Hepatitis B und C:
Hepatitis C ist heilbar, Hepatitis B gut kontrollierbar

Auf einen Blick

HäufigkeitIn Deutschland vergleichsweise selten — ein relevanter Teil der chronischen Infektionen ist aber unerkannt
DefinitionLeberentzündung durch das Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Virus; chronisch, wenn sie länger als sechs Monate besteht
Hepatitis CMit antiviralen Tabletten über meist acht bis zwölf Wochen in der großen Mehrzahl heilbar; keine Impfung
Hepatitis BImpfung schützt; die chronische Form ist mit Dauertherapie gut kontrollierbar, aber nur selten heilbar
LeitlinienS3-Leitlinien zur Hepatitis-B- und zur Hepatitis-C-Virusinfektion (DGVS)
ICD-10B16 (akute Hepatitis B) · B17.1 (akute Hepatitis C) · B18 (chronische Virushepatitis)

Hepatitis-Therapie: keine Tablette vergessen, keine Wechselwirkung übersehen

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1. Was ist eine Virushepatitis?

Hepatitis bedeutet zunächst nur Leberentzündung. Dahinter können Alkohol, Medikamente, Autoimmunprozesse oder eine Verfettung der Leber stecken. Bei einer Virushepatitis ist es ein Virus, das gezielt die Leberzellen befällt. Bekannt sind fünf Hepatitisviren, benannt mit den Buchstaben A bis E.¹

Dieser Beitrag konzentriert sich auf Hepatitis B und C, weil vor allem diese beiden chronisch werden — also länger als sechs Monate bestehen und die Leber über Jahre vernarben lassen. Hepatitis A und E werden meist über Lebensmittel oder Wasser übertragen und heilen bei sonst Gesunden in der Regel folgenlos aus.

Warum „heilbar" nur für Hepatitis C gilt. Das Hepatitis-C-Virus lässt sich mit modernen Tabletten vollständig aus dem Körper entfernen. Das Hepatitis-B-Virus dagegen legt eine stabile Kopie seines Erbguts im Zellkern der Leberzellen ab. Medikamente können seine Vermehrung zuverlässig unterdrücken, diese Reserve aber kaum beseitigen. Deshalb ist das Ziel bei chronischer Hepatitis B in der Regel dauerhafte Kontrolle, nicht Heilung.²,³

Abgrenzung zur Fettleber: Erhöhte Leberwerte bedeuten nicht automatisch eine Virusinfektion — viel häufiger steckt eine Fettleber dahinter. Umgekehrt gehört eine Virushepatitis bei unklar erhöhten Werten ausgeschlossen, denn beides kann zusammen vorliegen. Auch Medikamente kommen infrage, siehe Medikamente, Nieren und Leber.


2. Hepatitis B und C im Vergleich

Beide Viren greifen dieselbe Leber an, unterscheiden sich aber in fast allem, was für dich praktisch zählt: Ansteckung, Verlauf, Impfung und Therapie.¹

MerkmalHepatitis BHepatitis C
HauptübertragungswegSexualkontakte, Blut, bei der Geburt von der Mutter auf das KindBlut-zu-Blut-Kontakt, vor allem gemeinsam genutzte Spritzen und Utensilien; sexuell selten
Chronischer VerlaufBei Erwachsenen selten, bei Neugeborenen infizierter Mütter dagegen meistBei der Mehrzahl der Infizierten
ImpfungJa, Standardimpfung im SäuglingsalterNein
Therapie der chronischen FormMeist tägliche Tabletten über Jahre, seltener Interferon-SpritzenTabletten über meist acht bis zwölf Wochen
Heilbar?Selten; Ziel ist die dauerhafte Unterdrückung des VirusJa, in der großen Mehrzahl der Fälle
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Sonderfall Hepatitis D: Dieses Virus kann sich nur gemeinsam mit dem Hepatitis-B-Virus vermehren. Eine zusätzliche Hepatitis D verläuft meist schwerer; die Hepatitis-B-Impfung schützt indirekt auch vor ihr.¹,²


3. Symptome und Folgen

Das Tückische an beiden Infektionen: Sie bleiben oft jahrelang unbemerkt. Die Leber hat keine Schmerznerven im Inneren und meldet sich erst spät.

Akute Infektion

Viele akute Infektionen — bei Hepatitis C sogar die meisten — verlaufen ohne oder mit nur unspezifischen Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, dann Wochen bis Monate nach der Ansteckung:¹

  • Grippeähnliches Krankheitsgefühl mit ausgeprägter Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Übelkeit
  • Druck im rechten Oberbauch durch die geschwollene Leber
  • Gelbfärbung von Haut und Augenweiß — mehr dazu unter Gelbsucht
  • Dunkler Urin und entfärbter Stuhl — siehe heller Stuhl

Chronische Infektion

Eine chronische Hepatitis B oder C macht häufig gar keine Beschwerden oder nur eine schwer greifbare Erschöpfung. Unbehandelt kann sie über Jahre zu Vernarbung (Fibrose) und schließlich Leberzirrhose führen — mit Wasser im Bauch, Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre und erhöhtem Risiko für Leberkrebs. Bei Hepatitis B kann Leberkrebs auch ohne vorherige Zirrhose entstehen. Beide Viren können zudem Organe außerhalb der Leber betreffen, etwa Nieren, Gefäße, Haut und Gelenke.²,³

Notfall: Zeichen eines akuten Leberversagens. Selten verläuft eine akute Hepatitis — vor allem eine Hepatitis B — so heftig, dass die Leber versagt. Rasch zunehmende Gelbfärbung, Benommenheit, Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Blutungsneigung wie Nasenbluten oder blaue Flecken ohne Anlass: Dann sofort in die Notaufnahme oder den Notruf 112 wählen. Dasselbe gilt bei bekannter Zirrhose für Bluterbrechen oder schwarzen Stuhl.

4. Übertragung und Risikofaktoren

Beide Viren werden über Blut übertragen, Hepatitis B zusätzlich über andere Körperflüssigkeiten. Wichtige Wege sind:¹

  • Gemeinsam genutzte Spritzen und Utensilien — beim Drogenkonsum der häufigste Weg für Hepatitis C, auch über geteilte Röhrchen beim Schnupfen.
  • Sexualkontakte — bei Erwachsenen ein Hauptweg für Hepatitis B. Hepatitis C wird sexuell selten übertragen, häufiger bei Praktiken mit Verletzungen oder bei gleichzeitiger HIV-Infektion.
  • Geburt — eine Mutter mit Hepatitis B kann das Virus bei der Geburt übertragen, wenn das Neugeborene nicht sofort geimpft wird. Bei Hepatitis C ist die Übertragung auf das Kind möglich, aber selten.
  • Unsterile Eingriffe und geteilte Hygieneartikel — Tätowierungen oder Piercings unter mangelhafter Hygiene; Rasierer und Zahnbürsten können Blutspuren übertragen.
  • Frühere Blutprodukte und Herkunft — Transfusionen vor Anfang der 1990er-Jahre oder ein Aufwachsen in Regionen mit höherer Verbreitung sind Gründe für einen Test.

Nicht übertragen werden beide Viren über Alltagskontakte: Umarmen, Händeschütteln, gemeinsames Essen, Geschirr oder Husten sind kein Risiko.

Medikamente als Auslöser: die Hepatitis-B-Reaktivierung. Eine scheinbar ausgeheilte Hepatitis B kann wieder aufflammen, wenn das Immunsystem medikamentös stark gedämpft wird — etwa durch bestimmte Antikörper gegen Immunzellen, Chemotherapie, längere hochdosierte Cortison-Therapie wie mit Prednisolon oder Biologika bei Rheuma und Darmentzündungen. Vor solchen Therapien wird deshalb auf Hepatitis B getestet und bei Bedarf vorbeugend behandelt.² Umgekehrt können Medikamente selbst die Leber schädigen und eine Hepatitis vortäuschen — die vollständige Medikamentenliste gehört immer zur Abklärung.

5. Diagnose: welche Tests es gibt

Die Diagnose stellt ein Bluttest. Wichtig ist, in welcher Reihenfolge gesucht wird und was die einzelnen Werte bedeuten:²,³

  • Leberwerte (ALT/GPT, AST/GOT): zeigen eine Entzündung an, sind aber unspezifisch — und bei chronischer Hepatitis manchmal völlig normal.
  • Hepatitis-B-Suchtest: HBsAg (Oberflächen-Antigen) weist eine aktuelle Infektion nach, Anti-HBc einen früheren oder bestehenden Kontakt, Anti-HBs den Impfschutz.
  • Hepatitis-C-Suchtest: Antikörper gegen HCV zeigen einen Kontakt an. Sie bleiben auch nach Ausheilung positiv — erst der Nachweis von Virus-Erbgut (HCV-RNA) belegt eine aktive Infektion.
  • Viruslast und Aktivität: HBV-DNA, HBeAg und weitere Marker entscheiden bei Hepatitis B, ob behandelt werden muss.
  • Ultraschall und Elastografie: Die Messung der Lebersteifigkeit schätzt den Vernarbungsgrad ohne Gewebeprobe. Eine Leberbiopsie ist heute nur noch selten nötig.
  • Begleitinfektionen: Bei Hepatitis B wird auch auf Hepatitis D getestet, meist zusätzlich auf HIV.
Einmal testen lohnt sich: Check-up ab 35. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung einmalig Anspruch auf einen Test auf Hepatitis B und C. Hintergrund: Viele chronische Infektionen bleiben sonst unentdeckt, obwohl sie gut behandelbar wären.⁴

Was die einzelnen Laborbefunde bedeuten, erklärt der Ratgeber Blutwerte verstehen.

6. Hepatitis C: Heilung mit Tabletten

Früher bedeutete die Therapie der Hepatitis C monatelange Interferon-Spritzen mit unsicherem Ergebnis. Heute stehen direkt antiviral wirkende Tabletten (DAA, „direct-acting antivirals") zur Verfügung, die gezielt die Vermehrung des Virus blockieren.³

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Bei der großen Mehrzahl der Behandelten — in Studien und im Versorgungsalltag weit über 90 Prozent — ist das Virus nach der Therapie dauerhaft nicht mehr nachweisbar. Ist zwölf Wochen nach Therapieende keine HCV-RNA im Blut zu finden, gilt die Hepatitis C als geheilt.³,⁵ Laut Leitlinie soll grundsätzlich jede chronische Hepatitis C behandelt werden, unabhängig vom Stadium.

Erstlinie Pangenotypische Kombinationstabletten
Glecaprevir/Pibrentasvir
Wirkt gegen alle Virustypen. Bei vielen Betroffenen ohne Vorbehandlung genügen acht Wochen. Nicht geeignet bei fortgeschritten eingeschränkter Leberfunktion.
Sofosbuvir/Velpatasvir
Ebenfalls gegen alle Virustypen wirksam, meist über zwölf Wochen. Kommt auch bei fortgeschrittener Zirrhose infrage, dann in spezialisierten Zentren.

Hat eine erste Therapie nicht gewirkt, gibt es Dreifachkombinationen für eine zweite Behandlung — das ist selten. Die Tabletten sind in der Regel gut verträglich; am häufigsten werden Kopfschmerzen und Müdigkeit berichtet. Die eigentliche Herausforderung liegt woanders: in der lückenlosen Einnahme über acht bis zwölf Wochen und in den Wechselwirkungen (siehe Abschnitt 8). Welche Kombination passt, entscheidet die behandelnde Praxis anhand von Leberbefund, Vorbehandlung und Begleitmedikation.

Geheilt heißt nicht immun. Die Antikörper bleiben meist nachweisbar, schützen aber nicht vor einer neuen Ansteckung. Und: Bestand vor der Therapie eine Zirrhose, bleiben halbjährliche Ultraschallkontrollen der Leber auch nach der Heilung wichtig.

7. Hepatitis B: kontrollieren statt heilen

Eine akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen meist von selbst aus und wird in der Regel nur unterstützend behandelt. Bei der chronischen Hepatitis B ist die Lage anders: Nicht jede Infektion muss behandelt werden. Ob eine Therapie nötig ist, hängt von Viruslast, Leberwerten, Vernarbungsgrad, Alter und familiärer Belastung mit Leberkrebs ab. Manche Betroffene brauchen über Jahre nur regelmäßige Kontrollen.²

Wird behandelt, ist das Ziel, die Virusvermehrung dauerhaft zu unterdrücken und damit Zirrhose und Leberkrebs zu verhindern. Das bestmögliche Ergebnis — der Verlust des HBsAg, oft „funktionelle Heilung" genannt — wird nur selten erreicht. Ehrlich gesagt: Eine Hepatitis-B-Therapie ist für die meisten eine Langzeittherapie.

Erstlinie Nukleos(t)id-Analoga als Dauertherapie
Entecavir
Eine Tablette täglich; je nach Dosis schreibt die Fachinformation die Einnahme nüchtern, mit Abstand zu den Mahlzeiten vor. Resistenzen sind bei unbehandelten Betroffenen selten.
Tenofovir (Tenofovirdisoproxil oder Tenofoviralafenamid)
Eine Tablette täglich, zu einer Mahlzeit. Bei der älteren Form werden Nierenfunktion und Knochengesundheit regelmäßig kontrolliert; die neuere Form belastet beides weniger.
Alternative Zeitlich begrenzte Immuntherapie
Pegyliertes Interferon alfa
Wöchentliche Spritze über in der Regel 48 Wochen. Bei ausgewählten Betroffenen etwas höhere Chance auf HBsAg-Verlust, aber deutlich mehr Nebenwirkungen wie grippeartige Beschwerden und Stimmungstiefs. Nicht bei fortgeschrittener Zirrhose oder in der Schwangerschaft.
Bei zusätzlicher Hepatitis D: Bulevirtid
Hemmt den Eintritt des Virus in die Leberzelle; täglich unter die Haut gespritzt, Einsatz in spezialisierten Zentren.

Ob und womit behandelt wird, entscheidet immer die behandelnde Praxis — idealerweise eine hepatologische Schwerpunktpraxis.

Hepatitis-B-Tabletten niemals eigenmächtig absetzen. Wird die Therapie unterbrochen, kann sich das Virus innerhalb von Wochen wieder vermehren und einen heftigen Hepatitis-Schub auslösen — bei vorgeschädigter Leber bis zum Leberversagen. Das gilt auch, wenn die Werte seit Jahren gut sind. In ausgewählten Fällen kann ein geplantes Absetzen unter engmaschiger Laborkontrolle erwogen werden; das ist ausschließlich eine Entscheidung der Fachpraxis. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.

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8. Wechselwirkungen und Reaktivierung

Vor allem die Hepatitis-C-Tabletten haben ein ausgeprägtes Wechselwirkungsprofil. Die wichtigsten Gruppen laut Fachinformationen:⁵

MedikamentengruppeProblem mit HCV-TablettenWas in der Regel geschieht
Säureblocker wie OmeprazolKönnen die Aufnahme einzelner Wirkstoffe deutlich senkenPause, niedrigere Dosis oder festgelegter Einnahmeabstand
Bestimmte Cholesterinsenker wie Atorvastatin oder SimvastatinStark erhöhte Statin-Spiegel, Risiko für MuskelschädenMit einzelnen Kombinationen nicht erlaubt; Pause oder anderes Statin
Amiodaron (Herzrhythmus-Medikament)Zusammen mit Sofosbuvir sind schwere Verlangsamungen des Herzschlags beschriebenVermeiden oder nur unter strenger Überwachung
Johanniskraut, Carbamazepin, Phenytoin, RifampicinSenken die Spiegel der HCV-Wirkstoffe — Therapieversagen drohtNicht kombinieren
Östrogenhaltige PilleMit Glecaprevir/Pibrentasvir Anstieg der LeberwerteFür die Therapiedauer andere Verhütung, etwa reine Gestagenpräparate
Blutverdünner wie Phenprocoumon oder DabigatranGerinnungswerte schwanken, wenn sich die Leber erholt; Dabigatran-Spiegel können steigenEngmaschige Kontrollen; manche Kombinationen sind nicht erlaubt
Insulin und Diabetes-TablettenDer Blutzucker kann während der Therapie sinkenHäufiger messen, Anpassung durch die Praxis
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Frei verkäufliche und pflanzliche Arzneimittel werden dabei gern vergessen. Die Hepatitis-B-Tabletten sind vergleichsweise wechselwirkungsarm; bei Tenofovirdisoproxil sollten nierenbelastende Mittel aber abgestimmt werden.

Reaktivierung: Hepatitis B unter Immuntherapie

Bei chronischer oder früher durchgemachter Hepatitis B wird vor jeder stärkeren Immunsuppression vorbeugend behandelt oder die Viruslast engmaschig kontrolliert.² Auch unter einer Hepatitis-C-Therapie kann eine begleitende Hepatitis B aufflammen — deshalb wird vorher auf beide Viren getestet.³,⁵

Schmerzmittel: Bei Zirrhose sind entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen oder Diclofenac problematisch; auch die Tageshöchstmenge von Paracetamol gehört abgesprochen. Keine Selbstmedikation ohne Rücksprache.


9. Impfung, Schwangerschaft und Ansteckungsschutz

Die Hepatitis-B-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Hepatitis-B-Impfung für alle Säuglinge als Teil der Grundimmunisierung. Versäumte Impfungen sollen bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Erwachsenen wird sie bei erhöhtem Risiko empfohlen, etwa bei chronischen Lebererkrankungen, Immunschwäche, beruflichem Blutkontakt oder engem Kontakt zu Menschen mit Hepatitis B.⁶ Mit chronischer Hepatitis B oder C ist zudem ein Schutz gegen Hepatitis A sinnvoll — siehe Impfungen für Erwachsene.

Kein Impfstoff gegen Hepatitis C

Gegen Hepatitis C gibt es bislang keine Impfung. Schutz heißt: Blutkontakte vermeiden, keine Utensilien teilen, auf sterile Bedingungen bei Tattoos und Piercings achten.

Schwangerschaft und Geburt

In der Mutterschaftsvorsorge wird auf Hepatitis B getestet. Ist die Mutter infiziert, erhält das Neugeborene direkt nach der Geburt eine kombinierte aktive und passive Impfung; bei hoher Viruslast kommt gegen Ende der Schwangerschaft zusätzlich eine antivirale Behandlung der Mutter infrage.²,⁶ Die Hepatitis-C-Tabletten sind für die Schwangerschaft nicht zugelassen; behandelt wird in der Regel davor oder danach. Stillen ist bei beiden Infektionen meist möglich. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.


10. Alltag mit chronischer Hepatitis

  • Alkohol meiden — er beschleunigt die Vernarbung der Leber erheblich. Ob kleine Mengen vertretbar sind, hängt vom Leberbefund ab; bei Zirrhose gilt Verzicht. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Alkohol.
  • Eigene Hygieneartikel — Rasierer, Zahnbürste und Nagelschere nicht teilen; bei Hepatitis B Kondome nutzen, bis der Partner geimpft ist.
  • Kontrolltermine einhalten — bei Zirrhose und bei bestimmten Hepatitis-B-Konstellationen wird die Leber in der Regel halbjährlich per Ultraschall auf Krebs untersucht.
  • Eine vollständige Medikamentenliste führen — inklusive frei verkäuflicher Mittel, und sie jeder Praxis zeigen, die etwas Neues verordnet; Vorlage im Ratgeber Medikamentenliste führen.

Viele belastet weniger die Leber als die Sorge, andere anzustecken. Bei Alltagskontakten in Familie, Sport und den allermeisten Berufen besteht kein Risiko; Einschränkungen betreffen vor allem Tätigkeiten im Gesundheitswesen mit Verletzungsgefahr. Sind Alkohol oder Drogen im Spiel, ist Hilfe keine Frage der Moral — siehe Alkoholabhängigkeit.

Viruslast, Leberwerte, Ultraschall — wann war was?

Halte Laborbefunde und Kontrolltermine im Verlauf fest, statt sie vor jedem Termin zusammenzusuchen.

Verlauf anlegen

FAQ: Häufige Fragen zu Hepatitis B und C

Ja, in der großen Mehrzahl der Fälle. Direkt antiviral wirkende Tabletten, die meist über acht bis zwölf Wochen eingenommen werden, entfernen das Virus bei weit über 90 Prozent der Behandelten dauerhaft. Ist zwölf Wochen nach Therapieende kein Virus-Erbgut mehr im Blut nachweisbar, gilt die Infektion als geheilt.
Eine akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen meist von selbst aus. Die chronische Hepatitis B ist dagegen nur selten heilbar, weil das Virus eine stabile Kopie seines Erbguts in den Leberzellen hinterlegt. Mit Medikamenten lässt sie sich aber in der Regel gut kontrollieren, sodass Zirrhose und Leberkrebs deutlich seltener auftreten.
Beide Viren werden über Blut übertragen, Hepatitis B zusätzlich häufig über Sexualkontakte und bei der Geburt von der Mutter auf das Kind. Hepatitis C wird vor allem über gemeinsam genutzte Spritzen und Utensilien oder unsterile Eingriffe übertragen. Alltagskontakte wie Umarmen, gemeinsames Essen oder Geschirr sind kein Risiko.
Nein, bislang gibt es keinen Impfstoff gegen Hepatitis C. Gegen Hepatitis B dagegen schon: Die STIKO empfiehlt die Impfung für alle Säuglinge und das Nachholen bis zum 18. Geburtstag, bei Erwachsenen für Menschen mit erhöhtem Risiko. Die Hepatitis-B-Impfung schützt indirekt auch vor Hepatitis D.
Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben im Rahmen des Gesundheits-Check-ups einmalig Anspruch auf einen Test auf beide Viren. Bei Beschwerden, auffälligen Leberwerten, einem konkreten Ansteckungsrisiko oder vor einer stark immundämpfenden Therapie wird unabhängig davon getestet.
Nicht eigenmächtig. Gute Werte zeigen, dass die Therapie wirkt, nicht dass das Virus verschwunden ist. Nach einem Absetzen kann es sich rasch wieder vermehren und einen schweren Hepatitis-Schub auslösen. Ein geplantes Absetzen ist nur in ausgewählten Fällen und unter engmaschiger Kontrolle der Fachpraxis möglich.
Wichtige Beispiele sind Säureblocker, bestimmte Cholesterinsenker, das Herzmedikament Amiodaron, einige Antiepileptika, Johanniskraut, östrogenhaltige Verhütungsmittel bei einer der Kombinationen sowie Blutverdünner. Was konkret betroffen ist, hängt vom Präparat ab — deshalb gehört die vollständige Medikamentenliste vor Therapiebeginn auf den Tisch.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Hepatitis B und D sowie RKI-Ratgeber Hepatitis C. Abgerufen 2026. rki.de
  2. S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Fassung 2021. awmf.org
  3. S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus-Infektion, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), aktualisierte Fassung 2018. awmf.org
  4. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie — Screening auf Hepatitis B und C im Check-up. Abgerufen 2026. g-ba.de
  5. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Fachinformationen zu Glecaprevir/Pibrentasvir und Sofosbuvir/Velpatasvir. Abgerufen 2026. ema.europa.eu
  6. Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der STIKO beim Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin, aktuelle Fassung. Abgerufen 2026. rki.de/stiko

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Rasch zunehmende Gelbfärbung, Verwirrtheit, starke Schläfrigkeit oder Blutungsneigung können auf ein Leberversagen hinweisen und sind ein Notfall — wähle dann sofort 112. Setze Hepatitis-B-Medikamente niemals eigenmächtig ab und nimm während einer Hepatitis-C-Therapie keine neuen Mittel ohne Rücksprache ein. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: September 2026.