Steißbeinschmerzen: wenn Sitzen wehtut

Auf einen Blick

Typisches MusterDer Schmerz sitzt ganz unten am Ende der Wirbelsäule, wird beim Sitzen — vor allem zurückgelehnt auf harter Unterlage — stärker und schießt beim Aufstehen kurz ein. Fachleute sprechen von Kokzygodynie.
Häufige Auslösersind ein Sturz auf das Gesäß, langes Sitzen, eine Geburt oder ein übermäßig bewegliches Steißbein. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Oft findet sich auch kein klarer Anlass.
Meist geht es von selbst besserMit Entlastung beim Sitzen, einem Kissen mit Aussparung und Geduld bessern sich die Beschwerden bei den meisten innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten.
Nicht alles ist das SteißbeinEine schmerzhafte Schwellung in der Gesäßfalte spricht für eine Steißbeinfistel; auch Lendenwirbelsäule, Beckenboden und Enddarm können dorthin ausstrahlen. Medikamente, die verstopfen, oder langfristiges Kortison können mitspielen.
Sofort abklären lassenTaubheit im Genital- und Gesäßbereich, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang oder Lähmungen in den Beinen — dann sofort in die Notaufnahme oder 112. Fieber mit heißer, geröteter Schwellung noch am selben Tag in die Praxis.

Die häufigsten Ursachen im Vergleich

UrsacheTypischer SchmerzHäufig beiErster Schritt
Sturz, Prellung oder BruchPlötzlich nach dem Sturz, stark beim Sitzen und AufstehenGlatteis, Treppe, Sport, RutschenSitzen entlasten, bei starkem Schmerz untersuchen lassen
Langes Sitzen, ÜberlastungDumpf, nimmt im Laufe des Sitzens zuBüroarbeit, lange Autofahrten, Radfahren, RudernSitzhaltung und Kissen anpassen, Pausen
Nach der GeburtBeim Sitzen und Stillen, teils beim StuhlgangFrauen nach vaginaler GeburtEntlasten, bei anhaltendem Schmerz gynäkologisch oder orthopädisch
Übermäßig bewegliches SteißbeinSchmerz vor allem beim Hinsetzen und AufstehenÜbergewicht, aber auch sehr schlanken MenschenFunktionsröntgen im Sitzen und Stehen
Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis)Schmerzhafte Schwellung in der Gesäßfalte, evtl. EiterJungen Männern mit kräftiger BehaarungHausärztlich oder chirurgisch, bei Abszess zeitnah
Ausstrahlung von Rücken, Beckenboden, EnddarmDiffus, teils in Gesäß oder Beine, beim StuhlgangRückenproblemen, Verstopfung, HämorrhoidenÄrztliche Untersuchung von Rücken und Enddarm
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Die Ursachen im Detail

Das Steißbein (Os coccygis) ist das unterste Ende der Wirbelsäule: drei bis fünf kleine, verwachsene Wirbel, an denen Bänder, Muskeln des Beckenbodens und der Gesäßmuskel ansetzen. Im Sitzen trägt es einen Teil des Gewichts mit. Dieser Beitrag behandelt Schmerzen genau dort. Zieht der Schmerz eher im unteren Rücken oder strahlt er ins Bein aus, hilft der Beitrag zu Rückenschmerzen weiter; ist er plötzlich beim Bücken eingeschossen, der zum Hexenschuss.

Sturz auf das Gesäß: Prellung, Bruch oder Verrenkung

Der häufigste klar benennbare Auslöser ist ein Sturz auf den Po, etwa auf Glatteis, auf der Treppe oder beim Sport. Das Steißbein kann geprellt, angebrochen oder in seinem Gelenk zum Kreuzbein verschoben sein. Typisch sind starke Schmerzen beim Sitzen und beim Aufstehen, manchmal auch beim Stuhlgang. Selbst ein Bruch heilt in aller Regel ohne Operation; Röntgenbilder ändern an der Behandlung deshalb oft wenig. Die Beschwerden können trotzdem Wochen bis Monate anhalten. Erster Schritt: Sitzen entlasten, Kissen mit Aussparung, bei Bedarf kurzfristig Schmerzmittel.

Langes Sitzen und Überlastung

Wer viel sitzt, vor allem zurückgelehnt oder auf harter Unterlage, belastet das Steißbein dauerhaft. Auch Radfahren mit ungeeignetem Sattel, Rudern oder Reiten kann es reizen. Der Schmerz ist dann eher dumpf, beginnt nach einiger Zeit im Sitzen und lässt beim Gehen oder Stehen nach. Hier helfen Haltung, Sitzpausen und das passende Kissen oft schon deutlich.

Schwangerschaft und Geburt

In der Schwangerschaft lockern Hormone die Bänder im Becken, damit das Kind später durch den Geburtskanal passt. Bei der Geburt weicht das Steißbein nach hinten aus — dabei kann es gestaucht, verschoben oder seltener auch gebrochen werden, besonders bei einer schweren Geburt oder einer Saugglocken- oder Zangengeburt. Steißbeinschmerzen nach der Geburt bessern sich meist innerhalb einiger Wochen. Halten sie über Monate an, lohnt eine gezielte Untersuchung, gegebenenfalls zusammen mit einer Beckenboden-Physiotherapie.

Übermäßig bewegliches Steißbein

Bei manchen Betroffenen kippt das Steißbein beim Hinsetzen zu weit nach vorn oder hinten oder verrutscht leicht in seinem Gelenk (Instabilität, Subluxation). Das zeigt sich nicht im normalen Röntgenbild im Liegen, sondern erst im Vergleich von Aufnahmen im Sitzen und im Stehen (Funktionsröntgen). Übergewicht begünstigt diese Form, weil das Becken beim Sitzen anders abrollt und das Steißbein mehr Last trägt. Bei sehr schlanken Menschen oder nach starker Gewichtsabnahme fehlt dagegen oft das schützende Polster.

Steißbeinfistel: Entzündung in der Gesäßfalte

Die Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) betrifft nicht den Knochen, sondern die Haut darüber: In der Gesäßfalte bohren sich abgebrochene Haare in die Haut und lösen eine chronische Entzündung mit kleinen Gängen aus. Typisch sind kleine Hautgrübchen, eine schmerzhafte, gerötete Schwellung oberhalb des Steißbeins und manchmal Eiter- oder Blutabsonderung. Betroffen sind vor allem junge Männer mit kräftiger Körperbehaarung, oft nach viel Sitzen. Ein Abszess muss in der Regel chirurgisch eröffnet werden; die eigentliche Fistel wird bei Beschwerden nach aktueller Leitlinie operativ behandelt, wobei heute möglichst kleine, gewebeschonende Verfahren bevorzugt werden.

Ausstrahlende Schmerzen: Rücken, Beckenboden und Enddarm

Schmerzen im Steißbeinbereich kommen nicht immer vom Steißbein selbst. Die Lendenwirbelsäule, ein Bandscheibenvorfall oder eine Reizung der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke können dorthin ausstrahlen — entzündliche Rückenschmerzen, die nachts und morgens am schlimmsten sind und sich bei Bewegung bessern, passen zum Morbus Bechterew. Ein verspannter Beckenboden verursacht dumpfe Schmerzen und Druck tief im Becken. Erkrankungen am Enddarm wie Hämorrhoiden, ein Einriss am After oder ein Abszess machen Schmerzen vor allem beim und nach dem Stuhlgang. Bei Frauen können zyklusabhängige Schmerzen tief im Becken auch auf eine Endometriose hinweisen; mehr dazu unter Unterleibsschmerzen.

Seltene, ernste Ursachen

Selten stecken ein Tumor des Kreuz- oder Steißbeins, Absiedlungen einer Krebserkrankung oder eine Knochenentzündung dahinter. Bei älteren Menschen mit Osteoporose kann schon ein leichter Sturz einen Ermüdungsbruch des Kreuzbeins verursachen, der sich als tiefer Schmerz im Gesäß oder am unteren Rücken bemerkbar macht. Hinweise auf solche Ursachen sind Schmerzen, die auch in Ruhe und nachts stark sind, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder eine bekannte Krebserkrankung.


Selbsttests: erste Hinweise für zu Hause

Diese Tests ersetzen keine Diagnose, sie geben nur eine Richtung vor. Bei Taubheit im Genitalbereich, Problemen mit Blase oder Darm oder Schwäche in den Beinen gilt: nicht testen, sondern sofort in die Notaufnahme.

  • Der Aufsteh-Test: Achte darauf, wann es am meisten wehtut. Ein kurzer, stechender Schmerz genau im Moment des Aufstehens nach längerem Sitzen ist sehr typisch für das Steißbein selbst.
  • Der Vorbeuge-Test: Setz dich aufrecht hin und beuge dich dann leicht nach vorn oder verlagere das Gewicht auf eine Gesäßhälfte. Lässt der Schmerz deutlich nach, wird das Steißbein entlastet — ein weiterer Hinweis auf eine Kokzygodynie.
  • Die Druckpunkt-Suche: Tastet sich der Schmerz genau an der Spitze des Steißbeins? Dann ist der Knochen wahrscheinlich die Quelle. Ist eher die Haut in der Gesäßfalte darüber geschwollen, gerötet oder sind dort kleine Grübchen zu sehen, spricht das für eine Steißbeinfistel.
  • Der Ausstrahlungs-Check: Zieht der Schmerz in Gesäß und Bein, verstärkt er sich beim Husten oder Bücken oder kribbelt es im Bein? Dann ist eher die Lendenwirbelsäule beteiligt.
  • Das Toiletten-Protokoll: Schmerzen beim Stuhlgang können vom Steißbein kommen, aber auch vom Enddarm. Notiere, ob du pressen musst, ob Blut am Papier ist und ob der Schmerz nach dem Stuhlgang anhält.
  • Die Medikamenten-Zeitachse: Nimmst du Mittel, die verstopfen können — etwa starke Schmerzmittel, Eisen oder bestimmte Antidepressiva — oder seit Längerem Kortison? Notiere Beginn und Dosis.

Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

  • Taubheit oder Gefühlsstörung im Genital-, Damm- und Gesäßbereich („Reithosen-Taubheit")
  • Neu aufgetretene Probleme beim Wasserlassen, Harnverhalt oder Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
  • Schwäche oder Lähmung in einem oder beiden Beinen
  • Fieber zusammen mit einer heißen, geröteten, stark schmerzenden Schwellung in der Gesäßfalte oder am After
  • Starke Schmerzen nach einem Sturz bei Osteoporose oder langjähriger Kortisontherapie
  • Schmerzen in Ruhe und nachts, ungewollter Gewichtsverlust oder eine bekannte Krebserkrankung
  • Blut im Stuhl oder veränderte Stuhlgewohnheiten über mehrere Wochen
Taubheit im Intimbereich oder Blasenprobleme: sofort in die Notaufnahme Taubheit zwischen den Beinen, im Genital- oder Gesäßbereich, plötzliche Probleme beim Wasserlassen oder mit dem Stuhlgang und Schwäche in den Beinen können auf eine Einklemmung der Nervenfasern am Ende des Rückenmarkskanals hinweisen (Kauda-Syndrom). Das ist ein Notfall, bei dem Stunden zählen. Fahr sofort in die Notaufnahme oder wähle die 112.
Heiße Schwellung mit Fieber: noch am selben Tag Eine pralle, heiße, gerötete und stark schmerzende Schwellung in der Gesäßfalte oder neben dem After, vor allem mit Fieber, kann ein Abszess sein. Er heilt in der Regel nicht von selbst und gehört noch am selben Tag ärztlich angesehen — abends und am Wochenende über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Nicht selbst aufdrücken.

Der Behandlungspfad: Schritt für Schritt

Ohne Warnzeichen wird in der Regel zuerst konservativ behandelt — und das reicht bei den meisten Betroffenen.

  1. Entlasten im Alltag. Sitzzeiten unterbrechen, aufrecht oder leicht nach vorn geneigt sitzen statt zurückgelehnt, weiche Unterlage. Ein Keilkissen mit Aussparung hinten entlastet das Steißbein meist besser als ein runder Sitzring. Wärme kann verspannte Muskeln lösen, Kühlung tut manchen in den ersten Tagen nach einem Sturz gut.
  2. Stuhlgang weich halten. Pressen verstärkt den Schmerz. Ballaststoffe, ausreichend Trinken und gegebenenfalls ein mildes Abführmittel wie Macrogol nach Rücksprache helfen, wenn eine Verstopfung mitspielt.
  3. Hausärztliche Untersuchung. Wenn die Schmerzen nach einigen Wochen nicht besser werden: Abtasten von Steißbein, Gesäßfalte und Rücken, oft auch eine Tastuntersuchung des Enddarms, bei der sich das Steißbein von innen beurteilen lässt. Bildgebung ist vor allem nach Stürzen, bei Warnzeichen oder bei Verdacht auf ein instabiles Steißbein sinnvoll.
  4. Physiotherapie und manuelle Behandlung. Entspannung und Training des Beckenbodens, Dehnung der umliegenden Muskeln und manuelle Techniken — teils auch von innen über den Enddarm — können helfen. Die Studienlage ist überschaubar, viele Betroffene profitieren aber.
  5. Spritzen und Operation als letzte Stufe. Bei hartnäckigen Beschwerden kann eine Injektion mit örtlichem Betäubungsmittel und Kortison an das Steißbein oder an ein Nervengeflecht davor versucht werden. Eine operative Entfernung des Steißbeins kommt nur für ausgewählte Betroffene nach vielen Monaten erfolgloser Behandlung infrage. Ob und wann ein Eingriff sinnvoll ist, entscheidet immer die behandelnde Praxis gemeinsam mit dir.
Ehrlich eingeordnet Gute Studien zu Steißbeinschmerzen sind rar; viele Empfehlungen beruhen auf Erfahrung und kleinen Untersuchungen. Die gute Nachricht: Der natürliche Verlauf ist bei den meisten günstig. Geduld, konsequentes Entlasten beim Sitzen und ein gezieltes Übungsprogramm sind deshalb die Basis — teure Spezialkissen oder Geräte sind dafür nicht nötig.

Medikamenten-Blickwinkel: Knochen, Verstopfung und Schmerzmittel

Medikamente lösen Steißbeinschmerzen selten direkt aus, können sie aber begünstigen oder verstärken. Ein Blick auf den Medikationsplan lohnt besonders, wenn die Schmerzen ohne Sturz begonnen haben.

Mittel, die verstopfen

Starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide wie Tramadol oder Oxycodon, Eisenpräparate, manche Antidepressiva und Mittel gegen Blasenschwäche mit anticholinerger Wirkung machen den Stuhl hart. Pressen auf der Toilette verstärkt dann den Steißbeinschmerz und begünstigt Hämorrhoiden und Einrisse am After. Bei Opioiden wird deshalb häufig von Anfang an ein Abführmittel mitverordnet.

Kortison und Osteoporose

Eine langfristige Behandlung mit Kortison wie Prednisolon gehört zu den wichtigsten Ursachen einer medikamentös bedingten Osteoporose. Dann können schon leichte Stürze das Kreuzbein brechen lassen. Neue, tiefe Schmerzen im Gesäß- und Kreuzbeinbereich unter Kortison gehören deshalb ärztlich abgeklärt. Welche weiteren Wirkstoffe die Knochen schwächen, erklärt der Ratgeber Medikamente und Osteoporose-Risiko. Kortison nach längerer Einnahme nie abrupt absetzen — das Ausschleichen plant die Praxis.

Blutverdünner und starke Gewichtsabnahme

Unter Blutverdünnern kann ein Sturz auf das Gesäß einen großen Bluterguss verursachen, der zusätzlich drückt. Wer stark abnimmt, etwa unter einer Abnehmspritze, verliert auch Polster am Gesäß — manche spüren das Steißbein dann beim Sitzen deutlicher. Das ist kein Grund, die Therapie infrage zu stellen, aber ein Grund, die Sitzunterlage anzupassen.

Schmerzmittel: begrenzter Nutzen, begrenzte Dauer

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen können in den ersten Tagen nach einem Sturz oder bei einem Schmerzschub helfen. Ohne ärztlichen Rat gilt laut Packungsbeilage in der Regel: nicht länger als drei bis vier Tage am Stück. Zusammen mit Blutverdünnern steigt das Blutungsrisiko, bei Nieren-, Magen- oder Herzproblemen ist Vorsicht nötig. In der Schwangerschaft sind Ibuprofen und verwandte Mittel im letzten Drittel tabu und sollten auch vorher nur nach Rücksprache eingenommen werden — mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft. Einen Überblick gibt der Schmerzmittel-Vergleich; welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis.

Nichts eigenmächtig absetzen Wenn du vermutest, dass ein Medikament über Verstopfung oder schwächere Knochen zu deinen Beschwerden beiträgt, sprich mit deiner Praxis. Opioide, Kortison und Blutverdünner solltest du nicht auf eigene Faust absetzen — oft lässt sich mit einem Abführmittel, einem Knochenschutz oder einer Umstellung gegensteuern. Kombinationen kannst du mit dem Wechselwirkungs-Check vorab prüfen.

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Medikationsplan anlegen

So beugst du Steißbeinschmerzen vor

  • Aufrecht sitzen, oft aufstehen — nicht zurückgelehnt auf dem Steißbein sitzen, Sitzzeiten regelmäßig unterbrechen und Arbeiten im Stehen einplanen.
  • Passende Unterlage — auf harten Stühlen, im Auto und auf Reisen ein Kissen mit Aussparung nutzen; beim Radfahren auf einen gut eingestellten Sattel achten.
  • Verstopfung vermeiden — Ballaststoffe, ausreichend Flüssigkeit und Bewegung halten den Stuhl weich und ersparen dem Steißbein das Pressen.
  • Stürze vermeiden — rutschfeste Schuhe im Winter, gute Beleuchtung auf Treppen und Gleichgewichtstraining im Alter senken das Risiko für Stürze auf das Gesäß.
  • Gesäßfalte pflegen — bei Neigung zur Steißbeinfistel kann eine Haarentfernung in der Gesäßfalte Rückfällen vorbeugen; frag dazu deine chirurgische Praxis.

Abführmittel zum Opioid nicht vergessen?

Erinnerungen für alle Mittel an einem Ort — damit die Begleitmedikation nicht untergeht.

Erinnerung einrichten

Häufige Fragen zu Steißbeinschmerzen

Häufige Auslöser sind ein Sturz auf das Gesäß, langes Sitzen auf harter Unterlage, eine Geburt oder ein übermäßig bewegliches Steißbein. Oft findet sich auch kein klarer Anlass. Daneben können eine Steißbeinfistel in der Gesäßfalte, Probleme der Lendenwirbelsäule, ein verspannter Beckenboden oder Erkrankungen am Enddarm Schmerzen in dieser Region verursachen.
Eine Prellung bessert sich oft innerhalb weniger Wochen, ein Bruch kann einige Wochen bis wenige Monate Beschwerden machen. Auch ein gebrochenes Steißbein heilt in der Regel ohne Operation. Werden die Schmerzen nach einigen Wochen nicht besser oder sind sie sehr stark, solltest du dich untersuchen lassen.
Häufig empfohlen wird ein Keilkissen mit Aussparung im hinteren Bereich, sodass das Steißbein beim Sitzen frei bleibt. Ein runder Sitzring entlastet das Steißbein oft weniger gut. Genauso wichtig sind eine aufrechte oder leicht nach vorn geneigte Sitzhaltung und regelmäßige Pausen.
Eine Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) ist eine chronische Entzündung der Haut in der Gesäßfalte, ausgelöst durch eingewachsene Haare. Typisch sind kleine Hautgrübchen, eine schmerzhafte Schwellung und manchmal Eiter. Betroffen sind vor allem junge Männer. Ein Abszess wird chirurgisch eröffnet, die Fistel in der Regel operativ entfernt.
Beim Aufstehen ziehen Muskeln und Bänder, die am Steißbein ansetzen, an dem Knochen und bewegen ihn. Ist das Steißbein gereizt, verletzt oder übermäßig beweglich, entsteht dabei ein kurzer, stechender Schmerz. Dieses Muster ist sehr typisch für Steißbeinschmerzen und spricht eher gegen eine Ursache an der Wirbelsäule.
In den allermeisten Fällen nicht. Sofort in die Notaufnahme solltest du aber bei Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich, Problemen mit Blase oder Darm oder Schwäche in den Beinen. Fieber mit heißer Schwellung, Schmerzen in Ruhe und nachts, ungewollter Gewichtsverlust oder eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte sind ebenfalls Gründe für eine zeitnahe Abklärung.
Die erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Je nach Befund geht es weiter in die Orthopädie, bei einer Steißbeinfistel in die Chirurgie oder Proktologie, bei Beschwerden am Enddarm in die Proktologie und nach einer Geburt gegebenenfalls in die Gynäkologie. Für hartnäckige Schmerzen gibt es spezialisierte Schmerzambulanzen.

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Quellen

  • S3-Leitlinie Sinus pilonidalis (Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie, DGK, Version 2026). Abgerufen 2026.
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz (BÄK, KBV, AWMF, 2. Auflage 2017). Abgerufen 2026.
  • Lirette L. S. et al.: Coccydynia: An Overview of the Anatomy, Etiology, and Treatment of Coccyx Pain (The Ochsner Journal, 2014). Abgerufen 2026.
  • MSD Manual, Patientenausgabe: Kokzygodynie, Pilonidalerkrankung, Kauda-equina-Syndrom. Abgerufen 2026.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und gesund.bund.de: Steißbeinfistel, Kreuzschmerzen, Osteoporose. Abgerufen 2026.
  • Fachinformationen der genannten Wirkstoffe (u. a. Ibuprofen, Naproxen, Tramadol, Prednisolon, Macrogol). Abgerufen 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich, Problemen mit Blase oder Darm, Schwäche in den Beinen oder Fieber mit heißer Schwellung wende dich bitte umgehend an deine Arztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder den Rettungsdienst (112).