Blut im Stuhl ist ein Symptom, kein eigenständiges Krankheitsbild. Die Ursachen reichen von harmlosen Hämorrhoiden über Analfissuren bis hin zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Magengeschwüren oder Darmkrebs. Entscheidend für die Einordnung sind die Farbe, die Menge und begleitende Symptome wie Schmerzen, Fieber oder Gewichtsverlust.
Man unterscheidet sichtbares Blut (hellrot, dunkelrot oder schwarz) von okkultem Blut — das ist nur über einen Stuhltest (FOBT, iFOBT) nachweisbar und gehört zur Darmkrebsvorsorge.
Wichtig: Auch wenn die häufigste Ursache (Hämorrhoiden) harmlos ist, sollte jede erstmalige Blutung und jede Blutung ab dem 45. bis 50. Lebensjahr ärztlich abgeklärt werden — schon eine kleine Blutung kann auf einen Polypen oder einen frühen Tumor hinweisen.
2. Farbe und Ursprung: hellrot, dunkel oder Teerstuhl?
Die Farbe gibt einen ersten Hinweis darauf, wo die Blutung wahrscheinlich liegt:
Hellrotes Blut (frisches Blut, Hämatochezie)
Stammt meistens aus dem unteren Verdauungstrakt — Enddarm, After, Sigma. Häufigste Ursachen: Hämorrhoiden, Analfissuren, Polypen, Divertikel. Typisch: Blut auf dem Toilettenpapier oder Auflagerungen auf dem Stuhl.
Dunkelrotes oder kastanienbraunes Blut
Spricht für eine Blutungsquelle weiter oben im Dickdarm — z. B. Divertikel, Tumore oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Das Blut ist meistens mit dem Stuhl vermischt.
Schwarzer, klebriger Teerstuhl (Meläna)
Entsteht durch Blut aus dem oberen Verdauungstrakt (Magen, Zwölffingerdarm, oberer Dünndarm). Magensäure zersetzt das Blut und verfärbt es schwarz. Teerstuhl riecht charakteristisch faulig-süßlich. Immer ärztlich abklären — typische Ursachen sind Magengeschwüre, Speiseröhrenrisse oder seltener Tumore.
Wichtig: Schwarzer Stuhl kann auch harmlose Ursachen haben — Eisenpräparate, Aktivkohle, Heidelbeeren oder Rote Bete färben den Stuhl ebenfalls dunkel. Echter Teerstuhl ist klebrig, glänzend und riecht streng. Bei Unsicherheit immer ärztlich abklären.
Okkultes Blut (unsichtbar)
Wird nur über einen Stuhltest (iFOBT) erkannt und kann auf Polypen oder frühe Tumore hinweisen — auch wenn der Stuhl normal aussieht. Deshalb ist die regelmässige Darmkrebsvorsorge so wichtig.
3. Häufige Ursachen im unteren Verdauungstrakt
Hämorrhoiden
Die mit Abstand häufigste Ursache für hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier. Hämorrhoiden sind erweiterte Gefässpolster im Analkanal — sie können bluten, jucken oder beim Stuhlgang heraustreten. Begünstigt durch chronische Verstopfung, sitzende Tätigkeit, Schwangerschaft und starkes Pressen.
Analfissur
Ein kleiner Einriss in der Analschleimhaut — typisch sind starke Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang sowie hellrotes Blut auf dem Papier. Oft Folge von hartem Stuhl oder chronischer Verstopfung.
Divertikel und Divertikulitis
Ausstülpungen der Dickdarmwand, besonders im Sigma. Können bluten (meist schmerzlos, dunkelrot) oder sich entzünden — dann mit Fieber und starken Schmerzen im linken Unterbauch. Häufig bei Menschen über 60.
Polypen und Darmkrebs
Polypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die jedoch entarten können. Sie bluten meist schwach und unbemerkt — deshalb das okkulte Blut. Darmkrebs (kolorektales Karzinom) ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland und entsteht meistens aus solchen Polypen über viele Jahre. Frühzeichen: okkultes Blut, veränderte Stuhlgewohnheiten, Gewichtsverlust, Anämie.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verursachen oft blutige Durchfälle, Schleimauflagerungen, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Erstmanifestation häufig im jungen Erwachsenenalter (20–40 Jahre).
Infektiöse Kolitis
Bakterielle Darminfektionen (Campylobacter, Shigellen, EHEC, Salmonellen) können blutige Durchfälle auslösen — typisch nach Reisen oder verdorbenen Lebensmitteln. Siehe auch Durchfall.
4. Ursachen im oberen Verdauungstrakt
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
Ulzera der Magen- oder Duodenalschleimhaut können bluten — typischerweise mit Teerstuhl, manchmal auch mit Bluterbrechen. Hauptursachen: Helicobacter-pylori-Infektion und langfristige Einnahme von NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure). Mehr dazu unter Sodbrennen.
Refluxösophagitis und Mallory-Weiss-Syndrom
Entzündungen der Speiseröhre oder Schleimhautrisse nach starkem Erbrechen können zu Blutung führen — meistens hellrotes Blut beim Erbrechen, im Stuhl als Meläna.
Ösophagusvarizen
Erweiterte Venen in der Speiseröhre bei fortgeschrittener Leberzirrhose. Eine Varizenblutung ist ein lebensbedrohlicher Notfall — immer sofort 112.
Tumore des oberen Verdauungstrakts
Magenkrebs, Speiseröhrenkrebs und seltener Dünndarmtumore können bluten — meist chronisch-okkult mit Eisenmangelanämie als erstem Zeichen.
5. Wann zum Arzt? (Warnzeichen)
Sofort Notaufnahme oder 112 bei: grossen Blutmengen, schwarzem Teerstuhl, Kreislaufbeschwerden (Schwindel, Schwäche, Herzrasen, kalter Schweiss), Bluterbrechen, starken Bauchschmerzen oder Fieber. Auch bei bekannter Lebererkrankung oder unter Blutverdünnung: nicht abwarten.
Zeitnah ärztlich abklären (innerhalb weniger Tage) bei:
erstmalig auftretendem Blut im Stuhl, auch wenn es klein und hellrot ist
Blutung ab dem 45. bis 50. Lebensjahr — auch wenn sie harmlos wirkt
wiederkehrenden Blutungen über mehrere Wochen
veränderten Stuhlgewohnheiten (Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung)
ungewolltem Gewichtsverlust, anhaltender Müdigkeit oder Eisenmangel
familiärer Belastung mit Darmkrebs oder CED
Blut im Stuhl unter Blutverdünnern (Marcumar, ASS, Apixaban etc.) — nicht eigenmächtig absetzen, aber sofort ärztlich besprechen
6. Darmkrebs-Vorsorge: ab wann und wie
Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland — und eine der wenigen, die durch Vorsorge praktisch verhindert werden kann. Polypen wachsen über viele Jahre zu Karzinomen heran und können bei der Koloskopie direkt entfernt werden.
Gesetzliche Vorsorge in Deutschland:
Männer ab 50, Frauen ab 55: jährlicher immunologischer Stuhltest (iFOBT) auf okkultes Blut
Ab 50 (Männer) bzw. 55 (Frauen): Koloskopie (Darmspiegelung) — Wiederholung nach 10 Jahren bei unauffälligem Befund
Bei familiärer Belastung (Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bei Eltern/Geschwistern): Vorsorge bereits ab 40 oder 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen
Bei Lynch-Syndrom oder FAP: spezialisierte Betreuung mit deutlich früherem Beginn
Wichtig: Die Koloskopie ist die einzige Untersuchung, bei der Polypen nicht nur erkannt, sondern auch sofort entfernt werden können. Sie ist damit gleichzeitig Diagnostik und Therapie.
7. Diagnostik: was der Arzt macht
Die Diagnostik richtet sich nach Alter, Verlauf und Begleitsymptomen:
Leichte Hämorrhoiden (Grad 1–2): ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend trinken, Stuhlregulation, lokale Salben/Zäpfchen. Fortgeschrittene (Grad 3–4): Gummibandligatur, Sklerosierung oder operative Therapie.
Analfissur
Stuhlregulation (weicher Stuhl), warme Sitzbäder, Salben mit Nitroglycerin oder Diltiazem zur Entspannung des Schliessmuskels. Chronische Fissuren ggf. operativ.
Magengeschwür
Protonenpumpenhemmer (PPI: Pantoprazol, Omeprazol), Eradikation von Helicobacter pylori (Antibiotika-Kombination), Absetzen von NSAR wenn möglich.
CED (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
Stufentherapie nach Schweregrad: Mesalazin, Kortison, Immunsuppressiva (Azathioprin), Biologika (Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab) — fachärztliche Betreuung durch Gastroenterologie.
Polypen und Karzinom
Polypen werden bei der Koloskopie direkt abgetragen (Polypektomie). Karzinome erfordern eine onkologische Therapie — Operation, Chemotherapie, ggf. Strahlentherapie, je nach Stadium.
9. Medikamente und Blut im Stuhl
Mehrere Medikamentengruppen können Blutungen begünstigen oder direkt auslösen:
NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, Acetylsalicylsäure): häufige Ursache für Magengeschwüre und Schleimhautblutungen — besonders bei Langzeiteinnahme und ohne Magenschutz
Antikoagulantien (Marcumar/Phenprocoumon, Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran): erhöhen die Blutungsneigung — bei Blut im Stuhl immer ärztlich abklären, nicht eigenmächtig absetzen
Thrombozytenaggregationshemmer (ASS, Clopidogrel, Ticagrelor): besonders in Kombination mit NSAR riskant
Kortison: kann die Schleimhautheilung verzögern und Magengeschwüre begünstigen
SSRI-Antidepressiva: leicht erhöhtes Blutungsrisiko, besonders in Kombination mit NSAR oder Antikoagulantien
Hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier stammt meistens von Hämorrhoiden oder einer Analfissur — das ist häufig und in der Regel harmlos. Trotzdem sollte erstmalig auftretendes Blut, wiederkehrende Blutungen oder Blut bei Menschen über 45 bis 50 ärztlich abgeklärt werden, um Polypen oder Tumore auszuschliessen.
Echter Teerstuhl (Meläna) ist schwarz, klebrig und riecht streng — er entsteht durch Blut aus dem oberen Verdauungstrakt und ist immer ein Alarmsignal. Schwarzer Stuhl durch Eisenpräparate, Aktivkohle oder dunkle Lebensmittel ist dagegen harmlos und nicht klebrig.
Leichte Hämorrhoiden (Grad 1 und 2) können sich mit Ernährungsumstellung (mehr Ballaststoffe, mehr Flüssigkeit, weicher Stuhl) bessern. Fortgeschrittene Hämorrhoiden (Grad 3 und 4) erfordern meistens eine proktologische Behandlung.
Hämatochezie ist frisches, rotes Blut im Stuhl — meist aus dem unteren Verdauungstrakt. Meläna (Teerstuhl) ist schwarzer, klebriger Stuhl — meist aus dem oberen Verdauungstrakt. Bei massiver oberer Blutung kann der Stuhl aber auch hellrot sein.
Nein — nicht ohne ärztliche Rücksprache. Eigenmächtiges Absetzen kann gefährliche Folgen haben (Schlaganfall, Thrombose). Aber: bei Blut im Stuhl unter Blutverdünnern immer zeitnah ärztlich vorstellen, damit die Ursache abgeklärt und die Therapie ggf. angepasst werden kann.
Männer ab 50, Frauen ab 55 Jahren — gesetzliche Leistung in Deutschland. Bei familiärer Belastung (Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bei Eltern oder Geschwistern) bereits ab 40 Jahren oder 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des betroffenen Angehörigen.
Der iFOBT ist in Deutschland Bestandteil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung und wird von den Krankenkassen übernommen — ab 50 Jahren jährlich, ab 55 Jahren alle zwei Jahre (wenn keine Koloskopie erfolgt).
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). — https://www.dgvs.de/
Robert Koch-Institut — Krebs in Deutschland: Darmkrebs. — https://www.rki.de/
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei grösseren Blutmengen, schwarzem Teerstuhl, Kreislaufbeschwerden, Fieber oder starken Bauchschmerzen sofort die Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Blutverdünner nie eigenmächtig absetzen — immer ärztliche Rücksprache.