Mandelentzündung (Tonsillitis):
Symptome, Ursachen & Behandlung

Auf einen Blick

HäufigkeitSehr häufig — besonders bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen; einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch mit Halsschmerzen
Andere NamenTonsillitis, Angina tonsillaris, Angina, Mandelentzündung
LeitsymptomStarke Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden, oft mit Fieber und geschwollenen Mandeln
DiagnoseBlick in den Rachen plus Centor-/McIsaac-Score zur Einschätzung, ob Bakterien wahrscheinlich sind; bei Bedarf Streptokokken-Test
ErstlinieMeist nur Selbsthilfe und Schmerzmittel (viral); ein Antibiotikum nur, wenn Streptokokken wahrscheinlich sind
ICD-10J03.9 (akute Tonsillitis, nicht näher bezeichnet)

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Mandelentzündung?
  2. Viral oder bakteriell? Der entscheidende Unterschied
  3. Symptome
  4. Ursachen & Ansteckung
  5. Diagnose & Centor-Score
  6. Behandlung: Selbsthilfe
  7. Behandlung: Antibiotika im Klartext
  8. Abgrenzung: Pfeiffersches Drüsenfieber
  9. Mandel-OP, Verlauf & Komplikationen
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Bei zunehmender einseitiger Halsschwellung mit kloßiger Sprache und Mundöffnungssperre oder bei Atemnot und ständigem Speichelfluss ist sofort ärztliche Hilfe nötig — im Zweifel den Notruf 112 wählen.

1. Was ist eine Mandelentzündung?

Eine Mandelentzündung (Tonsillitis) ist eine akute Entzündung der Gaumenmandeln — der beiden ovalen Lymphgewebe-Polster, die links und rechts hinten im Rachen liegen. Die Mandeln sind Teil der Abwehr und gehören zum lymphatischen Rachenring. Gerade weil sie am Eingang von Mund und Rachen sitzen, kommen sie ständig mit Krankheitserregern in Kontakt und entzünden sich entsprechend leicht. Umgangssprachlich wird die Erkrankung oft einfach Angina genannt — nicht zu verwechseln mit der Angina pectoris am Herzen, mit der sie nichts zu tun hat.

Typisch sind starke Halsschmerzen, die beim Schlucken schlimmer werden, gerötete und geschwollene Mandeln und häufig Fieber. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist eine Mandelentzündung harmlos und heilt von selbst wieder aus — vor allem, wenn Viren die Ursache sind. Die eigentliche Kunst liegt weniger in einer aufwendigen Behandlung als darin, die wenigen Fälle zu erkennen, bei denen ein Antibiotikum oder eine ärztliche Abklärung wirklich nötig ist.

Ärztlich wird zwischen der akuten Mandelentzündung (eine einmalige, plötzlich auftretende Infektion), der wiederkehrenden (rezidivierenden) Form mit mehreren Schüben pro Jahr und der chronischen Tonsillitis unterschieden, bei der die Mandeln dauerhaft entzündet bleiben. Diese Einteilung ist wichtig, weil sie mitbestimmt, ob und wann über eine Operation nachgedacht wird — dazu später mehr.

Die gute Nachricht Die meisten Mandelentzündungen sind viral bedingt und klingen innerhalb von etwa einer Woche von allein ab. Wichtig ist vor allem eine konsequente Schmerzlinderung — damit du trinken, essen und schlafen kannst, während dein Körper die Infektion selbst bekämpft.

2. Viral oder bakteriell? Der entscheidende Unterschied

Die wichtigste Frage bei einer Mandelentzündung lautet nicht „wie schlimm", sondern „viral oder bakteriell?". Denn davon hängt ab, ob ein Antibiotikum überhaupt sinnvoll ist. Und die Antwort überrascht viele: Der größte Teil aller Mandel- und Halsentzündungen — bei Erwachsenen deutlich über die Hälfte, bei kleinen Kindern noch mehr — wird durch Viren ausgelöst. Gegen Viren wirken Antibiotika grundsätzlich nicht.¹

Bei den bakteriellen Formen sind vor allem A-Streptokokken (genauer: β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A) verantwortlich. Diese Bakterien sind der eigentliche Grund, warum Antibiotika bei Halsschmerzen überhaupt eine Rolle spielen — sie können in seltenen Fällen Komplikationen auslösen und lassen sich mit Penicillin gut behandeln.

MerkmalEher viralEher bakteriell (Streptokokken)
Husten & Schnupfenhäufig dabeimeist nicht
Heiserkeithäufigselten
Fiebereher mäßigoft über 38 °C
Beläge auf den Mandelnmöglich, eher geringoft eitrige Stippchen/Beläge
Lymphknoten am Halsleicht geschwollendeutlich geschwollen, druckschmerzhaft
Typisches Alteralle, auch Kleinkinderv. a. 3–15 Jahre
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Wichtig: Diese Merkmale sind Hinweise, keine Beweise. Kein einzelnes Zeichen — auch nicht Eiter auf den Mandeln — belegt sicher eine bakterielle Infektion, und viele Virusinfekte sehen einer Streptokokken-Angina täuschend ähnlich. Genau deshalb nutzt man in der Praxis einen einfachen Punkte-Score, um die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen (siehe Kapitel Diagnose). Als grobe Faustregel gilt: Je mehr klassische Erkältungszeichen wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit dabei sind, desto wahrscheinlicher viral — und desto unwahrscheinlicher hilft ein Antibiotikum.


3. Symptome

Eine akute Mandelentzündung beginnt meist plötzlich. Im Vordergrund stehen Beschwerden im Hals, oft begleitet von einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Typisch sind:

  • Starke Halsschmerzen, die häufig bis in die Ohren ausstrahlen und beim Schlucken deutlich zunehmen
  • Schluckbeschwerden — Trinken und Essen fallen schwer, manchmal wird sogar das Schlucken von Speichel unangenehm
  • Gerötete, geschwollene Mandeln, oft mit weißlich-gelben Stippchen oder Belägen (Eiter)
  • Fieber und Schüttelfrost, besonders bei bakteriellen Formen
  • Geschwollene Lymphknoten am Kieferwinkel und Hals, die auf Druck schmerzen
  • Mundgeruch, eine „kloßige" Sprache und ein allgemeines Gefühl von Abgeschlagenheit
  • Bei Kindern zusätzlich häufig Bauchschmerzen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit

Kommen Husten, Schnupfen und Heiserkeit hinzu, spricht das eher für einen viralen Infekt, bei dem die Mandeln als Teil einer allgemeinen Erkältung mitbetroffen sind. Fehlen diese Erkältungszeichen und stehen hohes Fieber, eitrige Beläge und dick geschwollene Halslymphknoten im Vordergrund, wird eine bakterielle Ursache wahrscheinlicher.

Die Beschwerden erreichen meist nach zwei bis drei Tagen ihren Höhepunkt und bessern sich dann schrittweise. Eine unkomplizierte Mandelentzündung ist in der Regel nach etwa einer Woche überstanden. Halten die Beschwerden deutlich länger an, verschlimmern sie sich wieder oder treten sehr einseitig auf, sollte das ärztlich abgeklärt werden.


4. Ursachen & Ansteckung

Eine Mandelentzündung entsteht durch Krankheitserreger, die über die Atemluft oder durch Kontakt in den Rachen gelangen. Die Erreger werden per Tröpfcheninfektion übertragen — also beim Husten, Niesen oder Sprechen — sowie über die Hände und gemeinsam genutzte Gegenstände wie Gläser oder Besteck.¹

  • Viren: die häufigste Ursache. Dazu gehören klassische Erkältungsviren, aber auch bestimmte andere Viren. Eine Sonderrolle spielt das Epstein-Barr-Virus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber auslöst (siehe eigenes Kapitel).
  • Bakterien: vor allem A-Streptokokken. Sie sind für den größeren Teil der Fälle verantwortlich, bei denen ein Antibiotikum in Frage kommt, und treten gehäuft bei Kindern im Schulalter auf.

Begünstigt werden Mandelentzündungen durch alles, was das Immunsystem fordert oder viele Menschen auf engem Raum zusammenbringt: die kalte Jahreszeit, Aufenthalt in Kindergärten und Schulen, ein geschwächtes Immunsystem sowie Rauchen und trockene Heizungsluft, die die Schleimhäute reizen.

Zur Ansteckung: Solange Fieber besteht, ist die Ansteckungsgefahr am höchsten. Bei einer bakteriellen (Streptokokken-)Mandelentzündung ist man in der Regel etwa 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie nicht mehr ansteckend — vorher gilt: Abstand halten, in die Armbeuge husten und Hände waschen. Ohne Antibiotikum kann die Ansteckungsfähigkeit länger anhalten. Kinder sollten erst wieder in die Betreuung, wenn sie fieberfrei sind und sich wieder fit fühlen.


5. Diagnose & Centor-Score

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt zunächst durch Anschauen und Abtasten: Blick in den geröteten Rachen, Beurteilung der Mandeln und ihrer Beläge, Abtasten der Halslymphknoten und Messen des Fiebers. Aus diesen Beobachtungen lässt sich abschätzen, wie wahrscheinlich Streptokokken als Ursache sind — und genau dafür wurden einfache Punkte-Scores entwickelt.¹,²

Der bekannteste ist der Centor-Score, für Kinder wird er als McIsaac-Score um das Alter ergänzt. Die Idee dahinter: Vier leicht zu prüfende Kriterien werden mit je einem Punkt bewertet. Je mehr Punkte, desto wahrscheinlicher stecken Bakterien dahinter.

  • Fieber über 38 °C in der Vorgeschichte — 1 Punkt
  • Kein Husten — 1 Punkt (Husten spricht eher für einen Virusinfekt)
  • Geschwollene, druckschmerzhafte Halslymphknoten am Kieferwinkel — 1 Punkt
  • Beläge oder Schwellung der Mandeln (Tonsillenexsudat) — 1 Punkt

Beim McIsaac-Score kommt das Alter hinzu: Kinder von 3 bis 14 Jahren erhalten einen zusätzlichen Punkt, bei Erwachsenen ab 45 Jahren wird ein Punkt abgezogen. So grob lässt sich die Wahrscheinlichkeit einordnen:

PunkteStreptokokken wahrscheinlich?Übliches Vorgehen
0–1unwahrscheinlichmeist nur Selbsthilfe, kein Antibiotikum
2–3möglichabwägen, ggf. Streptokokken-Schnelltest
4 und mehrwahrscheinlicherAntibiotikum kann sinnvoll sein
Tabelle nach rechts scrollbar

Wichtig zu verstehen: Selbst bei hoher Punktzahl ist ein Antibiotikum kein Automatismus. Die aktuellen Leitlinien betonen, dass Halsschmerzen — auch durch Streptokokken — meist von selbst ausheilen und ein Antibiotikum den Verlauf nur um etwa einen Tag verkürzt. Deshalb wird der Score gemeinsam mit dem Gesamtbild und deinen Beschwerden abgewogen, statt Halsschmerzen pauschal mit Antibiotika zu behandeln.

Bei unklaren Fällen kann ein Streptokokken-Schnelltest per Rachenabstrich helfen. Er ist aber nicht immer nötig und nicht immer aussagekräftig: Streptokokken lassen sich auch bei gesunden Trägern nachweisen, ohne dass sie die Beschwerden verursachen. Ein Bluttest oder eine genauere Untersuchung kommen dann hinzu, wenn der Verdacht auf ein Pfeiffersches Drüsenfieber oder eine Komplikation besteht.

6. Behandlung: Selbsthilfe

Weil die meisten Mandelentzündungen viral bedingt sind und von selbst ausheilen, steht bei fast jeder Behandlung die Linderung der Beschwerden im Vordergrund — unabhängig davon, ob am Ende ein Antibiotikum dazukommt. Ziel ist, dass du trotz der Halsschmerzen trinken, essen und schlafen kannst, während dein Körper die Infektion selbst bekämpft.¹

Gut belegt und einfach umzusetzen sind vor allem eine konsequente Schmerzlinderung und ausreichend Flüssigkeit. Viele der bekannten Hausmittel wirken zusätzlich wohltuend, auch wenn sie die Erkrankung nicht abkürzen — sie machen die Tage bis zur Ausheilung erträglicher.

Basis Selbsthilfe — hilft bei jeder Form
Viel trinken
Ausreichend Flüssigkeit hält die Schleimhäute feucht und beugt einer Austrocknung durch das Fieber vor. Angenehm sind lauwarme oder kühle Getränke und Tees — was gerade guttut, ist erlaubt.
Kühlen & Gurgeln
Kühles wie Eis oder kalte Getränke lindern den Schmerz. Auch Gurgeln mit Salzwasser oder Lutschtabletten können wohltuend sein — sie verkürzen die Krankheit nicht, machen sie aber erträglicher.
Schonung
Körperliche Ruhe unterstützt das Immunsystem. Weiche, nicht zu heiße und nicht zu scharfe Kost erleichtert das Schlucken, wenn feste Nahrung schwerfällt.
Schmerzmittel
Ibuprofen und Paracetamol lindern Schmerzen und senken Fieber. Sie sind bei Halsschmerzen oft der wirksamste Baustein — regelmäßig und ausreichend dosiert nach Packungsbeilage.
Schmerzmittel richtig nutzen Gegen die Halsschmerzen sind rezeptfreie Schmerzmittel meist wirksamer als jedes Hausmittel. Wichtig ist, sie regelmäßig und in ausreichender Dosis einzunehmen, statt zu lange zu warten. Bei Unsicherheit zu Dosis, Höchstmenge oder Kombinationen berät dich deine Apotheke.

7. Behandlung: Antibiotika im Klartext

Der häufigste Irrtum bei Mandelentzündung ist die Erwartung, dass „bei so starken Halsschmerzen" ein Antibiotikum her muss. Tatsächlich ist ein Antibiotikum nur dann sinnvoll, wenn eine bakterielle Ursache (Streptokokken) wahrscheinlich ist — und selbst dann verkürzt es den Verlauf im Schnitt nur um etwa einen Tag. Gegen die weit häufigeren viralen Formen wirkt es überhaupt nicht.¹,²

Warum dann überhaupt behandeln? Ein Antibiotikum kann bei nachgewiesener Streptokokken-Angina die Beschwerden etwas schneller lindern, die Ansteckungszeit verkürzen und in seltenen Fällen bestimmte Komplikationen unwahrscheinlicher machen. Diesen möglichen Nutzen wägt man gegen Nebenwirkungen und die Förderung von Antibiotika-Resistenzen ab. Deshalb gilt der Grundsatz: so gezielt wie möglich, so selten wie nötig.

Erstlinie Wenn ein Antibiotikum sinnvoll ist
Penicillin V
Das Mittel der ersten Wahl bei nachgewiesener Streptokokken-Angina. Es wirkt zuverlässig gegen A-Streptokokken, ist gut untersucht und hat ein enges, schonendes Wirkspektrum. Üblich ist eine Einnahme über mehrere Tage — auch wenn es dir schon besser geht.
Ein breiteres Penicillin, das ebenfalls häufig eingesetzt wird, gerade bei Kindern. Wichtig: Steckt in Wahrheit ein Pfeiffersches Drüsenfieber dahinter, kann Amoxicillin einen typischen Hautausschlag auslösen — ein Grund, die Diagnose vorher gut abzuklären.
Bei Penicillin-Allergie
Wer Penicillin nicht verträgt, erhält ein Ausweich-Antibiotikum (zum Beispiel aus der Gruppe der Makrolide). Welches genau, entscheidet die Praxis anhand von Allergie und Verträglichkeit.
Immer dazu: Schmerzmittel
Auch wenn ein Antibiotikum verordnet wird, bleiben Ibuprofen oder Paracetamol die tragende Säule der Schmerzlinderung — das Antibiotikum wirkt nicht sofort.
Antibiotikum immer zu Ende nehmen Wird ein Antibiotikum verordnet, solltest du es über die volle verschriebene Dauer einnehmen — auch wenn die Beschwerden schon nach zwei bis drei Tagen deutlich nachlassen. Ein zu frühes Absetzen kann dazu führen, dass nicht alle Bakterien beseitigt werden. Änderungen bitte immer mit der Praxis besprechen.

Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden sind kein Grund, eigenmächtig aufzuhören — oft hilft schon ein Gespräch mit der Praxis oder Apotheke. Wenn du mehrere Mittel gleichzeitig nimmst, lohnt sich ein Blick auf mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten.

Behalte deine Behandlung im Griff

brite erinnert dich an jede Antibiotika- und Schmerzmittel-Dosis und dokumentiert deinen Verlauf lückenlos — bereit fürs nächste Arztgespräch.

  • Einnahme-Erinnerung für jede Dosis
  • Symptomverlauf auf einen Blick
  • Wechselwirkungen im Check
Medikamentenplan anlegen

8. Abgrenzung: Pfeiffersches Drüsenfieber

Eine besonders wichtige Abgrenzung ist das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose), ausgelöst durch das Epstein-Barr-Virus. Es kann einer bakteriellen Mandelentzündung zum Verwechseln ähnlich sehen — mit dick geschwollenen, belegten Mandeln und starken Halsschmerzen. Weil es aber viral ist, wirkt kein Antibiotikum, und genau hier passieren Fehleinschätzungen.¹

Ein paar Merkmale machen ein Drüsenfieber wahrscheinlicher:

  • Ausgeprägte, oft wochenlange Müdigkeit und Abgeschlagenheit, die deutlich über einen normalen Infekt hinausgeht
  • Stark geschwollene Lymphknoten nicht nur am Hals, sondern teils am ganzen Körper
  • Eine vergrößerte Milz, die ärztlich getastet werden kann
  • Häufiger bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (Spitzname „Kusskrankheit", weil es über Speichel übertragen wird)

Der Verdacht lässt sich über eine Blutuntersuchung bestätigen. Die Behandlung ist rein symptomatisch — Schonung, Schmerzmittel, Flüssigkeit. Ein wichtiger praktischer Punkt: Bekommt man beim Drüsenfieber irrtümlich Amoxicillin, kann ein ausgeprägter Hautausschlag entstehen. Und weil die Milz vergrößert sein kann, sollte für einige Wochen auf Kontaktsport und starke körperliche Belastung verzichtet werden, um eine Verletzung der Milz zu vermeiden.

Wiederkehrende Halsentzündungen im Blick

Dokumentiere in brite jede Episode mit Datum, Fieber und Behandlung — die beste Grundlage, um mit deiner HNO-Praxis über wiederkehrende Mandelentzündungen zu sprechen.

Verlauf dokumentieren

9. Mandel-OP, Verlauf & Komplikationen

Die meisten Mandelentzündungen heilen folgenlos aus. In bestimmten Situationen wird jedoch über eine Operation der Mandeln nachgedacht, und in seltenen Fällen können Komplikationen auftreten, die rasches Handeln erfordern.

Wann kommt eine Mandel-OP infrage? Nicht bei einer einzelnen Mandelentzündung. Diskutiert wird ein Eingriff vor allem bei häufig wiederkehrenden Entzündungen. Als grobe Orientierung gelten mehrere ärztlich dokumentierte, mit Antibiotika behandelte Episoden pro Jahr über einen längeren Zeitraum. Man unterscheidet die vollständige Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) und die teilweise Verkleinerung (Tonsillotomie), die vor allem bei Kindern mit stark vergrößerten Mandeln und Atem- oder Schluckproblemen eine Rolle spielt. Die Entscheidung ist immer eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken gemeinsam mit einer HNO-Praxis — ein häufiger Grund für einen Eingriff ist ein wiederholter Mandelabszess.

Mögliche Komplikationen sind selten, aber wichtig zu kennen:

  • Peritonsillarabszess: eine Eiteransammlung neben der Mandel. Typisch sind zunehmende, meist einseitige Halsschmerzen, eine kloßige Sprache, eine erschwerte Mundöffnung (Kieferklemme) und ein deutliches Krankheitsgefühl. Das muss rasch ärztlich behandelt werden.
  • Ausbreitung der Infektion in benachbarte Räume des Halses — sehr selten, aber ernst.
  • Rheumatisches Fieber und Nierenentzündung: seltene Folgereaktionen nach einer Streptokokken-Angina, die den ganzen Körper betreffen können. In Ländern mit guter medizinischer Versorgung sind sie heute selten geworden — sie sind aber der eigentliche Hintergrund, warum eine Streptokokken-Angina überhaupt mit Antibiotika behandelt wird.
Sofort ärztlich abklären — im Zweifel 112 Eine zunehmende, meist einseitige Halsschwellung mit kloßiger Sprache und erschwerter Mundöffnung (Kieferklemme) kann auf einen Peritonsillarabszess hindeuten. Kommen Atemnot, ständiger Speichelfluss (weil das Schlucken nicht mehr gelingt) oder eine rasch zunehmende Schwellung von Hals und Mundboden hinzu, wähle umgehend den Notruf 112 — das kann die Atemwege bedrohen.

So hilft brite dir bei Mandelentzündung

Eine Mandelentzündung behandelt man über Tage — mit Schmerzmitteln, oft im festen Rhythmus, manchmal zusätzlich mit einem Antibiotikum über die volle Dauer. Die Behandlung wirkt nur, wenn sie zuverlässig läuft und du den Verlauf im Blick behältst. Genau dabei unterstützt brite.

  • Einnahme-Erinnerung — Schmerzmittel im festen Rhythmus und das Antibiotikum über die volle verordnete Dauer, ganz ohne Lücken. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Fieber, Halsschmerzen und Krankheitstage dokumentieren und als Verlauf zum Termin mitbringen. Ideal, um wiederkehrende Episoden zu erkennen. Verlauf tracken
  • Wechselwirkungs-Check — prüft, ob sich dein Antibiotikum, Schmerzmittel und weitere Medikamente vertragen. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan — alle Präparate übersichtlich für Hausarzt, HNO und Apotheke. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu Mandelentzündung

Eine unkomplizierte Mandelentzündung ist meist nach etwa einer Woche überstanden. Die Beschwerden erreichen nach zwei bis drei Tagen ihren Höhepunkt und bessern sich dann. Halten sie deutlich länger an, verschlimmern sich wieder oder treten sehr einseitig auf, solltest du das ärztlich abklären lassen.
Meist nicht. Die meisten Mandelentzündungen sind viral bedingt, da wirkt ein Antibiotikum nicht. Nur wenn Streptokokken wahrscheinlich sind — abgeschätzt über den Centor-Score und gegebenenfalls einen Test — kann ein Antibiotikum sinnvoll sein. Es verkürzt den Verlauf allerdings im Schnitt nur um etwa einen Tag.
Sicher lässt sich das nicht am Gefühl erkennen. Husten, Schnupfen und Heiserkeit sprechen eher für Viren. Hohes Fieber, eitrige Beläge und dick geschwollene Halslymphknoten ohne Husten machen Streptokokken wahrscheinlicher. In der Praxis hilft der Centor- beziehungsweise McIsaac-Score, gegebenenfalls ergänzt durch einen Rachenabstrich.
Der Centor-Score ist ein einfaches Punkte-System, das abschätzt, wie wahrscheinlich Streptokokken hinter den Halsschmerzen stecken. Je ein Punkt gibt es für Fieber über 38 Grad, fehlenden Husten, geschwollene Halslymphknoten und Beläge auf den Mandeln. Der McIsaac-Score ergänzt das Alter. Je mehr Punkte, desto eher kann ein Antibiotikum sinnvoll sein.
Solange Fieber besteht, ist die Ansteckungsgefahr am höchsten. Bei einer bakteriellen Mandelentzündung ist man in der Regel etwa 24 Stunden nach Beginn eines wirksamen Antibiotikums nicht mehr ansteckend. Ohne Antibiotikum kann es länger dauern. Kinder sollten erst wieder in die Betreuung, wenn sie fieberfrei und wieder fit sind.
Am wirksamsten sind meist rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol, regelmäßig und ausreichend dosiert nach Packungsbeilage. Zusätzlich lindern kühle Getränke, Gurgeln mit Salzwasser, Lutschtabletten und viel Trinken. Diese Maßnahmen verkürzen die Erkrankung nicht, machen die Tage bis zur Ausheilung aber deutlich erträglicher.
Nicht wegen einer einzelnen Entzündung. Über eine Operation wird vor allem bei häufig wiederkehrenden, ärztlich dokumentierten und mit Antibiotika behandelten Episoden über einen längeren Zeitraum nachgedacht, ebenso nach einem Mandelabszess oder bei stark vergrößerten Mandeln mit Atemproblemen. Die Entscheidung trifft man individuell mit einer HNO-Praxis.
In den allermeisten Fällen nicht. Selten kann sich neben der Mandel ein Abszess bilden — Warnzeichen sind zunehmende, einseitige Halsschmerzen, kloßige Sprache und eine erschwerte Mundöffnung. Kommen Atemnot oder ständiger Speichelfluss hinzu, wähle sofort den Notruf 112. Sehr selten sind Folgereaktionen wie rheumatisches Fieber nach einer Streptokokken-Angina.
Beide können sich ähneln. Für ein Pfeiffersches Drüsenfieber sprechen eine ausgeprägte, oft wochenlange Müdigkeit, am ganzen Körper geschwollene Lymphknoten und eine vergrößerte Milz, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der Verdacht lässt sich über das Blut bestätigen. Behandelt wird symptomatisch — ein Antibiotikum hilft hier nicht und kann sogar einen Ausschlag auslösen.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. AWMF S3-Leitlinie Halsschmerzen (DEGAM). awmf.org
  2. IQWiG / gesundheitsinformation.de: Mandelentzündung (Tonsillitis). gesundheitsinformation.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (DGHNO). hno.org
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Ein verordnetes Antibiotikum sollte über die volle Dauer eingenommen und nicht eigenmächtig abgesetzt werden — bei Fragen die behandelnde Praxis kontaktieren. Bei zunehmender einseitiger Halsschwellung mit kloßiger Sprache und Kieferklemme oder bei Atemnot und ständigem Speichelfluss sofort den Notruf 112 wählen. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.