Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose):
Wochenlange Erschöpfung & was hilft

Auf einen Blick

HäufigkeitÜber 90 Prozent der Menschen tragen das Epstein-Barr-Virus in sich; deutlich krank werden vor allem Jugendliche und junge Erwachsene
DefinitionAkute Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV): Fieber, Halsentzündung, geschwollene Lymphknoten und ausgeprägte Erschöpfung
VerlaufAkutphase meist zwei bis drei Wochen; Müdigkeit kann Wochen bis Monate nachhängen
Therapie der WahlKeine ursächliche Therapie: Schonung, Flüssigkeit, Fieber- und Schmerzmittel. Antibiotika helfen nicht
Wichtigste PraxispunkteSportpause wegen vergrößerter Milz; Amoxicillin kann einen Ausschlag auslösen
Leitlinie & ICD-10S3-Leitlinie Halsschmerzen (DEGAM, AWMF 053-010) · B27

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1. Was ist das Pfeiffersche Drüsenfieber?

Das Pfeiffersche Drüsenfieber — medizinisch infektiöse Mononukleose — ist eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), einem Virus aus der Familie der Herpesviren. Typisch ist die Trias aus Fieber, Halsentzündung und geschwollenen Lymphknoten. Dazu kommt eine Erschöpfung, die viele Betroffene stärker beschäftigt als alle anderen Beschwerden zusammen.¹

Das Virus ist extrem verbreitet: Über 90 Prozent der Menschen tragen EBV in sich, und fast jeder steckt sich bis zum 30. Lebensjahr an.² Die meisten merken davon wenig oder nichts. Wie alle Herpesviren bleibt EBV nach der Erstinfektion lebenslang im Körper — in einem ruhenden Zustand, der in aller Regel keine Beschwerden macht.

Wichtig für die Einordnung: Nach einer Mononukleose ist eine Müdigkeit über einige Wochen normal. Auffällig wird sie, wenn sie sich nach Monaten nicht bessert oder sich nach Belastung jedes Mal deutlich verschlechtert — mehr dazu in Abschnitt 8 und im Beitrag zu Müdigkeit.

Pfeiffer ist keine bakterielle Angina. Die Beschwerden ähneln einer Mandelentzündung durch Streptokokken oft zum Verwechseln. Der Unterschied ist praktisch entscheidend: Gegen Streptokokken kann ein Antibiotikum helfen, gegen das Epstein-Barr-Virus nicht.

2. Verlaufsformen: vom stillen Infekt bis zur Mononukleose

Wie sich eine EBV-Infektion zeigt, hängt stark vom Alter ab. Bei kleinen Kindern verläuft sie oft unbemerkt, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen dagegen häufig als ausgeprägte Mononukleose.¹,²

FormWen sie trifftTypisches Bild
Stille InfektionVor allem Klein- und KindergartenkinderKeine oder nur erkältungsähnliche Beschwerden — die Infektion fällt meist gar nicht auf
Klassische MononukleoseJugendliche und junge Erwachsene, Schwerpunkt etwa 15 bis 24 JahreHohes Fieber, starke Halsschmerzen, dicke Lymphknoten, große Erschöpfung
Chronisch-aktive EBV-InfektionSehr seltenBeschwerden wie Erschöpfung, Fieber und Lymphknotenschwellung über mehr als sechs Monate bei nachweisbarer Virusaktivität
Tabelle nach rechts scrollbar

Eine Sonderrolle spielt ein stark geschwächtes Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation. Hier kann EBV ernsthafte Probleme machen, bis hin zu bestimmten Lymphknotenkrebs-Formen (Lymphomen).² Langfristig wird EBV außerdem mit der Multiplen Sklerose in Verbindung gebracht. Für den Einzelnen ist das kein Grund zur Sorge: Fast alle Menschen tragen das Virus, nur sehr wenige entwickeln solche Erkrankungen.


3. Symptome, Zeitverlauf und Warnzeichen

Die typischen Beschwerden

  • Starke Halsschmerzen — die Mandeln sind oft stark geschwollen und mit grau-weißlichen Belägen bedeckt, die Sprache klingt kloßig. Schlucken kann so wehtun, dass Trinken schwerfällt; siehe Halsschmerzen.¹
  • Geschwollene Lymphknoten — meist an beiden Halsseiten, typischerweise auch im Nacken; mehr unter geschwollene Lymphknoten.
  • Fieber — oft hoch, klingt in der Regel innerhalb von zehn bis 14 Tagen ab.¹
  • Ausgeprägte Abgeschlagenheit — dazu Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen.
  • Vergrößerte Milz und Leber — die Milz ist bei etwa der Hälfte der Betroffenen vergrößert; leicht erhöhte Leberwerte sind häufig und bilden sich meist in drei bis vier Wochen zurück.¹ Eine Gelbsucht ist selten.
  • Weitere Zeichen — geschwollene Augenlider, punktförmige Einblutungen am Gaumen (Petechien), manchmal ein Hautausschlag.³ Ein Ausschlag nach Einnahme von Amoxicillin ist ein Sonderfall — dazu Abschnitt 7.⁴

Der zeitliche Ablauf

Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden liegen meist mehrere Wochen — deshalb lässt sich selten sagen, bei wem man sich angesteckt hat.³ Oft beginnt es unspezifisch mit Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen, dann folgen Fieber und Halsschmerzen. Die Halsschmerzen sind in den ersten drei bis fünf Tagen am stärksten und klingen danach im Lauf von etwa ein bis zwei Wochen ab. Die akute Erkrankung dauert meist zwei bis drei Wochen, die erhöhte Ermüdbarkeit kann Wochen bis Monate anhalten.¹

Sofort 112 — diese Zeichen sind ein Notfall. Plötzliche, starke Schmerzen im linken Oberbauch, eventuell ausstrahlend in die linke Schulter, zusammen mit Schwindel, Blässe oder Kreislaufschwäche können auf einen Milzriss hindeuten — sehr selten, aber lebensbedrohlich.¹,² Ebenfalls sofort in die Klinik gehören Atemnot, ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen oder wenn du Speichel nicht mehr schlucken kannst: Stark geschwollene Mandeln können die Atemwege einengen. Auch wer kaum noch trinken kann, braucht ärztliche Hilfe.

4. Ursache, Ansteckung und Medikamente

  • Erreger: das Epstein-Barr-Virus, auch humanes Herpesvirus 4 genannt. Es befällt Rachenschleimhaut und bestimmte weiße Blutkörperchen (B-Lymphozyten); die Abwehrreaktion darauf verursacht einen Großteil der Beschwerden.³
  • Übertragung über Speichel: vor allem beim Küssen — daher der Spitzname „Kusskrankheit“ —, aber auch über gemeinsam genutzte Gläser, Flaschen oder Besteck.²
  • Lange Ausscheidung: Nach der Erkrankung findet sich das Virus noch Monate im Speichel. Auch Gesunde, die die Infektion längst hinter sich haben, scheiden es zeitweise aus — oft ohne es zu wissen.¹ Eine strenge Isolation ist deshalb weder nötig noch wirksam.
  • Geschwächtes Immunsystem durch Medikamente: Immunsuppressiva nach Transplantationen, hochdosiertes Cortison oder bestimmte Rheuma- und Krebsmedikamente können dazu führen, dass EBV schwerer verläuft oder im Körper wieder aktiv wird.²
Medikamente können eine Mononukleose vortäuschen. Eine seltene, aber schwere Überempfindlichkeitsreaktion auf Arzneimittel (DRESS-Syndrom) sieht ähnlich aus: Fieber, geschwollene Lymphknoten, Ausschlag und erhöhte Leberwerte. Sie beginnt typischerweise einige Wochen nach dem Start eines neuen Wirkstoffs — bekannte Auslöser sind unter anderem bestimmte Antiepileptika wie Lamotrigin und der Harnsäuresenker Allopurinol. Hast du in den letzten Wochen ein neues Medikament begonnen, sag das unbedingt in der Praxis.

5. Diagnose: Pfeiffer oder Angina?

Oft liegt der Verdacht nach Befragung und Untersuchung nahe. Gesichert wird die Diagnose über das Blut — mit einer Einschränkung: In der ersten Krankheitswoche fallen manche Tests noch negativ aus.¹,²

  • Gespräch und Untersuchung: Rachen, Lymphknoten, Milz und Leber werden abgetastet. Wichtig: Welche Medikamente hast du in den letzten Wochen eingenommen, auch Antibiotika?
  • Streptokokken-Test: Er hilft, eine bakterielle Angina zu erkennen. Ein positives Ergebnis schließt Pfeiffer aber nicht aus — manche Menschen tragen Streptokokken im Rachen, ohne dass sie die Ursache der Beschwerden sind.
  • Blutbild: Typisch sind vermehrte, auffällig veränderte Lymphozyten. Das stützt den Verdacht, beweist ihn allein aber nicht.¹
  • EBV-Schnelltest: Ein positiver Test bestätigt die Diagnose. In der ersten Woche und bei Kindern ist er häufiger noch negativ.¹
  • EBV-Antikörper: Die Bestimmung von VCA-IgM, VCA-IgG und EBNA unterscheidet eine frische von einer früheren Infektion. Sie ist am aussagekräftigsten ab der zweiten Krankheitswoche.¹
  • Leberwerte und Ultraschall: zeigen, wie stark Leber und Milz beteiligt sind.
  • Andere Ursachen bedenken: Ähnliche Bilder machen etwa das Zytomegalievirus, Toxoplasmose oder eine frische HIV-Infektion. Ein HIV-Test bei unklarer Mononukleose ist kein Misstrauen, sondern Sorgfalt.³

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6. Behandlung: was hilft — und was nicht

Die ehrliche Antwort zuerst: Gegen das Epstein-Barr-Virus selbst gibt es keine Therapie, die den Verlauf spürbar abkürzt. Die Behandlung lindert die Beschwerden, bis das Immunsystem die Infektion unter Kontrolle hat — und sie achtet auf die seltenen Komplikationen.¹,²,³ Welche Maßnahmen für dich infrage kommen, entscheidet die behandelnde Praxis.

Basis Schonung und Symptomlinderung
Körperliche Schonung nach Befinden
In der fiebrigen Phase verlangt der Körper ohnehin Ruhe. Danach reicht körperliche Schonung — eine wochenlange strikte Bettruhe ist nicht als Vorteil belegt.
Viel trinken, weiche und kühle Kost
Flüssigkeit ist bei hohem Fieber und schmerzhaftem Schlucken der wichtigste Punkt. Kühle Getränke, Suppen und Joghurt sind oft leichter zu schlucken als feste Nahrung.
Fieber- und Schmerzmittel
Paracetamol oder entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern Halsschmerzen und Fieber.
Bei Komplikationen Gezielte Behandlung in Praxis oder Klinik
Cortison für kurze Zeit
Wenn stark geschwollene Mandeln die Atemwege einengen oder bestimmte Blutbildveränderungen auftreten. Für die normale Mononukleose ist Cortison keine Routinebehandlung.²,³
Stationäre Aufnahme
Bei Atemnot, deutlichem Flüssigkeitsmangel, weil Trinken kaum möglich ist, oder bei Verdacht auf einen Milzriss.¹
Nicht empfohlen Was beim Pfeifferschen Drüsenfieber nicht hilft
Antibiotika
Wirken nicht gegen Viren. Sinnvoll sind sie nur, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion nachgewiesen ist — dann ohne Amoxicillin oder Ampicillin.
Virostatika wie Aciclovir
Sie hemmen die Virusvermehrung, verkürzen die Beschwerden einer normalen Mononukleose aber nicht spürbar und werden dafür nicht empfohlen.³ Anders als bei Aciclovir gegen Lippenherpes oder Gürtelrose.

7. Schmerzmittel, Leber und die Amoxicillin-Falle

Paracetamol oder Ibuprofen?

Beide kommen infrage, beide haben beim Pfeifferschen Drüsenfieber einen Punkt, auf den du achten solltest:

  • Paracetamol: Die Leber ist bei einer Mononukleose häufig mitbetroffen. Die Tageshöchstmenge laut Packungsbeilage gilt deshalb besonders streng — und Paracetamol steckt auch in vielen Kombi-Erkältungsmitteln. Zwei Präparate mit demselben Wirkstoff sind ein vermeidbarer Fehler. Bei deutlich erhöhten Leberwerten klärt die Praxis, ob und wie viel Paracetamol infrage kommt.
  • Ibuprofen: Lindert Halsschmerzen und Fieber gut. Wer wegen der Schluckschmerzen kaum trinkt, belastet mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln die Nieren stärker — Trinken ist hier Teil der Therapie. Bei Magenproblemen oder Blutverdünnern vorher Rücksprache halten.
  • Keine ASS bei Kindern und Jugendlichen: Acetylsalicylsäure kann bei fieberhaften Virusinfekten in dieser Altersgruppe ein seltenes, gefährliches Reye-Syndrom mit Leber- und Hirnschädigung auslösen. Genau die Altersgruppe, die am häufigsten an Pfeiffer erkrankt.

Warum Leber und Niere bei Schmerzmitteln generell eine Rolle spielen, erklärt der Ratgeber Medikamente, Nieren und Leber.

Die Amoxicillin-Falle

Weil Pfeiffer und Streptokokken-Angina sich so ähneln, bekommen manche Betroffene zunächst ein Antibiotikum. Ist es Amoxicillin oder Ampicillin, entsteht bei einer Mononukleose häufig ein ausgedehnter, juckender, fleckiger Ausschlag. Die Fachinformation rät deshalb, Amoxicillin bei Verdacht auf Mononukleose zu vermeiden.⁴ Wie häufig der Ausschlag genau auftritt, ist umstritten: Ältere Angaben nennen die große Mehrheit der Betroffenen, neuere Beobachtungen deutlich weniger.¹

Nach heutigem Verständnis ist dieser Ausschlag meist keine klassische, dauerhafte Penicillinallergie, sondern eine Reaktion im Zusammenspiel von Virus und Wirkstoff. Einordnen solltest du ihn trotzdem nicht selbst. Lass in der Praxis dokumentieren, was passiert ist — ein Foto hilft — und kläre später gezielt, ob wirklich eine Allergie besteht. Eine vorschnell eingetragene „Penicillinallergie“ bedeutet, dass du bei künftigen Infektionen oft breitere, schlechter verträgliche Antibiotika bekommst. Das fördert auch Antibiotika-Resistenzen.

Ausschlag unter einem Antibiotikum: nicht abwarten, nicht allein entscheiden. Melde dich noch am selben Tag in der Praxis — dort wird entschieden, ob das Mittel abgesetzt oder gewechselt wird. Setze ein Antibiotikum nicht eigenmächtig ab oder nimm es ohne Rücksprache weiter; Hintergründe im Ratgeber Medikamente absetzen. Bei Atemnot, Schwellungen von Lippen oder Zunge, Blasen, sich ablösender Haut oder wunden Schleimhäuten sofort den Notruf 112 wählen.

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8. Wenn die Erschöpfung bleibt

Die häufigste Frage vieler Betroffener lautet: Warum bin ich nach Wochen immer noch so müde? Die Antwort ist unspektakulär: Das gehört bei einem Teil der Erkrankten zum normalen Verlauf. Vermehrte Ermüdbarkeit und eingeschränkte Belastbarkeit können über Wochen bis Monate anhalten, auch wenn Fieber und Halsschmerzen längst weg sind.¹,²

Was dabei hilft

  • Energie einteilen — Aufgaben über den Tag verteilen, Pausen einplanen, bevor du erschöpft bist.
  • Schrittweise steigern — Schule, Studium oder Arbeit lieber stufenweise wieder aufnehmen als von null auf hundert.
  • Verlauf festhalten — ein kurzes tägliches Energie-Protokoll zeigt, ob es aufwärts geht, und ist beim Kontrolltermin mehr wert als jede Erinnerung.

Wann du weiter abklären lassen solltest

Bessert sich die Erschöpfung nach einigen Monaten nicht, oder geht es dir nach körperlicher oder geistiger Anstrengung regelmäßig deutlich schlechter — oft erst mit einem Tag Verzögerung —, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Eine EBV-Infektion gehört zu den bekannten Auslösern von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom). Kennzeichnend ist diese Verschlechterung nach Belastung.⁵ Ähnliche Muster kennt man von Long COVID.

Bei Verdacht auf ME/CFS gilt: Belastung nicht erzwingen. Ein starres „Trainieren gegen die Müdigkeit“ kann bei Belastungsintoleranz schaden. Das Vorgehen gehört in ärztliche Begleitung. Gleichzeitig lohnt es sich, andere behandelbare Ursachen zu prüfen — etwa eine Eisenmangelanämie, eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Depression oder Medikamente, die müde machen.

Mythos „chronisches EBV“ im Bluttest. EBV-Antikörper vom Typ VCA-IgG und EBNA bleiben nach der Infektion lebenslang nachweisbar.¹ Ein positiver Wert Jahre später bedeutet nicht, dass das Virus „wieder aktiv“ ist oder behandelt werden müsste. Teure Kuren, Vitamininfusionen oder „Immunbooster“ gegen eine angebliche EBV-Reaktivierung haben keinen belegten Nutzen.

9. Milz, Sport und der Weg zurück

Die Milz ist bei einer Mononukleose häufig vergrößert, ihre Kapsel ist gespannt und empfindlicher. Ein Milzriss ist sehr selten, kann aber lebensbedrohlich sein — bei Stößen, Stürzen oder starker Bauchpresse, in Einzelfällen auch ohne erkennbaren Anlass.¹,²

Wie lange die Sportpause dauern sollte, ist nicht durch Studien belegt — entsprechend unterschiedlich sind die Empfehlungen. Die hausärztliche Leitlinie rät, starke körperliche Anstrengung und Kontaktsport drei bis vier Wochen zu meiden.¹ Das Gesundheitsportal des Bundes empfiehlt mindestens vier bis sechs Wochen Pause von Sport und körperlicher Anstrengung.² Den Zeitpunkt für die Rückkehr besprichst du am besten mit der Praxis — gegebenenfalls nach einer Ultraschallkontrolle der Milz.

  • Alltag und kurze Spaziergänge sind nach Befinden meist früh möglich, sobald das Fieber abgeklungen ist.
  • Kontakt- und Kampfsport, Ballsport, Reiten und schweres Krafttraining erst nach ausdrücklicher Freigabe — Stöße gegen den Bauch und starke Bauchpresse sind das Hauptrisiko.
  • Wettkampf und intensives Ausdauertraining zuletzt und stufenweise — die Leistungsfähigkeit braucht oft länger als die Milz.

10. Alltag mit Pfeifferschem Drüsenfieber

  • Schule, Uni, Job: Ein gesetzliches Betretungsverbot wie bei Windpocken oder Scharlach gibt es nicht. Zurück geht es, wenn du fieberfrei bist und dich belastbar fühlst; eine stufenweise Rückkehr ist oft realistischer.
  • Nichts teilen: Gläser, Flaschen und Besteck in der akuten Phase nicht teilen und aufs Küssen verzichten. Einen vollständigen Schutz für dein Umfeld gibt es nicht, weil viele das Virus ohnehin schon tragen.
  • Alkohol pausieren: Solange die Leberwerte erhöht sind, ist Alkohol eine zusätzliche Belastung. Was Alkohol mit Medikamenten macht, steht im Ratgeber Medikamente und Alkohol.
  • Kinder richtig dosieren: Fieber- und Schmerzmittel bei Kindern nach Körpergewicht, keine ASS. Tipps im Ratgeber Kinder und Medikamente.
  • Alle Mittel auf eine Liste: inklusive Lutschtabletten, Erkältungspräparaten und Nahrungsergänzung. So fallen Wirkstoff-Doppelungen auf; Anleitung unter Medikamentenliste führen.

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FAQ: Häufige Fragen zum Pfeifferschen Drüsenfieber

Die akute Erkrankung mit Fieber und Halsschmerzen dauert meist zwei bis drei Wochen. Die Müdigkeit und eingeschränkte Belastbarkeit können danach noch Wochen bis Monate anhalten. Bessert sie sich nach mehreren Monaten nicht oder verschlechtert sie sich nach Belastung, sollte das ärztlich abgeklärt werden.
Das Epstein-Barr-Virus wird über Speichel übertragen, etwa beim Küssen oder über gemeinsam genutzte Gläser. Es wird nach der Erkrankung noch Monate und später immer wieder zeitweise ausgeschieden. Weil über 90 Prozent der Menschen das Virus ohnehin tragen, ist eine strenge Isolation nicht nötig; in der akuten Phase solltest du aber nichts teilen und aufs Küssen verzichten.
Die Milz ist häufig vergrößert und kann bei Stößen oder starker Bauchpresse reißen, was sehr selten, aber lebensbedrohlich ist. Die Empfehlungen reichen von drei bis vier Wochen Pause für Kontaktsport und schwere Anstrengung bis zu mindestens vier bis sechs Wochen Sportpause. Den Wiedereinstieg besprichst du am besten mit deiner Praxis.
Nein, Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Sie kommen nur infrage, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion nachgewiesen ist. Amoxicillin und Ampicillin sollten dann vermieden werden, weil sie bei einer Mononukleose häufig einen ausgedehnten Hautausschlag auslösen.
Nicht unbedingt. Nach heutigem Verständnis ist dieser Ausschlag meist eine Reaktion im Zusammenspiel von Virus und Wirkstoff und keine klassische, dauerhafte Allergie. Ob du Penicilline künftig verträgst, sollte aber ärztlich und bei Bedarf allergologisch geklärt werden, statt es selbst einzuschätzen.
Die Erstinfektion mit dem Epstein-Barr-Virus macht man nur einmal durch; danach bleibt das Virus ruhend im Körper. Eine erneute, spürbare Erkrankung ist bei gesundem Immunsystem sehr selten. Ähnliche Beschwerden können aber durch andere Erreger wie das Zytomegalievirus entstehen.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Halsschmerzen, DEGAM-Leitlinie Nr. 14, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (AWMF-Register-Nr. 053-010, Fassung 2020, redaktionell geändert 2021). awmf.org
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose). Abgerufen 2026. gesund.bund.de
  3. MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Infektiöse Mononukleose. Abgerufen 2026. msdmanuals.com
  4. Fachinformation Amoxicillin (Abschnitt Warnhinweise: infektiöse Mononukleose). Stand laut aktuellem Präparat. fachinfo.de
  5. IQWiG / gesundheitsinformation.de: ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom). Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Plötzliche starke Schmerzen im linken Oberbauch, Atemnot oder ein pfeifendes Atemgeräusch sind beim Pfeifferschen Drüsenfieber ein Notfall — wähle dann sofort 112. Gib Kindern und Jugendlichen keine Acetylsalicylsäure und kläre einen Ausschlag unter Antibiotika noch am selben Tag ärztlich ab. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: September 2026.