Ohrgeräusche & Tinnitus:
Ursachen, Notfall & was hilft

Ein Pfeifen, Klingen, Rauschen oder Pochen im Ohr – ohne dass jemand dieses Geräusch erzeugt. Ohrgeräusche (medizinisch Tinnitus aurium) erlebt fast jede Person im Laufe des Lebens kurzzeitig, meist nach einem lauten Konzert oder bei Stress. Bei den meisten verschwinden sie wieder. Bleiben sie länger, können sie zur erheblichen Belastung werden. Hier erfährst du, welche Ursachen typisch sind, wann es ein Notfall ist (Hörsturz!), und was wirklich hilft – sowie welche Mittel laut Leitlinien nicht empfohlen werden.

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1. Was du jetzt sofort tun kannst

Schnellhilfe bei Ohrgeräuschen

  • Notfall-Check: Plötzliche einseitige Hörminderung? Pulsierender Tinnitus? Tinnitus mit Schwindel oder neurologischen Symptomen? Zeitnah HNO oder Notaufnahme.
  • Lärm meiden: Sofort raus aus lauter Umgebung. Bei Konzerten und Heimwerken Gehörschutz tragen, Kopfhörer-Lautstärke moderat halten.
  • Hintergrundgeräusche statt Stille: Absolute Stille verstärkt den Tinnitus. Leise Musik, Naturgeräusche oder weißes Rauschen helfen besonders beim Einschlafen.
  • Stress reduzieren: Schlaf, Bewegung, Entspannungsverfahren – reduzieren die Tinnituswahrnehmung.
  • Medikamente prüfen: Aminoglykoside, Schleifendiuretika oder NSAR in hoher Dosis können Tinnitus auslösen.
NOTFALL: Hörsturz und pulsierender Tinnitus Bei plötzlicher einseitiger Hörminderung mit Ohrgeräusch (Verdacht auf Hörsturz) oder bei pulsierendem Tinnitus (synchron mit dem Herzschlag) sollte zeitnah – idealerweise innerhalb weniger Tage – eine HNO-ärztliche Abklärung erfolgen. Auch plötzliche Ohrgeräusche mit Schwindel, Erbrechen oder neurologischen Symptomen erfordern eine zeitnahe Untersuchung.

2. Ohrgeräusche verstehen – Was passiert im Körper?

Ohrgeräusche (Tinnitus aurium) sind Geräusche, die ohne äußere Schallquelle im Ohr oder Kopf wahrgenommen werden. Sie können sich als Pfeifen, Klingen, Rauschen, Summen, Zischen oder pulsierendes Pochen äußern. Praktisch jede Person erlebt im Laufe des Lebens kurzzeitig Ohrgeräusche – in der Regel sind sie harmlos und vorübergehend.

Bleiben die Ohrgeräusche länger bestehen, können sie zu erheblicher Belastung führen: Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmung. Etwa zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen sind im Laufe des Lebens betroffen, ein Teil davon dauerhaft. Die ausführliche Darstellung des chronischen Tinnitus mit allen Therapieoptionen findest du auf der Seite Tinnitus.

Einfacher Selbsttest: 3 Fragen zum Tinnitus 1. Pulsierend oder konstant? Pulsierend (synchron mit dem Herzschlag) → immer abklären, Verdacht auf Gefäßursache. 2. Einseitig oder beidseitig? Einseitig → MRT zum Ausschluss eines Akustikusneurinoms. 3. Mit Hörverlust? Plötzlich einseitig → Verdacht auf Hörsturz, zeitnah zum HNO.

3. Häufige Ursachen für Ohrgeräusche

3.1 Häufige Ursachen

Lärmexposition: Konzerte, laute Arbeitsplätze, Schießstand, Kopfhörer bei hoher Lautstärke – die häufigste vermeidbare Ursache.

Schwerhörigkeit: Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis), Lärmschwerhörigkeit – fast immer mit Tinnitus assoziiert.

Hörsturz: Plötzliche, in der Regel einseitige Hörminderung, oft mit Tinnitus und manchmal Drehschwindel.

Ohrenschmalzpfropf, akute Mittelohrentzündung, Tubenfunktionsstörung: Häufige, gut behandelbare Ursachen.

Stress, Schlafmangel, psychische Belastung: Können Tinnitus akut auslösen oder verstärken.

Kiefergelenksstörungen (CMD), HWS-Beschwerden: Können Tinnitus begünstigen.

3.2 Seltenere Ursachen

Akustikusneurinom: Gutartiger Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs, typisch einseitig – deshalb wird bei einseitigem Tinnitus ein MRT empfohlen.

Morbus Menière: Trias aus Drehschwindel, Hörminderung und Tinnitus.

Otosklerose: Erkrankung der Gehörknöchelchen mit Hörverlust und Tinnitus.

Pulsierender Tinnitus: Gefäßanomalien, Karotisstenose, hoher Blutdruck, Schilddrüsenüberfunktion oder Anämie können einen pulsierenden Tinnitus verursachen.

4. Akut oder chronisch? Die 3-Monats-Regel

Die Dauer der Ohrgeräusche ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal – sie bestimmt, welche Diagnostik und welche Therapie sinnvoll sind.

MerkmalAkuter TinnitusChronischer Tinnitus
DauerBis zu 3 Monate (subakut bis 12 Monate)Länger als 3 Monate
Häufige AuslöserLärm, Stress, Erkältung, Hörsturz, OhrenschmalzSchwerhörigkeit, Lärmschäden, persistierend nach akutem Ereignis
VerlaufKlingt bei vielen von selbst abBleibt – Therapieziel: bessere Bewältigung
Therapie-SchwerpunktGgf. Glukokortikoide bei Hörsturz, Ursache behandelnCounselling, KVT, Hörgeräte bei Hörverlust
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Auch wichtig: Kompensiert vs. dekompensiert. Manche Betroffene können die Ohrgeräusche gut ausblenden (kompensiert), andere leiden erheblich darunter mit Schlafstörungen, Angst und Depression (dekompensiert) – die Komorbidität wesentlich beeinflusst den Verlauf und sollte gezielt mitbehandelt werden.

5. Was wirklich hilft – und was nicht

Therapie nach Ursache

Akuter Tinnitus / Hörsturz: In der Regel Versuch mit Glukokortikoiden (systemisch oder intratympanal). Die Empfehlung dazu wird in den HNO-Leitlinien individuell ausgesprochen – die Praxis entscheidet im Einzelfall.

Ohrenschmalzpfropf, Mittelohrentzündung: Ursache gezielt behandeln – Tinnitus klingt oft mit ab.

Chronischer Tinnitus: Counselling (strukturierte Beratung), kognitive Verhaltenstherapie (KVT), Hörgeräteversorgung bei begleitendem Hörverlust, Tinnitus-Selbsthilfegruppen. KVT reduziert nicht das Geräusch selbst, aber die Belastung dadurch.

Begleiterkrankungen behandeln: Schlafstörungen, Depression und Angststörungen verstärken die Tinnitusbelastung erheblich.

Was du selbst tun kannst

Die wichtigste Prävention ist Lärmschutz: Gehörschutz bei lauter Arbeit, Konzerten, Heimwerken; Kopfhörer-Lautstärke moderat halten. Suche keine absolute Stille – sie verstärkt den Tinnitus. Hintergrundgeräusche (leise Musik, Naturgeräusche, weißes Rauschen) helfen vielen Betroffenen, besser einzuschlafen. Ausreichend Schlaf, Bewegung und Entspannungsverfahren reduzieren die Tinnituswahrnehmung. Selbsthilfegruppen und strukturierte Tinnitus-Apps unterstützen das Leben mit dem Geräusch.

Was die Leitlinien NICHT empfehlen Ginkgo biloba, Betahistin, Vitamin- und Mineralstoffpräparate haben in den aktuellen Leitlinien zur Tinnitus-Behandlung keine ausreichende Evidenz. Bevor du in der Apotheke teure Präparate kaufst: Die wirksamsten Maßnahmen bei chronischem Tinnitus sind KVT, Hörgeräte (bei Hörverlust) und Counselling – das wird oft von der Krankenkasse übernommen.

6. Liegt es an deiner Medikation?

Manche Medikamente sind ototoxisch und können Tinnitus oder Hörminderung auslösen oder verstärken. Wichtig zu wissen: Für den Tinnitus selbst gibt es kaum etablierte medikamentöse Therapien – Ginkgo, Betahistin & Co. werden nicht empfohlen (siehe oben). Im Fokus stehen also die verursachenden Wirkstoffe:

MedikamentWirkung auf Tinnitus / Gehör
Aminoglykoside (Gentamicin, Tobramycin)Ototoxisch – Tinnitus und Hörverlust, oft irreversibel. Strenge Indikationsstellung
Schleifendiuretika in hoher Dosis (Furosemid)Tinnitus und Hörminderung, meist reversibel nach Dosisreduktion
Cisplatin (Chemotherapie)Stark ototoxisch – Audiometrie-Kontrollen während der Therapie
NSAR und ASS in hoher DosisTinnitus reversibel nach Absetzen – klassisches Salicylat-Phänomen
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Auch einige Antibiotika (z. B. Erythromycin in hoher Dosis) und Antimalariamittel (Chinin) können Tinnitus auslösen. Bei Verdacht auf eine medikamentös bedingte Ursache niemals eigenmächtig absetzen – mit der Praxis sprechen.

Digitaler Medikationsplan: Erfasse alle Präparate – HNO, Hausarzt, Neurologie und Onkologie sehen sofort, welche Wirkstoffe ototoxisch sein können. → Medikationsplan erstellen

Wechselwirkungs-Check: Welche Medikamente können Tinnitus verstärken? → Wechselwirkungs-Check starten

Einnahme-Erinnerung: Kortikosteroide bei Hörsturz, Antidepressiva bei Komorbidität oder andere Medikamente pünktlich einnehmen. → Erinnerung einrichten

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7. Wann solltest du Ohrgeräusche abklären lassen?

  • Zeitnah zum HNO: Plötzliche einseitige Hörminderung mit Ohrgeräusch – Verdacht auf Hörsturz.
  • Zeitnah zum Arzt: Pulsierender Tinnitus (synchron mit dem Herzschlag) – Gefäßabklärung notwendig.
  • Zeitnah zum Arzt: Tinnitus mit Drehschwindel und Hörminderung – Verdacht auf Morbus Menière.
  • Zeitnah zum Arzt: Plötzliche Ohrgeräusche mit neurologischen Symptomen (Sehstörungen, Lähmungen, starke Kopfschmerzen).
  • Zeitnah zum HNO: Einseitiger Tinnitus über längere Zeit – MRT zum Ausschluss eines Akustikusneurinoms.
  • Zeitnah zum Arzt: Tinnitus nach Beginn eines neuen Medikaments – Verdacht auf Ototoxizität.
  • Zum HNO: Tinnitus, der länger als drei Monate besteht – chronische Form, strukturierte Therapie sinnvoll.
  • Tinnitus mit ausgeprägter Belastung, Schlafstörungen oder depressiver Verstimmung – Komorbidität gezielt mitbehandeln.

8. Vorbereitung auf den Arzttermin – Deine Checkliste

  • Seit wann? Akut (Tage), subakut (Wochen) oder chronisch (über 3 Monate)?
  • Charakter: Pfeifen, Rauschen, Klingen, pulsierend? Konstant oder schwankend?
  • Wo? Einseitig oder beidseitig?
  • Begleitsymptome: Hörverlust, Schwindel, Druckgefühl, Kopfschmerzen, neurologische Auffälligkeiten?
  • Auslöser: Lautes Ereignis, neue Medikamente, Stress, Erkältung?
  • Belastung: Schlafstörungen, Konzentration, Stimmung – wie stark beeinträchtigt?
  • Medikamente: Vollständige Liste – besonders Aminoglykoside, Diuretika, NSAR, Cisplatin.

Mehr dazu: Arzttermin vorbereiten.

Wie brite dich bei Ohrgeräuschen unterstützt

brite hilft dir, Therapie und Medikation zuverlässig zu organisieren – damit ototoxische Wirkstoffe rechtzeitig erkannt werden und Therapien wie Kortikosteroide oder KVT-Begleitmedikation konsequent zur Anwendung kommen.

  • Einnahme-Erinnerung – Kortikosteroide bei Hörsturz, Antidepressiva bei Komorbidität oder andere Medikamente pünktlich einnehmen: brite erinnert zuverlässig. Erinnerung einrichten
  • Wechselwirkungs-Check – Welche Medikamente können Tinnitus verstärken? Wechselwirkungen kostenlos prüfen. Jetzt prüfen
  • Digitaler Medikationsplan – Alle Medikamente übersichtlich für HNO, Hausarzt, Neurologie und Psychotherapie. Zum Medikationsplan
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FAQ: Häufige Fragen zu Ohrgeräuschen

Bei plötzlicher einseitiger Hörminderung mit Ohrgeräusch (Verdacht auf Hörsturz), bei pulsierendem Tinnitus oder bei Tinnitus mit Schwindel und neurologischen Symptomen sollte zeitnah HNO- oder neurologische Abklärung erfolgen.
Bei vielen Betroffenen klingt akuter Tinnitus innerhalb von Tagen bis Wochen von selbst ab – vor allem nach Lärmexposition oder Stress. Bleibt der Tinnitus länger als drei Monate bestehen, gilt er als chronisch und sollte in der Regel HNO-ärztlich abgeklärt werden.
Die aktuelle Studienlage zeigt keine ausreichende Evidenz für Ginkgo-Präparate beim chronischen Tinnitus – sie werden in den Leitlinien nicht als wirksam empfohlen.
Eine plötzliche, in der Regel einseitige Hörminderung ohne erkennbare äußere Ursache, oft mit Tinnitus und manchmal Drehschwindel. Eine zeitnahe HNO-ärztliche Abklärung ist sinnvoll – die Therapieentscheidung trifft die Praxis individuell.
Ohrgeräusche, die im Rhythmus des Herzschlags pulsieren. Sollten in der Regel immer abgeklärt werden – können auf Gefäßveränderungen, Anämie, Schilddrüsenüberfunktion oder seltene Ursachen hinweisen.
Aminoglykoside, Schleifendiuretika in hohen Dosen, Cisplatin, NSAR und ASS in hoher Dosis, Chinin und einige andere Wirkstoffe. Bei Verdacht mit der behandelnden Praxis sprechen – nicht eigenmächtig absetzen.
Ja – die kognitive Verhaltenstherapie ist eine der am besten untersuchten und wirksamsten Therapieformen bei chronischem Tinnitus. Sie reduziert nicht das Geräusch selbst, aber die Belastung dadurch – mit deutlichem Gewinn an Lebensqualität.
Nein – absolute Stille kann den Tinnitus verstärken. Hintergrundgeräusche wie leise Musik, Naturgeräusche oder weißes Rauschen helfen vielen Betroffenen besonders beim Einschlafen.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus (DGHNO-KHC, AWMF 017-064, 2021)
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Tinnitus
  3. Deutsche Tinnitus-Liga (DTL)
  4. Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde (DGHNO-KHC)
  5. brite App: Anonymisierte Nutzerdaten, Stand April 2026
Medizinischer Haftungsausschluss: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei plötzlicher Hörminderung oder pulsierendem Tinnitus sollte zeitnah eine HNO-ärztliche Abklärung erfolgen. Medikamente sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Stand: April 2026.