Endlich verstehe ich meine Therapie. Die App erinnert mich, beantwortet meine Fragen - und ich fühle mich nicht mehr alleine damit.
RatgeberAugust 2026· 11 Min. Lesezeit
Medikamente in der Stillzeit: Was erlaubt ist - und wie du Einnahme und Stillen taktest
Kopfschmerzen, eine Blasenentzündung, eine hartnäckige Erkältung - und sofort steht die Frage im Raum: abstillen oder aushalten? Meist ist beides die falsche Antwort. Für fast jede häufige Beschwerde gibt es Wirkstoffe, die in der Stillzeit als gut verträglich gelten. Mit der richtigen zeitlichen Taktung lässt sich die Menge, die beim Kind ankommt, zusätzlich klein halten. Dieser Ratgeber zeigt, welche Mittel als Standard gelten, wo echte Vorsicht angebracht ist - und welche Quelle mehr wert ist als jeder Beipackzettel.
Einnahme und Stillzeiten sauber getaktet
brite erinnert dich zur richtigen Zeit - passend zum Rhythmus deines Kindes.
1. Der Reflex „lieber abstillen" - warum er meist die schlechtere Wahl ist
Die Sorge ist verständlich: Was ich schlucke, landet in der Milch, und mein Kind ist klein. Also lieber abstillen. In der Praxis ist genau das aber häufig die Entscheidung mit dem größeren Schaden - sie wiegt ein reales Risiko gegen ein meist theoretisches auf.
Stillen hat für Mutter und Kind belegte Vorteile, und ein einmal abgebrochenes Stillverhältnis lässt sich oft nicht wieder aufbauen. Demgegenüber steht bei den allermeisten gängigen Wirkstoffen eine Menge in der Milch, die weit unterhalb dessen liegt, was beim Säugling eine Wirkung entfalten würde. Für die häufigen Alltagsbeschwerden - Schmerzen, Fieber, Infekte, Allergien - existieren Mittel, die seit Jahrzehnten in der Stillzeit eingesetzt und dokumentiert sind.¹
Die eigentliche Frage lautet nicht „ja oder nein". Sie lautet: Welcher Wirkstoff aus dieser Gruppe ist in der Stillzeit am besten untersucht? Fast immer gibt es innerhalb einer Wirkstoffklasse eine Option mit guter Datenlage. Auch ein Therapieverzicht ist eine Entscheidung mit Folgen: Eine unbehandelte Blasenentzündung, Depression oder ein unbehandelter Bluthochdruck schaden dir und damit indirekt auch deinem Kind.
Der zweite Reflex ist genauso ungünstig: die Tablette einfach weglassen und „durchhalten". Wer bei Migräne drei Tage flachliegt, statt ein stillverträgliches Schmerzmittel zu nehmen, hilft niemandem.
2. embryotox.de: die Referenz, an der du dich orientieren kannst
Wenn du dir aus diesem Artikel nur eine Sache merkst, dann diese: embryotox.de - das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité, Universitätsmedizin Berlin. Die Datenbank bewertet Wirkstoffe für Schwangerschaft und Stillzeit, ist öffentlich, kostenlos und verständlich geschrieben.¹
Wirkstoff eingeben, nicht Handelsnamen: Die Datenbank ist nach Wirkstoffen sortiert - der Name steht auf der Packung unter dem Präparatenamen.
Auf den Abschnitt „Stillzeit" achten: Schwangerschaft und Stillzeit werden getrennt bewertet und können unterschiedlich ausfallen.
Die Formulierungen ernst nehmen: „Mittel der Wahl" ist eine klare Empfehlung, „akzeptabel" die Zweitoption, „nur bei zwingender Indikation" der Fall für eine echte ärztliche Abwägung. Für komplizierte Fälle gibt es zusätzlich eine individuelle Beratung.
embryotox ersetzt nicht deine Ärztin oder deinen Arzt, gibt dir aber eine belastbare Grundlage für das Gespräch. Ergänzend nutzbar: gesund.bund.de und gesundheitsinformation.de (IQWiG).
Praxis-Tipp für den Apothekenbesuch. Sag im ersten Satz, dass du stillst. Apotheken haben Zugriff auf dieselben Datenbanken und können meist binnen einer Minute sagen, ob dein Präparat passt oder ob es eine besser untersuchte Alternative gibt - auch bei rezeptfreien Mitteln aus dem Regal.
3. Wie ein Wirkstoff überhaupt in die Milch gelangt
Ein Wirkstoff muss drei Hürden nehmen, bevor er beim Kind wirksam werden kann.
Hürde 1: vom Blut in die Milch
Die Milch bildende Drüse ist keine offene Tür. Ob ein Stoff hineingelangt, hängt vor allem von drei Eigenschaften ab:
Molekülgröße: Große Moleküle passen nicht durch. Deshalb gilt etwa Insulin als unproblematisch - es ist zu groß und würde im Magen des Kindes ohnehin verdaut.
Eiweißbindung: Viele Wirkstoffe reisen im Blut an Transporteiweiße gekoppelt. Was gebunden ist, bleibt im Blut - hohe Eiweißbindung heißt also: wenig Übertritt.
Fettlöslichkeit: Muttermilch enthält Fett; stark fettlösliche Substanzen reichern sich darin eher an.²
Hürde 2: vom Magen des Kindes ins Blut
Nicht alles, was in der Milch ist, wird aufgenommen. Manche Wirkstoffe werden im kindlichen Magen-Darm-Trakt zerlegt - sie sind messbar in der Milch, kommen im Kreislauf des Kindes aber praktisch nicht an.
Hürde 3: die Menge muss relevant sein
Hier kommt die wichtigste Kennzahl ins Spiel: die relative Kinderdosis. Sie beschreibt, wie viel Prozent der mütterlichen Dosis - umgerechnet auf das Körpergewicht - beim Kind ankommen würde. Als grobe Orientierung gilt: Werte unter etwa 10 Prozent gelten in der Regel als unbedenklich, viele gut untersuchte Wirkstoffe liegen deutlich unter einem Prozent.
Was diese Zahl bedeutet - und was nicht. Sie ist ein Rechenwert, keine Garantie, und sagt nichts darüber, wie empfindlich ein bestimmtes Kind reagiert. Frühgeborene und Neugeborene in den ersten Lebenswochen bauen Wirkstoffe langsamer ab und werden vorsichtiger bewertet. Ab dem zweiten Lebenshalbjahr entspannt sich die Lage.
4. Timing: die längste Stillpause nutzen
Das ist der Abschnitt, der im Alltag den größten Unterschied macht. Die Konzentration eines Wirkstoffs im Blut - und damit in der Milch - ist nicht konstant: Sie steigt nach der Einnahme, erreicht nach ein bis drei Stunden ihren Höhepunkt und fällt wieder ab. Die Einnahme lässt sich deshalb so legen, dass die Spitze möglichst nicht mit einer Stillmahlzeit zusammenfällt.
Erst stillen, dann schlucken. Nimm die Tablette unmittelbar nach dem Anlegen - so liegt die längstmögliche Zeitspanne bis zur nächsten Mahlzeit.
Die längste Pause suchen. Bei einer Tablette pro Tag: auf den Beginn der längsten Stillpause legen, oft die letzte Mahlzeit am Abend.
Mehrere Dosen an den Rhythmus koppeln. Bei drei Einnahmen täglich funktioniert „immer direkt nach dem Stillen" am besten - ohne Uhrzeitrechnerei.
Einmalgaben bewusst legen. Ein einzelnes Schmerzmittel kannst du fast immer so timen, dass zwei bis drei Stunden bis zum nächsten Anlegen bleiben. Fällt eine Einnahme ungünstig, hilft vorab abgepumpte Milch - Komfort, keine Pflicht.
Wo Timing nichts bringt - ehrlich gesagt. Die Strategie funktioniert nur bei kurzer Halbwertszeit. Bei Substanzen, die zwölf Stunden oder länger im Körper bleiben - viele Antidepressiva, Schilddrüsenhormone, viele Blutdrucksenker - stellt sich ein gleichmäßiger Spiegel ein. Es gibt dann keine Spitze, die man umgehen könnte; hier zählt allein, ob der Wirkstoff selbst geeignet ist. Wer trotzdem an Zeitplänen bastelt, erzeugt nur Stress ohne Nutzen.
Pumpen und verwerfen: seltener nötig, als viele denken
„Pump and dump" hält sich hartnäckig als Standardlösung. Wirklich sinnvoll ist es nur bei einer echten Kurzzeit-Kontraindikation, etwa nach nuklearmedizinischen Untersuchungen. Bei Alkohol beschleunigt Abpumpen den Abbau nicht: Der Gehalt der Milch folgt dem Blutspiegel. Und nach einer normalen Narkose oder üblichen Schmerzmitteldosis ist Verwerfen unnötig.
Direkt nach dem Stillen - jedes Mal
brite legt deine Einnahmezeiten fest und erinnert dich, ohne dass du rechnen musst.
Die häufigste Frage überhaupt - und die mit der klarsten Antwort. Ibuprofen und Paracetamol gelten in der Stillzeit als Schmerz- und Fiebermittel der Wahl: seit Jahrzehnten im Einsatz, beide nur in sehr geringen Mengen milchgängig.³
Ibuprofen
Wirkt zusätzlich entzündungshemmend - praktisch bei Wunden, Milchstau oder Zahnschmerzen. Kurze Halbwertszeit, sehr geringer Übertritt. Nachteil: kann Magen und Nieren belasten, deshalb nicht dauerhaft ohne Rücksprache.
Paracetamol
Magenfreundlicher, aber nicht entzündungshemmend. Die Tageshöchstmenge laut Fachinformation ist strikt einzuhalten - der Abstand zwischen wirksamer und leberschädigender Dosis ist geringer, als viele annehmen.
Für die Auswahl im Einzelfall lohnt der Schmerzmittel-Vergleich. Grundsätzlich gilt: das passende Mittel in ausreichender Dosis für begrenzte Zeit - nicht die halbe Tablette aus schlechtem Gewissen.
Nicht als Schmerzmittel in der Stillzeit: ASS.Acetylsalicylsäure in analgetischer Dosierung wird gemieden - unter anderem wegen des theoretischen Reye-Risikos und der Wirkung auf die Blutgerinnung des Kindes. Anders die niedrig dosierte Gabe zur Blutverdünnung: Sie wird individuell bewertet und darf nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Bei stärkeren Schmerzen wird in der Regel zunächst die Kombination der beiden Standardmittel ausgeschöpft; Opioide setzt die behandelnde Praxis zurückhaltend und möglichst kurz ein.
6. Antibiotika: fast nie ein Grund abzustillen
Blasenentzündung, Mastitis, Mandelentzündung - Antibiotika sind im ersten Jahr nach der Geburt keine Seltenheit. Die meisten gängigen Antibiotika sind in der Stillzeit einsetzbar: Penicilline wie Amoxicillin gehören zu den am besten untersuchten Wirkstoffen überhaupt und werden regelmäßig auch stillenden Frauen verordnet.
Auch Cephalosporine und je nach Situation Makrolide kommen infrage. Andere Gruppen werden zurückhaltender eingesetzt, weil es besser untersuchte Alternativen gibt. Sag deshalb bei der Verordnung, dass du stillst.
Was du beim Kind beobachten kannst. Unter Antibiotika kommt es beim Säugling gelegentlich zu weicherem Stuhl oder leichter Unruhe - meist harmlos und vorübergehend. Anhaltender Durchfall, Hautausschlag oder Trinkverweigerung gehören in die Kinderarztpraxis. Und: Antibiotika werden zu Ende genommen, siehe Antibiotika richtig einnehmen.
7. Erkältung und Allergie: Nasenspray, Antihistaminika, Hustenmittel
Ein Infekt ist kein Grund, das Stillen zu unterbrechen - im Gegenteil: Über die Milch bekommt dein Kind Antikörper. Was gegen die Symptome hilft, steht im Ratgeber Erkältung, Grippe oder Corona. Für die Stillzeit ein paar Besonderheiten:
Abschwellendes Nasenspray
Sprays mit Xylometazolin wirken lokal in der Nase; systemisch kommt sehr wenig an. Sie gelten bei kurzfristiger Anwendung als vertretbar. Es bleibt die bekannte Falle: Nach wenigen Tagen droht der Gewöhnungseffekt - Hintergründe unter Nasenspray-Abhängigkeit. Meerwasser- oder Kochsalzspray ist die unbegrenzt einsetzbare Alternative.
Antihistaminika bei Allergie
Bei Heuschnupfen und juckenden Hautreaktionen sind die neueren, wenig müde machenden Antihistaminika erste Wahl: Loratadin und Cetirizin sind in der Stillzeit gut untersucht. Ältere, stark sedierende Wirkstoffe werden gemieden, weil sie auch das Kind schläfrig machen können.
Husten und Halsschmerzen
Lutschtabletten, Inhalieren mit Kochsalzlösung und viel Flüssigkeit sind unkritisch. Vorsicht bei Erkältungsmitteln „mit allem drin": Sie enthalten oft mehrere Wirkstoffe, darunter manchmal genau die, die man meiden würde. Einzelwirkstoffe sind hier klar im Vorteil.
8. Dauermedikation: Antidepressiva und andere Langzeittherapien
Bei einer chronischen Erkrankung geht es nicht um drei Tage, sondern um Monate. Die gute Nachricht: Für die meisten großen Indikationen existieren stillverträgliche Optionen.
Antidepressiva
Eine Depression nach der Geburt ist häufig und behandlungsbedürftig. Unbehandelt belastet sie Bindung, Schlaf und Alltagsbewältigung - das ist kein „weiches" Risiko. Innerhalb der SSRI gilt Sertralin als der in der Stillzeit am besten untersuchte Wirkstoff; die Mengen in der Milch sind meist sehr niedrig. Auch für Citalopram liegen Daten vor, hier wird differenzierter bewertet.¹
Nie eigenmächtig umstellen. Wirkt dein Antidepressivum gut, ist ein Wechsel „nur wegen des Stillens" selten sinnvoll - ein Rückfall wiegt schwerer als ein etwas dünnerer Datenbestand. Abruptes Absetzen kann außerdem Absetzsymptome auslösen: siehe SSRI absetzen und Medikamente absetzen. Die Entscheidung gehört in die behandelnde Praxis.
Andere häufige Dauertherapien
Schilddrüse:L-Thyroxin ersetzt ein körpereigenes Hormon und ist unproblematisch - bei Hashimoto wird die Dosis nach der Geburt oft neu eingestellt.
Asthma: Inhalative Therapien wirken überwiegend lokal in der Lunge; Asthma sollte gut kontrolliert bleiben.
Diabetes, Bluthochdruck, Epilepsie: Auch hier existieren etablierte Optionen - die Auswahl trifft die betreuende Fachrichtung.
Wer mehrere Präparate dauerhaft nimmt, sollte außerdem mögliche Wechselwirkungen im Blick behalten.
9. Was wirklich kritisch ist
Ehrlichkeit gehört dazu: Es gibt Situationen, in denen tatsächlich eine Stillpause oder ein Abstillen erwogen wird. Sie sind selten, aber real.
Codein und codeinhaltige Mittel: in der Stillzeit meiden. Codein wird im Körper zu Morphin umgewandelt - bei einem Teil der Menschen genetisch bedingt besonders schnell. Dann kann beim gestillten Säugling eine gefährliche Überdosierung entstehen: auffällige Schläfrigkeit, Trinkschwäche, flache Atmung. Deshalb wird Codein - auch in Hustensäften - nicht empfohlen. Wirkt dein Kind nach einer Einnahme ungewöhnlich schlapp, trinkt schlecht oder atmet auffällig: sofort ärztlich abklären lassen, im Zweifel über den Rettungsdienst 112. Mehr unter Nebenwirkungen von Medikamenten.
Weitere Situationen, in denen eine echte Abwägung nötig ist:
Zytostatika und Immunsuppressiva in der Krebstherapie: Hier wird in der Regel abgestillt oder eine definierte Stillpause eingelegt; die Entscheidung fällt im behandelnden Zentrum.
Hochdosiertes Jod und Radiojodtherapie: Jod reichert sich aktiv in der Milch an. Eine Radiojodbehandlung erfordert eine ärztlich festgelegte Stillpause; auch jodhaltige Kontrast- und Desinfektionsmittel werden gemieden.
Nuklearmedizinische Untersuchungen: Je nach Substanz wird eine begrenzte Pause festgelegt - einer der wenigen Fälle, in denen Abpumpen und Verwerfen sinnvoll ist.
Lang wirksame Benzodiazepine: werden gemieden, weil sie beim Kind zu Trinkschwäche und Müdigkeit führen können.
Auch pflanzlich ist nicht automatisch harmlos. Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente abschwächen; salbei- und pfefferminzhaltige Zubereitungen können in größeren Mengen die Milchbildung beeinflussen. „Natürlich" ist keine Sicherheitsaussage - siehe Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.
Passt das zusammen? In Sekunden geprüft
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Du schlägst die Packungsbeilage auf und liest: „Sollte in der Stillzeit nicht angewendet werden." Und das steht dort auch bei Wirkstoffen, die embryotox ausdrücklich als Mittel der Wahl führt.
Die Erklärung ist unspektakulär: Der Satz ist häufig eine rechtliche Absicherung, keine medizinische Bewertung. Für eine positive Aussage bräuchte es Zulassungsstudien an stillenden Frauen - und die werden aus ethischen und praktischen Gründen kaum durchgeführt. Fehlt sie, formuliert der Hersteller vorsichtshalber ablehnend - selbst bei jahrzehntelanger Erfahrung.⁴
Die Rangfolge, an der du dich orientieren kannst. Bei Stillzeit-Fragen schlägt eine spezialisierte Bewertung wie embryotox den pauschalen Beipackzettel-Satz - beides ersetzt aber nicht die Abstimmung mit Praxis oder Apotheke. Wie du die Packungsbeilage insgesamt liest, erklärt Beipackzettel verstehen.
Umgekehrt gilt: Steht nichts Warnendes drin, heißt das nicht automatisch „unbedenklich" - es kann auch bedeuten, dass keine Daten vorliegen. Dasselbe Muster kennst du womöglich aus dem Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft. Wichtig: Die Bewertungen sind nicht übertragbar - ein in der Schwangerschaft kritischer Wirkstoff kann in der Stillzeit unproblematisch sein und umgekehrt.
11. Alkohol, Rauchen, Koffein - und die Milchmenge
Nicht nur Arzneimittel gehen in die Milch über:
Substanz
Was passiert
Praktische Orientierung
Alkohol
Geht praktisch ungehindert über; der Gehalt folgt dem Blutspiegel
Am sichersten ist Verzicht. Sonst: kleine Menge direkt nach dem Stillen, mehrere Stunden Abstand. Abpumpen beschleunigt nichts.
Nikotin
Tritt in die Milch über; zusätzlich belastet Passivrauch die Atemwege
Rauchstopp ist die beste Option. Wer nicht aufhört, sollte trotzdem weiterstillen - nach dem Stillen rauchen, nie in Gegenwart des Kindes.
Koffein
Säuglinge bauen Koffein deutlich langsamer ab als Erwachsene
Moderate Mengen gelten als vertretbar. Bei einem unruhigen Kind lohnt ein Reduktionsversuch.
Tabelle nach rechts scrollbar
Diese Empfehlungen orientieren sich an den Hinweisen der Nationalen Stillkommission.⁵ Die Grundhaltung bleibt: Ein nicht perfekter Alltag ist kein Grund, das Stillen zu beenden. Siehe auch Medikamente und Alkohol.
Milchmenge und Kind im Blick behalten
Einige Wirkstoffe können die Milchbildung beeinflussen - etwa hormonelle Verhütungsmittel, wenn sie zu früh begonnen werden (siehe Medikamente und Verhütung). Geht die Milchmenge nach dem Start eines neuen Präparats spürbar zurück, ist das ein Beobachtungspunkt für das nächste Gespräch - kein Grund zur Panik.
Achte auf drei Dinge beim Kind - Trinkverhalten, Wachheit, Stuhlgang. Auffällige Schläfrigkeit oder Trinkverweigerung gehören ärztlich abgeklärt.
Führe eine vollständige Liste - mit Datum des ersten Einnahmetags und inklusive rezeptfreier Mittel: Medikamentenliste führen. Sobald dein Kind selbst Medikamente bekommt, gelten eigene Regeln: Kinder und Medikamente.
12. So hilft brite dir in der Stillzeit
Einnahme-Erinnerung
Erinnert dich zu den Zeiten, die du festgelegt hast - damit die Tablette zuverlässig nach dem Stillen landet und nicht kurz davor.
Digitaler Medikationsplan
Alles an einem Ort - inklusive rezeptfreier Mittel, Eisen- und Vitaminpräparate, die im Gespräch mit Hebamme, Praxis oder Apotheke sonst untergehen.
Wechselwirkungs-Check
Zeigt dir, welche deiner Präparate sich gegenseitig beeinflussen - bevor du sie zusammen nimmst.
FAQ: Häufige Fragen zu Medikamenten in der Stillzeit
In den allermeisten Fällen nicht. Für die häufigen Beschwerden gibt es Wirkstoffe, die in der Stillzeit seit Jahrzehnten eingesetzt und gut untersucht sind. Echte Gründe zum Abstillen sind selten und betreffen vor allem Krebstherapien, eine Radiojodbehandlung und einzelne kritische Wirkstoffe. Kläre die konkrete Situation mit deiner Praxis oder Apotheke, bevor du das Stillen beendest.
Ibuprofen und Paracetamol gelten in der Stillzeit als Mittel der Wahl. Acetylsalicylsäure in schmerzstillender Dosierung wird dagegen gemieden, ebenso codeinhaltige Präparate. Halte dich an die Tageshöchstmengen der Fachinformation und nimm Schmerzmittel nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache.
Direkt nach dem Stillen - dann liegt die längstmögliche Pause zwischen Einnahme und nächster Mahlzeit. Bei einer Tablette pro Tag bietet sich der Beginn der längsten Stillpause an, oft am Abend. Bei Wirkstoffen mit langer Halbwertszeit bringt dieses Timing allerdings kaum etwas, weil sich ein gleichmäßiger Spiegel einstellt.
Dieser Satz ist häufig eine rechtliche Absicherung des Herstellers, weil Zulassungsstudien an stillenden Frauen kaum durchgeführt werden. Spezialisierte Bewertungen wie embryotox.de bilden die tatsächliche Datenlage genauer ab. Nimm den Beipackzettel als Anlass für eine Rückfrage in Praxis oder Apotheke, nicht als endgültige Antwort.
Ja, das ist möglich und oft sinnvoll, weil eine unbehandelte Depression nach der Geburt erhebliche Folgen hat. Sertralin gilt innerhalb der SSRI als besonders gut untersucht. Eine bereits wirksame Therapie sollte nicht allein wegen des Stillens umgestellt oder abgesetzt werden - das gehört in die behandelnde Praxis.
Embryotox - Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin: Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. Abgerufen 2026. embryotox.de
gesund.bund.de: Stillen - Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit. Abgerufen 2026. gesund.bund.de
Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schmerzmittel - Anwendung und Nebenwirkungen. Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Informationen zu Fach- und Gebrauchsinformationen. Abgerufen 2026. bfarm.de
Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Empfehlungen zum Stillen. Abgerufen 2026. bfr.bund.de
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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung. Ob ein bestimmter Wirkstoff für dich und dein Kind geeignet ist, hängt von deiner konkreten Situation, dem Alter deines Kindes und weiteren Medikamenten ab. Setze eine bestehende Dauermedikation nicht eigenmächtig ab und beende das Stillen nicht ohne Rücksprache. Bei auffälliger Schläfrigkeit, Trinkschwäche oder Atemproblemen deines Kindes hole sofort ärztliche Hilfe, im Notfall über 112. Letzte Aktualisierung: August 2026.