1. Was sind Atemwegsinfektionen?

Akute Atemwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt — viele Erwachsene machen in der Regel mehrere pro Jahr durch. Sie werden meist durch Viren ausgelöst und betreffen die oberen Atemwege (Nase, Rachen, Kehlkopf) und/oder die unteren Atemwege (Bronchien, Lunge).¹

Zu den vier wichtigsten viralen Atemwegsinfektionen zählen: Erkältung, Grippe (Influenza), COVID-19 und RSV. Alle werden überwiegend durch Tröpfchen- oder Aerosolinfektion übertragen und treten gehäuft in den Herbst- und Wintermonaten auf.¹

Wichtig: Symptome allein reichen nicht zur Diagnose

Eine sichere Unterscheidung zwischen Erkältung, Grippe, COVID-19 und RSV ist anhand der Symptome allein in der Regel NICHT möglich — häufig schafft erst ein Labortest (Abstrich/PCR/Schnelltest) Klarheit.


2. Erkältung (grippaler Infekt)

Erkältungen können durch eine Vielzahl verschiedener Erreger ausgelöst werden — darunter häufig Rhinoviren, daneben saisonale Coronaviren (nicht SARS-CoV-2), Adenoviren und Parainfluenzaviren. Sie verlaufen meist mild und heilen in der Regel innerhalb von etwa einer Woche von selbst ab.

Typische Symptome

  • Schnupfen (laufende oder verstopfte Nase) — oft das erste Symptom, beginnt häufig mit Kribbeln oder Niesen
  • Halsschmerzen — Kratzen im Hals, Schluckbeschwerden (oft in den ersten Tagen)
  • Husten — anfangs meist trocken, später häufig produktiv; kann in Einzelfällen mehrere Wochen anhalten
  • Leichtes Fieber oder erhöhte Temperatur (bei Erwachsenen selten sehr hoch)
  • Leichte Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein
  • In der Regel eher schleichender Beginn über 1–2 Tage

Dauer und mögliche Komplikationen

Die Hauptsymptome klingen meist innerhalb einer Woche ab. Bei Risikogruppen (Immungeschwächte, Kleinkinder, Senioren) können in Einzelfällen Komplikationen auftreten (z. B. Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung bei Kindern).


3. Grippe (Influenza)

Die echte Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst und verläuft häufig deutlich schwerer als eine Erkältung. Das RKI schätzt je nach Schwere der Welle zwischen nahe null (milde Saison) und deutlich über 20.000 zusätzlichen Todesfällen (sehr schwere Saisons wie z. B. 2017/18).¹ Besonders gefährdet sind in der Regel ältere und chronisch kranke Menschen.

Typische Symptome

  • Häufig plötzlicher Beginn — von relativ gesund zu schwer krank innerhalb weniger Stunden
  • Oft hohes Fieber, Schüttelfrost
  • Ausgeprägtes Krankheitsgefühl — viele Betroffene beschreiben es als „wie überfahren“
  • Starke Kopf- und Gliederschmerzen
  • Trockener, schmerzhafter Husten
  • Ausgeprägte Müdigkeit und Abgeschlagenheit — kann in Einzelfällen wochenlang anhalten
  • Schnupfen — bei der Grippe in der Regel weniger im Vordergrund als bei einer Erkältung

Mögliche Komplikationen

Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Verschlechterung chronischer Erkrankungen wie Asthma, COPD, Diabetes oder Herzerkrankungen.¹

Risikogruppen (laut STIKO)

Personen ab 60 Jahren, Menschen mit chronischen Grundkrankheiten (Atemwege, Herz, Niere, Stoffwechsel), Immungeschwächte, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und medizinisches Personal.²

Antivirale Therapie bei Grippe (Oseltamivir)

Bei bestimmten Risikogruppen kann innerhalb der ersten etwa 48 Stunden nach Symptombeginn eine antivirale Therapie in Betracht gezogen werden. Verschreibungspflichtig — die Entscheidung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.


4. COVID-19

COVID-19 wird durch das Virus SARS-CoV-2 verursacht. Nach der Pandemie hat sich SARS-CoV-2 zu einem der saisonal zirkulierenden Atemwegsviren entwickelt. Durch die inzwischen weit verbreitete Immunität (Impfungen und durchgemachte Infektionen) verlaufen die meisten Infektionen heute eher mild.³

Häufige Symptome (aktuelle Varianten)

  • Halsschmerzen, Schnupfen, Husten — oft erkältungsähnlich
  • Fieber, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Kurzatmigkeit — vor allem bei schwereren Verläufen
  • Geschmacks- oder Geruchsverlust — bei aktuellen Varianten seltener als zu Beginn der Pandemie, kommt aber weiterhin vor

Long COVID: Langzeitfolgen nach COVID-19

Als Long COVID bzw. Post-COVID werden Langzeitfolgen bezeichnet, die Wochen bis Monate nach der Akutinfektion fortbestehen können: z. B. anhaltende Erschöpfung (Fatigue), Konzentrationsprobleme („Brain Fog“), Kurzatmigkeit, Schlafstörungen oder Herzrasen. Long COVID kann grundsätzlich jede Altersgruppe betreffen — auch nach milden Verläufen. Eine Impfung und eine frühzeitige antivirale Therapie scheinen das Risiko nach bisherigen Daten zu senken.

Antivirale Therapie bei COVID-19 (Paxlovid)

Für bestimmte Risikogruppen steht Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid) zur Verfügung — innerhalb weniger Tage nach Symptombeginn. Verschreibungspflichtig. Wichtig: Paxlovid hat zahlreiche Wechselwirkungen — vor dem Einsatz ist immer eine ärztliche und apothekerliche Prüfung erforderlich. Mehr: Wechselwirkungen von Medikamenten.³


5. RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)

RSV wird oft unterschätzt, gilt aber als eine der häufigsten Ursachen für Krankenhauseinweisungen bei Säuglingen und kann auch bei Seniorinnen und Senioren zu schweren Verläufen führen (z. B. Lungenentzündung, Verschlechterung einer bestehenden COPD oder Herzinsuffizienz).

Typische Symptome

  • Bei Erwachsenen: häufig erkältungsähnlich (Schnupfen, Husten, leichtes Fieber)
  • Bei Säuglingen: Trinkschwäche, schnelle Atmung, Nasenflügeln, pfeifende Atemgeräusche (Giemen), im Einzelfall Atempausen
  • Bei Senioren: häufig Kurzatmigkeit und Verschlechterung bestehender Lungen- oder Herzerkrankungen

Schutzmaßnahmen gegen RSV (seit 2024 erweitert)

Nirsevimab (Beyfortus) — passive Immunisierung, von der STIKO für alle Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison empfohlen. RSV-Impfung für ältere Menschen — laut STIKO als Standardimpfung ab einem bestimmten Alter sowie als Indikationsimpfung bei relevanten Vorerkrankungen empfohlen.

Ausführlich: RSV-Artikel.

6. Symptomvergleich: Erkältung vs. Grippe vs. COVID-19

Nur zur groben Orientierung — keine Diagnose

Eine sichere Unterscheidung ist in der Regel nur per Labortest möglich. In Arztpraxen stehen zunehmend Multiplex-Tests zur Verfügung, die Influenza, SARS-CoV-2 und RSV aus einem Abstrich nachweisen können.¹

MerkmalErkältungGrippeCOVID-19
BeginnSchleichend (1–2 Tage)Häufig plötzlich (Stunden)Variabel (1–3 Tage)
FieberEher selten, niedrigHäufig hochHäufig, variabel
SchnupfenDominant — LeitsymptomWeniger im VordergrundBei aktuellen Varianten häufig
GliederschmerzenMeist leichtHäufig stark — typischKommen häufig vor
KrankheitsgefühlEher leichtMeist schwer, Bettruhe nötigVariabel
GeruchsverlustNur bei VerstopfungSeltenMöglich (aktuell seltener)

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7. Wann zum Arzt? Wann 112?

Zum Hausarzt oder ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117)

  • Hohes Fieber über mehr als etwa 3 Tage
  • Die Symptome verschlechtern sich nach anfänglicher Besserung (möglicher Hinweis auf bakterielle Zweitinfektion)
  • Husten mit gelblich-grünem Auswurf, der länger anhält
  • Ohrenschmerzen — vor allem bei Kindern (mögliche Mittelohrentzündung)
  • Du gehörst zu einer Risikogruppe (z. B. höheres Alter, chronische Grunderkrankungen, Immunsuppression)
  • Bei Säuglingen: Trinkschwäche, schnelle Atmung, Fieber im ersten Lebenshalbjahr

Sofort 112 rufen bei:

Kurzatmigkeit oder Atemnot in Ruhe, Brustschmerzen beim Atmen, Bewusstseinstrübung oder Verwirrtheit, bläulichen Lippen oder Fingernägeln (Zyanose), Fieberkrampf bei Kindern, Atempausen oder anhaltender Trinkverweigerung bei Säuglingen.


8. Behandlung und Hausmittel

Die meisten Atemwegsinfektionen heilen von selbst aus. Die Behandlung zielt in der Regel auf eine Linderung der Symptome ab.

Allgemeine Maßnahmen

  • Körperliche Schonung — bei Fieber möglichst Bettruhe. Kein Sport, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind (u. a. wegen des Risikos einer Herzmuskelentzündung)
  • Ausreichend trinken — z. B. Wasser, Tee, Brühe. Bei Fieber steigt der Flüssigkeitsbedarf meistens
  • Raumluft befeuchten — trockene Heizungsluft kann die Schleimhäute zusätzlich reizen
  • Bei Symptomen zu Hause bleiben und Kontakt zu Risikogruppen möglichst vermeiden

Medikamente zur Symptomlinderung

Fieber und Schmerzen

Paracetamol oder Ibuprofen können bei Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen eingesetzt werden. Wichtig: Bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren wird Acetylsalicylsäure (ASS) wegen des seltenen, aber gefährlichen Reye-Syndroms in der Regel nicht empfohlen. Mehr: Medikamente vor oder nach dem Essen.

Schnupfen

Kochsalzlösung (z. B. als Nasenspray oder Nasendusche) ist in der Regel gut verträglich. Abschwellende Nasensprays (z. B. mit Xylometazolin) sollten nur über eine begrenzte Zeit angewendet werden, um einen Rebound-Effekt (Gewöhnungsschnupfen) zu vermeiden.

Halsschmerzen

Lutschtabletten, warme oder kühle Getränke, Gurgeln mit Salzwasser oder Salbeitee können helfen.

Husten

Inhalationen mit Kochsalzlösung befeuchten die Schleimhäute. Pflanzliche Hustenlöser (z. B. mit Thymian oder Efeu) werden häufig eingesetzt. Honig kann bei Kindern ab einem Jahr als Hausmittel eingesetzt werden — bei Säuglingen unter einem Jahr ist Honig wegen des Botulismus-Risikos tabu.

Antibiotika helfen NICHT gegen virale Atemwegsinfektionen

Erkältung, Grippe, COVID-19 und RSV sind virale Infektionen — Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Sie werden nur bei bakteriellen Komplikationen (z. B. bakterielle Lungenentzündung, Mittelohrentzündung) gezielt verordnet. Eine unnötige Einnahme kann Resistenzen fördern. Mehr: Antibiotika richtig einnehmen.

Antivirale Therapie (nur bei Grippe und COVID-19)

ErkrankungWirkstoffBesonderheiten
GrippeOseltamivir (z. B. Tamiflu)In der Regel innerhalb der ersten ~48 Stunden nach Symptombeginn. Verschreibungspflichtig. Nur für Risikogruppen.
COVID-19Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid)Zahlreiche Wechselwirkungen — ärztliche und apothekerliche Prüfung zwingend. Verschreibungspflichtig. Nur für Risikogruppen.

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9. Schutzmaßnahmen und Impfungen

Allgemeine Schutzmaßnahmen

  • Regelmäßiges Händewaschen mit Seife — meistens die wichtigste Einzelmaßnahme
  • In die Armbeuge husten oder niesen (nicht in die Hand)
  • Abstand zu erkrankten Personen halten
  • Bei Symptomen zu Hause bleiben — Kita/Schule/Arbeit meiden
  • In Innenräumen bei starker Viruszirkulation kann das Tragen einer Maske sinnvoll sein — insbesondere für Risikogruppen
  • Regelmäßig lüften (z. B. Stoßlüften)

Grippe-Impfung (Influenza)

Die STIKO empfiehlt eine jährliche Grippe-Impfung — in der Regel im Herbst (ca. Oktober–November). Empfohlen unter anderem für:²

  • Alle Personen ab 60 Jahren — die STIKO empfiehlt ab der Saison 2025/26 entweder einen Hochdosis- oder MF59-adjuvantierten Impfstoff²
  • Menschen mit chronischen Grundkrankheiten (z. B. Atemwege, Herz, Niere, Diabetes)
  • Medizinisches und pflegerisches Personal sowie Personen mit viel Publikumskontakt
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen

COVID-19-Impfung

Die STIKO empfiehlt eine jährliche Auffrischung im Herbst vor allem für:³

  • Personen ab 60 Jahren
  • Menschen mit relevanten Grunderkrankungen (z. B. Lunge, Herz, Niere, Diabetes, Immunsuppression)
  • Medizinisches und pflegerisches Personal

Für gesunde Erwachsene unter 60 Jahren gilt laut STIKO in der Regel die Basisimmunität als ausreichend.³

RSV-Impfung/-Prophylaxe

  • Nirsevimab (Beyfortus) — von der STIKO für alle Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison als passive Immunisierung empfohlen
  • RSV-Impfung für ältere Menschen — als Standardimpfung ab einem bestimmten Alter sowie als Indikationsimpfung bei relevanten Vorerkrankungen

Mehrere Impfungen am gleichen Tag möglich

Grippe, COVID-19 und Pneumokokken können laut STIKO meistens am gleichen Tag verabreicht werden (dann an unterschiedlichen Armen). Welche Impfungen im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.²˒³


10. So hilft brite dir bei Atemwegsinfektionen

brite unterstützt dich vom ersten Symptom bis zur vollständigen Genesung.

  • Gesundheitsverlauf — Symptome Tag für Tag dokumentieren. Fieberverlauf, Hustendauer, Besserung oder Verschlechterung nachvollziehbar machen. Verlauf tracken
  • Einnahme-Erinnerung — Schmerzmittel, Nasentropfen, Oseltamivir oder Paxlovid: brite erinnert pünktlich an die Einnahme. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check — Erkältungsmedikamente mit Dauermedikation oder Paxlovid mit anderen Arzneimitteln prüfen. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan — Alle Medikamente übersichtlich für Hausarzt, Apotheke und Notaufnahme. Zum Medikationsplan