Leistenschmerzen: Bruch, Hüfte oder Sportlerleiste?

Auf einen Blick

Die Leiste ist eine KreuzungBauchwand, Hüftgelenk, Muskeln und Sehnen, Lymphknoten, Harnleiter, Nerven und beim Mann der Samenstrang liegen hier dicht beieinander. Entsprechend vielfältig sind die Ursachen — die meisten sind gut behandelbar.
Das Muster verrät vielEine Vorwölbung, die im Liegen verschwindet, spricht für einen Leistenbruch. Tiefer Schmerz beim Anlaufen oder Schuhebinden eher für die Hüfte, Schmerz nach Sprint, Schuss oder Richtungswechsel für Muskeln und Sehnen („Sportlerleiste").
Wo es wehtut, ist nicht immer, wo es herkommtEin Harnleiterstein zieht kolikartig von der Flanke in die Leiste, eine Hüftarthrose strahlt oft bis ins Knie, Hodenschmerzen können in die Leiste ausstrahlen.
Medikamente mitdenkenFluorchinolon-Antibiotika können Sehnen schädigen, Kortison in hoher Dosis über längere Zeit den Hüftkopf, Blutverdünner Einblutungen begünstigen. Unter Bisphosphonaten oder Denosumab gehören neue Leisten- oder Oberschenkelschmerzen ärztlich angesehen.
Sofort abklären lasseneine harte, schmerzhafte Vorwölbung, die sich nicht mehr zurückschieben lässt, womöglich mit Übelkeit und Erbrechen (eingeklemmter Bruch), oder ein plötzlicher, heftiger Hodenschmerz (Hodentorsion) — sofort in die Notaufnahme, bei starken Beschwerden die 112.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheTypischer SchmerzHäufig beiErster Schritt
LeistenbruchZiehen, Druck, Vorwölbung beim Husten oder Heben, im Liegen kleiner oder wegMännern jeden Alters, SäuglingenHausärztlich oder chirurgisch untersuchen lassen
Muskeln und Sehnen („Sportlerleiste")Belastungsabhängig, Druckschmerz an der Oberschenkelinnenseite oder am SchambeinFußball, Eishockey, Sportarten mit RichtungswechselnBelastung anpassen, dann gezielt aufbauen
Hüftgelenk (Arthrose, Impingement)Tief in der Leiste, Anlaufschmerz, beim Drehen, tiefen Sitzen, SchuhebindenArthrose ab mittlerem Alter, Impingement bei jungen AktivenOrthopädisch untersuchen, Röntgen
Geschwollene LymphknotenTastbare, oft druckempfindliche KnotenEntzündungen an Fuß, Bein oder im GenitalbereichUrsache suchen; nach drei Wochen abklären
HarnleitersteinWellenförmige Kolik von der Flanke in Leiste und GenitalbereichErwachsenen, oft wiederkehrendÄrztlich abklären; mit Fieber sofort Notaufnahme
Hoden und SamenstrangHodenschmerz mit Ausstrahlung, bei Torsion plötzlich und heftigTorsion: Jugendlichen und jungen MännernBei plötzlichem Schmerz sofort Notaufnahme
Frauenärztliche UrsachenEinseitig, zyklusabhängig oder in der Schwangerschaft ziehendFrauen im gebärfähigen AlterGynäkologisch abklären; bei Schwangerschaft zügig
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Die Ursachen im Detail

Dieser Beitrag behandelt Schmerzen genau in der Leiste, also am Übergang vom Bauch zum Oberschenkel. Sitzt der Schmerz eher seitlich an der Hüfte oder im Gesäß, hilft der Beitrag zu Hüftschmerzen weiter; kommt er von der Seite des Rückens, der Beitrag zu Flankenschmerzen. Die Erkrankung mit allen Operationsdetails beschreibt der Beitrag zum Leistenbruch.

Leistenbruch: wenn die Bauchwand nachgibt

Beim Leistenbruch (Leistenhernie) schiebt sich Bauchfell — manchmal mit Fett oder einer Darmschlinge — durch eine Schwachstelle der Bauchwand nach außen. Typisch ist eine weiche Vorwölbung, die beim Husten, Pressen oder langen Stehen deutlicher wird und im Liegen verschwindet, dazu Ziehen oder Druck, oft abends stärker. Männer sind deutlich häufiger betroffen. Schenkelbrüche (Femoralhernien) knapp unterhalb der Leiste kommen bei Frauen häufiger vor als bei Männern — sie sind klein, werden leicht übersehen und klemmen häufiger ein.

Beim Erwachsenen heilt ein Bruch nicht von selbst. Bei Männern mit geringen Beschwerden kann laut internationaler Leitlinie kontrolliertes Abwarten vertretbar sein; bei Schmerzen und bei Schenkelbrüchen wird in der Regel operiert. Der erste Schritt ist eine Untersuchung durch Abtasten im Stehen und Liegen, bei Unklarheit ergänzt durch Ultraschall.

Eingeklemmter Bruch: der Notfall

Klemmt der Inhalt des Bruchs in der Lücke ein (Inkarzeration), wird er nicht mehr ausreichend durchblutet. Die Vorwölbung ist dann plötzlich hart, prall und sehr schmerzhaft und lässt sich nicht mehr zurückschieben, die Haut darüber kann sich röten. Oft kommen Übelkeit, Erbrechen, ein geblähter Bauch und ausbleibender Stuhlgang dazu. Das ist ein Notfall für die Notaufnahme. Drücke den Bruch nicht mit Gewalt zurück und iss und trink bis zur ärztlichen Klärung nichts mehr, falls operiert werden muss.

Die Hüfte: Schmerz, der in der Leiste ankommt

Das Hüftgelenk liegt tief unter der Leiste. Hüftschmerz spürt man deshalb oft nicht seitlich, sondern vorn in der Leiste, manchmal bis zum Knie ausstrahlend. Bei der Hüftarthrose (Koxarthrose, siehe Arthrose) sind Anlaufschmerz, Steifheit und Probleme beim Socken- oder Schuheanziehen typisch. Bei jungen, sportlich Aktiven steckt öfter ein Hüftimpingement dahinter (Engpass zwischen Hüftkopf und Pfanne), manchmal mit einem Riss der Gelenklippe (Labrum): Schmerz beim tiefen Beugen oder langen Sitzen, gelegentlich ein Klicken oder Einklemmen.

Seltener, aber wichtig: Bei einer Hüftkopfnekrose stirbt Knochengewebe im Hüftkopf ab, vor allem nach hoch dosiertem Kortison oder viel Alkohol; früh zeigt sie oft nur die MRT. Bei Osteoporose droht nach einem Sturz ein Schenkelhalsbruch, bei sehr hohem Laufpensum ein Ermüdungsbruch. Erster Schritt ist die orthopädische Untersuchung mit Röntgenbild.

Muskeln, Sehnen und die „Sportlerleiste"

Bei Sprints, Schüssen und Richtungswechseln ist die Leiste stark belastet. Am häufigsten sind die Adduktoren (Oberschenkelanzieher) am Schambein gereizt, daneben der Hüftbeuger (Iliopsoas), die Bauchwand am Leistenkanal ohne echten Bruch oder das Schambein selbst. Weil „Sportlerleiste" uneinheitlich verwendet wird, ordnet ein internationaler Expertenkonsens die Beschwerden nach der betroffenen Struktur.

Typisch sind Schmerzen erst nach, später auch während des Sports, ein umschriebener Druckschmerz und Schmerz beim Anspannen gegen Widerstand. Erster Schritt: Belastung anpassen statt ganz pausieren, dann aktiver Aufbau von Adduktoren-, Hüft- und Rumpfmuskulatur, idealerweise physiotherapeutisch begleitet.

Lymphknoten in der Leiste

Die Leistenlymphknoten filtern Lymphe aus Bein, Gesäß, Unterbauch und Genitalbereich. Kleine, weiche, verschiebliche Knoten sind oft tastbar und normal. Schmerzhaft geschwollen sind sie meist bei einer Entzündung im Einzugsgebiet: eine infizierte Wunde am Fuß, ein eingewachsener Zehennagel, Fußpilz mit Hautrissen, eine Wundrose oder eine sexuell übertragbare Infektion. Abklären lassen solltest du harte, feste, schmerzlose oder wachsende Knoten, die länger als drei Wochen bleiben — mehr dazu unter geschwollene Lymphknoten.

Harnleiterstein: Schmerz, der von oben kommt

Wandert ein Nierenstein in den Harnleiter, entsteht eine heftige, wellenförmige Kolik, die von der Flanke in Leiste, Hoden oder Schamlippen ausstrahlt. Betroffene sind unruhig und finden keine bequeme Position, oft mit Übelkeit und Blut im Urin. Kommen Fieber oder Schüttelfrost dazu, staut sich womöglich infizierter Urin — dann gehört das sofort in die Notaufnahme.

Hoden, Samenstrang und Frauenorgane

Bei der Hodentorsion verdreht sich der Hoden am Samenstrang, seine Blutversorgung wird abgeschnürt — vor allem bei Jugendlichen und jungen Männern. Typisch ist ein plötzlicher, heftiger Hodenschmerz mit Ausstrahlung in Leiste und Unterbauch, oft mit Übelkeit. Kinder klagen manchmal nur über Bauch- oder Leistenschmerzen, deshalb gehört bei Jungen immer auch der Hoden angeschaut. Schon nach wenigen Stunden kann der Hoden absterben. Eine Nebenhodenentzündung beginnt dagegen eher schleichend, oft mit Fieber oder Brennen beim Wasserlassen. Hodenkrebs zeigt sich meist als schmerzlose Verhärtung, manchmal mit Schweregefühl bis in die Leiste.

Bei Frauen verursachen in der Schwangerschaft die gedehnten Mutterbänder oft ein harmloses Ziehen in der Leiste. Einseitige Schmerzen können auch von einer Eierstockzyste, einer Endometriose oder einer Eileiterentzündung kommen. Plötzliche, heftige Schmerzen mit Übelkeit (Stieldrehung des Eierstocks) oder starke Schmerzen in der Frühschwangerschaft (Eileiterschwangerschaft) sind Notfälle.

Nerven, Gefäße und Bauchorgane

Nach einer Leistenbruch-Operation kann ein gereizter Nerv anhaltend brennende oder einschießende Schmerzen verursachen. Brennen und Taubheit außen am Oberschenkel sprechen für einen eingeengten Hautnerv unter dem Leistenband (Meralgia paraesthetica), etwa durch enge Hosen oder Übergewicht. Auch die obere Lendenwirbelsäule kann in die Leiste ausstrahlen. Nach einem Herzkatheter über die Leiste sind Blutergüsse häufig, eine pulsierende, wachsende Schwellung muss aber sofort angesehen werden. Und eine Blinddarmentzündung beginnt oft am Nabel und wandert in den rechten Unterbauch.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Tests ersetzen keine Diagnose, sie geben nur eine Richtung vor. Bei plötzlichem, heftigem Hodenschmerz oder einer harten, eingeklemmten Vorwölbung gilt: nicht testen, sondern sofort los.

  • Der Hustentest: Lege im Stehen die Fingerspitzen flach auf die schmerzende Leiste und huste kräftig. Ein spürbarer Anprall oder eine Vorwölbung, die im Liegen wieder verschwindet, spricht für einen Bruch. Drücke dabei nicht fest und schiebe nichts mit Kraft zurück.
  • Der Hüft-Check: Ziehe in Rückenlage das Knie Richtung Brust und drehe es nach innen, sodass der Unterschenkel nach außen wandert. Ein tiefer Leistenschmerz dabei deutet auf das Hüftgelenk.
  • Der Adduktoren-Test: Lege dich mit angewinkelten Beinen auf den Rücken, nimm eine Faust zwischen die Knie und drücke sie kräftig zusammen. Schmerz an der Oberschenkelinnenseite oder am Schambein deutet auf die Adduktoren.
  • Die Druckpunkt-Suche: Wo genau tut es weh? Am Schambein oder Sehnenansatz innen (Muskeln, Sehnen), über dem Leistenkanal (Bruch), an erbsen- bis bohnengroßen, verschieblichen Knoten (Lymphknoten) oder eher an der Flanke (Niere)?
  • Das Belastungsprotokoll: Notiere eine Woche lang, wann der Schmerz kommt: Anlaufschmerz passt zur Hüfte, Schmerz nach dem Sport zu Muskeln und Sehnen, Ziehen abends nach langem Stehen zum Bruch, wellenartige Attacken zum Stein.
  • Die Medikamenten-Zeitachse: Hast du in den vergangenen Wochen ein Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone genommen, nimmst du Kortison, ein Osteoporose-Mittel oder einen Blutverdünner? Notiere Beginn und Dosis.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Eine Vorwölbung, die hart und schmerzhaft wird und sich nicht mehr zurückschieben lässt, vor allem mit Übelkeit, Erbrechen, Blähbauch oder ausbleibendem Stuhlgang
  • Plötzlicher, heftiger Schmerz im Hoden oder Hodensack — bei Kindern auch dann, wenn sie nur über Bauch- oder Leistenschmerzen klagen
  • Kolikartige Schmerzen zusammen mit Fieber oder Schüttelfrost
  • Nach einem Sturz: Das Bein lässt sich nicht belasten, wirkt verkürzt oder nach außen gedreht
  • Starke einseitige Schmerzen in der Frühschwangerschaft oder bei ausgebliebener Regel, besonders mit Blutung oder Schwindel
  • Unter Blutverdünnern oder nach einem Herzkatheter: zunehmende Schwellung, großer Bluterguss, eine pulsierende Beule oder Taubheit und Schwäche im Oberschenkel
  • Harte, feste, wachsende Knoten über drei Wochen, eine heiße, gerötete Schwellung mit Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust
Eingeklemmter Bruch oder Hodentorsion: sofort in die Notaufnahme Eine harte, schmerzhafte, nicht mehr zurückschiebbare Vorwölbung in der Leiste und ein plötzlicher, heftiger Hodenschmerz sind Notfälle, bei denen Stunden zählen: Beim eingeklemmten Bruch droht Darmgewebe abzusterben, bei der Hodentorsion der Hoden. Fahr sofort in die Notaufnahme — und wähle die 112, wenn die Schmerzen sehr stark sind, der Kreislauf schwächelt oder niemand dich fahren kann. Lieber einmal umsonst in der Notaufnahme als einen Hoden verlieren.
Frühschwangerschaft, heftiger Schmerz, Schwindel: 112 Starke einseitige Schmerzen im Unterbauch oder in der Leiste in der Frühschwangerschaft können auf eine Eileiterschwangerschaft hinweisen, vor allem mit Blutung, Schwindel oder Kreislaufschwäche. Wähle die 112. Dasselbe gilt für plötzliche, heftige Schmerzen mit Übelkeit, die an eine Stieldrehung des Eierstocks denken lassen.
Blutverdünner und Leiste: Schwellung ernst nehmen Unter Blutverdünnern kann es auch nach kleinen Stößen oder spontan in den Hüftbeugemuskel oder die Leiste bluten: zunehmender Schmerz, wachsende Schwellung, Taubheit oder Schwäche vorn am Oberschenkel. Das gehört noch am selben Tag ärztlich angesehen. Tipps für den Alltag findest du im Ratgeber Blutverdünner im Alltag.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

Ohne Warnzeichen geht die Abklärung in der Regel vom Einfachen zum Aufwendigen.

  1. Einordnen und dosiert schonen. Ein bis zwei Wochen die Belastung reduzieren, aber nicht komplett ruhen. Bei frischer Sportverletzung in den ersten Tagen kühlen. Parallel ein kurzes Schmerzprotokoll führen.
  2. Hausärztliche Untersuchung. Abtasten im Stehen und Liegen, Hüftbeweglichkeit, beim Mann der Hoden, Lymphknoten, Urinprobe, häufig ein Ultraschall.
  3. Fachärztlich je nach Befund. Bruch: Chirurgie. Hüfte: Orthopädie mit Röntgen, bei unklarem Befund MRT. Stein oder Hoden: Urologie. Einseitige Unterbauchschmerzen bei Frauen: Gynäkologie.
  4. Konservativ behandeln. Bei Sportlerleiste und Hüftimpingement ist ein aktiver, physiotherapeutisch begleiteter Aufbau über mehrere Wochen die Basis, bei Hüftarthrose Bewegung, Kräftigung und — wenn nötig — Gewichtsreduktion.
  5. Operation, wenn nötig. Ein Leistenbruch wird offen oder minimalinvasiv, meist mit Kunststoffnetz, verschlossen. Beim Hüftimpingement kann eine Gelenkspiegelung infrage kommen, bei fortgeschrittener Arthrose ein Gelenkersatz. Ob und wann operiert wird, entscheidet immer die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir.
Ehrlich eingeordnet Ein Bruchband hält einen Bruch nur zurück, es heilt ihn nicht — es ist höchstens eine Übergangslösung, wenn eine Operation nicht möglich ist. Bei der Sportlerleiste ist der Nutzen einer Operation nicht gut belegt, der aktive Muskelaufbau bleibt die Grundlage. Und Bildbefunde brauchen Kontext: Auffälligkeiten in der MRT finden sich auch bei vielen Sportlerinnen und Sportlern ohne Beschwerden.

Medikamenten-Blickwinkel: wenn die Therapie in die Leiste zieht

Einige Medikamente schädigen Sehnen oder Knochen, andere erhöhen das Blutungsrisiko. Beginnen Leistenschmerzen ohne klaren Anlass, lohnt ein Blick auf den Medikationsplan.

Fluorchinolone: Sehnen unter Stress

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone, etwa Ciprofloxacin, Levofloxacin oder Moxifloxacin, können Sehnenentzündungen und Sehnenrisse auslösen — am häufigsten an der Achillessehne, grundsätzlich aber auch an anderen Sehnen. Die Beschwerden können schon in den ersten Tagen, aber auch noch Monate nach Therapieende beginnen. Das Risiko steigt mit dem Alter, unter gleichzeitigem Kortison und bei eingeschränkter Nierenfunktion. Das BfArM hat den Einsatz 2019 deshalb eingeschränkt. Bei ersten Sehnenschmerzen unter einem Fluorchinolon: Belastung meiden und umgehend mit der Praxis sprechen.

Kortison: Hüftkopf und Knochen

Hoch dosiertes oder langfristig eingenommenes Kortison wie Prednisolon gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Hüftkopfnekrose und fördert Osteoporose mit Brüchen am Schenkelhals. Neue, tiefe Leistenschmerzen unter einer Kortisontherapie sollten deshalb früh ärztlich abgeklärt werden, oft mit MRT. Kortison nach längerer Einnahme nie abrupt absetzen — das Ausschleichen plant die Praxis.

Osteoporose-Mittel: ein seltenes, aber bekanntes Warnsignal

Unter Bisphosphonaten wie Alendronsäure und unter Denosumab kann es nach längerer Anwendung selten zu ungewöhnlichen Brüchen des Oberschenkelknochens kommen (atypische Femurfrakturen). Oft gehen ihnen wochenlang Schmerzen in Oberschenkel, Hüfte oder Leiste voraus; die Fachinformationen raten, solche Schmerzen zu melden. Der Nutzen der Therapie überwiegt in der Regel deutlich — gerade Denosumab darf nicht einfach weggelassen werden, weil nach dem Absetzen ohne Anschlussbehandlung vermehrt Wirbelbrüche drohen.

Blutverdünner und Statine

Blutverdünner wie Apixaban, Rivaroxaban oder Phenprocoumon können Einblutungen in die Leiste oder in den Hüftbeugemuskel begünstigen (siehe Warnbox oben). Statine gegen erhöhte Blutfette verursachen gelegentlich Muskelschmerzen, meist beidseitig an Oberschenkeln und Waden. Sehr selten kommt es zu einer ernsten Muskelschädigung mit Schwäche und dunklem Urin — dann sofort ärztlich melden.

Schmerzmittel: begrenzter Nutzen, begrenzte Dauer

Bei Muskelzerrungen oder einem Arthroseschub können entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac kurzfristig helfen. Ohne ärztlichen Rat gilt laut Packungsbeilage in der Regel: nicht länger als drei bis vier Tage am Stück. Zusammen mit Blutverdünnern steigt das Blutungsrisiko, bei Nieren-, Magen- oder Herzproblemen ist Vorsicht nötig. Und ein Bruch, der trotz Tablette zunehmend schmerzt, gehört untersucht. Einen Überblick gibt der Schmerzmittel-Vergleich; welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis.

Zusammenhang prüfen, nichts eigenmächtig absetzen Neue Sehnen- oder Leistenschmerzen nach einem Fluorchinolon, unter Kortison oder unter einem Osteoporose-Mittel sind ein Grund, zeitnah mit deiner Praxis zu sprechen. Setze Kortison, Blutverdünner oder Osteoporose-Therapie aber nicht auf eigene Faust ab — das kann gefährlicher sein als die Nebenwirkung selbst.

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So beugst du Leistenschmerzen vor

  • Adduktoren kräftigen — gezieltes Krafttraining der Oberschenkelanzieher, etwa die sogenannte Kopenhagen-Übung, kann Studien im Fußball zufolge Leistenproblemen vorbeugen. Vor Sprints und Schüssen gut aufwärmen.
  • Belastung langsam steigern — Trainingsumfang und Intensität schrittweise erhöhen, Warnsignale nicht wegtrainieren.
  • Bauchdruck senken — Verstopfung und chronischen Husten behandeln, schwere Lasten aus den Beinen heben und dabei ausatmen, rauchfrei werden.
  • Die Hüfte in Bewegung halten — regelmäßige, gelenkschonende Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen und ein gesundes Gewicht entlasten das Hüftgelenk.
  • Medikationsplan aktuell halten — ein Fluorchinolon oder eine Kortisonkur darin vermerken und Kontrolltermine für Osteoporose-Mittel nicht verpassen.

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Häufige Fragen zu Leistenschmerzen

Häufige Ursachen sind ein Leistenbruch, überlastete Muskeln und Sehnen etwa bei Sportlern und Erkrankungen des Hüftgelenks wie Arthrose. Seltener stecken geschwollene Lymphknoten, ein Harnleiterstein, Erkrankungen von Hoden oder Eierstöcken oder Nervenreizungen dahinter. Auch Medikamente wie Fluorchinolon-Antibiotika oder Kortison können beteiligt sein.
Typisch ist eine weiche Vorwölbung in der Leiste, die beim Husten, Pressen oder Stehen deutlicher wird und im Liegen kleiner wird oder verschwindet. Dazu kommen oft Ziehen oder Druck, besonders abends. Sicher feststellen lässt sich ein Bruch durch Abtasten in der Praxis, bei Unklarheit mit Ultraschall.
Gut möglich. Hüftschmerz wird oft vorn in der Leiste gespürt und kann bis ins Knie ausstrahlen. Typisch für eine Hüftarthrose sind Anlaufschmerz, Steifheit und Probleme beim Schuheanziehen, bei jungen Aktiven eher Schmerzen beim tiefen Beugen. Eine orthopädische Untersuchung mit Röntgen bringt Klarheit.
Der Begriff beschreibt belastungsabhängige Leistenschmerzen bei Sportlern ohne echten Bruch, meist in Sportarten mit Sprints, Schüssen und Richtungswechseln. Oft sind die Adduktoren, der Hüftbeuger, die Bauchwand am Leistenkanal oder das Schambein betroffen. Die Behandlung setzt vor allem auf angepasste Belastung und gezielten Muskelaufbau.
Sofort in die Notaufnahme gehören eine harte, schmerzhafte Vorwölbung, die sich nicht mehr zurückschieben lässt, und ein plötzlicher, heftiger Hodenschmerz. Auch Koliken mit Fieber, starke einseitige Schmerzen in der Frühschwangerschaft und ein nicht belastbares Bein nach einem Sturz sind Notfälle. Bei sehr starken Schmerzen oder Kreislaufproblemen die 112 wählen.
Ja. Fluorchinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin können Sehnen schädigen, langfristiges Kortison erhöht das Risiko einer Hüftkopfnekrose, und Blutverdünner können Einblutungen begünstigen. Unter Bisphosphonaten oder Denosumab sollten neue Leisten- oder Oberschenkelschmerzen gemeldet werden. Setze nichts eigenmächtig ab, sondern sprich mit deiner Praxis.

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Quellen

  • HerniaSurge Group: International guidelines for groin hernia management (Hernia, 2018). Abgerufen 2026.
  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC): S2k-Leitlinie Koxarthrose (2019). Abgerufen 2026.
  • Weir A. et al.: Doha agreement meeting on terminology and definitions in groin pain in athletes (British Journal of Sports Medicine, 2015). Abgerufen 2026.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Leistenbruch, Nierensteine, Hüftarthrose. Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Patientenausgabe: Leisten- und Schenkelhernien, Hodentorsion, Steine im Harntrakt, Eileiterschwangerschaft. Abgerufen 2026.
  • BfArM: Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolon-Antibiotika — schwerwiegende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen (2019). Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Ciprofloxacin, Alendronsäure, Denosumab, Prednisolon). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei einer harten, nicht zurückschiebbaren Vorwölbung, plötzlichem heftigem Hodenschmerz, Koliken mit Fieber oder starken Unterbauchschmerzen in der Schwangerschaft wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder den Rettungsdienst.