Benommenheit: Benommen ohne Drehschwindel — Kreislauf, Medikamente oder Psyche?

Auf einen Blick

Benommenheit ist kein DrehschwindelDer Kopf fühlt sich leer, wattig oder „wie betrunken“ an, beim Aufstehen wird es vielleicht kurz schwarz vor Augen — aber nichts dreht sich. Das spricht meist für Kreislauf, Stoffwechsel oder Medikamente, seltener für das Innenohr.
Häufigster Auslöser beim Aufstehenist ein Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie), verstärkt durch Hitze, zu wenig Trinken, Alkohol und Blutdrucksenker.
Medikamente sind einer der häufigsten und am besten vermeidbaren GründeBlutdrucksenker, Entwässerungs- und Prostatamittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Pregabalin und Opioide — besonders bei mehreren Mitteln und im höheren Alter, wo Benommenheit zu Stürzen führt.
Weitere wichtige UrsachenUnterzuckerung unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen, Blutarmut, Herzrhythmusstörungen, Angst mit zu schnellem Atmen und chronischer Schlafmangel.
Sofort abklären lassenBenommenheit mit Brustschmerz, Atemnot, Herzrasen oder kurzer Bewusstlosigkeit, plötzliche Doppelbilder, Sprachstörung oder Lähmung — dann die 112.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheWann es auftrittTypische BegleitzeichenErster Schritt
Blutdruckabfall beim AufstehenSekunden bis drei Minuten nach dem Aufstehen, nach großen Mahlzeiten, bei HitzeSchwarzwerden vor Augen, weiche Knie, Ohrensausen; im Liegen besserLangsam aufstehen, trinken; Stehtest mit Blutdruckmessung
Blutdrucksenker, Entwässerungs- und ProstatamittelNach Therapiebeginn oder Dosiserhöhung, oft einige Stunden nach der EinnahmeNiedrige Werte im Protokoll, Durchfall oder Hitze verstärken esBlutdruckprotokoll führen, mit der Praxis besprechen
Schlaf-, Beruhigungs- und SchmerzmittelMorgens nach abendlicher Einnahme, nach DosiserhöhungMüdigkeit, verlangsamtes Denken, unsicherer GangMedikamente prüfen lassen, kein Alkohol dazu
UnterzuckerungUnter Insulin oder Sulfonylharnstoffen, nach Sport oder ausgelassener MahlzeitSchwitzen, Zittern, Heißhunger, HerzklopfenBlutzucker messen, schnell wirksame Kohlenhydrate
Herzrhythmus, BlutarmutBei Belastung oder anfallsartigHerzstolpern, Herzrasen, sehr langsamer Puls, Luftnot, BlässeEKG und Blutbild in der Praxis
Angst, Hyperventilation, ErschöpfungIn Stresssituationen oder dauerhaft, „wie hinter Glas“Kribbeln um den Mund, Enge in der Brust, HerzklopfenLangsam ausatmen; bei Dauerbelastung Hilfe suchen
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Die Ursachen im Detail

„Schwindel“ steht im Alltag für sehr verschiedene Gefühle. Dreht sich die Umgebung, liegt meist ein Problem im Gleichgewichtsorgan vor — das behandeln die Beiträge zu Schwindel und zu Gleichgewichtsstörungen. Dieser Beitrag geht um das andere Gefühl: benommen, leer im Kopf, „wie in Watte“, manchmal mit dem Eindruck, gleich umzukippen. Fachleute sprechen von Benommenheit oder, wenn eine Ohnmacht droht, von Präsynkope. Wie Medikamente allgemein Schwindel auslösen, beschreibt ergänzend der Ratgeber Schwindel durch Medikamente.

Der Kreislauf sackt ab: orthostatische Hypotonie

Beim Aufstehen versackt ein Teil des Blutes in Beinen und Bauchraum. Normalerweise gleicht der Körper das in Sekunden aus, indem sich Gefäße verengen und das Herz schneller schlägt. Gelingt das nicht, fällt der Blutdruck, das Gehirn bekommt kurz zu wenig Blut: Es wird schwarz vor Augen, die Knie werden weich, es rauscht in den Ohren. Von einer orthostatischen Hypotonie sprechen Fachleute, wenn der obere Wert innerhalb von drei Minuten im Stehen um mindestens 20 mmHg oder der untere um mindestens 10 mmHg sinkt.

Begünstigt wird das durch Flüssigkeitsmangel bei Hitze, Durchfall oder Fieber, durch Alkohol, lange Bettruhe, höheres Alter und Erkrankungen, die die Kreislaufnerven schädigen, etwa langjähriger Diabetes oder Parkinson. Ältere Menschen erleben den Abfall oft nach einer großen Mahlzeit (postprandiale Hypotonie). Bei jungen Menschen steigt manchmal nicht der Blutdruck ab, sondern der Puls beim Stehen stark an — ein Hinweis auf ein posturales Tachykardiesyndrom (POTS), das auch nach Infekten auftreten kann. Mehr zu anhaltend niedrigen Werten im Beitrag niedriger Blutdruck; kippst du tatsächlich um, hilft der Beitrag zur Ohnmacht.

Medikamente: der häufigste vermeidbare Grund

Tritt Benommenheit nach einem neuen Medikament oder einer Dosiserhöhung auf, liegt der Zusammenhang nahe. Zwei Mechanismen dominieren: Blutdrucksenkende Wirkstoffe verstärken den Abfall im Stehen, und dämpfende Wirkstoffe verlangsamen das Gehirn. Beides addiert sich, wenn mehrere Mittel zusammenkommen — typisch bei älteren Menschen mit langen Medikationsplänen. Welche Wirkstoffe besonders infrage kommen, steht unten im Medikamenten-Abschnitt.

Unterzuckerung

Wer Insulin oder Sulfonylharnstoffe wie Glimepirid nimmt, kann in eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) geraten — nach Sport, einer ausgelassenen Mahlzeit, Alkohol oder einer zu hohen Dosis. Als Unterzuckerung gilt in der Regel ein Wert unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l). Erste Zeichen sind Schwitzen, Zittern, Herzklopfen und Heißhunger, dann folgen Benommenheit, Konzentrationsstörungen und Verwirrtheit. Betablocker können Zittern und Herzklopfen abschwächen, sodass die Warnzeichen fehlen. Menschen ohne Diabetes-Medikamente erleben echte Unterzuckerungen selten; das flaue Gefühl nach längerem Fasten hat meist andere Gründe.

Herz und Blut: zu wenig Sauerstoff im Kopf

Pumpt das Herz zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig, sinkt die Durchblutung des Gehirns. Anfallsartige Benommenheit mit Herzrasen oder Herzstolpern kann auf Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern hinweisen, ein sehr langsamer Puls auf Reizleitungsstörungen oder zu hoch dosierte Betablocker. Benommenheit bei Anstrengung, Luftnot oder Brustenge kann bei älteren Menschen auf eine verengte Herzklappe (Aortenklappenstenose) hinweisen. Eine Blutarmut zeigt sich mit Blässe, Müdigkeit und Benommenheit vor allem bei Belastung.

Angst, Stress und Hyperventilation

Bei Angst und Panik atmen viele Menschen unbemerkt zu schnell. Dadurch sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut, die Hirngefäße verengen sich leicht, und es entsteht Benommenheit mit Kribbeln um den Mund und in den Händen, Enge in der Brust und dem Gefühl, „neben sich“ oder „hinter Glas“ zu stehen. Bei einer Panikstörung kann das so beängstigend sein, dass es selbst neue Angst auslöst.

Hält eine unspezifische Benommenheit oder Unsicherheit über mehr als drei Monate an den meisten Tagen an, verstärkt im Stehen, bei Bewegung und in visuell unruhiger Umgebung wie Supermarkt oder beim Scrollen, kann ein persistierender postural-perzeptiver Schwindel (PPPD) vorliegen. Er entwickelt sich oft nach einem akuten Schwindelereignis, einer Panikattacke oder einer Gehirnerschütterung und ist gut behandelbar — mit Gleichgewichtstraining, Verhaltenstherapie und bei Bedarf Medikamenten.

Schlaf, Infekte, Alkohol und Salzhaushalt

Zu wenig oder schlechter Schlaf, eine unbehandelte Schlafapnoe, Fieber, Flüssigkeitsmangel und der Tag nach Alkohol oder Cannabis machen häufig benommen. Bei älteren Menschen ist ein zu niedriger Natriumwert im Blut (Hyponatriämie) eine unterschätzte Ursache: Er äußert sich mit Benommenheit, Verwirrtheit und Stürzen und wird oft durch Entwässerungstabletten oder bestimmte Antidepressiva begünstigt — eine einfache Blutuntersuchung klärt das. Nach einer Virusinfektion, auch nach COVID-19, berichten manche über wochenlange Benommenheit und Konzentrationsprobleme.

Selten, aber ernst: Schlaganfall und Herzinfarkt

Ein Schlaganfall im hinteren Hirnkreislauf kann mit plötzlichem Schwindel oder Benommenheit beginnen — meist zusammen mit Doppelbildern, verwaschener Sprache, Schluckstörung, Gangunsicherheit oder einseitiger Schwäche. Und Benommenheit mit Brustdruck, Atemnot oder kaltem Schweiß kann ein Herzinfarkt sein. In beiden Fällen zählt jede Minute.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Tests ersetzen keine Diagnose. Mach sie nur, wenn es dir gerade gut geht, und den Stehtest nur mit einer zweiten Person in der Nähe.

  • Die Einordnung: Dreht sich etwas (Drehschwindel), schwankst du wie auf einem Boot (Schwankschwindel), oder wird der Kopf leer und schwarz vor Augen (Benommenheit)? Nur das Letzte ist Thema dieses Beitrags.
  • Der Stehtest (vereinfachter Schellong-Test): Fünf bis zehn Minuten ruhig liegen, Blutdruck und Puls messen, dann aufstehen und nach einer und nach drei Minuten erneut messen. Sinkt der obere Wert um 20 mmHg oder mehr beziehungsweise der untere um 10 mmHg oder mehr, ist das ein Hinweis auf orthostatische Hypotonie. Steigt nur der Puls um 30 Schläge oder mehr, kann das zu POTS passen. Wird dir schwarz vor Augen: sofort hinsetzen oder hinlegen.
  • Das Einnahme-Protokoll: Notiere eine Woche lang, wann du welche Tablette nimmst und wann die Benommenheit kommt. Häuft sie sich einige Stunden nach einer bestimmten Einnahme, ist das ein wichtiger Hinweis für deine Praxis.
  • Der Zuckercheck: Hast du ein Messgerät, miss während der Beschwerden. Werte unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) sprechen für eine Unterzuckerung.
  • Der Pulscheck: Zähle den Puls eine Minute lang. Liegt er in Ruhe dauerhaft unter etwa 50, sehr hoch oder deutlich unregelmäßig, gehört das in die Praxis.
  • Der Atemcheck: Kommt die Benommenheit mit Kribbeln um den Mund, atme bewusst langsam: vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus. Bessert es sich in wenigen Minuten, ist Hyperventilation wahrscheinlich. Das Atmen in eine Tüte wird nicht mehr empfohlen.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Benommenheit mit Brustschmerz, Enge in der Brust, Atemnot oder kaltem Schweiß
  • Kurze Bewusstlosigkeit, besonders bei Anstrengung, im Liegen, ohne Vorwarnung oder mit Verletzung
  • Anhaltendes Herzrasen oder ein sehr langsamer Puls zusammen mit Benommenheit
  • Plötzliche Doppelbilder, verwaschene Sprache, Schluckstörung, Lähmung oder Gangunsicherheit
  • Unterzuckerung mit Verwirrtheit, die sich nach Traubenzucker nicht rasch bessert
  • Schwarzer Teerstuhl, Bluterbrechen oder starke Blutung mit Blässe und Benommenheit
  • Wiederholte Stürze oder Benommenheit nach einer Kopfverletzung
Benommen mit Brustschmerz, Herzrasen oder Ausfällen: 112 Benommenheit zusammen mit Brustdruck, Atemnot oder kaltem Schweiß kann auf einen Herzinfarkt hinweisen, mit Doppelbildern, Sprachstörung oder Lähmung auf einen Schlaganfall. Auch eine Bewusstlosigkeit bei Belastung ist ein Notfall. Wähle die 112, auch wenn es sich kurz bessert.
Schwere Unterzuckerung: nichts in den Mund, wenn Schlucken unsicher ist Ist jemand mit Diabetes verwirrt oder kaum ansprechbar, gib nur dann Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Getränk, wenn er sicher schlucken kann. Ist das nicht der Fall oder tritt Bewusstlosigkeit ein: stabile Seitenlage, Notfall-Glukagon, falls vorhanden, und sofort die 112.
Das eigentliche Risiko sind Stürze Bei älteren Menschen führt Benommenheit oft zu Stürzen und Knochenbrüchen. Wer wiederholt benommen ist oder schon gestürzt ist, sollte zeitnah seine Praxis aufsuchen und die komplette Medikamentenliste mitbringen.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

  1. Akut: runter und Beine hoch. Setz oder leg dich sofort hin, am besten mit hochgelagerten Beinen. Spürst du Vorzeichen, helfen Gegenmanöver: Beine überkreuzen und fest anspannen, Fäuste ballen, Arme gegeneinander ziehen.
  2. Alltag anpassen. In Stufen aufstehen, ausreichend trinken, sofern keine Trinkmengenbegrenzung besteht, kleinere Mahlzeiten, wenig Alkohol. Kompressionsstrümpfe können helfen. Mehr Salz nur nach Rücksprache — bei Bluthochdruck oder Herzschwäche ist das ungeeignet.
  3. Hausärztliche Abklärung. Blutdruck im Liegen und Stehen, EKG, Blutbild, Blutzucker, Natrium, Nierenwerte, bei Bedarf Schilddrüse — und eine strukturierte Durchsicht aller Medikamente, auch der rezeptfreien. Eine Medikationsanalyse in der Apotheke kann das ergänzen.
  4. Medikamente anpassen. Oft liegt hier der größte Hebel: Die Praxis kann Dosis, Einnahmezeitpunkt oder Wirkstoff ändern oder ein verzichtbares Mittel absetzen. Die Entscheidung liegt immer bei der behandelnden Praxis.
  5. Weiterführend. Langzeit-EKG und Langzeit-Blutdruck, Herzultraschall, bei unklaren Anfällen eine Kipptischuntersuchung; Neurologie oder HNO, wenn doch Gleichgewichtsstörungen vorliegen; Psychosomatik oder Verhaltenstherapie bei Angst und PPPD.
Ehrlich eingeordnet Rezeptfreie „Kreislaufmittel“ und Ginkgo-Präparate gegen Benommenheit haben eine schwache Studienlage. Betahistin ist für Morbus Menière gedacht und bei Benommenheit ohne Innenohrursache nicht sinnvoll. Bei schwerer orthostatischer Hypotonie kann die Praxis verschreibungspflichtige Mittel wie Midodrin erwägen — meist wirken aber das Anpassen der Medikamente, Trinken und Gegenmanöver zuverlässiger.

Medikamenten-Blickwinkel: Blutdrucksenker, Sedativa und Co.

Benommenheit gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen überhaupt. Die folgenden Gruppen sind besonders oft beteiligt.

Blutdrucksenker und Entwässerungsmittel

Jeder Blutdrucksenker kann benommen machen, vor allem zu Beginn, nach Dosiserhöhungen, bei Hitze, Durchfall und Erbrechen. ACE-Hemmer wie Ramipril und Sartane können besonders bei der ersten Einnahme den Blutdruck stark senken, vor allem zusammen mit Entwässerungsmitteln. Diese wiederum entziehen Flüssigkeit und Salz, was bei älteren Menschen zu Hyponatriämie führen kann. Betablocker verlangsamen den Puls, Alphablocker wie Doxazosin und Prostatamittel wie Tamsulosin fördern den Blutdruckabfall im Stehen. Nitrate und Potenzmittel dürfen nie kombiniert werden. Frag deine Praxis vorab, wie du bei Durchfall oder Fieber mit Entwässerungs- und Blutdruckmitteln umgehen sollst.

Schlaf- und Beruhigungsmittel

Benzodiazepine wie Lorazepam oder Diazepam und Z-Substanzen wie Zolpidem können bis in den nächsten Tag nachwirken: Benommenheit, verlangsamte Reaktion, Gangunsicherheit. Alkohol verstärkt das deutlich. Rezeptfreie Schlafmittel mit Diphenhydramin oder Doxylamin wirken zusätzlich anticholinerg und sind für ältere Menschen laut PRISCUS-Liste ungeeignet. Nach längerer Einnahme darfst du Benzodiazepine nicht abrupt absetzen. Alternativen beschreibt der Ratgeber Beruhigungsmittel-Alternativen.

Antidepressiva, Antipsychotika, Nervenschmerzmittel

Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin sowie Mirtazapin und Quetiapin machen müde und senken den Blutdruck im Stehen. SSRI können zu Beginn und beim zu schnellen Absetzen benommen machen und bei Älteren den Natriumwert senken. Bei Pregabalin und Gabapentin gehören Benommenheit und Schläfrigkeit zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, besonders beim Aufdosieren.

Opioide, Muskelrelaxanzien, Blasenmittel, Diabetesmittel

Opioide wie Tramadol oder Tilidin machen vor allem zu Beginn benommen. Muskelentspannende Mittel und anticholinerge Blasenmittel können bei Älteren Benommenheit und Verwirrtheit auslösen. Insulin und Sulfonylharnstoffe verursachen Unterzuckerungen, SGLT2-Hemmer wie Empagliflozin können über Flüssigkeitsverlust den Blutdruck senken, besonders zusammen mit Entwässerungsmitteln.

Rezeptfreie Schmerzmittel

Ibuprofen und andere Entzündungshemmer machen selbst selten benommen, schwächen aber Blutdrucksenker ab und belasten zusammen mit ACE-Hemmern oder Sartanen und Entwässerungsmitteln die Nieren. Ohne ärztlichen Rat gilt laut Packungsbeilage in der Regel: nicht länger als drei bis vier Tage am Stück.

Viele Mittel, ein Risiko

Mit jedem zusätzlichen dämpfenden oder blutdrucksenkenden Mittel steigt das Sturzrisiko. Die PRISCUS-2.0-Liste nennt Wirkstoffe, die für ältere Menschen besonders ungünstig sind. Deshalb gehört jede Dauermedikation im Alter regelmäßig auf den Prüfstand.

Nichts eigenmächtig absetzen Betablocker abrupt abzusetzen, kann Herzrasen und Brustschmerzen auslösen, Benzodiazepine Entzugserscheinungen bis hin zu Krampfanfällen, Antidepressiva Absetzbeschwerden. Notiere den zeitlichen Zusammenhang und besprich ihn mit deiner Praxis — oft reicht eine kleine Anpassung.

Morgens benommen — liegt es an der Abendtablette?

Einnahmezeiten und Beschwerden nebeneinander zeigen, was die Erinnerung verwischt.

Einnahmen protokollieren

So beugst du Benommenheit vor

  • In drei Stufen aufstehen — erst aufsetzen, Beine bewegen, dann langsam stehen. Besonders nachts und morgens.
  • Genug trinken — gerade bei Hitze, Fieber und Durchfall, sofern dir keine Trinkmengenbegrenzung verordnet ist.
  • Kleinere Mahlzeiten, wenig Alkohol — große Portionen und Alkohol senken den Blutdruck zusätzlich.
  • Bewegung — trainierte Beinmuskeln pumpen das Blut besser zurück.
  • Medikationsplan regelmäßig prüfen lassen — mindestens einmal im Jahr und nach jedem Krankenhausaufenthalt. Mit Diabetes-Medikamenten: einen Plan für Unterzuckerungen haben.

Fünf Tabletten, drei Praxen — wer behält den Überblick?

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Medikationsplan anlegen

Häufige Fragen zu Benommenheit

Beim Drehschwindel dreht sich die Umgebung, meist wegen einer Störung im Gleichgewichtsorgan. Benommenheit fühlt sich dagegen leer, wattig oder wie kurz vor einer Ohnmacht an, ohne Drehgefühl. Sie hat häufiger Ursachen in Kreislauf, Stoffwechsel oder Medikamenten.
Ja, das ist häufig — vor allem zu Beginn, nach einer Dosiserhöhung, bei Hitze oder Durchfall und in Kombination mit Entwässerungsmitteln. Ein Blutdruckprotokoll im Sitzen und Stehen hilft der Praxis, Dosis, Zeitpunkt oder Wirkstoff anzupassen. Setze die Tabletten nicht eigenmächtig ab.
Viele Schlaf- und Beruhigungsmittel wirken länger als die Nacht und hinterlassen einen Überhang mit Benommenheit, langsamer Reaktion und Gangunsicherheit. Alkohol und höheres Alter verstärken das. Sprich mit deiner Praxis über Dosis, Wirkstoff oder Alternativen, und fahr in diesem Zustand kein Auto.
Ja. Bei Angst atmen viele unbemerkt zu schnell, dadurch entstehen Benommenheit, Kribbeln um den Mund und ein Gefühl wie hinter Glas. Langsames Ausatmen bessert das oft in wenigen Minuten. Tritt es häufig auf, lohnt sich eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.
Wenn Brustschmerz, Atemnot, Herzrasen, kalter Schweiß, Bewusstlosigkeit, Doppelbilder, Sprachstörung oder Lähmung dazukommen, ist das ein Notfall für die 112. Zeitnah abklären lassen solltest du wiederholte Benommenheit, Stürze und Benommenheit nach einem neuen Medikament.
Setz oder leg dich sofort hin und lagere die Beine hoch. Beine überkreuzen und anspannen oder Fäuste ballen stabilisiert den Blutdruck. Mit Diabetes-Medikamenten solltest du den Blutzucker messen und bei Unterzuckerung schnell wirksame Kohlenhydrate zu dir nehmen.

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Quellen

  • DEGAM: S3-Leitlinie Akuter Schwindel in der Hausarztpraxis (2018). Abgerufen 2026.
  • European Society of Cardiology (ESC): Leitlinie zu Diagnose und Management von Synkopen (2018). Abgerufen 2026.
  • Bárány Society: Diagnosekriterien des persistierenden postural-perzeptiven Schwindels (PPPD, 2017). Abgerufen 2026.
  • PRISCUS 2.0: Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen (2023). Abgerufen 2026.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Schwindel, niedriger Blutdruck und Unterzuckerung. Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Patientenausgabe: Schwindel und Benommenheit, orthostatische Hypotonie, Hypoglykämie und Hyponatriämie. Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Ramipril, Tamsulosin, Zolpidem, Pregabalin, Empagliflozin). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests — auch der Stehtest — sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei Benommenheit mit Brustschmerz, Atemnot, Herzrasen oder Bewusstlosigkeit, bei plötzlichen Doppelbildern, Sprachstörungen oder Lähmungen und bei schwerer Unterzuckerung wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder den Rettungsdienst.