Windpocken (Varizellen):
Verlauf, Impfung & der Bezug zur Gürtelrose

Auf einen Blick

HäufigkeitFrüher erkrankte fast jedes Kind; seit der Impfempfehlung für alle Kinder sind die Fälle deutlich zurückgegangen
DefinitionHochansteckende Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus mit juckendem Bläschenausschlag am ganzen Körper
AnsteckendEin bis zwei Tage vor dem Ausschlag bis alle Bläschen verkrustet sind — meist fünf bis sieben Tage nach Ausschlagbeginn
Therapie der WahlJuckreiz und Fieber lindern; Aciclovir für Risikogruppen. Bei Fieber Paracetamol — kein ASS
VorbeugungZwei Impfungen im Alter von 11 und 15 Monaten (STIKO), Nachholen bei fehlendem Schutz
Grundlage & ICD-10RKI-Ratgeber Windpocken, STIKO-Empfehlungen · B01

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Verlauf anlegen

1. Was sind Windpocken?

Windpocken — medizinisch Varizellen — sind die Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV), einem Virus aus der Familie der Herpesviren. Typisch ist ein stark juckender Ausschlag mit kleinen Bläschen, der sich über den ganzen Körper ausbreitet. Den Namen verdanken sie ihrer Übertragung: Das Virus verbreitet sich über die Luft und kann auch über einige Meter Entfernung anstecken.¹

Wer Windpocken einmal hatte, ist in der Regel lebenslang gegen eine erneute Windpocken-Erkrankung geschützt. Das Virus verschwindet aber nicht: Es zieht sich in Nervenknoten zurück und kann Jahrzehnte später als Gürtelrose wieder aufflammen — mehr dazu in Abschnitt 9.¹

Bei gesunden Kindern verlaufen Windpocken meist unangenehm, aber harmlos. Ernst wird es vor allem für Erwachsene, Schwangere, Neugeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Seit die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für alle Kinder empfiehlt, sind Erkrankungen in Deutschland deutlich seltener geworden.¹,²


2. Verlauf bei Kindern, Erwachsenen und Risikogruppen

Wie schwer Windpocken verlaufen, hängt weniger vom Virus ab als davon, wen es trifft.¹,³

GruppeTypischer VerlaufWorauf achten?
Gesunde KinderLeichtes Fieber, starker Juckreiz, nach etwa einer Woche verkrustetKratzen und bakterielle Hautinfektionen vermeiden
Jugendliche und ErwachseneOft deutlich schwerer, mehr Bläschen, höheres FieberLungenentzündung ist häufiger — besonders bei Rauchenden
SchwangereSchwerere Verläufe möglich, vor allem mit LungenbeteiligungRisiko für das Ungeborene; sofort ärztlich melden, schon beim Kontakt
NeugeboreneGefährlich, wenn die Mutter kurz vor oder kurz nach der Geburt erkranktRasche Behandlung nötig
Geschwächtes ImmunsystemSchwere, ausgedehnte Verläufe mit Organbeteiligung möglichFrühe antivirale Therapie, oft als Infusion
Nach Impfung („Durchbruch“)Meist mild: wenige Bläschen, oft ohne FieberTrotzdem ansteckend — Kontakt zu Risikopersonen meiden
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Windpocken in der Schwangerschaft

Erkrankt eine Schwangere ohne Immunschutz in der ersten Schwangerschaftshälfte, kann das Ungeborene ein fetales Varizellensyndrom mit Haut-, Augen-, Nerven- und Skelettschäden entwickeln. Das Risiko ist insgesamt gering, die Folgen können aber schwer sein. Erkrankt die Mutter in den Tagen um die Geburt — etwa fünf Tage davor bis zwei Tage danach —, droht dem Neugeborenen eine lebensgefährliche Infektion.¹ Deshalb gilt: Hattest du als Schwangere Kontakt zu Windpocken oder Gürtelrose und weißt nicht sicher, ob du geschützt bist, ruf sofort deine Praxis an. Für eine schützende Antikörpergabe bleibt nur ein kurzes Zeitfenster (Abschnitt 8).


3. Symptome und Komplikationen

Oft beginnt es mit leichtem Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Innerhalb eines Tages zeigt sich der typische Ausschlag:¹,³

  • Rote Flecken, dann Knötchen, dann Bläschen — gefüllt mit klarer Flüssigkeit, die später trüb wird und zu Krusten eintrocknet.
  • „Sternenhimmel“ — weil in Schüben immer neue Bläschen entstehen, sieht man Flecken, Bläschen und Krusten gleichzeitig nebeneinander. Das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.
  • Überall — Beginn meist an Rumpf und Gesicht, dann auch auf der behaarten Kopfhaut und an Schleimhäuten wie Mund oder Genitalbereich.
  • Starker Juckreiz — das belastendste Symptom, besonders nachts.

Nach etwa einer Woche sind in der Regel alle Bläschen verkrustet. Die Krusten fallen danach ab; Narben bleiben vor allem dort, wo gekratzt wurde oder sich Bläschen entzündet haben.

Mögliche Komplikationen

  • Bakterielle Hautinfektionen — die häufigste Komplikation, meist durch aufgekratzte Bläschen.¹
  • Lungenentzündung — bei Erwachsenen deutlich häufiger als bei Kindern, Schwangere sind besonders gefährdet; siehe Lungenentzündung.¹
  • Nervensystem — selten Entzündungen des Kleinhirns mit Gangunsicherheit, Hirnhaut- oder Gehirnentzündung.¹
Sofort ärztliche Hilfe — bei Atemnot oder Bewusstseinsstörung über 112. Atemnot, Husten mit Brustschmerz, starke Benommenheit, Krampfanfälle, Gangunsicherheit oder ein steifer Nacken gehören sofort in die Notaufnahme. Ebenso dringend: erneutes hohes Fieber nach anfänglicher Besserung und eine Hautstelle, die sich rasch ausbreitend rötet, heiß wird, anschwillt und stark schmerzt — das kann eine schwere bakterielle Infektion sein. Bläschen am oder im Auge müssen am selben Tag augenärztlich angesehen werden. Siehe auch Fieber.

4. Ansteckung, Inkubationszeit und Medikamente

  • Übertragung: vor allem über virushaltige Tröpfchen in der Luft, außerdem über den Inhalt der Bläschen — auch bei einer Gürtelrose. Fast jeder Mensch ohne Schutz, der engen Kontakt hat, steckt sich an.¹
  • Inkubationszeit: meist 14 bis 16 Tage, möglich sind 10 bis 21 Tage; nach einer Antikörpergabe bis zu 28 Tage.¹
  • Ansteckende Phase: ein bis zwei Tage vor Beginn des Ausschlags bis zur vollständigen Verkrustung aller Bläschen, typischerweise fünf bis sieben Tage nach Ausschlagbeginn.¹
  • Immunschwäche durch Medikamente: Wer Immunsuppressiva, eine Chemotherapie, Biologika oder über längere Zeit Cortison in höherer Dosis bekommt, erkrankt oft deutlich schwerer. Das gilt zum Beispiel auch für Methotrexat bei Rheuma oder Schuppenflechte.¹,³
Du nimmst Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, und hattest Kontakt? Melde dich sofort in der Praxis, auch ohne Beschwerden — nicht erst, wenn Bläschen auftauchen. Wer keinen sicheren Schutz hat, kann oft noch vorbeugend behandelt werden; dafür bleiben nur wenige Tage. Setze deine Dauermedikation aber nicht eigenmächtig ab: Gerade bei Cortison kann das gefährlich sein, siehe Cortison absetzen.

5. Diagnose

Windpocken sind meist eine Blickdiagnose: Der Ausschlag im „Sternenhimmel“-Muster ist so typisch, dass Tests selten nötig sind.¹

  • Vorher anrufen: Kündige den Verdacht telefonisch an. Viele Praxen bestellen Kinder mit Windpocken zu Randzeiten ein, damit sich im Wartezimmer niemand ansteckt — etwa Schwangere oder Menschen mit Immunschwäche.
  • Blick auf Haut und Schleimhäute: Verteilung und Stadien der Bläschen, Zeichen einer bakteriellen Infektion, Mitbeteiligung der Augen.
  • Erregernachweis: Bei unklarem Bild, in der Schwangerschaft oder bei Immunschwäche wird Bläscheninhalt im Labor auf das Virus untersucht.¹
  • Antikörpertest: Er klärt, ob jemand bereits geschützt ist — sinnvoll etwa bei Kinderwunsch oder vor einer immunsuppressiven Therapie.
  • Abgrenzung: Ähnlich aussehen können Insektenstiche, die Hand-Fuß-Mund-Krankheit, eine Borkenflechte oder ein ausgedehnter Herpes.
  • Medikamentenliste: Welche Mittel nimmt die erkrankte Person — und nimmt jemand im Haushalt Immunsuppressiva oder ist schwanger?

Einen allgemeinen Überblick über Ausschläge gibt der Beitrag Hautausschlag.

6. Behandlung: Juckreiz, Fieber, Virostatika

Bei gesunden Kindern heilen Windpocken von selbst. Die Behandlung zielt darauf, den Juckreiz erträglich zu machen, das Fieber zu senken und Komplikationen zu vermeiden. Ein Mittel gegen das Virus bekommen vor allem Menschen mit erhöhtem Risiko. Welche Behandlung im Einzelfall passt, entscheidet die behandelnde Praxis.¹,³

Basis Juckreiz lindern, Kratzen vermeiden
Kühlen und lockere Kleidung
Kühle, feuchte Umschläge, luftige Baumwollkleidung und ein nicht zu warmes Schlafzimmer. Kurzes lauwarmes Duschen ist erlaubt, danach die Haut vorsichtig trocken tupfen.
Fingernägel kurz, nachts Baumwollhandschuhe
Aufgekratzte Bläschen sind der Hauptweg für bakterielle Infektionen und Narben — bei kleinen Kindern die wirksamste Maßnahme überhaupt.
Lotionen und Gele
Zinkhaltige Schüttelmixturen oder Gele mit Polidocanol werden häufig eingesetzt und kühlen angenehm. Belastbare Studien zu ihrem Nutzen gibt es kaum — sie sind eine Linderung, keine Therapie.
Antihistaminika zum Einnehmen
Können den Juckreiz etwas dämpfen; ältere Wirkstoffe wie Dimetinden machen zusätzlich müde, was nachts erwünscht sein kann. Die Evidenz ist begrenzt, Dosierung bei Kindern nach Alter und Gewicht.
Fieber Fieber und Schmerzen senken
Paracetamol
Das Mittel der Wahl bei Windpocken. Paracetamol wird bei Kindern nach Körpergewicht dosiert; die Tageshöchstmenge laut Packungsbeilage nicht überschreiten.
Kein ASS, Ibuprofen möglichst meiden
Acetylsalicylsäure ist bei Kindern und Jugendlichen mit Windpocken tabu, zu Ibuprofen rät die Fachinformation ab — Details im nächsten Abschnitt.⁴
Risikogruppen Antivirale Therapie
Aciclovir oder Valaciclovir als Tablette
Wird bei Jugendlichen und Erwachsenen, bei schweren Verläufen und bestimmten Grunderkrankungen erwogen — am wirksamsten, wenn sie früh beginnt, möglichst innerhalb von 24 Stunden nach Ausschlagbeginn.³ Bei gesunden Kindern ist der Nutzen gering; sie bekommen das Mittel deshalb in der Regel nicht.
Aciclovir als Infusion
Bei geschwächtem Immunsystem, schweren Komplikationen oder bei Neugeborenen — dann meist im Krankenhaus.¹

Mehr zum Wirkstoff und seiner Einnahme steht im Beitrag zu Aciclovir.


7. ASS, Ibuprofen, Cortison: worauf du achten musst

Kein ASS bei Kindern und Jugendlichen

Acetylsalicylsäure (ASS) kann bei Kindern und Jugendlichen mit Windpocken oder Grippe ein Reye-Syndrom auslösen — eine seltene, aber lebensgefährliche Schädigung von Leber und Gehirn.⁴ ASS steckt auch in manchen Kombinationspräparaten gegen Erkältung und Kopfschmerz; ein Blick auf den Wirkstoff lohnt sich. Die Fachinformation von Varizellen-Impfstoffen rät aus demselben Grund, nach der Impfung sechs Wochen auf Salicylate zu verzichten.⁵ Bekommt ein Kind dauerhaft ASS aus ärztlichen Gründen, wird das Vorgehen vorab mit der Praxis abgestimmt.

Warum von Ibuprofen abgeraten wird

In seltenen Fällen kommt es bei Windpocken zu schweren bakteriellen Infektionen von Haut und Weichteilen. Ob entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen dazu beitragen, ist nicht sicher geklärt — ein Zusammenhang lässt sich aber nicht ausschließen, und sie können frühe Warnzeichen einer Infektion verschleiern. Die Fachinformation empfiehlt deshalb, Ibuprofen bei Windpocken zu vermeiden.⁴ Ehrlich gesagt ist die Datenlage dünn und wird unter Fachleuten kontrovers diskutiert. Solange Paracetamol ausreicht, gibt es aber keinen Grund, das Risiko einzugehen.

Cortison und Immunsuppressiva

Wer dauerhaft Cortison, Methotrexat, Biologika oder andere immunsuppressive Mittel nimmt, sollte bei Windpocken-Verdacht oder Kontakt sofort die Praxis informieren. Auch Cortison-haltige Cremes gehören nicht auf Windpocken-Bläschen, außer die Praxis verordnet sie ausdrücklich. Mehr zu den Grundlagen im Cortison-Ratgeber.

Dauermedikation nicht eigenmächtig absetzen. Die Angst vor einem schweren Verlauf ist verständlich, aber ein abrupter Stopp von Cortison oder Immunsuppressiva kann selbst gefährlich werden — bei Cortison bis zur Nebenniereninsuffizienz, bei anderen Mitteln bis zum Schub der Grunderkrankung. Ob pausiert, reduziert oder weitergenommen wird, entscheidet die Praxis. Hintergründe im Ratgeber Medikamente absetzen.

Aciclovir richtig einnehmen

Aciclovir-Tabletten müssen mehrmals täglich eingenommen werden, je nach Schema bis zu fünfmal am Tag — möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt, mit ausreichend Flüssigkeit und für die gesamte verordnete Dauer. Valaciclovir kommt mit weniger Einnahmen aus. Bei eingeschränkter Nierenfunktion passt die Praxis die Dosis an.

Aciclovir fünfmal täglich? Keine Dosis vergessen

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8. Impfung und Schutz nach Kontakt

Die Windpocken-Impfung ist ein Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Viren. Die STIKO empfiehlt sie allen Kindern:²

  • Erste Impfung mit 11 Monaten: gleichzeitig mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR), aber an getrennter Stelle — oder frühestens vier Wochen danach.
  • Zweite Impfung mit 15 Monaten: Dafür kann ein Vierfach-Kombinationsimpfstoff (MMRV) verwendet werden. Für die erste Dosis wird er nicht bevorzugt, weil dabei etwas häufiger Fieberkrämpfe beobachtet wurden.
  • Nachholen: Kinder und Jugendliche ohne Impfung und ohne durchgemachte Windpocken sollten zwei Dosen so bald wie möglich erhalten.
  • Erwachsene ohne Immunschutz: empfohlen unter anderem bei Kinderwunsch, vor einer geplanten immunsuppressiven Therapie und für Beschäftigte im Gesundheitsdienst oder in der Kinderbetreuung — mehr unter Impfungen für Erwachsene.

Eine Impfpflicht gegen Windpocken gibt es — anders als bei Masern — nicht. Nach zwei Dosen sind Erkrankungen selten; treten doch Windpocken auf, verlaufen sie meist mild.¹

Lebendimpfstoff: nicht in der Schwangerschaft und nicht bei starker Immunschwäche. Nach der Impfung sollte für einen in der Fachinformation festgelegten Zeitraum eine Schwangerschaft vermieden werden.⁵ Wer immunsuppressive Medikamente nimmt oder eine solche Therapie plant, klärt den richtigen Zeitpunkt mit der Praxis — oft ist eine Impfung nur vor Therapiebeginn möglich. Mehr im Ratgeber Impfungen und Medikamente.

Nach Kontakt: Zeitfenster nutzen

  • Riegelungsimpfung: Ungeimpfte ohne durchgemachte Windpocken können innerhalb von fünf Tagen nach dem Kontakt — beziehungsweise innerhalb von drei Tagen nach Ausschlagbeginn bei der erkrankten Person — geimpft werden. Das kann die Erkrankung verhindern oder abschwächen.¹
  • Antikörpergabe (Varizella-Zoster-Immunglobulin): für Menschen, die nicht geimpft werden dürfen und ein hohes Risiko haben — Schwangere ohne Schutz, Menschen mit Immunschwäche, bestimmte Neugeborene. Sie sollte so früh wie möglich erfolgen, spätestens nach 96 Stunden.¹

9. Windpocken und Gürtelrose: ein Virus, zwei Krankheiten

Nach den Windpocken bleibt das Varizella-Zoster-Virus lebenslang in Nervenknoten nahe dem Rückenmark. Lässt die Immunabwehr nach — mit dem Alter, bei schweren Erkrankungen oder unter immunsuppressiven Medikamenten —, kann es entlang eines Nervs zur Haut wandern. Das ist die Gürtelrose (Herpes zoster): ein meist einseitiger, bandförmiger, schmerzhafter Bläschenausschlag.¹

 WindpockenGürtelrose
Was passiert?Erstinfektion mit VZVReaktivierung des ruhenden Virus
Wer?Meist Kinder ohne ImmunschutzMeist ältere oder immungeschwächte Menschen
AusschlagAm ganzen Körper, stark juckendEinseitig, bandförmig, oft brennend schmerzhaft
AnsteckungÜber die Luft und den BläscheninhaltÜber den Bläscheninhalt; Ungeschützte bekommen dann Windpocken
ImpfungLebendimpfstoff, zwei Dosen im KleinkindalterEigener Totimpfstoff für ältere und gefährdete Erwachsene
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Wichtig für den Alltag: Gürtelrose wird nicht als Gürtelrose übertragen. Wer aber noch keine Windpocken hatte und nicht geimpft ist, kann sich an den Bläschen einer Gürtelrose anstecken und bekommt dann Windpocken. Auch das Impfvirus kann im Körper verbleiben; eine Gürtelrose tritt danach nach bisherigen Daten aber seltener auf als nach einer natürlichen Infektion. Die Gürtelrose-Impfung ist ein anderer Impfstoff mit eigener Altersempfehlung — die Details stehen im Beitrag zur Gürtelrose.


10. Alltag: Kita, Schule und Meldepflicht

  • Zu Hause bleiben: Kinder mit Windpocken dürfen Kita und Schule nach dem Infektionsschutzgesetz nicht besuchen. Wieder hin dürfen sie bei unkompliziertem Verlauf, wenn alle Bläschen vollständig verkrustet sind — in der Regel etwa eine Woche nach Beginn.¹
  • Einrichtung informieren: Kita oder Schule müssen Bescheid wissen; sie melden Fälle dem Gesundheitsamt.
  • Meldepflicht: Ärztinnen und Ärzte melden bereits den Verdacht auf Windpocken namentlich ans Gesundheitsamt, Labore den Virusnachweis.¹
  • Risikopersonen schützen: Kein Kontakt zu Schwangeren ohne sicheren Schutz, Neugeborenen und Menschen mit Immunschwäche, solange die Bläschen nicht verkrustet sind.
  • Fiebermittel nach Gewicht: Kinderdosierung immer nach Körpergewicht, kein ASS. Tipps im Ratgeber Kinder und Medikamente.
  • Hausapotheke prüfen: Paracetamol-Saft, Fieberthermometer, kühlende Lotion — was noch fehlt, zeigt die Hausapotheken-Checkliste.

Wann war die letzte Fieberdosis?

Wenn mehrere Kinder krank sind oder Eltern sich abwechseln: Einnahmen und Temperatur für alle nachvollziehbar festhalten.

Einnahmen festhalten

FAQ: Häufige Fragen zu Windpocken

Die Ansteckungsfähigkeit beginnt ein bis zwei Tage vor dem Ausschlag und endet, wenn alle Bläschen vollständig verkrustet sind. Das ist typischerweise fünf bis sieben Tage nach Ausschlagbeginn der Fall. Die Inkubationszeit bis zu den ersten Beschwerden beträgt meist 14 bis 16 Tage.
Bei unkompliziertem Verlauf, sobald alle Bläschen vollständig verkrustet sind. Das ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts in der Regel etwa eine Woche nach Beginn des Ausschlags der Fall. Die Kita muss über die Erkrankung informiert werden.
Die Fachinformation rät, Ibuprofen bei Windpocken zu vermeiden, weil ein Zusammenhang mit seltenen schweren Haut- und Weichteilinfektionen nicht ausgeschlossen ist. Die Datenlage ist dünn, doch Paracetamol ist bei Windpocken das Mittel der Wahl gegen Fieber. ASS ist bei Kindern und Jugendlichen wegen des Reye-Syndroms tabu.
Das ist möglich, nach zwei Impfdosen aber selten. Solche Durchbruchserkrankungen verlaufen meist mild, mit wenigen Bläschen und oft ohne Fieber. Ansteckend sind sie trotzdem, deshalb gelten dieselben Regeln für Kita und Kontakt zu Risikopersonen.
Eine Gürtelrose selbst wird nicht übertragen. Wer aber weder Windpocken hatte noch geimpft ist, kann sich über den Bläscheninhalt mit dem Virus anstecken und bekommt dann Windpocken. Bis alle Bläschen verkrustet sind, sollte der Ausschlag abgedeckt und enger Kontakt zu Ungeschützten vermieden werden.
Wenn du nicht sicher weißt, ob du geschützt bist, ruf sofort deine gynäkologische oder hausärztliche Praxis an. Ein Bluttest kann den Immunschutz klären, und bei fehlendem Schutz kann eine Antikörpergabe die Erkrankung verhindern oder abschwächen. Sie sollte so früh wie möglich erfolgen, spätestens innerhalb von 96 Stunden nach dem Kontakt.
In der Regel nicht, denn eine durchgemachte Infektion hinterlässt einen lang anhaltenden Schutz gegen Windpocken. Das Virus bleibt aber im Körper und kann später als Gürtelrose zurückkehren. Vermeintlich zweite Windpocken sind oft eine andere Hauterkrankung oder eine Gürtelrose mit ungewöhnlicher Ausbreitung.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Herpes zoster). Abgerufen 2026. rki.de
  2. Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut: Empfehlungen der STIKO, Epidemiologisches Bulletin, jeweils aktuelle Fassung. Abgerufen 2026. rki.de
  3. MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Windpocken. Abgerufen 2026. msdmanuals.com
  4. Fachinformationen Ibuprofen-haltiger Arzneimittel (Warnhinweis Varizellen) und Acetylsalicylsäure-haltiger Arzneimittel (Reye-Syndrom). fachinfo.de
  5. Fachinformation Varizellen-Lebendimpfstoff (Hinweise zu Salicylaten und Schwangerschaft). fachinfo.de

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei Atemnot, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder einer sich rasch ausbreitenden, schmerzhaften Hautrötung wähle sofort 112; Schwangere und Menschen mit Immunschwäche melden sich schon nach einem Kontakt umgehend in ihrer Praxis. Gib Kindern und Jugendlichen mit Windpocken keine Acetylsalicylsäure. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: September 2026.