Beim Sjögren-Syndrom (gesprochen „Schögren“) wandern Immunzellen in die Drüsen ein, die Tränen und Speichel bilden, und stören deren Arbeit. Die Folge ist eine anhaltende Trockenheit von Augen und Mund — medizinisch Sicca-Syndrom (lateinisch siccus = trocken). Weil das Immunsystem sich gegen körpereigenes Gewebe richtet, zählt die Erkrankung zu den Autoimmunerkrankungen und innerhalb der Rheumatologie zu den Kollagenosen.¹,² International setzt sich zunehmend der Begriff „Sjögren-Erkrankung“ durch, weil es um mehr als ein Beschwerdebild geht.
Denn das Sjögren-Syndrom ist mehr als lästig: Bei vielen Betroffenen kommen eine tiefe Erschöpfung (Fatigue) und Gelenkschmerzen hinzu, bei einem Teil sind Lunge, Nieren, Nerven, Haut oder Blutbild beteiligt. Und das Risiko für bestimmte Lymphome ist erhöht — absolut aber betrifft das nur eine Minderheit.¹
Nicht jede Trockenheit ist Sjögren.Trockene Augen und Mundtrockenheit sind sehr häufig — durch Bildschirmarbeit, trockene Heizungsluft, Alter, Wechseljahre oder Medikamente. An ein Sjögren-Syndrom denkt man, wenn die Trockenheit über Monate täglich besteht, Augen und Mund gemeinsam betroffen sind oder weitere Zeichen wie geschwollene Speicheldrüsen, Gelenkschmerzen oder auffällige Blutwerte hinzukommen.
2. Formen: primär und sekundär
Primäres Sjögren-Syndrom — tritt eigenständig auf, ohne andere rheumatische Grunderkrankung.
Sekundäres (assoziiertes) Sjögren-Syndrom — begleitet eine andere Autoimmunerkrankung, etwa eine rheumatoide Arthritis (Rheuma), einen Lupus erythematodes oder eine Sklerodermie.
Unabhängig davon unterscheidet die Rheumatologie nach dem Ausmaß:¹
Ausprägung
Typische Beschwerden
Behandlungsziel
Glandulär (auf Drüsen beschränkt)
Trockenheit von Augen, Mund, Nase, Haut, Scheide; Fatigue, Gelenk- und Muskelschmerzen
Beschwerden lindern, Augen und Zähne schützen
Systemisch (mit Organbeteiligung)
Zusätzlich etwa Gelenkentzündung, Hautvaskulitis, Lunge, Niere, Nerven, Blutbild
Entzündung kontrollieren, Organschäden verhindern
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Die meisten Betroffenen haben einen eher gleichbleibenden, auf die Drüsen beschränkten Verlauf. Wie aktiv die Erkrankung systemisch ist, wird mit einem standardisierten Index (ESSDAI) erfasst.
3. Symptome: von trocken bis Organbefall
Augen
Sand- oder Fremdkörpergefühl, Brennen, Rötung, Lichtempfindlichkeit, müde Augen beim Lesen.
Paradox: tränende Augen — gereizte Augen produzieren manchmal reflexhaft wässrige Tränen, die nicht richtig benetzen.
Mund
Trockener Mund, Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken trockener Speisen, Wasserglas am Bett.
Zahnschäden — ohne schützenden Speichel entsteht schneller Karies, oft am Zahnhals; Pilzinfektionen und eingerissene Mundwinkel sind häufiger.
Geschwollene Speicheldrüsen — besonders die Ohrspeicheldrüse vor dem Ohr, ein- oder beidseitig.
Weitere Beschwerden
Erschöpfung — eine bleierne Müdigkeit, die für viele das belastendste Symptom ist.
Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen, seltener echte Gelenkentzündungen.
Trockene Haut, Nase und Scheide — Juckreiz, Nasenbluten, Scheidentrockenheit mit Schmerzen beim Sex.
Organbeteiligung — trockener Husten oder Atemnot (Lunge), Nierenfunktionsstörungen, Taubheit oder Brennen an Händen und Füßen (Nerven), kleine Einblutungen an den Beinen (Vaskulitis), weiße Finger bei Kälte (Raynaud-Phänomen).
Diese Zeichen gehören rasch abgeklärt. Ein plötzlich schmerzhaftes, rotes Auge mit Sehverschlechterung gehört noch am selben Tag in die Augenarztpraxis oder Augenklinik. Bei neuer Atemnot, Lähmungen oder einer Schwäche, die rasch zunimmt, wähle den Notruf 112. Zeitnah — innerhalb von Tagen — ärztlich vorstellen solltest du dich bei einer anhaltend geschwollenen Ohrspeicheldrüse, geschwollenen Lymphknoten, Fieber, Nachtschweiß oder ungewolltem Gewichtsverlust.
4. Ursachen und was zusätzlich austrocknet
Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Nach aktuellem Wissensstand trifft eine erbliche Veranlagung auf Auslöser — diskutiert werden Virusinfektionen und hormonelle Faktoren, was die starke Häufung bei Frauen erklären könnte. Bestimmte Immunzellen (B-Zellen) sind dauerhaft überaktiv und bilden Autoantikörper.²
Veranlagung — andere Autoimmunerkrankungen in der Familie, etwa Schilddrüsenentzündungen wie Hashimoto, kommen gehäuft vor.
Weibliches Geschlecht und Lebensalter um die Wechseljahre.
Andere Ursachen der Trockenheit — Hepatitis C, HIV, Sarkoidose, eine IgG4-assoziierte Erkrankung oder eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich können ein ähnliches Bild machen und werden in der Diagnostik ausgeschlossen.
Medikamente als Verstärker der Trockenheit. Viele Arzneimittel verringern Speichel- und Tränenfluss: Mittel mit anticholinerger Wirkung wie Amitriptylin, Blasenmittel wie Oxybutynin oder ältere Antihistaminika, außerdem Entwässerungsmittel, manche Blutdrucksenker, Opioide und Isotretinoin. Sie verursachen kein Sjögren-Syndrom, können es aber deutlich verschlimmern oder vortäuschen. Ob es Alternativen gibt, klärt die Praxis — Hintergrund im Ratgeber Anticholinerge Last.
5. Diagnose: Antikörper, Tränen- und Speicheltests
Die Diagnose stellt in der Regel die Rheumatologie, oft gemeinsam mit Augen- und HNO-Heilkunde. Für Studien und als Orientierung dienen die Klassifikationskriterien von ACR und EULAR aus dem Jahr 2016; sie kombinieren Antikörper, Gewebebefund und Funktionstests.³
Antikörper im Blut: Anti-Ro/SSA ist der wichtigste Marker, oft begleitet von Anti-La/SSB, antinukleären Antikörpern (ANA) und Rheumafaktor. Ein Teil der Betroffenen hat keine nachweisbaren Antikörper.
Schirmer-Test: Ein Filterpapierstreifen im Unterlid misst, wie viel Tränenflüssigkeit in fünf Minuten gebildet wird.
Färbetest am Auge: Mit Farbstoffen zeigt die Augenärztin oder der Augenarzt geschädigte Stellen der Augenoberfläche.
Speichelfluss: Wie viel Speichel sich in einer festgelegten Zeit ohne Anregung sammelt.
Lippenbiopsie: Eine kleine Gewebeprobe aus den Speicheldrüsen der Unterlippe zeigt typische Ansammlungen von Immunzellen. Sie ist besonders wichtig, wenn keine Antikörper nachweisbar sind.
Ultraschall der Speicheldrüsen: zeigt typische Veränderungen und hilft im Verlauf.
Organcheck: Blutbild, Nierenwerte und Urin, Eiweiße im Blut (Immunglobuline, Komplement), bei Beschwerden Lungenfunktion, Bildgebung oder Nervenmessung.
Medikamentenliste: Austrocknende Mittel werden gezielt abgefragt.
Für die Diagnose zählt die Kombination aus Beschwerden und Befunden. Ein positiver ANA-Wert allein beweist kein Sjögren-Syndrom — er findet sich auch bei vielen Gesunden.
6. Therapie: Trockenheit und Organbeteiligung
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß. Die EULAR-Empfehlungen setzen bei Trockenheit zuerst auf örtliche Maßnahmen und reservieren Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, für aktive Organbeteiligung. Ehrlich eingeordnet: Für die Trockenheit selbst und die Fatigue gibt es bisher kein Medikament, das die Krankheit an der Wurzel packt — Linderung ist realistisch, Heilung nicht.¹
BasisAugen und Mund schützen
Tränenersatzmittel
Möglichst ohne Konservierungsmittel, bei Bedarf mehrmals täglich; Gele oder Salben für die Nacht. Hyaluronsäure oder Carbomer verlängern die Wirkung.
Speichel anregen und ersetzen
Zuckerfreie Kaugummis oder Lutschpastillen regen die Restfunktion der Drüsen an; Speichelersatz-Sprays oder -Gele bei sehr trockenem Mund.
Zahnschutz
Fluoridhaltige Zahnpasta und Gele, engmaschige zahnärztliche Kontrollen.
ErweitertWenn Basismaßnahmen nicht reichen
Pilocarpin (Tabletten)
Regt Speichel- und Tränendrüsen an, solange noch funktionierendes Drüsengewebe vorhanden ist. Häufige Nebenwirkung: starkes Schwitzen, außerdem Harndrang und Hitzegefühl. Nicht geeignet bei unkontrolliertem Asthma und bestimmten Augenerkrankungen.
Ciclosporin-Augentropfen
Dämpfen die Entzündung an der Augenoberfläche bei schwerer Hornhautschädigung; die Wirkung zeigt sich erst nach Wochen. Kurzzeitig können auch cortisonhaltige Augentropfen eingesetzt werden.
Augenärztliche Verfahren
Kleine Stöpsel in den Tränenkanälchen (Punctum Plugs), Augentropfen aus Eigenserum oder spezielle Kontaktlinsen bei schweren Verläufen.
Bei aktiver Organbeteiligung so niedrig und so kurz wie möglich.
Immunsuppressiva
Hydroxychloroquin vor allem bei Gelenk- und Hautbeteiligung, Methotrexat, Leflunomid, Azathioprin oder Mycophenolat je nach Organ — meist außerhalb der Zulassung (off-label).
Rituximab
Gegen B-Zellen gerichtet; bei schweren, anders nicht kontrollierbaren Organmanifestationen, off-label und meist in spezialisierten Zentren.
Mehrere neue Wirkstoffe, die gezielt an überaktiven Immunzellen ansetzen, werden derzeit in großen Studien geprüft oder befinden sich im Zulassungsverfahren. Welche Behandlung für dich passt, entscheidet die behandelnde rheumatologische Praxis — idealerweise abgestimmt mit Augen- und Zahnheilkunde.¹
Fatigue: was laut Empfehlungen hilft — und was eher nicht. Regelmäßige, angepasste Bewegung hat die beste Datenlage. Hydroxychloroquin hat in Studien Trockenheit und Erschöpfung nicht überzeugend gebessert. Lohnend ist die Suche nach behandelbaren Mitspielern wie Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut, Schlafstörungen oder einer Depression.
7. Hydroxychloroquin, Cortison & Co. im Alltag
Augentropfen richtig anwenden
Wer mehrmals täglich tropft, profitiert von Einzeldosen ohne Konservierungsmittel — sie reizen die Augenoberfläche weniger. Verschiedene Tropfen mit etwa fünf Minuten Abstand geben, Gele und Salben zuletzt. Kontaktlinsen vertragen sich mit sehr trockenen Augen oft schlecht; Details in den Ratgebern Augentropfen richtig anwenden und Medikamente und Kontaktlinsen.
Geduld: Die Wirkung setzt erst nach Wochen bis Monaten ein.
Augenkontrollen: Hydroxychloroquin kann über die Jahre die Netzhaut schädigen. Laut Fachinformation und augenärztlichen Empfehlungen gehören eine Ausgangsuntersuchung und regelmäßige Kontrollen dazu, nach mehrjähriger Einnahme jährlich.⁴
Herzrhythmus: Hydroxychloroquin kann die QT-Zeit im EKG verlängern. In Kombination mit anderen Mitteln, die das ebenfalls tun — etwa manchen Antibiotika wie Azithromycin, Antidepressiva oder Antipsychotika — steigt das Risiko.
Blutzucker: Es kann den Blutzucker senken; bei Diabetes-Medikamenten auf Unterzuckerungen achten.
Magen: Einnahme zu einer Mahlzeit verbessert oft die Verträglichkeit.
Cortison und Immunsuppressiva
Cortison über längere Zeit kann Blutzucker, Blutdruck, Gewicht und Knochen belasten und die Augen zusätzlich gefährden (Grauer Star, erhöhter Augeninnendruck) — mehr im Cortison-Ratgeber. Unter Methotrexat, Azathioprin oder Mycophenolat gehören regelmäßige Blutkontrollen dazu. Methotrexat wird einmal pro Woche eingenommen, nicht täglich; Verwechslungen haben zu lebensgefährlichen Überdosierungen geführt. Impfungen am besten vor Beginn einer Immunsuppression prüfen, siehe Impfungen und Medikamente.
Nicht eigenmächtig absetzen. Cortison darf nach längerer Einnahme nie abrupt beendet werden — es droht ein gefährlicher Cortisolmangel und ein Aufflammen der Entzündung. Auch Immunsuppressiva nur abgesprochen reduzieren, siehe Cortison absetzen und Medikamente absetzen. Melde dich sofort bei Sehstörungen unter Hydroxychloroquin, Herzrasen oder Ohnmacht, Fieber unter Immunsuppression oder Fieber mit Halsschmerzen.
Tropfen am Tag, Gel zur Nacht, Methotrexat am Montag?
brite erinnert an jeden Rhythmus und prüft neue Medikamente auf austrocknende Wirkung und Wechselwirkungen.
Die dauerhafte Aktivierung der B-Zellen erklärt, warum Menschen mit Sjögren-Syndrom häufiger ein Non-Hodgkin-Lymphom entwickeln, meist ein langsam wachsendes Lymphom der Speicheldrüsen (MALT-Lymphom). Das relative Risiko ist deutlich erhöht, die große Mehrheit der Betroffenen erkrankt aber nie daran.¹,²
Wichtig ist, die Zeichen zu kennen, die auf ein höheres Risiko hinweisen:
Anhaltende Schwellung einer Ohr- oder Unterkieferspeicheldrüse über Wochen.
Vergrößerte Lymphknoten oder eine vergrößerte Milz.
Hautvaskulitis mit kleinen, tastbaren Einblutungen an den Beinen.
Laborauffälligkeiten wie erniedrigte Komplementwerte (C4), Kryoglobuline oder auffällige Eiweiße im Blut.
Allgemeinsymptome wie Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust.
Deshalb gehören regelmäßige Kontrollen — mit Tastuntersuchung, Labor und bei Bedarf Ultraschall — auch dann dazu, wenn die Trockenheit gut im Griff ist. Die typischen langsam wachsenden Lymphome bei Sjögren-Syndrom sind oft gut behandelbar — umso mehr, wenn sie früh erkannt werden.
9. Kinderwunsch und Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft ist mit Sjögren-Syndrom in der Regel gut möglich. Eine Besonderheit betrifft Frauen mit Anti-Ro/SSA-Antikörpern: Diese können über die Plazenta zum Kind gelangen. Selten verursachen sie beim Kind einen angeborenen Herzblock (eine Störung der Reizleitung im Herzen) oder einen vorübergehenden Hautausschlag nach der Geburt (neonataler Lupus).¹
Planen: Antikörperstatus und Medikamente vor der Schwangerschaft mit Rheumatologie und Frauenheilkunde besprechen.
Kontrollen: Bei Anti-Ro/SSA-Antikörpern sind engmaschige Herzultraschall-Untersuchungen des Kindes im zweiten Schwangerschaftsdrittel üblich.
Hydroxychloroquin: gilt in der Schwangerschaft als vertretbar und wird bei Anti-Ro-positiven Frauen oft weitergegeben oder begonnen, weil es das Risiko für einen Herzblock senken kann.⁴,⁵
Absetzen vorher: Methotrexat, Mycophenolat und Leflunomid müssen rechtzeitig vor einer Schwangerschaft abgesetzt werden, Leflunomid zusätzlich mit einem Auswaschverfahren.
Luft befeuchten — Luftbefeuchter, Raumtemperatur moderat, keine Gebläse oder Klimaanlagen direkt ins Gesicht; Brillen mit Seitenschutz draußen.
Bildschirmpausen — beim Lesen und am Bildschirm blinzeln wir seltener; bewusste Pausen und Tropfen vor langen Arbeitsphasen helfen.
Zähne konsequent schützen — Fluorid, zuckerfreie Getränke, kein ständiges Nippen an Saft oder Süßem, zahnärztliche Kontrollen mehrmals im Jahr; Zahnfleischprobleme wie Parodontitis früh behandeln.
Tabletten gut herunterspülen — mit ausreichend Wasser im Sitzen oder Stehen einnehmen; bei sehr trockenem Mund bleiben Tabletten sonst leicht in der Speiseröhre hängen. Tipps unter Tabletten schlucken.
Austrocknende Mittel prüfen — bei jeder neuen Verordnung und bei frei verkäuflichen Mitteln wie Schlaf- oder Allergietabletten nachfragen. Den digitalen Medikationsplan aktuell halten.
In Bewegung bleiben — angepasstes Ausdauertraining ist das am besten belegte Mittel gegen die Erschöpfung.
Austausch suchen — die Deutsche Rheuma-Liga bietet Informationen, Kurse und Selbsthilfegruppen, auch speziell zum Sjögren-Syndrom.
Das Sjögren-Syndrom ist für die meisten eine Erkrankung, mit der man lange und gut leben kann — vorausgesetzt, Augen und Zähne werden konsequent geschützt und die seltenen ernsten Verläufe werden früh erkannt. Genau dafür sind regelmäßige Kontrollen da.
Trockenheit, Fatigue, Kontrolltermine — alles an einem Ort
Beschwerden, Laborwerte und Augenkontrollen im Verlauf festhalten statt Befunde zu suchen.
Bei den meisten Betroffenen bleibt es auf Trockenheit, Erschöpfung und Gelenkschmerzen beschränkt und verkürzt das Leben nicht. Bei einem Teil sind aber Organe wie Lunge, Niere oder Nerven beteiligt, und das Risiko für bestimmte Lymphome ist erhöht. Deshalb sind regelmäßige rheumatologische Kontrollen wichtig, auch wenn es dir gut geht.
Nach aktuellem Stand nicht. Die Trockenheit lässt sich aber mit Tränen- und Speichelersatz, Pilocarpin und Augentropfen gegen Entzündung lindern, und eine Organbeteiligung wird mit Cortison und Immunsuppressiva behandelt. Mehrere neue gezielte Wirkstoffe werden derzeit in Studien geprüft.
Grundlage sind Tränenersatzmittel ohne Konservierungsmittel, etwa mit Hyaluronsäure, bei Bedarf mehrmals täglich, und Gele oder Salben für die Nacht. Bei schwerer Entzündung der Augenoberfläche kann die Augenarztpraxis Ciclosporin-Augentropfen oder kurzzeitig cortisonhaltige Tropfen verordnen. Welche Tropfen passen, hängt vom Befund ab.
Zuckerfreie Kaugummis oder Lutschpastillen regen die verbliebene Speichelbildung an, Speichelersatz-Sprays und -Gele befeuchten den Mund. Reicht das nicht, kann Pilocarpin als Tablette die Drüsen anregen, häufig mit der Nebenwirkung Schwitzen. Wichtig sind außerdem Fluorid und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, weil ohne Speichel schneller Karies entsteht.
Vor allem Mittel mit anticholinerger Wirkung wie trizyklische Antidepressiva, Blasenmittel gegen Harndrang und ältere Antihistaminika, außerdem Entwässerungsmittel, manche Blutdrucksenker und Opioide. Setze nichts eigenmächtig ab, sondern frage in der Praxis oder Apotheke, ob es besser verträgliche Alternativen gibt.
In der Regel ja. Bei Anti-Ro/SSA-Antikörpern besteht ein kleines Risiko für einen angeborenen Herzblock beim Kind, deshalb werden engmaschige Ultraschallkontrollen des kindlichen Herzens empfohlen und oft Hydroxychloroquin gegeben. Einige Medikamente wie Methotrexat müssen vorher abgesetzt werden, daher ist eine Planung mit der Rheumatologie sinnvoll.
Hydroxychloroquin kann nach jahrelanger Einnahme selten die Netzhaut schädigen, anfangs ohne spürbare Beschwerden. Deshalb sind eine augenärztliche Ausgangsuntersuchung und regelmäßige Kontrollen vorgesehen, nach mehreren Jahren Einnahme jährlich. Die Kontrollen ersetzen nicht die Augenbetreuung wegen der Trockenheit, lassen sich aber oft damit verbinden.
Ramos-Casals M et al.: EULAR recommendations for the management of Sjögren’s syndrome with topical and systemic therapies. Ann Rheum Dis 2020;79:3–18. ard.bmj.com
Shiboski CH et al.: 2016 American College of Rheumatology/European League Against Rheumatism classification criteria for primary Sjögren’s syndrome. Ann Rheum Dis 2017;76:9–16. ard.bmj.com
Fachinformation Hydroxychloroquinsulfat (Filmtabletten; aktueller Stand, abrufbar über das Informationssystem der Zulassungsbehörden). pharmnet-bund.de
Embryotox, Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (Charité Berlin): Hydroxychloroquin. Abgerufen 2026. embryotox.de
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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Ein plötzlich schmerzhaftes rotes Auge mit Sehverschlechterung gehört noch am selben Tag augenärztlich untersucht; anhaltend geschwollene Speicheldrüsen oder Lymphknoten sollten zeitnah abgeklärt werden. Cortison darf nach längerer Einnahme nie abrupt abgesetzt werden, Methotrexat wird nur einmal pro Woche eingenommen. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: November 2026.