, Säureblocker zeitversetzt?

brite erinnert dich an jede Einnahme und prüft deine Medikamente auf Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen prüfen

9. Nachsorge und Leben danach

Nach einer Behandlung mit dem Ziel der Heilung folgt eine strukturierte Nachsorge. Sie soll Rückfälle und Zweittumoren früh erkennen, Folgen der Therapie behandeln und dich zurück in den Alltag begleiten.¹

  • Regelmäßige Kontrollen — in den ersten Jahren engmaschiger, meist mit CT-Untersuchungen, später in größeren Abständen.
  • Rehabilitation — eine Anschlussheilbehandlung nach Operation oder Radiochemotherapie mit Atemtherapie und Training hilft, Kraft und Belastbarkeit zurückzugewinnen.
  • Rauchfrei bleiben — der wichtigste Beitrag gegen einen zweiten Tumor.
  • Impfschutz — gegen Grippe, Pneumokokken und weitere Atemwegserreger, abgestimmt mit dem Behandlungsteam, siehe Impfungen für Erwachsene.
  • Seelische Unterstützung — Psychoonkologie und Krebsberatungsstellen helfen bei Angst vor dem Rückfall, bei Fragen zu Arbeit, Rente und Schwerbehindertenausweis.

Bei einer Langzeittherapie im metastasierten Stadium ist die „Nachsorge" eher eine Verlaufskontrolle: regelmäßige Bildgebung, um zu sehen, ob die Behandlung noch wirkt, und ein Wechsel, wenn nicht.


10. Alltag mit Lungenkrebs

  • Einen vollständigen Medikationsplan führen — Krebsmedikamente, Begleitmittel, Dauermedikation und Selbstgekauftes auf einer Liste, die jede Praxis sieht. Anleitung unter Medikationsplan erstellen.
  • Nebenwirkungen notieren — mit Datum und Stärke. Das hilft der Praxis, früh gegenzusteuern.
  • Gewicht halten — ungewollter Gewichtsverlust schwächt; eine Ernährungsberatung lohnt sich früh, nicht erst bei Mangelernährung.
  • In Bewegung bleiben — angepasstes Training, Lungensport und Atemtechniken wie die Lippenbremse verbessern Belastbarkeit und Luftnot, auch während der Therapie.
  • Angehörige einbinden — zu Terminen mitnehmen, die Notfallnummer des Zentrums teilen, Aufgaben verteilen.

Die Therapie ist heute vielfältiger und oft besser verträglich als ihr Ruf — aber sie verlangt Organisation. Wer Medikamente, Termine und Beschwerden im Griff hat, gewinnt Kraft für das, was zählt.

Nebenwirkungen früh erkennen statt spät berichten

Beschwerden, Gewicht und Einnahmen im Verlauf festhalten — für dich und dein Behandlungsteam.

Verlauf dokumentieren

FAQ: Häufige Fragen zu Lungenkrebs

Seit April 2026 haben gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 75 Jahren Anspruch auf ein jährliches Niedrigdosis-CT, wenn sie mindestens 25 Jahre geraucht haben und auf mindestens 15 Packungsjahre kommen. Ehemals Rauchende sind eingeschlossen, wenn ihr Rauchstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt. Erster Schritt ist ein Aufklärungsgespräch in einer teilnehmenden hausärztlichen oder internistischen Praxis.
Teile die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten durch 20 und multipliziere das Ergebnis mit der Zahl der Raucherjahre. Wer 20 Jahre lang täglich 30 Zigaretten geraucht hat, kommt auf 30 Packungsjahre. Bei wechselndem Konsum werden die Phasen einzeln berechnet und addiert.
In frühen Stadien ist eine Heilung, meist durch eine Operation oder eine gezielte Bestrahlung, gut möglich. Im metastasierten Stadium ist sie selten, doch Immuntherapien und zielgerichtete Tabletten ermöglichen vielen Betroffenen heute ein deutlich längeres Leben mit guter Lebensqualität. Die individuelle Prognose hängt von Typ, Stadium und Tumorbiologie ab.
Ja. Ursachen können Passivrauchen, Radon, berufliche Schadstoffe, Luftverschmutzung oder eine Veranlagung sein. Bei Menschen, die nie geraucht haben, liegt häufig ein Adenokarzinom mit einer Treibermutation vor, für die es oft eine gezielt wirkende Tablette gibt.
Ja. Wer aufhört, verträgt Operation und Bestrahlung oft besser, hat weniger Komplikationen und ein geringeres Risiko für einen zweiten Tumor. Informiere vorher deine Praxis, weil sich nach dem Rauchstopp die Spiegel mancher Medikamente verändern können.
Das aktivierte Immunsystem kann gesunde Organe angreifen, etwa Lunge, Darm, Leber, Haut oder Schilddrüse. Solche Nebenwirkungen können auch Monate nach Beginn oder nach Therapieende auftreten. Neue Atemnot, anhaltender Durchfall oder Gelbfärbung der Haut gehören sofort gemeldet, weil sie früh behandelt meist gut beherrschbar sind.
Nur nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam. Johanniskraut kann die Wirkung vieler Krebsmedikamente abschwächen, Grapefruit manche verstärken, und auch hochdosierte Nahrungsergänzungen sind nicht immer unbedenklich. Nimm alle selbst gekauften Präparate in deinen Medikationsplan auf.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Leitlinienprogramm Onkologie (DKG, Deutsche Krebshilfe, AWMF), AWMF Reg-Nr. 020-007OL, Living Guideline, Version 5 (2026). awmf.org
  2. Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut: Lungenkrebs (Bronchialkarzinom). Abgerufen 2026. krebsdaten.de
  3. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Lungenkrebs. Abgerufen 2026. krebsinformationsdienst.de
  4. Bundesamt für Strahlenschutz: Lungenkrebsfrüherkennung für starke Raucherinnen und Raucher. Abgerufen 2026. bfs.de
  5. Gemeinsamer Bundesausschuss: Lungenkrebs-Früherkennung für Raucherinnen und Raucher, Beschluss 2025, Kassenleistung ab April 2026. Abgerufen 2026. g-ba.de
  6. S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Leitlinienprogramm Onkologie (AWMF Reg-Nr. 032-054OL, aktuelle Fassung). awmf.org

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Husten, Heiserkeit oder Atemnot, die länger als drei bis vier Wochen anhalten, sowie Blut im Auswurf gehören ärztlich abgeklärt; Fieber ab 38 °C unter Chemotherapie ist ein Notfall. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: September 2026.