Insomnie (Schlaflosigkeit) bedeutet, dass man trotz ausreichender Gelegenheit zum Schlafen nicht ein- oder durchschlafen kann und sich dadurch tagsüber beeinträchtigt fühlt. Gelegentliche schlechte Nächte sind normal. Problematisch wird es, wenn die Schlafstörung über Wochen oder Monate anhält und den Alltag spürbar belastet.¹
Insomnie gehört zu den häufigsten Beschwerden in der hausärztlichen Praxis. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und die Häufigkeit nimmt mit dem Alter tendenziell zu. Viele Betroffene nehmen Schlafstörungen als unvermeidlich hin, obwohl wirksame Behandlungen verfügbar sind.¹,²
Insomnie ist keine Lappalie
Chronische Schlafstörungen erhöhen nach aktuellem Wissensstand das Risiko für Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Folgeerkrankungen.¹
2. Formen von Schlafstörungen
Einschlafstörung: das Einschlafen dauert regelmäßig übermäßig lange — häufig durch Grübeln, Anspannung oder übermäßige Wachheit beim Zubettgehen.
Durchschlafstörung: wiederholtes nächtliches Erwachen mit Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen. Häufig die belastendste Form.
Früherwachen: Aufwachen deutlich früher als gewünscht, ohne wieder einschlafen zu können. Kann auch ein Symptom einer Depression sein.
Akute vs. chronische Insomnie: akute Insomnie ist häufig situationsbedingt und klingt meistens von selbst ab. Chronische Insomnie hält über Monate an und verselbstständigt sich häufig.
Nicht jede Schlafstörung ist eine InsomnieSchlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom und andere schlafmedizinische Erkrankungen haben eigene Ursachen und Therapien.
3. Symptome und Folgen
Nachts
Langes Wachliegen trotz Müdigkeit
Häufiges Aufwachen — oft mit Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen
Schlafstörungen haben in der Regel nicht eine einzige Ursache.¹
Psychische Faktoren: Stress, Sorgen, Grübelneigung, Depression, Angststörungen. Psychische Erkrankungen und Insomnie verstärken sich häufig gegenseitig.
Ungünstige Schlafgewohnheiten: unregelmäßige Schlafenszeiten, zu viel Zeit im Bett, Bildschirmnutzung vor dem Schlafen, Koffein am Abend.
Andere Schlafstörungen:Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom — sollten ausgeschlossen werden.
Medikamente und Substanzen: viele Medikamente können den Schlaf stören — u. a. bestimmte Antidepressiva, Betablocker, Cortison, Schilddrüsenhormone. Koffein, Alkohol und Nikotin sind häufige Schlafstörer.¹
Lebensphasen: Wechseljahre, Schichtarbeit und Jetlag können Schlafstörungen auslösen oder verschlechtern.
5. Diagnose
Die Diagnose basiert in der Regel auf der Anamnese.¹
Schlafanamnese: Einschlafzeit, Aufwachhäufigkeit, Schlafdauer, Tagesbefinden. Ein Schlaftagebuch über ein bis zwei Wochen ist sehr hilfreich.
Fragebogen: standardisierte Instrumente (z. B. Insomnia Severity Index) können den Schweregrad objektivieren.
Ausschluss anderer Ursachen: körperliche und psychische Erkrankungen, andere Schlafstörungen und schlafstörende Medikamente sollten abgeklärt werden.
Schlaflabor: in der Regel nur bei Verdacht auf Schlafapnoe oder Restless-Legs-Syndrom — nicht routinemäßig bei Insomnie.
Die aktuelle S3-Leitlinie der DGSM (Update 2025, AWMF 063-003) ist eindeutig: Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) soll bei allen Betroffenen als erste Behandlungsoption empfohlen werden — auch bei komorbiden körperlichen oder psychischen Erkrankungen.¹,³
ErstlinieKVT-I — Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie
Eine spezialisierte, kurze Psychotherapie (in der Regel einige Sitzungen über wenige Wochen), die gezielt die Ursachen der Insomnie angeht.¹
Schlafrestriktion
Die Zeit im Bett wird vorübergehend auf die tatsächliche Schlafzeit begrenzt, um den Schlafdruck zu erhöhen. Eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen.
Stimuluskontrolle
Das Bett wird nur zum Schlafen genutzt. Wer nicht einschlafen kann, steht auf und kommt erst zurück, wenn er müde ist.
Kognitive Umstrukturierung
Ungünstige Gedanken über den Schlaf werden identifiziert und verändert (z. B. „Ich muss heute Nacht unbedingt schlafen, sonst überstehe ich morgen nicht").
Entspannungsverfahren
Z. B. progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Achtsamkeit.
Schlafhygiene
Optimierung der Schlafumgebung und Gewohnheiten.
KVT-I auch digital verfügbar
KVT-I ist auch als digitale Version (App/Online) verfügbar — bevorzugt wird aber die persönliche Therapie.¹
Schlafhygiene — die Basics
Regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten — auch am Wochenende
Schlafzimmer: dunkel, kühl, ruhig
Koffein einige Stunden vor dem Schlafen meiden
Alkohol ist kein Schlafmittel — fragmentiert den Schlaf
Bildschirmzeit vor dem Schlafen reduzieren
Regelmäßige Bewegung — aber nicht direkt vor dem Schlafengehen
Schlafhygiene allein reicht in der Regel nicht
Bei chronischer Insomnie reicht Schlafhygiene allein in der Regel nicht aus. Die Leitlinie empfiehlt KVT-I als erste Behandlungsoption — nicht Schlafhygiene allein.¹
7. Medikamente
Schlafmedikamente können in bestimmten Situationen sinnvoll sein — in der Regel kurzfristig und ergänzend zur KVT-I. Die Entscheidung trifft immer die behandelnde Praxis.¹,³
ZweitlinieMedikamentöse Optionen
Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon)
Wirken schnell und relativ kurz. Bei längerer Einnahme besteht ein Abhängigkeitsrisiko. Sollten in der Regel nicht abrupt abgesetzt werden.
Benzodiazepine
Werden bei Insomnie in der Regel nicht mehr als erste Wahl empfohlen. Hohes Abhängigkeitspotenzial.
Sedierende Antidepressiva
Z. B. Mirtazapin, Trazodon, Doxepin in niedriger Dosis. Können bei Insomnie mit begleitender Depression sinnvoll sein.
Antihistaminika (Diphenhydramin, Doxylamin)
Rezeptfrei erhältlich. Können kurzfristig helfen, werden in der Leitlinie aber in der Regel nicht als erste Wahl empfohlen.
Pflanzliche Mittel
Baldrian, Hopfen, Passionsblume — Evidenzlage begrenzt. Können bei leichten Schlafstörungen individuell als verträglich empfunden werden.
Schlafmittel nicht abrupt absetzen
Z-Substanzen und Benzodiazepine sollten nicht eigenmächtig oder abrupt abgesetzt werden — Rebound-Insomnie und Entzugserscheinungen sind möglich. Das schrittweise Ausschleichen erfolgt mit der behandelnden Praxis. Mehr: Medikamente absetzen.
8. Melatonin
Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert.¹
Kann bei Jetlag, Schichtarbeit oder gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus sinnvoll sein
Bei klassischer Insomnie ist die Wirksamkeit laut Studien eher moderat
Retardiertes Melatonin ist in Deutschland verschreibungspflichtig; niedrigdosiertes Melatonin ist als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich — Qualität und Dosierung variieren
Schlaftagebuch: hilft, Muster zu erkennen. Ist auch für die ärztliche Beurteilung sehr hilfreich.
Medikamenten-Check: viele Medikamente können den Schlaf stören. Ein Blick auf den Medikationsplan lohnt sich. Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten.
Bewegung: regelmäßige körperliche Aktivität kann die Schlafqualität verbessern.
Alkohol: verschlechtert die Schlafqualität (fragmentierter Schlaf, weniger Tiefschlaf). Mehr: Medikamente und Alkohol.
So hilft brite dir bei Schlafstörungen
KVT-I als Erstlinie, Schlafmittel nur kurzfristig — die größte Herausforderung bei Insomnie ist häufig nicht der Beginn der Therapie, sondern das kontrollierte Absetzen von Schlafmitteln. brite hilft, beide Schritte sauber zu führen.
Einnahme-Erinnerung — Mirtazapin oder Trazodon abends zur richtigen Zeit, retardiertes Melatonin ein bis zwei Stunden vor dem Schlafen, Z-Substanzen nur kurzzeitig: brite erinnert pünktlich und hilft, die Einnahme nicht unkontrolliert zu verlängern. Erinnerung einrichten
Wechselwirkungs-Check — Schlafmittel + Antidepressiva, + Schmerzmittel, + Alkohol können die Atemdepression gefährlich verstärken. Bei älteren Menschen erhöhen sedierende Substanzen das Sturzrisiko. brite zeigt die kritischen Kombinationen sofort. Jetzt prüfen
Gesundheitsverlauf — Schlafqualität, Einschlafzeit, nächtliches Erwachen und Tagesbefinden über die Zeit dokumentieren — letztlich ein digitales Schlaftagebuch, das in der schlafmedizinischen oder hausärztlichen Praxis Diagnose und Therapieanpassung erleichtert. Verlauf tracken
Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente übersichtlich für Hausarzt und Schlafmedizin. Schlafstörende Medikamente (Betablocker, Cortison, Schilddrüsenhormone, manche Antidepressiva) auf einen Blick erkennbar — die häufigste verkannte Insomnie-Ursache. Zum Medikationsplan
Die optimale Schlafdauer ist individuell. Für die meisten Erwachsenen werden in der Regel sieben bis acht Stunden als Richtwert genannt — entscheidend ist aber, wie erholt man sich fühlt, nicht die exakte Stundenzahl.
KVT-I ist eine spezialisierte Kurzzeittherapie, die gezielt die Ursachen von Schlafstörungen angeht. Sie wird von Psychotherapeuten, Schlafmedizinern sowie als digitale Version angeboten. Der Zugang erfolgt in der Regel über die Hausärztin oder den Hausarzt.¹
In der Regel nicht als alleinige Therapie. Z-Substanzen und Benzodiazepine sind für den kurzfristigen Einsatz konzipiert. Die Leitlinie empfiehlt KVT-I als erste Behandlungsoption.¹,³
Melatonin kann bei Jetlag oder gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus hilfreich sein. Bei klassischer Insomnie ist die Wirksamkeit laut Studien eher moderat.
Nein. Alkohol verkürzt die Einschlafzeit, verschlechtert aber die Schlafqualität insgesamt: fragmentierter Schlaf, weniger Tiefschlaf, früheres Erwachen.
Wenn Schlafstörungen über mehrere Wochen anhalten und den Alltag beeinträchtigen, oder wenn Hinweise auf eine andere Ursache vorliegen (Schnarchen, Atemaussetzer, unruhige Beine, Depression).
Ja — u. a. bestimmte Antidepressiva, Betablocker, Cortison, Schilddrüsenhormone. Bei Verdacht die Ärztin oder den Arzt ansprechen — häufig gibt es Alternativen.
Die Evidenz für pflanzliche Mittel ist nach aktuellem Wissensstand begrenzt. Sie können bei leichten Schlafstörungen individuell als verträglich empfunden werden, ersetzen aber in der Regel keine leitliniengerechte Therapie.
Spiegelhalder K, Riemann D et al. S3-Leitlinie Insomnie. Somnologie 2025. awmf.org
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). dgsm.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Schlafmittel sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Bei Hinweisen auf Schlafapnoe (Schnarchen, Atemaussetzer, ausgeprägte Tagesmüdigkeit) sollte eine schlafmedizinische Abklärung erfolgen. Die Medikamentenwahl und Dosierung wird immer individuell von der behandelnden Praxis festgelegt. Letzte Aktualisierung: April 2026.