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Magenkrebs (Magenkarzinom): Warnzeichen, Therapie & Essen ohne (vollen) Magen
Auf einen Blick
HäufigkeitRund 14.600 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland, seit Jahrzehnten rückläufig; Männer häufiger betroffen als Frauen
Wichtigste UrsacheChronische Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori; daneben Rauchen, Alkohol, stark gesalzene Kost und familiäre Veranlagung
WarnzeichenSchluckbeschwerden, ungewollter Gewichtsverlust, wiederholtes Erbrechen, schwarzer Stuhl, Blutarmut — immer per Magenspiegelung abklären
TherapieFrühform endoskopisch; sonst meist Chemotherapie vor und nach der Operation; im metastasierten Stadium Chemo-, Immun- und zielgerichtete Therapie
Nach der OperationViele kleine Mahlzeiten, Vitamin B12 lebenslang nach Magenentfernung, auf Dumping und Mangelzustände achten
Magenkrebs ist ein bösartiger Tumor der Magenschleimhaut. In den allermeisten Fällen handelt es sich um ein Adenokarzinom, also einen Krebs, der von den Drüsenzellen der Schleimhaut ausgeht. Die Leitlinie fasst darunter auch Tumoren am Übergang von der Speiseröhre zum Magen, weil sie ähnlich behandelt werden.¹ Seltenere Tumoren des Magens wie Lymphome, gastrointestinale Stromatumoren (GIST) oder neuroendokrine Tumoren sind eigene Erkrankungen mit anderer Behandlung.
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 14.600 Menschen neu an Magenkrebs, Männer deutlich häufiger als Frauen; das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Anfang 70. Erkrankungs- und Sterberaten sinken seit Jahrzehnten — vor allem, weil Helicobacter-Infektionen seltener geworden sind und Lebensmittel heute gekühlt statt gepökelt und gesalzen werden.²
Das Problem: Magenkrebs macht sich lange kaum bemerkbar, und seine ersten Beschwerden ähneln denen harmloser Magenprobleme. Die meisten Menschen mit Druck im Oberbauch, Völlegefühl oder Magenschmerzen haben eine Gastritis oder einen Reizmagen — und keinen Krebs. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Frage, wann Beschwerden ein Warnzeichen sind, wie Magenkrebs behandelt wird und wie das Leben nach einer Magenoperation funktioniert.
2. Formen, Stadien und Tumorbiologie
Ärzte beschreiben Magenkrebs nach mehreren Merkmalen, die gemeinsam die Behandlung bestimmen:¹,³
Wachstumstyp nach Laurén: Der intestinale Typ bildet abgegrenzte Tumoren und entsteht oft auf dem Boden einer langjährigen Schleimhautentzündung. Der diffuse Typ wächst flächig in die Magenwand ein, tritt auch bei Jüngeren auf und ist schwerer abzugrenzen.
Lage: Tumoren im unteren Magen, im Magenkörper oder am Mageneingang beziehungsweise Übergang zur Speiseröhre. Die Lage entscheidet mit, ob ein Teil oder der ganze Magen entfernt werden muss.
Frühkarzinom: Der Tumor ist auf die oberen Wandschichten begrenzt. Manche Frühkarzinome lassen sich bei einer Magenspiegelung vollständig entfernen.
Stadium: Das TNM-System beschreibt, wie tief der Tumor in die Magenwand eingewachsen ist, ob Lymphknoten befallen sind und ob Metastasen bestehen, etwa im Bauchfell oder in der Leber.
Tumorbiologie: wichtig für die Medikamentenwahl
Das Tumorgewebe wird heute auf bestimmte Merkmale untersucht: das Eiweiß HER2, eine sogenannte Mikrosatelliteninstabilität (MSI), den PD-L1-Wert und das Oberflächeneiweiß Claudin 18.2. Je nach Ergebnis kommen unterschiedliche Antikörper infrage. Diese Testung gehört vor die Therapieentscheidung, besonders im fortgeschrittenen Stadium.¹
3. Symptome: Wann Magenbeschwerden ein Warnzeichen sind
Im Frühstadium verursacht Magenkrebs meist keine oder nur uncharakteristische Beschwerden. Später können folgende Zeichen auftreten — wichtig sind vor allem die sogenannten Alarmsymptome:¹,³
Unspezifisch: Druck oder Schmerzen im Oberbauch, frühes Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Aufstoßen.
Alarmzeichen Schluckbeschwerden: Speisen bleiben stecken — typisch für Tumoren am Mageneingang.
Alarmzeichen Gewichtsverlust: ungewollt und deutlich, oft zusammen mit Leistungsknick.
Alarmzeichen Erbrechen: wiederholt, vor allem wenn der Magenausgang eingeengt ist.
Alarmzeichen Blutung:schwarzer Teerstuhl, Bluterbrechen oder kaffeesatzartiges Erbrochenes.
Alarmzeichen Blutarmut: Müdigkeit, Blässe, Atemnot bei Belastung durch eine Eisenmangelanämie ohne erkennbaren Grund.
Säureblocker können Warnzeichen überdecken. Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol lindern auch die Beschwerden eines Magenkrebses — oft für Wochen. Wenn du ab etwa 50 Jahren erstmals neue, anhaltende Magenbeschwerden hast oder eines der Alarmzeichen bemerkst, sollte eine Magenspiegelung erfolgen, bevor die Beschwerden längere Zeit nur mit Säureblockern behandelt werden. Brauchst du die Mittel immer wieder, sprich das in der Praxis an — mehr im Ratgeber Magenprobleme durch Medikamente.
Bei Bluterbrechen oder schwarzem Stuhl mit Schwindel: sofort 112. Erbrechen von Blut oder kaffeesatzartigem Material, schwarzer, klebriger Stuhl zusammen mit Kreislaufbeschwerden, Herzrasen oder Ohnmacht und plötzliche heftige Bauchschmerzen sind Notfälle — unabhängig davon, ob ein Krebs dahintersteckt.
4. Ursachen und Risikofaktoren
Helicobacter pylori: Der Magenkeim ist der wichtigste Risikofaktor. Eine jahrzehntelange Infektion kann über eine chronische Entzündung und Schleimhautumbau zum Krebs führen. Die Behandlung der Infektion senkt das Risiko — deshalb empfehlen die Leitlinien unter anderem, Verwandte ersten Grades von Menschen mit Magenkrebs auf den Keim zu testen und ihn bei Nachweis zu behandeln. Mehr dazu im Beitrag Helicobacter pylori.²,⁴
Lebensstil: Rauchen, Alkohol, sehr salzreiche, gepökelte oder geräucherte Kost und viel verarbeitetes Fleisch erhöhen das Risiko.²
Reflux: Langjähriges Sodbrennen erhöht das Risiko für Tumoren am Übergang zur Speiseröhre.²
Vorerkrankungen: eine Autoimmungastritis (oft verbunden mit Vitamin-B12-Mangel), Magenpolypen bestimmter Art und frühere Magenoperationen.
Familie und Gene: Bei Verwandten ersten Grades ist das Risiko etwa zwei- bis dreifach erhöht. Seltene erbliche Syndrome wie der erbliche diffuse Magenkrebs oder das Lynch-Syndrom, das auch das Risiko für Darmkrebs erhöht, gehen mit einem sehr hohen Risiko einher.²
Epstein-Barr-Virus: spielt bei einem kleinen Teil der Magenkarzinome eine Rolle.²
Und Medikamente? Schmerzmittel wie Ibuprofen oder ASS können Magengeschwüre verursachen, gelten aber nicht als Auslöser von Magenkrebs. Bei Protonenpumpenhemmern zeigen Beobachtungsstudien bei Langzeiteinnahme einen statistischen Zusammenhang mit Magenkrebs; ob die Mittel selbst die Ursache sind oder die Grunderkrankungen der Anwender, ist nicht geklärt. Ein Grund zum eigenmächtigen Absetzen ist das nicht — aber ein guter Anlass, die Notwendigkeit einer Dauereinnahme regelmäßig zu überprüfen.
5. Diagnose: von der Magenspiegelung zum Therapieplan
Der entscheidende Schritt ist die Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Gewebeproben. Nur sie kann Magenkrebs sicher nachweisen oder ausschließen. Danach folgt die Ausbreitungsdiagnostik.¹
Magenspiegelung mit Biopsien: Mehrere Gewebeproben aus allen verdächtigen Stellen; dabei wird auch auf Helicobacter untersucht.
Endoskopischer Ultraschall: Zeigt, wie tief der Tumor in die Magenwand reicht und ob nahe Lymphknoten vergrößert sind.
CT von Brustkorb und Bauch: Sucht nach Metastasen, etwa in Leber, Lunge oder Lymphknoten.
Bauchspiegelung (Laparoskopie): Bei fortgeschrittenen Tumoren, um einen Befall des Bauchfells zu erkennen, den das CT oft übersieht.
Tumorbiologie: HER2, MSI, PD-L1 und Claudin 18.2 am Gewebe.
Ernährungsstatus und Allgemeinzustand: Gewichtsverlust und Muskelabbau beeinflussen Verträglichkeit und Prognose und werden früh behandelt.
Tumorkonferenz: Fachleute aus Gastroenterologie, Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie legen gemeinsam die Empfehlung fest.
Tumormarker im Blut eignen sich nicht, um Magenkrebs festzustellen oder auszuschließen. Die Behandlung sollte in einem erfahrenen Zentrum geplant werden, etwa in einem zertifizierten Magenkrebszentrum. Für das Aufklärungsgespräch hilft eine gute Vorbereitung — siehe Arzttermin vorbereiten.
6. Therapie nach Stadium
Die Behandlung richtet sich nach Stadium, Lage, Tumorbiologie und Allgemeinzustand. Sie wird in der Tumorkonferenz geplant; entscheiden tust du gemeinsam mit deinem Behandlungsteam. Heilung ist vor allem in frühen und lokal begrenzten Stadien möglich — aber auch danach gibt es wirksame Behandlungen.¹
FrühkarzinomEntfernung bei der Magenspiegelung
Endoskopische Resektion
Sehr frühe, oberflächliche Tumoren mit günstigen Eigenschaften lassen sich bei einer Spiegelung als Ganzes herausschälen — der Magen bleibt erhalten. Danach folgen regelmäßige Kontroll-Spiegelungen.
Lokal fortgeschrittenChemotherapie, Operation, Chemotherapie
Perioperative Chemotherapie
Bei Tumoren, die tiefer in die Magenwand reichen, erhalten fitte Betroffene in der Regel einige Zyklen Chemotherapie vor und nach der Operation, häufig nach dem FLOT-Schema (Fluorouracil, Folinsäure, Oxaliplatin, Docetaxel). Ob zusätzlich eine Immuntherapie infrage kommt, hängt von Tumoreigenschaften und aktuellen Zulassungen ab.¹
Operation
Entfernung des ganzen Magens (Gastrektomie) oder eines Teils davon, jeweils mit den umliegenden Lymphknoten. Bei der Gastrektomie wird eine Dünndarmschlinge direkt an die Speiseröhre angeschlossen. Tumoren am Übergang zur Speiseröhre können eine Operation an Speiseröhre und Magen erfordern.
MetastasiertKontrolle, Lebenszeit, Lebensqualität
Chemotherapie plus Antikörper
Grundlage ist meist eine Kombination aus einem Platin-Wirkstoff und einem Fluoropyrimidin. Je nach Tumorbiologie kommt ein Checkpoint-Hemmer (abhängig vom PD-L1-Wert), der HER2-Antikörper Trastuzumab oder der Claudin-18.2-Antikörper Zolbetuximab hinzu.¹
Weitere Therapielinien
Wächst der Tumor weiter, stehen weitere Kombinationen zur Verfügung, etwa Paclitaxel mit dem Antikörper Ramucirumab. Wie lange und mit welchem Ziel behandelt wird, besprichst du offen mit deinem Team.
Unterstützende und palliative Maßnahmen
Stents bei Engstellen, Behandlung von Blutungen, Ernährungstherapie, Schmerztherapie und eine frühe palliativmedizinische Mitbetreuung. Sie verbessert die Lebensqualität und bedeutet nicht, dass „nichts mehr geht“.
7. Medikamente in der Magenkrebs-Therapie
Zur Krebsbehandlung kommen Mittel gegen Übelkeit, Durchfall oder Schmerzen, Nahrungsergänzungen und die bisherige Dauermedikation. Einige Kombinationen sind dabei echte Stolperfallen.⁵
Fluorouracil und Capecitabin: drei wichtige Regeln
DPD-Test vor Beginn: Das Enzym Dihydropyrimidin-Dehydrogenase baut Fluorouracil und Capecitabin ab. Wer zu wenig davon hat, kann schwere bis lebensbedrohliche Nebenwirkungen bekommen. Laut Fachinformation soll deshalb vor Therapiebeginn auf einen DPD-Mangel getestet werden.⁵
Kein Brivudin: Das Gürtelrose-Mittel Brivudin darf nicht zusammen mit Fluorouracil oder Capecitabin genommen werden — auch nicht in den Wochen davor. Die Kombination kann tödlich verlaufen. Bekommst du während der Therapie eine Gürtelrose, sag in jeder Praxis und Apotheke, dass du ein Fluoropyrimidin bekommst.⁵
Blutverdünner: Capecitabin kann die Wirkung von Cumarinen wie Phenprocoumon deutlich verstärken. Der INR-Wert muss dann engmaschiger kontrolliert werden.⁵
Typische Nebenwirkungen der Chemotherapie
Oxaliplatin führt häufig zu Kribbeln und Missempfindungen an Händen, Füßen und im Mund, die durch Kälte ausgelöst oder verstärkt werden — in den Tagen nach der Infusion helfen Handschuhe beim Griff in den Kühlschrank und keine eiskalten Getränke. Docetaxel kann das Blutbild stark senken. Fluoropyrimidine verursachen Durchfall und wunde Schleimhäute, Capecitabin außerdem ein Hand-Fuß-Syndrom mit geröteter, schmerzender Haut an Handflächen und Fußsohlen.⁵,⁶ Gegen Übelkeit gibt es wirksame Vorbeugung, etwa mit Ondansetron; sie wirkt am besten, wenn sie genau nach Plan eingenommen wird — nicht erst, wenn dir schon schlecht ist.⁶
Immuntherapie und Antikörper
Checkpoint-Hemmer können Entzündungen in gesunden Organen auslösen, etwa in Darm, Leber, Lunge, Haut oder Schilddrüse — auch noch Monate nach Beginn. Unter Zolbetuximab sind Übelkeit und Erbrechen während der Infusion häufig, weshalb vorbeugend Mittel gegen Übelkeit gegeben werden. Trastuzumab kann die Herzleistung beeinträchtigen; die Herzfunktion wird deshalb regelmäßig kontrolliert.¹
Diese Zeichen sind unter Therapie ein Notfall. Fieber ab 38 °C während einer Chemotherapie kann eine gefährliche Infektion bei zu wenigen Abwehrzellen bedeuten — melde dich sofort über die Notfallnummer deines Zentrums oder in der Notaufnahme. Ebenso dringend: starker Durchfall, der nicht nachlässt, Bluterbrechen, schwarzer Stuhl, neue Atemnot oder Gelbfärbung der Haut. Setze Tabletten wie Capecitabin nicht eigenmächtig ab oder aus, und beginne kein neues Mittel ohne Rücksprache — siehe Medikamente absetzen.
Capecitabin, Antiemetikum, Blutverdünner — passt das zusammen?
brite erinnert dich an jede Einnahme und prüft deine Medikamente auf Wechselwirkungen.
Nach einer Gastrektomie fehlt der Speicher, der Nahrung portioniert, ansäuert und langsam an den Darm abgibt. Auch nach einer Teilentfernung ist der Magen deutlich kleiner. Der Körper gewöhnt sich daran — das dauert aber oft Monate, und ungewollter Gewichtsverlust ist in dieser Zeit häufig. Eine Ernährungsberatung gehört deshalb fest zur Behandlung, möglichst schon vor der Operation.¹,³
Viele kleine Mahlzeiten — sechs bis acht über den Tag verteilt statt drei großer.
Langsam essen, gründlich kauen — der Mund übernimmt einen Teil der Arbeit, die vorher der Magen gemacht hat.
Trinken und Essen trennen — größere Flüssigkeitsmengen lieber zwischen den Mahlzeiten als dazu, damit der Speisebrei nicht zu schnell in den Darm rutscht.
Zucker in Maßen, Eiweiß bei jeder Mahlzeit — Süßes und zuckerhaltige Getränke lösen leicht Dumping aus; Eiweiß hilft gegen Muskelabbau.
Verträglichkeit austesten — manche vertragen nach der Operation Milchprodukte schlechter als vorher, siehe Laktoseintoleranz; ein Ernährungstagebuch hilft beim Herausfinden.
Dumping-Syndrom erkennen
Früh-Dumping
Spät-Dumping
Wann?
Etwa 10 bis 30 Minuten nach dem Essen
Etwa 1 bis 3 Stunden nach dem Essen
Was passiert?
Nahrung strömt zu schnell in den Dünndarm und zieht Flüssigkeit aus dem Blut
Der Blutzucker steigt rasch an, viel Insulin wird ausgeschüttet, danach folgt eine Unterzuckerung
Kleinere Portionen, Trinken von Mahlzeiten trennen, nach dem Essen kurz hinlegen
Weniger schnell verfügbare Kohlenhydrate, Ballaststoffe; akut etwas Traubenzucker
Tabelle nach rechts scrollbar
Dumping-Beschwerden bessern sich bei den meisten Betroffenen mit der Zeit und mit angepasster Ernährung. Halten sie an, kann die Praxis weitere Maßnahmen prüfen.³
9. Tabletten und Nährstoffe nach der Magen-OP
Ohne Magen oder mit kleinem Restmagen ändert sich, was der Körper aus der Nahrung — und teilweise auch aus Tabletten — aufnehmen kann. Die wichtigsten Punkte:¹,³
Vitamin B12 lebenslang: Für die Aufnahme von Vitamin B12 braucht der Darm einen Hilfsstoff aus der Magenschleimhaut, den sogenannten Intrinsic Factor. Nach einer Gastrektomie fehlt er; ohne Ersatz entwickelt sich über Monate bis Jahre ein Mangel mit Blutarmut und Nervenschäden. B12 wird deshalb lebenslang ersetzt, meist als Spritze in regelmäßigen Abständen. Ob hochdosierte Tabletten ausreichen, entscheidet die Praxis anhand der Blutwerte. Mehr unter Vitamin-B12-Mangel.
Eisen: Ohne Magensäure und weil der Zwölffingerdarm oft umgangen wird, sinkt die Eisenaufnahme. Bei Mangel kommen Eisenpräparate oder Eiseninfusionen infrage.
Calcium und Vitamin D: Auch ihre Aufnahme kann sinken; langfristig steigt das Risiko für Osteoporose. Blutwerte und gegebenenfalls Knochendichte werden kontrolliert.
Fettstuhl: Wenn Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig mit der Nahrung vermischt werden, kann es zu fettigem, übel riechendem Stuhl kommen. Dann können Enzymkapseln zu den Mahlzeiten helfen.
Säureblocker überprüfen: Nach einer kompletten Magenentfernung wird keine Magensäure mehr gebildet. Ob ein Protonenpumpenhemmer dann noch nötig ist, sollte die Praxis prüfen; Rückfluss von Gallensaft lässt sich damit ohnehin kaum beeinflussen.
Große Tabletten und Retardformen: Schluckprobleme an der Verbindungsstelle kommen vor. Frag vor dem Teilen oder Mörsern, ob das beim jeweiligen Präparat erlaubt ist — Tipps im Ratgeber Tabletten schlucken.
Medikationsplan neu aufsetzen: Nach der Operation hat sich oft vieles verändert — Gewicht, Blutdruck, Blutzucker. Lass deine gesamte Dauermedikation überprüfen, siehe Dauermedikation überprüfen.
10. Nachsorge und Alltag
Nach einer Behandlung mit dem Ziel der Heilung folgt eine strukturierte Nachsorge. Sie richtet sich nach Beschwerden, Ernährungszustand und Mangelzuständen; nach einer endoskopischen Entfernung kommen regelmäßige Kontroll-Spiegelungen hinzu.¹
Gewicht regelmäßig messen — einmal pro Woche, immer zur gleichen Zeit. Ein weiterer Gewichtsverlust ist ein Grund, früh mit Praxis und Ernährungsberatung zu sprechen.
Rehabilitation nutzen — eine Anschlussheilbehandlung mit Ernährungsschulung und Training hilft, Kraft und Routine zurückzugewinnen.
Familie informieren — Verwandte ersten Grades sollten sich auf Helicobacter pylori testen lassen; bei sehr jungen Betroffenen oder mehreren Fällen in der Familie kann eine genetische Beratung sinnvoll sein.⁴
Nahrungsergänzung abstimmen — nicht alles hilft, manches stört die Therapie. Was du ergänzt, gehört in den Medikationsplan, siehe Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.
Rauchfrei und alkoholarm leben — Alkohol wirkt ohne Magen schneller und stärker, weil er ungebremst in den Darm gelangt.
Seelische Unterstützung — Psychoonkologie und Krebsberatungsstellen helfen bei Angst vor dem Rückfall und bei Fragen zu Arbeit, Rente und Schwerbehindertenausweis.
Einen vollständigen Überblick über alle Medikamente, Ergänzungen und Spritzentermine zu behalten, ist nach einer Magenoperation wichtiger als vorher. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Medikationsplan erstellen.
B12-Spritze fällig? Gewicht gesunken?
Termine, Gewicht und Beschwerden nach der Magen-OP im Verlauf festhalten — für dich und dein Behandlungsteam.
Im Frühstadium gibt es meist keine typischen Beschwerden. Später können Oberbauchschmerzen, frühes Sättigungsgefühl und Appetitlosigkeit auftreten. Als Alarmzeichen gelten Schluckbeschwerden, ungewollter Gewichtsverlust, wiederholtes Erbrechen, schwarzer Stuhl und eine unerklärte Blutarmut; sie sollten per Magenspiegelung abgeklärt werden.
Ja. Nach einer Gastrektomie wird der Dünndarm direkt mit der Speiseröhre verbunden. Viele kleine Mahlzeiten, langsames Essen und das Trennen von Essen und Trinken helfen bei der Umstellung. Vitamin B12 muss lebenslang ersetzt werden, und Eisen, Calcium und Vitamin D werden regelmäßig kontrolliert.
In frühen Stadien ist eine Heilung durch endoskopische Entfernung oder Operation gut möglich. Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren verbessert eine Chemotherapie vor und nach der Operation die Chancen. Im metastasierten Stadium ist Heilung selten, Chemo-, Immun- und zielgerichtete Therapien können das Leben aber verlängern und Beschwerden lindern.
Eine langjährige Helicobacter-Infektion ist der wichtigste Risikofaktor für Magenkrebs, auch wenn nur ein kleiner Teil der Infizierten erkrankt. Die Behandlung der Infektion senkt das Risiko. Verwandten ersten Grades von Menschen mit Magenkrebs wird ein Test auf den Keim empfohlen.
Nach einer Magenoperation gelangt Nahrung zu schnell in den Dünndarm. Beim Früh-Dumping kommt es kurz nach dem Essen zu Bauchkrämpfen, Durchfall, Herzklopfen und Schwindel, beim Spät-Dumping ein bis drei Stunden danach zu Unterzuckerung mit Schwitzen und Zittern. Kleinere Mahlzeiten, weniger Zucker und das Trennen von Essen und Trinken helfen meist.
Ja, Protonenpumpenhemmer können die Beschwerden eines Magenkrebses vorübergehend lindern und so die Diagnose verzögern. Bei neuen, anhaltenden Magenbeschwerden ab etwa 50 Jahren oder bei Alarmzeichen sollte deshalb eine Magenspiegelung erfolgen, statt längere Zeit nur Säureblocker einzunehmen.
Capecitabin und Fluorouracil werden vom Enzym DPD abgebaut. Menschen mit einem DPD-Mangel können schwere, teils lebensbedrohliche Nebenwirkungen entwickeln. Deshalb soll laut Fachinformation vor Therapiebeginn auf einen solchen Mangel getestet werden, damit die Dosis angepasst oder eine andere Behandlung gewählt werden kann.
S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs, Leitlinienprogramm Onkologie (DKG, Deutsche Krebshilfe, AWMF), AWMF Reg-Nr. 032-009OL, Version 3.1 (2025). awmf.org
Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut: Magenkrebs (Magenkarzinom), Stand 2026. Abgerufen 2026. krebsdaten.de
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Magenkrebs — Symptome, Behandlung, Ernährung nach Magenoperation. Abgerufen 2026. krebsinformationsdienst.de
Fachinformationen Fluorouracil- und Capecitabin-haltiger Arzneimittel (DPD-Testung vor Therapiebeginn, Kontraindikation Brivudin, Wechselwirkung mit Cumarinen) sowie Rote-Hand-Brief zur DPD-Testung (BfArM, 2020). fachinfo.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Schluckbeschwerden, ungewollter Gewichtsverlust, wiederholtes Erbrechen oder schwarzer Stuhl gehören ärztlich abgeklärt; Bluterbrechen und Fieber ab 38 °C unter Chemotherapie sind Notfälle. Nimm während einer Therapie mit Fluorouracil oder Capecitabin kein Brivudin ein. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: November 2026.