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Sarah K., 34
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Schwangerschaftsdiabetes medizinisch Gestationsdiabetes mellitus ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels, die erstmals in der Schwangerschaft festgestellt wird. Der Blutzucker liegt höher als erwünscht, meist aber unter den Werten, die sonst einen manifesten Diabetes definieren.¹
Dahinter steckt ein normaler Vorgang: Ab der Mitte der Schwangerschaft bildet der Mutterkuchen Hormone, die die Wirkung des körpereigenen Insulins abschwächen. Diese Insulinresistenz lässt mehr Zucker im Blut, der dem Kind zugutekommt. Normalerweise gleicht die Bauchspeicheldrüse das mit mehr Insulin aus gelingt das nicht, steigt der Blutzucker.
Und: Ein Gestationsdiabetes ist kein persönliches Versagen. Er entsteht aus Hormonen, Veranlagung und Stoffwechsel nicht daraus, dass jemand „zu viel Süßes" gegessen hat.
Die zentrale Besonderheit: Ein Schwangerschaftsdiabetes macht in der Regel keine Beschwerden. Die Werte reichen meist nicht aus, um typische Symptome auszulösen deshalb wird nicht gewartet, sondern aktiv gescreent.² Treten Anzeichen auf, sind sie unspezifisch und in der Schwangerschaft ohnehin verbreitet:
Manchmal fällt im Ultraschall zuerst etwas anderes auf: ein zu großes Kind oder vermehrtes Fruchtwasser beides Gründe, den Blutzucker anzuschauen.
Ursache ist das Missverhältnis zwischen dem steigenden Insulinbedarf in der zweiten Schwangerschaftshälfte und der Leistung der Bauchspeicheldrüse. Ob es entsteht, hängt von Faktoren ab, die niemand selbst gewählt hat.³
Das Screening ist Teil der Mutterschafts-Richtlinien und damit Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Angeboten wird es zwischen 24+0 und 27+6 Schwangerschaftswochen dann wird die Insulinresistenz deutlich.⁴ Es läuft zweistufig:
| Test | Messung | Grenzwert (venöses Plasma) | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 50-g-Suchtest | nach 1 Stunde | ab 135 mg/dl (7,5 mmol/l) | Auffällig es folgt der oGTT |
| 50-g-Suchtest | nach 1 Stunde | ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) | Diagnose gesichert |
| 75-g-oGTT | nüchtern | ab 92 mg/dl (5,1 mmol/l) | Ein Wert genügt |
| 75-g-oGTT | nach 1 Stunde | ab 180 mg/dl (10,0 mmol/l) | Ein Wert genügt |
| 75-g-oGTT | nach 2 Stunden | ab 153 mg/dl (8,5 mmol/l) | Ein Wert genügt |
Die Werte gelten für Laborbestimmungen aus venösem Blut. Ein Handmessgerät ist für die Diagnose nicht geeignet für die spätere Therapiekontrolle dagegen genau richtig (siehe Blutwerte verstehen).
Sachlichkeit ist hier wichtiger als Dramatik: Ein gut behandelter Gestationsdiabetes verläuft in aller Regel unauffällig; die folgenden Risiken betreffen vor allem unbehandelte Werte. Zucker geht über die Plazenta auf das Kind über, Insulin nicht das Kind bildet daher selbst mehr Insulin, ein Wachstumshormon.²
Die Behandlung beginnt immer mit Ernährungsumstellung und Bewegung, nicht mit Medikamenten bei der Mehrzahl der Frauen reicht das aus. Dazu gehört eine qualifizierte Ernährungsberatung, idealerweise in einer diabetologischen Einrichtung.¹
Die Selbstmessung prägt deinen Alltag am stärksten und gibt am meisten Sicherheit. Sie beantwortet die Frage, die keine Ernährungsregel allgemein beantworten kann: Wie reagiert dein Körper auf das, was du tatsächlich isst?
Üblich ist ein Tagesprofil aus vier Messungen: nüchtern nach dem Aufstehen sowie ein oder zwei Stunden nach den Hauptmahlzeiten. Den Zeitpunkt legt die betreuende Einrichtung fest entscheidend ist, dass du ihn konsequent gleich handhabst, sonst sind die Werte nicht vergleichbar. Bei stabilen Werten unter Ernährungstherapie kann die Messfrequenz sinken, unter Insulin bleibt sie höher.
Die Leitlinie nennt orientierende Zielwerte für die Selbstmessung. Sie sind kein Prüfungsergebnis, sondern eine Entscheidungshilfe: Werden sie über mehrere Tage überschritten, ist das das Signal für den nächsten Therapieschritt. Deine persönlichen Zielwerte legt immer die betreuende Praxis fest.¹
| Messzeitpunkt | Orientierender Zielwert | Was er dir sagt |
|---|---|---|
| Nüchtern nach dem Aufstehen | unter 95 mg/dl (5,3 mmol/l) | Die nächtliche Zuckerfreisetzung der Leber schwer über die Ernährung zu beeinflussen und oft der Wert, der Insulin nötig macht |
| 1 Stunde nach Mahlzeitbeginn | unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l) | Die Spitze nach dem Essen hier wirken Mahlzeit und Bewegung am stärksten |
| 2 Stunden nach Mahlzeitbeginn | unter 120 mg/dl (6,7 mmol/l) | Zeigt, wie schnell der Wert wieder absinkt |
Die Anleitung dazu steht im Ratgeber Blutzucker richtig messen. Erst mit dem Zusammenhang wird aus einer Zahlenkolonne ein Muster: „Nur die Frühstückswerte sind hoch" führt zu einer anderen Empfehlung als „alle Werte erhöht". Wie du dich auf das Gespräch vorbereitest, beschreibt der Ratgeber Arzttermin vorbereiten.
brite hält Werte, Mahlzeiten und Auffälligkeiten fest, damit der nächste Termin schneller geht.
Werden die Zielwerte trotz konsequenter Ernährung und Bewegung über ein bis zwei Wochen nicht erreicht, wird eine Insulintherapie begonnen. Das ist kein Scheitern bei einem Teil der Frauen setzt sich die hormonelle Insulinresistenz einfach durch.¹ Auch der Ultraschall fließt ein: Wächst das Kind auffällig schnell, wird eher behandelt.
Ein gut eingestellter Gestationsdiabetes ist für sich genommen kein Grund für einen Kaiserschnitt und auch kein Grund, die Geburt automatisch einzuleiten. Entschieden wird individuell anhand von Einstellung, geschätztem Kindsgewicht, Begleiterkrankungen und Schwangerschaftswoche.²
Bei den allermeisten Frauen normalisiert sich der Blutzucker nach der Geburt. Damit ist das Thema aber nicht abgeschlossen: Ein durchgemachter Gestationsdiabetes weist auf ein deutlich erhöhtes Risiko hin, in den Jahren danach einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.³
Wer dauerhaft mit dem Thema Blutzucker zu tun hat, findet die Alltagsfragen im Ratgeber Diabetes-Medikamente im Alltag.
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