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Sarah K., 34
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Medizinisch geprüfter Ratgeber · Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 10 Min.
Auf einen Blick
| Ursache | Typischer Schmerz | Häufig bei | Erster Schritt |
|---|---|---|---|
| Sturz, Prellung oder Bruch | Plötzlich nach dem Sturz, stark beim Sitzen und Aufstehen | Glatteis, Treppe, Sport, Rutschen | Sitzen entlasten, bei starkem Schmerz untersuchen lassen |
| Langes Sitzen, Überlastung | Dumpf, nimmt im Laufe des Sitzens zu | Büroarbeit, lange Autofahrten, Radfahren, Rudern | Sitzhaltung und Kissen anpassen, Pausen |
| Nach der Geburt | Beim Sitzen und Stillen, teils beim Stuhlgang | Frauen nach vaginaler Geburt | Entlasten, bei anhaltendem Schmerz gynäkologisch oder orthopädisch |
| Übermäßig bewegliches Steißbein | Schmerz vor allem beim Hinsetzen und Aufstehen | Übergewicht, aber auch sehr schlanken Menschen | Funktionsröntgen im Sitzen und Stehen |
| Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) | Schmerzhafte Schwellung in der Gesäßfalte, evtl. Eiter | Jungen Männern mit kräftiger Behaarung | Hausärztlich oder chirurgisch, bei Abszess zeitnah |
| Ausstrahlung von Rücken, Beckenboden, Enddarm | Diffus, teils in Gesäß oder Beine, beim Stuhlgang | Rückenproblemen, Verstopfung, Hämorrhoiden | Ärztliche Untersuchung von Rücken und Enddarm |
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Das Steißbein (Os coccygis) ist das unterste Ende der Wirbelsäule: drei bis fünf kleine, verwachsene Wirbel, an denen Bänder, Muskeln des Beckenbodens und der Gesäßmuskel ansetzen. Im Sitzen trägt es einen Teil des Gewichts mit. Dieser Beitrag behandelt Schmerzen genau dort. Zieht der Schmerz eher im unteren Rücken oder strahlt er ins Bein aus, hilft der Beitrag zu Rückenschmerzen weiter; ist er plötzlich beim Bücken eingeschossen, der zum Hexenschuss.
Der häufigste klar benennbare Auslöser ist ein Sturz auf den Po, etwa auf Glatteis, auf der Treppe oder beim Sport. Das Steißbein kann geprellt, angebrochen oder in seinem Gelenk zum Kreuzbein verschoben sein. Typisch sind starke Schmerzen beim Sitzen und beim Aufstehen, manchmal auch beim Stuhlgang. Selbst ein Bruch heilt in aller Regel ohne Operation; Röntgenbilder ändern an der Behandlung deshalb oft wenig. Die Beschwerden können trotzdem Wochen bis Monate anhalten. Erster Schritt: Sitzen entlasten, Kissen mit Aussparung, bei Bedarf kurzfristig Schmerzmittel.
Wer viel sitzt, vor allem zurückgelehnt oder auf harter Unterlage, belastet das Steißbein dauerhaft. Auch Radfahren mit ungeeignetem Sattel, Rudern oder Reiten kann es reizen. Der Schmerz ist dann eher dumpf, beginnt nach einiger Zeit im Sitzen und lässt beim Gehen oder Stehen nach. Hier helfen Haltung, Sitzpausen und das passende Kissen oft schon deutlich.
In der Schwangerschaft lockern Hormone die Bänder im Becken, damit das Kind später durch den Geburtskanal passt. Bei der Geburt weicht das Steißbein nach hinten aus — dabei kann es gestaucht, verschoben oder seltener auch gebrochen werden, besonders bei einer schweren Geburt oder einer Saugglocken- oder Zangengeburt. Steißbeinschmerzen nach der Geburt bessern sich meist innerhalb einiger Wochen. Halten sie über Monate an, lohnt eine gezielte Untersuchung, gegebenenfalls zusammen mit einer Beckenboden-Physiotherapie.
Bei manchen Betroffenen kippt das Steißbein beim Hinsetzen zu weit nach vorn oder hinten oder verrutscht leicht in seinem Gelenk (Instabilität, Subluxation). Das zeigt sich nicht im normalen Röntgenbild im Liegen, sondern erst im Vergleich von Aufnahmen im Sitzen und im Stehen (Funktionsröntgen). Übergewicht begünstigt diese Form, weil das Becken beim Sitzen anders abrollt und das Steißbein mehr Last trägt. Bei sehr schlanken Menschen oder nach starker Gewichtsabnahme fehlt dagegen oft das schützende Polster.
Die Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) betrifft nicht den Knochen, sondern die Haut darüber: In der Gesäßfalte bohren sich abgebrochene Haare in die Haut und lösen eine chronische Entzündung mit kleinen Gängen aus. Typisch sind kleine Hautgrübchen, eine schmerzhafte, gerötete Schwellung oberhalb des Steißbeins und manchmal Eiter- oder Blutabsonderung. Betroffen sind vor allem junge Männer mit kräftiger Körperbehaarung, oft nach viel Sitzen. Ein Abszess muss in der Regel chirurgisch eröffnet werden; die eigentliche Fistel wird bei Beschwerden nach aktueller Leitlinie operativ behandelt, wobei heute möglichst kleine, gewebeschonende Verfahren bevorzugt werden.
Schmerzen im Steißbeinbereich kommen nicht immer vom Steißbein selbst. Die Lendenwirbelsäule, ein Bandscheibenvorfall oder eine Reizung der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke können dorthin ausstrahlen — entzündliche Rückenschmerzen, die nachts und morgens am schlimmsten sind und sich bei Bewegung bessern, passen zum Morbus Bechterew. Ein verspannter Beckenboden verursacht dumpfe Schmerzen und Druck tief im Becken. Erkrankungen am Enddarm wie Hämorrhoiden, ein Einriss am After oder ein Abszess machen Schmerzen vor allem beim und nach dem Stuhlgang. Bei Frauen können zyklusabhängige Schmerzen tief im Becken auch auf eine Endometriose hinweisen; mehr dazu unter Unterleibsschmerzen.
Selten stecken ein Tumor des Kreuz- oder Steißbeins, Absiedlungen einer Krebserkrankung oder eine Knochenentzündung dahinter. Bei älteren Menschen mit Osteoporose kann schon ein leichter Sturz einen Ermüdungsbruch des Kreuzbeins verursachen, der sich als tiefer Schmerz im Gesäß oder am unteren Rücken bemerkbar macht. Hinweise auf solche Ursachen sind Schmerzen, die auch in Ruhe und nachts stark sind, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder eine bekannte Krebserkrankung.
Diese Tests ersetzen keine Diagnose, sie geben nur eine Richtung vor. Bei Taubheit im Genitalbereich, Problemen mit Blase oder Darm oder Schwäche in den Beinen gilt: nicht testen, sondern sofort in die Notaufnahme.
Ohne Warnzeichen wird in der Regel zuerst konservativ behandelt — und das reicht bei den meisten Betroffenen.
Medikamente lösen Steißbeinschmerzen selten direkt aus, können sie aber begünstigen oder verstärken. Ein Blick auf den Medikationsplan lohnt besonders, wenn die Schmerzen ohne Sturz begonnen haben.
Starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide wie Tramadol oder Oxycodon, Eisenpräparate, manche Antidepressiva und Mittel gegen Blasenschwäche mit anticholinerger Wirkung machen den Stuhl hart. Pressen auf der Toilette verstärkt dann den Steißbeinschmerz und begünstigt Hämorrhoiden und Einrisse am After. Bei Opioiden wird deshalb häufig von Anfang an ein Abführmittel mitverordnet.
Eine langfristige Behandlung mit Kortison wie Prednisolon gehört zu den wichtigsten Ursachen einer medikamentös bedingten Osteoporose. Dann können schon leichte Stürze das Kreuzbein brechen lassen. Neue, tiefe Schmerzen im Gesäß- und Kreuzbeinbereich unter Kortison gehören deshalb ärztlich abgeklärt. Welche weiteren Wirkstoffe die Knochen schwächen, erklärt der Ratgeber Medikamente und Osteoporose-Risiko. Kortison nach längerer Einnahme nie abrupt absetzen — das Ausschleichen plant die Praxis.
Unter Blutverdünnern kann ein Sturz auf das Gesäß einen großen Bluterguss verursachen, der zusätzlich drückt. Wer stark abnimmt, etwa unter einer Abnehmspritze, verliert auch Polster am Gesäß — manche spüren das Steißbein dann beim Sitzen deutlicher. Das ist kein Grund, die Therapie infrage zu stellen, aber ein Grund, die Sitzunterlage anzupassen.
Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen können in den ersten Tagen nach einem Sturz oder bei einem Schmerzschub helfen. Ohne ärztlichen Rat gilt laut Packungsbeilage in der Regel: nicht länger als drei bis vier Tage am Stück. Zusammen mit Blutverdünnern steigt das Blutungsrisiko, bei Nieren-, Magen- oder Herzproblemen ist Vorsicht nötig. In der Schwangerschaft sind Ibuprofen und verwandte Mittel im letzten Drittel tabu und sollten auch vorher nur nach Rücksprache eingenommen werden — mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft. Einen Überblick gibt der Schmerzmittel-Vergleich; welche Behandlung passt, entscheidet immer die behandelnde Praxis.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Selbsttests sind eine Orientierung und keine Diagnose. Bei Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich, Problemen mit Blase oder Darm, Schwäche in den Beinen oder Fieber mit heißer Schwellung wende dich bitte umgehend an deine Arztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder den Rettungsdienst (112).