Demenz & Alzheimer:
Symptome, Medikamente & Hilfe für Angehörige

Auf einen Blick

Betroffene in DE ~1,8 Mio.; weltweit über 55 Mio.; ca. 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr in DE
Häufigste Form Alzheimer-Krankheit (rund 60–70 % aller Demenzen)
Hauptrisikofaktor Alter — das Risiko steigt ab etwa 65 deutlich an
Prävention Nach Lancet-Kommission 2024 sind ~45 % des Demenzrisikos durch Lebensstilfaktoren potenziell beeinflussbar
Medikamente Donepezil, Rivastigmin, Galantamin, Memantin; NEU: Lecanemab (Leqembi, seit 09/2025), Donanemab (Kisunla)
ICD-10 F00–F03, G30

1. Was ist Demenz?

Demenz ist in der Regel keine einzelne Krankheit, sondern ein Syndrom — ein Bündel von Symptomen, das durch verschiedene Hirnerkrankungen verursacht werden kann. Typisch ist eine fortschreitende Verschlechterung kognitiver Fähigkeiten, die über das Maß des normalen Alterns hinausgeht und den Alltag zunehmend beeinträchtigt.²

Häufig betroffen sind: Gedächtnis (besonders das Kurzzeitgedächtnis), Denkvermögen und Urteilsfähigkeit, Orientierung in Zeit und Raum, Sprache (Wortfindung, Satzbau), Handlungsplanung sowie das Erkennen von Personen und Objekten.

In Deutschland leben nach Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz; jährlich kommen etwa 300.000 Neuerkrankungen hinzu.³ Demenz zählt laut WHO weltweit zu den führenden Todesursachen im höheren Alter.²


2. Häufige Formen der Demenz

~60–70 % Alzheimer-Krankheit

Häufigste Form. Ablagerungen von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn tragen zum Absterben von Nervenzellen bei. Meist schleichender Beginn mit Kurzzeitgedächtnisstörungen; der Verlauf ist in der Regel langsam und erstreckt sich über viele Jahre. Neu seit 2025: In Deutschland steht erstmals eine krankheitsmodifizierende Therapie mit Anti-Amyloid-Antikörpern für eine eng umgrenzte Patientengruppe zur Verfügung (siehe Abschnitt 7).¹

~15–20 % Vaskuläre Demenz

Zweithäufigste Form. Entsteht in der Regel durch Durchblutungsstörungen im Gehirn (z. B. nach Schlaganfällen oder durch chronische Gefäßveränderungen). Häufig stufenweiser Verlauf. Prävention: konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren.

~5–10 % Lewy-Körperchen-Demenz

Typisch sind schwankende kognitive Leistungsfähigkeit (gute und schlechte Tage), visuelle Halluzinationen und Parkinson-ähnliche Symptome.¹

Wichtig: Neuroleptika-Überempfindlichkeit Bei Lewy-Körperchen-Demenz ist im Umgang mit Antipsychotika besondere Vorsicht geboten — Fachgesellschaften warnen vor einer Neuroleptika-Überempfindlichkeit.
Sonderform Frontotemporale Demenz

Hier stehen meist Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen im Vordergrund — weniger Gedächtnisprobleme. Häufige Symptome: Enthemmung, Apathie, Sprachstörungen. Trifft vergleichsweise oft jüngere Patientinnen und Patienten und wird anfangs häufig als Depression oder als andere psychische Erkrankung fehlgedeutet.


3. Symptome nach Stadien

Frühes Stadium (leichte Demenz)

Betroffene sind in dieser Phase meist noch weitgehend selbstständig, fallen aber häufig durch zunehmende Alltagsprobleme auf:

  • Vergesslichkeit für kürzlich Erlebtes — z. B. verlegte Gegenstände, wiederholte Fragen, vergessene Verabredungen
  • Konzentrationsprobleme — Schwierigkeiten bei komplexen Aufgaben (z. B. Finanzen, Kochen nach Rezept)
  • Wortfindungsstörungen
  • Zeitliche Orientierungsprobleme (z. B. Wochentag oder Datum verwechseln)
  • Nachlassendes Interesse an Hobbys, sozialer Rückzug
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Ängstlichkeit — häufig die ersten Zeichen, die Angehörigen auffallen

Mittleres Stadium (mittelschwere Demenz)

  • Deutliche Gedächtnisstörungen — auch ältere Erinnerungen können betroffen sein
  • Orientierungsverlust auch in vertrauter Umgebung
  • Zunehmende Schwierigkeiten bei Alltagsaktivitäten (z. B. Ankleiden, Körperpflege, Kochen)
  • Verhaltensänderungen: Unruhe („Wandern"), Aggressivität, Wahnvorstellungen, Misstrauen
  • Schlafstörungen, teilweise Tag-Nacht-Umkehr
  • Hilfe bei der Medikamenteneinnahme wird in der Regel nötig — Medikamente vergessen wird häufiger

Spätes Stadium (schwere Demenz)

  • Nahestehende Personen werden häufig nicht mehr erkannt
  • Umfassende Pflegebedürftigkeit im Alltag
  • Stark eingeschränkte Kommunikation — oft nur noch wenige Worte, nonverbale Signale gewinnen an Bedeutung
  • Körperliche Symptome: Gehunfähigkeit, Inkontinenz, Schluckstörungen
  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen (z. B. Lungenentzündungen)
Demenz und Depression Demenz und Depression hängen oft eng zusammen: Eine Depression kann ein frühes Anzeichen einer Demenz sein — umgekehrt haben Menschen mit Demenz ein erhöhtes Risiko für Depressionen. Beide Erkrankungen können ähnliche Symptome zeigen (Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme, Rückzug). Eine Depression ist in vielen Fällen gut behandelbar — deshalb sollte bei Verdacht immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.

4. Abgrenzung: Normale Vergesslichkeit vs. Demenz

Häufig noch normal (altersbedingt)Warnsignale (mögliche Demenz)
Ein Name fällt nicht sofort ein, kommt aber später wieder Ganze Gespräche oder Ereignisse werden vergessen
Der Schlüssel wird verlegt und später wiedergefunden Vertraute Tätigkeiten können nicht mehr ausgeführt werden
Ein Detail einer Unterhaltung geht verloren Die zeitliche oder örtliche Orientierung geht zunehmend verloren
Manchmal braucht man einen Moment zur Orientierung Deutliche Persönlichkeitsveränderungen (Misstrauen, Rückzug, Aggressivität)
Angehörige bemerken Veränderungen, die der Betroffene selbst nicht sieht
Tabelle nach rechts scrollbar
Faustregel Wenn Angehörige sich wiederholt Sorgen machen, sollte man den Weg zum Hausarzt oder zu einer Gedächtnisambulanz gehen. Betroffene selbst bemerken die Veränderungen oft nicht oder spielen sie herunter.

5. Risikofaktoren und Prävention

Die Lancet-Kommission für Demenz hat in ihrem Update 2024 insgesamt 14 potenziell beeinflussbare Risikofaktoren identifiziert, die in der Summe für etwa 45 % aller Demenzfälle verantwortlich gemacht werden. Die größten Einzelfaktoren sind Hörverlust und hoher LDL-Cholesterinwert im mittleren Lebensalter (jeweils rund 7 %).

Nicht beeinflussbar

  • Alter — der mit Abstand wichtigste Risikofaktor
  • Genetik: insbesondere das APOE4-Gen; daneben u. a. das Down-Syndrom
  • Familiengeschichte: Verwandte ersten Grades mit Demenz können das eigene Risiko erhöhen

Beeinflussbar — was du tun kannst (Lancet 2024)

  • Bluthochdruck konsequent behandeln — besonders im mittleren Lebensalter
  • Erhöhten LDL-Cholesterinwert im mittleren Lebensalter kontrollieren
  • Diabetes Typ 2 gut einstellen
  • Hörverlust frühzeitig behandeln (Hörgeräte!) — laut Lancet-Kommission einer der größten beeinflussbaren Einzelfaktoren
  • Unbehandelten Sehverlust vermeiden (regelmäßige Augenuntersuchungen)
  • Regelmäßige körperliche Bewegung
  • Soziale Kontakte pflegen — Einsamkeit und soziale Isolation gelten als Risikofaktoren
  • Geistig aktiv bleiben (z. B. Lesen, Rätsel, Sprachen lernen, neue Fähigkeiten üben)
  • Depressionen ernst nehmen und behandeln lassen
  • Alkohol reduzieren, Rauchstopp
  • Kopfverletzungen möglichst vermeiden (z. B. Helm beim Radfahren)
  • Adipositas im mittleren Lebensalter adressieren
Es ist meist nicht zu spät Ein gesunder Lebensstil — besonders im mittleren Lebensalter — gilt derzeit als die beste bekannte Demenz-Prävention. Auch im höheren Alter profitieren Gehirn und Alltag häufig von Bewegung, sozialen Kontakten und geistiger Aktivität.

6. Diagnose

Eine frühzeitige Diagnose ist in der Regel wichtig — sie ermöglicht den Zugang zu Therapien (inkl. der neuen Anti-Amyloid-Antikörper), eine rechtliche Vorsorge und eine bessere Planbarkeit für Angehörige. Außerdem gibt es einen kleineren Anteil von Demenzsyndromen, die prinzipiell reversibel sind.¹

Basisdiagnostik (Hausarzt)

  • Kognitive Screening-Tests: z. B. MMSE, MoCA, Uhrentest — dauern meist nur wenige Minuten
  • Anamnese mit Angehörigen: Oft mindestens so wichtig wie der Test selbst — Angehörige bemerken häufig Veränderungen, die der Betroffene nicht wahrnimmt
  • Labor: z. B. Schilddrüsenwerte (TSH), Vitamin B12, Folsäure, Blutbild, Nieren- und Leberwerte, Blutzucker — unter anderem um reversible Ursachen auszuschließen
  • Bildgebung: MRT oder CT des Kopfes — können helfen, andere Ursachen zu erkennen (z. B. Tumor, Normaldruckhydrozephalus, Gefäßveränderungen)

Erweiterte Diagnostik (Neurologie/Gedächtnisambulanz)

  • Neuropsychologische Testung: Ausführlichere Beurteilung verschiedener kognitiver Bereiche
  • Lumbalpunktion: Analyse von Biomarkern im Nervenwasser (Amyloid-beta-42, Tau). Teil der Voraussetzungen vor Anti-Amyloid-Therapie.¹
  • Amyloid-PET: Bildgebendes Verfahren, das Amyloid-Ablagerungen direkt sichtbar machen kann. Nicht überall verfügbar.
  • Bluttests (in Entwicklung): Neuere Bluttests können Amyloid-bezogene Marker erfassen — in spezialisierten Zentren zunehmend eingesetzt.
  • Genetik (APOE): Vor einer Therapie mit Anti-Amyloid-Antikörpern vorgesehen. Homozygote APOE4-Träger sind aktuell ausgeschlossen.
Reversible Demenzsyndrome nicht übersehen Ein Teil der Demenzsyndrome kann prinzipiell (teilweise) reversibel sein — z. B. bei Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenunterfunktion, Normaldruckhydrozephalus, Depression („Pseudodemenz") oder ausgeprägten Medikamentennebenwirkungen. Deshalb ist eine gründliche Abklärung besonders wichtig.¹

Mehr: Arzttermin vorbereiten.

7. Medikamente: Symptomatisch und krankheitsmodifizierend

Welches Medikament im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt — in der Regel in Abstimmung mit einer neurologischen oder geriatrischen Praxis bzw. Gedächtnisambulanz.

Symptomatische Therapie (seit Jahren etabliert)

Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-Hemmer)
Wirkstoffe: Donepezil, Rivastigmin (auch als Pflaster), Galantamin
Indikation: Meist leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz
Wirkweise: Unterstützen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen durch Hemmung des Abbaus von Acetylcholin
Wirkung: In der Regel moderat auf den kognitiven Verlauf
Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit, Schwindel — oft hilfreich: einschleichende Dosisanpassung nach ärztlicher Vorgabe¹
Memantin
Indikation: In der Regel bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz (NMDA-Rezeptor-Antagonist)
Kombination: Kann in der Praxis auch mit einem AChE-Hemmer kombiniert werden
Nebenwirkungen: Schwindel, Kopfschmerzen, Verstopfung, Schläfrigkeit¹
Ginkgo biloba
Standardisierter Pflanzenextrakt. Die Studienlage ist uneinheitlich; einige Patientinnen und Patienten berichten subjektiv über einen positiven Effekt. Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern. Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten.

Krankheitsmodifizierende Therapie (neu seit 2025)

Erstmals: Medikamente, die an der Ursache ansetzen Mit den Anti-Amyloid-Antikörpern gibt es seit 2025 in Deutschland erstmals Medikamente, die an einer vermuteten biologischen Ursache der Alzheimer-Krankheit ansetzen — den Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. Sie kommen nur für eine eng umgrenzte Gruppe infrage und werden ausschließlich in spezialisierten Zentren eingesetzt.
Lecanemab (Leqembi) — NEU seit September 2025 in DE
EU-Zulassung: April 2025 · Verfügbar in DE: September 2025
Indikation: Erwachsene mit nachgewiesener Alzheimer-Pathologie im Stadium einer leichten kognitiven Störung (MCI) oder einer leichten Alzheimer-Demenz, die APOE4-Nichtträger oder heterozygote APOE4-Träger sind
Ziel: In der Regel Verlangsamung des geistigen Abbaus — keine Heilung
Nebenwirkungen: ARIA (Amyloid-Related Imaging Abnormalities) — regelmäßige MRT-Kontrollen vorgeschrieben
G-BA-Beschluss 19.02.2026: Kein belegter Zusatznutzen gegenüber bisherigem Therapiestandard — Preisverhandlungen mit Hersteller laufen. EU-Zulassung und Verfügbarkeit in DE bleiben unberührt.⁵˒⁷
Donanemab (Kisunla)
Zweiter in der EU zugelassener Anti-Amyloid-Antikörper. Wie Lecanemab nur für das frühe Stadium der Alzheimer-Krankheit und unter ähnlichen Voraussetzungen vorgesehen. Auch hier sind ARIA als Nebenwirkung relevant. Nutzenbewertung durch G-BA/IQWiG läuft (Stand Frühjahr 2026).
Wichtig: Nur für das Frühstadium — und nur für wenige Beide Anti-Amyloid-Antikörper sind ausschließlich für das Frühstadium der Alzheimer-Krankheit zugelassen — nicht für mittelschwere oder schwere Demenz. Nach aktuellen Schätzungen kommen in Deutschland derzeit nur wenige Hundert Personen für die Therapie mit Lecanemab infrage. Die jährlichen Therapiekosten werden von Krankenkassen mit einer Größenordnung im mittleren fünfstelligen Bereich pro Person angegeben.

Begleitmedikation

  • Antidepressiva: Depressionen sind eine häufige Begleiterkrankung bei Demenz. In der Regel werden SSRI bevorzugt; trizyklische Antidepressiva gelten bei Demenz wegen ihrer anticholinergen Wirkung meist als ungeeignet.
  • Antipsychotika: Kommen nur bei ausgeprägter Unruhe, Aggression oder Wahnsymptomen in Betracht — und nur dann, wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen. Bei Demenz besteht unter bestimmten Antipsychotika ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle. Bei Lewy-Körperchen-Demenz gilt besondere Vorsicht.¹
  • Anticholinerg wirkende Medikamente: Einige gängige Wirkstoffe (z. B. bestimmte Blasenmittel, ältere Antihistaminika, trizyklische Antidepressiva) können die Kognition bei Demenz zusätzlich verschlechtern. Ein regelmäßiger Medikamenten-Check ist bei Demenz besonders wichtig. Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten.

8. Nicht-medikamentöse Therapie

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind bei Demenz in der Regel mindestens genauso wichtig wie Medikamente — bei Verhaltenssymptomen oft sogar die wirksamere Option.¹

  • Kognitive und alltagsbezogene Förderung (z. B. Biographiearbeit mit Fotos und Musik aus der Jugendzeit)
  • Physiotherapie — Mobilität erhalten, Sturzprävention
  • Ergotherapie — Selbstständigkeit im Alltag unterstützen, Wohnraum anpassen, Hilfsmittel einsetzen
  • Musiktherapie — emotional stabilisierend; Musik aus der Jugendzeit kann auch im späten Stadium Reaktionen hervorrufen
  • Strukturierter Tagesablauf — feste Zeiten, Routinen und vertraute Umgebung geben meist Sicherheit
  • Einfühlsame Kommunikation (z. B. Validation) — die Gefühlswelt ernst nehmen, nicht belehren
  • Regelmäßige Bewegung — kann den kognitiven Abbau in Studien verlangsamen
  • Lichttherapie — kann bei Schlafstörungen und Tag-Nacht-Umkehr erwogen werden
  • Sensorische Angebote (z. B. Aromatherapie, Snoezelen) — vor allem in fortgeschrittenen Stadien

9. Hilfe für Angehörige und Pflegende

Demenz betrifft in der Regel nicht nur die erkrankte Person, sondern die ganze Familie. Pflegende Angehörige haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Erschöpfung, Depressionen und körperliche Beschwerden. Es ist meistens klug, sich frühzeitig Unterstützung zu holen.

Mögliche Leistungen und Hilfen

  • Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen — auch eine Demenz allein kann einen Pflegegrad begründen
  • Verhinderungspflege — für Zeiten, in denen die Hauptpflegeperson verhindert ist
  • Kurzzeitpflege — vorübergehende stationäre Unterbringung
  • Tagespflege — tagsüber professionelle Betreuung, abends und nachts zu Hause
  • Entlastungsbetrag für anerkannte Betreuungs- und Entlastungsangebote
  • Pflegegeld (bei häuslicher Pflege durch Angehörige) oder Pflegesachleistungen (ambulanter Pflegedienst)

Beratungs- und Hilfsangebote

  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft — Beratung und Informationen (deutsche-alzheimer.de)
  • Pflegestützpunkte — kostenlose Beratung in vielen Städten und Landkreisen
  • Selbsthilfegruppen für Angehörige — persönlicher Austausch (auch online)
  • Demenz-Wohngemeinschaften und betreute Wohngruppen als Alternative zum klassischen Pflegeheim

Für dich selbst sorgen

  • Eigene Grenzen erkennen — alles allein zu stemmen ist meistens nicht möglich
  • Hilfe annehmen (Pflegedienst, Tagespflege, Familie)
  • Die eigene Gesundheit nicht vernachlässigen — Arzttermine, Bewegung, soziale Kontakte
  • Psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen, wenn die Belastung zu groß wird — das ist kein Zeichen von Schwäche

Rechtliche Vorsorge — frühzeitig!

  • Vorsorgevollmacht — regelt, wer im Ernstfall Entscheidungen treffen darf
  • Patientenverfügung — legt fest, welche medizinischen Maßnahmen gewünscht oder abgelehnt werden
  • Betreuungsverfügung — benennt die gewünschte rechtliche Betreuungsperson
Frühzeitig handeln Diese Dokumente sollten in der Regel erstellt werden, solange die betroffene Person noch einwilligungsfähig ist. Im späteren Verlauf ist das oft nicht mehr möglich.

So hilft brite dir bei Demenz

brite unterstützt Betroffene und pflegende Angehörige — von der täglichen Medikamentenerinnerung bis zum Arztgespräch.

  • Einnahme-Erinnerung — Donepezil, Rivastigmin-Pflaster, Memantin, Blutdrucksenker: brite erinnert zuverlässig — auch pflegende Angehörige können eingebunden werden. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — Demenz-Medikamente in Kombination mit Antidepressiva, Blutdrucksenkern oder anticholinerg wirkenden Arzneimitteln prüfen. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan — Alle Medikamente übersichtlich für Neurologie, Hausarzt, Pflegedienst und Notaufnahme. Zum Medikationsplan
  • Gesundheitsverlauf — Kognitive Veränderungen, Verhalten, Stimmung und Schlaf strukturiert dokumentieren — hilfreich für den Arzttermin. Verlauf tracken
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FAQ: Häufige Fragen zu Demenz

Die meisten Demenzformen sind nach aktuellem Wissensstand nicht heilbar. Ein kleinerer Teil der Demenzsyndrome kann reversibel sein (z. B. bei Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenunterfunktion oder Normaldruckhydrozephalus) — deshalb ist eine gründliche Diagnostik wichtig. Medikamente wie AChE-Hemmer oder Memantin können den Verlauf in der Regel verlangsamen. Die neuen Anti-Amyloid-Antikörper (Lecanemab, Donanemab) zielen bei einer eng umgrenzten Gruppe auf eine Verzögerung des Abbaus ab, heilen die Erkrankung aber nicht.¹˒⁵
„Demenz" ist der Oberbegriff für ein Syndrom. Alzheimer ist mit etwa 60–70 % die häufigste Ursache einer Demenz. Weitere Formen sind z. B. die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz. Je nach Form unterscheiden sich Verlauf und Behandlung.
Lecanemab ist ein Anti-Amyloid-Antikörper, EU-zugelassen seit April 2025, in Deutschland verfügbar seit September 2025. Er kommt nur für eine eng umgrenzte Gruppe infrage: Erwachsene mit nachgewiesener Alzheimer-Pathologie im Frühstadium, die APOE4-Nichtträger oder heterozygote Träger sind. Ziel ist in der Regel eine Verlangsamung des Abbaus, nicht eine Heilung. Der G-BA hat am 19.02.2026 keinen belegten Zusatznutzen gegenüber dem bisherigen Therapiestandard gesehen — die Preisverhandlungen laufen. Die EU-Zulassung und die Verfügbarkeit in Deutschland bleiben davon unberührt.⁵˒⁷
Nach der Lancet-Kommission (2024) sind etwa 45 % des Demenzrisikos durch 14 beeinflussbare Faktoren potenziell adressierbar — u. a. Hörverlust, hoher LDL-Cholesterinwert im mittleren Lebensalter, Bluthochdruck, körperliche Inaktivität, Rauchen, Alkohol, Diabetes, soziale Isolation und depressive Erkrankungen. Es ist meistens nicht zu spät, mit präventiven Maßnahmen anzufangen.
Bei zunehmender Vergesslichkeit, Orientierungsproblemen, Wortfindungsstörungen oder Persönlichkeitsveränderungen — besonders wenn Angehörige die Veränderungen bemerken. Eine frühzeitige Abklärung ist wichtig, um reversible Ursachen auszuschließen, den Zugang zu möglichen Therapien zu klären und rechtliche Vorsorge rechtzeitig zu regeln.
Das kommt häufig vor — Menschen mit beginnender Demenz haben oft keine vollständige Krankheitseinsicht (Anosognosie). Hilfreich sind meistens: keine Vorwürfe, den Arztbesuch als Routineuntersuchung „einbetten", den Hausarzt vorab informieren, Geduld aufbringen und sich selbst Unterstützung holen (z. B. bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft).³
Anticholinerg wirkende Medikamente — z. B. bestimmte Blasenmittel, ältere Antihistaminika, trizyklische Antidepressiva oder manche Schlafmittel — können die Kognition bei Demenz zusätzlich verschlechtern. Ein regelmäßiger Medikamentencheck ist deshalb besonders wichtig. Die Entscheidung über Änderungen trifft immer der behandelnde Arzt.
Sobald die betroffene Person regelmäßig Hilfe im Alltag braucht, lohnt sich in der Regel der Antrag auf einen Pflegegrad. Eine Demenz allein kann einen Pflegegrad begründen. Der Pflegegrad bestimmt, welche Leistungen die Pflegekasse übernimmt (z. B. Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Tages- oder Kurzzeitpflege).

12. Verwandte Themen

Quellen

  1. S3-Leitlinie Demenzen (DGPPN, DGN, Deutsche Alzheimer Gesellschaft u. a.), AWMF Reg-Nr. 038-013, Stand 2025. awmf.org
  2. WHO: Dementia — Fact Sheet. who.int
  3. Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Informationen, Beratung und Zahlen zu Demenz in Deutschland. deutsche-alzheimer.de
  4. Livingston G. et al.: Dementia prevention, intervention, and care — 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet 2024; 404:572–628. thelancet.com
  5. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Lecanemab (Leqembi) bei früher Alzheimer-Krankheit. gesundheitsinformation.de
  6. Alzheimer Forschung Initiative: Informationen zu Lecanemab und Donanemab. alzheimer-forschung.de
  7. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Nutzenbewertungsverfahren Lecanemab (frühe Alzheimer-Krankheit), Beschluss 19.02.2026. g-ba.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Medikamentenwahl, Dosierung und die Indikation für spezielle Therapien (wie Anti-Amyloid-Antikörper) werden immer individuell von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten festgelegt — in der Regel in spezialisierten Zentren. Bei Verdacht auf eine Demenz sollte der Hausarzt oder eine Gedächtnisambulanz aufgesucht werden. Rechtliche Vorsorgedokumente (Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung) sollten frühzeitig erstellt werden. Letzte Aktualisierung: April 2026.