Haarausfall: Ursachen, Formen
& was du tun kannst

Mehr Haare in der Bürste, ein lichter werdender Scheitel oder plötzlich runde kahle Stellen am Kopf: Haarausfall ist extrem häufig, betrifft Männer und Frauen und kann erheblichen Leidensdruck auslösen – auch wenn er medizinisch in der Regel nicht gefährlich ist. Die gute Nachricht: In vielen Fällen ist Haarausfall reversibel, wenn die Ursache erkannt und behandelt wird. Hier erfährst du, welche Formen es gibt, welche Ursachen typisch sind, welche Therapien wirklich wirken und warum die richtige Diagnose den Unterschied macht.

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1. Was du jetzt tun solltest

Schnellhilfe bei Haarausfall

  • Pull-Test selbst durchführen: 50–60 Haare zwischen Daumen und Zeigefinger zusammennehmen und leicht ziehen – mehr als 5–6 Haare gelöst = Haarausfall.
  • Form einordnen: Diffuses Dünnerwerden, Geheimratsecken, runde kahle Stellen oder vernarbende Bereiche?
  • Basislabor anfragen: Ferritin, TSH, Zink, Vitamin D – häufige behandelbare Ursachen.
  • Medikamente prüfen: Chemotherapie, Retinoide, Betablocker, Lithium und Antiepileptika können Haarausfall auslösen.
  • Sanfte Pflege: Mildes Shampoo, nicht zu heiß föhnen, keine aggressiven Stylingprodukte.
Achtung: Vernarbende Alopezie ist irreversibel Bei Rötung, Schuppung, Juckreiz oder Narbenbildung auf der Kopfhaut sollte schnell eine dermatologische Abklärung erfolgen. Die Haarfollikel werden bei vernarbender Alopezie dauerhaft zerstört – einmal verloren, wachsen die Haare nicht mehr nach.

2. Haarausfall verstehen – Was passiert im Körper?

Jeder Mensch verliert täglich Haare – bis zu etwa 100 pro Tag ist in der Regel normal. Von krankhaftem Haarausfall (Alopezie, Effluvium) spricht man, wenn deutlich mehr Haare ausfallen als nachwachsen, die Haare sichtbar dünner werden oder kahle Stellen entstehen.

Haarausfall kann in jedem Alter auftreten, betrifft Männer und Frauen und hat viele verschiedene Ursachen. In vielen Fällen ist er reversibel – Voraussetzung ist, dass die Ursache erkannt und behandelt wird. Die Abklärung beginnt mit der Frage, um welche Form es sich handelt: erblich bedingter Haarausfall, diffuses Dünnerwerden, kreisrunde kahle Stellen oder vernarbende Alopezie.

Einfacher Selbsttest: Der Pull-Test Nimm 50–60 Haare zwischen Daumen und Zeigefinger und ziehe leicht durch. Wenn sich mehr als 5–6 Haare lösen, ist der Test positiv – das spricht für vermehrten Haarausfall. Den Test mehrmals an verschiedenen Stellen wiederholen. Wichtig: Vor dem Test mindestens 24 Stunden nicht waschen.

3. Formen und häufige Ursachen

3.1 Androgenetische Alopezie (erblich bedingt)

Die mit Abstand häufigste Form. Bei Männern: Geheimratsecken, lichter Scheitel, Glatzenbildung. Bei Frauen: diffuses Dünnerwerden im Scheitelbereich, der frontale Haaransatz bleibt meistens erhalten. Genetisch und hormonell bedingt – die Haarfollikel reagieren überempfindlich auf das Hormon Dihydrotestosteron (DHT).

3.2 Diffuser Haarausfall (telogenes Effluvium)

Gleichmäßiges Dünnerwerden des gesamten Kopfhaares. Tritt in der Regel zwei bis drei Monate nach dem Auslöser auf. Häufige Ursachen:

  • Eisenmangel – häufigste behandelbare Ursache, besonders bei Frauen. Ferritin-Wert bestimmen lassen.
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hashimoto) oder Schilddrüsenüberfunktion – beide können Haarausfall verursachen.
  • Stress (körperlich und psychisch) – nach Operation, schwerer Infektion, psychischer Krise oder Crash-Diät.
  • Medikamente – Chemotherapie, Retinoide, bestimmte Blutverdünner, Betablocker, Lithium, Antiepileptika.
  • Ernährungsmangel – Zink, Biotin, Vitamin D, Eiweißmangel.
  • Nach Infektionen – Post-COVID-Haarausfall ist häufig und in der Regel reversibel.
  • Hormonelle Veränderungen – nach Geburt (postpartales Effluvium), Wechseljahre, PCOS, Absetzen der Pille.

3.3 Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Plötzlich auftretende, scharf begrenzte, runde, kahle Stellen – meistens am Kopf, seltener im Bartbereich oder an anderen Körperstellen. Eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift die eigenen Haarfollikel an. In vielen Fällen wachsen die Haare innerhalb von Monaten spontan nach.

3.4 Vernarbende Alopezie

Selten, aber wichtig: Die Haarfollikel werden durch Entzündung oder Narbenbildung dauerhaft zerstört. Erkennbar an Rötung, Schuppung oder sichtbarer Vernarbung. Erfordert eine frühe dermatologische Abklärung, weil der Haarverlust irreversibel ist.

4. Haarausfall bei Frauen vs. Männern

Haarausfall bei Männern

Häufigste Form ist die androgenetische Alopezie – typisch sind Geheimratsecken, lichter Hinterkopf (Tonsur) und schließlich Glatzenbildung. Beginnt häufig bereits zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Erste Therapieoption: topisches Minoxidil oder Finasterid (Tablette, verschreibungspflichtig). Der hohe psychische Leidensdruck wird bei Männern oft unterschätzt.

Haarausfall bei Frauen

Auch bei Frauen ist die androgenetische Alopezie häufig, zeigt aber ein anderes Muster: diffuses Dünnerwerden im Scheitelbereich, der frontale Haaransatz bleibt erhalten. Besonders häufig ist Eisenmangel – Frauen im gebärfähigen Alter sind durch die Menstruation oft betroffen, auch ohne sichtbare Anämie. Hormonelle Auslöser: nach Geburt (postpartales Effluvium, meist zwischen 2. und 4. Monat nach Entbindung), beim Absetzen der Pille, in den Wechseljahren, bei PCOS. Schilddrüsenerkrankungen sind bei Frauen häufiger und treten oft zusammen mit Haarausfall auf.

Bei Frauen ist topisches Minoxidil zugelassen – Finasterid in der Regel nicht, da es teratogen wirkt. Antiandrogene oder hormonelle Therapien können bei bestimmten Konstellationen sinnvoll sein.

5. Was wirklich hilft

Therapie bei erblich bedingtem Haarausfall

Minoxidil (topisch): Das am häufigsten eingesetzte Mittel. Rezeptfrei als Lösung oder Schaum. Muss langfristig angewendet werden – bei Absetzen fällt das nachgewachsene Haar in der Regel wieder aus. Wirkung setzt erst nach einigen Monaten ein.

Finasterid (Männer): Verschreibungspflichtiger 5-Alpha-Reduktase-Hemmer in Tablettenform. Hemmt die Umwandlung von Testosteron zu DHT. Wirksam, aber mögliche Nebenwirkungen (Libidoverminderung, Erektionsstörungen) müssen mit der Praxis besprochen werden.

Haartransplantation: Chirurgische Option bei stabilem Befund (mindestens ein Jahr). Eigenhaar wird vom Hinterkopf in die kahlen Bereiche verpflanzt. Seriöse Anlaufstellen sind erfahrene dermatologische Praxen oder Universitätshautkliniken.

Therapie bei diffusem Haarausfall

Die Therapie richtet sich nach der Ursache: Eisenmangel mit Eisensubstitution behandeln (Ferritin-Zielwert deutlich über dem unteren Normwert), Hypothyreose mit L-Thyroxin einstellen, auslösende Medikamente in Absprache mit der Praxis umstellen oder absetzen. Plus: ausgewogene Ernährung mit Eiweiß, Zink, Eisen, Vitamin D – und Stressmanagement. Geduld: Nach Beseitigung der Ursache dauert das Nachwachsen drei bis sechs Monate.

Therapie bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata)

Abwarten: Bei kleinen, einzelnen Herden wachsen die Haare oft spontan nach.

Topische Kortikosteroide: Kortisonhaltige Lösungen oder Cremes können das Nachwachsen fördern.

Intraläsionale Kortison-Injektionen: Bei begrenztem Befall direkt in die kahlen Stellen injiziert.

JAK-Inhibitoren (z. B. Baricitinib): Seit 2022 in der EU für schwere Alopecia areata zugelassen. Wirken auf das fehlgesteuerte Immunsystem. Für schwere Verläufe bei Erwachsenen.

Alltag und Pflege

Mildes Shampoo, nicht zu heiß föhnen, keine aggressiven Stylingprodukte. Haare nicht ständig zusammenbinden (Traktionsalopezie). Nahrungsergänzung (Biotin, Zink, Eisen) bringt nur bei nachgewiesenem Mangel etwas – Vorsicht vor überteuerten Haarvitamin-Produkten ohne Evidenz. Bei stärkerem oder dauerhaftem Haarausfall sind Perücken eine Option – die Kosten werden bei Alopecia areata totalis in der Regel von der Krankenkasse übernommen.

6. Liegt es an deiner Medikation?

Manche Medikamente können Haarausfall auslösen oder verstärken – andere sind die wichtigsten Therapieoptionen. Ein Überblick:

MedikamentWirkung auf Haarausfall
Minoxidil (topisch)Behandelt erblich bedingten Haarausfall – rezeptfrei, langfristige Anwendung nötig
Finasterid (Tablette, Männer)Behandelt androgenetische Alopezie – hemmt DHT, mögliche sexuelle Nebenwirkungen
ChemotherapeutikaVerursachen ausgeprägten Haarausfall (Anagen-Effluvium) – meist reversibel nach Therapieende
Betablocker, Lithium, Valproat (Antiepileptikum)Können diffusen Haarausfall auslösen – nicht eigenmächtig absetzen, mit der Praxis sprechen
Tabelle nach rechts scrollbar

Weitere Wirkstoffe, die Haarausfall verursachen können: Retinoide (z. B. Isotretinoin gegen Akne), bestimmte Blutverdünner, Antidepressiva sowie hormonelle Veränderungen nach dem Absetzen der Pille.

Wichtig: Nicht eigenmächtig absetzen Auch wenn du vermutest, dass ein Medikament deinen Haarausfall verursacht – setz es nicht eigenmächtig ab. Sprich mit der behandelnden Praxis. Häufig gibt es Alternativen mit weniger Haar-Nebenwirkung. Prüfe deine Medikation im Wechselwirkungs-Check.

Digitaler Medikationsplan: Erfasse alle Präparate – Dermatologie, Endokrinologie und Hausarzt sehen sofort, welche Wirkstoffe Haarausfall begünstigen können. → Medikationsplan erstellen

Wechselwirkungs-Check: Kann eines deiner Medikamente Haarausfall verursachen? → Wechselwirkungs-Check starten

Einnahme-Erinnerung: Eisenpräparate, L-Thyroxin, Minoxidil oder Finasterid wirken nur bei zuverlässiger Einnahme. → Erinnerung einrichten

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7. Wann solltest du Haarausfall abklären lassen?

  • Schnell zur Dermatologie: Rötung, Schuppung, Juckreiz oder Narbenbildung auf der Kopfhaut – Verdacht auf vernarbende Alopezie (irreversibel!).
  • Zeitnah zum Arzt: Plötzlich auftretende runde, kahle Stellen – Verdacht auf Alopecia areata.
  • Zeitnah zum Arzt: Deutlich vermehrter Haarausfall über mehrere Wochen oder sichtbar dünner werdendes Haar.
  • Zeitnah zum Arzt: Haarausfall mit Begleitsymptomen wie Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit oder Gewichtszunahme – Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion.
  • Zeitnah zum Arzt: Haarausfall nach Beginn eines neuen Medikaments.
  • Haarausfall bei Kindern.
  • Hoher psychischer Leidensdruck – Selbsthilfegruppen wie Alopecia Areata Deutschland e. V. bieten Beratung.

8. Vorbereitung auf den Arzttermin – Deine Checkliste

  • Seit wann? Wochen, Monate, Jahre? Plötzlich oder schleichend?
  • Wo? Diffus, am Scheitel, runde Stellen, Bart, Augenbrauen?
  • Familie: Gibt es Haarausfall in der Familie? Vater, Mutter, Geschwister?
  • Auslöser? Stress, OP, Geburt, Diät, Infektion (auch COVID), neues Medikament?
  • Begleitsymptome: Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtsveränderungen, Hautveränderungen?
  • Medikamente: Vollständige Liste – auch rezeptfreie Mittel und Nahrungsergänzungen.
  • Frauen: Menstruation regelmäßig? Pille abgesetzt? Wechseljahre?

Mehr dazu: Arzttermin vorbereiten und Blutwerte verstehen.

Wie brite dich bei Haarausfall unterstützt

brite hilft dir, Therapie und Medikation zuverlässig zu organisieren – damit du langfristig Erfolg siehst statt frustriert wieder aufzuhören.

  • Einnahme-Erinnerung – Eisenpräparate, L-Thyroxin, Minoxidil und Finasterid regelmäßig anwenden: brite erinnert pünktlich. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check – Kann eines deiner Medikamente Haarausfall verursachen? Wechselwirkungen kostenlos prüfen. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan – Alle Medikamente übersichtlich für Dermatologie, Endokrinologie und Hausarzt. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu Haarausfall

Bis zu etwa 100 Haare pro Tag sind in der Regel normal. Wenn deutlich mehr Haare ausfallen, die Haare sichtbar dünner werden oder kahle Stellen entstehen, sollte eine Abklärung erfolgen.
Bei Männern zeigt sich androgenetischer Haarausfall in der Regel als Geheimratsecken und Glatzenbildung. Bei Frauen äußert er sich als diffuses Dünnerwerden im Scheitelbereich – der Haaransatz bleibt meistens erhalten. Eisenmangel und hormonelle Ursachen sind bei Frauen besonders häufig.
Ja – Eisenmangel ist eine der häufigsten behandelbaren Ursachen für diffusen Haarausfall, besonders bei Frauen. Der Ferritin-Wert sollte bestimmt werden – auch bei normalem Hämoglobin kann ein Eisenmangel vorliegen.
Bei nachgewiesenem Biotinmangel kann eine Supplementierung helfen – ein Biotinmangel ist aber selten. Ohne Mangel bringt die Einnahme von Biotin in der Regel keinen messbaren Vorteil für die Haare. Wichtig: Biotin kann Laborwerte verfälschen (u. a. Schilddrüse, Troponin).
Ein rezeptfreies Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall (Lösung oder Schaum). Muss langfristig und regelmäßig angewendet werden – bei Absetzen fällt das nachgewachsene Haar in der Regel wieder aus. Wirkung zeigt sich erst nach einigen Monaten.
Ja – starker körperlicher oder psychischer Stress kann telogenes Effluvium auslösen. Der Haarausfall tritt in der Regel zwei bis drei Monate nach dem Stressereignis auf und ist meistens reversibel.
Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Haarfollikel angreift. Es entstehen plötzlich runde, kahle Stellen. In vielen Fällen wachsen die Haare spontan nach. Bei schweren Verläufen können JAK-Inhibitoren helfen.
Ja – Post-COVID-Haarausfall (telogenes Effluvium) ist häufig und tritt in der Regel einige Wochen bis Monate nach der Infektion auf. Er ist in den meisten Fällen reversibel – die Haare wachsen innerhalb von Monaten nach.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Alopecia areata (DDG, AWMF 013-088, 2024)
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Haarausfall
  3. EDF/EADV Guidelines on Alopecia Areata (2024)
  4. Alopecia Areata Deutschland e. V.
  5. brite App: Anonymisierte Nutzerdaten, Stand April 2026
Medizinischer Haftungsausschluss: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei plötzlich auftretenden kahlen Stellen, Haarausfall mit Kopfhautveränderungen oder Verdacht auf vernarbende Alopezie zeitnah dermatologisch abklären. Finasterid hat mögliche Nebenwirkungen und sollte nur nach ärztlicher Beratung eingenommen werden. Stand: April 2026.