Hohes Cholesterin und Fettstoffwechselstörung:
Ursachen, Risiko & moderne Therapie

Auf einen Blick

HäufigkeitErhöhtes LDL-Cholesterin betrifft einen großen Anteil der Erwachsenen in Deutschland — viele wissen nichts davon
Warum wichtigErhöhtes LDL-Cholesterin ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall
SchlüsselwertLDL-Cholesterin (Low-Density Lipoprotein) — je niedriger, desto besser für das Herz-Kreislauf-Risiko
TherapieLebensstiländerung + Statine als Erstlinientherapie, ggf. Ezetimib, Bempedoinsäure, PCSK9-Hemmer
LeitlinieESC/EAS 2025 Focused Update Dyslipidämie
ICD-10E78 (Störungen des Lipoproteinstoffwechsels)

1. Was ist hohes Cholesterin?

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Bestandteil jeder Körperzelle. Der Körper stellt den Großteil selbst her, ein Teil wird über die Nahrung aufgenommen. Problematisch wird es, wenn das LDL-Cholesterin (umgangssprachlich: schlechtes Cholesterin) dauerhaft erhöht ist — denn LDL lagert sich in den Gefäßwänden ab und fördert Atherosklerose (Gefäßverkalkung).¹

Erhöhtes LDL-Cholesterin ist einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Evidenz dafür ist nach aktuellem Wissensstand eindeutig: Je niedriger das LDL-Cholesterin, desto geringer das Risiko — die ESC/EAS-Leitlinie (Focused Update 2025) formuliert es als Grundprinzip.¹

Gut behandelbar — auch ohne Symptome Hohes Cholesterin lässt sich in der Regel gut behandeln — durch eine Kombination aus Lebensstiländerung und Medikamenten. Da die Erkrankung lange keine Beschwerden verursacht, ist die regelmäßige Kontrolle der Werte besonders wichtig.

2. LDL, HDL, Triglyzeride — was bedeuten die Werte?

  • LDL-Cholesterin: Transportiert Cholesterin in die Gefäße und lagert es dort ab. Erhöhte Werte fördern Atherosklerose. Der wichtigste Zielwert der Therapie.¹
  • HDL-Cholesterin: Transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber (Schutzfunktion). Niedrige Werte gelten als Risikofaktor. Es gibt aber nach aktuellem Wissensstand kein Medikament, das durch HDL-Erhöhung das Herz-Kreislauf-Risiko senkt.
  • Triglyzeride: Blutfette, die bei überschüssiger Energiezufuhr (v. a. Zucker, Alkohol, Übergewicht) ansteigen. Stark erhöhte Triglyzeride können das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen und in seltenen Fällen eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen.
  • Gesamtcholesterin: Die Summe aus LDL, HDL und VLDL. Wird häufig bestimmt, ist aber weniger aussagekräftig als das LDL-Cholesterin allein.
  • Lipoprotein(a) (Lp(a)): Ein genetisch bestimmter Risikofaktor, der im ESC/EAS-Update 2025 als Risikomodifikator aufgenommen wurde. Wird in der Regel einmal im Leben bestimmt. Kann derzeit medikamentös kaum beeinflusst werden — neue Therapien sind in der Entwicklung.

3. Ursachen und Risikofaktoren

  • Ernährung: Hoher Anteil gesättigter Fettsäuren (fettes Fleisch, Wurst, Käse, Butter, Kokosfett) und Trans-Fettsäuren (Frittiertes, Backwaren, Fertigprodukte) kann das LDL erhöhen.
  • Bewegungsmangel: Sitzender Lebensstil.
  • Übergewicht: Adipositas erhöht in der Regel LDL und Triglyzeride und senkt HDL.
  • Genetik: Familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist eine häufige genetische Erkrankung, die zu stark erhöhten LDL-Werten bereits in jungen Jahren führt. Wird häufig nicht erkannt (siehe eigener Abschnitt unten).
  • Andere Erkrankungen: Schilddrüsenunterfunktion, chronische Nierenerkrankung, Diabetes Typ 2, Lebererkrankungen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können den Lipidstoffwechsel beeinflussen (z. B. Kortison, Betablocker, Thiazide, Immunsuppressiva).

4. Symptome

Hohes Cholesterin verursacht in der Regel keine Symptome Deshalb wird es häufig erst entdeckt, wenn bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung aufgetreten ist (Herzinfarkt, Schlaganfall, pAVK). Regelmäßige Blutuntersuchungen sind daher wichtig — gerade bei Risikofaktoren oder positiver Familienanamnese.¹

Bei sehr stark erhöhten Werten (v. a. bei familiärer Hypercholesterinämie) können sichtbare Zeichen auftreten:

  • Xanthome: Cholesterinablagerungen in Sehnen oder unter der Haut
  • Xanthelasmen: gelbliche Ablagerungen an den Augenlidern
  • Arcus lipoides: weißlicher Ring um die Hornhaut

Diese Zeichen sind selten, aber diagnostisch wegweisend — sie sollten an eine familiäre Form denken lassen.


5. Diagnose und Risikobewertung

  • Lipidprofil: Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride — in der Regel nüchtern oder nicht-nüchtern (die Ergebnisse sind für die meisten Werte vergleichbar). LDL ist der entscheidende Zielwert.
  • Risikobewertung: Die ESC/EAS-Leitlinie empfiehlt eine individuelle Risikobewertung — im Update 2025 mit SCORE2 (für 40–69 Jahre) und SCORE2-OP (für 70–89 Jahre). Das Gesamtrisiko bestimmt die LDL-Zielwerte und die Therapieintensität.¹
  • LDL-Zielwerte (ESC/EAS 2025): Richten sich nach dem individuellen Herz-Kreislauf-Risiko. Je höher das Risiko, desto niedriger der Zielwert. Bei Betroffenen mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung oder sehr hohem Risiko gelten in der Regel die niedrigsten Zielwerte.¹
  • Lipoprotein(a): Wird im Update 2025 als Risikomodifikator empfohlen — sollte in der Regel einmal im Leben bestimmt werden.

Mehr: Arzttermin vorbereiten, Blutwerte verstehen.

6. Therapie: Lebensstil

Lebensstiländerungen sind die Basis jeder Cholesterin-Therapie — unabhängig davon, ob Medikamente eingesetzt werden.¹

  • Gesättigte Fettsäuren reduzieren — weniger fettes Fleisch, Wurst, Käse, Butter, Kokosfett; stattdessen ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl, Nüsse, Avocado, fetter Fisch)
  • Trans-Fettsäuren meiden — Frittiertes, industrielle Backwaren, Fertigprodukte
  • Ballaststoffe erhöhen — Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst
  • Gewicht normalisieren bei Übergewicht
  • Regelmäßige Bewegung — kann LDL senken und HDL erhöhen
  • Rauchstopp — Rauchen schädigt die Gefäße unabhängig vom Cholesterin
  • Alkohol reduzieren — kann Triglyzeride senken

7. Therapie: Medikamente

Wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen, um die individuellen LDL-Zielwerte zu erreichen, werden Medikamente eingesetzt. Die Entscheidung richtet sich nach dem Gesamtrisiko.¹

Erstlinie Statine

Statine sind die am besten untersuchten und am häufigsten eingesetzten Cholesterinsenker. Sie hemmen die körpereigene Cholesterinproduktion in der Leber und können das LDL-Cholesterin deutlich senken. Statine reduzieren nachweislich das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulären Tod.¹

  • Werden in der Regel einmal täglich eingenommen (meistens abends)
  • Häufige Nebenwirkungen: Muskelbeschwerden (meistens leicht und vorübergehend); selten schwere Muskelschädigungen
  • Leberwerte können leicht ansteigen — werden in der Regel zu Beginn kontrolliert
  • Viele Betroffene vertragen Statine gut — ein relevanter Anteil der berichteten Unverträglichkeiten ist nach Studien nicht medikamentenbedingt (Nocebo-Effekt)
Kombination Ezetimib
Ezetimib
Hemmt die Cholesterinaufnahme im Darm. Wird häufig mit Statinen kombiniert, wenn das Statin allein nicht ausreicht. Kann auch als Monotherapie eingesetzt werden, wenn Statine nicht vertragen werden.
Neu 2025 Bempedoinsäure
Bempedoinsäure
Neu in der ESC/EAS-Leitlinie 2025. Ein oraler Wirkstoff, der wie Statine die Cholesterinproduktion hemmt, aber einen anderen Wirkmechanismus hat. Wird empfohlen bei Statin-Unverträglichkeit oder als Ergänzung zu Statinen.¹
Eskalation PCSK9-Hemmer
Evolocumab, Alirocumab
Sehr wirksame LDL-Senker, die als Spritze verabreicht werden. Werden in der Regel eingesetzt, wenn Statine + Ezetimib + Bempedoinsäure nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. Kostenerstattung durch die GKV ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden.
Triglyzeride Fibrate
Fibrate
Werden bei stark erhöhten Triglyzeriden eingesetzt.
Statine: Nutzen überwiegt in der Regel deutlich Statine gehören zu den am besten untersuchten Medikamenten überhaupt. Der Nutzen überwiegt bei Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko in der Regel deutlich die Risiken. Statine sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden — bei Nebenwirkungsverdacht mit der behandelnden Praxis sprechen. Mehr: Medikamente absetzen.

8. Familiäre Hypercholesterinämie

Die familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist eine häufige genetische Erkrankung, die zu stark erhöhten LDL-Werten führt — bereits in jungen Jahren und unabhängig vom Lebensstil. Die heterozygote Form betrifft nach Schätzungen etwa eine von mehreren hundert Personen, wird aber in der Regel deutlich unterdiagnostiziert.¹

  • Verdacht bei deutlich erhöhtem LDL (insbesondere in jüngerem Alter), positiver Familienanamnese (Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Verwandten vor dem 55. (Männer) bzw. 60. Lebensjahr (Frauen)), Xanthomen
  • Diagnose: klinische Scoring-Systeme (z. B. Dutch Lipid Clinic Network Score) und/oder genetische Testung
  • Therapie: frühe und konsequente LDL-Senkung (Statine + Ezetimib, ggf. PCSK9-Hemmer); Lebensstiländerung allein reicht bei FH in der Regel nicht aus
  • Kaskadenscreening: Verwandte ersten Grades sollten ebenfalls getestet werden

So hilft brite dir bei hohem Cholesterin

Statin abends, Ezetimib dazu, alle drei Monate ein neues LDL-Ergebnis und die Frage, ob das Ziel erreicht ist — dazu im Hintergrund Bluthochdruck und Diabetes. Cholesterin-Therapie ist oft Teil eines größeren kardiovaskulären Plans. brite hält ihn übersichtlich.

  • Einnahme-Erinnerung — Statin abends, Ezetimib oder Bempedoinsäure morgens: brite erinnert pünktlich. Gerade weil Statine lebenslang genommen werden, hilft Routine. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — Statin plus Grapefruitsaft? Plus Makrolid-Antibiotika? Plus bestimmte Antimykotika? brite zeigt, wann Statin-Spiegel ungewollt steigen können — und damit das Risiko für Muskelnebenwirkungen. Jetzt prüfen
  • Gesundheitsverlauf — LDL, HDL, Triglyzeride und Gesamtcholesterin über die Zeit dokumentieren. So lässt sich gut sehen, ob die Therapie das LDL-Ziel erreicht — oder ob eine Eskalation sinnvoll wäre. Verlauf tracken
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Kardiologie, Hausarzt und Lipidambulanz. Hilft besonders, wenn neben Statin auch Blutdrucksenker und Antidiabetika dazukommen. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu hohem Cholesterin

LDL-Cholesterin. Es ist der zentrale Zielwert der Therapie und der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Zielwert richtet sich nach dem individuellen Herz-Kreislauf-Risiko.¹
In der Regel ja — wenn eine klare Indikation besteht (erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko oder bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung). Cholesterin steigt nach dem Absetzen in der Regel wieder an, und der Schutzeffekt geht verloren. Statine sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Muskelbeschwerden sind die häufigste berichtete Nebenwirkung, treten aber bei den meisten Betroffenen in leichter Form auf und sind oft vorübergehend. Studien zeigen, dass ein relevanter Teil der Muskelbeschwerden unter Statinen nicht medikamentenbedingt ist (Nocebo-Effekt). Bei Verdacht die behandelnde Praxis ansprechen — häufig gibt es Alternativen.
Ein neuer oraler Cholesterinsenker, der 2025 in die ESC/EAS-Leitlinie aufgenommen wurde. Er hemmt die Cholesterinproduktion über einen anderen Mechanismus als Statine. Wird bei Statin-Unverträglichkeit empfohlen oder als Ergänzung, wenn das LDL-Ziel nicht erreicht wird.¹
Eine häufige genetische Erkrankung mit stark erhöhtem LDL ab jungen Jahren. Wird häufig nicht erkannt. Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko für frühe Herzinfarkte. Frühe Diagnose und konsequente Therapie sind entscheidend. Verwandte ersten Grades sollten ebenfalls getestet werden.¹
Lebensstiländerungen (Ernährung, Bewegung, Gewicht) können das LDL in der Regel moderat senken. Bei höherem Risiko oder stark erhöhten Werten reichen sie meistens nicht aus — dann werden Medikamente (v. a. Statine) empfohlen. Bei familiärer Hypercholesterinämie reicht Ernährung allein nicht.
Für die meisten klinischen Entscheidungen ist ein nicht-nüchtern-Lipidprofil ausreichend. Nüchternwerte können bei stark erhöhten Triglyzeriden genauer sein. Die behandelnde Praxis gibt in der Regel Hinweise.
Ein genetisch bestimmter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der im ESC/EAS-Update 2025 als Risikomodifikator aufgenommen wurde. Sollte in der Regel einmal im Leben bestimmt werden. Kann derzeit medikamentös kaum beeinflusst werden — neue Therapien sind in der Entwicklung.¹

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. ESC/EAS 2025 Focused Update der Dyslipidämie-Leitlinie (auf Basis der 2019er Leitlinie). eurheartj (Oxford Academic)
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Erhöhte Cholesterinwerte. gesundheitsinformation.de
  3. DGK-Kommentar zum ESC/EAS-Update 2025 (Die Kardiologie 2026). Springer
  4. Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (DGFF, Lipid-Liga). lipid-liga.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. LDL-Zielwerte und Therapieintensität richten sich nach dem individuellen Herz-Kreislauf-Risiko und werden von der behandelnden Praxis festgelegt. Statine und andere Lipidsenker sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Letzte Aktualisierung: April 2026.