Rote Augen: harmlos gereizt oder ein Notfall?

Auf einen Blick

Die meisten roten Augen sind harmlosHäufig stecken eine Bindehautentzündung, trockene Augen, eine Allergie oder ein geplatztes Äderchen dahinter. Sie brennen, jucken oder kratzen — tun aber nicht richtig weh, und das Sehen bleibt klar.
Drei Fragen trennen harmlos von ernstSchmerzt das Auge tief und echt? Ist die Sicht schlechter, auch nach dem Blinzeln? Blendet Licht stark? Jedes „Ja" gehört noch am selben Tag in die Augenarztpraxis.
Ein scharf begrenzter, leuchtend roter Fleckohne Schmerz ist meist ein Hyposphagma, eine Einblutung unter der Bindehaut. Es sieht dramatisch aus, verschwindet aber in der Regel von selbst.
Medikamente mitdenkenGlaukomtropfen wie Latanoprost röten oft die Bindehaut, Blutverdünner fördern Einblutungen, und „Weißmacher"-Tropfen machen die Augen bei Dauergebrauch röter. Topiramat und anticholinerg wirkende Mittel können selten einen Glaukomanfall auslösen.
Sofort abklären lassenplötzlich rotes, stark schmerzendes Auge mit Sehverschlechterung, Farbringen, Kopfschmerz oder Übelkeit; Verätzung (erst spülen, dann 112); Verletzung oder Splitter; rotes Auge unter Kontaktlinsen; rotes Auge bei Neugeborenen oder nach einer Augen-OP.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheSo sieht die Rötung ausWie es sich anfühltTypisches MusterErster Schritt
Bindehautentzündung (infektiös)Flächig, zum Rand hin stärkerFremdkörpergefühl, Brennen, kein echter SchmerzWässrig (Virus) oder eitrig-verklebt (Bakterien), oft erst ein, dann beide AugenHygiene; bei Eiter, Schmerz oder Kontaktlinsen in die Praxis
AllergieBeidseits, oft mit geschwollenen LidernJuckreiz als LeitsymptomSaisonal oder bei Tier-, Milbenkontakt, dazu NiesenAllergen meiden, antiallergische Augentropfen
Trockenes Auge, LidrandentzündungLeicht, beidseits, Lidränder gerötetBrennen, SandkorngefühlAm Bildschirm, in Heizungsluft und abends stärkerBlinzelpausen, Tränenersatz ohne Konservierungsmittel, Lidrandpflege
Hyposphagma (Einblutung)Scharf begrenzter, kräftig roter FleckSchmerzlos, Sicht normalPlötzlich, oft morgens bemerkt, nach Husten, Pressen oder unter BlutverdünnernAbwarten; bei Wiederholung Blutdruck und Gerinnung prüfen lassen
EpiskleritisUmschriebener rosa-roter Bezirk im AugenweißLeichtes DruckgefühlEin Auge, kommt und geht, junge ErwachseneAugenärztliche Abklärung, heilt oft von selbst
Regenbogenhautentzündung (Iritis)Rötung ringförmig um die HornhautDumpfer Schmerz, Lichtscheu, verschwommene SichtMeist ein Auge, gehäuft bei Morbus Bechterew und chronisch-entzündlichen DarmerkrankungenAm selben Tag in die Augenarztpraxis
Akuter GlaukomanfallTiefrot, Hornhaut mattHeftiger Schmerz, Kopfschmerz, Übelkeit, Farbringe um LichterPlötzlich, oft abends oder in dunkler Umgebung, eher ab dem mittleren AlterSofort Augenklinik oder 112
MedikamenteBindehautrötung, Einblutung oder Rebound-RötungJe nach WirkstoffBeginn nach neuen Tropfen oder TablettenMedikationsplan prüfen lassen, nichts eigenmächtig absetzen
Tabelle nach rechts scrollbar

Rote Augen seit den neuen Tropfen?

Augentropfen, Tabletten und Beschwerden nebeneinander dokumentiert — kostenlos in der brite App.

Verlauf starten

Die Ursachen im Detail

Das Augenweiß ist von einer dünnen, durchsichtigen Haut überzogen, der Bindehaut (Konjunktiva). In ihr und in der darunterliegenden Lederhaut (Sklera) verlaufen feine Blutgefäße. Werden sie durch Reizung oder Entzündung weit gestellt, färbt sich das Auge rot; Fachleute sprechen von einer Hyperämie. Ein rotes Auge ist also kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Signal — und die entscheidende Frage ist, ob nur die Oberfläche gereizt ist oder ob tiefere Teile des Auges betroffen sind.

Dieser Beitrag hilft dir bei genau dieser Einordnung: harmlos, zeitnah oder sofort. Die häufigste Einzelursache, die Entzündung der Bindehaut, beschreibt der Beitrag zur Bindehautentzündung ausführlich; stehen Brennen und Sandkorngefühl im Vordergrund, hilft der Beitrag zu trockenen Augen weiter.

Bindehautentzündung durch Viren oder Bakterien

Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) rötet das Auge flächig, meist zum Rand hin stärker als direkt an der Hornhaut. Typisch sind Fremdkörpergefühl, Brennen und Sekret, aber kein tiefer Schmerz, und die Sicht klart beim Blinzeln auf. Viren — oft Adenoviren, manchmal im Rahmen einer Erkältung — machen eher wässriges Sekret; die Entzündung beginnt häufig an einem Auge und springt aufs zweite über. Die sogenannte Keratoconjunctivitis epidemica ist sehr ansteckend und kann sich über mehrere Wochen hinziehen. Bakterien verursachen eher gelblichen Eiter und morgens verklebte Lider. Eine bakterielle Bindehautentzündung heilt bei sonst Gesunden oft innerhalb weniger Tage von selbst ab; antibiotische Tropfen können den Verlauf etwas verkürzen. Erster Schritt: Hände waschen, eigene Handtücher, Augen nicht reiben. Bei Eiter, Schmerz, Sehverschlechterung, Kontaktlinsen oder Beschwerden über mehr als einige Tage gehört das Auge in die Praxis.

Allergie: wenn es vor allem juckt

Bei einer allergischen Bindehautentzündung ist Juckreiz das Leitsymptom. Beide Augen sind gerötet und tränen, die Lider schwellen oft an, dazu kommen Niesen und eine laufende Nase — klassisch beim Heuschnupfen (allergische Rhinitis) in der Pollensaison oder ganzjährig bei Milben- und Tierhaarallergie. Reiben verstärkt den Kreislauf aus Juckreiz und Rötung. Erster Schritt: Allergen meiden, kühle Umschläge, antiallergische Augentropfen aus der Apotheke; bei starken Beschwerden die Allergie ärztlich abklären lassen. Sind auch die Lider dick, hilft der Beitrag zu geschwollenen Augenlidern bei der Einordnung.

Trockenes Auge und Lidrandentzündung

Ist der Tränenfilm instabil, wird die Augenoberfläche ständig leicht gereizt. Die Augen sind dann eher zart gerötet, brennen und fühlen sich sandig an — schlimmer am Bildschirm, in Heizungs- und Klimaluft und gegen Abend. Oft steckt eine chronische Entzündung der Lidränder (Blepharitis) mit verstopften Talgdrüsen dahinter; die Lidränder wirken dann gerötet und verkrustet. Eine Rosazea kann die Augen mitbetreffen, ein Sjögren-Syndrom trocknet zusätzlich den Mund aus. Erster Schritt: Bildschirmpausen, Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe und eine Lidrandpflege mit Wärme.

Hyposphagma: der erschreckende, aber meist harmlose Blutfleck

Platzt ein kleines Gefäß unter der Bindehaut, entsteht ein scharf begrenzter, leuchtend roter Fleck im Augenweiß (Hyposphagma). Er tut nicht weh, das Sehen ist unverändert, und oft fällt er erst beim Blick in den Spiegel oder anderen Menschen auf. Auslöser sind häufig kräftiges Husten, Niesen, Pressen, Erbrechen oder Reiben, manchmal findet sich gar kein Anlass. Blutverdünnende Medikamente und ein hoher Blutdruck begünstigen solche Einblutungen. Das Blut wird in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen abgebaut und färbt sich dabei gelblich. Erster Schritt: Abwarten. Tritt ein Hyposphagma wiederholt auf, nimmst du Gerinnungshemmer oder bist du dir beim Blutdruck unsicher, lass Blutdruck und gegebenenfalls Gerinnung hausärztlich prüfen. Nach einem Schlag aufs Auge oder mit Schmerzen gilt das nicht — dann gehört das Auge in die Augenarztpraxis.

Episkleritis und Skleritis: Entzündung unter der Bindehaut

Bei einer Episkleritis entzündet sich die Gewebeschicht direkt über der Lederhaut. Meist ist ein umschriebener, rosa-roter Bezirk zu sehen, das Auge drückt etwas, schmerzt aber kaum, und die Sicht bleibt gut. Sie betrifft oft junge Erwachsene, kommt und geht und heilt häufig von selbst. Ganz anders die Skleritis, eine Entzündung der Lederhaut selbst: Das Auge ist tief dunkelrot bis bläulich-violett gerötet und schmerzt bohrend, oft bis in Stirn und Kiefer, und der Schmerz weckt nachts. Sie tritt gehäuft bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis auf und braucht rasch eine augenärztliche und meist auch internistisch-rheumatologische Behandlung.

Regenbogenhautentzündung (Iritis, vordere Uveitis)

Bei einer Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis) sitzt die Rötung typischerweise ringförmig um die Hornhaut (ziliare Injektion). Dazu kommen dumpfe Augenschmerzen, deutliche Lichtempfindlichkeit, eine verschwommene Sicht und oft eine kleinere Pupille auf der betroffenen Seite. Meist ist nur ein Auge betroffen. Eine Iritis tritt gehäuft zusammen mit Morbus Bechterew, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung oder Sarkoidose auf. Erster Schritt: noch am selben Tag in die Augenarztpraxis. Unbehandelt drohen Verklebungen in der Pupille und ein erhöhter Augendruck.

Akuter Glaukomanfall: der echte Notfall

Beim akuten Winkelblock wird der Abfluss des Kammerwassers plötzlich versperrt, und der Augendruck steigt innerhalb kurzer Zeit stark an. Das Auge ist tiefrot, die Hornhaut wirkt matt, die Pupille ist mittelweit und reagiert kaum auf Licht. Es kommen heftige Augen- und Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen mit farbigen Ringen um Lichtquellen sowie Übelkeit und Erbrechen hinzu — manchmal so stark, dass zuerst an den Magen gedacht wird. Gefährdet sind vor allem weitsichtige Menschen ab dem mittleren Alter mit enger Augenvorderkammer. Auslöser können Dunkelheit, Stress, pupillenerweiternde Tropfen oder bestimmte Medikamente sein (siehe Medikamenten-Blickwinkel). Mehr zur Erkrankung unter Glaukom. Erster Schritt: sofort Augenklinik oder Notaufnahme — ohne Behandlung kann der Sehnerv innerhalb von Stunden dauerhaft Schaden nehmen.

Hornhaut, Kontaktlinsen, Fremdkörper und Herpes

Ein Kratzer auf der Hornhaut (Erosion), ein Fremdkörper oder eine Hornhautentzündung (Keratitis) machen ein rotes Auge mit echtem Schmerz, Lichtscheu, Tränen und dem Drang, das Auge zuzukneifen. Unter Kontaktlinsen ist eine Keratitis durch Bakterien oder Amöben besonders gefürchtet, weil sie rasch Sehkraft kosten kann — worauf du dabei achten solltest, erklärt der Ratgeber Medikamente und Kontaktlinsen. Herpesviren können die Hornhaut befallen, oft wiederholt am selben Auge; bei Menschen mit Herpes-Neigung ist das ein bekanntes Muster. Bläschen an Stirn, Oberlid oder Nasenspitze zusammen mit einem roten Auge sprechen für eine Gürtelrose im Augenbereich. Erster Schritt: in all diesen Fällen am selben Tag augenärztlich untersuchen lassen; Kontaktlinsen sofort herausnehmen.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Beobachtungen ersetzen keine Diagnose und keine Untersuchung an der Spaltlampe. Sie helfen dir aber, die Dringlichkeit einzuschätzen und in der Praxis gezielt zu berichten.

  • Der Sehtest mit einem Auge: Deck abwechselnd ein Auge ab und lies einen Text in gewohnter Entfernung, mit Brille, falls du eine trägst. Ist die Sicht auf dem roten Auge schlechter und klart sie auch nach kräftigem Blinzeln nicht auf, ist das ein Warnzeichen.
  • Schmerz oder Reizung: Brennen, Jucken und Sandkorngefühl sprechen für die Oberfläche. Ein tiefer, bohrender oder pochender Schmerz, der dich vielleicht sogar nachts weckt, spricht für eine tiefere Ursache.
  • Der Licht-Check: Blendet dich normales Raumlicht so sehr, dass du das Auge zukneifen musst, deutet das auf Hornhaut oder Regenbogenhaut hin — beides gehört am selben Tag in die Praxis.
  • Das Rötungsmuster im Spiegel: Ein scharf begrenzter roter Fleck ohne Schmerz passt zum Hyposphagma. Flächige Rötung, zum Rand hin stärker, passt zur Bindehautentzündung. Ein roter Ring direkt um die Hornhaut ist ein Hinweis auf eine Iritis.
  • Der Pupillenvergleich: Sind beide Pupillen im Spiegel gleich groß und rund? Eine deutlich kleinere, verzogene oder starre mittelweite Pupille auf der roten Seite ist ein Grund für eine sofortige Abklärung.
  • Eins oder beide, Sekret oder nicht: Beide Augen mit Juckreiz sprechen eher für Allergie, beide mit Brennen für Trockenheit. Ein Auge mit Eiter passt eher zu Bakterien. Ein Auge mit Schmerz und ohne Sekret ist verdächtig auf eine tiefere Ursache.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Plötzlich rotes, stark schmerzendes Auge mit Sehverschlechterung, farbigen Ringen um Lichtquellen, Kopfschmerz, Übelkeit oder Erbrechen
  • Chemikalien im Auge, etwa Reiniger, Kalk, Zement oder Laugen
  • Verletzung, Schlag aufs Auge oder Splitter nach Schleifen, Bohren oder Hämmern
  • Rotes, schmerzendes Auge unter Kontaktlinsen, besonders mit Lichtscheu oder einem weißlichen Fleck auf der Hornhaut
  • Deutliche Lichtscheu, Sehverschlechterung oder ungleich große Pupillen
  • Bläschen an Stirn, Oberlid oder Nasenspitze zusammen mit einem roten Auge
  • Rotes, schmerzendes Auge in den ersten Tagen und Wochen nach einer Augenoperation oder einer Spritze ins Auge
  • Geschwollene, gerötete Lider mit Fieber, hervortretendem Auge oder Schmerzen bei Augenbewegungen
  • Rotes, verklebtes Auge bei einem Neugeborenen in den ersten Lebenswochen
Rot, schmerzhaft, schlechtere Sicht: sofort in die Augenklinik Ein plötzlich rotes, stark schmerzendes Auge mit Sehverschlechterung, Farbringen, Kopfschmerz und Übelkeit kann ein akuter Glaukomanfall sein; ein rotes, schmerzendes Auge nach einer Augenoperation kann auf eine Infektion im Augeninneren hinweisen. Beides braucht sofort eine Augenklinik oder Notaufnahme — ist keine erreichbar, wähle die 112. Mehr zur Erkrankung unter Glaukom.
Verätzung: erst spülen, dann 112 Ist eine Chemikalie ins Auge gelangt, spüle es sofort ausgiebig — mindestens zehn Minuten lang — mit viel klarem Wasser, halte das Auge dabei weit offen und entferne Kontaktlinsen. Parallel die 112 rufen lassen und die Verpackung des Stoffs mitnehmen. Laugen wie Kalk oder Zement sind besonders gefährlich.
Kontaktlinse und rotes Auge: heute noch zum Augenarzt Rötung, Schmerz und Lichtscheu unter Kontaktlinsen können eine Hornhautentzündung bedeuten. Linse heraus, nicht wieder einsetzen, Linse und Behälter mitnehmen und noch am selben Tag augenärztlich untersuchen lassen. Bis zur Klärung keine weiteren Linsen tragen.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

  1. Dringlichkeit klären. Gibt es Warnzeichen — Schmerz, schlechtere Sicht, Lichtscheu, Verletzung, Kontaktlinsen, kürzliche Augen-OP? Dann nicht abwarten, sondern direkt in die Augenarztpraxis oder Augenklinik.
  2. Ohne Warnzeichen: Reize reduzieren. Augen nicht reiben, Kontaktlinsen pausieren, kein Augen-Make-up, Bildschirmpausen. Kühle, saubere Kompressen lindern Juckreiz und Schwellung. Bei Verdacht auf Ansteckung Hände waschen und eigene Handtücher nutzen.
  3. Gezielte Selbsthilfe. Bei Trockenheit Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe, bei Allergie antiallergische Augentropfen. Wie du Tropfen sauber anwendest, zeigt der Ratgeber Augentropfen richtig anwenden.
  4. Augenärztlich untersuchen lassen, wenn sich nach einigen Tagen nichts bessert, eitriges Sekret auftritt, die Rötung immer wiederkommt oder nur ein Auge betroffen ist. Die Praxis beurteilt Bindehaut, Hornhaut und Vorderkammer an der Spaltlampe, färbt die Hornhaut mit Fluoreszein an und misst bei Bedarf den Augendruck.
  5. Gezielt behandeln. Antibiotische Tropfen bei bakterieller Infektion, virushemmende Mittel bei Herpes, entzündungshemmende Tropfen bei Iritis oder Episkleritis, drucksenkende Behandlung und Laser beim Glaukomanfall. Bei wiederkehrender Iritis oder Skleritis folgt oft eine rheumatologische oder internistische Suche nach der Grunderkrankung.
  6. Welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir — besonders, wenn schon Dauertropfen oder Medikamente im Spiel sind, die das Auge beeinflussen.
Ehrlich eingeordnet Antibiotische Augentropfen sind bei einer viralen Bindehautentzündung wirkungslos, und auch bei bakterieller Ursache verkürzen sie den Verlauf meist nur etwas. Kortisonhaltige Augentropfen gehören nicht in die Selbstbehandlung: Bei einer Herpesinfektion können sie den Verlauf deutlich verschlimmern, und bei längerer Anwendung erhöhen sie den Augendruck. Und gefäßverengende „Weißmacher"-Tropfen kaschieren die Rötung nur, statt die Ursache zu behandeln.

Medikamenten-Blickwinkel: wenn Tropfen und Tabletten das Auge röten

Glaukomtropfen: Rötung als häufige Nebenwirkung

Prostaglandin-Tropfen wie Latanoprost senken den Augendruck zuverlässig, röten laut Fachinformation aber sehr häufig die Bindehaut, vor allem in den ersten Wochen. Brimonidin kann allergische Bindehautreaktionen auslösen, die sich teils erst nach längerer Anwendung zeigen. Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid reizt die Augenoberfläche bei jahrelanger Anwendung zusätzlich. Häufig gibt es konservierungsmittelfreie Alternativen oder andere Wirkstoffe. Glaukomtropfen setzt du aber nie eigenmächtig ab, denn der Augendruck steigt dann unbemerkt.

„Weißmacher"-Tropfen: der Rebound-Effekt

Gefäßverengende Augentropfen mit Wirkstoffen wie Tetryzolin oder Naphazolin lassen rote Augen für einige Stunden weiß erscheinen. Bei längerem Gebrauch weiten sich die Gefäße nach dem Abklingen umso stärker — das Auge wird röter, und es entsteht ein Kreislauf ähnlich wie bei abschwellenden Nasensprays (siehe Nasenspray-Abhängigkeit). Sie eignen sich deshalb nur für wenige Tage. Bei einem Engwinkelglaukom dürfen sie nicht angewendet werden.

Blutverdünner und das Hyposphagma

Gerinnungshemmer wie Apixaban, Rivaroxaban oder Phenprocoumon sowie Thrombozytenhemmer wie ASS machen Einblutungen unter der Bindehaut wahrscheinlicher. Ein einzelnes Hyposphagma ist kein Grund, die Blutverdünnung zu unterbrechen. Häufen sich die Blutflecken oder kommen andere Blutungszeichen wie Nasen- oder Zahnfleischbluten hinzu, sprich mit deiner Praxis; unter Phenprocoumon gehört dann der INR-Wert kontrolliert. Mehr im Ratgeber Blutverdünner im Alltag.

Medikamente, die einen Glaukomanfall auslösen können

Bei Menschen mit enger Augenvorderkammer können pupillenerweiternde Wirkstoffe einen Winkelblock begünstigen: anticholinerg wirkende Mittel wie Amitriptylin, Blasenmittel wie Oxybutynin, krampflösende Mittel wie Butylscopolamin oder ältere Antihistaminika, außerdem gefäßverengende Wirkstoffe. Einen Überblick über solche Mittel gibt der Ratgeber zur anticholinergen Last. Eine Besonderheit ist Topiramat: Laut Fachinformation kann es — meist im ersten Behandlungsmonat — eine plötzliche Kurzsichtigkeit mit sekundärem Winkelblockglaukom auslösen, oft an beiden Augen. Rote, schmerzende Augen mit verschwommenem Sehen nach Beginn einer solchen Therapie sind ein Notfall.

Weitere Wirkstoffe mit Augenbeteiligung

Isotretinoin trocknet Augen und Lidränder aus und kann Bindehaut- und Lidrandentzündungen fördern. Das Biologikum Dupilumab gegen Neurodermitis verursacht laut Fachinformation häufig eine Bindehautentzündung. Bisphosphonate wie Alendronsäure sind selten mit Entzündungen von Regenbogenhaut oder Lederhaut in Verbindung gebracht worden. Wenn eine Rötung zeitlich zu einem neuen Wirkstoff passt, lohnt sich eine Rücksprache — und ein Blick in den Wechselwirkungs-Check, wenn mehrere Mittel zusammenkommen.

Schmerzmittel: nicht zum Überdecken

Ein schmerzendes rotes Auge ist kein Fall für längere Selbstbehandlung. Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nimmst du ohne ärztlichen Rat in der Regel nicht länger als drei bis vier Tage — und sie können eine ernste Ursache verschleiern. Betäubende Augentropfen gibt es aus gutem Grund nicht zur Selbstbehandlung: Wiederholt angewendet, schädigen sie die Hornhaut. Mehr im Schmerzmittel-Vergleich.

Zusammenhang prüfen, nichts eigenmächtig absetzen Glaukomtropfen, Blutverdünner oder Antiepileptika abzubrechen, kann deutlich mehr schaden als ein rotes Auge. Notiere, wann die Rötung begann und was sich an deiner Medikation geändert hat, und besprich es mit Praxis oder Apotheke. Augentropfen gehören dabei in den Medikationsplan — sie werden dort besonders oft vergessen.

Rote Augen seit dem neuen Medikament?

Einnahmen und Beschwerden im Verlauf machen den zeitlichen Zusammenhang für das Arztgespräch sichtbar.

Verlauf dokumentieren

So beugst du roten Augen vor

  • Hände weg von den Augen — nicht reiben, vor dem Tropfen und dem Einsetzen von Linsen Hände waschen; bei Bindehautentzündung im Umfeld eigene Handtücher nutzen.
  • Kontaktlinsen nach Plan — Tragezeiten einhalten, nicht damit schlafen, nie mit Leitungswasser reinigen, beim Schwimmen nicht tragen, bei Rötung sofort pausieren.
  • Bildschirm und Raumluft — regelmäßig in die Ferne schauen, bewusst blinzeln, lüften, Gebläse nicht ins Gesicht richten.
  • Schutzbrille bei Arbeit und Hobby — beim Schleifen, Bohren, Hämmern, im Garten und beim Umgang mit Reinigern oder Kalk.
  • Blutdruck im Blick — wiederkehrende Einblutungen können ein Hinweis auf einen schlecht eingestellten Bluthochdruck sein.
  • Engen Kammerwinkel kennen — wer weitsichtig ist oder Glaukomfälle in der Familie hat, kann bei der augenärztlichen Kontrolle fragen, ob ein erhöhtes Risiko für einen Winkelblock besteht, und das bei neuen Medikamenten erwähnen.

Augentropfen gehören in den Medikationsplan

Glaukomtropfen, Tränenersatz und Tabletten an einem Ort — mit Einnahme-Erinnerung und Wechselwirkungs-Check.

Medikationsplan anlegen

Häufige Fragen zu roten Augen

Ein Notfall ist ein plötzlich rotes, stark schmerzendes Auge mit schlechterer Sicht, Farbringen um Lichter, Kopfschmerz oder Übelkeit, außerdem jede Verätzung oder Verletzung. Dann sofort in die Augenklinik oder die 112 wählen. Am selben Tag in die Augenarztpraxis gehören rote Augen mit Lichtscheu, unter Kontaktlinsen oder nach einer Augenoperation.
Ein scharf begrenzter roter Fleck ohne Schmerz und ohne Sehstörung ist meist ein Hyposphagma, eine harmlose Einblutung unter der Bindehaut. Das Blut wird in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen abgebaut. Kommt es wiederholt vor oder nimmst du Blutverdünner, sollten Blutdruck und Gerinnung geprüft werden; nach einer Verletzung gehört das Auge in die Praxis.
Durch Viren oder Bakterien ausgelöste Bindehautentzündungen sind ansteckend, manche Virusformen sogar sehr. Gründliches Händewaschen, eigene Handtücher und nicht in die Augen fassen schützen andere. Eine allergische Bindehautentzündung oder ein trockenes Auge ist dagegen nicht ansteckend.
Das hängt von der Ursache ab. Bei Trockenheit helfen Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe, bei Allergie antiallergische Augentropfen. Gefäßverengende Weißmacher-Tropfen kaschieren die Rötung nur und machen die Augen bei längerem Gebrauch röter, deshalb eignen sie sich nur für wenige Tage. Bei Schmerz oder Sehstörung helfen Tropfen aus der Apotheke nicht weiter.
Häufige Gründe sind zu wenig Schlaf, trockene Raumluft, Alkohol am Vorabend, eine Lidrandentzündung oder Hausstaubmilben im Bett. Auch Augen, die nachts nicht ganz geschlossen sind, trocknen aus. Bessert sich die Rötung im Lauf des Tages nicht oder kommt verklebtes Sekret dazu, lohnt eine augenärztliche Untersuchung.
Häufig sind es Glaukomtropfen wie Latanoprost, konservierte Dauertropfen und gefäßverengende Weißmacher-Tropfen im Dauergebrauch. Blutverdünner begünstigen Einblutungen unter der Bindehaut, Isotretinoin trocknet die Augen aus. Selten lösen Topiramat oder anticholinerg wirkende Mittel einen Glaukomanfall aus. Setze nichts eigenmächtig ab, sondern besprich den Zusammenhang mit deiner Praxis.
Nein, besser nicht. Bei geröteten Augen solltest du die Linsen herausnehmen und eine Brille tragen, bis die Augen wieder ruhig sind. Kommen Schmerz, Lichtscheu oder Sehverschlechterung hinzu, kann eine Hornhautentzündung dahinterstecken, die noch am selben Tag augenärztlich untersucht werden sollte.

Augentropfen, Tabletten und Beschwerden im Blick — mit brite

Medikationsplan, Einnahme-Erinnerung und Beschwerdeverlauf an einem Ort. Kostenlos.

Kostenlos starten
brite App

Quellen

  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Bindehautentzündung; Glaukom (Grüner Star). Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Patientenausgabe: Augenrötung; Subkonjunktivale Blutung; Episkleritis und Skleritis; Uveitis; Akutes Winkelblockglaukom. Abgerufen 2026.
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): Leitlinien und Patienteninformationen zu Konjunktivitis, trockenem Auge und Glaukom. Abgerufen 2026.
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Adenovirus-Konjunktivitis (Keratoconjunctivitis epidemica). Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Latanoprost, Brimonidin, Tetryzolin-Augentropfen, Topiramat, Isotretinoin, Dupilumab, Alendronsäure). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests — Sehtest, Licht-Check und Pupillenvergleich — sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei einem plötzlich roten, schmerzenden Auge mit Sehverschlechterung, bei Verätzungen oder Verletzungen, bei Schmerzen unter Kontaktlinsen oder nach einer Augenoperation wende dich bitte umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder den Rettungsdienst.