Panikstörung:
Panikattacken erkennen & behandeln

Auf einen Blick

HäufigkeitEine der häufigsten Angsterkrankungen — etwa 2 bis 3 von 100 Menschen sind im Laufe eines Jahres betroffen, Frauen rund doppelt so oft wie Männer
Andere NamenPaniksyndrom, episodisch paroxysmale Angst, Panikattacken-Erkrankung
LeitsymptomWiederkehrende, plötzliche Panikattacken mit heftigen Körpersymptomen (Herzrasen, Atemnot, Todesangst) — plus die Angst vor der nächsten Attacke
DiagnoseKlinisches Gespräch nach wiederholten Attacken — erst nach Ausschluss körperlicher Ursachen (Herz, Schilddrüse, Unterzucker)
ErstlinieKognitive Verhaltenstherapie (Goldstandard), bei Bedarf zusätzlich ein SSRI-Antidepressivum
ICD-10F41.0 (Panikstörung / episodisch paroxysmale Angst)

Panikattacken und Behandlung im Blick

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Angst tracken

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Panikstörung?
  2. Panikattacke vs. Panikstörung: der Teufelskreis
  3. Symptome
  4. Ursachen & Risikofaktoren
  5. Diagnose & körperliche Abgrenzung
  6. Therapie: Psychotherapie
  7. Therapie: Medikamente im Klartext
  8. Selbsthilfe, Verlauf & Alltag
  9. Warnzeichen & Notfall
  10. So hilft brite dir
  11. FAQ
  12. Verwandte Themen
Hinweis Eine Panikattacke fühlt sich lebensbedrohlich an, ist es aber nicht. Trotzdem gilt: Treten Brustschmerz oder Atemnot zum ersten Mal auf, muss zuerst ärztlich ein Herzproblem ausgeschlossen werden.

1. Was ist eine Panikstörung?

Eine Panikstörung ist eine Angsterkrankung, bei der wiederkehrende, plötzliche Panikattacken auftreten — ohne dass eine reale Gefahr besteht. Eine Panikattacke ist eine Welle intensivster Angst, die binnen Minuten ihren Höhepunkt erreicht und von heftigen Körpersymptomen begleitet wird: Herzrasen, Atemnot, Zittern, Schwindel und oft dem überwältigenden Gefühl, gleich zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Die Attacke kommt für die Betroffenen „wie aus dem Nichts".

Wichtig ist die Unterscheidung: Eine einzelne Panikattacke ist noch keine Panikstörung. Viele Menschen erleben irgendwann in ihrem Leben eine solche Attacke, etwa in einer extremen Stresssituation — das ist unangenehm, aber für sich genommen keine Erkrankung. Von einer Panikstörung spricht man erst, wenn die Attacken wiederholt und unerwartet auftreten und sich zusätzlich eine Erwartungsangst entwickelt: die ständige Sorge vor der nächsten Attacke. Genau diese „Angst vor der Angst" macht die Erkrankung aus und hält sie am Laufen.

Man kann sich das so vorstellen: Der Körper löst fälschlicherweise einen Alarm aus — dieselbe uralte „Kampf-oder-Flucht"-Reaktion, die uns eigentlich vor echter Gefahr schützen soll. Adrenalin wird ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an. Nur gibt es diesmal keinen Säbelzahntiger, vor dem man fliehen müsste. Der Körper reagiert körperlich völlig „richtig", aber im falschen Moment. Weil die Symptome so heftig und echt sind, deuten viele sie als Zeichen einer schweren körperlichen Erkrankung — und geraten dadurch noch tiefer in die Angst.

Die gute Nachricht Die Panikstörung gehört zu den am besten behandelbaren psychischen Erkrankungen. Mit einer kognitiven Verhaltenstherapie — bei Bedarf ergänzt durch Medikamente — werden die meisten Menschen wieder beschwerdefrei oder lernen, souverän mit der Angst umzugehen. Eine Panikattacke ist zudem, so schlimm sie sich anfühlt, nicht gefährlich und geht von allein wieder vorbei.

2. Panikattacke vs. Panikstörung: der Teufelskreis

Der Kern der Panikstörung ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf — der Teufelskreis der Angst. Ihn zu verstehen ist der wichtigste Schritt, denn genau hier setzt später die Therapie an. Er läuft in mehreren Schritten ab:

  • 1. Auslöser: Eine harmlose Körperempfindung tritt auf — etwa ein leichtes Herzstolpern, ein Schwindelgefühl beim Aufstehen oder ein Engegefühl in der Brust. Der Auslöser kann auch Stress oder gar nichts Erkennbares sein.
  • 2. Fehldeutung: Das Gehirn interpretiert diese Empfindung als bedrohlich: „Mit meinem Herz stimmt etwas nicht", „Ich bekomme keine Luft", „Ich werde gleich ohnmächtig".
  • 3. Angst: Die Fehldeutung löst echte Angst aus. Der Körper schaltet in den Alarmzustand.
  • 4. Körperreaktion: Adrenalin wird ausgeschüttet — das Herz rast noch stärker, die Atmung wird schneller, Schwindel und Enge nehmen zu.
  • 5. Verstärkung: Die stärkeren Symptome „bestätigen" die Befürchtung. Die Angst steigt weiter — der Kreis dreht sich immer schneller, bis zur vollen Panikattacke.

Der entscheidende Punkt: Nicht die Körperempfindung selbst ist das Problem, sondern ihre katastrophisierende Bewertung. Ein Gesunder spürt dasselbe Herzstolpern und denkt sich nichts dabei. Bei der Panikstörung wird daraus eine Kette aus Fehldeutung, Angst und noch mehr Symptomen. Zwischen den Attacken entsteht dann die Erwartungsangst — und viele beginnen, Situationen zu meiden, in denen schon einmal eine Attacke auftrat (etwa Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel, weite Wege von zu Hause). Diese Vermeidung kann sich zur Agoraphobie ausweiten und den Alltag stark einengen.

Die Panikstörung ist eng mit anderen Angsterkrankungen verwandt. Einen Überblick über das gesamte Spektrum gibt der Artikel zu den Angststörungen.


3. Symptome

Eine Panikattacke erreicht ihren Höhepunkt typischerweise innerhalb von etwa zehn Minuten und klingt dann meist nach 20 bis 30 Minuten wieder ab. Charakteristisch ist die Kombination aus heftigen körperlichen Symptomen und intensiver Angst. Nach den diagnostischen Kriterien müssen mehrere der folgenden Beschwerden gleichzeitig auftreten:

  • Herzrasen oder Herzstolpern, oft als „das Herz schlägt bis zum Hals" empfunden — mehr dazu unter Herzrasen
  • Atemnot, Erstickungs- oder Engegefühl in Hals und Brust
  • Brustschmerz oder Druck auf der Brust
  • Schwindel, Benommenheit oder das Gefühl, ohnmächtig zu werden — siehe Schwindel
  • Zittern, Schwitzen, Hitzewallungen oder Kälteschauer
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen, Füßen oder um den Mund
  • Übelkeit oder Bauchbeschwerden
  • Todesangst oder die Angst, verrückt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren
  • Entfremdungsgefühl — die Umgebung oder der eigene Körper wirken unwirklich (Derealisation, Depersonalisation)

Besonders quälend ist die Todesangst: Viele sind während der Attacke felsenfest überzeugt, einen Herzinfarkt zu erleiden oder zu ersticken. Genau das treibt viele — verständlicherweise — wiederholt in die Notaufnahme. Zwischen den Attacken bleibt die schon beschriebene Erwartungsangst: eine dauerhafte innere Anspannung und Wachsamkeit, gepaart mit der Sorge, wann und wo die nächste Attacke zuschlägt. Diese anhaltende innere Unruhe ist für viele auf Dauer belastender als die Attacken selbst.

Eine Attacke ist zeitlich begrenzt So bedrohlich sie sich anfühlt: Der Körper kann den Adrenalin-Alarm nicht endlos aufrechterhalten. Jede Panikattacke erreicht einen Höhepunkt und flaut dann zwangsläufig wieder ab — auch wenn man nichts tut. Dieses Wissen allein nimmt der Angst oft schon einen Teil ihrer Macht.

4. Ursachen & Risikofaktoren

Eine Panikstörung hat selten eine einzelne Ursache. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Veranlagung, Lebensumständen und der Art, wie der Körper und das Gehirn auf Stress reagieren.¹

  • Veranlagung: Angsterkrankungen treten familiär gehäuft auf — die Empfindlichkeit des Alarmsystems ist zum Teil erblich.
  • Stress und Belastungen: Anhaltender Stress, Überforderung, Konflikte oder einschneidende Lebensereignisse (Trennung, Verlust, berufliche Krise) gehen der ersten Attacke oft voraus.
  • Frühere Erfahrungen: belastende Kindheitserlebnisse oder eine ängstlich geprägte Grundhaltung.
  • Körperliche Empfindsamkeit: Manche Menschen nehmen normale Körpersignale intensiver wahr und neigen dazu, sie bedrohlich zu deuten.
  • Substanzen: viel Koffein, Nikotin, Alkohol oder Drogen (besonders Cannabis und Stimulanzien) können Attacken auslösen oder verstärken.
  • Schlafmangel: zu wenig oder schlechter Schlaf senkt die Belastungsschwelle deutlich. Wie Schlaf und psychische Gesundheit zusammenhängen, zeigt der Artikel zu Schlafstörungen.

Häufig ist auch das gemeinsame Auftreten mit anderen Erkrankungen: Depressionen, andere Angststörungen oder ein problematischer Alkoholkonsum gehen oft mit einer Panikstörung einher. Wichtig ist außerdem: Bestimmte körperliche Erkrankungen können Panik-ähnliche Zustände vortäuschen — allen voran eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzrhythmusstörungen oder Unterzuckerungen. Deshalb steht am Anfang immer die körperliche Abklärung, bevor die Diagnose einer Panikstörung gestellt wird.


5. Diagnose & körperliche Abgrenzung

Die Diagnose einer Panikstörung wird im ärztlichen oder psychotherapeutischen Gespräch gestellt — es gibt keinen Bluttest und kein Röntgenbild, das sie beweist. Entscheidend sind das typische Muster (wiederkehrende, unerwartete Attacken plus Erwartungsangst) und der Ausschluss anderer Ursachen. Weil sich eine Panikattacke körperlich anfühlt wie ein akuter Notfall, ist die Abgrenzung von körperlichen Erkrankungen der wichtigste erste Schritt.¹,²

Vor allem bei einer ersten Attacke mit Brustschmerz oder Atemnot muss immer zuerst geklärt werden, ob nicht doch das Herz betroffen ist. Diese körperliche Abklärung ist keine übertriebene Vorsicht, sondern medizinisch geboten:

AbzuklärenWomitWarum
HerzEKG, ggf. Langzeit-EKG, BlutwerteHerzrhythmusstörungen und Durchblutungsstörungen ausschließen
SchilddrüseBlutwerte (TSH)Eine Überfunktion macht Herzrasen und Unruhe
UnterzuckerBlutzuckerHypoglykämie kann Zittern, Schwitzen, Angst auslösen
Lunge / AtmungUntersuchung, ggf. WerteAtemnot anderer Ursache abgrenzen
Tabelle nach rechts scrollbar

Eine besonders wichtige Abgrenzung ist die Schilddrüsenüberfunktion: Sie erzeugt Herzrasen, innere Unruhe, Zittern und Schwitzen und kann sich fast wie eine Panikstörung anfühlen — lässt sich aber mit einem einfachen Blutwert erkennen und gut behandeln. Sind alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen und passt das Muster, kann die Diagnose einer Panikstörung gestellt werden.

Nicht endlos „durchchecken" lassen Die körperliche Abklärung ist am Anfang unverzichtbar. Ist sie einmal gründlich erfolgt und unauffällig, wird ein ständiges Wiederholen von Untersuchungen jedoch zum Teil des Problems: Jeder erneute Check beruhigt nur kurz und hält die Angst am Leben. Dann ist der Wechsel zur psychotherapeutischen Behandlung der bessere Weg.

6. Therapie: Psychotherapie

Die wichtigste Behandlung der Panikstörung ist die Psychotherapie, allen voran die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Sie gilt als Goldstandard und ist die am besten untersuchte Methode überhaupt. Ziel ist nicht, die Angst „wegzumachen", sondern den Teufelskreis zu durchbrechen und die Kontrolle zurückzugewinnen. Viele Betroffene werden dadurch wieder beschwerdefrei.¹

Die KVT arbeitet an mehreren Stellen gleichzeitig — sie erklärt zunächst, was im Körper passiert, und übt dann Schritt für Schritt einen neuen Umgang mit den Angstempfindungen ein.

Goldstandard Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Psychoedukation
Verstehen, was eine Panikattacke ist — ein Fehlalarm des Körpers, nicht ein Herzinfarkt. Allein dieses Wissen entzieht der Katastrophenangst oft schon den Boden.
Kognitive Arbeit
Die automatischen Katastrophen-Gedanken („Ich sterbe gleich") erkennen und durch realistische ersetzen. So wird die Fehldeutung im Teufelskreis unterbrochen.
Interozeptive Übungen
Gefürchtete Körpersymptome gezielt herstellen (z. B. schnelles Atmen, Treppensteigen), um zu erleben: Diese Empfindungen sind ungefährlich und klingen von selbst ab.
Exposition
Gemiedene Situationen schrittweise wieder aufsuchen, statt zu flüchten. So lernt das Gehirn, dass keine Katastrophe folgt — das wirksamste Mittel gegen Vermeidung und Agoraphobie.

Eine Psychotherapie braucht etwas Geduld: Erste Fortschritte zeigen sich oft nach wenigen Wochen, eine stabile Besserung über einige Monate. Der große Vorteil gegenüber Medikamenten ist, dass die erlernten Fähigkeiten bleiben — auch nach Ende der Therapie sinkt das Rückfallrisiko deutlich. Ergänzend helfen Entspannungsverfahren, eine ruhige Bauchatmung und regelmäßige Bewegung.


7. Therapie: Medikamente im Klartext

Medikamente sind bei der Panikstörung eine wirksame Ergänzung — vor allem bei stärkerer Ausprägung, bei begleitender Depression oder wenn eine Psychotherapie nicht rasch verfügbar ist. Am besten belegt ist die Kombination aus Psychotherapie und Medikament. Zentral sind dabei die SSRI (bestimmte Antidepressiva), die trotz des Namens auch gegen Angst sehr gut wirken.¹

Erstlinie SSRI — die tragende Wirkstoffgruppe
SSRI (z. B. Sertralin oder Escitalopram)
Erste Wahl bei der Panikstörung. Sie erhöhen den Botenstoff Serotonin und dämpfen die Angstbereitschaft. Wichtig: Die Wirkung setzt erst nach 2 bis 6 Wochen ein — zu Beginn kann die Unruhe sogar kurz zunehmen. Deshalb wird niedrig begonnen und langsam gesteigert.
SNRI (z. B. Venlafaxin)
Eine verwandte Gruppe und eine gute Alternative, wenn ein SSRI nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Auch hier braucht die Wirkung einige Wochen.
Nicht abrupt absetzen
SSRI und SNRI machen nicht abhängig, sollten aber nach längerer Einnahme ausschleichend abgesetzt werden. Ein plötzlicher Stopp kann unangenehme Absetzsymptome auslösen — Änderungen immer mit der Praxis besprechen.
Benzodiazepine nur kurz und zurückhaltend Beruhigungsmittel wie Lorazepam wirken zwar innerhalb von Minuten und können eine schwere Akutsituation überbrücken. Sie machen aber schon nach wenigen Wochen abhängig und sind daher nur für kurze, klar begrenzte Zeiträume gedacht — niemals als Dauerlösung. Für die eigentliche Behandlung der Panikstörung sind sie nicht geeignet.

Welches Präparat passt, hängt von Verträglichkeit, Begleiterkrankungen und Vorerfahrungen ab. Nebenwirkungen zu Beginn (Übelkeit, Unruhe, Schlafprobleme) legen sich meist nach den ersten ein bis zwei Wochen. Wichtig ist, nicht vorzeitig aufzugeben, bevor der Wirkstoff seine volle Wirkung entfalten konnte. Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten geprüft werden.

Behalte deine Therapie im Griff

brite erinnert dich an dein Antidepressivum und dokumentiert Attacken und Stimmung lückenlos — bereit fürs nächste Gespräch mit Praxis oder Therapeut.

  • Einnahme-Erinnerung für jede Dosis
  • Angst- und Stimmungsverlauf auf einen Blick
  • Wechselwirkungen im Check
Therapieplan anlegen

8. Selbsthilfe, Verlauf & Alltag

Neben der eigentlichen Therapie gibt es viel, was du selbst tun kannst, um Attacken seltener und schwächer zu machen und ihnen im Ernstfall etwas entgegenzusetzen. Diese Bausteine ersetzen keine Behandlung, unterstützen sie aber wirksam.

  • Die Attacke „aushalten", nicht bekämpfen: Wer akzeptiert, dass die Attacke da ist und von allein wieder vergeht, nimmt ihr die Energie. Gegenwehr und Panik vor der Panik verstärken sie nur.
  • Ruhige Bauchatmung: langsames Ausatmen, etwas länger als das Einatmen. Das dämpft die Übererregung. Bewusstes langsames Atmen wirkt der oft unbemerkten Schnellatmung entgegen.
  • Aufmerksamkeit nach außen lenken: Dinge in der Umgebung benennen, zählen, den Boden unter den Füßen spüren — das holt aus dem Gedankenkreisen heraus.
  • Auslöser reduzieren: weniger Koffein, Nikotin und Alkohol. Gerade Kaffee und Energydrinks können Herzrasen und Unruhe verstärken.
  • Regelmäßige Bewegung: Ausdauersport baut Anspannung ab und senkt nachweislich die Angstbereitschaft.
  • Ausreichend Schlaf: Ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert das Nervensystem und hebt die Belastungsschwelle.

Zum Verlauf: Unbehandelt neigt eine Panikstörung dazu, chronisch zu werden und sich durch Vermeidung immer weiter auszubreiten. Mit Behandlung ist die Prognose aber gut. Viele werden vollständig beschwerdefrei, andere lernen, die Angst so weit zu beherrschen, dass sie den Alltag nicht mehr bestimmt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser — auch weil sich dann eine Agoraphobie oder eine begleitende Depression eher vermeiden lässt.

Erkenne deine Muster

Halte in brite fest, wann Attacken auftreten und was ihnen vorausging — die beste Grundlage, um mit deinem Therapeuten Auslöser und Fortschritte zu besprechen.

Verlauf dokumentieren

9. Warnzeichen & Notfall

Eine Panikattacke ist zwar nicht lebensgefährlich, doch nicht jede körperliche Beschwerde ist automatisch harmlos. Manche Symptome müssen ärztlich abgeklärt werden — vor allem, wenn sie neu sind oder anders als sonst:

Wann sofort 112 oder ärztliche Hilfe Bei erstmaligem starken Brustschmerz oder Atemnot, bei Schmerz, der in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlt, bei Ohnmacht oder wenn die Beschwerden ungewohnt und anders als eine bekannte Attacke sind: erst ein Herzproblem ärztlich ausschließen lassen — im Zweifel den Notruf 112. Bei Suizidgedanken gilt: Du bist nicht allein. Wähle sofort den Notruf 112 oder wende dich rund um die Uhr kostenlos an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

So hilft brite dir bei Panikstörung

Eine Panikstörung behandelt man nicht in Tagen, sondern über Wochen und Monate — mit Therapie und oft einem Antidepressivum. Die Behandlung wirkt nur, wenn sie zuverlässig läuft und Fortschritte sichtbar werden. Genau dabei unterstützt brite.

  • Einnahme-Erinnerung — dein SSRI wie Sertralin oder Escitalopram pünktlich und ohne Lücken, gerade in den ersten Wochen bis die Wirkung einsetzt. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Attacken, Stimmung und Auslöser dokumentieren und als Verlauf zum Therapiegespräch mitbringen. Die beste Grundlage, um Fortschritte zu erkennen. Verlauf tracken
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FAQ: Häufige Fragen zur Panikstörung

Eine Panikattacke ist eine einzelne Welle heftiger Angst mit Körpersymptomen wie Herzrasen und Atemnot. Sie kann jedem einmal passieren. Eine Panikstörung liegt erst vor, wenn solche Attacken wiederkehrend und unerwartet auftreten und sich zusätzlich eine Erwartungsangst entwickelt — die ständige Angst vor der nächsten Attacke.
Nein. So bedrohlich sich Herzrasen, Atemnot und Todesangst anfühlen — eine Panikattacke ist körperlich ungefährlich und geht von allein vorbei. Der Körper kann den Adrenalin-Alarm nicht endlos halten. Wichtig ist nur: Bei erstmaligem Brustschmerz oder Atemnot sollte zuerst ärztlich ein Herzproblem ausgeschlossen werden.
Eine Panikattacke erreicht ihren Höhepunkt meist innerhalb von etwa zehn Minuten und klingt dann nach 20 bis 30 Minuten wieder ab. Auch ohne Gegenmaßnahmen endet sie von selbst. Das Wissen, dass jede Attacke zeitlich begrenzt ist, nimmt der Angst oft schon einen Teil ihrer Macht.
Eine harmlose Körperempfindung (z. B. Herzstolpern) wird als bedrohlich fehlgedeutet. Das löst Angst aus, der Körper schüttet Adrenalin aus, die Symptome verstärken sich — und bestätigen scheinbar die Befürchtung. So schaukelt sich die Angst bis zur vollen Attacke hoch. Genau diesen Kreislauf durchbricht die kognitive Verhaltenstherapie.
Bei den ersten Attacken ja. Weil sich eine Panikattacke wie ein Herzinfarkt anfühlen kann, müssen körperliche Ursachen zuerst ausgeschlossen werden — vor allem am Herzen, aber auch Schilddrüsenüberfunktion und Unterzucker. Ist diese Abklärung einmal gründlich und unauffällig erfolgt, sind ständig wiederholte Untersuchungen aber nicht mehr sinnvoll.
Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie — sie gilt als Goldstandard. Bei stärkerer Ausprägung oder begleitender Depression kann ein SSRI-Antidepressivum ergänzt werden. Die Kombination aus Therapie und Medikament wirkt oft am besten. Der Vorteil der Therapie: Das Erlernte bleibt und senkt das Rückfallrisiko dauerhaft.
SSRI und SNRI machen nicht abhängig, sollten aber nach längerer Einnahme langsam ausgeschlichen werden. Anders die Benzodiazepine (z. B. Lorazepam): Sie wirken schnell, machen aber schon nach wenigen Wochen abhängig und sind daher nur für kurze, klar begrenzte Zeiträume gedacht — nicht zur Dauerbehandlung.
Die volle Wirkung setzt erst nach etwa zwei bis sechs Wochen ein. Zu Beginn kann die innere Unruhe sogar kurz zunehmen, weshalb niedrig begonnen und langsam gesteigert wird. Wichtig ist, nicht vorzeitig abzubrechen, bevor der Wirkstoff seine volle Wirkung entfalten konnte — Änderungen immer mit der Praxis besprechen.
Nicht gegen die Attacke ankämpfen, sondern akzeptieren, dass sie da ist und von selbst vergeht. Hilfreich sind eine ruhige, langsame Bauchatmung mit betontem Ausatmen und das Lenken der Aufmerksamkeit nach außen — etwa Dinge in der Umgebung benennen. Weniger Koffein, guter Schlaf und Bewegung senken die Häufigkeit von Attacken.

11. Verwandte Themen

Quellen

  1. S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (DGPPN u. a.). awmf.org
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Panikstörung und Agoraphobie. gesundheitsinformation.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). dgppn.de
  4. Deutsche Angst-Hilfe e. V. (DASH). angstselbsthilfe.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Therapie. Antidepressiva sollten niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden — bei Fragen die behandelnde Praxis kontaktieren. Bei erstmaligem Brustschmerz oder Atemnot immer zuerst ärztlich ein Herzproblem ausschließen und im Zweifel den Notruf 112 wählen. Bei Suizidgedanken sofort Hilfe holen: Notruf 112 oder Telefonseelsorge 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222. Letzte Aktualisierung: Juli 2026.