Migräne:
Attacke stoppen, Aura verstehen & vorbeugen

Auf einen Blick

HäufigkeitEine der häufigsten neurologischen Erkrankungen — in Deutschland sind rund 10–15 % der Erwachsenen betroffen, Frauen etwa dreimal so oft wie Männer
Andere NamenMigräneattacke, Hemikranie, „Migräne mit/ohne Aura"
LeitsymptomAnfallsartiger, oft einseitiger, pulsierend-pochender Kopfschmerz, verstärkt durch Bewegung, häufig mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit
DiagnoseKlinisch anhand des typischen Attackenmusters (Kopfschmerzkalender) — bildgebende Verfahren nur bei Warnzeichen
ErstlinieAkut: Triptan oder Schmerzmittel plus Mittel gegen Übelkeit; zur Vorbeugung Prophylaxe-Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen
ICD-10G43.9 (Migräne, nicht näher bezeichnet)

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Attacken tracken

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Migräne?
  2. Mit vs. ohne Aura & die Phasen der Attacke
  3. Symptome
  4. Ursachen & Trigger
  5. Diagnose & Attackenprotokoll
  6. Therapie: Akutbehandlung der Attacke
  7. Therapie: Prophylaxe im Klartext
  8. Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz
  9. Alltag & Warnzeichen
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Ein schlagartiger, noch nie erlebter „Vernichtungskopfschmerz", Kopfschmerz mit Fieber und steifem Nacken oder mit Lähmungen gehört sofort abgeklärt — im Zweifel Notruf 112. Das ist keine gewöhnliche Migräne.

1. Was ist Migräne?

Migräne ist keine gewöhnliche Kopfschmerzart, sondern eine eigenständige neurologische Erkrankung. Charakteristisch sind wiederkehrende Attacken mit meist einseitigem, pulsierend-pochendem Kopfschmerz, der sich bei körperlicher Aktivität verstärkt und oft von Übelkeit sowie einer ausgeprägten Empfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm begleitet wird. Eine einzelne Attacke dauert unbehandelt zwischen 4 und 72 Stunden — von einigen Stunden bis zu drei Tagen.

Anders als bei einem einfachen Spannungskopfschmerz sind Betroffene während einer Attacke häufig kaum arbeits- oder handlungsfähig. Viele ziehen sich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurück und warten das Schlimmste liegend ab. Migräne ist damit nicht nur schmerzhaft, sondern eine der weltweit führenden Ursachen für verlorene gesunde Lebenszeit im mittleren Erwachsenenalter — also genau in den produktivsten Jahren.

Was im Kopf passiert, ist heute deutlich besser verstanden als früher. Bei einer Attacke kommt es zu einer vorübergehenden Übererregbarkeit des Gehirns und zu einer Aktivierung des sogenannten trigemino-vaskulären Systems — eines Nervengeflechts, das die Blutgefäße der Hirnhäute versorgt. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, allen voran ein Eiweiß namens CGRP, das Gefäße erweitert und den Schmerz vermittelt. Genau an diesem Botenstoff setzen moderne Migränemedikamente an. Migräne ist also kein „Zeichen von Schwäche" und keine reine Stressfolge, sondern hat eine klare biologische Grundlage — sie ist gut behandelbar, aber nicht heilbar im Sinne eines dauerhaften Verschwindens.

Die gute Nachricht Migräne lässt sich heute auf zwei Ebenen wirksam behandeln: Eine gut gewählte Akuttherapie kann die einzelne Attacke oft innerhalb von ein bis zwei Stunden stoppen, und eine Prophylaxe senkt bei häufigen Attacken deren Zahl und Stärke deutlich. Viele Menschen gewinnen damit einen großen Teil ihres Alltags zurück.

2. Mit vs. ohne Aura & die Phasen der Attacke

Grob unterscheidet man zwei Hauptformen: die Migräne ohne Aura (früher „gewöhnliche Migräne") und die Migräne mit Aura (früher „klassische Migräne"). Rund zwei Drittel der Betroffenen haben keine Aura, ein Drittel erlebt zumindest gelegentlich eine.

Eine Aura ist eine vorübergehende neurologische Störung, die dem Kopfschmerz meist vorausgeht oder ihn begleitet. Sie entwickelt sich typischerweise langsam über 5 bis 20 Minuten und dauert in der Regel nicht länger als 60 Minuten. Am häufigsten sind Sehstörungen: Flimmern, Lichtblitze, Zickzacklinien oder ein blinder Fleck, der sich langsam über das Gesichtsfeld ausbreitet. Seltener treten ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl auf, das langsam von der Hand über den Arm bis ins Gesicht „wandert", oder Wortfindungsstörungen. Entscheidend für die Abgrenzung zum Schlaganfall ist, dass sich eine Migräne-Aura langsam aufbaut und wieder vollständig zurückbildet — ein Schlaganfall dagegen beginnt schlagartig.

Aura zum ersten Mal? Immer abklären lassen Eine erstmalige Aura, plötzliche Sehstörungen oder Taubheitsgefühle sollten immer ärztlich abgeklärt werden — vor allem, um einen Schlaganfall auszuschließen. Erst wenn das Muster gesichert bekannt ist, lässt es sich sicher der Migräne zuordnen.

Eine Attacke läuft oft in mehreren Phasen ab, die nicht jeder gleich stark erlebt. Wer sie kennt, kann früher gegensteuern:

PhaseZeitpunktTypische Zeichen
Vorbotenphase (Prodrom)Stunden bis 2 Tage vorherGähnen, Heißhunger, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Nackensteife
Aura5–60 Minuten vor/mit SchmerzFlimmern, Zickzacklinien, Kribbeln, Sprachstörung (nur bei ca. einem Drittel)
Kopfschmerzphase4–72 StundenPochender, oft einseitiger Schmerz, Übelkeit, Licht- und Lärmscheu
Rückbildung & Erschöpfung (Postdrom)Bis 1–2 Tage danach„Kopfschmerz-Kater", Müdigkeit, Erschöpfung, Stimmungstief
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Das Wissen um die Vorbotenphase ist praktisch wertvoll: Wer die eigenen Frühzeichen — etwa vermehrtes Gähnen oder Heißhunger auf Süßes — erkennt, kann Ruhe, Flüssigkeit und rechtzeitige Medikamenteneinnahme besser timen. Das Einnahmefenster für Akutmedikamente ist entscheidend: möglichst früh in der Kopfschmerzphase, aber nicht schon während der Aura (dazu mehr im Therapie-Kapitel).


3. Symptome

Der Migränekopfschmerz hat ein recht typisches Muster, das ihn von anderen Kopfschmerzarten unterscheidet. Nicht jedes Merkmal muss bei jeder Attacke vorhanden sein, aber die Kombination ist charakteristisch:

  • Lokalisation: häufig einseitig (kann aber die Seite wechseln oder beidseitig sein), oft im Bereich von Schläfe, Stirn oder hinter dem Auge
  • Schmerzcharakter: pulsierend, pochend, hämmernd — im Takt des Herzschlags
  • Verstärkung durch Bewegung: Treppensteigen, Bücken oder Alltagsaktivität machen den Schmerz schlimmer — deshalb der Rückzug ins Bett
  • Begleitende Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Licht- und Lärmscheu (Photo- und Phonophobie), oft auch Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen
  • Dauer: unbehandelt 4 bis 72 Stunden

Zum Vergleich: Ein Spannungskopfschmerz fühlt sich eher dumpf-drückend an, liegt wie ein „Band" um den ganzen Kopf, ist beidseitig und wird durch Bewegung nicht schlechter — meist fehlen Übelkeit und starke Lichtscheu. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung deutlich unterscheidet.

Bei Kindern sieht Migräne anders aus Bei Kindern und Jugendlichen sind die Attacken oft kürzer, häufiger beidseitig und stärker von Bauchschmerzen, Übelkeit und Blässe geprägt. Der Kopfschmerz steht nicht immer im Vordergrund — deshalb wird Migräne im Kindesalter leicht übersehen.

4. Ursachen & Trigger

Die grundlegende Veranlagung zur Migräne ist zu einem großen Teil genetisch bedingt — Migräne tritt familiär gehäuft auf. Betroffene bringen eine erhöhte Reizempfindlichkeit des Gehirns mit; ihr Nervensystem reagiert empfindlicher auf Schwankungen von innen und außen. Auf diesem Boden können bestimmte Auslöser (Trigger) eine einzelne Attacke anstoßen. Wichtig zu verstehen: Trigger sind nicht die Ursache der Migräne, sondern nur der Funke — und sie sind sehr individuell.

Zu den häufig genannten Triggern zählen:

  • Stress — oder gerade das Nachlassen von Stress („Wochenend-" oder „Feierabend-Migräne")
  • Veränderter Schlafrhythmus — zu wenig, aber auch zu viel Schlaf
  • Ausgelassene Mahlzeiten und dadurch schwankender Blutzucker
  • Hormonschwankungen — besonders der Abfall des Östrogens vor der Menstruation (menstruelle Migräne)
  • Flüssigkeitsmangel und zu wenig Trinken
  • Wetterwechsel und Veränderungen des Luftdrucks
  • Alkohol (vor allem Rotwein) und teils bestimmte Lebensmittel
  • Starke Sinnesreize — grelles oder flackerndes Licht, laute Geräusche, intensive Gerüche

Der wichtigste Schutzfaktor ist ein regelmäßiger Rhythmus: gleichmäßige Schlaf- und Essenszeiten, ausreichend Flüssigkeit und ein bewusster Umgang mit Stress. Das klingt unspektakulär, ist aber einer der wirksamsten Hebel überhaupt. Beim Thema Ernährung lohnt sich Nüchternheit statt strenger Verbotslisten: Nur wenige Menschen haben wirklich einen zuverlässigen Nahrungs-Trigger. Statt vieler Lebensmittel pauschal zu streichen, hilft ein Kopfschmerzkalender, echte von vermeintlichen Auslösern zu unterscheiden.


5. Diagnose & Attackenprotokoll

Die Diagnose Migräne wird in aller Regel klinisch gestellt — also allein aus der Krankengeschichte und dem typischen Muster der Attacken, ohne dass ein Gerät sie „beweisen" könnte. Eine bildgebende Untersuchung (MRT/CT) ist bei einer typischen Migräne nicht nötig und wird nur bei Warnzeichen oder untypischem Verlauf veranlasst.

Das mit Abstand wichtigste Werkzeug ist ein Kopfschmerzkalender beziehungsweise Attackenprotokoll. Er hilft, die Diagnose zu sichern, Trigger zu erkennen und später den Behandlungserfolg zu beurteilen. Notiere für jede Attacke:

  • Datum und Dauer der Attacke sowie die Tageszeit des Beginns.
  • Schmerzstärke (z. B. auf einer Skala von 0 bis 10) und Ort des Schmerzes.
  • Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht-/Lärmscheu oder eine Aura.
  • Mögliche Trigger: Schlaf, Stress, Mahlzeiten, Menstruation, Wetter.
  • Medikament, Dosis und Uhrzeit der Einnahme — und ob es geholfen hat. Das ist zugleich die Grundlage, um einen Übergebrauch früh zu erkennen.

Für die Diagnose einer Migräne ohne Aura braucht es typischerweise mindestens fünf solcher Attacken mit den passenden Merkmalen; bei Aura reichen zwei. Diese Zahlen muss man sich nicht merken — wichtig ist, dass ein gut geführtes Protokoll der ärztlichen Praxis die Einordnung deutlich erleichtert. Die Ärztin oder der Arzt wird zusätzlich das Nervensystem untersuchen und gezielt nach Warnzeichen fragen, die gegen eine harmlose Migräne sprechen (siehe Kapitel 9).

6. Therapie: Akutbehandlung der Attacke

Ziel der Akuttherapie ist, eine einzelne Attacke möglichst rasch und vollständig zu stoppen. Zwei Prinzipien entscheiden über den Erfolg: die richtige Substanz und das richtige Einnahmefenster. Als Faustregel gilt: so früh wie möglich in der Kopfschmerzphase, in ausreichender Dosis und nicht zögerlich häppchenweise. Wer zu lange wartet, bis der Schmerz „richtig schlimm" ist, verschenkt Wirkung.¹

Ein bewährter Trick gegen die Übelkeit und die verlangsamte Magentätigkeit während der Attacke: Etwa 15 Minuten vor dem eigentlichen Schmerzmittel ein Mittel gegen Übelkeit einnehmen. Es lindert nicht nur die Übelkeit, sondern verbessert auch die Aufnahme des nachfolgenden Schmerzmittels.

Stufe 1 Leichte bis mittelstarke Attacken
Mittel gegen Übelkeit (z. B. Metoclopramid)
Etwa 15 Minuten vor dem Schmerzmittel eingenommen. Lindert die Übelkeit und regt die Magenbewegung an, damit das Schmerzmittel besser aufgenommen wird. Domperidon ist eine Alternative.
Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen)
NSAR wie Ibuprofen (z. B. 400–600 mg) oder Acetylsalicylsäure sind bei leichteren Attacken gut wirksam. Wichtig: ausreichend hoch dosieren und früh nehmen. Metamizol ist eine weitere Option, besonders wenn NSAR nicht vertragen werden.
Stufe 2 Mittelstarke bis schwere Attacken — Triptane
Triptane (z. B. Sumatriptan)
Die spezifischen Migränemittel. Sie wirken gezielt am trigemino-vaskulären System und stoppen die Attacke, statt nur den Schmerz zu dämpfen. Sumatriptan ist der Klassiker; es gibt weitere Wirkstoffe (z. B. Zolmitriptan, Rizatriptan, Naratriptan) mit unterschiedlicher Wirkgeschwindigkeit und -dauer.
Einnahmefenster & Darreichung
Triptane früh in der Kopfschmerzphase nehmen — nicht während der Aura, sondern erst wenn der Kopfschmerz einsetzt. Bei starker Übelkeit helfen Nasenspray oder Schmelztablette. Wirkt eine Attacke zunächst, kehrt der Schmerz aber zurück, ist eine zweite Dosis nach frühestens 2 Stunden möglich.
Wann Triptane nicht passen
Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (etwa nach Herzinfarkt oder Schlaganfall) sind Triptane in der Regel nicht geeignet, weil sie Gefäße verengen. In solchen Fällen und bei Unverträglichkeit gibt es neuere Alternativen — das gehört in ärztliche Hand.
Nicht an zu vielen Tagen So wirksam Akutmedikamente sind — werden sie an zu vielen Tagen im Monat genommen, drohen sie selbst Kopfschmerzen auszulösen (Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz, siehe Kapitel 8). Deshalb gilt die 10/20-Regel, und häufige Attacken sind ein Signal, über eine Prophylaxe nachzudenken.

7. Therapie: Prophylaxe im Klartext

Während die Akuttherapie die einzelne Attacke bekämpft, soll die Prophylaxe die Zahl, Stärke und Dauer der Attacken langfristig senken. Sie ist keine Behandlung für den Notfall, sondern wird täglich und dauerhaft eingenommen. Eine Prophylaxe wird üblicherweise erwägt, wenn du drei oder mehr Attacken pro Monat hast, die Attacken besonders schwer oder lang sind, Akutmedikamente nicht ausreichend wirken oder ein drohender Übergebrauch besteht.¹,²

Wichtig für die Erwartung: Eine Prophylaxe wirkt nicht sofort. Der Effekt baut sich über 6 bis 8 Wochen auf, und die Dosis wird meist langsam gesteigert. Als Erfolg gilt bereits eine Halbierung der Attackentage — nicht deren völliges Verschwinden. Deshalb lohnt sich Geduld, und der Kopfschmerzkalender ist der beste Weg, den Erfolg objektiv zu beurteilen.

Klassisch Bewährte Prophylaxe-Wirkstoffe
Betablocker (z. B. Metoprolol, Propranolol)
Ursprünglich Blutdruckmittel, gehören sie zu den am besten belegten Migräne-Prophylaktika. Besonders geeignet, wenn zusätzlich Bluthochdruck besteht. Zu beachten: können müde machen und den Puls senken.
Antikonvulsiva (z. B. Topiramat)
Ein ursprüngliches Epilepsie-Medikament mit guter Wirkung gegen Migräne. Mögliche Nebenwirkungen sind Kribbeln in Händen/Füßen, Konzentrationsstörungen und Gewichtsabnahme. In der Schwangerschaft nicht geeignet.
Amitriptylin (Amitriptylin)
Ein niedrig dosiertes Antidepressivum, das besonders dann hilfreich ist, wenn zusätzlich ein Spannungskopfschmerz, Schlafstörungen oder eine depressive Verstimmung bestehen. Wird abends eingenommen, kann anfangs müde machen.
Modern Gezielte & nicht-medikamentöse Prophylaxe
CGRP-Antikörper
Eine neuere Wirkstoffgruppe, die gezielt den Botenstoff CGRP oder seinen Rezeptor blockiert. Sie wird als Spritze unter die Haut (meist monatlich) gegeben und kommt vor allem infrage, wenn klassische Prophylaktika nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden.
Nicht-medikamentöse Verfahren
Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungsverfahren (z. B. progressive Muskelentspannung), Biofeedback und eine Verhaltenstherapie zum Stressmanagement sind wissenschaftlich gut belegt und wirken am besten in Kombination mit der medikamentösen Prophylaxe.
Regelmäßigkeit als Basis
Feste Schlaf- und Essenszeiten, ausreichend Trinken und Pausen sind die Grundlage jeder Prophylaxe. Sie kosten nichts, haben keine Nebenwirkungen und verstärken die Wirkung aller anderen Maßnahmen.

Welche Prophylaxe passt, hängt von der Attackenzahl, Begleiterkrankungen und deiner Lebenssituation ab — etwa bei Kinderwunsch, Bluthochdruck oder Schlafproblemen. Das ist eine gemeinsame Entscheidung mit der ärztlichen Praxis. Nebenwirkungen zu Beginn sind kein Grund zum stillen Aufhören: Oft lassen sie nach oder ein anderer Wirkstoff passt besser.

Behalte Akut- und Prophylaxe-Therapie im Griff

brite erinnert dich an deine tägliche Prophylaxe, zählt deine Attacken- und Medikamententage und macht deinen Verlauf fürs nächste Arztgespräch sichtbar.

  • Einnahme-Erinnerung für die tägliche Prophylaxe
  • Attacken- und Medikamententage im Blick
  • Wechselwirkungen im Check
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8. Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz

Ein besonders wichtiges, aber oft übersehenes Problem: Werden Akut- und Schmerzmittel zu häufig eingenommen, können sie selbst einen Dauerkopfschmerz verursachen — den Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz (MÜK). Er entsteht paradoxerweise gerade durch die Mittel, die eigentlich helfen sollen, und ist eine der häufigsten Ursachen dafür, dass aus episodischer eine fast tägliche Migräne wird.

Die Faustregel dagegen ist einfach zu merken und heißt 10/20-Regel:

MedikamentengruppeGrenze pro MonatBeispiele
Triptane, Opioide, Kombinationsschmerzmittelan höchstens 10 TagenSumatriptan & andere Triptane, Mischpräparate mit Koffein
Einfache Schmerzmittel (NSAR/Nicht-Opioide)an höchstens 20 TagenIbuprofen, Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Metamizol
Tabelle nach rechts scrollbar

Kurz gesagt: Triptane und Kombipräparate an maximal 10 Tagen, einfache Schmerzmittel an maximal 20 Tagen im Monat — und das über mehr als drei Monate hinweg. Wer regelmäßig darüber liegt, riskiert einen Übergebrauchskopfschmerz. Ein Warnsignal ist, wenn die Zahl der Kopfschmerztage schleichend steigt und man immer öfter „vorsichtshalber" zur Tablette greift.

Die gute Nachricht: MÜK ist rückbildungsfähig. Der wichtigste Schritt ist, den Übergebrauch zu beenden — die sogenannte Medikamentenpause. Das gelingt am besten mit ärztlicher Begleitung und häufig zusammen mit dem Start einer Prophylaxe, die den Weg aus dem Teufelskreis ebnet. Genau hier zahlt sich das lückenlose Zählen der Medikamententage aus: Nur wer seine Einnahmetage kennt, bemerkt einen drohenden Übergebrauch rechtzeitig.


9. Alltag & Warnzeichen

Der größte Teil des Umgangs mit Migräne findet im Alltag statt. Ein paar Gewohnheiten machen einen echten Unterschied zwischen häufigen und seltenen Attacken:

  • Kalender führen: Attacken, Trigger und Medikamententage festhalten — die Grundlage, um Muster zu erkennen und den Übergebrauch zu vermeiden.
  • Rhythmus halten: feste Schlaf- und Essenszeiten, ausreichend trinken, Pausen einplanen — auch am Wochenende.
  • Früh und richtig behandeln: Akutmedikament rechtzeitig, ausreichend dosiert und innerhalb der 10/20-Grenzen einnehmen.
  • Bewegung als Prophylaxe: regelmäßiger, moderater Ausdauersport senkt nachweislich die Attackenzahl.
  • Prophylaxe nicht vorschnell aufgeben: Sie braucht 6–8 Wochen, bis sie wirkt.

So belastend eine Migräneattacke ist — sie ist an sich nicht gefährlich. Es gibt jedoch Kopfschmerzen, hinter denen eine ernste, akut behandlungsbedürftige Ursache steckt. Die folgenden Warnzeichen (Red Flags) sprechen gegen eine harmlose Migräne und gehören sofort abgeklärt.

Sofort Notruf 112 — das ist keine gewöhnliche Migräne Wähle umgehend den Notruf 112 bei einem schlagartigen, extrem heftigen „Donnerschlag"-Kopfschmerz, der innerhalb von Sekunden sein Maximum erreicht; bei Kopfschmerz mit Fieber und steifem Nacken; bei neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Sprach- oder anhaltenden Sehstörungen, die nicht zum bekannten Aura-Muster passen; bei dem ersten oder schlimmsten Kopfschmerz deines Lebens; sowie bei Kopfschmerz nach einem Unfall/Sturz oder mit Krampfanfall und Bewusstseinstrübung. Im Zweifel immer lieber einmal zu viel abklären lassen.

Auch ohne Notfall gilt: Wenn sich der Charakter deiner Kopfschmerzen deutlich ändert, sie erstmals nach dem 50. Lebensjahr auftreten oder trotz Behandlung immer häufiger werden, solltest du das ärztlich abklären lassen.

Erkenne deine Trigger im Verlauf

Halte in brite fest, wann Attacken auftreten und was ihnen vorausging — so werden Muster sichtbar, die im Kopf allein verborgen bleiben.

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So hilft brite dir bei Migräne

Migräne behandelt man nicht mit einer einzigen Tablette, sondern mit einem System aus Akuttherapie, Prophylaxe und dem Vermeiden des Übergebrauchs. Das gelingt nur, wenn Attacken, Trigger und Medikamententage im Blick bleiben. Genau dabei unterstützt brite.

  • Einnahme-Erinnerung — die tägliche Prophylaxe (z. B. Betablocker, Topiramat oder Amitriptylin) pünktlich und ohne Lücken, damit sie ihre Wirkung entfalten kann. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Attacken, Schmerzstärke, Trigger und Medikamententage als Kopfschmerzkalender dokumentieren und als Kurve zum Termin mitbringen. Verlauf tracken
  • Wechselwirkungs-Check — erkennt kritische Kombinationen, etwa Triptane zusammen mit bestimmten Antidepressiva, und behält die 10/20-Grenze deiner Medikamententage im Auge. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan — Akutmedikament und Prophylaxe übersichtlich für Hausarzt, Neurologie und Apotheke. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu Migräne

Entscheidend ist, früh und ausreichend hoch dosiert zu behandeln. Bei leichteren Attacken wirken NSAR wie Ibuprofen, bei mittelstarken bis schweren Attacken spezifische Triptane wie Sumatriptan. Ein Mittel gegen Übelkeit rund 15 Minuten vorher lindert die Übelkeit und verbessert die Aufnahme des Schmerzmittels. Wichtig ist das Einnahmefenster: möglichst zu Beginn der Kopfschmerzphase, nicht erst wenn der Schmerz sehr stark ist.
Triptane werden am besten früh in der Kopfschmerzphase eingenommen, also sobald der Kopfschmerz beginnt — nicht schon während der Aura. In der reinen Aura-Phase wirken sie erfahrungsgemäß schlechter. Kehrt der Schmerz nach anfänglicher Besserung zurück, ist eine zweite Dosis nach frühestens zwei Stunden möglich.
Bei der Migräne mit Aura gehen dem Kopfschmerz vorübergehende neurologische Störungen voraus — meist Sehstörungen wie Flimmern oder Zickzacklinien, seltener Kribbeln oder Sprachstörungen. Diese Aura baut sich langsam über Minuten auf und bildet sich innerhalb einer Stunde vollständig zurück. Rund zwei Drittel der Betroffenen haben keine Aura. Eine erstmalige Aura sollte immer ärztlich abgeklärt werden, um einen Schlaganfall auszuschließen.
Migräne ist typischerweise einseitig, pulsierend-pochend, verstärkt sich durch Bewegung und geht oft mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmscheu einher. Ein Spannungskopfschmerz fühlt sich dumpf-drückend an, liegt wie ein Band beidseitig um den Kopf, verstärkt sich durch Bewegung nicht und geht meist ohne Übelkeit einher. Ein Kopfschmerzkalender hilft, beide sicher zu unterscheiden.
Werden Akut- und Schmerzmittel zu häufig genommen, können sie selbst einen fast täglichen Kopfschmerz verursachen. Es gilt die 10/20-Regel: Triptane und Kombinationsschmerzmittel an höchstens 10 Tagen im Monat, einfache Schmerzmittel wie Ibuprofen an höchstens 20 Tagen. Wer regelmäßig darüber liegt, riskiert einen Übergebrauchskopfschmerz. Er ist rückbildungsfähig, meist durch eine ärztlich begleitete Medikamentenpause und den Start einer Prophylaxe.
Eine vorbeugende Dauertherapie wird meist erwogen, wenn du drei oder mehr Attacken pro Monat hast, die Attacken besonders schwer oder lang sind, Akutmedikamente nicht ausreichend wirken oder ein Übergebrauch droht. Zur Auswahl stehen bewährte Wirkstoffe wie Betablocker, Topiramat oder Amitriptylin sowie moderne CGRP-Antikörper. Die Prophylaxe wirkt nicht sofort, sondern baut sich über sechs bis acht Wochen auf.
Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Trinken sind wichtiger als das Streichen einzelner Lebensmittel. Nur wenige Menschen haben wirklich einen zuverlässigen Nahrungs-Trigger; häufiger lösen ausgelassene Mahlzeiten und ein schwankender Blutzucker Attacken aus. Statt vieler Verbote hilft ein Kopfschmerzkalender, echte von vermeintlichen Auslösern zu unterscheiden. Alkohol, vor allem Rotwein, ist ein häufiger Trigger.
Eine typische Migräneattacke ist zwar sehr belastend, aber an sich nicht gefährlich. Vorsicht ist bei Warnzeichen geboten: ein schlagartiger, extrem heftiger Donnerschlag-Kopfschmerz, Kopfschmerz mit Fieber und steifem Nacken, neurologische Ausfälle außerhalb des bekannten Aura-Musters oder der erste beziehungsweise schlimmste Kopfschmerz des Lebens. In diesen Fällen sofort den Notruf 112 wählen — das kann auf eine ernste andere Ursache hindeuten.
Migräne ist eine chronische Veranlagung, die sich im Lauf des Lebens verändern kann. Bei vielen Frauen bessert sie sich nach den Wechseljahren, bei anderen wechseln sich ruhigere und intensivere Phasen ab. Heilen im Sinne eines dauerhaften Verschwindens lässt sie sich nicht, aber die Attacken lassen sich durch Akuttherapie, Prophylaxe und einen regelmäßigen Lebensstil oft sehr gut in Schach halten.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. DGN/DMKG S1-Leitlinie: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (2022). Deutsche Gesellschaft für Neurologie / Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. awmf.org
  2. Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). dmkg.de
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Migräne. gesundheitsinformation.de
  4. International Classification of Headache Disorders (ICHD-3). ichd-3.org
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Migränemedikamente und insbesondere eine Prophylaxe sollten nur nach ärztlicher Rücksprache begonnen, verändert oder abgesetzt werden. Bei einem schlagartigen „Donnerschlag"-Kopfschmerz, Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteife, neurologischen Ausfällen oder dem ersten bzw. schlimmsten Kopfschmerz deines Lebens sofort den Notruf 112 wählen. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.