Depression:
Symptome, Schweregrade & Behandlung

Auf einen Blick

HäufigkeitEine der häufigsten psychischen Erkrankungen — rund jeder fünfte bis sechste Mensch erkrankt im Lauf des Lebens, Frauen etwa doppelt so oft wie Männer
Andere NamenDepressive Episode, depressive Störung, unipolare Depression, „Major Depression"
LeitsymptomGedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebsmangel über mindestens zwei Wochen — nicht bloß ein Stimmungstief
DiagnoseÄrztliches oder psychotherapeutisches Gespräch anhand fester Kriterien — kein Bluttest, keine Bildgebung
ErstlinieJe nach Schweregrad: aktives Beobachten, Psychotherapie, Antidepressiva oder eine Kombination
ICD-10F32.9 (einzelne Episode), F33.9 (wiederkehrend)

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Depression?
  2. Schweregrade & Formen
  3. Symptome: Kern- und Zusatzsymptome
  4. Ursachen & Risikofaktoren
  5. Diagnose & Abgrenzung zu Burnout und Angst
  6. Therapie nach Schweregrad
  7. Antidepressiva im Klartext
  8. Verlauf, Absetzen & Alltag
  9. Wenn Gedanken ans Sterben kommen
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Wenn du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, hol dir sofort Hilfe: Notruf 112 oder Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 bzw. 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr).

1. Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine ernsthafte, aber gut behandelbare Erkrankung — keine Charakterschwäche und kein vorübergehendes Stimmungstief. Sie betrifft, wie man sich fühlt, wie man denkt und wie der Körper funktioniert. Anders als eine normale Traurigkeit, die nach einem belastenden Ereignis kommt und wieder geht, hält eine Depression über mindestens zwei Wochen an, drückt fast durchgehend auf die Stimmung und lässt sich nicht einfach „wegreißen" oder durch einen schönen Moment auflösen.

Zentral ist ein Trio aus drei Beschwerden: eine gedrückte, niedergeschlagene Stimmung, ein Verlust an Interesse und Freude an Dingen, die früher wichtig waren, und ein Mangel an Antrieb und Energie, der schon einfache Alltagsaufgaben zur Kraftanstrengung macht. Diese drei nennt man die Kernsymptome. Sie sind der Kern jeder Diagnose.

Wichtig zu verstehen: Eine Depression ist nicht „nur Kopfsache". Sie geht mit messbaren Veränderungen in der Regulation von Botenstoffen und Stresssystemen im Gehirn einher und zeigt sich oft zuerst körperlich — als Schlafstörung, Appetitverlust, Druck auf der Brust oder anhaltende Müdigkeit. Gerade Männer und ältere Menschen berichten häufiger über solche körperlichen Beschwerden als über Traurigkeit. Genau deshalb bleibt eine Depression manchmal lange unerkannt.

Die gute Nachricht Depressionen gehören zu den psychischen Erkrankungen, die sich am besten behandeln lassen. Mit Psychotherapie, Medikamenten oder einer Kombination bessern sich die Beschwerden bei den meisten Menschen deutlich — auch wenn die Erkrankung sich im Moment ausweglos anfühlt. Genau dieses Gefühl der Ausweglosigkeit ist selbst ein Symptom, kein Urteil über deine Zukunft.

2. Schweregrade & Formen

Depression ist nicht gleich Depression. Für die Behandlung ist entscheidend, wie schwer die Episode ist — denn davon hängt ab, ob zunächst abgewartet, eine Psychotherapie begonnen oder zusätzlich ein Medikament eingesetzt wird. Der Schweregrad richtet sich danach, wie viele der Kern- und Zusatzsymptome vorliegen und wie stark sie den Alltag einschränken.

SchweregradSymptomeAlltag
Leicht2 Kernsymptome + 2 ZusatzsymptomeAlltag mit Mühe noch machbar
Mittelgradig2 Kernsymptome + 3–4 ZusatzsymptomeDeutliche Einschränkung, vieles fällt schwer
Schwer3 Kernsymptome + mindestens 4 ZusatzsymptomeAlltag kaum oder gar nicht mehr zu bewältigen
Tabelle nach rechts scrollbar

Neben dem Schweregrad gibt es unterschiedliche Verlaufsformen. Bei manchen Menschen bleibt es bei einer einzelnen Episode (ICD-10 F32), bei anderen kehren die Episoden im Lauf des Lebens wieder — dann spricht man von einer rezidivierenden (wiederkehrenden) depressiven Störung (F33). Häufige Sonderformen:

  • Dysthymie: eine leichtere, aber sehr langanhaltende depressive Verstimmung über Jahre.
  • Saisonale Depression: Episoden vor allem in der dunklen Jahreszeit („Winterdepression").
  • Wochenbett-Depression: eine Depression in den Wochen und Monaten nach einer Geburt — sie ist häufig und gut behandelbar.
  • Bipolare Störung: Hier wechseln sich depressive Phasen mit übersteigert gehobenen (manischen) Phasen ab. Sie wird anders behandelt als eine reine (unipolare) Depression — deshalb ist die Unterscheidung wichtig.

3. Symptome: Kern- und Zusatzsymptome

Die Diagnose stützt sich auf ein festes Muster aus Kern- und Zusatzsymptomen, die fast täglich über mindestens zwei Wochen bestehen. Die drei Kernsymptome bilden das Fundament:

  • Gedrückte Stimmung: anhaltende Niedergeschlagenheit, Leere oder Hoffnungslosigkeit — oft unabhängig von den Umständen und morgens am schlimmsten.
  • Interessen- und Freudverlust: Dinge, Hobbys oder Menschen, die früher Freude gemacht haben, lassen einen kalt. Fachlich heißt das Anhedonie.
  • Antriebsmangel: schnelle Erschöpfung, bleierne Müdigkeit, das Gefühl, für nichts mehr Kraft zu haben — schon Aufstehen oder Anziehen kann zur Hürde werden.

Dazu kommen die Zusatzsymptome, die das Bild vervollständigen und den Schweregrad mitbestimmen:

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen — Gedanken wirken zäh, Entscheidungen fallen schwer.
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.
  • Schuldgefühle und ein Gefühl von Wertlosigkeit.
  • Pessimistische, hoffnungslose Zukunftsgedanken.
  • Schlafstörungen — typisch ist frühes Erwachen am Morgen, aber auch Ein- und Durchschlafprobleme. Mehr dazu unter Schlafstörungen.
  • Appetit- und Gewichtsveränderungen — meist weniger Appetit, seltener mehr.
  • Gedanken an den Tod oder daran, sich das Leben zu nehmen.

Nicht jeder hat alle Symptome, und sie können sich sehr unterschiedlich äußern. Manche Menschen wirken traurig und verlangsamt, andere sind unruhig und gereizt. Viele berichten zuerst über körperliche Beschwerden — Kopf- oder Rückenschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Herzklopfen —, hinter denen sich kein organisches Problem finden lässt. Man spricht dann von einer „larvierten" (maskierten) Depression.


4. Ursachen & Risikofaktoren

Eine Depression hat selten eine einzelne Ursache. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren — Fachleute sprechen von einem Vulnerabilitäts-Stress-Modell: Wer eine erhöhte Verletzlichkeit mitbringt (etwa durch die Veranlagung), erkrankt eher, wenn zusätzlich Belastungen dazukommen. Wichtig ist: Niemand ist „selbst schuld" an einer Depression.¹

  • Veranlagung: Depressionen treten familiär gehäuft auf. Ein erkranktes Elternteil erhöht das eigene Risiko.
  • Biochemie im Gehirn: gestörte Regulation von Botenstoffen wie Serotonin und Noradrenalin sowie eine überaktive Stressachse.
  • Belastende Lebensereignisse: Verlust, Trennung, Arbeitslosigkeit, chronische Überlastung oder anhaltender Stress.
  • Frühe Erfahrungen: Vernachlässigung, Gewalt oder Traumata in der Kindheit.
  • Körperliche Erkrankungen: etwa Schilddrüsenunterfunktion, chronische Schmerzen, Diabetes oder Schlaganfall.
  • Bestimmte Medikamente und Substanzen, außerdem Alkohol, der Depressionen verstärken kann.
  • Sozialer Rückzug und Einsamkeit, die einen Teufelskreis in Gang setzen.

Häufig kippt eine Situation nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch das Zusammentreffen mehrerer Faktoren über die Zeit. Das erklärt auch, warum eine Depression manchmal „aus heiterem Himmel" zu kommen scheint, obwohl äußerlich alles in Ordnung wirkt. Die biologische Verletzlichkeit war schon da — die Belastung hat das Fass zum Überlaufen gebracht.


5. Diagnose & Abgrenzung zu Burnout und Angst

Die Diagnose stellt eine Ärztin, ein Arzt oder eine psychotherapeutische Fachperson im Gespräch — anhand der oben genannten Kriterien, oft unterstützt durch standardisierte Fragebögen. Es gibt keinen Bluttest und kein bildgebendes Verfahren, das eine Depression beweist. Blutuntersuchungen dienen aber dazu, körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder einen Vitaminmangel auszuschließen, die ähnliche Beschwerden machen können.¹,²

Zwei Abgrenzungen sorgen oft für Verwirrung:

Depression vs. Burnout „Burnout" ist keine eigenständige medizinische Diagnose, sondern beschreibt einen Zustand der Erschöpfung, der stark an Arbeit und Überlastung geknüpft ist. Eine Depression dagegen ist eine klar definierte Erkrankung, die alle Lebensbereiche erfasst — nicht nur den Job — und deren Kern der Verlust von Freude und Antrieb ist. Ein anhaltender Erschöpfungszustand kann in eine echte Depression übergehen. Deshalb lohnt sich bei „Burnout"-Beschwerden eine fachliche Abklärung, ob nicht eine behandlungsbedürftige Depression dahintersteckt.

Die zweite wichtige Abgrenzung betrifft die Angststörung. Angst und Depression überschneiden sich häufig und treten oft gemeinsam auf. Der Unterschied im Kern: Bei einer Angststörung stehen übermäßige Angst, Sorge und körperliche Anspannung im Vordergrund — der Antrieb ist eher erhalten oder sogar erhöht (Unruhe). Bei der Depression dominieren Freud- und Antriebsverlust und eine gedrückte Grundstimmung. Weil beides zusammen vorkommen kann, ist die genaue Einordnung Aufgabe der Fachperson — und beeinflusst, welche Therapie und welches Medikament sinnvoll sind.

  • Ausführliches Gespräch zu Beschwerden, Dauer, Verlauf und Belastungen.
  • Standardisierte Fragebögen (z. B. der PHQ-9) helfen, Schwere und Verlauf einzuschätzen.
  • Körperliche Untersuchung und Blutwerte, um andere Ursachen auszuschließen.
  • Frage nach Suizidgedanken — sie gehört immer dazu und ist ein Zeichen von Sorgfalt, nicht von Misstrauen.

6. Therapie nach Schweregrad

Wie eine Depression behandelt wird, richtet sich vor allem nach ihrem Schweregrad. Es gibt nicht die eine richtige Therapie für alle — leichte Episoden brauchen oft etwas anderes als schwere. Die drei Bausteine sind Psychotherapie, Antidepressiva und begleitende Maßnahmen; sie lassen sich einzeln oder in Kombination einsetzen.¹

Leicht Aktives Beobachten & niedrigschwellige Hilfe
Watchful Waiting
Bei einer leichten Episode empfehlen die Leitlinien häufig erst einmal aktives Beobachten über etwa zwei Wochen, oft mit einem erneuten Termin. Viele leichte Episoden bessern sich von selbst. Antidepressiva sind hier meist noch nicht erste Wahl.
Selbsthilfe & Bewegung
Angeleitete Selbsthilfe, körperliche Aktivität und Online-Programme können bei leichten Episoden nachweislich helfen und das Rückfallrisiko senken.
Mittel Psychotherapie oder Antidepressivum
Psychotherapie
Bei mittelgradigen Episoden sind Psychotherapie und Antidepressiva grundsätzlich gleichwertig wirksam. Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie. Welcher Weg passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Behandlerin oder deinem Behandler — auch deine eigene Präferenz zählt.
Antidepressivum
Ein Medikament ist eine gleichwertige Alternative, besonders wenn keine Psychotherapie kurzfristig verfügbar ist oder du sie bevorzugst. Details zu den Wirkstoffgruppen im nächsten Abschnitt.
Schwer Kombination aus beidem
Kombinationstherapie
Bei einer schweren Episode wird die Kombination aus Psychotherapie und Antidepressivum empfohlen — sie wirkt zusammen besser als jeder Baustein allein. In sehr schweren Fällen oder bei akuter Selbstgefährdung kann eine Behandlung in einer Klinik nötig sein.

7. Antidepressiva im Klartext

Antidepressiva machen nicht abhängig und verändern nicht die Persönlichkeit. Sie greifen in den Haushalt der Botenstoffe im Gehirn ein und helfen, Stimmung, Antrieb und Schlaf wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Welcher Wirkstoff passt, hängt von den Beschwerden, Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit ab. Hier die wichtigsten Gruppen im Klartext:¹

Erstlinie Die tragenden Wirkstoffgruppen
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sind heute meist die erste Wahl. Sie sind gut untersucht und relativ gut verträglich. Typische Nebenwirkungen zu Beginn: Übelkeit, Unruhe und sexuelle Funktionsstörungen — vieles bessert sich nach den ersten Wochen.
SNRI (z. B. Venlafaxin)
Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer wirken auf zwei Botenstoffe. Sie kommen oft zum Einsatz, wenn ein SSRI nicht ausreicht, und können auch bei begleitenden Schmerzen helfen. Zu beachten: möglicher Anstieg von Blutdruck und Puls.
Wirkt über einen anderen Mechanismus und macht eher müde — deshalb oft hilfreich bei ausgeprägten Schlafstörungen und Appetitverlust. Es wird meist abends genommen. Typisch: gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme.
Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin)
Eine ältere, wirksame Gruppe. Sie haben aber mehr Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Verstopfung, Blutdruckabfall, Herzbelastung) und sind bei Überdosierung gefährlicher. Deshalb heute nicht mehr erste Wahl, aber bei bestimmten Verläufen weiterhin sinnvoll.
Geduld in den ersten Wochen Antidepressiva wirken nicht sofort. Bis die stimmungsaufhellende Wirkung einsetzt, vergehen in der Regel zwei bis sechs Wochen — anfangs können sogar Nebenwirkungen auftreten, bevor die Besserung spürbar wird. Das ist kein Zeichen, dass das Medikament nicht wirkt. Wichtig: In dieser Anfangsphase kann der Antrieb zurückkehren, bevor die Stimmung sich hebt — deshalb ist eine engmaschige Begleitung gerade am Anfang so wichtig. Setz das Medikament nicht eigenmächtig ab, weil sich „nichts tut".

Ein weiterer ehrlicher Punkt betrifft das Absetzen. Wird ein Antidepressivum zu schnell reduziert oder abrupt gestoppt, können Absetzsymptome auftreten: Schwindel, grippeartiges Gefühl, „Stromschlag"-Empfindungen im Kopf, Unruhe, Schlafstörungen. Das ist keine Abhängigkeit, sondern eine Umstellungsreaktion des Körpers — sie lässt sich fast immer vermeiden, indem die Dosis über Wochen langsam ausgeschlichen wird. Wie das konkret geht, erklärt der Ratgeber SSRI richtig absetzen.

Behalte deine Therapie zuverlässig im Griff

brite erinnert dich an jede Dosis und dokumentiert Stimmung und Nebenwirkungen — gerade in den entscheidenden ersten Wochen.

  • Einnahme-Erinnerung für jede Dosis
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8. Verlauf, Absetzen & Alltag

Eine Depression ist in aller Regel zeitlich begrenzt: Eine unbehandelte Episode dauert oft mehrere Monate, mit Behandlung geht es meist schneller. Nach dem Abklingen der Beschwerden wird ein Antidepressivum nicht sofort abgesetzt, sondern noch für einige Monate weitergenommen (Erhaltungstherapie), um einen Rückfall zu verhindern. Bei wiederholten Episoden kann eine längere vorbeugende Einnahme sinnvoll sein.¹

  • Tabletten zur festen Zeit: Eine feste Routine erhöht die Zuverlässigkeit. Bei vergessener Einnahme nicht einfach doppelt nehmen.
  • Nicht eigenmächtig absetzen: Auch wenn es dir besser geht — das Absetzen immer mit der Praxis abstimmen und langsam ausschleichen.
  • Struktur und Bewegung: Ein geregelter Tagesablauf, kleine erreichbare Ziele und regelmäßige Bewegung wirken nachweislich stimmungsaufhellend.
  • Kontakte halten: Auch wenn der Rückzug verlockend ist — soziale Kontakte sind ein Schutzfaktor.
  • Alkohol meiden: Er verstärkt depressive Beschwerden und kann mit Medikamenten ungünstig zusammenwirken.
Rückfälle sind kein Versagen Dass Episoden wiederkehren können, gehört zur Natur der Erkrankung — es sagt nichts über deine Willenskraft aus. Wer die eigenen Frühwarnzeichen kennt (z. B. Schlafprobleme, Rückzug, Grübeln) und früh gegensteuert, kann einem Rückfall oft die Wucht nehmen.

Deine Frühwarnzeichen im Blick

Halte in brite fest, wie sich Stimmung, Schlaf und Antrieb entwickeln — so erkennst du Veränderungen früh und hast fürs nächste Gespräch alles parat.

Verlauf dokumentieren

9. Wenn Gedanken ans Sterben kommen

Gedanken an den Tod oder daran, nicht mehr leben zu wollen, sind ein häufiges Symptom der Depression — und ein Grund, aktiv Hilfe zu holen. Solche Gedanken bedeuten nicht, dass du „verrückt" bist oder dass es keinen Ausweg gibt. Sie sind Ausdruck der Erkrankung, und die Erkrankung ist behandelbar.

Akute Suizidgedanken — hol dir jetzt Hilfe Wenn du konkrete Gedanken hast, dir das Leben zu nehmen, warte nicht: Wähle den Notruf 112 oder geh in die nächste Notaufnahme. Rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichst du die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 kann weiterhelfen. Du musst da nicht allein durch — es ist ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu holen.

Wenn du dir um einen anderen Menschen Sorgen machst: Sprich offen an, was dir auffällt. Die Frage nach Suizidgedanken bringt niemanden „auf falsche Gedanken" — im Gegenteil, sie entlastet und öffnet die Tür für Hilfe. Nimm entsprechende Äußerungen immer ernst und ermutige zu professioneller Unterstützung.


So hilft brite dir bei Depression

Eine Depression behandelt man nicht in Tagen, sondern über Monate — und gerade am Anfang, wenn das Medikament noch nicht wirkt, braucht es Geduld und Struktur. Genau dabei unterstützt brite.

  • Einnahme-Erinnerung — SSRI, SNRI oder Mirtazapin zuverlässig und ohne Lücken einnehmen, gerade in den ersten Wochen. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Stimmung, Schlaf und Nebenwirkungen dokumentieren und als Verlauf zum Termin mitbringen. Ideal, um den Wirkeintritt einzuschätzen. Verlauf tracken
  • Wechselwirkungs-Check — erkennt kritische Kombinationen, etwa mehrere serotonerge Wirkstoffe oder Antidepressiva plus bestimmte Schmerzmittel. Jetzt prüfen
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FAQ: Häufige Fragen zu Depression

Von einer Depression spricht man, wenn gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebsmangel fast täglich über mindestens zwei Wochen anhalten und den Alltag beeinträchtigen. Ein normales Stimmungstief geht meist von allein vorbei und lässt sich durch schöne Momente aufhellen — eine Depression nicht. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt sich eine ärztliche Abklärung.
Die stimmungsaufhellende Wirkung setzt in der Regel erst nach zwei bis sechs Wochen ein. In den ersten Tagen können sogar Nebenwirkungen auftreten, bevor eine Besserung spürbar wird. Das ist kein Zeichen, dass das Medikament nicht wirkt. Wichtig ist, es nicht eigenmächtig abzusetzen und den Verlauf mit der Praxis zu besprechen.
Nein. Antidepressiva machen nicht abhängig und verändern nicht die Persönlichkeit. Wird ein Präparat aber zu schnell abgesetzt, können vorübergehende Absetzsymptome wie Schwindel, Unruhe oder „Stromschlag"-Gefühle auftreten. Das ist keine Sucht, sondern eine Umstellungsreaktion — sie lässt sich durch langsames Ausschleichen über Wochen fast immer vermeiden.
„Burnout" ist keine eigenständige Diagnose, sondern ein Erschöpfungszustand, der stark an Arbeit und Überlastung geknüpft ist. Eine Depression ist eine klar definierte Erkrankung, die alle Lebensbereiche erfasst und deren Kern der Verlust von Freude und Antrieb ist. Ein anhaltender Erschöpfungszustand kann in eine Depression übergehen — deshalb ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.
Bei einer Angststörung stehen übermäßige Angst, Sorge und körperliche Anspannung im Vordergrund, der Antrieb ist eher erhalten oder als Unruhe erhöht. Bei der Depression dominieren Freud- und Antriebsverlust und eine gedrückte Grundstimmung. Beides tritt häufig gemeinsam auf, deshalb ist die genaue Einordnung durch eine Fachperson wichtig — sie beeinflusst die Wahl der Therapie.
Das hängt vom Schweregrad ab. Bei leichten Episoden wird oft erst beobachtet und niedrigschwellig geholfen. Bei mittelgradigen Episoden sind Psychotherapie und Antidepressiva gleichwertig — deine Präferenz zählt mit. Bei schweren Episoden wird die Kombination aus beidem empfohlen. Die Entscheidung triffst du gemeinsam mit deiner Behandlerin oder deinem Behandler.
Nicht eigenmächtig. Nach dem Abklingen der Beschwerden wird das Medikament meist noch einige Monate weitergenommen, um einen Rückfall zu verhindern (Erhaltungstherapie). Das Absetzen erfolgt dann langsam und in Absprache mit der Praxis, um Absetzsymptome zu vermeiden. Ein zu frühes oder abruptes Beenden erhöht das Rückfallrisiko.
Ja. Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt nachweislich stimmungsaufhellend und kann besonders bei leichten und mittelgradigen Episoden helfen sowie Rückfällen vorbeugen. Sie ersetzt bei schwereren Verläufen keine Psychotherapie oder Medikamente, ist aber ein wertvoller Baustein. Schon regelmäßige Spaziergänge und ein geregelter Tagesablauf machen einen Unterschied.
Hol dir sofort Hilfe. Bei konkreten Gedanken, dir das Leben zu nehmen, wähle den Notruf 112 oder geh in die nächste Notaufnahme. Rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichst du die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Solche Gedanken sind ein Symptom der Erkrankung, und die Erkrankung ist behandelbar — du musst da nicht allein durch.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression, 3. Auflage (2022). BÄK, KBV, AWMF. leitlinien.de
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Depression. gesundheitsinformation.de
  3. Deutsche Depressionshilfe (Stiftung Deutsche Depressionshilfe). deutsche-depressionshilfe.de
  4. Telefonseelsorge Deutschland. telefonseelsorge.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Therapie. Antidepressiva sollten niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden — bei Fragen die behandelnde Praxis kontaktieren. Bei akuten Gedanken, dir das Leben zu nehmen, wähle sofort den Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 bzw. 0800 111 0 222. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.