Permethrin

Permethrin: Krätze-Creme richtig anwenden — von Kopf bis Fuß, alle gleichzeitig

Permethrin ist als 5-prozentige Creme das Mittel der ersten Wahl gegen Krätze (Skabies). Die Creme tötet die Milben zuverlässig ab — wenn sie lückenlos auf die ganze Haut kommt, lange genug einwirkt und alle engen Kontaktpersonen zur selben Zeit mitbehandelt werden. Die meisten Therapieversager entstehen nicht im Wirkstoff, sondern in der Organisation.

Kostenlos in brite tracken

Permethrin: Behandlungsabend, Wiederholung, Wäsche — alles im Plan

Erinnerungen für Creme, Kontrolltermin und Wiederholung für die ganze Familie — kostenlos in der brite App.

Behandlung planen

1. Auf einen Blick: Technisches Datenblatt

EigenschaftDetails
WirkstoffPermethrin
ATC-CodeP03AC04
WirkstoffklassePyrethroid; Mittel gegen Krätzmilben (Antiskabiosum)
DarreichungsformenCreme 5 % gegen Krätze (z. B. InfectoScab); niedriger dosierte Permethrin-Lösungen gegen Kopfläuse sind eigene Präparate mit anderer Anwendung
HalbwertszeitFür die Anwendung wenig relevant: Nur ein sehr kleiner Teil wird über die Haut aufgenommen und im Körper rasch abgebaut
Max. Menge pro AnwendungRichtwert für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre bis zu 30 g, Kinder von 6 bis 12 Jahren bis zu 15 g, Kinder von 2 Monaten bis 5 Jahren bis zu 7,5 g
WirkungseintrittMilben sterben während der Einwirkzeit von mindestens 8 Stunden ab; Juckreiz kann bis zu vier Wochen anhalten
RezeptpflichtCreme 5 % verschreibungspflichtig
BesonderheitEnge Kontaktpersonen werden zeitgleich behandelt; das RKI empfiehlt eine Wiederholung nach 7 bis 10 Tagen
Tabelle nach rechts scrollbar

2. Wirkungsweise: Nervengift für Milben, kaum Aufnahme beim Menschen

Permethrin ist ein Pyrethroid, ein künstlich hergestellter Abkömmling der Pyrethrine aus Chrysanthemenblüten.¹ Es lähmt das Nervensystem von Insekten und Milben, indem es die Natriumkanäle ihrer Nervenzellen offen hält. Die Krätzmilben, die sich in der obersten Hautschicht ihre Gänge graben, sterben dadurch ab.

Beim Menschen ist der Effekt ein ganz anderer: Über die Haut wird nur ein sehr kleiner Teil aufgenommen, und dieser wird im Körper schnell zu unwirksamen Bestandteilen abgebaut. Darauf beruht die gute Verträglichkeit — auch bei Schwangeren und kleinen Kindern, für die es sonst wenige Alternativen gibt. Das Robert Koch-Institut (RKI) nennt Permethrin weiterhin das Mittel der ersten Wahl gegen Krätze.²

Wie Krätze entsteht, wie sie sich zeigt und wie sie diagnostiziert wird, beschreibt der Beitrag zur Erkrankung Krätze (Skabies). Hier geht es um das, was zwischen Rezept und Heilung passiert: die richtige Anwendung der Creme.

Aus der Wirkweise ergeben sich die drei Regeln, an denen die Behandlung hängt:

  • Wo keine Creme ist, überleben Milben. Permethrin wirkt nur, wo es aufgetragen wurde. Eine Lücke zwischen den Fingern oder unter den Nägeln reicht für einen Rückfall.
  • Die Creme braucht Zeit. Laut Gebrauchsinformation muss sie mindestens acht Stunden einwirken; Waschen in dieser Zeit verkürzt die Wirkung an genau dieser Stelle.¹
  • Wer nicht behandelt wird, steckt wieder an. Milben wandern zwischen engen Kontaktpersonen hin und her. Eine perfekt behandelte Person wird bei einem unbehandelten Partner schnell wieder befallen.

3. Dosierung: wie viel Creme für wen

Die folgenden Mengen sind die Richtwerte aus der Gebrauchsinformation und keine Anwendungsempfehlung — Präparat, Menge und Anzahl der Anwendungen legt die behandelnde Praxis fest.¹

AltersgruppeRichtwert pro AnwendungHinweis
Erwachsene und Jugendliche über 12 JahreBis zu 30 g (eine 30-g-Tube oder eine halbe 60-g-Tube)Große Erwachsene brauchen mitunter mehr — lieber ausreichend als zu dünn
Kinder von 6 bis 12 JahrenBis zu 15 gKopf und Gesicht mitbehandeln, Mund- und Augenpartie aussparen
Kinder von 2 Monaten bis 5 JahrenBis zu 7,5 gBis 23 Monate nur unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht
Säuglinge unter 2 MonatenKeine DosisempfehlungNur auf ärztlichen Rat
Tabelle nach rechts scrollbar

Die Gebrauchsinformation betont, dass es sich um Richtwerte handelt, die je nach Körperoberfläche angepasst werden können.¹ Für eine mehrköpfige Familie heißt das praktisch: Für jede Person und jede Anwendung muss genug Creme da sein. Wer die Tube mit dem Partner „teilt", trägt am Ende oft beide zu dünn auf. Zur Wiederholung siehe Abschnitt 6.


4. Der Behandlungsabend: von Kopf bis Fuß

Die Behandlung findet in der Regel abends statt, damit die Creme über Nacht einwirken kann. Grundsätzliches zum Auftragen von Cremes steht im Ratgeber Salben und Cremes richtig auftragen; für Permethrin gilt dieser Ablauf:¹,²

  1. Nägel kürzen und reinigen. Unter den Fingernägeln sitzen gern Milben und Eier, die beim Kratzen dorthin gelangen.
  2. Nicht direkt vorher baden. Laut RKI sollte die Haut etwa 30 Minuten vor dem Auftragen nicht befeuchtet werden. War sie nass, gut abtrocknen und abkühlen lassen.
  3. Erwachsene: vom Hals bis zu den Fußsohlen. Die Creme dünn, aber lückenlos auf den gesamten Körper auftragen — einschließlich Hals, Nacken, Handflächen und Fußsohlen. Kopf und Gesicht können laut Gebrauchsinformation ausgespart werden, wenn dort keine befallenen Stellen sind.
  4. Kinder und Menschen über 65: auch Kopf und Gesicht. Bei ihnen werden Gesicht, Ohren und Kopfhaut mitbehandelt; die Partie um Augen und Mund wird ausgespart. Kinder sollen die Creme nicht von den Händen lecken, notfalls helfen dünne Handschuhe.
  5. Die Problemzonen besonders sorgfältig. Zwischen den Fingern und Zehen, unter den Nägeln, Handgelenke, Ellenbeugen, Achseln, Brustwarzen, Bauchnabel, äußere Genitalien und Gesäß — dort sitzen Milben bevorzugt.
  6. Einziehen lassen und frische Kleidung. Die Creme einige Minuten einziehen lassen, dann frische Nachtwäsche anziehen und in frisch bezogenes Bett gehen.
  7. Mindestens acht Stunden einwirken lassen. In dieser Zeit nicht duschen oder baden. Musst du dir die Hände waschen oder den Intimbereich reinigen, wird die Creme dort danach erneut aufgetragen.¹
  8. Am Morgen gründlich abduschen. Danach wieder frische Kleidung, Handtücher und Bettwäsche — und die benutzten Textilien waschen (Abschnitt 6).
Lass dir helfen. Den eigenen Rücken lückenlos einzucremen, ist fast unmöglich. Wer hilft, trägt laut Gebrauchsinformation Einmalhandschuhe.¹ In Familien hat sich bewährt, dass sich alle am selben Abend gegenseitig eincremen — dann ist auch das „alle gleichzeitig" erledigt.
Nicht in Augen, Mund und Schleimhäute. Die Creme ist nur für die Haut bestimmt und darf nicht geschluckt werden. Kontakt mit Augen, Nasen- und Rachenraum, Schleimhäuten im Genitalbereich und offenen Wunden vermeiden; bei versehentlichem Kontakt gründlich mit Wasser spülen. Wurde Creme verschluckt, etwa von einem Kleinkind, ärztlichen Rat einholen oder den Giftnotruf kontaktieren; mehr unter Was tun bei Überdosierung.

Alle am selben Abend — und die Wiederholung nicht verpassen

Ein gemeinsamer Termin für die ganze Familie und eine Erinnerung an die zweite Anwendung.

Erinnerung einrichten

5. Nebenwirkungen und der Juckreiz danach

Permethrin-Creme wird in der Regel gut vertragen. Die häufigsten Beschwerden betreffen die Haut — und sind oft schwer von den Beschwerden der Krätze selbst zu unterscheiden.¹

NebenwirkungHäufigkeit laut GebrauchsinformationWas hilft
Juckreiz, Rötung, Kribbeln, Stechen, Brennen, trockene HautHäufigNachbehandlung mit rückfettender Pflege und Ölbädern; können auch von der Krätze selbst kommen
KopfschmerzenSeltenMeist vorübergehend
Hautabschürfungen, Haarbalgentzündung, hellere HautfleckenSehr seltenBei Zunahme ärztlich ansehen lassen
Atembeschwerden bei empfindlichen oder allergischen Menschen (für Pyrethroide beschrieben)Sehr seltenBei Atemnot sofort 112; bei Asthma vorher ansprechen
Kontaktallergische Hautreaktionen mit Juckreiz, Rötung, Bläschen oder Quaddeln, auch über die behandelte Stelle hinausNicht bekanntÄrztlich abklären; bei schwerer Reaktion nicht erneut anwenden
ÜbelkeitNicht bekanntMeist vorübergehend
Tabelle nach rechts scrollbar

Der Juckreiz bleibt — und das ist meist kein Versagen

Das ist der Punkt, an dem viele verzweifeln: Die Creme ist aufgetragen, die Milben sind tot — und es juckt weiter, manchmal sogar stärker. Laut Gebrauchsinformation können Juckreiz und Ausschlag bis zu vier Wochen nach der Behandlung anhalten. Die Ursache ist eine Reaktion des Immunsystems auf die abgestorbenen Milben und ihre Ausscheidungen in der Haut, das sogenannte postskabiöse Ekzem.¹,²

  • Nicht einfach nachcremen: Wer wegen des Juckreizes auf eigene Faust Permethrin nachlegt, reizt die Haut zusätzlich. Die Gebrauchsinformation verlangt vor einer erneuten Anwendung die Rücksprache mit der Praxis.
  • Haut pflegen: Rückfettende Cremes und Ölbäder lindern die Trockenheit nach der Behandlung.
  • Gegen das Ekzem: Laut RKI wird ein postskabiöses Ekzem mit cortisonhaltigen Cremes behandelt — welche und wie lange, entscheidet die Praxis. Hintergrund im Cortison-Ratgeber.
  • Warnzeichen für einen Rückfall: neue Milbengänge, neue Knötchen an typischen Stellen oder Juckreiz, der nach einigen Wochen wieder zunimmt, statt abzuklingen — dann zur Kontrolle.

Mehr zu anhaltendem Juckreiz und trockener Haut in den Symptom-Beiträgen.

Wann du sofort Hilfe brauchst. Atemnot, Engegefühl in der Brust, Schwellungen im Gesicht oder am Hals nach dem Auftragen: Creme abwaschen und sofort die 112 wählen. Ausgedehnte, nässende oder eitrige Hautstellen, Fieber oder rote, überwärmte Haut nach dem Kratzen sprechen für eine bakterielle Infektion und gehören zeitnah ärztlich behandelt.

6. Alle gleichzeitig: Kontaktpersonen, Wiederholung, Wäsche

Permethrin wirkt zuverlässig, wenn es richtig angewendet wird. Dass Krätze trotzdem so oft „wiederkommt", liegt häufig an drei organisatorischen Lücken: Kontaktpersonen werden zu spät oder gar nicht behandelt, die Wiederholung fällt weg, oder die Wäsche wird vergessen.

Wer mitbehandelt wird

Laut RKI werden Erkrankte und ihre engen Kontaktpersonen grundsätzlich zeitgleich behandelt — auch wenn die Kontaktpersonen noch keine Beschwerden haben.² Der Grund: Nach einer Erstansteckung dauert es zwei bis fünf Wochen, bis es juckt. In dieser Zeit ist jemand befallen, merkt es aber nicht. Als enge Kontaktpersonen gelten Menschen mit längerem, großflächigem Hautkontakt, etwa durch gemeinsames Schlafen in einem Bett, Partnerschaft, Kuscheln mit Kindern oder Körperpflege bei Pflegebedürftigen. Händeschütteln oder eine kurze Umarmung reichen bei der gewöhnlichen Krätze in der Regel nicht für eine Übertragung.²

Ist eine zeitgleiche Behandlung nicht möglich, sollen enge Kontaktpersonen laut RKI innerhalb weniger Tage behandelt werden und bis dahin engen Körperkontakt meiden. Nach der Behandlung empfiehlt das RKI, noch etwa 36 Stunden auf engen Körperkontakt zu verzichten.² Die Gebrauchsinformation formuliert es so: Alle Kontaktpersonen, vor allem Familie und Partner, sollen möglichst schnell ärztlich vorgestellt werden; die Praxis entscheidet über ihre Behandlung.¹

Einmal oder zweimal?

Hier unterscheiden sich die Quellen. Die Gebrauchsinformation von InfectoScab nennt eine einmalige Anwendung in der Regel als ausreichend und eine Wiederholung nach 14 Tagen bei andauerndem oder erneutem Befall.¹ Das RKI empfiehlt in seinem aktuellen Ratgeber dagegen grundsätzlich eine Wiederholung nach 7 bis 10 Tagen.² Hintergrund sind zunehmende Berichte über Milben, die weniger empfindlich auf Permethrin reagieren, und die Sorge, dass bei einer einzigen Anwendung Milben überleben, etwa aus Eiern, die erst danach schlüpfen. Auch die europäische Leitlinie beschreibt Wiederholungsschemata.³ Wie oft du behandelst, legt deine Praxis fest — wichtig ist, dass alle Kontaktpersonen dasselbe Schema am selben Tag durchlaufen.

Wäsche und Gegenstände

Krätzmilben überleben außerhalb der Haut nur begrenzt: Laut RKI bei Raumtemperatur und üblicher Luftfeuchtigkeit wahrscheinlich höchstens etwa zwei Tage infektiös, bei Wärme kürzer.² Daraus folgen die Maßnahmen:

WasMaßnahme laut RKI
Bettwäsche, Handtücher, Unterwäsche, Kleidung mit HautkontaktBei mindestens 50 °C für mindestens 10 Minuten waschen, alternativ Trockner oder Heißdampf
Nicht waschbare Textilien, Schuhe, PlüschtiereIn Plastiksäcken oder Folie verpacken und 72 Stunden bei mindestens 21 °C lagern; bei trockener Luft, etwa am Heizkörper, reichen 48 Stunden
Alternative für kleine Gegenstände5 Stunden bei unter −10 °C einfrieren
Polstermöbel, Matratzen, TeppicheGründlich absaugen; bei gewöhnlicher Krätze sind keine Insektizide in der Wohnung nötig
Tabelle nach rechts scrollbar

Die Gebrauchsinformation ist strenger formuliert: Kleidung, Bettwäsche und Handtücher sollen über vier Tage täglich gewechselt und bei mindestens 60 °C gewaschen werden.¹ Beides zielt auf dasselbe: Textilien, die in den Tagen vor der Behandlung direkt auf der Haut lagen, sollen keine überlebenden Milben zurückgeben.

Kita, Schule, Arbeit. Nach dem Infektionsschutzgesetz dürfen Kinder mit Krätze Gemeinschaftseinrichtungen erst nach einer ordnungsgemäßen Behandlung wieder besuchen. Laut RKI ist die Wiederzulassung nach der ersten korrekten Anwendung eines äußerlichen Krätzemittels möglich; das gilt nicht für die Borkenkrätze. Ein Nachweis der ärztlichen Verordnung wird empfohlen.²

7. Wechselwirkungen: Kondome, andere Cremes, Umwelt

Weil kaum Permethrin in den Körper gelangt, sind Wechselwirkungen mit Tabletten nicht bekannt. Praktisch relevant sind andere Dinge, die in der Gebrauchsinformation stehen:¹

KombinationFolgeWas tun
Kondome und Diaphragmen aus LatexParaffin und weißes Vaselin in der Creme können die Funktion und damit die Sicherheit von Latexprodukten beeinträchtigenWährend der Einwirkzeit auf Sex verzichten — das empfiehlt sich wegen der Ansteckung ohnehin; siehe Medikamente und Verhütung
Andere Cremes, Salben, LotionenKönnen die Creme verdünnen oder die Wirkung an diesen Stellen störenWährend der Einwirkzeit nichts anderes auftragen; Pflege erst nach dem Abduschen
Cortisoncremes gegen das EkzemGewollte Nachbehandlung des JuckreizesNur nach ärztlicher Verordnung und zeitlich nach der Permethrin-Anwendung
Allergie gegen Chrysanthemen oder andere KorbblütlerKreuzreaktion möglichNur nach Rücksprache mit der Praxis anwenden
Aquarien, Terrarien, GewässerPermethrin ist schädlich für Insekten und für Wassertiere wie FischeKontakt vermeiden; Reste nicht über Toilette oder Waschbecken entsorgen
AlkoholKeine Wechselwirkung bekanntKeine besondere Einschränkung
Tabelle nach rechts scrollbar

Die Creme enthält außerdem Cetylstearylalkohol und Sorbinsäure, die örtlich Hautreizungen wie eine Kontaktdermatitis auslösen können.¹ Hintergründe zu solchen Zusatzstoffen im Ratgeber Hilfsstoffe und Unverträglichkeiten; wie Arzneimittelreste richtig entsorgt werden, steht unter Medikamente entsorgen.

Ein Wort zu Tieren: Permethrin steckt auch in manchen Mitteln gegen Zecken und Flöhe für Hunde. Für Katzen ist es hochgiftig. Lass Katzen deshalb nicht an frisch eingecremter Haut lecken und bewahre die Tube unzugänglich auf. Die Krätzmilben des Menschen werden übrigens nicht von Haustieren übertragen, und Milben von Tieren lösen beim Menschen höchstens vorübergehende Hautreaktionen aus.

Wer mehrere Hautmittel, Allergietabletten gegen den Juckreiz und Dauermedikamente gleichzeitig verwendet, behält mit dem brite Wechselwirkungs-Check den Überblick.


8. Wenn es nicht weggeht: Therapieversagen und Alternativen

Juckt es vier Wochen nach der Behandlung noch oder wieder, oder tauchen neue Milbengänge auf, lohnt sich vor einem neuen Rezept eine ehrliche Fehlersuche. Die häufigsten Gründe sind:

  • Reinfektion: Eine Kontaktperson wurde nicht oder zu spät behandelt — der häufigste Grund überhaupt.
  • Lücken beim Auftragen: zu wenig Creme, Hände nach dem Waschen nicht nachgecremt, Stellen wie Fußsohlen, Nägel oder Genitalbereich ausgelassen, zu früh geduscht.
  • Keine Wiederholung, obwohl sie vorgesehen war.
  • Verminderte Empfindlichkeit der Milben: Laut RKI gibt es zunehmend Berichte über Milbenpopulationen, die weniger empfindlich auf Permethrin reagieren. Permethrin bleibt trotzdem erste Wahl; bei Verdacht auf schlechtes Ansprechen kommen andere Mittel infrage.²
  • Gar keine Krätze: Nicht jeder Hautausschlag mit Juckreiz ist Skabies. Ekzeme, Neurodermitis, Nesselsucht oder eine Medikamentenallergie können ähnlich aussehen; die Praxis kann Milben unter dem Auflichtmikroskop oder im Hautabstrich nachweisen.
Erstlinie Äußerlich
Permethrin 5 % Creme
Mittel der ersten Wahl; über Nacht mindestens 8 Stunden, Wiederholung nach Schema der Praxis.²,³
Alternativen Bei Versagen, Unverträglichkeit oder besonderen Situationen
Ivermectin (Tablette)
Einnahme als Einzeldosis nach Körpergewicht, ggf. mit Wiederholung; praktisch bei vielen Betroffenen, etwa in Heimen. Für kleine Kinder und in der Schwangerschaft nicht die erste Wahl.²,³
Benzylbenzoat
Äußerlich an drei aufeinanderfolgenden Tagen, am vierten Tag abwaschen; für Kinder in niedrigerer Konzentration. Brennt häufig auf der Haut.²
Crotamiton
Äußerlich an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen.²

Eine Sonderform ist die Borkenkrätze (Scabies crustosa) mit dicken Krusten und sehr vielen Milben, vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder hohem Pflegebedarf. Sie ist hochansteckend und wird in der Regel mit einer Kombination aus äußerlicher Behandlung und Ivermectin-Tabletten unter ärztlicher, oft stationärer Betreuung behandelt; die Hygieneregeln sind deutlich strenger.² Die deutsche S1-Leitlinie zur Skabies stammt von 2016 und wird derzeit überarbeitet; das RKI verweist für Therapiedetails auf die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.²,⁴ Welche Alternative passt, entscheidet die behandelnde Praxis.


9. Sonderfälle: Babys, Schwangerschaft, Stillzeit, Pflegeheim

Säuglinge und Kleinkinder

Bei Säuglingen unter zwei Monaten wird Permethrin laut Gebrauchsinformation nur auf ärztlichen Rat angewendet; bis zum Alter von 23 Monaten soll die Behandlung unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht erfolgen, weil die Erfahrungen begrenzt sind.¹ Bei Babys und Kleinkindern zeigt sich Krätze oft anders: auch an Kopf, Gesicht, Handflächen und Fußsohlen, teils mit Bläschen. Deshalb werden diese Stellen mitbehandelt, Mund und Augen ausgespart. Tipps zum Umgang mit Medikamenten bei Kindern im Ratgeber Kinder und Medikamente.

Schwangerschaft

Laut Gebrauchsinformation haben erweiterte Erfahrungen bei Schwangeren keinen Hinweis auf schädliche Wirkungen ergeben; aus Vorsicht soll Permethrin in der Schwangerschaft nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden.¹ Embryotox bezeichnet Permethrin als Mittel der Wahl bei Krätze in der Schwangerschaft, weil kaum Wirkstoff aufgenommen und dieser schnell abgebaut wird.⁵ Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Stillzeit

Hier unterscheiden sich die Empfehlungen. Die Gebrauchsinformation rät aus Vorsichtsgründen zu einer Stillpause von fünf Tagen nach der Anwendung.¹ Embryotox sieht dagegen keinen Grund, das Stillen einzuschränken, und nennt Permethrin auch in der Stillzeit Mittel der Wahl; wurde die Brust mitbehandelt, wird sie vor dem Anlegen gründlich gereinigt.⁵ Besprich mit der Praxis, welchem Vorgehen du folgst — und denk daran, dass ein gestilltes Baby als enge Kontaktperson selbst mitbehandelt werden muss. Mehr unter Medikamente in der Stillzeit.

Pflegeheim, Gemeinschaftsunterkunft, ältere Menschen

In Pflegeeinrichtungen breitet sich Krätze oft unbemerkt aus, weil der Juckreiz bei älteren Menschen schwächer sein kann und Hautveränderungen anders aussehen. Bei Menschen über 65 werden laut Gebrauchsinformation zusätzlich Gesicht, Ohren und Kopfhaut behandelt.¹ Bei Ausbrüchen wird in der Regel das Gesundheitsamt eingebunden, damit Bewohner und Personal gleichzeitig behandelt werden. Mehr zur Organisation im Ratgeber Medikamente im Pflegeheim.

Asthma und Ekzeme

Laut Gebrauchsinformation kann die Creme die Beschwerden von Asthma oder Ekzemen verschlechtern.¹ Sag der Praxis vorher Bescheid, wenn du betroffen bist, und halte dein Notfallspray bereit.


10. Permethrin-Erfahrungen: Was Patienten wirklich fragen

„Ich habe mich vor drei Wochen behandelt, und es juckt immer noch."

Das ist häufig und meist das postskabiöse Ekzem: eine Reaktion auf die abgetöteten Milben, die laut Gebrauchsinformation bis zu vier Wochen anhalten kann. Entscheidend ist der Verlauf. Wird der Juckreiz langsam weniger und kommen keine neuen Knötchen oder Gänge dazu, spricht das für eine erfolgreiche Behandlung. Nimmt er nach einer Besserung wieder zu oder tauchen neue Gänge zwischen den Fingern auf, gehört das in die Praxis — bevor du erneut cremst.

„Mein Partner hat keine Beschwerden. Muss er wirklich mitmachen?"

Ja, wenn ihr engen Hautkontakt habt, etwa im selben Bett schlaft. Nach einer Ansteckung dauert es Wochen, bis es juckt. Wer sich jetzt nicht behandelt, kann Milben tragen, ohne es zu wissen, und sie nach deiner Behandlung zurückgeben. Laut RKI werden enge Kontaktpersonen grundsätzlich zeitgleich behandelt, auch ohne Symptome. Das betrifft auch Sexualpartner außerhalb des Haushalts.

„Ich habe mir in der Nacht die Hände gewaschen. War jetzt alles umsonst?"

Nein, aber an den Händen ist die Einwirkzeit unterbrochen. Laut Gebrauchsinformation wird die Creme nach dem Händewaschen an Händen und Handgelenken erneut aufgetragen; dasselbe gilt für Gesäß und Genitalbereich nach dem Toilettengang. Die Hände sind eine Lieblingsstelle der Milben — gerade hier lohnt sich die Sorgfalt.

„Wir sind fünf Personen. Muss ich die ganze Wohnung desinfizieren?"

Nein. Bei gewöhnlicher Krätze reicht es laut RKI, die Textilien mit Hautkontakt der letzten Tage heiß zu waschen oder für drei Tage in Plastiksäcke zu packen und Polster gründlich abzusaugen. Insektensprays in der Wohnung sind nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass alle fünf am selben Abend eingecremt werden, jede Person ihre eigene ausreichende Menge bekommt und alle die Wiederholung nach dem vereinbarten Schema mitmachen.

Creme, Antihistaminikum, Cortisonsalbe — wer nimmt was?

Ein Medikationsplan für jedes Familienmitglied und der Wechselwirkungs-Check für die Mittel gegen den Juckreiz.

Plan anlegen

FAQ: Häufige Fragen zu Permethrin

Die Creme wird abends dünn, aber lückenlos auf den ganzen Körper aufgetragen, bei Erwachsenen vom Hals bis zu den Fußsohlen, bei Kindern und älteren Menschen auch auf Gesicht, Ohren und Kopfhaut unter Aussparung von Augen und Mund. Besonders sorgfältig werden Zwischenräume von Fingern und Zehen, Nägel, Handgelenke, Achseln, Genitalbereich und Gesäß behandelt. Nach mindestens acht Stunden wird abgeduscht.
Laut Gebrauchsinformation mindestens acht Stunden, am besten über Nacht. In dieser Zeit sollte nicht gebadet oder geduscht werden. Werden Hände oder Intimbereich zwischendurch gewaschen, wird die Creme dort erneut aufgetragen.
Laut Gebrauchsinformation reicht meist eine Anwendung, bei andauerndem oder erneutem Befall wird nach 14 Tagen wiederholt. Das Robert Koch-Institut empfiehlt in seinem aktuellen Ratgeber grundsätzlich eine Wiederholung nach 7 bis 10 Tagen. Welches Schema gilt, legt die behandelnde Praxis fest.
Nach einer Ansteckung dauert es zwei bis fünf Wochen, bis Juckreiz auftritt. Kontaktpersonen können also befallen sein, ohne es zu merken, und die Milben nach der Behandlung zurückgeben. Deshalb werden enge Kontaktpersonen wie Partner und Familienmitglieder laut RKI zeitgleich behandelt, auch ohne Beschwerden.
Der Juckreiz ist oft eine Reaktion des Körpers auf die abgetöteten Milben in der Haut und kann laut Gebrauchsinformation bis zu vier Wochen anhalten. Das ist meist kein Behandlungsversagen. Neue Milbengänge oder ein Juckreiz, der nach einer Besserung wieder zunimmt, sollten aber ärztlich kontrolliert werden, bevor erneut gecremt wird.
Laut RKI werden Textilien mit Hautkontakt bei mindestens 50 Grad für mindestens zehn Minuten gewaschen. Was sich nicht waschen lässt, wird 72 Stunden bei Raumtemperatur in einem verschlossenen Plastiksack gelagert. Polster werden gründlich abgesaugt; Insektensprays in der Wohnung sind bei gewöhnlicher Krätze nicht nötig.
Embryotox bezeichnet Permethrin als Mittel der Wahl gegen Krätze in Schwangerschaft und Stillzeit, weil kaum Wirkstoff aufgenommen wird. Die Gebrauchsinformation empfiehlt die Anwendung in der Schwangerschaft nur auf ärztliche Anweisung und rät nach der Behandlung zu einer fünftägigen Stillpause. Besprich das Vorgehen mit deiner Praxis.
Laut Gebrauchsinformation gibt es Richtwerte ab einem Alter von zwei Monaten. Bei jüngeren Säuglingen wird es nur auf ärztlichen Rat angewendet, und bis zum Alter von 23 Monaten soll die Behandlung unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation InfectoScab® 5 % Creme (Permethrin 50 mg/g), INFECTOPHARM, Stand Juni 2021, Abschnitte 1 bis 6; die Fachinformation war zum Redaktionszeitpunkt nicht frei abrufbar. patienteninfo-service.de
  2. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Skabies (Krätze), Stand Mai 2025. rki.de
  3. Salavastru CM et al.: European guideline for the management of scabies. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 2017;31:1248–1253. doi.org
  4. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Skabies (Deutsche Dermatologische Gesellschaft; AWMF-Registernummer 013-052, Stand 2016, in Überarbeitung). register.awmf.org
  5. Embryotox — Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Berlin: Permethrin in Schwangerschaft und Stillzeit. Abgerufen 2026. embryotox.de

Krätze im Griff, die ganze Familie im Plan — mit brite

Behandlungsabend, Wiederholung und Kontrolltermin als Erinnerung, dazu ein Medikationsplan für jede Person. Kostenlos.

Medikationsplan anlegen
brite App
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Wende Permethrin nicht ohne ärztliche Diagnose an, behandle enge Kontaktpersonen nach Absprache mit der Praxis zeitgleich mit und creme bei anhaltendem Juckreiz nicht eigenmächtig nach. Die Creme darf nicht in Augen, Mund oder auf Schleimhäute gelangen und nicht geschluckt werden; bei Atemnot oder Schwellungen im Gesicht wähle sofort die 112. Die Medikamentenwahl und Dosierung werden immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: November 2026.