Gicht:
Akutanfall, Harnsäure senken & Ernährung

Auf einen Blick

HäufigkeitEine der häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen — vor allem Männer ab dem mittleren Alter und Frauen nach den Wechseljahren
Andere NamenArthritis urica, Urikopathie, Zipperlein (veraltet), Podagra (am Großzehengrundgelenk)
LeitsymptomPlötzlicher, extrem schmerzhafter Anfall eines einzelnen Gelenks — klassisch das Großzehengrundgelenk, oft nachts
DiagnoseTypisches Anfallsbild plus erhöhte Harnsäure; Beweis über Harnsäurekristalle in der Gelenkflüssigkeit
ErstlinieIm Anfall entzündungshemmende Medikamente; danach dauerhafte Harnsäuresenkung, meist mit Allopurinol
ICD-10M10.9 (Gicht, nicht näher bezeichnet)

Harnsäure-Therapie und Anfälle im Blick

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Gicht-Therapie tracken

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Gicht?
  2. Harnsäure: Werte & Zielwert
  3. Symptome & der akute Gichtanfall
  4. Ursachen & Risikofaktoren
  5. Diagnose
  6. Therapie: der akute Anfall
  7. Therapie: Harnsäure dauerhaft senken
  8. Ernährung & Purine
  9. Verlauf, Alltag & Warnzeichen
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Eine laufende harnsäuresenkende Therapie (z. B. Allopurinol) niemals wegen eines Gichtanfalls absetzen — das kann die Werte schwanken lassen und weitere Anfälle auslösen. Umgekehrt sollte man sie auch nicht mitten im akuten Anfall neu beginnen.

1. Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich zu viel Harnsäure im Körper ansammelt. Übersteigt die Harnsäure im Blut dauerhaft ihre Löslichkeitsgrenze, bildet sie feine, nadelförmige Kristalle, die sich vor allem in Gelenken und Sehnen ablagern. Reagiert das Immunsystem plötzlich auf diese Kristalle, entzündet sich das Gelenk heftig — das ist der klassische Gichtanfall.

Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Purine sind Bausteine, die einerseits im Körper selbst anfallen (beim ständigen Umbau von Zellen), andererseits über die Nahrung aufgenommen werden — besonders über Fleisch, Innereien, bestimmte Fische und Alkohol. Normalerweise scheiden die Nieren die überschüssige Harnsäure mit dem Urin aus. Ist dieses Gleichgewicht gestört — weil zu viel Harnsäure gebildet oder zu wenig ausgeschieden wird — steigt der Spiegel im Blut. Diese Hyperurikämie ist die Grundvoraussetzung für Gicht.

Wichtig zu verstehen: Ein erhöhter Harnsäurewert allein ist noch keine Gicht. Viele Menschen haben über Jahre erhöhte Werte, ohne je einen Anfall zu bekommen. Erst wenn sich Kristalle bilden und eine Entzündung auslösen, spricht man von Gicht. Umgekehrt kann der gemessene Harnsäurewert im akuten Anfall sogar normal erscheinen, weil die Harnsäure gerade in den Kristallen „gebunden" ist. Gicht ist also mehr als nur ein Laborwert — sie ist eine echte entzündliche Gelenkerkrankung.

Unbehandelt bleibt es selten bei einem einzigen Anfall. Über die Jahre können die Anfälle häufiger werden, mehrere Gelenke betreffen und schließlich in eine chronische Gicht übergehen, bei der sich sichtbare Harnsäureknoten (Tophi) bilden und Gelenke dauerhaft geschädigt werden. Die gute Nachricht: Genau das lässt sich durch eine konsequente Senkung der Harnsäure fast immer verhindern.

Die gute Nachricht Gicht ist eine der wenigen rheumatischen Erkrankungen, die man ursächlich behandeln kann. Wird die Harnsäure dauerhaft unter den Zielwert gesenkt, lösen sich die Kristalle mit der Zeit auf — Anfälle bleiben aus und bereits entstandene Schäden schreiten nicht weiter fort.

2. Harnsäure: Werte & Zielwert

Harnsäure wird im Blut in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in Mikromol pro Liter (µmol/l) angegeben. Entscheidend ist die Grenze, ab der Harnsäure nicht mehr vollständig in Lösung bleibt: Sie liegt bei etwa 6,8 mg/dl (rund 400 µmol/l). Oberhalb dieses Werts können sich Kristalle bilden — deshalb ist er der Bezugspunkt für die gesamte Behandlung.

BereichHarnsäure (mg/dl)Bedeutung
Normalbereich (Männer)etwa 3,5–7,0Meist unauffällig
Normalbereich (Frauen)etwa 2,5–6,0Vor den Wechseljahren niedriger
Kristallisationsgrenzeab 6,8Ab hier können Kristalle entstehen
Therapieziel bei Gichtunter 6,0Kristalle lösen sich langsam auf
Ziel bei schwerer Gicht / Tophiunter 5,0Schnellere Auflösung der Ablagerungen
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Der wichtigste Wert, den du dir merken solltest, ist der Zielwert unter 6,0 mg/dl. Er ist das eigentliche Ziel jeder Dauertherapie — nicht die Beschwerdefreiheit allein. Denn selbst wenn gerade kein Anfall auftritt, können sich bei höheren Werten weiter Kristalle ablagern. Bei ausgeprägter Gicht mit sichtbaren Knoten wird ein noch niedrigeres Ziel von unter 5,0 mg/dl angestrebt, damit sich die Ablagerungen schneller auflösen.

Deshalb ist Gicht eine der wenigen Erkrankungen, bei der ein einzelner Laborwert das Behandlungsziel so klar vorgibt. Regelmäßige Kontrollen der Harnsäure zeigen, ob die Dosis der Medikamente stimmt — ähnlich wie beim Blutdruck oder beim Langzeitzucker.


3. Symptome & der akute Gichtanfall

Das eindrücklichste Merkmal der Gicht ist der akute Anfall. Er beginnt typischerweise plötzlich, häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden, und erreicht innerhalb weniger Stunden seinen Höhepunkt. Das betroffene Gelenk ist:

  • Extrem schmerzhaft — schon die Berührung durch die Bettdecke kann kaum auszuhalten sein
  • Stark geschwollen und prall
  • Gerötet, oft glänzend, und deutlich überwärmt
  • In der Bewegung stark eingeschränkt

In über der Hälfte der Fälle trifft der erste Anfall das Großzehengrundgelenk — dieses klassische Bild heißt Podagra. Warum gerade dort? Die Zehe ist der kühlste und am weitesten vom Rumpf entfernte Punkt des Körpers, und in kühlerer Umgebung kristallisiert Harnsäure leichter aus. Auch die mechanische Belastung beim Gehen begünstigt die Ablagerung. Betroffen sein können aber ebenso Sprunggelenk, Knie, Finger, Hand- oder Ellenbogengelenk.

Ein einzelner Anfall klingt auch ohne Behandlung nach einigen Tagen bis etwa zwei Wochen von selbst wieder ab. Das täuscht viele darüber hinweg, dass die eigentliche Ursache — die hohe Harnsäure — weiterbesteht. Zwischen den Anfällen ist das Gelenk oft völlig beschwerdefrei (das sogenannte interkritische Intervall). Ohne Dauertherapie folgt aber meist früher oder später der nächste Anfall, und die anfallsfreien Phasen werden mit der Zeit kürzer.

Bei langjähriger, unbehandelter Gicht können sich Tophi bilden: sichtbare, meist schmerzlose Knoten aus Harnsäurekristallen, etwa an Ohren, Fingern, Ellenbogen oder der Achillessehne. Sie sind ein Zeichen dafür, dass sehr viel Harnsäure im Körper abgelagert ist, und ein deutlicher Grund für eine konsequente Senkung. Allgemeine Gelenkschmerzen haben viele Ursachen — der plötzliche, hochrote Einzelanfall ist aber typisch für Gicht.


4. Ursachen & Risikofaktoren

Grundlage jeder Gicht ist eine dauerhaft erhöhte Harnsäure. Ob sie entsteht, hängt von zwei Mechanismen ab: Der Körper bildet zu viel Harnsäure, oder die Nieren scheiden zu wenig aus. Bei den meisten Menschen überwiegt die verminderte Ausscheidung. Beide Wege werden durch Veranlagung und Lebensstil beeinflusst.¹

  • Veranlagung: Gicht tritt familiär gehäuft auf; die Fähigkeit der Nieren, Harnsäure auszuscheiden, ist zum Teil genetisch bestimmt.
  • Geschlecht und Alter: Männer sind deutlich häufiger betroffen. Frauen sind durch das Hormon Östrogen bis zu den Wechseljahren relativ geschützt.
  • Ernährung: Viel Fleisch, Innereien, bestimmte Fische und Meeresfrüchte sowie mit Fruchtzucker gesüßte Getränke erhöhen die Harnsäure.
  • Alkohol: Besonders Bier (auch alkoholfreies, wegen der Purine) und Spirituosen treiben die Werte hoch und lösen Anfälle aus.
  • Übergewicht und das metabolische Syndrom (Bauchfett, hoher Blutdruck, Zuckerstoffwechselstörung) sind eng mit Gicht verbunden.
  • Nierenschwäche: Eine eingeschränkte Nierenfunktion vermindert die Ausscheidung. Umgekehrt schädigt Gicht die Nieren — mehr dazu bei chronische Nierenerkrankung.
  • Medikamente: Bestimmte Entwässerungsmittel (Diuretika) sowie niedrig dosiertes Aspirin können die Harnsäure erhöhen.

Ein Anfall wird oft durch einen konkreten Auslöser angestoßen: ein üppiges Essen mit viel Fleisch, ein Abend mit reichlich Alkohol, eine Fastenkur oder starkes Schwitzen mit Flüssigkeitsmangel, aber auch Infekte, Operationen oder — wichtig — das abrupte Starten oder Ändern einer harnsäuresenkenden Therapie. Deshalb wird eine solche Therapie nie mitten im Anfall neu begonnen und beim Start immer langsam eindosiert.

Auch schlanke, „gesunde" Menschen können Gicht bekommen Gicht gilt als „Wohlstandskrankheit", ist aber stark erblich beeinflusst. Wer eine familiäre Veranlagung hat, kann trotz maßvoller Lebensweise erhöhte Werte haben. Die Ernährung allein reicht dann oft nicht aus, um den Zielwert zu erreichen — Medikamente sind kein Zeichen von persönlichem Versagen.

5. Diagnose

Die Diagnose stützt sich auf das typische Beschwerdebild in Kombination mit der Harnsäure und, wenn möglich, dem direkten Nachweis von Kristallen.¹,²

  • Klinisches Bild: Ein plötzlicher, hochroter, extrem schmerzhafter Einzelanfall — besonders am Großzehengrundgelenk — ist bereits sehr typisch für Gicht.
  • Harnsäure im Blut: meist erhöht. Achtung: Im akuten Anfall kann der Wert normal sein. Aussagekräftiger ist eine Messung einige Wochen nach dem Anfall.
  • Gelenkpunktion: der eigentliche Beweis. Aus dem entzündeten Gelenk wird etwas Flüssigkeit entnommen und unter dem Mikroskop auf Harnsäurekristalle untersucht. So lässt sich Gicht sicher von anderen Ursachen unterscheiden.
  • Bildgebung: Ultraschall oder eine spezielle Computertomografie können Kristallablagerungen sichtbar machen — hilfreich, wenn die Punktion nicht möglich oder das Bild unklar ist.
  • Begleitwerte: Nierenfunktion, Blutzucker, Blutfette und Blutdruck werden mitkontrolliert, weil Gicht häufig mit diesen Erkrankungen zusammen auftritt.

Die wichtigste Abgrenzung ist die zur bakteriellen Gelenkentzündung (septische Arthritis): Auch sie zeigt ein rotes, geschwollenes, schmerzhaftes Gelenk, ist aber ein Notfall. Bei hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl muss diese Ursache immer ausgeschlossen werden — dazu mehr im Warnhinweis weiter unten. Ebenfalls ähneln kann die sogenannte Pseudogicht, bei der andere Kristalle (Kalziumpyrophosphat) die Entzündung auslösen; sie lässt sich nur über die Gelenkflüssigkeit sicher unterscheiden.

6. Therapie: der akute Anfall

Im akuten Gichtanfall geht es um eines: die Entzündung und den Schmerz so schnell wie möglich zu stoppen. Je früher behandelt wird, desto besser — idealerweise in den ersten Stunden. Die Harnsäuresenkung spielt jetzt noch keine Rolle; sie kommt erst danach.¹

Neben Medikamenten helfen einfache Maßnahmen: das Gelenk ruhigstellen und hochlagern, vorsichtig kühlen und reichlich trinken. Für die medikamentöse Behandlung stehen drei bewährte Optionen zur Verfügung, die je nach Begleiterkrankungen ausgewählt werden.

Akut Medikamente gegen den Anfall
NSAR (z. B. Ibuprofen)
Entzündungshemmende Schmerzmittel sind oft erste Wahl bei sonst gesunden Menschen. Sie wirken rasch. Vorsicht bei Magenproblemen, Nierenschwäche und Herzerkrankungen — dann sind sie oft nicht geeignet.
Ein spezielles Gichtmittel, das die Entzündungsreaktion dämpft. Wirkt am besten, wenn es früh und in niedriger Dosierung gegeben wird. Zu hohe Dosen verursachen Durchfall — die moderne, niedrige Dosierung ist deutlich verträglicher.
Kortison (z. B. Prednisolon)
Als Tablette oder direkt ins Gelenk gespritzt sehr wirksam. Besonders geeignet, wenn NSAR und Colchicin nicht in Frage kommen — etwa bei Nierenerkrankung. Kurzzeitig eingesetzt gut verträglich.
Der wichtigste Merksatz zur Harnsäuresenkung Eine harnsäuresenkende Therapie (z. B. Allopurinol) wird nicht mitten im akuten Anfall neu begonnen — ein plötzlicher Abfall der Harnsäure kann den Anfall verstärken oder verlängern. Nimmst du Allopurinol aber bereits, wird es ohne Unterbrechung weiter eingenommen. Absetzen im Anfall wäre ein Fehler, weil schwankende Werte neue Anfälle begünstigen.

7. Therapie: Harnsäure dauerhaft senken

Der akute Anfall behandelt das Symptom — die Dauertherapie behandelt die Ursache. Ihr Ziel ist es, die Harnsäure so weit zu senken, dass sich keine neuen Kristalle bilden und sich vorhandene Ablagerungen mit der Zeit auflösen. Das Ziel ist klar: unter 6,0 mg/dl, bei ausgeprägter Gicht mit Tophi unter 5,0 mg/dl.¹,³

Wann eine dauerhafte medikamentöse Senkung sinnvoll ist, entscheidet die ärztliche Praxis — in der Regel bei wiederholten Anfällen, bei sichtbaren Tophi, bei Gichtschäden im Röntgenbild oder bei sehr hohen Werten und begleitender Nierenerkrankung. Wichtig: Die Therapie ist auf Dauer angelegt. Sie wirkt nur, solange sie eingenommen wird — setzt man sie ab, steigt die Harnsäure wieder, und die Anfälle kehren zurück.

Dauertherapie Harnsäuresenkende Wirkstoffe
Der Standard-Wirkstoff der ersten Wahl. Er hemmt die Bildung von Harnsäure. Wird niedrig begonnen und langsam gesteigert, bis der Zielwert erreicht ist. Regelmäßige Blutkontrollen steuern die Dosis.
Febuxostat
Eine Alternative, wenn Allopurinol nicht vertragen wird oder der Zielwert damit nicht erreicht wird. Wirkt über denselben Mechanismus, wird aber anders über die Niere verarbeitet.
Anfallsschutz beim Start
In den ersten Wochen einer Harnsäuresenkung sind Anfälle paradoxerweise häufiger. Deshalb wird oft für einige Monate niedrig dosiertes Colchicin oder ein NSAR als Schutz mitgegeben.
Nie im Anfall neu starten
Der Beginn erfolgt im anfallsfreien Intervall, nicht im akuten Anfall. Eine bereits laufende Therapie wird während eines Anfalls aber nicht unterbrochen.

Ein häufiges Missverständnis: Viele setzen Allopurinol ab, sobald sie ein paar Monate keinen Anfall mehr hatten — in dem Glauben, „geheilt" zu sein. Genau das führt aber oft zum Rückfall. Der gute Zustand ist das Ergebnis der Behandlung, nicht ihr Ende. Änderungen an der Therapie gehören immer in ärztliche Hand. Mehr zum Umgang mit mehreren Präparaten: Wechselwirkungen von Medikamenten.

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8. Ernährung & Purine

Die Ernährung kann die Harnsäure spürbar beeinflussen — bei leicht erhöhten Werten manchmal ausreichend, bei ausgeprägter Gicht als sinnvolle Ergänzung zu den Medikamenten. Wichtig zur Einordnung: Ernährung allein senkt die Harnsäure meist nur um etwa 1 mg/dl. Wer einen deutlich zu hohen Wert hat, wird das Ziel damit selten allein erreichen — die Ernährung ersetzt die Dauertherapie nicht, sie unterstützt sie.²,³

Purine sind der Rohstoff, aus dem Harnsäure entsteht. Es lohnt sich, purinreiche Lebensmittel zu kennen und in realistischen Portionsgrößen einzuordnen — nicht jede Zahl in Tabellen bezieht sich auf die gleiche Menge.

Lebensmittel (realistische Portion)PuringehaltEmpfehlung
Innereien (Leber, Niere), 100 gSehr hochMeiden
Sardinen, Sardellen, Hering, 100 gSehr hochMeiden
Bier, auch alkoholfrei, 0,5 lHoch (plus Alkoholeffekt)Stark einschränken
Rotes Fleisch/Wurst, 150 gHochSelten, kleine Portionen
Meeresfrüchte, 100 gHochSelten
Hülsenfrüchte, 100 g gegartMittelIn Maßen okay
Gemüse (auch Spinat, Pilze), PortionNiedrig bis mittelUnbedenklich
Milchprodukte (fettarm), PortionSehr niedrigGünstig, senken eher
Eier, Kaffee, WasserPraktisch purinfreiUnbedenklich
Tabelle nach rechts scrollbar

Zwei Punkte überraschen viele: Erstens sind pflanzliche purinreiche Lebensmittel wie Spinat, Pilze oder Hülsenfrüchte deutlich weniger problematisch als tierische — sie müssen nicht streng gemieden werden. Zweitens spielt Fruchtzucker (Fruktose) eine große Rolle: Mit Zucker gesüßte Limonaden und Fruchtsäfte treiben die Harnsäure hoch und sollten stark eingeschränkt werden. Was die Werte dagegen eher senkt, sind fettarme Milchprodukte, Kaffee und vor allem eine ausreichende Trinkmenge.

  • Viel trinken: etwa 2 Liter Wasser täglich (sofern nicht ärztlich begrenzt) helfen den Nieren beim Ausscheiden.
  • Alkohol reduzieren: besonders Bier und Spirituosen; Bier auch in der alkoholfreien Variante purinreich.
  • Zuckergesüßte Getränke meiden: Limonaden und Fruchtsäfte durch Wasser oder ungesüßten Tee ersetzen.
  • Gewicht langsam senken: Übergewicht abbauen hilft — aber keine Radikaldiäten oder Fastenkuren, die kurzfristig Anfälle auslösen können.
  • Tierische Purine begrenzen: Innereien und bestimmte Fische meiden, Fleischportionen klein halten.

9. Verlauf, Alltag & Warnzeichen

Gicht verläuft typischerweise in Phasen: Auf den ersten Anfall folgen oft beschwerdefreie Intervalle, dann — ohne Behandlung — häufigere Anfälle, schließlich die chronische Form mit Tophi und Gelenkschäden. Der entscheidende Hebel gegen diesen Verlauf ist die dauerhafte Harnsäuresenkung. Wird der Zielwert erreicht und gehalten, kann man den Prozess praktisch anhalten und teils zurückdrehen.

  • Dranbleiben an der Tablette: Die Dauertherapie wirkt nur bei zuverlässiger, täglicher Einnahme. Eine feste Routine (z. B. morgens) hilft.
  • Harnsäure kontrollieren lassen: Regelmäßige Blutwerte zeigen, ob die Dosis passt. Werte notieren und zum Termin mitbringen.
  • Auslöser kennen: üppige Mahlzeiten, Alkoholabende, starkes Schwitzen und Flüssigkeitsmangel können Anfälle anstoßen.
  • Vorsicht mit bestimmten Medikamenten: Manche Entwässerungsmittel und niedrig dosiertes Aspirin erhöhen die Harnsäure — nicht selbst absetzen, aber ärztlich prüfen lassen.
  • Begleiterkrankungen mitbehandeln: Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gehören zur Gicht dazu, weil sie oft gemeinsam auftreten.
Septische Arthritis ausschließen — im Zweifel Notfall Ein akut stark geschwollenes, gerötetes Gelenk zusammen mit hohem Fieber, Schüttelfrost und ausgeprägtem Krankheitsgefühl kann statt eines Gichtanfalls eine bakterielle Gelenkentzündung (septische Arthritis) sein — ein medizinischer Notfall, der rasch behandelt werden muss, um das Gelenk zu retten. Warte in diesem Fall nicht ab, sondern lass dich umgehend ärztlich untersuchen bzw. wähle im Notfall die 112.

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Gicht behandelt man nicht in Tagen, sondern über Jahre — der akute Anfall ist nur die Spitze. Die Dauertherapie wirkt nur, wenn sie zuverlässig läuft und die Harnsäure im Blick bleibt. Genau dabei unterstützt brite.

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FAQ: Häufige Fragen zu Gicht

Ab etwa 6,8 mg/dl können sich Harnsäurekristalle bilden. Ein hoher Wert allein ist aber noch keine Gicht — erst wenn Kristalle eine Gelenkentzündung auslösen, spricht man davon. Umgekehrt kann der Wert im akuten Anfall sogar normal sein. Der Therapie-Zielwert liegt unter 6,0 mg/dl, bei schwerer Gicht unter 5,0.
Das Gelenk ruhigstellen, hochlagern, vorsichtig kühlen und viel trinken. Medikamentös helfen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen), Colchicin oder Kortison — je früher, desto besser. Welches Mittel passt, hängt von deinen Begleiterkrankungen ab. Eine harnsäuresenkende Therapie wird jetzt nicht neu begonnen.
Nein. Ein bereits laufendes Allopurinol wird während eines Anfalls ohne Unterbrechung weiter eingenommen — Absetzen würde die Werte schwanken lassen und weitere Anfälle begünstigen. Neu begonnen wird die harnsäuresenkende Therapie dagegen nicht im akuten Anfall, sondern erst im beschwerdefreien Intervall.
Dieses Bild heißt Podagra. Das Großzehengrundgelenk ist der kühlste und körperfernste Punkt, und in kühlerer Umgebung kristallisiert Harnsäure leichter aus. Auch die Belastung beim Gehen begünstigt Ablagerungen. In über der Hälfte der Fälle beginnt Gicht deshalb dort — betroffen sein können aber auch Sprunggelenk, Knie oder Finger.
In der Regel ja. Die Harnsäuresenkung wirkt nur, solange sie eingenommen wird — setzt man sie ab, steigt die Harnsäure wieder und die Anfälle kehren zurück. Der beschwerdefreie Zustand ist das Ergebnis der Therapie, nicht ihr Ende. Änderungen gehören immer in ärztliche Hand.
Vor allem Innereien, bestimmte Fische (Sardinen, Hering, Sardellen), Meeresfrüchte, viel rotes Fleisch, Bier (auch alkoholfrei) und mit Fruchtzucker gesüßte Getränke. Pflanzliche purinreiche Lebensmittel wie Spinat, Pilze oder Hülsenfrüchte sind dagegen wenig problematisch. Günstig sind fettarme Milchprodukte, Kaffee und viel Wasser.
Ernährung hilft, senkt die Harnsäure aber meist nur um etwa 1 mg/dl. Bei deutlich zu hohen Werten oder häufigen Anfällen reicht das oft nicht, um den Zielwert zu erreichen — dann sind Medikamente nötig. Die Ernährung ersetzt die Dauertherapie nicht, sondern unterstützt sie. Gicht ist auch stark erblich beeinflusst.
Die Akuttherapie stoppt Schmerz und Entzündung im Anfall — mit NSAR, Colchicin oder Kortison. Die Dauertherapie senkt danach die Harnsäure dauerhaft unter 6,0 mg/dl, meist mit Allopurinol, damit keine neuen Kristalle entstehen. Beides gehört zusammen: Die Akutmittel behandeln das Symptom, die Dauertherapie die Ursache.
Wenn ein akut stark geschwollenes, gerötetes Gelenk mit hohem Fieber, Schüttelfrost und schwerem Krankheitsgefühl einhergeht, kann statt Gicht eine bakterielle Gelenkentzündung (septische Arthritis) vorliegen — ein Notfall. Warte dann nicht ab, sondern lass dich rasch ärztlich untersuchen bzw. wähle im Notfall die 112.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. Richette P. et al. 2016 updated EULAR evidence-based recommendations for the management of gout. European League Against Rheumatism (EULAR). eular.org
  2. DEGAM-Leitlinie / hausärztliche Versorgung Gicht (AWMF). awmf.org
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Gicht. gesundheitsinformation.de
  4. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). rheumatologie.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Eine harnsäuresenkende Therapie sollte niemals eigenmächtig abgesetzt, begonnen oder in der Dosis verändert werden — bei Fragen die behandelnde Praxis kontaktieren. Bei einem akut geschwollenen, geröteten Gelenk mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl sofort ärztliche Hilfe suchen oder den Notruf 112 wählen. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.