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Sarah K., 34
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Medizinisch geprüfter Ratgeber · Letzte Aktualisierung: 1. September 2026 · Lesezeit: ca. 10 Min.
Auf einen Blick
| Ursache | Wie es sich anfühlt | Typisches Muster | Häufig bei | Erster Schritt |
|---|---|---|---|---|
| Trockenes Auge mit Reflextränen | Brennen, Sandkorngefühl, müde Augen | Beide Augen; schlimmer am Bildschirm, bei Heizungsluft und abends; Sicht klart beim Blinzeln auf | Bildschirmarbeit, Kontaktlinsen, Wechseljahren, höherem Alter | Blinzelpausen, konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel, Lidrandpflege |
| Verengter Tränennasengang | Kaum Beschwerden, das Auge „schwimmt" | Meist ein Auge, Tränen laufen über die Wange, im Freien stärker; oft schleimiges Sekret | Frauen ab dem mittleren Alter; Neugeborenen | Augenärztliche Tränenwegspülung |
| Lidfehlstellung (Ektropium, Entropium) | Reiben, Rötung, Fremdkörpergefühl | Unterlid hängt nach außen oder Wimpern scheuern am Auge | Höherem Alter, nach Gesichtslähmung | Augenärztliche Untersuchung, oft kleine Lidoperation |
| Allergische Bindehautentzündung | Juckreiz, Rötung, geschwollene Lider | Beide Augen, saisonal oder bei Tierkontakt, dazu Niesen | Heuschnupfen, Tierhaar- oder Milbenallergie | Allergen meiden, antiallergische Augentropfen |
| Infektiöse Bindehautentzündung | Rötung, Fremdkörpergefühl | Wässrig (viral) oder eitrig-verklebt (bakteriell), oft erst ein, dann beide Augen | Nach Erkältung, Kontakt mit Erkrankten | Hygiene; bei Eiter oder Verschlechterung in die Praxis |
| Hornhautreizung, Fremdkörper | Schmerz, Lichtscheu, Auge lässt sich kaum öffnen | Ein Auge, plötzlich, nach Wind, Arbeit oder mit Kontaktlinse | Kontaktlinsen, Handwerk, Garten | Linse heraus, spülen, am selben Tag in die Augenarztpraxis |
| Medikamente | Wie trockenes Auge oder ständiges Überlaufen | Beginn nach neuem Wirkstoff oder neuen Augentropfen | Antihistaminika, Anticholinergika, Isotretinoin, bestimmten Chemotherapien | Medikationsplan prüfen lassen, nichts eigenmächtig absetzen |
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Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer Fettschicht aus den Meibom-Drüsen am Lidrand, die das Verdunsten bremst, einer wässrigen Schicht aus der Tränendrüse und einer Schleimschicht, die alles auf der Hornhaut haften lässt. Bei jedem Lidschlag pumpen die Lider verbrauchte Flüssigkeit in zwei winzige Öffnungen im inneren Lidwinkel, die Tränenpünktchen. Von dort fließt sie über Tränenkanälchen und Tränensack durch den Tränennasengang in die Nase — deshalb läuft beim Weinen die Nase mit. Tränende Augen (Epiphora) entstehen also entweder, weil zu viel Flüssigkeit gebildet wird, oder weil zu wenig abfließt.
Dieser Beitrag ordnet das Tränen selbst ein. Stehen Brennen und Trockenheitsgefühl ohne Tränen im Vordergrund, hilft der Beitrag zu trockenen Augen; Entzündungen der Bindehaut beschreibt der Beitrag zur Bindehautentzündung ausführlich.
Beim trockenen Auge (Sicca-Syndrom) ist der Tränenfilm zu dünn oder reißt zu schnell auf — häufig, weil die Fettschicht fehlt, wenn die Meibom-Drüsen verstopft sind, seltener, weil zu wenig wässrige Tränen gebildet werden. Trockene Stellen auf der Hornhaut werden als Reiz gemeldet, und die Tränendrüse schickt einen Schwall Reflextränen. Diese sind wässrig, enthalten kaum Fett, verdunsten rasch oder laufen über: Das Auge tränt und fühlt sich trotzdem trocken an.
Typisch sind beide Augen, Brennen, Sandkorngefühl, rasch ermüdende Augen und eine verschwommene Sicht, die sich nach kräftigem Blinzeln bessert. Die Beschwerden nehmen bei Bildschirmarbeit zu, weil du dabei seltener blinzelst, außerdem bei Heizungs- und Klimaluft, Wind, mit Kontaktlinsen und gegen Abend. Das Risiko steigt mit dem Alter, in den Wechseljahren, bei einer Rosazea mit Augenbeteiligung und bei Autoimmunerkrankungen wie dem Sjögren-Syndrom, das zusätzlich den Mund austrocknet. Erster Schritt: Auslöser reduzieren, Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe verwenden und den Lidrand mit Wärme pflegen.
Bei Erwachsenen verengt sich der Tränennasengang häufig ohne erkennbaren Anlass, vermutlich durch eine langsam vernarbende Entzündung; Frauen ab dem mittleren Alter sind öfter betroffen. Auch chronische Entzündungen von Nase und Nasennebenhöhlen, Verletzungen im Mittelgesicht, frühere Operationen in diesem Bereich, bestimmte Medikamente und sehr selten Tumoren kommen infrage. Typisch ist ein Auge, das ständig „schwimmt" und über die Wange läuft, verstärkt draußen bei Kälte und Wind, dazu eine leicht verschleierte Sicht, morgens schleimig verklebte Wimpern und immer wieder einseitige Bindehautreizungen.
Staut sich Sekret im Tränensack, kann er sich entzünden (Dakryozystitis): Unterhalb des inneren Lidwinkels entsteht eine schmerzhafte, gerötete Schwellung, manchmal mit Fieber — ein Fall für die Augenarztpraxis am selben Tag. Ob der Weg offen ist, zeigt eine Spülung der Tränenwege. Bei festem Verschluss schafft eine Operation einen neuen Abfluss vom Tränensack in die Nase (Dakryozystorhinostomie), entweder von außen oder durch die Nase.
Bei Neugeborenen ist ein noch nicht geöffneter Tränennasengang häufig: Ein Auge tränt und verklebt in den ersten Lebenswochen. Meist öffnet sich der Gang im ersten Lebensjahr von selbst; die Kinderarztpraxis zeigt dir eine sanfte Massage über dem Tränensack. Bleibt das Tränen bestehen, kann der Gang augenärztlich sondiert werden.
Beim Ektropium hängt das Unterlid nach außen, meist weil das Gewebe im Alter erschlafft. Das Tränenpünktchen taucht dann nicht mehr in den Tränensee, die Tränen laufen über — und die freiliegende Bindehaut trocknet aus, was zusätzlich Reflextränen auslöst. Auch nach einer Gesichtslähmung sackt das Unterlid ab, und der Lidschluss wird unvollständig. Beim Entropium kippt der Lidrand nach innen, die Wimpern scheuern auf der Hornhaut; einzelne fehlgerichtete Wimpern (Trichiasis) wirken ähnlich. In beiden Fällen hilft auf Dauer meist nur eine kleine Lidoperation, bis dahin schützen Tränenersatzmittel oder Salben die Hornhaut. Eine Besonderheit nach Gesichtslähmung sind „Krokodilstränen": Beim Essen tränt das Auge, weil nachwachsende Nervenfasern fehlgeleitet wurden.
Bei einer allergischen Bindehautentzündung ist Juckreiz das Leitsymptom. Beide Augen tränen, sind gerötet, die Lider schwellen, oft kommen Niesen und eine laufende Nase hinzu — typisch für Heuschnupfen (allergische Rhinitis) in der Pollensaison oder ganzjährig bei Milben- oder Tierhaarallergie. Reiben verschlimmert den Kreislauf. Kühle Umschläge, das Meiden des Allergens und antiallergische Augentropfen helfen in der Regel gut.
Eine virale Bindehautentzündung macht wässrige Tränen, Rötung und Fremdkörpergefühl, beginnt oft an einem Auge, springt aufs zweite über und ist teils sehr ansteckend. Eine bakterielle Entzündung zeigt sich eher mit gelblichem Eiter und morgens verklebten Lidern. Gründliches Händewaschen und eigene Handtücher schützen andere. Bei Eiter, Schmerzen, Sehverschlechterung oder Kontaktlinsen gehört das Auge in die Augenarztpraxis.
Ein Staubkorn, eine Wimper, ein Kratzer auf der Hornhaut (Erosion) oder eine Hornhautentzündung (Keratitis) lösen einen starken Tränenfluss aus — meist einseitig, mit Schmerz, Lichtscheu und dem Drang, das Auge zuzukneifen. Bei Kontaktlinsen ist eine Hornhautentzündung durch Bakterien oder Amöben besonders gefürchtet: Linse sofort herausnehmen und noch am selben Tag augenärztlich untersuchen lassen. Worauf du bei Linsen und Medikamenten achten solltest, erklärt der Ratgeber Medikamente und Kontaktlinsen. Bläschen an Stirn oder Nasenspitze mit gerötetem, tränendem Auge können auf eine Gürtelrose am Auge hindeuten — ebenfalls ein Fall für denselben Tag.
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion vom Typ Morbus Basedow kann das Gewebe der Augenhöhle anschwellen (endokrine Orbitopathie): Die Augen treten hervor, tränen, brennen und sind lichtempfindlich, später können Doppelbilder hinzukommen. Einseitiges Tränen mit heftigstem Schmerz um ein Auge in wiederkehrenden Attacken, oft mit laufender Nase auf derselben Seite, passt zu einer seltenen Form von Kopfschmerzen, dem Clusterkopfschmerz. Blutige Tränen oder eine harte, schmerzlose Schwellung im inneren Lidwinkel sind sehr selten, sollten aber zeitnah augenärztlich abgeklärt werden.
Diese Beobachtungen ersetzen keine Diagnose und keine Untersuchung an der Spaltlampe. Sie helfen dir aber, das Muster zu erkennen und im Termin gezielt zu berichten.
Viele Medikamente bremsen die Tränenbildung. Dazu gehören Antihistaminika wie Cetirizin oder Desloratadin — paradox, weil sie gegen allergisches Augentränen genommen werden —, außerdem anticholinerg wirkende Mittel wie trizyklische Antidepressiva, etwa Amitriptylin, und Blasenmittel wie Oxybutynin. Auch Betablocker, Entwässerungsmittel und manche Hormonpräparate werden mit trockenen Augen in Verbindung gebracht. Isotretinoin dämpft die Meibom-Drüsen; Kontaktlinsen werden darunter oft schlechter vertragen. Einen Überblick über Augennebenwirkungen gibt der Ratgeber Medikamente und Augen.
Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann bei jahrelanger Anwendung die Augenoberfläche reizen — ein bekanntes Problem bei Dauertropfen, etwa in der Glaukomtherapie. Häufig gibt es konservierungsmittelfreie Alternativen; frag in der Augenarztpraxis danach. Glaukomtropfen setzt du aber nie eigenmächtig ab, denn der Augendruck steigt dann unbemerkt. Wichtig für deinen Medikationsplan: Betablocker-Augentropfen wie Timolol gelangen in den Kreislauf und können den Puls verlangsamen oder Asthma verschlechtern.
Docetaxel und Fluoropyrimidine wie Capecitabin oder 5-Fluorouracil können Tränenpünktchen und Tränenkanälchen vernarben lassen — ständiges Tränen ist die Folge. Früh erkannt, lässt sich ein dauerhafter Verschluss oft durch augenärztliche Maßnahmen verhindern, etwa vorübergehend eingelegte Silikonröhrchen. Neues Tränen unter Chemotherapie solltest du deshalb zügig im onkologischen Team ansprechen. Auch nach einer Radiojodtherapie der Schilddrüse wird selten eine Verengung des Tränennasengangs beobachtet.
Cholinerg wirkende Wirkstoffe — etwa Pilocarpin-Tabletten gegen Mundtrockenheit beim Sjögren-Syndrom oder Pyridostigmin bei Myasthenie — können Tränen- und Speichelfluss direkt anregen. Setzt das Tränen mit einem solchen Mittel ein, ist der Zusammenhang naheliegend.
Ein schmerzendes Auge ist kein Fall für längere Selbstbehandlung. Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nimmst du ohne ärztlichen Rat laut Packungsbeilage in der Regel nicht länger als drei bis vier Tage — und sie können eine Hornhautentzündung verschleiern. Betäubende Augentropfen gibt es aus gutem Grund nicht zur Selbstbehandlung: Wiederholt angewendet, schädigen sie die Hornhaut. Mehr im Schmerzmittel-Vergleich.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests — auch Drucktest am Lidwinkel und Lid-Check — sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei einem plötzlich roten, schmerzenden Auge mit Sehverschlechterung, bei Verätzungen oder Verletzungen, bei schmerzhafter Schwellung im inneren Lidwinkel mit Fieber oder bei Schmerzen unter Kontaktlinsen wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder den Rettungsdienst.