RSV:
Symptome, Schutz für Babys & Impfung für Senioren

Auf einen Blick

Betroffene Fast jedes Kind infiziert sich in den ersten Lebensjahren mindestens einmal mit RSV
Risikogruppen Babys in den ersten Lebensmonaten, Frühgeborene, ältere Erwachsene, Menschen mit COPD oder Herzinsuffizienz
Saison In der Regel Oktober bis März in Deutschland, Maximum meist Januar/Februar
Schutz für Babys Nirsevimab (passive Immunisierung) — STIKO-Empfehlung für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer 1. RSV-Saison; Kassenleistung
Schutz für Senioren RSV-Impfung: Standardimpfung ab 75 Jahren, Indikationsimpfung 60–74 J. mit schwerer Grunderkrankung oder Pflegeeinrichtung
ICD-10 J12.1, J20.5, J21.0

1. Was ist RSV?

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist einer der häufigsten Erreger von Atemwegsinfektionen — und die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen bei Babys in Deutschland. Fast jedes Kind infiziert sich in den ersten Lebensjahren mindestens einmal. Bei den meisten verläuft die Infektion wie eine gewöhnliche Erkältung — bei Babys (besonders in den ersten Lebensmonaten), Frühgeborenen und älteren Erwachsenen kann RSV aber zu schweren Atemwegserkrankungen führen.¹˒⁶

RSV ist auch bei älteren Erwachsenen ein häufig unterschätztes Problem: Es kann schwere Lungenentzündungen verursachen und bestehende Lungen- und Herzerkrankungen (z. B. COPD, Herzinsuffizienz) verschlechtern.²

Erstmals wirksame Schutzmaßnahmen verfügbar Seit der RSV-Saison 2024/25 gibt es eine passive Immunisierung für Babys (Nirsevimab) und eine aktive Impfung für ältere Erwachsene — beide von der STIKO empfohlen.¹˒²

2. Symptome: Babys vs. Erwachsene

Babys Häufig schwerer — Bronchiolitis-Risiko
  • Schnupfen, Husten, leichtes Fieber — anfangs häufig wie eine normale Erkältung
  • Trinkschwäche — das Kind trinkt deutlich weniger als gewöhnlich
  • Schnelle Atmung, Nasenflügeln, sichtbare Einziehungen am Brustkorb
  • Pfeifende Atemgeräusche (Giemen)
  • Atempausen (Apnoen) — besonders bei Frühgeborenen, kann lebensbedrohlich sein
  • Bläuliche Verfärbung der Lippen oder Fingernägel (Zyanose) — Hinweis auf Sauerstoffmangel
Bronchiolitis — die typische RSV-Komplikation bei Babys Eine Entzündung der kleinen Bronchien (Bronchiolen), bei der zäher Schleim die noch engen Atemwege verstopfen kann. Sie ist das häufigste Krankheitsbild bei einer RSV-bedingten Krankenhauseinweisung im Säuglingsalter.
Erwachsene Häufig wie Erkältung — bei Senioren unterschätzt
  • Typische Erkältungssymptome: Schnupfen, Husten, Halsschmerzen
  • Bei älteren Erwachsenen und chronisch Kranken: Kurzatmigkeit, Verschlechterung einer bestehenden COPD oder Herzinsuffizienz, Lungenentzündung
  • RSV wird bei Erwachsenen häufig nicht erkannt — es gilt oft als „nur eine Erkältung" und wird in der Regel nicht getestet

3. Wann zum Arzt? Wann 112?

Sofort ärztlich vorstellen oder 112 wählen bei: Deutlicher Trinkschwäche (erheblich weniger als gewöhnlich) · Schneller Atmung, sichtbarer Atemnot, Einziehungen am Brustkorb · Fieber bei Babys in den ersten Lebensmonaten · Verschlechterung nach anfänglicher Besserung · Atempausen (Apnoen) · Bläulichen Lippen oder Fingernägeln (Zyanose) · Extremer Trinkverweigerung, auffälliger Schlaffheit · Bewusstseinsveränderung¹˒⁶
Im Zweifel: einmal zu viel vorstellen RSV bei Babys in den ersten Lebensmonaten ist meistens ernst zu nehmen. Besonders gefährdet sind Frühgeborene und Babys mit angeborenem Herzfehler oder chronischer Lungenerkrankung.

4. Ursachen und Übertragung

  • Tröpfcheninfektion — beim Husten, Niesen oder Sprechen
  • Schmierinfektion — das Virus kann auf Oberflächen (Türklinken, Spielzeug) mehrere Stunden überleben
  • Inkubationszeit: in der Regel einige Tage
  • Ansteckungsfähigkeit: meistens einige Tage nach Symptombeginn (bei Immungeschwächten möglicherweise länger)
  • Eine erneute Infektion (Reinfektion) ist möglich — die natürliche Immunität schützt nur teilweise und vorübergehend
  • Wichtig: Erwachsene mit einer vermeintlich harmlosen Erkältung können RSV unwissentlich auf Babys übertragen
RSV vs. Erkältung vs. Grippe vs. COVID Die Symptome überlappen in der Regel stark — eine sichere Unterscheidung ohne Test ist meistens nicht möglich. In Kliniken und Kinderarztpraxen kommen häufig Multiplex-Tests zum Einsatz, die mehrere Erreger gleichzeitig nachweisen können. Mehr: Atemwegsinfektionen — Erkältung, Grippe, COVID.

5. Diagnose

  • RSV-Schnelltest: Nasenabstrich mit Ergebnis innerhalb weniger Minuten. In Kliniken und vielen Kinderarztpraxen verfügbar. RSV-Infektionen sind in Deutschland seit 2023 meldepflichtig.
  • PCR: Der genaueste Nachweis — wird in der Regel bei schweren Verläufen in der Klinik eingesetzt.
  • Multiplex-Test: Gleichzeitiger Nachweis von RSV, Influenza und SARS-CoV-2 — hilft bei der Differenzierung.

6. Behandlung

Es gibt nach aktuellem Wissensstand kein spezifisches Medikament gegen RSV. Die Behandlung ist in der Regel symptomatisch:

Leichte Verläufe (zu Hause)

  • Ausreichend trinken — bei Babys häufigere, kleinere Mahlzeiten (Stillen oder Flasche)
  • Nasentropfen (physiologische Kochsalzlösung) — Nase frei halten, besonders vor dem Trinken
  • Oberkörper leicht erhöht lagern
  • Bei Bedarf: Fiebersenkung nach ärztlicher Empfehlung — kein ASS bei Kindern
  • Raumluft befeuchten

Schwere Verläufe (Krankenhaus)

  • Sauerstoffgabe (z. B. Nasenbrille, High-Flow)
  • Absaugen des Nasenschleims
  • Ernährung über Magensonde bei ausgeprägter Trinkverweigerung
  • Monitoring (Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Apnoe-Überwachung)
  • In seltenen Fällen: Atemunterstützung (CPAP oder maschinelle Beatmung)
Antibiotika wirken nicht gegen RSV RSV ist ein Virus — Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Sie werden nur eingesetzt, wenn eine bakterielle Zweitinfektion (z. B. Mittelohrentzündung oder bakterielle Lungenentzündung) hinzukommt.
Mögliche Langzeitfolgen Bei einem Teil der Kinder, die eine RSV-Bronchiolitis durchgemacht haben, können in den Folgejahren wiederkehrende pfeifende Atemgeräusche und ein möglicherweise erhöhtes Asthma-Risiko auftreten. Kinder mit schwerer RSV-Bronchiolitis sollten in den Folgejahren auf Atemwegssymptome beobachtet werden.

7. Schutz für Babys: Nirsevimab

Nirsevimab — passive Immunisierung für alle Säuglinge
Was: Ein monoklonaler Antikörper (keine klassische Impfung). Eine einzige Gabe schützt in der Regel über die RSV-Saison vor schweren RSV-Erkrankungen. Das Baby bildet dabei keine eigenen Antikörper, sondern erhält sie fertig.
STIKO-Empfehlung: Für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison — unabhängig von Risikofaktoren.¹
Zeitpunkt: Babys, die zwischen April und September geboren werden: im Herbst vor Beginn der RSV-Saison. Neugeborene während der RSV-Saison (Oktober bis März): möglichst zeitnah nach der Geburt.
Wirksamkeit: In Studien konnte Nirsevimab RSV-bedingte Krankenhauseinweisungen bei Säuglingen deutlich reduzieren.
Verträglichkeit: Häufigste Nebenwirkung: leichter, vorübergehender Hautausschlag an der Einstichstelle. Fieber tritt selten und in der Regel mild auf.
Kosten: Kassenleistung für alle gesetzlich versicherten Säuglinge.
Zweite RSV-Saison Für Kinder in ihrer zweiten RSV-Saison wird Nirsevimab in der Regel nur bei bestimmten Hochrisiko-Konstellationen empfohlen (z. B. Frühgeborene mit bronchopulmonaler Dysplasie, hämodynamisch relevante Herzfehler, schwere Immundefekte). In diesen Fällen kommt alternativ auch Palivizumab infrage (älterer Antikörper mit monatlicher Gabe).¹

8. RSV-Impfung für ältere Erwachsene

Die STIKO empfiehlt eine RSV-Impfung für ältere Erwachsene:²

Ab 75 Standardimpfung — einmalig

Eine einmalige RSV-Impfung, idealerweise im September oder Anfang Oktober vor der RSV-Saison.

60–74 Indikationsimpfung — bei schwerer Grunderkrankung oder Pflegeeinrichtung

Bei schwerer Form einer relevanten Grunderkrankung (z. B. COPD, Herzinsuffizienz, Diabetes mit Komplikationen, schwere Immundefizienz) oder bei Bewohnerinnen und Bewohnern einer Pflegeeinrichtung.

Verfügbare RSV-Impfstoffe für Erwachsene
In Deutschland sind aktuell zwei proteinbasierte und ein mRNA-basierter RSV-Impfstoff für Erwachsene zugelassen. Die STIKO spricht keine Bevorzugung eines bestimmten Impfstoffs aus. In Studien wurde eine hohe Wirksamkeit gegen schwere Verläufe gezeigt.²˒⁵
Gleichzeitige Impfung: Die proteinbasierten RSV-Impfstoffe können in der Regel gleichzeitig mit der saisonalen Grippeimpfung gegeben werden (verschiedene Arme).²
Auffrischung: Ob und wann eine Auffrischung nötig ist, kann die STIKO nach aktuellem Datenstand noch nicht abschließend beurteilen.

9. Alltag und Prävention

  • Händewaschen: Wichtigste Einzelmaßnahme. Vor dem Kontakt mit Babys immer gründlich mit Seife waschen.
  • Erkältete Erwachsene: Babys nicht ins Gesicht küssen, nicht anhusten oder anniesen. Erwachsene mit Erkältung können RSV auf Babys übertragen — häufig, ohne es zu wissen.
  • Stillen: Muttermilch enthält Antikörper, die einen gewissen zusätzlichen Schutz bieten können. Stillen allein schützt aber in der Regel nicht zuverlässig vor RSV.
  • Raumhygiene: Spielzeug, Schnuller und Fläschchen regelmäßig reinigen. Regelmäßig lüften.
  • Kita und Krippe: Häufige Ansteckungsorte. Kinder mit deutlichen RSV-Symptomen sollten meistens zu Hause bleiben.
  • Tabakrauch: Passivrauchen kann das RSV-Risiko und die Schwere einer RSV-Infektion bei Babys deutlich erhöhen. Eine rauchfreie Umgebung ist wichtig.

So hilft brite dir bei RSV

Nirsevimab-Termin nicht vergessen, Symptome im Blick behalten, Impftermine dokumentieren — brite unterstützt dich und deine Familie.

  • Einnahme-Erinnerung — Nirsevimab-Termin, fiebersenkende Mittel, Impftermine: brite erinnert zuverlässig. Erinnerung einrichten
  • Gesundheitsverlauf — Fieber, Trinkmenge, Atemfrequenz und Symptome Tag für Tag dokumentieren. Verlauf tracken
  • Digitaler Medikationsplan — alle Medikamente und Impfungen übersichtlich für Kinderarzt oder Hausarzt. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu RSV

Für die meisten Kinder und Erwachsenen nicht — RSV verläuft in der Regel wie eine Erkältung. Bei Babys in den ersten Lebensmonaten, Frühgeborenen und älteren Erwachsenen kann RSV aber zu schweren Atemwegserkrankungen führen. RSV ist die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen bei Babys in Deutschland.
Ein monoklonaler Antikörper zur passiven Immunisierung — eine einzige Gabe schützt Babys in der Regel über die RSV-Saison vor schweren RSV-Erkrankungen. Die STIKO empfiehlt Nirsevimab für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison. Es ist eine Kassenleistung und keine klassische Impfung — das Baby erhält die Antikörper fertig und bildet keine eigenen.¹
Die STIKO empfiehlt Nirsevimab für alle Babys in ihrer ersten RSV-Saison — unabhängig von Risikofaktoren. In Studien konnte es RSV-bedingte Krankenhauseinweisungen deutlich reduzieren. Die Verträglichkeit gilt als gut. Es ist eine Kassenleistung.¹
Ja. Die STIKO empfiehlt eine einmalige RSV-Impfung als Standardimpfung ab 75 Jahren und als Indikationsimpfung für Menschen zwischen 60 und 74 Jahren mit schwerer Grunderkrankung oder in Pflegeeinrichtungen. In Deutschland stehen zwei proteinbasierte und ein mRNA-basierter Impfstoff zur Verfügung. Die Impfung kann in der Regel gleichzeitig mit der Grippeimpfung erfolgen.²
Die wichtigsten Maßnahmen: Nirsevimab (STIKO-empfohlen und Kassenleistung), gründliches Händewaschen vor dem Babykontakt, erkältete Erwachsene sollten Babys nicht ins Gesicht küssen, eine rauchfreie Umgebung und — sofern möglich — Stillen als zusätzlicher Schutzfaktor.¹
Ja — die natürliche Immunität nach einer RSV-Infektion schützt nur teilweise und vorübergehend. Reinfektionen sind häufig, verlaufen aber meistens milder als die Erstinfektion. Das höchste Risiko für einen schweren Verlauf besteht bei der Erstinfektion im ersten Lebensjahr.
Nein — RSV ist ein Virus, und Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Antibiotika werden nur dann eingesetzt, wenn eine bakterielle Zweitinfektion (z. B. eine Mittelohrentzündung oder eine bakterielle Lungenentzündung) hinzukommt.
Eine ärztliche Vorstellung oder Krankenhausaufnahme sollte bei deutlicher Trinkschwäche, Atemnot (schnelle Atmung, Einziehungen, Nasenflügeln), Atempausen, bläulichen Lippen oder Fingernägeln und bei Fieber in den ersten Lebensmonaten erfolgen. Im Zweifel ist es meistens besser, einmal zu viel ärztlich vorstellig zu werden als einmal zu wenig.
Eine Entzündung der kleinen Bronchien (Bronchiolen) — die typische RSV-Komplikation bei Babys. Zäher Schleim verstopft die noch engen Atemwege, was zu pfeifenden Atemgeräuschen und Atemnot führen kann. Eine Bronchiolitis ist das häufigste Krankheitsbild bei einer RSV-bedingten Krankenhauseinweisung im Säuglingsalter.

12. Verwandte Themen

Quellen

  1. RKI: STIKO-Empfehlung RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab bei Neugeborenen und Säuglingen (Stand 02/2026). rki.de
  2. RKI: STIKO-Empfehlung RSV-Impfung für Erwachsene (Stand 01/2026). rki.de
  3. KBV: RSV-Prophylaxe und RSV-Impfung — Praxisinformation. kbv.de
  4. STIKO-Empfehlungen 2026 (Epid. Bull. 4/2026). rki.de
  5. Cochrane Review: RSV-Impfung bei Senioren (2025). cochrane.de
  6. gesundheitsinformation.de (IQWiG): RSV-Infektion bei Babys und Kleinkindern. gesundheitsinformation.de
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei Atemnot, Trinkverweigerung, Atempausen oder bläulichen Lippen beim Baby sollte sofort der Notruf 112 gewählt oder eine Kindernotaufnahme aufgesucht werden. RSV bei Babys in den ersten Lebensmonaten ist meistens ernst zu nehmen. Die Entscheidung über Impfungen und Immunisierungen trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Letzte Aktualisierung: April 2026.