Tränende Augen: Trockenheit, Allergie oder verstopfter Tränenweg?

Auf einen Blick

Tränende Augen sind oft trockene AugenIst der Tränenfilm instabil, reizt das die Hornhaut, und die Tränendrüse antwortet mit einem Schwall wässriger Reflextränen. Die laufen über, befeuchten aber schlecht — Brennen und Sandkorngefühl bleiben.
Laufen die Tränen ständig über die Wange,oft nur an einem Auge und bei Wind und Kälte besonders, ist eher der Abfluss gestört: ein verengter Tränennasengang oder ein Unterlid, das nicht mehr richtig anliegt.
Die Begleitbeschwerde verrät vielJuckreiz spricht für eine Allergie, verklebte Lider am Morgen für eine Infektion, Schmerz und Lichtscheu für eine Reizung oder Entzündung der Hornhaut.
Medikamente mitdenkenAntihistaminika, anticholinerg wirkende Mittel, Isotretinoin und konservierte Dauer-Augentropfen können die Augen austrocknen; einige Krebsmedikamente wie Docetaxel oder Capecitabin können die Tränenwege verengen.
Sofort abklären lassenplötzlich rotes, stark schmerzendes Auge mit Sehverschlechterung, Kopfschmerz oder Übelkeit; eine Verätzung (erst spülen, dann 112); eine schmerzhafte Schwellung im inneren Lidwinkel mit Fieber; ein rotes Auge unter Kontaktlinsen.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheWie es sich anfühltTypisches MusterHäufig beiErster Schritt
Trockenes Auge mit ReflextränenBrennen, Sandkorngefühl, müde AugenBeide Augen; schlimmer am Bildschirm, bei Heizungsluft und abends; Sicht klart beim Blinzeln aufBildschirmarbeit, Kontaktlinsen, Wechseljahren, höherem AlterBlinzelpausen, konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel, Lidrandpflege
Verengter TränennasengangKaum Beschwerden, das Auge „schwimmt"Meist ein Auge, Tränen laufen über die Wange, im Freien stärker; oft schleimiges SekretFrauen ab dem mittleren Alter; NeugeborenenAugenärztliche Tränenwegspülung
Lidfehlstellung (Ektropium, Entropium)Reiben, Rötung, FremdkörpergefühlUnterlid hängt nach außen oder Wimpern scheuern am AugeHöherem Alter, nach GesichtslähmungAugenärztliche Untersuchung, oft kleine Lidoperation
Allergische BindehautentzündungJuckreiz, Rötung, geschwollene LiderBeide Augen, saisonal oder bei Tierkontakt, dazu NiesenHeuschnupfen, Tierhaar- oder MilbenallergieAllergen meiden, antiallergische Augentropfen
Infektiöse BindehautentzündungRötung, FremdkörpergefühlWässrig (viral) oder eitrig-verklebt (bakteriell), oft erst ein, dann beide AugenNach Erkältung, Kontakt mit ErkranktenHygiene; bei Eiter oder Verschlechterung in die Praxis
Hornhautreizung, FremdkörperSchmerz, Lichtscheu, Auge lässt sich kaum öffnenEin Auge, plötzlich, nach Wind, Arbeit oder mit KontaktlinseKontaktlinsen, Handwerk, GartenLinse heraus, spülen, am selben Tag in die Augenarztpraxis
MedikamenteWie trockenes Auge oder ständiges ÜberlaufenBeginn nach neuem Wirkstoff oder neuen AugentropfenAntihistaminika, Anticholinergika, Isotretinoin, bestimmten ChemotherapienMedikationsplan prüfen lassen, nichts eigenmächtig absetzen
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Die Ursachen im Detail

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer Fettschicht aus den Meibom-Drüsen am Lidrand, die das Verdunsten bremst, einer wässrigen Schicht aus der Tränendrüse und einer Schleimschicht, die alles auf der Hornhaut haften lässt. Bei jedem Lidschlag pumpen die Lider verbrauchte Flüssigkeit in zwei winzige Öffnungen im inneren Lidwinkel, die Tränenpünktchen. Von dort fließt sie über Tränenkanälchen und Tränensack durch den Tränennasengang in die Nase — deshalb läuft beim Weinen die Nase mit. Tränende Augen (Epiphora) entstehen also entweder, weil zu viel Flüssigkeit gebildet wird, oder weil zu wenig abfließt.

Dieser Beitrag ordnet das Tränen selbst ein. Stehen Brennen und Trockenheitsgefühl ohne Tränen im Vordergrund, hilft der Beitrag zu trockenen Augen; Entzündungen der Bindehaut beschreibt der Beitrag zur Bindehautentzündung ausführlich.

Trockenes Auge: das Paradox der Reflextränen

Beim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm zu dünn oder reißt zu schnell auf — häufig, weil die Fettschicht fehlt, wenn die Meibom-Drüsen verstopft sind, seltener, weil zu wenig wässrige Tränen gebildet werden. Trockene Stellen auf der Hornhaut werden als Reiz gemeldet, und die Tränendrüse schickt einen Schwall Reflextränen. Diese sind wässrig, enthalten kaum Fett, verdunsten rasch oder laufen über: Das Auge tränt und fühlt sich trotzdem trocken an.

Typisch sind beide Augen, Brennen, Sandkorngefühl, rasch ermüdende Augen und eine verschwommene Sicht, die sich nach kräftigem Blinzeln bessert. Die Beschwerden nehmen bei Bildschirmarbeit zu, weil du dabei seltener blinzelst, außerdem bei Heizungs- und Klimaluft, Wind, mit Kontaktlinsen und gegen Abend. Das Risiko steigt mit dem Alter, in den Wechseljahren, bei einer Rosazea mit Augenbeteiligung und bei Autoimmunerkrankungen wie dem Sjögren-Syndrom, das zusätzlich den Mund austrocknet. Erster Schritt: Auslöser reduzieren, Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe verwenden und den Lidrand mit Wärme pflegen.

Verstopfter Tränenweg: wenn der Abfluss streikt

Bei Erwachsenen verengt sich der Tränennasengang häufig ohne erkennbaren Anlass, vermutlich durch eine langsam vernarbende Entzündung; Frauen ab dem mittleren Alter sind öfter betroffen. Auch chronische Entzündungen von Nase und Nasennebenhöhlen, Verletzungen im Mittelgesicht, frühere Operationen in diesem Bereich, bestimmte Medikamente und sehr selten Tumoren kommen infrage. Typisch ist ein Auge, das ständig „schwimmt" und über die Wange läuft, verstärkt draußen bei Kälte und Wind, dazu eine leicht verschleierte Sicht, morgens schleimig verklebte Wimpern und immer wieder einseitige Bindehautreizungen.

Staut sich Sekret im Tränensack, kann er sich entzünden (Dakryozystitis): Unterhalb des inneren Lidwinkels entsteht eine schmerzhafte, gerötete Schwellung, manchmal mit Fieber — ein Fall für die Augenarztpraxis am selben Tag. Ob der Weg offen ist, zeigt eine Spülung der Tränenwege. Bei festem Verschluss schafft eine Operation einen neuen Abfluss vom Tränensack in die Nase (Dakryozystorhinostomie), entweder von außen oder durch die Nase.

Bei Neugeborenen ist ein noch nicht geöffneter Tränennasengang häufig: Ein Auge tränt und verklebt in den ersten Lebenswochen. Meist öffnet sich der Gang im ersten Lebensjahr von selbst; die Kinderarztpraxis zeigt dir eine sanfte Massage über dem Tränensack. Bleibt das Tränen bestehen, kann der Gang augenärztlich sondiert werden.

Lidfehlstellung: wenn das Unterlid nicht mehr anliegt

Beim Ektropium hängt das Unterlid nach außen, meist weil das Gewebe im Alter erschlafft. Das Tränenpünktchen taucht dann nicht mehr in den Tränensee, die Tränen laufen über — und die freiliegende Bindehaut trocknet aus, was zusätzlich Reflextränen auslöst. Auch nach einer Gesichtslähmung sackt das Unterlid ab, und der Lidschluss wird unvollständig. Beim Entropium kippt der Lidrand nach innen, die Wimpern scheuern auf der Hornhaut; einzelne fehlgerichtete Wimpern (Trichiasis) wirken ähnlich. In beiden Fällen hilft auf Dauer meist nur eine kleine Lidoperation, bis dahin schützen Tränenersatzmittel oder Salben die Hornhaut. Eine Besonderheit nach Gesichtslähmung sind „Krokodilstränen": Beim Essen tränt das Auge, weil nachwachsende Nervenfasern fehlgeleitet wurden.

Allergie und Infektion: wenn die Bindehaut gereizt ist

Bei einer allergischen Bindehautentzündung ist Juckreiz das Leitsymptom. Beide Augen tränen, sind gerötet, die Lider schwellen, oft kommen Niesen und eine laufende Nase hinzu — typisch für Heuschnupfen (allergische Rhinitis) in der Pollensaison oder ganzjährig bei Milben- oder Tierhaarallergie. Reiben verschlimmert den Kreislauf. Kühle Umschläge, das Meiden des Allergens und antiallergische Augentropfen helfen in der Regel gut.

Eine virale Bindehautentzündung macht wässrige Tränen, Rötung und Fremdkörpergefühl, beginnt oft an einem Auge, springt aufs zweite über und ist teils sehr ansteckend. Eine bakterielle Entzündung zeigt sich eher mit gelblichem Eiter und morgens verklebten Lidern. Gründliches Händewaschen und eigene Handtücher schützen andere. Bei Eiter, Schmerzen, Sehverschlechterung oder Kontaktlinsen gehört das Auge in die Augenarztpraxis.

Hornhaut, Fremdkörper und Kontaktlinsen

Ein Staubkorn, eine Wimper, ein Kratzer auf der Hornhaut (Erosion) oder eine Hornhautentzündung (Keratitis) lösen einen starken Tränenfluss aus — meist einseitig, mit Schmerz, Lichtscheu und dem Drang, das Auge zuzukneifen. Bei Kontaktlinsen ist eine Hornhautentzündung durch Bakterien oder Amöben besonders gefürchtet: Linse sofort herausnehmen und noch am selben Tag augenärztlich untersuchen lassen. Worauf du bei Linsen und Medikamenten achten solltest, erklärt der Ratgeber Medikamente und Kontaktlinsen. Bläschen an Stirn oder Nasenspitze mit gerötetem, tränendem Auge können auf eine Gürtelrose am Auge hindeuten — ebenfalls ein Fall für denselben Tag.

Seltener: Schilddrüse, Kopfschmerz, Tumoren

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion vom Typ Morbus Basedow kann das Gewebe der Augenhöhle anschwellen (endokrine Orbitopathie): Die Augen treten hervor, tränen, brennen und sind lichtempfindlich, später können Doppelbilder hinzukommen. Einseitiges Tränen mit heftigstem Schmerz um ein Auge in wiederkehrenden Attacken, oft mit laufender Nase auf derselben Seite, passt zu einer seltenen Form von Kopfschmerzen, dem Clusterkopfschmerz. Blutige Tränen oder eine harte, schmerzlose Schwellung im inneren Lidwinkel sind sehr selten, sollten aber zeitnah augenärztlich abgeklärt werden.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Beobachtungen ersetzen keine Diagnose und keine Untersuchung an der Spaltlampe. Sie helfen dir aber, das Muster zu erkennen und im Termin gezielt zu berichten.

  • Eins oder beide: Tränen beide Augen gleichermaßen, spricht das eher für trockene Augen, Allergie oder Umweltreize. Ein einzelnes tränendes Auge weist eher auf den Tränenweg, das Lid, einen Fremdkörper oder eine Infektion.
  • Wann und wo: Am Bildschirm und in Heizungsluft eher Trockenheit; draußen bei Kälte und Wind eher ein knapper Abfluss; in der Pollensaison oder nach Tierkontakt eher Allergie; ständig und unabhängig von der Situation eher ein Abflusshindernis.
  • Brennen, Jucken oder Schmerz: Brennen und Sandkorngefühl passen zum trockenen Auge, Jucken zur Allergie, echter Schmerz mit Lichtscheu zur Hornhaut — Letzteres gehört am selben Tag in die Praxis.
  • Der Drucktest am Lidwinkel: Drücke mit einem sauberen Finger sanft auf die Stelle zwischen innerem Augenwinkel und Nasenrücken. Tritt dabei Schleim oder Eiter aus dem Tränenpünktchen, staut sich Sekret im Tränensack. Bei schmerzhafter Schwellung nicht drücken, sondern direkt zur Ärztin oder zum Arzt.
  • Der Lid-Check im Spiegel: Liegt das Unterlid dem Auge an, oder hängt es nach außen? Scheuern Wimpern am Auge? Zieh das Unterlid sanft nach unten und lass los: Schnellt es nicht sofort zurück, ist es womöglich erschlafft.
  • Der Blinzel-Check: Achte am Bildschirm bewusst darauf, wie selten du blinzelst. Wird die Sicht nach mehrmaligem kräftigem Blinzeln klarer, spricht das für einen instabilen Tränenfilm.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Plötzlich rotes, stark schmerzendes Auge mit verschwommener Sicht, Farbringen um Lichtquellen, Kopfschmerz oder Übelkeit
  • Chemikalien im Auge, etwa Reiniger, Kalk oder Zement
  • Eine Verletzung, ein festsitzender Fremdkörper oder ein Splitter nach Schleifen oder Hämmern
  • Rotes, schmerzendes Auge unter Kontaktlinsen, besonders mit Lichtscheu
  • Schmerzhafte, gerötete Schwellung am inneren Lidwinkel, vor allem mit Fieber
  • Geschwollene Lider mit hervortretendem Auge, Schmerzen bei Augenbewegungen oder Doppelbildern
  • Sehverschlechterung, die nach Blinzeln nicht aufklart, oder Bläschen an Stirn und Nasenspitze
Rotes, schmerzendes Auge mit Sehverschlechterung: sofort in die Augenklinik Ein plötzlich rotes, stark schmerzendes Auge mit Sehverschlechterung, Farbringen, Kopfschmerz und Übelkeit kann ein akuter Glaukomanfall sein; mehr zur Erkrankung unter Glaukom. Geschwollene Lider mit hervortretendem Auge, schmerzhaften Augenbewegungen und Fieber sprechen für eine Entzündung der Augenhöhle. Beides braucht sofort eine Augenklinik oder Notaufnahme — ist keine erreichbar, wähle die 112.
Verätzung: erst spülen, dann 112 Ist eine Chemikalie ins Auge gelangt, spüle es sofort ausgiebig — mindestens zehn Minuten lang — mit viel klarem Wasser, halte das Auge dabei weit offen und entferne Kontaktlinsen. Parallel die 112 rufen lassen und die Verpackung des Stoffs mitnehmen.
Kontaktlinse und rotes Auge: heute noch zum Augenarzt Rötung, Schmerz und Lichtscheu unter Kontaktlinsen können eine Hornhautentzündung bedeuten, die rasch Sehkraft kosten kann. Linse heraus, nicht wieder einsetzen, Linse und Behälter mitnehmen und noch am selben Tag augenärztlich untersuchen lassen.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

  1. Auslöser reduzieren. Bildschirmpausen einlegen und bewusst blinzeln, Räume regelmäßig lüften, Gebläse nicht ins Gesicht richten, bei Wind eine seitlich schützende Brille tragen.
  2. Tränenfilm stabilisieren. Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe aus der Apotheke über einige Wochen regelmäßig anwenden. Bei verstopften Meibom-Drüsen helfen warme Kompressen für einige Minuten mit anschließender sanfter Lidrandmassage.
  3. Augenärztlich untersuchen lassen. Wenn sich nach einigen Wochen nichts bessert, nur ein Auge tränt, Sekret, Schmerz oder Sehstörungen dazukommen. Die Praxis beurteilt Tränenfilm, Hornhaut und Lidstellung an der Spaltlampe, misst mit einem Papierstreifen die Tränenmenge (Schirmer-Test) und prüft bei Verdacht mit einer Spülung, ob der Tränenweg durchgängig ist.
  4. Gezielt behandeln. Antiallergische Tropfen bei Allergie; beim ausgeprägten trockenen Auge auch entzündungshemmende Tropfen oder kleine Stöpsel, die den Abfluss bremsen; bei Lidfehlstellung eine Lidoperation; bei verschlossenem Tränenweg Sondierung oder Operation, gegebenenfalls gemeinsam mit der HNO-Heilkunde.
  5. Welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir — besonders, wenn schon Dauertropfen wie Glaukommittel im Spiel sind.
Ehrlich eingeordnet Es gibt kein „bestes" Tränenersatzmittel; oft muss man zwei, drei Präparate ausprobieren. Gefäßverengende „Weißmacher"-Tropfen gegen rote Augen behandeln keine Ursache und eignen sich nur für wenige Tage. Und Omega-3-Kapseln zeigten in einer großen Studie beim trockenen Auge keinen Vorteil gegenüber einem Scheinpräparat.

Medikamenten-Blickwinkel: wenn Tabletten und Tropfen das Auge treffen

Wirkstoffe, die austrocknen — und so Reflextränen auslösen

Viele Medikamente bremsen die Tränenbildung. Dazu gehören Antihistaminika wie Cetirizin oder Desloratadin — paradox, weil sie gegen allergisches Augentränen genommen werden —, außerdem anticholinerg wirkende Mittel wie trizyklische Antidepressiva, etwa Amitriptylin, und Blasenmittel wie Oxybutynin. Auch Betablocker, Entwässerungsmittel und manche Hormonpräparate werden mit trockenen Augen in Verbindung gebracht. Isotretinoin dämpft die Meibom-Drüsen; Kontaktlinsen werden darunter oft schlechter vertragen. Einen Überblick über Augennebenwirkungen gibt der Ratgeber Medikamente und Augen.

Augentropfen als Auslöser

Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann bei jahrelanger Anwendung die Augenoberfläche reizen — ein bekanntes Problem bei Dauertropfen, etwa in der Glaukomtherapie. Häufig gibt es konservierungsmittelfreie Alternativen; frag in der Augenarztpraxis danach. Glaukomtropfen setzt du aber nie eigenmächtig ab, denn der Augendruck steigt dann unbemerkt. Wichtig für deinen Medikationsplan: Betablocker-Augentropfen wie Timolol gelangen in den Kreislauf und können den Puls verlangsamen oder Asthma verschlechtern.

Krebsmedikamente, die die Tränenwege verengen

Docetaxel und Fluoropyrimidine wie Capecitabin oder 5-Fluorouracil können Tränenpünktchen und Tränenkanälchen vernarben lassen — ständiges Tränen ist die Folge. Früh erkannt, lässt sich ein dauerhafter Verschluss oft durch augenärztliche Maßnahmen verhindern, etwa vorübergehend eingelegte Silikonröhrchen. Neues Tränen unter Chemotherapie solltest du deshalb zügig im onkologischen Team ansprechen. Auch nach einer Radiojodtherapie der Schilddrüse wird selten eine Verengung des Tränennasengangs beobachtet.

Mittel, die den Tränenfluss steigern

Cholinerg wirkende Wirkstoffe — etwa Pilocarpin-Tabletten gegen Mundtrockenheit beim Sjögren-Syndrom oder Pyridostigmin bei Myasthenie — können Tränen- und Speichelfluss direkt anregen. Setzt das Tränen mit einem solchen Mittel ein, ist der Zusammenhang naheliegend.

Schmerzmittel und Betäubungstropfen

Ein schmerzendes Auge ist kein Fall für längere Selbstbehandlung. Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nimmst du ohne ärztlichen Rat laut Packungsbeilage in der Regel nicht länger als drei bis vier Tage — und sie können eine Hornhautentzündung verschleiern. Betäubende Augentropfen gibt es aus gutem Grund nicht zur Selbstbehandlung: Wiederholt angewendet, schädigen sie die Hornhaut. Mehr im Schmerzmittel-Vergleich.

Zusammenhang prüfen, nichts eigenmächtig absetzen Glaukomtropfen, Antidepressiva oder eine Chemotherapie abzubrechen, kann mehr schaden als tränende Augen. Notiere, wann das Tränen begann und was sich an deiner Medikation geändert hat, und besprich es mit Praxis oder Apotheke. Augentropfen gehören dabei in den Medikationsplan — sie werden dort besonders oft vergessen.

Tränen seit dem neuen Blasenmittel oder Antihistaminikum?

Beschwerden und Einnahmen im Verlauf machen den zeitlichen Zusammenhang sichtbar.

Verlauf dokumentieren

So beugst du tränenden Augen vor

  • Bildschirm klug einrichten — Monitor etwas unterhalb der Augenhöhe, damit die Lidspalte kleiner bleibt, regelmäßig in die Ferne schauen und bewusst blinzeln.
  • Raumluft und Gebläse — regelmäßig lüften, Heizungsluft nicht zu trocken werden lassen, Klimaanlage und Autogebläse nicht aufs Gesicht richten.
  • Augen schützen — bei Wind und Kälte eine seitlich schließende Brille, beim Heimwerken und im Garten eine Schutzbrille.
  • Kontaktlinsen sauber und nicht zu lange — Tragezeiten einhalten, Linsen nie mit Leitungswasser reinigen, bei Rötung pausieren.
  • In der Allergiezeit — Augen nicht reiben, abends Haare waschen, Pollenflug im Blick behalten.

Augentropfen gehören in den Medikationsplan

Glaukomtropfen, Tränenersatz und Tabletten an einem Ort — mit Einnahme-Erinnerung und Wechselwirkungs-Check.

Medikationsplan anlegen

Häufige Fragen zu tränenden Augen

Ist der Tränenfilm instabil, trocknen Stellen der Hornhaut aus und lösen einen Reiz aus. Die Tränendrüse reagiert mit wässrigen Reflextränen, die kaum Fett enthalten, schnell verdunsten oder überlaufen. Deshalb tränt das Auge und fühlt sich trotzdem trocken an; stabilisierende Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe und Lidrandpflege setzen an der Ursache an.
Einseitiges Tränen spricht eher für eine örtliche Ursache: einen verengten Tränennasengang, ein erschlafftes Unterlid, scheuernde Wimpern, einen Fremdkörper oder eine beginnende Infektion. Hält es länger als einige Wochen an oder kommen Schmerz, Sekret oder Sehstörungen dazu, sollte die Augenarztpraxis nachsehen.
Wind und Kälte trocknen die Augenoberfläche aus und reizen sie, die Tränendrüse bildet daraufhin mehr Flüssigkeit. Ist der Abfluss durch den Tränennasengang zusätzlich knapp, läuft das Zuviel über die Wange. Leichtes Tränen draußen ist normal; tränt ein Auge auch drinnen ständig, lohnt eine Abklärung des Tränenwegs.
Typisch ist ein meist einseitig tränendes Auge, dessen Tränen über die Wange laufen, oft mit schleimigem Sekret und morgens verklebten Wimpern. Tritt beim sanften Druck auf den inneren Lidwinkel Schleim aus, staut sich Sekret im Tränensack. Sicher klärt das eine augenärztliche Spülung der Tränenwege.
Indirekt über trockene Augen vor allem Antihistaminika, anticholinerg wirkende Mittel wie Amitriptylin oder Oxybutynin, Isotretinoin und konservierte Dauer-Augentropfen. Docetaxel sowie Capecitabin und 5-Fluorouracil können die Tränenwege verengen. Setze nichts eigenmächtig ab, sondern besprich den zeitlichen Zusammenhang mit deiner Praxis.
Das hängt von der Ursache ab. Beim trockenen Auge helfen Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe, bei Allergie antiallergische Augentropfen. Gegen einen verengten Tränenweg oder ein erschlafftes Lid helfen Tropfen nicht; hier braucht es eine augenärztliche Behandlung.

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Quellen

  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): Leitlinie Trockenes Auge (Sicca-Syndrom). Abgerufen 2026.
  • Tear Film & Ocular Surface Society: TFOS DEWS II Report — Definition, Diagnostik und Therapie des trockenen Auges (2017). Abgerufen 2026.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Trockene Augen und Bindehautentzündung. Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Patientenausgabe: Tränende Augen, Verstopfung des Tränennasengangs, Entzündung des Tränensacks, Ektropium und Entropium. Abgerufen 2026.
  • The DREAM Study Research Group: n-3 Fatty Acid Supplementation for the Treatment of Dry Eye Disease. N Engl J Med (2018). Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Docetaxel, Capecitabin, Isotretinoin, Timolol-Augentropfen, Oxybutynin, Cetirizin). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests — auch Drucktest am Lidwinkel und Lid-Check — sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei einem plötzlich roten, schmerzenden Auge mit Sehverschlechterung, bei Verätzungen oder Verletzungen, bei schmerzhafter Schwellung im inneren Lidwinkel mit Fieber oder bei Schmerzen unter Kontaktlinsen wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder den Rettungsdienst.