Vitiligo (Weißfleckenkrankheit):
Behandlung, Sonnenschutz & was wirklich hilft

Auf einen Blick

HäufigkeitEine der häufigsten Pigmentstörungen; Schätzungen zufolge weltweit etwa 0,5 bis 2 Prozent der Menschen
DefinitionAutoimmun bedingter Verlust der Pigmentzellen — scharf begrenzte, milchweiße Flecken. Nicht ansteckend
Therapie der WahlCortison- oder Tacrolimus-Creme, Ruxolitinib-Creme bei Gesichtsbefall, UVB-Lichttherapie (311 nm) bei größerer Ausdehnung
Neu 2026Mit Upadacitinib ist seit Juli 2026 erstmals eine Tablette für die nicht-segmentale Vitiligo in der EU zugelassen
Leitlinie & ICD-10S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Vitiligo (DDG, AWMF 013-093) · L80

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1. Was ist Vitiligo?

Vitiligo, auch Weißfleckenkrankheit genannt, ist eine chronische Hauterkrankung, bei der die Pigmentzellen der Haut verloren gehen. Diese Melanozyten bilden den Farbstoff Melanin, der Haut und Haaren Farbe gibt und vor UV-Strahlung schützt. Wo sie fehlen, entstehen scharf begrenzte, milchweiße Flecken.¹,²

Nach aktuellem Wissensstand richtet sich dabei das eigene Immunsystem gegen die Melanozyten — Vitiligo gilt als Autoimmunerkrankung. Sie ist nicht ansteckend, tut nicht weh und schadet dem übrigen Körper in der Regel nicht. Trotzdem ist sie keine Kleinigkeit: Die Flecken sitzen oft im Gesicht oder an den Händen, und das belastet viele stärker, als Außenstehende vermuten.

Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 0,5 bis 2 Prozent der Menschen betroffen, Frauen und Männer gleich häufig. Vitiligo kommt bei allen Hauttypen vor, auf dunkler Haut ist der Kontrast größer. Oft beginnt sie in der Kindheit oder im jungen Erwachsenenalter.²

Nicht jeder helle Fleck ist Vitiligo. Eine Hefepilzinfektion (Kleienpilzflechte), helle Stellen nach abgeheilten Ekzemen bei Neurodermitis oder Schuppenflechte sehen ähnlich aus — werden aber ganz anders behandelt. Die Unterscheidung gehört in die Hautarztpraxis.

Der Verlauf ist schwer vorherzusagen: Manche Flecken bleiben jahrelang unverändert, bei anderen kommen in Schüben neue hinzu. Eine Heilung im Sinne von „einmal behandelt, für immer weg" gibt es bisher nicht. Die Behandlung soll die Ausbreitung stoppen und Farbe zurückbringen — beides braucht Geduld.


2. Formen: segmental, nicht-segmental, aktiv oder stabil

Die Einteilung entscheidet mit darüber, welche Therapie infrage kommt und wie gut die Aussichten sind.¹

FormTypisches BildVerlauf und Therapie-Tendenz
Nicht-segmentale Vitiligo (häufigste Form)Meist beidseitig und symmetrisch: um Augen und Mund, an Fingern, Ellenbogen, Knien, Achseln, GenitalbereichChronisch, oft in Schüben. Cremes, Licht, bei Bedarf Tabletten
Segmentale VitiligoEinseitig, folgt einem Hautabschnitt, etwa an einer GesichtshälfteBeginnt oft in der Kindheit, breitet sich anfangs rasch aus, kommt dann meist zum Stillstand. Im stabilen Zustand gut für Transplantation geeignet
Fokale VitiligoEinzelne kleine Flecken, noch keiner Form zuzuordnenOffen. Meist Cremes und Verlauf beobachten
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Aktiv oder stabil?

Mindestens so wichtig ist, ob die Vitiligo gerade aktiv ist. Zeichen dafür: neue oder wachsende Flecken in den letzten Monaten, unscharfe Ränder, konfettiartige kleine Aufhellungen und das Köbner-Phänomen — neue Flecken genau dort, wo die Haut gerieben, gekratzt oder verletzt wurde. Als stabil gilt Vitiligo, wenn über längere Zeit, meist wird ein Jahr angesetzt, nichts Neues dazukommt.


3. Symptome, Begleiterkrankungen und seelische Last

  • Milchweiße, scharf begrenzte Flecken — anfangs manchmal nur heller statt ganz weiß.
  • Weiße Haare in den Flecken (Leukotrichie) — prognostisch ungünstig, weil die Haarwurzeln sonst als Reservoir für neue Pigmentzellen dienen.
  • Sonnenbrand-Neigung — die Flecken haben keinen eigenen UV-Schutz.
  • Gelegentlich Juckreiz — vor allem in aktiven Phasen, meist mild.

Begleiterkrankungen: die Schilddrüse im Blick

Menschen mit Vitiligo haben häufiger weitere Autoimmunerkrankungen, allen voran der Schilddrüse wie die Hashimoto-Thyreoiditis. Seltener sind Typ-1-Diabetes, kreisrunder Haarausfall oder eine Blutarmut durch Vitamin-B12-Mangel (perniziöse Anämie). Die Leitlinie empfiehlt deshalb, die Schilddrüsenwerte zu bestimmen.¹

Die unterschätzte Last

Viele Betroffene berichten von Blicken und Fragen — und davon, dass sie Schwimmbad, Sport oder Dating meiden. Bei Vitiligo kommen depressive Verstimmungen und Ängste häufiger vor. Das ist keine Eitelkeit, sondern ein echter Teil der Erkrankung und ein legitimer Grund, sich behandeln oder psychologisch unterstützen zu lassen. Vielen hilft auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe, etwa beim Deutschen Vitiligo Bund.


4. Ursachen und Auslöser

Im Zentrum steht eine fehlgeleitete Immunreaktion: Abwehrzellen (T-Zellen) zerstören die Melanozyten. Der Botenstoff Interferon-gamma treibt diesen Angriff über den JAK-STAT-Signalweg an — genau hier setzen die neuen JAK-Hemmer an.¹

  • Genetische Veranlagung: Vitiligo tritt familiär gehäuft auf; vererbt wird eine Neigung, nicht die Erkrankung selbst.
  • Empfindliche Pigmentzellen: Melanozyten reagieren bei Vitiligo offenbar stärker auf zellulären Stress und locken dabei das Immunsystem an.
  • Mechanische Reize und Sonnenbrand: Können bei aktiver Vitiligo neue Flecken auslösen.
  • Psychische Belastung: Als Auslöser diskutiert, als Ursache nicht belegt.
  • Chemische Stoffe: Bestimmte Chemikalien, etwa Phenole in Gummi oder Bleichcremes oder der Haarfärbestoff para-Phenylendiamin, können eine vitiligoähnliche Weißfärbung auslösen (chemische Leukodermie).
Medikamente als Ursache heller Flecken. Einige Wirkstoffe können eine vitiligoähnliche Depigmentierung auslösen: Immuncheckpoint-Hemmer in der Krebstherapie, die Immuncreme Imiquimod, manche Tyrosinkinase-Hemmer wie Imatinib und selten TNF-alpha-Blocker. Auch Cortison-Spritzen in die Haut hinterlassen manchmal helle Stellen. Setze nichts eigenmächtig ab — aber nimm deine vollständige Medikamentenliste mit zur Hautarztpraxis. Mehr im Ratgeber Nebenwirkungen von Medikamenten.

Keine Ursache sind falsche Ernährung, mangelnde Hygiene oder Ansteckung — und Vitiligo ist keine Vorstufe von Hautkrebs.


5. Diagnose in der Hautarztpraxis

Meist ist Vitiligo auf den ersten Blick erkennbar. Die Untersuchung soll andere Ursachen ausschließen, Form und Aktivität festlegen und einen Ausgangsbefund liefern, an dem sich jede Therapie messen lassen muss.¹,²

  • Anamnese: Seit wann, sind neue Flecken dazugekommen, gibt es Autoimmunerkrankungen in der Familie? Welche Medikamente nimmst du, womit hast du beruflich Kontakt?
  • Wood-Licht: Unter einer UV-A-Lampe leuchten Vitiligo-Flecken kreidig-bläulich weiß — so werden auch Flecken auf heller Haut sichtbar, und ein Pilzbefall lässt sich abgrenzen.
  • Ausdehnung erfassen: Als Faustregel entspricht eine Handfläche mit Fingern etwa einem Prozent der Körperoberfläche. Fotos und Scores machen den Verlauf vergleichbar.
  • Blutwerte: Schilddrüsenwert TSH und Schilddrüsen-Antikörper, je nach Beschwerden weitere Werte.
  • Gewebeprobe: Nur bei unklarem Bild.

Fotos der Flecken aus den letzten Monaten zeigen die Aktivität besser als jede Erinnerung. Tipps für das Gespräch stehen im Ratgeber Arzttermin vorbereiten.

6. Therapie: Ziele, Stufen, Erwartungen

Jede Behandlung verfolgt zwei Ziele: die Ausbreitung stoppen und Farbe zurückbringen. Beides gelingt heute besser als vor wenigen Jahren — aber selten vollständig und nie schnell.¹

  • Repigmentierung braucht Monate. Die Farbe kommt meist punktförmig aus den Haarwurzeln oder wächst vom Rand ein; erste Effekte zeigen sich oft nach drei bis sechs Monaten.
  • Der Ort entscheidet mit. Gesicht und Hals sprechen am besten an, Hände, Füße und Lippen am schlechtesten.
  • Rückfälle sind häufig. Nach dem Absetzen können Flecken zurückkehren.
  • Nicht behandeln ist legitim. Gerade bei heller Haut wählen manche bewusst Sonnenschutz und Camouflage statt monatelanger Therapie.

Welche Stufe passt, hängt von Form, Aktivität, Ausdehnung und deinen Wünschen ab — die Entscheidung triffst du gemeinsam mit deiner hautärztlichen Praxis.

Erstlinie Begrenzter Befall: Cremes
Stark wirksame Cortison-Creme
Laut Leitlinie erste Wahl am Körper, bei Kindern wie Erwachsenen — zeitlich begrenzt oder im Intervall.
Tacrolimus-Salbe oder Pimecrolimus-Creme
Bevorzugt an Gesicht, Hals, Lidern und im Genitalbereich, weil sie die Haut nicht verdünnen. Off-Label, aber leitliniengerecht.
Ruxolitinib-Creme
Zugelassen für die nicht-segmentale Vitiligo mit Gesichtsbeteiligung ab 12 Jahren.
Zweitlinie Ausgedehnter oder fortschreitender Befall: Licht
Schmalband-UVB (311 nm)
Zwei- bis dreimal pro Woche über viele Monate. Kann die Ausbreitung bremsen und Repigmentierung anstoßen; kombiniert mit Cremes wirkt sie nach aktuellem Wissensstand besser als allein.
Excimer-Licht (308 nm)
Gezielte Bestrahlung einzelner Flecken, die auf Cremes allein nicht ansprechen.
Systemisch Rasch aktive oder ausgedehnte Vitiligo: Tabletten
Cortison als Minipuls
Tabletten an zwei Tagen pro Woche über einige Monate, um eine schnelle Ausbreitung zu stoppen. Off-Label; färbt kaum wieder ein.
Upadacitinib
Seit Juli 2026 die erste zugelassene Tablette für die nicht-segmentale Vitiligo ab 12 Jahren, wenn eine systemische Therapie infrage kommt.
Sonderfälle Transplantation und Depigmentierung
Übertragung von Pigmentzellen
Hautstückchen oder eine Zellsuspension aus gesunder Haut werden in die Flecken gebracht. Nur bei stabiler Vitiligo, vor allem der segmentalen Form, in spezialisierten Zentren.
Depigmentierung
Bei fast universeller Vitiligo wird die Resthaut aufgehellt. Selten und sehr gut zu überlegen.

7. Cremes und Tabletten im Detail

Cortison-Cremes: wirksam, aber mit Pausen

Bei begrenztem Befall empfiehlt die Leitlinie stark wirksame Glukokortikoide der Klasse III wie Mometasonfuroat — einmal täglich über etwa drei Monate oder im Intervall: 15 Tage behandeln, 14 Tage Pause, über ein halbes Jahr.¹ Die Pausen schützen vor dünner, verletzlicher Haut, Äderchen und Dehnungsstreifen. An Gesicht, Lidern und Genitalbereich wird deshalb meist auf Calcineurinhemmer ausgewichen.

Tacrolimus und Pimecrolimus: die Gesichtsmittel

Sie sind eigentlich für Neurodermitis zugelassen und verdünnen die Haut nicht. In den ersten Tagen brennen sie oft; Alkohol kann eine flüchtige Gesichtsrötung auslösen. Nach erfolgreicher Behandlung kann eine Erhaltungsanwendung an zwei Tagen pro Woche Rückfälle verringern.¹ Weil die Anwendung Off-Label ist, lohnt es sich, die Kostenübernahme vorab zu klären.

Ruxolitinib-Creme: der erste zugelassene Wirkstoff

Die Creme mit dem JAK-Hemmer Ruxolitinib ist seit 2023 in der EU für die nicht-segmentale Vitiligo mit Gesichtsbeteiligung ab 12 Jahren zugelassen — zweimal täglich dünn, auf höchstens zehn Prozent der Körperoberfläche.³ Laut Fachinformation braucht eine zufriedenstellende Repigmentierung oft länger als ein halbes Jahr, und nicht alle sprechen gut an. Häufige Nebenwirkungen sind akneartige Pickel, Rötung und Juckreiz an der Auftragsstelle. In Schwangerschaft und Stillzeit soll sie nicht angewendet werden.

Upadacitinib: die erste Tablette gegen Vitiligo

Ende Juli 2026 hat die EU den JAK-Hemmer Upadacitinib — bekannt aus der Therapie von Rheuma, Neurodermitis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen — für die nicht-segmentale Vitiligo ab 12 Jahren zugelassen, sofern eine systemische Therapie infrage kommt.⁴ In den Zulassungsstudien wurde der Effekt nach fast einem Jahr bewertet. Ein echter Fortschritt bei ausgedehnter Vitiligo — aber kein Mittel für ein paar kleine Flecken.

Denn als Tablette wirkt ein JAK-Hemmer im ganzen Körper. Zu den bekannten Risiken der Wirkstoffgruppe gehören schwere Infektionen, Gürtelrose, Thrombosen, schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse und bestimmte Krebserkrankungen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur rät, JAK-Hemmer bei Menschen ab 65, bei (ehemals) langjährigen Raucherinnen und Rauchern sowie bei erhöhtem Herz-Kreislauf- oder Krebsrisiko nur einzusetzen, wenn es keine geeignete Alternative gibt.⁵

  • Vor dem Start: Tests auf Tuberkulose und Hepatitis, Blutbild, Leber- und Blutfettwerte, Impfstatus — Lebendimpfstoffe sind unter der Therapie tabu.
  • Verhütung: In der Schwangerschaft darf Upadacitinib nicht eingenommen werden.
  • Wechselwirkungen: Starke Hemmer des Abbauenzyms CYP3A4, etwa bestimmte Pilzmittel und Antibiotika, sowie Grapefruit erhöhen den Wirkspiegel; Rifampicin oder Johanniskraut senken ihn. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.
Warnzeichen unter JAK-Hemmern — nicht abwarten. Lass Fieber, anhaltenden Husten oder einen schmerzhaften Bläschenausschlag wie bei einer Gürtelrose umgehend ärztlich abklären. Plötzliche Atemnot, Brustschmerz oder ein geschwollenes, schmerzendes Bein können auf eine Thrombose oder Lungenembolie hinweisen — dann sofort 112. Setze die Tabletten nicht eigenmächtig ab und pausiere sie vor Operationen oder Impfungen nur nach Absprache. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.

Die Cortison-Minipulstherapie ist dagegen überschaubar: Weil die Tabletten nur an zwei Tagen pro Woche genommen werden, ist ein Ausschleichen in der Regel nicht nötig. Dosis, Dauer und Ende legt trotzdem die behandelnde Praxis fest.

Zweimal täglich cremen, 15 Tage an, 14 Tage Pause?

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8. Sonnenschutz: die Flecken schützen

Die weißen Flecken haben keinen eigenen UV-Schutz. Sie verbrennen schneller, und ein Sonnenbrand kann bei aktiver Vitiligo neue Flecken auslösen. Zudem bräunt die gesunde Haut nach, der Kontrast wird größer — konsequenter Sonnenschutz hält ihn klein.²

  • Hoher Lichtschutzfaktor: LSF 50 auf den Flecken, nach dem Baden erneut auftragen.
  • Textiler Schutz: Hut, UV-Kleidung und Schatten zur Mittagszeit schützen verlässlicher als jede Creme.
  • Kein Solarium: Es ersetzt keine Lichttherapie und bräunt vor allem die gesunde Haut.
  • Medikamente prüfen: Manche Antibiotika, Entwässerungsmittel oder Schmerzmittel machen die Haut lichtempfindlich — unter Lichttherapie besonders relevant. Sag der Praxis vor jeder Behandlungsserie, was du einnimmst; mehr unter Medikamente und Sonne.
Und das Hautkrebsrisiko? Nach bisherigen Daten erhöht Vitiligo selbst das Hautkrebsrisiko nicht. Wer über Jahre Lichttherapie erhält oder JAK-Hemmer einnimmt, sollte die Haut trotzdem regelmäßig kontrollieren lassen — Warnzeichen im Beitrag Weißer Hautkrebs.

Camouflage und Selbstbräuner: Wasserfeste Abdeckcremes machen die Flecken für einen Tag nahezu unsichtbar; Selbstbräuner färben die oberste Hautschicht und gleichen den Kontrast aus. Beides behandelt die Vitiligo nicht, verbessert aber für viele die Lebensqualität. Wichtig: Selbstbräuner schützt nicht vor der Sonne.


9. Was nicht belegt ist

Weil die Behandlung lange dauert, ist der Markt für Alternativen groß. Eine nüchterne Einordnung:¹

Mittel oder MethodeEinordnung nach aktuellem Wissensstand
Ginkgo-biloba-ExtraktNur kleine Studien mit begrenzter Aussagekraft. Kann mit Gerinnungshemmern die Blutungsneigung erhöhen — siehe Pflanzliche Arzneimittel
Vitamine und Antioxidantien (B12, Folsäure, Vitamin C, E, Zink)Keine überzeugenden Belege; sinnvoll nur bei nachgewiesenem Mangel
Pseudokatalase-CremeStudienlage widersprüchlich; keine Empfehlung
Spezielle DiätenKein belastbarer Zusammenhang mit Vitiligo
Unkontrollierte SonnenbäderSonnenbrand und neue Flecken möglich. Wenn UV, dann dosiert und ärztlich gesteuert
Tätowieren der FleckenBei aktiver Vitiligo Risiko neuer Flecken; die Farbe passt sich der Bräunung nicht an
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10. Alltag mit Vitiligo

  • Verlauf festhalten — Fotos alle zwei bis drei Monate, bei gleichem Licht und Abstand. So siehst du Fortschritte, die im Spiegel untergehen.
  • Cremes richtig dosieren — eine Fingerspitzeneinheit, ein Salbenstrang vom Fingerende bis zum ersten Gelenk, reicht für etwa zwei Handflächen.
  • Pausen ernst nehmen — bei Cortison-Intervallen ist die Pause Teil der Therapie.
  • Reibung vermeiden — bei aktiver Vitiligo auf enge Gürtel, scheuernde Armbänder und aggressive Rasur achten.
  • Alle Präparate an einem Ort — Cremes, Tabletten, Schilddrüsenmittel und Nahrungsergänzungen gehören in einen Plan, siehe Medikationsplan erstellen.

Vitiligo verlangt einen langen Atem. Setz dir mit deiner Praxis ein realistisches Ziel — etwa die Ausbreitung zu stoppen und das Gesicht zu repigmentieren — und bewerte die Behandlung erst nach einigen Monaten. Wirkt sie nach einem halben Jahr gar nicht, lohnt sich ein Strategiewechsel statt Aufgeben.

Monatelange Therapie — und der Überblick bleibt?

Anwendungen, Lichttherapie-Termine und Laborkontrollen im Verlauf festhalten, statt sie zu rekonstruieren.

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FAQ: Häufige Fragen zu Vitiligo

Nein. Vitiligo ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Pigmentzellen der Haut angreift. Sie lässt sich weder durch Berührung noch durch gemeinsame Handtücher oder Schwimmbäder übertragen.
Eine dauerhafte Heilung gibt es bisher nicht. Mit Cremes, Lichttherapie und inzwischen auch Tabletten lässt sich die Ausbreitung oft stoppen und ein Teil der Flecken wieder färben. Nach dem Absetzen können Flecken zurückkehren.
Erste Pigmentinseln zeigen sich oft nach drei bis sechs Monaten, eine deutliche Repigmentierung dauert häufig ein Jahr oder länger. Das Gesicht spricht am schnellsten an, Hände und Füße am langsamsten.
Die Creme ist seit 2023 in der EU für die nicht-segmentale Vitiligo mit Gesichtsbeteiligung ab 12 Jahren zugelassen. Sie kann besonders im Gesicht Farbe zurückbringen, braucht dafür aber meist mehr als ein halbes Jahr, und nicht alle sprechen an. Häufige Nebenwirkungen sind Pickel, Rötung und Juckreiz an der Auftragsstelle.
Seit Juli 2026 ist der JAK-Hemmer Upadacitinib in der EU für die nicht-segmentale Vitiligo ab 12 Jahren zugelassen, wenn eine systemische Therapie infrage kommt. Er wirkt im ganzen Körper und hat Risiken wie Infektionen und Thrombosen, deshalb wird er sorgfältig ausgewählt und überwacht. Daneben wird Cortison als Minipuls eingesetzt, um eine rasche Ausbreitung zu bremsen.
Ja, aber gut geschützt. Die weißen Flecken haben keinen eigenen UV-Schutz und verbrennen schnell, und ein Sonnenbrand kann neue Flecken auslösen. Hoher Lichtschutzfaktor, Kleidung und Schatten zur Mittagszeit halten zugleich den Kontrast zur gebräunten Haut klein.
Menschen mit Vitiligo haben häufiger autoimmune Schilddrüsenerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis. Deshalb wird empfohlen, den Schilddrüsenwert TSH und die Schilddrüsen-Antikörper zu bestimmen und bei Beschwerden wie Müdigkeit oder Gewichtsveränderungen erneut zu kontrollieren.

Quellen

  1. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Vitiligo, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (AWMF Reg-Nr. 013-093, 2021). awmf.org
  2. MSD Manual, Patientenausgabe: Vitiligo. Abgerufen 2026. msdmanuals.com
  3. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Opzelura (Ruxolitinib-Creme), Produktinformation. Abgerufen 2026. ema.europa.eu
  4. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Rinvoq (Upadacitinib), Produktinformation mit Indikationserweiterung nicht-segmentale Vitiligo (Juli 2026). ema.europa.eu
  5. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Maßnahmen zur Minimierung des Risikos schwerwiegender Nebenwirkungen von Januskinase-Inhibitoren bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen (2022). ema.europa.eu

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Neue oder sich rasch ausbreitende helle Flecken gehören hautärztlich beurteilt; unter JAK-Hemmern sind Fieber, plötzliche Atemnot oder ein geschwollenes, schmerzendes Bein sofort ärztlich abzuklären, im Notfall über 112. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: September 2026.