Ellenbogenschmerzen: Tennisarm und was sonst dahintersteckt

Auf einen Blick

Der Tennisarm ist der Klassiker, aber nicht die einzige UrsacheSchmerz an der Außenseite beim Greifen spricht für ihn — die Erkrankung selbst beschreibt der Beitrag Tennisarm. Hier geht es darum, ihn von den anderen Ursachen zu unterscheiden.
Die Seite verrät vielaußen Tennisarm, innen Golferarm, Kribbeln in Ring- und Kleinfinger der Ellennerv, eine weiche Beule an der Spitze der Schleimbeutel, Schmerz in der Ellenbeuge nach einem Ruck die Bizepssehne.
Nach einem Sturz und bei Kindern genau hinschauenLässt sich der Arm nicht mehr ganz strecken oder drehen, kann der Speichenkopf gebrochen sein. Ein Kleinkind, das den Arm nach einem Ruck an der Hand nicht mehr benutzt, hat oft ein ausgerenktes Speichenköpfchen.
Medikamente mitdenkenFluorchinolon-Antibiotika können Sehnen schädigen, Entwässerungsmittel Gicht im Schleimbeutel begünstigen, Aromatasehemmer und Statine Gelenk- und Muskelschmerzen auslösen.
Sofort abklären lassenFehlstellung nach einem Sturz, ein roter, heißer, geschwollener Ellenbogen mit Fieber oder ein plötzlicher Knall mit Kraftverlust: noch am selben Tag. Armschmerz mit Brustdruck oder Atemnot, plötzliche Schwäche einer Körperseite: 112.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheWo es wehtutTypisches MusterHäufig beiErster Schritt
TennisarmAußenseite, KnochenvorsprungSchmerz beim Greifen, Tasse heben, HändeschüttelnMittlerem Alter, Handarbeit, BildschirmarbeitBelastung anpassen, Geduld
GolferarmInnenseite, KnochenvorsprungSchmerz beim Beugen des Handgelenks, Werfen, TragenHandwerk, Wurf- und SchlägersportBelastung anpassen
Ellennerv (Kubitaltunnelsyndrom)Innenseite, ausstrahlendKribbeln in Ring- und Kleinfinger, schlimmer bei gebeugtem ArmEher Männern, langes AufstützenArm nachts gestreckt, ärztlich abklären
SchleimbeutelentzündungEllenbogenspitzeWeiche, pralle Beule, oft wenig SchmerzHäufigem Aufstützen, GichtDruck vermeiden; rot und heiß: am selben Tag
Riss der BizepssehneEllenbeugePlötzlicher Knall beim Heben, Bluterguss, KraftverlustMännern mittleren AltersZeitnah unfallchirurgisch vorstellen
Bruch, AusrenkungJe nach VerletzungNach Sturz; Streckung oder Drehung nicht möglichJedem Alter; Kindern nach Ruck am ArmRöntgen am selben Tag
Arthrose, Rheuma, GichtGanzes GelenkSteifigkeit, Blockaden, Schwellung, SchübeNach alten Verletzungen; mittlerem und höherem AlterHausärztlich, ggf. rheumatologisch
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Die Ursachen im Detail

Dieser Beitrag hilft dir, Schmerzen rund um den Ellenbogen einzuordnen. Wie der Tennisarm entsteht und behandelt wird, beschreibt der Beitrag Tennisarm ausführlich — hier steht er nur im Vergleich mit den anderen Ursachen. Ziehen die Schmerzen durch den ganzen Arm, kommen sie oft von Nacken, Schulter oder Nerven; dazu hilft der Beitrag Armschmerzen. Beschwerden, die vor allem am Handgelenk sitzen, ordnet der Beitrag zu Handgelenkschmerzen ein.

Tennisarm: Schmerz an der Außenseite

Beim Tennisarm (Epicondylopathia radialis humeri) ist der Ansatz der Unterarmstrecker am äußeren Knochenvorsprung des Oberarms überlastet und verändert. Tennisspieler sind nur ein kleiner Teil der Betroffenen; viel häufiger trifft es Menschen zwischen etwa 35 und 55 Jahren mit wiederholten Greif- und Drehbewegungen — Werkzeug, Maus, Gartenarbeit, Umzug. Typisch ist ein Schmerz an der Außenseite, der beim Greifen, beim Heben einer Tasse mit dem Handrücken nach oben oder beim Händeschütteln einschießt und in den Unterarm ziehen kann.

Erster Schritt: die auslösende Tätigkeit verändern, ohne den Arm komplett ruhigzustellen. Der Tennisarm heilt in vielen Fällen von selbst aus, das kann aber viele Monate dauern. Eine Kortisonspritze lindert kurzfristig, nach den Daten aus Studien sind die Ergebnisse auf längere Sicht aber eher schlechter als beim Abwarten. Einen ähnlichen Schmerz an der Außenseite kann ein eingeengter Nervenast im Unterarm verursachen (Supinatorlogensyndrom) — ein Grund, bei hartnäckigen Beschwerden genauer untersuchen zu lassen.

Golferarm: das Spiegelbild an der Innenseite

Beim Golferarm (Epicondylopathia ulnaris humeri) ist der Ansatz der Unterarmbeuger am inneren Knochenvorsprung gereizt. Er ist deutlich seltener als der Tennisarm und betrifft Golfer, aber vor allem Menschen, die viel tragen, schrauben, werfen oder klettern. Der Schmerz sitzt innen und nimmt zu, wenn du das Handgelenk gegen Widerstand beugst oder den Unterarm nach innen drehst. Weil der Ellennerv direkt dahinter verläuft, kommt manchmal Kribbeln in Ring- und Kleinfinger hinzu. Erster Schritt wie beim Tennisarm: Belastung anpassen, später gezieltes Krafttraining.

Ellennerv: der „Musikantenknochen" als Engstelle

Der Ellennerv (Nervus ulnaris) läuft an der Innenseite in einer Rinne um den Ellenbogen — die Stelle, die beim Anstoßen elektrisiert. Wird er dort dauerhaft gedrückt oder gedehnt (Kubitaltunnelsyndrom, früher Sulcus-ulnaris-Syndrom), kribbeln Ring- und Kleinfinger oder werden taub, besonders bei lange gebeugtem Arm: beim Telefonieren, Autofahren, Aufstützen oder nachts. Laut Leitlinie ist es nach dem Karpaltunnelsyndrom die zweithäufigste Nervenengstelle überhaupt; Männer sind häufiger betroffen. Später können die Finger ungeschickt werden und die Muskeln zwischen den Mittelhandknochen schwinden, sichtbar als Mulde zwischen Daumen und Zeigefinger.

Erster Schritt: lange Beugung und Druck auf die Innenseite meiden, nachts den Arm möglichst gestreckt lagern. Bei anhaltendem Taubheitsgefühl oder Schwäche gehört der Nerv neurologisch gemessen; bei Lähmungszeichen wird in der Regel operiert.

Schleimbeutelentzündung: die Beule an der Spitze

Über der Ellenbogenspitze liegt ein Schleimbeutel, der bei häufigem Aufstützen, nach einem Stoß oder bei Gicht und Rheuma anschwellen kann (Bursitis olecrani). Typisch ist eine weiche, pralle Beule, manchmal so groß wie ein Ei, die oft erstaunlich wenig wehtut; den Arm kannst du meist normal bewegen. Erster Schritt: Druck vermeiden und den Ellenbogen polstern. Gefährlich wird es, wenn Bakterien in den Schleimbeutel gelangen — oft über eine kleine Schürfwunde. Dann ist die Beule rot, heiß und schmerzhaft, manchmal mit Fieber, und muss noch am selben Tag ärztlich behandelt werden.

Riss der Bizepssehne: der Knall in der Ellenbeuge

Die Bizepssehne setzt in der Ellenbeuge an der Speiche an. Reißt sie, meist beim Anheben oder Abfangen einer schweren Last, spüren Betroffene einen plötzlichen Schmerz und oft einen Knall. Danach bildet sich ein Bluterguss, der Muskelbauch rutscht Richtung Schulter, und das Drehen des Unterarms nach außen — etwa beim Aufschrauben — fällt deutlich schwerer. Betroffen sind vor allem Männer im mittleren Alter; Rauchen und bestimmte Medikamente erhöhen das Risiko. Erster Schritt: zeitnah, möglichst innerhalb weniger Tage, unfallchirurgisch oder orthopädisch vorstellen, weil eine Operation früh am besten gelingt.

Nach einem Sturz: Speichenkopf, Ellenhaken, Ausrenkung

Bei einem Sturz auf die ausgestreckte Hand bricht bei Erwachsenen häufig der Speichenkopf: Schmerz an der Außenseite, Schwellung, der Arm lässt sich nicht mehr ganz strecken oder drehen. Ein direkter Sturz auf die Ellenbogenspitze kann den Ellenhaken (Olekranon) brechen. Ein ausgerenktes Gelenk zeigt sich meist als sichtbare Fehlstellung. Bei Kindern ist der Bruch oberhalb des Ellenbogens gefährlich, weil Gefäße und Nerven dicht daran vorbeilaufen. Auch eine Verletzung, die zunächst harmlos aussieht, kann später zu einem Streckdefizit führen, wenn sie nicht erkannt wird.

Kleinkinder: der „Kindermädchen-Ellenbogen"

Wird ein Kleinkind ruckartig an der Hand hochgezogen oder festgehalten, kann das Speichenköpfchen aus seinem Haltering rutschen (Pronatio dolorosa, Chassaignac-Lähmung). Das Kind weint kurz, hält den Arm danach leicht gebeugt und nach innen gedreht und benutzt ihn nicht mehr — meist ohne Schwellung. Betroffen sind vor allem Kinder bis etwa fünf Jahre. In der Praxis lässt sich das Köpfchen in der Regel mit einem kurzen Handgriff wieder einrenken, danach bewegt das Kind den Arm oft schon nach Minuten wieder. Versuche das nicht selbst; nach einem Sturz muss zuerst ein Bruch ausgeschlossen werden.

Arthrose, freie Gelenkkörper und entzündliche Ursachen

Eine Arthrose des Ellenbogens ist seltener als an Knie oder Hüfte und entsteht meist nach alten Verletzungen oder jahrelanger schwerer Arbeit, etwa mit Presslufthammer. Typisch sind Steifigkeit, ein zunehmendes Streckdefizit und Blockaden durch freie Gelenkkörper („Gelenkmaus"). Bei jungen Wurf- und Turnsportlern kann sich ein Knorpel-Knochen-Stück lösen (Osteochondrosis dissecans). Entzündliche Ursachen sind die rheumatoide Arthritis, die Psoriasis-Arthritis und die Gicht — mit Schwellung, Überwärmung, Morgensteifigkeit oder Schüben. Tun mehrere Gelenke gleichzeitig weh, hilft der Beitrag zu Gelenkschmerzen weiter.

Ausstrahlung: Nacken, Schulter und Herz

Nicht jeder Schmerz am Ellenbogen entsteht dort. Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule strahlt über Schulter und Ellenbogen bis in die Finger, oft mit Nackenschmerzen und Kribbeln. Auch Schulterschmerzen ziehen manchmal bis zum Ellenbogen. Und Schmerzen im linken Arm zusammen mit Druck in der Brust, Atemnot oder kaltem Schweiß können vom Herzen kommen — dann zählt jede Minute.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Tests ersetzen keine Diagnose und fallen auch bei Gesunden manchmal leicht positiv aus — vergleiche immer beide Seiten. Nach einem Sturz mit Fehlstellung, starker Schwellung oder bei einem Kind, das den Arm schont, wird nicht getestet, sondern ärztlich untersucht.

  • Die Schmerzkarte: Zeige auf die schmerzhafteste Stelle. Außen am Knochenvorsprung, innen am Knochenvorsprung, an der Spitze, in der Ellenbeuge oder das ganze Gelenk? Der Ort grenzt die Ursachen deutlich ein.
  • Der Stuhl-Test: Hebe einen leichten Stuhl mit gestrecktem Arm und dem Handrücken nach oben an der Lehne an. Schießt dabei ein Schmerz an der Außenseite ein, spricht das für einen Tennisarm.
  • Der Mittelfinger-Test: Strecke Arm und Finger nach vorn und drücke mit der anderen Hand den Mittelfinger sanft nach unten, während du dagegenhältst. Schmerz außen am Ellenbogen weist ebenfalls auf einen Tennisarm hin.
  • Der Beuge-gegen-Widerstand-Test: Lege den Unterarm mit der Handfläche nach oben auf den Tisch und beuge das Handgelenk gegen den Druck der anderen Hand. Schmerz innen am Ellenbogen passt zum Golferarm.
  • Der Ellenbogen-Beuge-Test: Beuge den Ellenbogen so weit wie möglich, halte das Handgelenk gerade und warte eine Minute. Kribbeln oder Taubheit in Ring- und Kleinfinger sprechen für einen gereizten Ellennerv.
  • Der Streck- und Dreh-Vergleich: Strecke beide Arme ganz durch und drehe die Handflächen nach oben und unten. Fehlen auf einer Seite die letzten Grad, hakt es oder blockiert das Gelenk, gehört das ärztlich angesehen — nach einem Sturz noch am selben Tag.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Fehlstellung, starke Schwellung oder ein Arm, der sich nach einem Sturz nicht mehr strecken oder drehen lässt
  • Ein Kind, das den Arm nach einem Sturz oder nach einem Ruck an der Hand nicht mehr benutzt
  • Roter, heißer, geschwollener Ellenbogen oder Schleimbeutel, besonders mit Fieber, einer Wunde darüber oder unter Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen
  • Plötzlicher Knall in der Ellenbeuge mit Bluterguss und Kraftverlust
  • Zunehmende Taubheit, ungeschickte Finger, Muskelschwund an der Hand oder Finger, die sich krallenartig beugen
  • Unter Gips oder Schiene: zunehmende Schmerzen, blasse, bläuliche oder taube Finger
  • Armschmerzen mit Brustdruck, Atemnot, kaltem Schweiß oder Übelkeit
  • Plötzliche Schwäche oder Taubheit einer Körperseite, hängender Mundwinkel oder Sprachstörung
Brustdruck oder plötzliche Schwäche: sofort 112 Ziehen Schmerzen in Arm und Ellenbogen zusammen mit Druck in der Brust, Atemnot oder kaltem Schweiß, kann ein Herzinfarkt dahinterstecken. Werden Arm und Hand plötzlich schwach oder taub, zusammen mit Gesicht, Sprache oder Sehen, kann es ein Schlaganfall sein — auch wenn die Zeichen rasch wieder verschwinden. In beiden Fällen: sofort die 112.
Rot, heiß, Fieber oder Fehlstellung: noch heute behandeln lassen Eine bakterielle Entzündung im Schleimbeutel oder im Gelenk kann sich rasch ausbreiten und muss oft mit Antibiotika oder operativ behandelt werden. Eine Fehlstellung nach einem Sturz kann Gefäße und Nerven gefährden. Warte nicht bis zum nächsten Praxistermin, sondern lass dich noch am selben Tag in einer Notaufnahme oder unfallchirurgischen Praxis untersuchen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

Ohne Warnzeichen und ohne frischen Unfall geht die Abklärung in der Regel vom Einfachen zum Aufwendigen.

  1. Belastung anpassen statt ruhigstellen. Die auslösende Tätigkeit reduzieren, Griffe variieren, mit dem Handrücken nach unten heben. Bei frischer Reizung kurz kühlen. Völlige Schonung über Wochen verschlechtert eher die Belastbarkeit.
  2. Hausärztlich oder orthopädisch untersuchen lassen. Abtasten, Funktionstests, Ultraschall, bei Unfall Röntgen, bei Entzündungsverdacht Blutwerte wie Entzündungswerte und Harnsäure — und ein Blick auf die Medikamentenliste.
  3. Gezielt üben. Bei Tennis- und Golferarm gilt ein angeleitetes Kraft- und Dehntraining für die Unterarmmuskeln, oft mit langsamen, bremsenden Bewegungen, als wichtigster Baustein. Physiotherapie zeigt die Übungen, die du dann selbst weitermachst.
  4. Spezialisiert weiter. Neurologie zur Nervenmessung beim Ellennerv, Unfallchirurgie oder Orthopädie bei Sehnenriss, Bruch oder freien Gelenkkörpern, Rheumatologie bei Verdacht auf entzündliches Rheuma.
  5. Spritze, Stoßwelle, Operation — mit Bedacht. Eine Kortisonspritze lindert beim Tennisarm nur kurzfristig. Ein operativer Eingriff kommt beim Tennisarm in der Regel erst nach vielen Monaten erfolgloser konservativer Behandlung infrage, beim Bizepssehnenriss und bei Lähmungszeichen am Ellennerv dagegen früh. Ob und wann behandelt wird, entscheidet immer die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir.
Ehrlich eingeordnet Für Bandagen und Epicondylitis-Spangen, Stoßwellentherapie, Eigenbluttherapie oder Akupunktur beim Tennisarm ist der Nutzen nicht sicher belegt oder die Studienlage uneinheitlich. Schmerzmittel lindern, heilen aber keine überlastete Sehne. Was am verlässlichsten hilft, ist Zeit, angepasste Belastung und geduldiges Training.

Medikamenten-Blickwinkel: wenn die Therapie auf den Ellenbogen geht

Einige Wirkstoffe reizen Sehnen und Gelenke direkt, andere erhöhen die Harnsäure oder schwächen die Abwehr. Beginnen Ellenbogenschmerzen ohne klaren Anlass, lohnt ein Blick auf den Medikationsplan.

Fluorchinolone: Sehnen unter Stress

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wie Levofloxacin oder Ciprofloxacin können Sehnenentzündungen und Sehnenrisse auslösen — am häufigsten an der Achillessehne, aber auch an anderen Sehnen. Die Beschwerden können schon in den ersten Tagen oder noch Monate nach der Einnahme beginnen; besonders gefährdet sind Ältere, Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion und alle, die gleichzeitig Kortison nehmen. Das BfArM hat den Einsatz 2019 per Rote-Hand-Brief deshalb eingeschränkt. Bei ersten Sehnenschmerzen: Belastung meiden und umgehend mit der Praxis sprechen.

Entwässerungsmittel: Gicht im Schleimbeutel

Harntreibende Mittel wie Hydrochlorothiazid oder Furosemid, aber auch niedrig dosiertes ASS und Ciclosporin können die Harnsäure erhöhen und Gichtanfälle begünstigen. Der Schleimbeutel am Ellenbogen ist ein typischer Ort dafür, manchmal bilden sich dort auch tastbare Harnsäureknoten (Tophi). Eine plötzliche, heiße Schwellung unter einem Entwässerungsmittel ist ein Grund, die Harnsäure bestimmen zu lassen — das Mittel selbst setzt du nicht eigenmächtig ab.

Aromatasehemmer, Statine und Gliptine: Gelenke und Muskeln

Aromatasehemmer wie Anastrozol verursachen laut Fachinformation häufig Gelenkschmerzen und Gelenksteifigkeit. Cholesterinsenker wie Atorvastatin lösen gelegentlich Muskelschmerzen und selten Sehnenbeschwerden aus. Für Diabetesmittel aus der Gruppe der Gliptine wie Sitagliptin sind Gelenkschmerzen beschrieben, die sich nach dem Absetzen zurückbilden können. In allen Fällen gilt: nicht selbst absetzen, sondern mit der Praxis klären, ob ein Wechsel infrage kommt.

Immunsuppressiva und Blutverdünner: Entzündung und Bluterguss

Wer Medikamente nimmt, die das Immunsystem dämpfen — etwa Methotrexat, Biologika wie Adalimumab oder Kortison in höherer Dosis —, hat ein höheres Risiko für bakterielle Entzündungen von Schleimbeutel und Gelenk; Fieber kann dabei schwächer ausfallen. Ein roter, heißer Ellenbogen gehört dann besonders zügig ärztlich angesehen. Unter Blutverdünnern wie Apixaban oder Rivaroxaban können Blutergüsse nach einem Stoß deutlich größer ausfallen; eine zunehmende, pralle Schwellung sollte ärztlich beurteilt werden. Wiederholte Kortisonspritzen an dieselbe Stelle können außerdem Haut und Unterhautfett dünner machen und hell verfärben.

Schmerzmittel: lokal vor systemisch, begrenzte Dauer

Bei Tennis- und Golferarm können entzündungshemmende Gele wie Diclofenac kurzfristig lindern und haben deutlich weniger Nebenwirkungen als Tabletten; wie du sie richtig aufträgst, steht im Ratgeber Salben und Cremes richtig auftragen. Tabletten wie Ibuprofen oder Naproxen sind für kurze Zeiträume gedacht: Ohne ärztlichen Rat gilt laut Packungsbeilage in der Regel nicht länger als drei bis vier Tage am Stück. Bei Blutverdünnern, Nierenschwäche oder Magenproblemen ist Vorsicht nötig. Einen Überblick gibt der Schmerzmittel-Vergleich; welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis.

Zusammenhang prüfen, nichts eigenmächtig absetzen Neue Sehnen- oder Gelenkschmerzen nach einem Antibiotikum, unter einem Aromatasehemmer, einem Statin oder nach einer Dosisänderung sind ein Grund, zeitnah mit deiner Praxis zu sprechen. Entwässerungsmittel, Immunsuppressiva oder Blutverdünner auf eigene Faust abzusetzen, kann gefährlicher sein als die Beschwerden selbst.

Statin, Aromatasehemmer — und jetzt der Ellenbogen?

Beschwerden und Einnahmen auf einer Zeitachse — die Grundlage fürs Gespräch mit deiner Praxis.

Verlauf dokumentieren

So beugst du Ellenbogenschmerzen vor

  • Griffe und Haltungen variieren — bei Maus, Werkzeug und Gartengeräten das Handgelenk möglichst gerade halten, dickere Griffe nutzen und regelmäßig Pausen einplanen.
  • Mit dem Handrücken nach unten heben — Lasten nah am Körper tragen und mit nach oben zeigender Handfläche greifen; das entlastet die Sehnenansätze an der Außenseite.
  • Belastung im Sport langsam steigern — Technik und Schlägergriff prüfen lassen, Unterarmmuskeln kräftigen. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Sport.
  • Ellenbogen nicht dauerhaft aufstützen — am Schreibtisch und im Auto die Innenseite entlasten, nachts den Arm möglichst gestreckt lagern; das schont Schleimbeutel und Ellennerv.
  • Kleinkinder nicht an der Hand hochziehen — beim Heben unter den Achseln greifen und beim Spielen nicht an einem Arm schwingen.
  • Medikationsplan aktuell halten — Antibiotika-Kuren, Entwässerungsmittel und Langzeittherapien darin vermerken, damit ein Zusammenhang schneller auffällt.

Schmerzgel und Tabletten — an wie vielen Tagen?

Einnahmen protokolliert, damit die Höchstdauer ohne ärztlichen Rat nicht unbemerkt überschritten wird.

Einnahmen erfassen

Häufige Fragen zu Ellenbogenschmerzen

Typisch ist ein Schmerz am äußeren Knochenvorsprung des Ellenbogens, der beim Greifen, beim Heben einer Tasse mit dem Handrücken nach oben oder beim Händeschütteln einschießt. Druck auf die Stelle tut weh, das Gelenk selbst lässt sich aber normal bewegen. Kribbeln in den Fingern, Schwellung oder eine eingeschränkte Streckung sprechen eher für eine andere Ursache.
Beim Tennisarm sind die Sehnenansätze der Unterarmstrecker an der Außenseite des Ellenbogens überlastet, beim Golferarm die der Beuger an der Innenseite. Der Tennisarm ist deutlich häufiger. Beide entstehen meist durch wiederholte Greif- und Drehbewegungen im Alltag oder Beruf, nicht nur beim Sport.
An der Innenseite des Ellenbogens verläuft der Ellennerv, der Ring- und Kleinfinger versorgt. Bei stark gebeugtem Arm wird er gedehnt und gedrückt. Tritt das Kribbeln häufig auf, besonders nachts, kann ein Kubitaltunnelsyndrom dahinterstecken. Bei anhaltender Taubheit, Schwäche oder Muskelschwund an der Hand sollte der Nerv ärztlich gemessen werden.
Meist ist der Schleimbeutel dort angeschwollen, etwa durch häufiges Aufstützen, einen Stoß oder Gicht. Eine weiche, kaum schmerzhafte Beule ohne Rötung kann zunächst beobachtet und vor Druck geschützt werden. Ist sie rot, heiß und schmerzhaft, besteht eine Wunde darüber oder kommt Fieber hinzu, muss sie noch am selben Tag ärztlich behandelt werden.
Noch am selben Tag nach einem Sturz mit Fehlstellung oder eingeschränkter Streckung, bei einem roten, heißen Ellenbogen, bei einem Knall mit Kraftverlust und wenn ein Kind den Arm nicht mehr benutzt. Zeitnah bei zunehmender Taubheit oder Schwäche der Finger. Bessern sich Überlastungsschmerzen trotz Schonung nach einigen Wochen nicht, ist eine Untersuchung ebenfalls sinnvoll.
Ja. Fluorchinolon-Antibiotika wie Levofloxacin können Sehnen schädigen, Entwässerungsmittel über erhöhte Harnsäure Gicht im Schleimbeutel begünstigen. Aromatasehemmer verursachen häufig Gelenkschmerzen, Statine gelegentlich Muskelschmerzen. Setze nichts eigenmächtig ab, sondern sprich mit deiner Praxis.
Kurzfristig oft ja, die Schmerzen lassen in den ersten Wochen meist nach. Auf längere Sicht schneiden Menschen mit Kortisonspritze in Studien aber nicht besser und teils schlechter ab als beim Abwarten, Rückfälle sind häufiger. Ob eine Spritze in deiner Situation sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Praxis.

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Quellen

  • S2k-Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie u. a., 2019). Abgerufen 2026.
  • S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Kubitaltunnelsyndroms (federführend: Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie, Stand 2017, in Überarbeitung). Abgerufen 2026.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Tennisarm, Gicht, rheumatoide Arthritis. Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Epikondylitis, Bursitis, Kompression des Nervus ulnaris, Ellenbogenbrüche, Subluxation des Radiusköpfchens, Bizepssehnenriss. Abgerufen 2026.
  • BfArM: Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolon-Antibiotika — schwerwiegende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen (2019). Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Levofloxacin, Ciprofloxacin, Hydrochlorothiazid, Anastrozol, Atorvastatin, Sitagliptin, Methotrexat, Diclofenac, Ibuprofen). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests — auch Stuhl-, Mittelfinger- und Ellenbogen-Beuge-Test — sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei Fehlstellung nach einem Sturz, einem roten, heißen Ellenbogen mit Fieber, Armschmerzen mit Brustdruck oder plötzlicher Schwäche einer Körperseite wende dich bitte umgehend an einen Arzt oder den Rettungsdienst unter 112.