Medikamente und Cannabis: Wechselwirkungen, die du kennen solltest

Seit der Teillegalisierung gehört Cannabis für viele Erwachsene zum Alltag - im Arztgespräch kommt es trotzdem selten zur Sprache. Das ist verständlich und trotzdem ein Problem, denn Cannabis interagiert auf zwei sehr konkreten Wegen mit Medikamenten: Es verstärkt dämpfende Wirkungen, und einzelne Inhaltsstoffe bremsen Leberenzyme, über die viele Arzneimittel abgebaut werden. Dieser Artikel erklärt sachlich, wo das relevant wird - ohne Moral und ohne Verharmlosung.

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1. Warum das ins Arztgespräch gehört - und warum es sicher ist

Cannabis wird in der Sprechstunde oft verschwiegen: aus Sorge vor Bewertung, vor einem Vermerk in der Akte, vor Konsequenzen. Die Sorge ist menschlich - sie kostet aber genau die Information, die für eine sichere Therapie gebraucht wird.

Was mit der Information passiert. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Was du in der Sprechstunde sagst, bleibt dort - es geht nicht an Arbeitgeber, Behörden oder Angehörige. Die Praxis fragt nicht, um zu urteilen, sondern weil dieselbe Substanz je nach Begleitmedikation harmlos oder relevant sein kann. Für die Auswahl eines Schlafmittels, eines Schmerzmittels oder eines Beruhigungsmittels ist es ein Unterschied, ob du regelmäßig konsumierst oder nicht.

Konkret hilfreich sind vier Angaben, die du ohne große Erklärung machen kannst:

  • Wie oft: gelegentlich, an Wochenenden, täglich?
  • Wie: geraucht, verdampft, gegessen (Edibles), als Öl oder Tropfen?
  • Was: überwiegend THC-haltig oder ein CBD-Produkt? Beides wirkt pharmakologisch unterschiedlich.
  • Seit wann und in welcher Menge ungefähr - grobe Angaben reichen völlig.

Wenn dir das mündlich schwerfällt: Schreib es auf deine Medikamentenliste. Wie man so eine Liste vollständig führt - inklusive der Dinge, die kein Rezept haben - steht im Ratgeber Medikamentenliste führen.


2. Zwei Mechanismen - mehr brauchst du nicht zu verstehen

Fast alle relevanten Wechselwirkungen lassen sich auf zwei Prinzipien zurückführen. Wer die kennt, kann selbst einschätzen, wann eine Kombination Aufmerksamkeit verdient.

MechanismusWas passiertTypisch betroffenWorauf achten
Additive Dämpfung (pharmakodynamisch)Zwei Substanzen dämpfen das zentrale Nervensystem - die Effekte addieren sichBenzodiazepine, Opioide, Schlafmittel, sedierende Antidepressiva und Antihistaminika, AlkoholMüdigkeit, Benommenheit, Sturzgefahr, eingeschränkte Fahrtüchtigkeit, in seltenen Fällen Atemdepression
Enzymhemmung in der Leber (pharmakokinetisch)Vor allem CBD hemmt Abbauenzyme (CYP-System) - andere Wirkstoffe werden langsamer abgebaut, ihr Spiegel steigtGerinnungshemmer, einzelne Antiepileptika, manche Statine, weitere über CYP abgebaute WirkstoffeVerstärkte Wirkung und Nebenwirkungen, veränderte Laborwerte (z. B. INR, Leberwerte)
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Dazu kommt ein dritter Punkt, der keine Wechselwirkung im engeren Sinn ist: Cannabis wirkt auf Kreislauf, Atemwege und Psyche - und trifft dabei auf Menschen, die genau dort schon eine Erkrankung haben.

THC und CBD sind nicht dasselbe. THC ist der berauschende Bestandteil und für die dämpfenden und kreislaufwirksamen Effekte hauptverantwortlich. CBD wirkt nicht berauschend, ist dafür der stärkere Hemmer bestimmter Leberenzyme. Für die Wechselwirkungsfrage heißt das: Ein CBD-Öl aus dem Drogeriemarkt ist keineswegs automatisch das harmlosere Produkt - es ist nur auf einem anderen Weg relevant.

3. Mechanismus 1: Dämpfende Effekte addieren sich

Das ist der Mechanismus mit der größten Alltagsrelevanz, weil er sofort spürbar ist und weil er die meisten Menschen betrifft.

Benzodiazepine und Z-Substanzen

Beruhigungsmittel wie Lorazepam und Schlafmittel wie Zolpidem dämpfen das zentrale Nervensystem. Zusammen mit THC verstärken sich Müdigkeit, verlangsamte Reaktion und Gedächtnislücken. Bei älteren Menschen kommt die Sturzgefahr hinzu, die in dieser Altersgruppe zu den relevantesten vermeidbaren Risiken überhaupt zählt. Was sonst beim Thema Schlafmittel gilt - auch zu den Alternativen - steht im Ratgeber Schlafmittel: Was wirklich hilft.

Opioide

Bei Schmerzmitteln vom Opioid-Typ wie Tramadol oder Tilidin ist die Kombination aus zwei Gründen kritisch: Zum einen addieren sich Sedierung und Benommenheit, zum anderen dämpfen Opioide in höheren Dosen den Atemantrieb. Die Datenlage zu einer klinisch bedeutsamen Atemdepression allein durch Cannabis ist begrenzt - aber in der Kombination mit Opioiden, erst recht zusammen mit Alkohol oder Benzodiazepinen, ist Vorsicht angebracht. Wer regelmäßig Opioide nimmt, sollte den Cannabiskonsum deshalb ansprechen, auch weil er die Beurteilung der Schmerztherapie verändert. Eine Einordnung der Wirkstoffgruppen gibt der Schmerzmittel-Vergleich.

Sedierende Antidepressiva, Neuroleptika und Antihistaminika

Auch Mirtazapin, Amitriptylin und Quetiapin machen müde. Die Kombination führt selten zu dramatischen Ereignissen, aber häufig zu einem Zustand, in dem man morgens nicht wach wird - und das wird dann fälschlich dem Medikament allein zugeschrieben.

Alkohol

Alkohol ist der häufigste Begleiter und verstärkt beide Seiten. Die Kombination aus Alkohol, einem dämpfenden Medikament und Cannabis ist die riskanteste der hier besprochenen Konstellationen - besonders, was Koordination, Urteilsfähigkeit und Erbrechen im Schlaf betrifft. Grundlagen dazu im Ratgeber Medikamente und Alkohol.

Edibles sind der unterschätzte Sonderfall. Gegessenes Cannabis wirkt verzögert - häufig erst nach ein bis zwei Stunden - und dann länger und oft stärker als erwartet. Das führt regelmäßig zum Nachlegen und damit zu einer deutlich höheren Gesamtdosis. In Kombination mit einem Schlafmittel oder Opioid ist das die Konstellation, die am häufigsten in der Notaufnahme endet.

4. Fahrtüchtigkeit: der Punkt mit den härtesten Folgen

Fahren unter Cannabis - und erst recht in Kombination mit Medikamenten - ist ein echtes Risiko. THC beeinträchtigt Reaktionszeit, Spurhaltung und Abstandseinschätzung. Kommt ein dämpfendes Medikament dazu, addieren sich diese Effekte. In Deutschland gilt seit 2024 im Straßenverkehr ein THC-Grenzwert im Blutserum; für Fahranfängerinnen und Fahranfänger in der Probezeit sowie für Personen unter 21 Jahren gilt ein absolutes Verbot, und die Kombination von Cannabis mit Alkohol am Steuer ist gesondert untersagt. Die genaue Rechtslage kann sich ändern - informiere dich im Zweifel aktuell.

Entscheidend ist ohnehin nicht der Grenzwert, sondern die Fahrsicherheit: Wer sich beeinträchtigt fühlt, fährt nicht. Das gilt unabhängig von Messwerten. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Wichtig ist auch die Zeitachse: THC ist im Blut deutlich länger nachweisbar, als der spürbare Rausch anhält - bei regelmäßigem Konsum unter Umständen über Tage. „Ich fühle mich wieder klar" ist deshalb kein verlässliches Kriterium für die rechtliche Seite. Für die tatsächliche Fahrtüchtigkeit gilt umgekehrt: Auch ohne Rauschgefühl können Restwirkungen und die Verstärkung durch Medikamente bestehen bleiben.


5. Mechanismus 2: CBD, THC und die Leberenzyme

Der zweite Mechanismus ist unsichtbar - und gerade deshalb tückisch. In der Leber arbeitet ein Enzymsystem (Cytochrom P450, kurz CYP), das den Großteil aller Medikamente abbaut. CBD hemmt mehrere dieser Enzyme, insbesondere CYP3A4, CYP2C19 und CYP2C9. Wird ein Enzym gebremst, wird der über dieses Enzym abgebaute Wirkstoff langsamer aus dem Körper entfernt - sein Spiegel steigt, und mit ihm die Wirkung und die Nebenwirkungen. THC selbst wird ebenfalls über CYP2C9 und CYP3A4 verstoffwechselt und kann in dieses Wechselspiel eingreifen.¹

Das Prinzip ist dasselbe wie beim bekannten Grapefruit-Effekt, nur mit anderer Ursache - nachzulesen im Ratgeber Grapefruit und Medikamente.

Zwei Einschränkungen gehören zur Ehrlichkeit dazu: Das Ausmaß hängt stark von der Dosis ab - ein paar Tropfen CBD-Öl sind etwas anderes als die hohen Dosen aus Arzneimittelstudien. Und die Datenlage ist für viele Einzelkombinationen dünn. Die Konsequenz lautet deshalb nicht „gefährlich", sondern „beobachten und kontrollieren".

Gerinnungshemmer: der am besten dokumentierte Fall

Bei Vitamin-K-Antagonisten ist der Zusammenhang am klarsten beschrieben: Für Warfarin gibt es Fallberichte über einen deutlichen Anstieg des INR-Werts unter CBD. Für das in Deutschland gebräuchliche Phenprocoumon ist derselbe Abbauweg beteiligt, ein vergleichbarer Effekt ist also plausibel.² Praktisch heißt das: Wer Phenprocoumon nimmt und CBD verwendet, braucht engmaschigere INR-Kontrollen - und sollte einen Beginn, ein Ende oder eine Dosisänderung des CBD-Produkts als das behandeln, was es ist: eine Therapieänderung. Was sonst im Alltag mit Gerinnungshemmern zählt, steht im Ratgeber Blutverdünner im Alltag.

Antiepileptika

Bei Epilepsie ist die Sache doppelt heikel, weil hier Wirkspiegel besonders exakt eingehalten werden müssen. Am besten untersucht sind Wechselwirkungen von CBD mit Clobazam und Valproat. Für andere Wirkstoffe wie Lamotrigin, das überwiegend auf einem anderen Weg abgebaut wird, ist die Datenlage begrenzt - was nicht bedeutet, dass nichts passiert, sondern dass man es nicht vorhersagen kann. Bei Epilepsie gilt deshalb: Cannabis nie ohne Wissen der behandelnden Praxis, weil Spiegelkontrollen dazugehören und weil Schlafmangel und Konsumpausen zusätzlich die Anfallsschwelle beeinflussen können.

Statine und weitere Wirkstoffe

Cholesterinsenker wie Simvastatin werden über CYP3A4 abgebaut. Ein erhöhter Spiegel äußert sich typischerweise in Muskelschmerzen - genau dem Symptom, das Statin-Patienten ohnehin oft berichten. Die klinische Bedeutung ist nicht gut belegt; wer neue Muskelbeschwerden hat und CBD verwendet, sollte es trotzdem erwähnen.

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6. Herz und Kreislauf: was akut passiert

THC wirkt kurzfristig auf das Herz-Kreislauf-System: Der Puls steigt in der ersten Stunde nach dem Konsum oft deutlich an, der Blutdruck kann zunächst steigen und beim Aufstehen dann abfallen. Für gesunde junge Menschen ist das meist folgenlos. Bei vorbestehenden Herzerkrankungen ist es das nicht zwangsläufig.

  • Koronare Herzkrankheit: Ein erhöhter Puls steigert den Sauerstoffbedarf des Herzmuskels. Bei relevanten Engstellen kann das Beschwerden auslösen. Neu auftretender Brustschmerz gehört immer abgeklärt.
  • Herzinsuffizienz: Blutdruckschwankungen und Pulsanstiege sind bei eingeschränkter Pumpfunktion schlechter zu kompensieren - und viele Betroffene nehmen zusätzlich entwässernde Mittel, die den Kreislauf ohnehin fordern.
  • Vorhofflimmern: Es gibt Berichte über durch Cannabis ausgelöste Rhythmusereignisse. Wer Herzrasen oder Herzstolpern nach dem Konsum bemerkt, sollte das ernst nehmen und ansprechen.
  • Blutdrucksenker und Betablocker wie Metoprolol: Die Kombination kann zu stärkerem Blutdruckabfall beim Aufstehen führen - mit Schwindel als typischer Folge.

7. Atemwege: Rauchen bleibt Rauchen

Beim Rauchen von Cannabis - besonders gemischt mit Tabak - entstehen Verbrennungsprodukte, die die Atemwege reizen. Chronischer Husten, Auswurf und eine erhöhte Anfälligkeit für Bronchitis sind beschrieben. Für Menschen mit Asthma oder COPD ist das relevant, weil es die Grunderkrankung zusätzlich belastet - und weil eine Verschlechterung dann fälschlich der Basistherapie zugeschrieben wird.

Wer inhalative Medikamente wie Salbutamol oder Budesonid nutzt, sollte zwei Dinge beachten: Die Basistherapie wird nicht dadurch ersetzt oder überflüssig, dass akute Beschwerden nach dem Konsum kurzzeitig nachlassen. Und ein häufigerer Griff zum Notfallspray ist ein Warnsignal, kein Betriebszustand. Zur richtigen Anwendung siehe den Ratgeber Richtig inhalieren.

Verdampfen (Vaporisieren) vermeidet die Verbrennung und gilt in dieser Hinsicht als weniger belastend als das Rauchen - belastungsfrei ist es nicht, und Langzeitdaten sind begrenzt. Das ist eine ehrliche Antwort, keine Empfehlung.


8. Psyche: sachlich, ohne Panik

Dieser Abschnitt braucht beides: Genauigkeit und Zurückhaltung. Cannabis wird häufig zur Entspannung, gegen Grübeln oder zum Einschlafen genutzt - und für viele funktioniert das kurzfristig. Bei bestehenden psychischen Erkrankungen ist das Bild komplizierter.

  • Angststörungen: THC kann Angst dämpfen - in höheren Dosen aber auch auslösen oder verstärken, bis hin zu Panikzuständen. Der Effekt ist dosisabhängig und individuell sehr unterschiedlich. Wer Cannabis regelmäßig gegen Angst einsetzt, riskiert außerdem, dass die Angst in den konsumfreien Phasen zunimmt.
  • Depression: Ein regelmäßiger Konsum kann Antriebslosigkeit verstärken und die Beurteilung einer laufenden Therapie erschweren. Wenn ein Antidepressivum „nicht wirkt", lohnt der ehrliche Blick auf alle Einflussfaktoren.
  • Bipolare Störung: Hier wird generell abgeraten, weil Cannabis Phasenwechsel begünstigen und den Verlauf destabilisieren kann.
Zum Psychose-Risiko - nüchtern betrachtet. Der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Psychosen ist wissenschaftlich gut belegt: Das Risiko steigt mit der Konsummenge, mit hohem THC-Gehalt der Produkte, mit frühem Beginn im Jugendalter und bei familiärer Vorbelastung. Gleichzeitig gilt: Die große Mehrheit der Konsumierenden entwickelt keine Psychose, und ein statistischer Zusammenhang beweist keine Ursache im Einzelfall. Beides gehört zusammen. Wer eine Psychose in der Vorgeschichte hat oder in der Familie, hat allerdings einen sehr konkreten Grund, vorsichtig zu sein - und Neuroleptika und Cannabis sind eine Kombination, die in die Hand der behandelnden Praxis gehört.³

Auch das Absetzen ist relevant: Wer täglich konsumiert und aufhört, erlebt oft Schlafstörungen, innere Unruhe und Reizbarkeit über einige Tage bis Wochen - leicht zu verwechseln mit einer Verschlechterung der Grunderkrankung oder mit Absetzsymptomen eines Medikaments, siehe SSRI absetzen.


9. Medizinalcannabis: was daran anders ist

Medizinalcannabis ist etwas anderes als Freizeitkonsum - nicht moralisch, sondern pharmakologisch. Es wird ärztlich verordnet und in der Apotheke abgegeben; Produkte unterliegen Qualitätsanforderungen, THC- und CBD-Gehalt sind deklariert, und die Anwendung erfolgt nach einem Dosierungsschema, meist einschleichend. Eingesetzt wird es unter anderem bei bestimmten chronischen Schmerzsyndromen, Spastik bei Multipler Sklerose, Appetitlosigkeit und Übelkeit in speziellen Situationen. Die Evidenz ist je nach Indikation unterschiedlich stark und für einige Anwendungsgebiete nach wie vor begrenzt - auch das gehört zur ehrlichen Darstellung.

Der entscheidende Unterschied für dieses Thema: Bei einer Verordnung sind die Wechselwirkungen mitgedacht, die Dosis ist bekannt und die Kontrollen sind eingeplant. Beim Freizeitkonsum fehlt all das - Wirkstoffgehalt, Menge und Begleitstoffe sind in der Regel unbekannt. Genau deshalb ist die Selbstauskunft in der Praxis so wichtig: Sie ersetzt die Information, die bei einer Verordnung ohnehin vorliegen würde.

Auch für verordnetes Medizinalcannabis gelten die beiden Mechanismen aus Abschnitt 2 unverändert. Wer es nimmt, sollte es deshalb wie jedes andere Medikament auf dem Medikationsplan führen - siehe Wechselwirkungen bei Medikamenten.


10. Schwangerschaft, Stillzeit und CBD in Nahrungsergänzung

Schwangerschaft und Stillzeit

Hier ist die Empfehlung eindeutig und ohne Abwägung: In Schwangerschaft und Stillzeit wird von Cannabis in jeder Form abgeraten - THC-haltig wie CBD-haltig, geraucht, verdampft oder gegessen. THC ist plazentagängig und geht in die Muttermilch über; Hinweise auf Auswirkungen auf Wachstum und kindliche Entwicklung sind Grund genug für klare Zurückhaltung, auch wenn die Datenlage aus naheliegenden Gründen begrenzt ist. Wer schwanger ist und regelmäßig konsumiert, sollte das offen ansprechen - es geht um Unterstützung, nicht um Vorwürfe. Grundsätzliches zum Umgang mit Arzneimitteln in dieser Zeit steht im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

CBD als Nahrungsergänzung - der unterschätzte Faktor

CBD-Öle, -Kapseln und -Tropfen werden außerhalb der Apotheke verkauft und von vielen gar nicht als „Wirkstoff" wahrgenommen. Genau darin liegt das Problem: Sie tauchen auf keinem Medikationsplan auf - und greifen trotzdem in dasselbe Enzymsystem ein wie manch verschreibungspflichtiges Medikament. Dazu kommt, dass der tatsächliche Gehalt frei verkäuflicher Produkte schwanken kann.

Die Konsequenz ist einfach: CBD gehört auf die Medikamentenliste - genau wie Johanniskraut, hoch dosiertes Vitamin D oder Magnesium. Warum frei verkäufliche Präparate so häufig übersehen werden, erklärt der Ratgeber Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.

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11. Warnzeichen: wann du nicht abwarten solltest

Die meisten Kombinationen führen zu nichts Dramatischerem als Müdigkeit. Es gibt aber Situationen, in denen abgewartet wird, obwohl gehandelt werden müsste.

Sofort den Notruf 112 wählen bei:
  • Bewusstlosigkeit oder Person nicht erweckbar
  • flacher, sehr langsamer Atmung oder Atempausen - besonders nach Opioiden, Benzodiazepinen oder Alkohol
  • anhaltendem Brustschmerz, Druckgefühl oder plötzlicher Atemnot
  • Krampfanfall
  • starker Verwirrtheit, Wahnvorstellungen oder Selbst- und Fremdgefährdung

Zeitnah ärztlich abklären lassen solltest du: neu aufgetretenes Herzstolpern, ungewöhnlich starke Blutergüsse oder Blutungen unter Gerinnungshemmern, plötzlich veränderte Laborwerte, neue Muskelschmerzen unter einem Statin oder eine deutliche Verschlechterung einer psychischen Erkrankung.

Und ein Satz für jeden Notfall: Sag den Rettungskräften, was konsumiert wurde. Das entscheidet über die richtige Behandlung. Wer aus Angst schweigt, gefährdet sich selbst oder die Person, um die es geht. Siehe auch Nebenwirkungen von Medikamenten.


12. So hilft brite dir beim Überblick

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FAQ: Häufige Fragen zu Medikamenten und Cannabis

Es ist medizinisch sinnvoll, ja. Cannabis verstärkt dämpfende Medikamente und CBD kann über die Leberenzyme die Spiegel anderer Wirkstoffe erhöhen - ohne diese Information kann die Praxis Nebenwirkungen falsch zuordnen. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht; die Angabe geht nicht an Arbeitgeber oder Behörden.
CBD wirkt nicht berauschend, ist aber bei Wechselwirkungen der relevantere Teil: Es hemmt mehrere Abbauenzyme in der Leber und kann dadurch den Spiegel anderer Medikamente erhöhen. Für Gerinnungshemmer und einzelne Antiepileptika ist das beschrieben. Harmloser ist CBD also nicht - es ist auf einem anderen Weg relevant.
In Deutschland gilt seit 2024 ein THC-Grenzwert im Blutserum; für Fahranfänger in der Probezeit und Personen unter 21 Jahren gilt ein absolutes Verbot, und die Kombination mit Alkohol am Steuer ist gesondert untersagt. Unabhängig davon gilt: Wer sich beeinträchtigt fühlt, fährt nicht. Nimmst du zusätzlich dämpfende Medikamente, addieren sich die Effekte. Informiere dich zur aktuellen Rechtslage im Zweifel gezielt.
Ja, das ist für CBD in Kombination mit Vitamin-K-Antagonisten in Fallberichten beschrieben - der INR kann steigen, was das Blutungsrisiko erhöht. Für das in Deutschland übliche Phenprocoumon ist ein vergleichbarer Effekt plausibel. Wenn du ein CBD-Produkt beginnst, absetzt oder die Dosis änderst, sollte der INR engmaschiger kontrolliert werden.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt vom Wirkstoff und von deiner Erkrankung ab. Sedierende Antidepressiva verstärken die Müdigkeit deutlich, und regelmäßiger Konsum kann die Beurteilung erschweren, ob die Therapie wirkt. Bei bipolarer Störung und bei Psychosen in der Vorgeschichte wird generell abgeraten. Besprich es mit deiner behandelnden Praxis.
Ja. CBD greift in dasselbe Enzymsystem ein wie viele Arzneimittel, und der tatsächliche Gehalt frei verkäuflicher Produkte kann schwanken. Trage es deshalb wie ein Medikament ein, mit Produktname und ungefährer Dosis. Dasselbe gilt für Johanniskraut und andere Präparate ohne Rezept.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Cannabis als Medizin — Informationen für Fachkreise und Patienten. Abgerufen 2026. bfarm.de
  2. Fachinformationen cannabidiolhaltiger Arzneimittel sowie der genannten Wirkstoffe (u. a. Phenprocoumon, Lamotrigin, Simvastatin, Lorazepam, Tramadol, Zolpidem), abrufbar über das Informationssystem der Zulassungsbehörden. pharmnet-bund.de
  3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Wirkungen und Risiken von Cannabis. Abgerufen 2026. bzga.de
  4. Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Cannabis, Cannabidiol und medizinische Anwendung. Abgerufen 2026. gesundheitsinformation.de
  5. MSD Manual, Patientenausgabe: Cannabis (Marihuana) — Wirkungen und Risiken. Abgerufen 2026. msdmanuals.com

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Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung und keine Rechtsberatung. Er ist weder eine Empfehlung für noch gegen den Konsum von Cannabis. Setze verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab und ändere Dosierungen nur nach Rücksprache. Angaben zur Rechtslage im Straßenverkehr können sich ändern — prüfe sie im Zweifel aktuell. Bei Bewusstlosigkeit, flacher Atmung, Krampfanfall, Brustschmerz oder starker Verwirrtheit wähle sofort den Notruf 112. Letzte Aktualisierung: August 2026.