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Sarah K., 34
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Bei Tabletten steht die Dosis auf der Packung. Bei Salben und Cremes entscheidest du sie selbst - mit jedem Auftragen. Und die häufigste Fehldosierung ist nicht zu viel, sondern zu wenig. Dieser Ratgeber erklärt die Fingerspitzeneinheit, den Unterschied zwischen Salbe, Creme, Gel und Lotion, die Reihenfolge von Wirkstoff und Pflege - und warum „dünn auftragen" bei Cortison etwas anderes bedeutet, als die meisten denken.
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Ein Externum - ein Arzneimittel zum Auftragen auf die Haut - besteht aus Wirkstoff und Grundlage. Die Grundlage bestimmt mit, wie viel Wirkstoff durch die Hornschicht kommt. Die Dosis ergibt sich aus Menge, Fläche, Häufigkeit und Dauer - und nur der letzte Punkt steht meist klar in der Packungsbeilage.
Daraus folgen zwei gegenläufige Fehler. Der eine: eine fingerdicke Schicht, die nicht einzieht und trotzdem nicht mehr wirkt. Der andere, deutlich häufigere: eine so sparsame Menge, dass die Fläche nicht vollständig bedeckt ist. Dann klingt der Schub nicht ab, die Behandlung zieht sich über Wochen - und am Ende ist die verbrauchte Wirkstoffmenge größer als bei einer kurzen, ausreichend dosierten Therapie.
Die Fingerspitzeneinheit (englisch fingertip unit, kurz FTU) macht aus „dünn auftragen" eine überprüfbare Angabe. Sie wird unter anderem in der Leitlinie zur Neurodermitis als praktisches Maß beschrieben.¹
So misst du sie ab: Aus einer Tube mit üblicher Öffnung (etwa 5 Millimeter) drückst du einen Strang Creme auf den Zeigefinger - von der Spitze bis zur ersten Beugefalte. Das sind bei Erwachsenen rund 0,5 Gramm und reicht für etwa zwei flache Handflächen, also rund zwei Prozent der Körperoberfläche.
| Körperregion (Erwachsene) | Fingerspitzeneinheiten je Auftragen | Entspricht etwa |
|---|---|---|
| Gesicht (ohne Hals) | ca. 1 bis 1,5 | 0,5 bis 0,75 g |
| Gesicht und Hals zusammen | ca. 2,5 | 1,25 g |
| Eine Hand, Vorder- und Rückseite | ca. 1 | 0,5 g |
| Ein ganzer Arm (ohne Hand) | ca. 3 | 1,5 g |
| Ein ganzes Bein (ohne Fuß) | ca. 6 | 3 g |
| Ein Fuß | ca. 2 | 1 g |
| Rumpf, Vorderseite | ca. 7 | 3,5 g |
| Rücken einschließlich Gesäß | ca. 7 | 3,5 g |
| Ganzer Körper | ca. 40 | ca. 20 g |
Die Werte sind Orientierungsgrößen für Erwachsene mittlerer Statur. Für Kinder gelten deutlich kleinere Mengen, weil Körperoberfläche und Handgröße nicht proportional wachsen; die kindgerechten Angaben kommen aus der Kinderarztpraxis.
Derselbe Wirkstoff kann in verschiedenen Grundlagen stecken - und wirkt dann unterschiedlich stark. Der Unterschied liegt im Verhältnis von Fett und Wasser.²
Daraus folgt die dermatologische Merkregel: nass auf nass, fett auf trocken. Eine nässende Stelle verträgt wässrige Zubereitungen, eine trockene, rissige braucht Fett. Umgekehrt verschlimmert sich beides - die fette Salbe staut auf dem nässenden Ekzem, die Lotion trocknet die Schuppenflechte weiter aus.
Deshalb kommen bei Psoriasis oft fettreiche Grundlagen zum Einsatz, bei Akne und Rosazea dagegen leichte Gele; bei Neurodermitis wechselt sie mit der Jahreszeit. Bei Fußpilz passt zwischen den Zehen eher eine Creme, für die trockene Fußsohle eine Salbe mit demselben Wirkstoff - etwa Clotrimazol.
Bei Tiegeln gilt zusätzlich: nicht mit dem Finger hineinfassen, sondern einen sauberen Spatel nutzen - sonst gelangen Keime in einen Topf, der wochenlang offen steht.
brite plant Wirkstoff und Basispflege so, dass sich beide nicht ins Gehege kommen.
Kein anderes Externum wird so oft falsch dosiert wie eine cortisonhaltige Creme - und der Grund ist selten Nachlässigkeit, sondern Vorsicht: Viele tragen aus Respekt vor Cortison bewusst weniger auf als verordnet. Fachleute nennen das Kortisonangst (Steroidphobie).²
Das Problem: Untertherapie ist bei topischem Cortison der häufigere Fehler als Übertherapie. Wird zu wenig aufgetragen, klingt der Schub nicht ab und die Behandlung wird immer wieder verlängert - genau daraus entsteht die lange Anwendungsdauer, die vermieden werden sollte. Eine kurze, ausreichend dosierte Behandlung ist in aller Regel hautschonender als eine wochenlange halbherzige.
„Dünn auftragen" bedeutet konkret: ein gleichmäßiger, geschlossener Film, der die Fläche vollständig bedeckt und nach kurzem Verstreichen einzieht - nichts soll stehen bleiben, aber auch keine Lücke offen sein. Die Fingerspitzeneinheit übersetzt genau das in eine Menge.
Topische Glukokortikoide werden üblicherweise in vier Wirkstärkeklassen eingeteilt. Die Einteilung dient der Orientierung - welche Klasse wo eingesetzt wird, entscheidet die behandelnde Praxis.³
Ein Vertreter der Klasse III ist Mometason, das in vielen Präparaten nur einmal täglich aufgetragen wird. Das ist kein Sparprogramm: Für die meisten modernen Steroide bringt eine zweite Anwendung am selben Tag laut Fachinformation keinen Zusatznutzen, weil die Hornschicht als Depot wirkt. Davon zu unterscheiden ist Cortison in Tablettenform, etwa Prednisolon - dort gelten andere Regeln, insbesondere beim Absetzen. Grundlagen zu beidem im Cortison-Ratgeber.
Die Haut ist nicht überall gleich: Mal ist die Hornschicht dünn, mal liegt Haut auf Haut und wirkt wie ein natürlicher Okklusionsverband. Beides erhöht die Aufnahme deutlich:
Dort werden in der Regel schwächere Wirkstärkeklassen und kürzere Zeiträume gewählt. Mögliche unerwünschte Wirkungen bei zu langer oder zu starker Anwendung: Verdünnung der Haut (Atrophie), erweiterte Äderchen, Dehnungsstreifen und im Gesicht die periorale Dermatitis - ein Ausschlag um Mund und Nase, der sich unter Cortison erst bessert und dann verschlimmert. Auch eine Rosazea kann sich verschlechtern. Für Kinder gelten eigene Regeln; Überblick unter Kinder und Medikamente.
Cortison zu beginnen ist einfach. Es zu beenden, ist der Teil, an dem viele Therapien scheitern - meist, weil die Creme von einem Tag auf den anderen weggelassen wird und die Beschwerden prompt zurückkehren. Das wird dann als „Abhängigkeit von der Creme" gedeutet, ist aber meist ein Zeichen dafür, dass die Grunderkrankung noch aktiv war.
Bei Neurodermitis ist ein zweistufiges Vorgehen etabliert, das die Leitlinie beschreibt.¹ Im akuten Schub wird täglich behandelt, bis die Stellen abgeheilt sind. Danach folgt nicht das abrupte Ende, sondern die proaktive Therapie: Der Wirkstoff wird an ein bis zwei festen Tagen pro Woche weiter auf die zuvor betroffenen Stellen aufgetragen - auch wenn dort nichts zu sehen ist. Parallel läuft die tägliche Basispflege weiter.
Der Gedanke dahinter: Die Haut sieht abgeheilt aus, bleibt aber Wochen unterschwellig entzündet. Die Intervallanwendung fängt diese Phase ab und kann die Zahl neuer Schübe verringern, ohne dass die verbrauchte Wirkstoffmenge steigt. Ob das Schema passt, legt die behandelnde Praxis fest.
Lief die Anwendung länger als wenige Wochen oder mit einer starken Wirkstärkeklasse, ist schrittweises Ausschleichen sinnvoll. Üblich sind zwei kombinierbare Wege: erst die Häufigkeit reduzieren (täglich → jeden zweiten Tag → zweimal pro Woche), dann die Wirkstärke (Klasse III → II → I). Bei Psoriasis wird topisches Cortison häufig mit Vitamin-D3-Analoga kombiniert und in Intervallen angewendet.⁴
Ehrlich bleiben muss man an einer Stelle: Nach einer kurzen Anwendung über wenige Tage ist kein Ausschleichen nötig. Die ausführliche Darstellung findest du unter Cortison absetzen.
Diese Frage stellt sich jeden Morgen neu, sobald zwei Produkte im Spiel sind. Die Evidenz ist überschaubar: Es gibt keine belastbare Studienlage, die eine Reihenfolge als überlegen ausweist - nur pharmazeutische Plausibilität und einen weitgehenden Praxiskonsens:
Ein Punkt ist wichtiger als die Reihenfolge selbst: Die Basistherapie ist bei Neurodermitis kein Beiwerk. Die tägliche, ganzflächige Pflege senkt die Zahl der Schübe - und wird als Erstes weggelassen, sobald die Haut ruhig ist. Genau dann beginnt aber der nächste Schub. Wer die Pflege an eine feste Alltagsroutine koppelt (nach dem Duschen, vor dem Schlafengehen), hält sie eher durch.
Nach dem Auftragen bleibt Wirkstoff an den Fingern und gelangt dorthin, wo er nicht hingehört: ins Auge, an die Lippen, auf die Haut anderer. Man spricht von Selbstkontamination und, wenn Dritte betroffen sind, von unbeabsichtigter Übertragung - bei hormonhaltigen Gelen ein bekannter Punkt der Fachinformationen. Auch bei Tabletten gilt das Prinzip: Schwangere sollen zerbrochene Finasterid-Tabletten nicht anfassen, weil der Wirkstoff über die Haut aufgenommen wird. Für Cremes heißt das: Hände waschen, bevor du dein Kind auf den Arm nimmst oder Kontaktlinsen einsetzt.
Einige aufgetragene Wirkstoffe erhöhen die Lichtempfindlichkeit - die Haut reagiert dann schon nach kurzer Zeit mit sonnenbrandartigen Rötungen. Bekannt ist das für bestimmte Aknemittel und für Retinoide, wie sie auch systemisch als Isotretinoin eingesetzt werden.⁵ Praktisch: Wirkstoff abends auftragen, tagsüber Sonnenschutz - und diesen als letzte Schicht, erst wenn der Wirkstoff eingezogen ist. Fettreiche Salben hinterlassen zudem Flecken, und luftdichte Abdeckungen erhöhen die Aufnahme: Folie oder Okklusivverband nur nach Anweisung. Mehr dazu unter Medikamente und Sonne.
Im Gesundheitsverlauf siehst du, wann der letzte Schub war und was seitdem lief.
Das aufgedruckte Verfalldatum gilt für die ungeöffnete Packung. Ab dem Öffnen läuft eine zweite, kürzere Frist - die Verwendbarkeitsdauer nach Anbruch. Sie steht in der Packungsbeilage und unterscheidet sich erheblich:
Daraus folgt der wichtigste Handgriff: Schreibe das Anbruchdatum auf die Tube. Ohne Notiz lässt sich später nicht rekonstruieren, ob die Creme drei Wochen oder drei Jahre offen ist - und im Zweifel wird sie weiterverwendet.
Zur Lagerung: Cremes mögen weder Hitze noch Frost, und das Badezimmer ist wegen Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen kein guter Ort. Emulsionen entmischen sich bei Hitze - sieht eine Creme ölig oder krisselig aus, riecht anders oder hat die Farbe verändert, gehört sie entsorgt, auch wenn das Datum stimmt. Mehr dazu unter Medikamente richtig lagern und Medikamente und Hitze.
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Erinnert nicht nur an Tabletten, sondern auch an die Intervalltage der proaktiven Therapie - die Termine, die im beschwerdefreien Zeitraum sonst untergehen.
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