Solifenacin

Solifenacin: Blasenwirkstoff mit besserer Verträglichkeit

Solifenacin ist ein Anticholinergikum gegen die überaktive Blase, das stärker auf die Blasenrezeptoren zielt als ältere Wirkstoffe der Gruppe. Es wirkt vergleichbar gut, wird aber in der Regel besser vertragen und muss nur einmal täglich eingenommen werden. Zwei Punkte sind für Solifenacin besonders typisch: die mögliche Verlängerung der QT-Zeit am Herzen und der Abbau über das Enzym CYP3A4, das durch Grapefruit und bestimmte Medikamente gehemmt wird.

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1. Auf einen Blick: Technisches Datenblatt

EigenschaftDetails
WirkstoffSolifenacin (meist als Solifenacinsuccinat)
ATC-CodeG04BD08
WirkstoffklasseAnticholinergikum (Muskarinrezeptor-Antagonist) mit Präferenz für M3-Rezeptoren
DarreichungsformenFilmtabletten, üblich 5 mg und 10 mg; auch als Suspension
HalbwertszeitLang, in der Größenordnung von 45 bis 70 Stunden — Grundlage der Einmalgabe
Max. TagesdosisLaut Fachinformation in der Regel 10 mg täglich; bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion niedriger
WirkungseintrittErste Effekte nach etwa einer Woche, Beurteilung nach etwa 4 bis 12 Wochen
RezeptpflichtVerschreibungspflichtig
BesonderheitBlasenselektiver als ältere Anticholinergika; Abbau über CYP3A4, mögliche QT-Verlängerung
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2. Wirkungsweise: was Blasenselektivität bedeutet

Anticholinergika blockieren Muskarinrezeptoren — die Andockstellen für den Botenstoff Acetylcholin. Der Blasenmuskel zieht sich dadurch seltener unwillkürlich zusammen, die Blase speichert mehr, bevor Harndrang einsetzt. So weit gilt das für alle Wirkstoffe dieser Gruppe.¹

Der Unterschied liegt im Detail. Muskarinrezeptoren gibt es in mehreren Untertypen. Für die Blasenkontraktion ist vor allem der Typ M3 zuständig; im Speichel, im Auge, am Herzen und im Gehirn spielen andere Untertypen und andere Gewebeeigenschaften eine große Rolle. Solifenacin bindet bevorzugt an M3-Rezeptoren und erreicht das Gehirn zudem schlechter als kleinere, fettlöslichere Substanzen. Genau daraus erklärt sich das mildere Profil.

Selektiv heißt nicht ausschließlich. „Blasenselektiv" ist eine Frage des Verhältnisses, nicht ein Ein-Aus-Schalter. Auch unter Solifenacin sind Mundtrockenheit und Verstopfung die häufigsten Nebenwirkungen — sie treten nur seltener und schwächer auf als unter älteren Substanzen wie Oxybutynin. Die bessere Verträglichkeit ist ein echter Vorteil, aber kein Freibrief.

Eingesetzt wird Solifenacin bei der Reizblase (überaktive Blase) mit imperativem Harndrang, häufigen Toilettengängen und gegebenenfalls Dranginkontinenz — also unwillkürlichem Urinverlust im Moment des Drangs. Es ist ein symptomatisch wirkendes Mittel: Es dämpft die Beschwerden, solange es genommen wird, und heilt die Ursache nicht.


3. Dosierung und Einnahme: einmal täglich

Die folgenden Angaben beschreiben das übliche Vorgehen laut Fachinformation. Sie sind keine Einnahmeempfehlung — die Dosis legt die behandelnde Praxis fest.

  • Einmal täglich: Die lange Halbwertszeit erlaubt eine einzige Gabe pro Tag. Das ist mehr als Bequemlichkeit — je einfacher ein Schema, desto seltener wird eine Dosis vergessen, und desto ehrlicher lässt sich die Wirkung beurteilen.
  • Start meist niedrig: Begonnen wird üblicherweise mit der niedrigeren Stärke; erst wenn die Wirkung nicht ausreicht und die Verträglichkeit stimmt, wird erhöht.
  • Unabhängig von Mahlzeiten: Die Aufnahme wird durch Essen nach aktuellem Wissensstand nicht relevant beeinflusst. Die Tablette wird unzerkaut mit Wasser geschluckt.
  • Feste Uhrzeit: Ein gleichbleibender Zeitpunkt hält den Blutspiegel stabil und macht das Vergessen unwahrscheinlicher. Grundsätzliches dazu im Ratgeber Medikamente richtig einnehmen.
  • Vergessene Dosis: Fällt es am selben Tag auf, wird sie in der Regel nachgeholt; sonst wird die Einnahme zum nächsten regulären Zeitpunkt fortgesetzt. Doppelt nehmen ist keine Lösung — siehe Medikament vergessen.
Die lange Halbwertszeit hat zwei Seiten. Sie verzeiht eine vergessene Tablette leichter als kurz wirksame Präparate. Gleichzeitig baut sich der Spiegel nur langsam auf und ab: Nach dem Beginn dauert es einige Tage bis zum stabilen Zustand, und eine Nebenwirkung verschwindet nach dem Absetzen nicht über Nacht. Beurteile die Wirkung deshalb nach Wochen, nicht nach Tagen — am besten anhand eines Miktionstagebuchs, das du zum Arzttermin mitnimmst.

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4. Nebenwirkungen: milder, aber nicht harmlos

Das Nebenwirkungsprofil folgt demselben Muster wie bei allen Anticholinergika — nur in abgeschwächter Form. Zwei Beschwerden führen die Liste deutlich an.

  • Mundtrockenheit: die häufigste Nebenwirkung. Sie ist dosisabhängig — unter der höheren Stärke tritt sie spürbar öfter auf. Kleine Schlucke über den Tag, zuckerfreie Kaugummis und konsequente Zahnpflege federn sie ab.
  • Verstopfung: die zweithäufigste. Sie wird oft unterschätzt, weil sie sich langsam entwickelt. Ballaststoffe, Bewegung und ausreichend Flüssigkeit gehören von Anfang an dazu, nicht erst nach Wochen.
  • Verschwommenes Sehen und trockene Augen: seltener als unter älteren Substanzen, aber möglich.
  • Übelkeit, Bauchbeschwerden, Sodbrennen: gelegentlich, meist in der Anfangsphase.
  • Restharn bis zum Harnverhalt: selten, aber relevant — besonders bei vorbestehender Blasenentleerungsstörung.
  • Müdigkeit und Benommenheit: deutlich seltener als unter stark hirngängigen Anticholinergika.
Was nicht abgewartet werden sollte. Ausbleibendes Wasserlassen mit Druck im Unterbauch, plötzliche Augenschmerzen mit Sehverschlechterung (Verdacht auf einen Glaukomanfall bei Engwinkelglaukom), anhaltendes Ausbleiben des Stuhlgangs mit Bauchschmerzen und Erbrechen oder eine Schwellung von Gesicht und Zunge: Das sind Gründe, sofort ärztliche Hilfe zu suchen und nicht bis zum nächsten Termin zu warten. Wie du Nebenwirkungen dokumentierst und meldest, steht unter Nebenwirkungen von Medikamenten.

Solifenacin ist wie alle Anticholinergika bei unbehandeltem Engwinkelglaukom, bei Harnverhalt, bei schwerer Magen-Darm-Erkrankung mit Passagestörung und bei Myasthenia gravis nicht geeignet. Diese Diagnosen gehören vor Therapiebeginn auf den Tisch.


5. QT-Verlängerung: die Besonderheit dieser Substanz

Die QT-Zeit ist ein Abschnitt im EKG. Sie beschreibt, wie lange die Herzkammern brauchen, um sich nach einem Schlag elektrisch zu erholen. Wird diese Phase zu lang, kann in seltenen Fällen eine gefährliche Herzrhythmusstörung entstehen — die sogenannte Torsade de pointes.¹

Solifenacin kann die QT-Zeit dosisabhängig verlängern. Für die meisten Menschen mit gesundem Herzen ist das ohne praktische Bedeutung. Kritisch wird es, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen — und genau das ist der Punkt, den dieser Beitrag hervorheben will: Das Risiko entsteht fast nie durch Solifenacin allein, sondern durch Kombinationen.

Wann die QT-Zeit wirklich zum Thema wird. Vorsicht ist geboten bei bekanntem Long-QT-Syndrom, bei früheren Herzrhythmusstörungen, bei niedrigen Kalium- oder Magnesiumwerten, bei ausgeprägt langsamem Puls — und vor allem bei gleichzeitiger Einnahme anderer QT-verlängernder Medikamente. Dazu zählen bestimmte Antidepressiva wie Citalopram, einige Antipsychotika, manche Antiarrhythmika und Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin. Bei plötzlichem Schwindel mit Bewusstlosigkeit, bei anfallsartigem Herzrasen oder Kollaps sofort die 112 wählen.

Praktisch bedeutet das nicht, dass diese Kombinationen verboten wären. Es bedeutet, dass sie bekannt sein müssen. Wer Solifenacin bekommt, sollte die vollständige Medikamentenliste offenlegen — inklusive der Präparate, die eine andere Praxis verordnet hat. Je nach Situation wird ein EKG geschrieben, die Kalium- und Magnesiumwerte werden geprüft (Blutwerte verstehen) oder eine der beiden Substanzen wird ausgetauscht.

Ein spürbares Warnzeichen gibt es übrigens nicht: Eine verlängerte QT-Zeit tut nicht weh. Was auffallen kann, ist Herzstolpern, ein plötzlicher Schwindelanfall oder eine kurze Bewusstlosigkeit — solche Ereignisse gehören immer abgeklärt und nicht auf „Kreislauf" geschoben.

6. CYP3A4: Grapefruit und starke Hemmer

Solifenacin wird in der Leber überwiegend durch das Enzym CYP3A4 abgebaut. Dieses Enzym ist eine der wichtigsten Abbaustraßen des Körpers — und es lässt sich blockieren. Wird es gehemmt, staut sich der Wirkstoff: Der Blutspiegel steigt, und mit ihm steigen Mundtrockenheit, Verstopfung und das Risiko einer QT-Verlängerung.

Grapefruit ist kein Mythos. Grapefruit und Grapefruitsaft hemmen CYP3A4 in der Darmwand — und zwar über Stunden bis Tage, nicht nur im Moment des Trinkens. Der zeitliche Abstand zur Tabletteneinnahme hilft deshalb wenig. Auch Pomelo und Bitterorange (Sevilla-Orange, oft in Marmelade) wirken so. Was das grundsätzlich bedeutet, erklärt der Ratgeber Grapefruit und Medikamente. Normale Orangen, Mandarinen und Zitronen sind davon nicht betroffen.

Auf der Medikamentenseite sind es vor allem starke CYP3A4-Hemmer: bestimmte Antimykotika gegen Pilzerkrankungen, Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin, einige HIV-Medikamente. Bei gleichzeitiger Anwendung wird die Solifenacin-Dosis in der Regel begrenzt oder die Behandlung vorübergehend angepasst. Auch der umgekehrte Fall existiert: Starke CYP3A4-Induktoren wie Johanniskraut oder bestimmte Antiepileptika beschleunigen den Abbau und können die Wirkung abschwächen.

Das Tückische daran ist die Alltagssituation. Ein Antibiotikum gegen eine Nasennebenhöhlenentzündung wird für sieben Tage verordnet — von einer anderen Praxis, die von der Blasentablette nichts weiß. Genau solche kurzen Zwischenverordnungen sind der typische Auslöser. Ein vollständiger, aktueller Medikationsplan, den du überall vorzeigst, verhindert das zuverlässiger als jedes Beipackzettelstudium.


7. Wechselwirkungen im Überblick

KombinationFolgeWas tun
Starke CYP3A4-Hemmer (Antimykotika, Clarithromycin, bestimmte HIV-Mittel)Solifenacin-Spiegel steigt, mehr NebenwirkungenDosisbegrenzung oder Alternative ärztlich klären
Grapefruit, Pomelo, BitterorangeGleicher Effekt über die DarmwandWährend der Therapie meiden
QT-verlängernde Medikamente, z. B. CitalopramAdditive QT-VerlängerungKombination gezielt prüfen, ggf. EKG
Andere anticholinerg wirksame MittelSummierte Mundtrockenheit, Verstopfung, VerwirrtheitGesamtlast ärztlich bewerten lassen
Entwässerungsmittel, Abführmittel bei KaliumverlustNiedriges Kalium erhöht das QT-RisikoKalium und Magnesium kontrollieren
Metoclopramid und andere die Darmmotorik anregende MittelGegenläufige Wirkung, beide werden schwächerSinn der Kombination hinterfragen
AlkoholVerstärkte Müdigkeit; Alkohol reizt zusätzlich die BlaseZurückhaltung, siehe Medikamente und Alkohol
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Die praktische Regel ist einfach: Jede neue Verordnung und jedes rezeptfreie Präparat gehört gegen die bestehende Liste geprüft, bevor es dazukommt — dafür ist der Wechselwirkungs-Check gedacht.


8. Nieren- und Leberfunktion begrenzen die Dosis

Solifenacin wird teils über die Leber abgebaut, teils über die Nieren ausgeschieden. Beide Organe setzen der Dosis deshalb eine Grenze — und das ist bei diesem Wirkstoff konkreter geregelt als bei manchen anderen.

  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Bei deutlich verminderter Filtrationsleistung wird die Tagesdosis laut Fachinformation begrenzt. Bei chronischer Nierenerkrankung gehört der aktuelle eGFR-Wert deshalb zur Verordnungsentscheidung.
  • Eingeschränkte Leberfunktion: Bei mäßiger Einschränkung wird ebenfalls begrenzt; bei schwerer Leberfunktionsstörung ist Solifenacin nicht geeignet.
  • Kombiniert mit einem CYP3A4-Hemmer gelten die Grenzen erst recht — die Effekte addieren sich.
  • Dialyse: Hier ist Solifenacin in der Regel nicht angezeigt.

Wichtig ist, dass die Nierenfunktion kein fester Wert ist. Sie ändert sich mit dem Alter, mit Flüssigkeitsmangel, mit fieberhaften Infekten und mit neuen Medikamenten. Eine Dosis, die vor zwei Jahren passte, kann heute zu hoch sein. Was allgemein gilt, steht im Ratgeber Medikamente bei Nieren- und Lebererkrankungen.


9. Im Alter: verträglicher, aber die Gesamtlast zählt

Solifenacin gilt als die verträglichere Wahl unter den Anticholinergika — es erreicht das Gehirn schlechter als ältere, stark fettlösliche Substanzen und löst seltener Verwirrtheit aus. Das ist ein realer Vorteil, besonders im Vergleich zu Oxybutynin. Es ist aber kein Grund, das Thema abzuhaken.

Denn die entscheidende Größe im Alter ist nicht das einzelne Präparat, sondern die anticholinerge Gesamtlast: die Summe aller Medikamente, die auch nur schwach anticholinerg wirken. Ältere Antidepressiva, manche Antipsychotika, ältere Antihistaminika, bestimmte Magen- und Blasenmittel — jedes für sich unauffällig, zusammen aber genug, um Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Gangsicherheit zu beeinträchtigen.

Die richtige Frage im Sprechzimmer. Sie lautet nicht „Ist Solifenacin gefährlich?", sondern: „Wie viele meiner Medikamente wirken anticholinerg — und ist die Summe noch vertretbar?" Wer mehrere Präparate nimmt, findet den Rahmen dafür in den Ratgebern Medikamente im Alter und Polypharmazie. Wenn kognitive Veränderungen auftreten, ist der Beta-3-Agonist Mirabegron eine Alternative ohne anticholinerge Wirkung.

Dazu kommt im höheren Alter der zweite Punkt aus Abschnitt 5: Ältere Menschen nehmen häufiger Medikamente, die die QT-Zeit beeinflussen, und haben öfter niedrige Kaliumwerte durch Entwässerungsmittel. Beides zusammen macht die Kombinationsprüfung wichtiger als bei jüngeren Patientinnen und Patienten.


10. Was du realistisch erwarten kannst

Hier lohnt sich Ehrlichkeit, weil unrealistische Erwartungen der häufigste Grund für Enttäuschung und Therapieabbruch sind.

Anticholinergika verringern bei der überaktiven Blase im Mittel die Zahl der Toilettengänge und der Drangepisoden, und sie reduzieren die Zahl der Inkontinenz-Episoden. Vollständige Beschwerdefreiheit erreichen die wenigsten. Der Effekt ist real und für viele im Alltag spürbar — er ist aber gradueller Natur: aus „ich schaffe es nie rechtzeitig" wird „meistens schaffe ich es", nicht „ich merke nichts mehr".²,³

Der Unterschied wird sichtbar, wenn du ihn misst. Führe drei Tage lang vor Therapiebeginn und noch einmal nach sechs bis acht Wochen ein Miktionstagebuch: Uhrzeit und Menge des Wasserlassens, Trinkmenge, Drangepisoden, ungewollter Urinverlust. Ohne diesen Vergleich wird ein realer Fortschritt regelmäßig übersehen — mit ihm hat auch die Praxis eine Grundlage für die nächste Entscheidung. Trinkmenge, Toilettengänge und Einnahme lassen sich im digitalen Gesundheitsverlauf nebeneinander führen.

Und der zweite Teil der Wahrheit: Das Medikament ist nur die halbe Behandlung. Blasentraining, ein geregeltes Trinkverhalten und Beckenbodentraining stehen bei der überaktiven Blase an erster Stelle und wirken zusammen mit dem Medikament besser als jedes für sich.³ Feste Toilettenzeiten statt Gehen nach Drang, langsam verlängerte Intervalle, Drangwellen im Stehen abwarten statt loszurennen — das sind die Bausteine, die aus einer moderaten Medikamentenwirkung einen spürbaren Alltagsgewinn machen. Blasenschwäche ist dabei ein medizinisches Problem wie jedes andere und kein Grund, das Thema zu vermeiden.⁴


11. Solifenacin-Erfahrungen: Was Patienten wirklich fragen

„Ich hatte unter dem Vorgängerpräparat einen extrem trockenen Mund. Wird das jetzt besser?"

In vielen Fällen ja. Solifenacin bindet bevorzugt an die Rezeptoren des Blasenmuskels und verursacht deshalb im Durchschnitt weniger und schwächere Mundtrockenheit als ältere Anticholinergika. Weg ist sie damit nicht — sie bleibt die häufigste Nebenwirkung, und sie nimmt mit der höheren Dosisstufe zu. Wenn die niedrigere Stärke ausreichend wirkt, ist das deshalb oft die bessere Wahl. Sag der Praxis konkret, wie stark dich die Trockenheit stört: Zwischen „lästig beim Sprechen" und „ich wache nachts davon auf" liegt therapeutisch ein großer Unterschied.

„Ich habe gelesen, das Mittel kann aufs Herz gehen. Muss ich mir Sorgen machen?"

Gemeint ist die mögliche Verlängerung der QT-Zeit. Für Menschen mit gesundem Herzen, normalen Kalium- und Magnesiumwerten und ohne weitere QT-verlängernde Medikamente ist das in der Regel kein praktisches Problem. Relevant wird es bei Kombinationen — etwa mit bestimmten Antidepressiva, Antipsychotika oder Makrolid-Antibiotika — sowie bei bekannten Rhythmusstörungen. Der richtige Umgang ist deshalb nicht Sorge, sondern Transparenz: vollständige Medikamentenliste zeigen, Vorerkrankungen des Herzens nennen, und bei Ohnmacht oder anfallsartigem Herzrasen sofort ärztliche Hilfe holen.

„Darf ich morgens meinen Grapefruitsaft trinken?"

Während einer Therapie mit Solifenacin besser nicht. Grapefruit hemmt das Enzym, über das der Wirkstoff abgebaut wird, und zwar anhaltend — ein zeitlicher Abstand zur Tablette löst das Problem nicht. Der Spiegel kann dadurch steigen, was Mundtrockenheit, Verstopfung und das QT-Risiko verstärkt. Betroffen sind auch Pomelo und Bitterorange. Andere Zitrusfrüchte wie Orange, Mandarine und Zitrone kannst du dagegen normal essen und trinken.

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Der Wechselwirkungs-Check erkennt CYP3A4-Hemmer und QT-Kombinationen.

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FAQ: Häufige Fragen zu Solifenacin

Erste Effekte zeigen sich meist innerhalb der ersten Woche, weil sich der Blutspiegel wegen der langen Halbwertszeit erst aufbauen muss. Beurteilt wird die Wirkung in der Regel nach vier bis zwölf Wochen. Ein Miktionstagebuch vor Beginn und nach einigen Wochen macht den Unterschied sichtbar.
In der Regel ja. Solifenacin bindet bevorzugt an die Rezeptoren des Blasenmuskels und gelangt schlechter ins Gehirn, dadurch treten Mundtrockenheit, Verstopfung und Verwirrtheit seltener und schwächer auf. Die Wirksamkeit ist im Mittel vergleichbar. Welcher Wirkstoff passt, entscheidet die behandelnde Praxis.
Grapefruit hemmt das Enzym CYP3A4, über das Solifenacin abgebaut wird. Dadurch steigt der Wirkstoffspiegel im Blut, und Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung und eine Verlängerung der QT-Zeit werden wahrscheinlicher. Die Hemmung hält Stunden bis Tage an, ein zeitlicher Abstand hilft deshalb nicht. Pomelo und Bitterorange wirken ähnlich.
Die QT-Zeit beschreibt im EKG, wie lange die Herzkammern zur elektrischen Erholung brauchen. Ist sie deutlich verlängert, kann selten eine gefährliche Rhythmusstörung entstehen. Spüren kann man die verlängerte QT-Zeit nicht. Relevant wird sie vor allem bei zusätzlichen QT-verlängernden Medikamenten, niedrigem Kalium oder bekannten Herzrhythmusstörungen.
Ja. Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion und bei mäßiger Leberfunktionsstörung begrenzt die Fachinformation die Tagesdosis; bei schwerer Leberfunktionsstörung ist Solifenacin nicht geeignet. Da sich die Nierenfunktion mit Alter, Infekten und neuen Medikamenten ändert, gehören aktuelle Werte zur Verordnungsentscheidung.
In der Regel nicht vollständig. Zu erwarten ist eine Verringerung der Drangepisoden, der Toilettengänge und der Inkontinenz-Episoden, nicht deren Verschwinden. Der Nutzen ist real, aber graduell. In Kombination mit Blasentraining und geregeltem Trinkverhalten fällt das Ergebnis deutlich besser aus als mit dem Medikament allein.

Quellen

  1. Fachinformation Solifenacinsuccinat (aktueller Stand, abrufbar über das Informationssystem der Zulassungsbehörden). pharmnet-bund.de
  2. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Überaktive Blase und Dranginkontinenz — Behandlungsmöglichkeiten. Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de
  3. S2e-Leitlinie Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten — Diagnostik und Therapie (Deutsche Gesellschaft für Geriatrie, AWMF Reg-Nr. 084-001). awmf.org
  4. gesund.bund.de: Harninkontinenz und überaktive Blase. Abgerufen 2026. gesund.bund.de

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Nimm Solifenacin nicht zusammen mit neuen Medikamenten ein, ohne die Kombination prüfen zu lassen — besonders Antibiotika, Antimykotika und Antidepressiva können relevant sein. Bei Ohnmacht, anfallsartigem Herzrasen, plötzlichen Augenschmerzen mit Sehverschlechterung oder ausbleibendem Wasserlassen mit Unterbauchschmerz wende dich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt beziehungsweise wähle im Notfall die 112. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: September 2026.