Gastritis:
Symptome, Helicobacter pylori & Behandlung
Auf einen Blick
Häufigkeit
Eine der häufigsten Magenerkrankungen; H. pylori-Prävalenz in DE bei ~30 %
Häufigste Ursache
Helicobacter pylori — verantwortlich für einen Großteil der chronischen Fälle
Formen
Akut (meist vorübergehend) vs. chronisch — Typ A (autoimmun), Typ B (H. pylori), Typ C (chemisch)
Heilbar
Akut: meistens ja. Typ B: durch Eradikation in der Regel heilbar. Typ A und C: kontrollierbar
Medikamente (Auswahl)
PPI (Omeprazol, Pantoprazol), Bismut-Quadrupeltherapie bei H. pylori, Antazida
ICD-10
K29
1. Was ist eine Gastritis?
Als Gastritis bezeichnet man eine Entzündung der Magenschleimhaut — jener Schutzschicht, die die Innenwand des Magens auskleidet. Normalerweise produziert diese Schleimhaut Magensäure für die Verdauung und gleichzeitig Schleim und Bikarbonat zum Schutz der Magenwand. Bei einer Gastritis ist dieses empfindliche Gleichgewicht meist gestört.
Gastritis ≠ Sodbrennen ≠ Magengeschwür
Bei
Sodbrennen/Reflux steigt Magensäure in die Speiseröhre auf. Bei der Gastritis ist die Magenschleimhaut selbst entzündet. Ein Magengeschwür (Ulkus) ist in der Regel ein tieferer Defekt — eine länger unbehandelte Gastritis kann allerdings zum Geschwür führen.
¹
Interessant: Ein Großteil der Menschen mit einer Helicobacter-pylori-Infektion hat keine oder kaum Beschwerden. Die Gastritis bleibt in diesen Fällen häufig unbemerkt — kann aber trotzdem langfristig Folgen haben.¹
2. Akut vs. Chronisch — die drei Typen
Akute Gastritis
Eine akute Gastritis tritt in der Regel plötzlich auf — oft innerhalb weniger Stunden. Häufige Auslöser sind übermäßiger Alkoholkonsum, bestimmte Schmerzmittel (NSAR: Ibuprofen, Diclofenac, ASS), starker Stress (z. B. auf der Intensivstation) sowie akute Infektionen (z. B. Noroviren oder Lebensmittelvergiftung).
Die Symptome können anfangs heftig sein, klingen nach Beseitigung der Ursache aber meistens vollständig ab. Die Dauer liegt in der Regel im Bereich von einigen Tagen bis wenigen Wochen.
Chronische Gastritis — die drei ABC-Typen
Typ A
Autoimmungastritis
Seltenere Form: Das Immunsystem greift die säureproduzierenden Belegzellen (Parietalzellen) des Magens an. Mögliche Folgen: verminderte Magensäureproduktion und gestörte Aufnahme von Vitamin B12 (bis zur perniziösen Anämie). Betroffen ist meist der Magenkörper. Tritt nicht selten gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf — z. B. Hashimoto-Thyreoiditis, Typ-1-Diabetes. Nicht heilbar, aber in der Regel gut kontrollierbar — v. a. durch ärztlich begleitete Vitamin-B12-Substitution. Regelmäßige endoskopische Kontrollen häufig empfohlen.
Typ B
Bakteriell (Helicobacter pylori) — häufigste Form
Die mit Abstand häufigste Form der chronischen Gastritis. Verursacht durch das Bakterium Helicobacter pylori, das in der sauren Magenumgebung überleben kann. In Deutschland liegt die H. pylori-Prävalenz bei rund 30 %. Typischerweise ist der Magenausgang (Antrum) betroffen. Eine unbehandelte Infektion kann zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, einem MALT-Lymphom und erhöhtem Magenkarzinom-Risiko führen. Die Typ-B-Gastritis gilt in der Regel als heilbar — durch eine antibiotische Kombinationstherapie (Eradikation, Abschnitt 6). Laut aktueller S2k-Leitlinie soll ein nachgewiesener H. pylori in der Regel eradiziert werden.¹
Typ C
Chemisch (NSAR, Gallensäurereflux, Alkohol)
Verursacht durch eine chemische Reizung der Schleimhaut — am häufigsten durch NSAR-Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, ASS) oder Gallensäurereflux (z. B. nach Magenoperationen). Therapeutisch wichtig: die auslösende Substanz möglichst meiden; zusätzlich wird häufig ein PPI als Magenschutz eingesetzt. Wenn NSAR medizinisch notwendig sind (z. B. bei Rheuma), wird meist dauerhaft ein PPI dazu verordnet.¹
3. Symptome und Alarmzeichen
Typische Beschwerden
- Brennende oder dumpfe Schmerzen im Oberbauch — häufig nach dem Essen, manchmal auch nüchtern
- Druck-, Völlegefühl und Blähungen — besonders nach den Mahlzeiten
- Übelkeit und gelegentliches Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Sodbrennen und saures Aufstoßen
- Oberbauchschmerzen, die teilweise in den Rücken ausstrahlen können
- Unangenehmer Geschmack im Mund
Alarmzeichen — sofort ärztlich abklären lassen
Blut im Erbrochenen (frisch rot oder kaffeesatzartig) · Schwarzer, teerartiger Stuhl (Teerstuhl/Meläna) · Sehr starke, plötzliche, anhaltende Bauchschmerzen · Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme in Kombination mit Magenbeschwerden · Ungewollter Gewichtsverlust über mehrere Wochen. Bei Blutungszeichen oder sehr starken Oberbauchschmerzen sofort 112 rufen.
4. Ursachen und Risikofaktoren
Die drei Hauptursachen
Helicobacter pylori
Verantwortlich für den Großteil der chronischen Gastritis. Prävalenz in Deutschland ~30 % (tendenziell sinkend). Übertragung vermutlich oral-oral oder fäkal-oral, meistens im Kindesalter. Ohne Therapie kann die Infektion zu einer lebenslangen chronisch-aktiven Entzündung führen. Relevante Risikofaktoren: niedrigerer sozioökonomischer Status, infizierte Familienmitglieder, Herkunft aus Regionen mit hoher Prävalenz.¹
NSAR-Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, ASS)
Hemmen u. a. das Enzym COX-1, das für den Schutz der Magenschleimhaut wichtig ist. Das Risiko steigt mit Dosis und Dauer. Kombination von NSAR mit Kortison oder Blutverdünnern gilt als besonders risikoreich. Magenschonendere Alternative in vielen Situationen: Paracetamol. Wenn NSAR medizinisch nötig sind, wird häufig ein PPI als Magenschutz eingesetzt.¹
Autoimmun
Das Immunsystem greift die Belegzellen des Magens an. Seltener als die H. pylori-Gastritis — tritt häufig in Kombination mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.
Weitere Risikofaktoren
- Alkohol — kann die Magenschleimhaut direkt reizen, besonders hochprozentig auf nüchternen Magen
- Rauchen — kann die Regeneration der Schleimhaut beeinträchtigen
- Chronischer Stress — kann die Durchblutung der Schleimhaut verringern
- Kortison-Langzeittherapie — besonders in Kombination mit NSAR
- Gallensäurereflux — z. B. nach Magenoperationen oder bei Motilitätsstörungen
- Höheres Lebensalter — Risiko für atrophische Gastritis und Magenkarzinom nimmt zu
5. Diagnose: Gastroskopie und H. pylori-Test
Nicht jede Person mit Magenbeschwerden benötigt sofort eine Gastroskopie. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten ohne Alarmzeichen kann zunächst ein nicht-invasiver Test auf H. pylori erwogen werden (sogenanntes „Test-and-Treat"). Die Entscheidung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.¹
Gastroskopie — wann empfohlen?
- Alarmzeichen (Blutungshinweise, ungewollter Gewichtsverlust, Schluckbeschwerden)
- Erstmanifestation in höherem Lebensalter
- Ausbleibender Therapieerfolg
- Verdacht auf Magengeschwür oder maligne Veränderung
- Verlaufskontrolle nach Eradikationstherapie bei vorbestehendem Ulkus
Gastroskopie (Goldstandard)
Über ein flexibles Endoskop wird die Magenschleimhaut direkt beurteilt. Gewebeproben (Biopsien) für Histologie und Schnelltest auf H. pylori (Urease-Test) können entnommen werden. Sedierung auf Wunsch möglich. Wichtig: PPI sollten vor einem H. pylori-Nachweis in der Regel einige Wochen vorher pausiert werden — sie können das Testergebnis verfälschen.¹
¹³C-Harnstoff-Atemtest
Gilt als der genaueste nicht-invasive Test. Die Patientin oder der Patient trinkt eine markierte Harnstofflösung — wenn H. pylori vorhanden ist, wird der Harnstoff gespalten und in der Atemluft messbar. Wird auch zur Erfolgskontrolle nach Eradikation eingesetzt.¹
Stuhlantigentest
Nachweis von H. pylori-Antigenen im Stuhl. Einfach durchführbar, auch für Kinder gut geeignet. Aussagekraft vergleichbar mit dem Atemtest.
Bluttest (Antikörper)
Zeigt in der Regel nur, ob jemals eine Infektion vorlag — nicht, ob aktuell noch eine besteht. Für eine Verlaufskontrolle ist er meist nicht geeignet.
H. pylori-Test erst nach PPI-Pause!
Ein H. pylori-Test sollte in der Regel erst einige Wochen nach dem Absetzen von PPI und einige Wochen nach einer Antibiotika-Therapie erfolgen — sonst sind falsch-negative Ergebnisse möglich. Die genauen Zeitabstände legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.
Mehr: Arzttermin vorbereiten.