PCOS verständlich:
Rotterdam-Kriterien und die richtige Therapie nach Ziel

Auf einen Blick

Was ist das? Eine häufige hormonelle Erkrankung mit gestörtem Zyklus, Zeichen männlicher Hormone und oft vielen Eibläschen.
Wie häufig? Etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter.
Diagnose Über die Rotterdam-Kriterien: zwei von drei Punkten, andere Ursachen ausgeschlossen.
Im Hintergrund Häufig eine Insulinresistenz.
Behandlung Richtet sich nach dem Ziel (Kinderwunsch oder nicht), die Basis ist der Lebensstil.
ICD-10 E28.2 (polyzystisches Ovarialsyndrom)

Was ist PCOS?

PCOS steht für das polyzystische Ovarialsyndrom (auch PCO-Syndrom). Es ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter, etwa jede zehnte ist betroffen. PCOS bringt typischerweise drei Dinge zusammen: einen gestörten Zyklus mit unregelmäßigem Eisprung, Zeichen von zu vielen männlichen Hormonen und oft, aber nicht immer, viele kleine Bläschen in den Eierstöcken.

Häufig besteht zusätzlich eine Insulinresistenz. PCOS ist gut behandelbar, auch wenn es bislang nicht heilbar ist. Wichtig: Trotz des Namens sind die „Zysten“ keine gefährlichen Geschwülste, sondern unreife Eibläschen.

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Symptome

PCOS zeigt sich sehr unterschiedlich. Typische Anzeichen sind:

  • ein unregelmäßiger Zyklus: seltene, sehr lange oder ausbleibende Perioden.
  • ein unerfüllter Kinderwunsch, weil der Eisprung ausbleibt.
  • Zeichen von zu vielen männlichen Hormonen: vermehrte Körperbehaarung (zum Beispiel im Gesicht), Akne oder fettige Haut.
  • Haarausfall am Kopf nach männlichem Muster. Mehr dazu: Haarausfall.
  • Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten beim Abnehmen, oft am Bauch. Mehr dazu: Adipositas.

Nicht jede Frau hat alle Anzeichen, und die Ausprägung reicht von kaum spürbar bis stark belastend.

Ursachen und die Rolle der Insulinresistenz

Warum PCOS entsteht, ist nicht restlos geklärt. Es spielen mehrere Faktoren zusammen, oft mit einer familiären Veranlagung. Eine zentrale Rolle hat bei vielen Betroffenen die Insulinresistenz: Der Körper spricht schlechter auf das Hormon Insulin an, der Insulinspiegel steigt, und das kann die Eierstöcke anregen, mehr männliche Hormone zu bilden, und den Eisprung stören.

Diese Verbindung erklärt, warum Übergewicht PCOS verstärken kann und warum eine Gewichtsabnahme und Mittel wie Metformin helfen können. Wichtig: PCOS betrifft auch schlanke Frauen, und niemand ist selbst schuld an der Erkrankung.

Die Rotterdam-Kriterien: Wie PCOS festgestellt wird

PCOS wird nicht über einen einzigen Test festgestellt, sondern über die sogenannten Rotterdam-Kriterien. Danach liegt bei Erwachsenen ein PCOS vor, wenn mindestens zwei von drei Punkten erfüllt sind und andere Ursachen ausgeschlossen wurden:

  1. ein gestörter Zyklus: seltene, unregelmäßige oder ausbleibende Eisprünge, oft erkennbar an unregelmäßigen oder ausbleibenden Perioden.
  2. Zeichen für zu viele männliche Hormone (Androgene): entweder sichtbar (vermehrte Körperbehaarung, Akne, Haarausfall am Kopf) oder im Blut messbar.
  3. polyzystische Eierstöcke: viele kleine Bläschen (Follikel) im Ultraschall. Bei Erwachsenen kann statt des Ultraschalls auch ein Bluttest herangezogen werden, das Anti-Müller-Hormon (AMH).

Wichtig: Es müssen nur zwei der drei Punkte zutreffen. Man braucht also nicht zwingend „Zysten“, um PCOS zu haben, und umgekehrt bedeuten einige Follikel im Ultraschall allein noch kein PCOS. Welche Kombination vorliegt, ergibt den sogenannten Phänotyp (Typ A bis D), der mitbestimmt, welche Risiken und welche Behandlung im Vordergrund stehen.

Ein verbreiteter Irrtum Die „Zysten“ im Namen sind keine echten Zysten, sondern unreife Eibläschen. Vor der Diagnose schließt die Ärztin oder der Arzt andere Ursachen aus, zum Beispiel eine Schilddrüsen- oder andere Hormonstörung. Bei sehr jungen Frauen und Jugendlichen gelten strengere Regeln, hier wird der Ultraschall noch nicht herangezogen.

Behandlung nach Ziel: Kinderwunsch oder nicht?

Es gibt keine Einheitsbehandlung für PCOS. Was sinnvoll ist, hängt vor allem von einer Frage ab: Besteht aktuell ein Kinderwunsch oder nicht? Eine Sache gilt aber für alle.

Die Basis für alle. Ein gesunder Lebensstil ist die wirksamste Grundlage. Schon eine moderate Gewichtsabnahme von etwa 5 bis 10 Prozent kann bei Übergewicht den Zyklus, den Eisprung und die Beschwerden deutlich verbessern. Bewegung und eine ausgewogene Ernährung helfen auch unabhängig vom Gewicht.

Ohne aktuellen Kinderwunsch. Hier geht es darum, den Zyklus zu regulieren, die Gebärmutterschleimhaut zu schützen und androgene Beschwerden wie Akne oder vermehrte Behaarung zu lindern. Dafür kommen vor allem die Pille (kombinierte Hormonpräparate), bei Bedarf antiandrogen wirkende Mittel, und je nach Stoffwechsellage Metformin infrage. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Bei Kinderwunsch. Hier steht der Eisprung im Mittelpunkt. Oft hilft schon die Gewichtsoptimierung. Reicht das nicht, kann der Eisprung medikamentös angeregt werden, heute meist mit dem Wirkstoff Letrozol als erster Wahl (in Deutschland off-label), manchmal in Kombination mit Metformin. Die Pille kommt hier natürlich nicht infrage, da sie eine Schwangerschaft verhindert. Eine Kinderwunschbehandlung gehört in spezialisierte Hände.

Metformin oder Pille? Eine ehrliche Abwägung

Diese Frage stellen sich viele, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf dein Ziel an. Metformin und die Pille verfolgen unterschiedliche Zwecke und sind kein einfaches Entweder-oder.

Die Pille (kombinierte Hormonpräparate) Metformin
Wofür vor allem reguliert den Zyklus, schützt die Gebärmutterschleimhaut, lindert androgene Beschwerden (Akne, vermehrte Behaarung) wirkt auf die Insulinresistenz, kann Stoffwechsel und Gewicht günstig beeinflussen, manchmal regelmäßigere Zyklen
Bei Kinderwunsch nicht geeignet, da sie eine Schwangerschaft verhindert möglich, wird teils zur Unterstützung von Eisprung und Stoffwechsel eingesetzt (in Deutschland off-label)
Nachteile und Nebenwirkungen eigene Risiken (zum Beispiel Thrombose) und Gegenanzeigen; wirkt nicht direkt auf die Insulinresistenz vor allem Magen-Darm-Beschwerden zu Beginn; kein Verhütungsmittel; wirkt nicht direkt auf Haut und Behaarung
Oft sinnvoll, wenn kein Kinderwunsch besteht und androgene Beschwerden im Vordergrund stehen eine deutliche Insulinresistenz oder Stoffwechselprobleme bestehen, oft ergänzend

Tabelle seitlich scrollen →

Kurz gesagt: Steht kein Kinderwunsch im Raum und belasten dich vor allem Zyklus, Akne oder vermehrte Behaarung, ist die Pille oft die erste Wahl, auch weil sie die Gebärmutterschleimhaut schützt. Geht es eher um den Stoffwechsel, eine Insulinresistenz oder einen Kinderwunsch, spielt Metformin seine Stärken aus. Häufig ist auch eine Kombination sinnvoll. Was am besten passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, je nach Ziel, Beschwerden und Stoffwechsellage.

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Wann zum Arzt?

Ein Termin in der gynäkologischen Praxis ist sinnvoll, wenn dein Zyklus über längere Zeit unregelmäßig ist oder ausbleibt, wenn Zeichen von zu vielen männlichen Hormonen auftreten (vermehrte Behaarung, Akne, Haarausfall) oder wenn ein Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht. Eine frühe Abklärung hilft, Beschwerden zu lindern und langfristige Risiken im Blick zu behalten.

Mehr als nur der Zyklus PCOS ist auch eine Stoffwechselsache. Langfristig gehören regelmäßige Kontrollen von Blutzucker und Gewicht dazu, denn das Risiko für einen Typ-2-Diabetes ist erhöht. Ein lange ausbleibender Zyklus sollte nicht einfach ignoriert werden, weil die Gebärmutterschleimhaut Schutz braucht. Und PCOS kann auch seelisch belasten: Niedergeschlagenheit oder Sorgen ums Aussehen und um den Kinderwunsch sind häufig und ernst zu nehmen. Du musst damit nicht allein bleiben.

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Häufige Fragen

Die Kriterien, nach denen PCOS festgestellt wird. Es müssen mindestens zwei von drei Punkten erfüllt sein: ein gestörter Zyklus, Zeichen von zu vielen männlichen Hormonen und polyzystische Eierstöcke im Ultraschall (oder ein erhöhtes AMH). Andere Ursachen müssen ausgeschlossen sein.

Nein. Es reichen zwei der drei Kriterien. Außerdem sind die „Zysten“ keine echten Zysten, sondern unreife Eibläschen. Manche Frauen haben PCOS ohne auffällige Eierstöcke im Ultraschall.

Vollständig heilbar ist PCOS bislang nicht. Es lässt sich aber gut behandeln, und viele Beschwerden bessern sich deutlich, etwa durch den Lebensstil, die passende Medikation und eine gezielte Therapie.

Ja. PCOS ist eine häufige Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch, aber viele Frauen werden schwanger, oft nach Gewichtsoptimierung und, wenn nötig, mit medikamentöser Unterstützung des Eisprungs.

Das hängt vom Ziel ab. Die Pille reguliert den Zyklus und lindert androgene Beschwerden, wenn kein Kinderwunsch besteht. Metformin wirkt auf die Insulinresistenz und ist mit einem Kinderwunsch vereinbar. Manchmal werden sie kombiniert.

Ja. Schon eine moderate Gewichtsabnahme von etwa 5 bis 10 Prozent kann bei Übergewicht den Zyklus, den Eisprung und die Beschwerden deutlich verbessern. Bewegung hilft auch unabhängig vom Gewicht.

Nein. PCOS betrifft auch schlanke Frauen. Übergewicht kann die Beschwerden verstärken, ist aber nicht die Voraussetzung für die Erkrankung.

Vor allem ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Stoffwechselprobleme. Bei lange ausbleibendem Zyklus braucht die Gebärmutterschleimhaut Schutz. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind deshalb sinnvoll.

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Quellen

  1. Monash University, ESHRE und ASRM: International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome (2023). monash.edu/medicine/mchri/pcos/guideline
  2. DGGG: S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS)“ (AWMF). register.awmf.org
  3. IQWiG / gesundheitsinformation.de: Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). gesundheitsinformation.de
  4. Frauenärzte im Netz (BVF und DGGG): Patienteninformationen zu PCOS. frauenaerzte-im-netz.de
  5. ESHRE: Patienteninformationen zum polyzystischen Ovarialsyndrom. eshre.eu
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welche Diagnostik und Behandlung für dich geeignet sind, hängt von deiner persönlichen Situation und deinem Ziel ab und gehört in ärztliche (gynäkologische) Hand. Stand: Juni 2026.